Sonntag, 18. August 2013

Wir haben hier keine bleibende Statt


Ich habe zwar immer noch keinen Namen für diesen neuen Ort, aber der Verstand kehrt langsam zurück, was erfreulich ist (nein, diese Bemerkung trägt ernsthafte Züge). Gleich bringe ich einen Predigttext von Herrn Roloff, den er heute halten wird.

Mein Titel ist falsch, im griechischen Originaltext steht tatsächlich „Stadt“: „Oὐ γὰρ ἔχομεν ὧδε μένουσαν πόλιν ἀλλὰ τὴν μέλλουσαν ἐπιζητοῦμεν“. Die King James Bible übersetzt es mit „For here have we no continuing city, but we seek one to come.“ Aber ich finde, das deutsche Mißverständnis weitaus poetischer und besser.

Ursprünglich wollte ich ein paar Bilder anfügen, wie ich gerade versuche, diesem Ort einen (bescheidenen) Garten zu geben, aber daraus mache ich besser einen eigenen Beitrag. Also nur noch ein Bild von der Schloßkirche gegenüber.


Predigt zur Taufe von Magdalena Siedler

am 18. August 2013 zu Schönhausen

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
Hebr 13, 14

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Magdalena, liebe Eltern und Paten, Großeltern und Angehörige, liebe Taufgemeinde,

das große Epitaph im Chorraum unserer Kirche zeigt diesen Hebräervers, den die Eltern von Magdalena ihr zum Taufspruch gewählt haben. Er steht vermutlich dort, wo sich zunächst das Bildnis des Verstorbenen befunden hatte. Die Zeit hat das Bild von dem Soldaten Georg Friedrich von Bismarck verwischt, und an seine Stelle trat im Zuge einer der vielen Restaurierungen das Wort Gottes. In diesem Umstand schon liegt eine tiefe Symbolik.

Zum anderen hat die Herrnhuter Brüdergemeine diesen Satz zur Jahreslosung 2013 bestimmt. Man kann wohl ohne weiteres feststellen, dass uns gerade in den vergangenen Wochen nichts so beigebracht wurde, wie die Wahrheit dieser Worte.

Von heute an wird dieser Vers Magdalena durch ihr Leben begleiten.

Im Angesichts des Unglücks, dass unserer Dorf heimgesucht hat, und dessen Spuren noch an so vielen Orten deutlich sichtbar und noch lange nicht beseitigt, geschweige denn geheilt sind, müssen wir nun nach dem Sinn dieser Feststellung fragen, die der Autor des Hebräerbriefs getroffen hat.

Ich sage euch zunächst und vor allem; es ist in jeder Beziehung ein Trostwort. Wir haben hier keine bleibende Stadt. Das sagt uns doch erst einmal, dass wir eine Stadt haben. Wir haben in dieser Welt einen Ort, der uns durch das Leben geschenkt ist, und dem wir bestimmt sind. Hier findet sich alles, was wir zum Leben brauchen, und es gibt für jeden Menschen Aufgaben und Ziele, Abenteuer und Mühsal, Freude und Leid.

Dann spricht der Vers etwas aus, was uns allen selbstverständlich sein sollte. Er tut das durch das Attribut – bleibend. Wir haben hier keine bleibende Stadt. Jeder Mensch, wenn er alt genug ist, weiß, dass unsere Tage bemessen sind. In jedem Augenblick kann unser Weg an sein Ende kommen, ohne Rücksicht darauf ob wir uns im Glück oder im Unglück befinden. Daran sollen wir gewahr werden, dass wir unser Leben nur dann recht verstehen und eben auch recht führen, wenn wir diese Tatsache wirklich beherzigen. Wer nämlich diese Tatsache unserer Endlichkeit beherzigt, der hängt sein Herz nicht an die vergänglichen Dinge. Wer diesen Vers des Hebräerbriefes beherzigt, der macht sich und sein Leben nicht zum Gefangenen der Dinge. Er bleibt frei und kann alle Dinge nehmen und auch wieder geben, wenn es gut und nützlich und geboten ist. Nur wer in diesem Sinne frei ist, der wird großherzig. Dann weiß man nämlich, dass alles, was wir haben ein Geschenk auf Zeit ist, dessen Sinn am besten gefunden wird, wenn wir es verstehen, uns Anvertrautes, wieder zum Geschenk zu machen.

Dann sagt uns unser Predigtwort aber noch etwas anderes. Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Unser Leben findet seine eigentliche Bestimmung in einer Suche. Hier ist zwingend von einer Suche die Rede, die auf nichts von dem zielen kann, was uns vor Augen ist. Hier geht es ganz und gar um etwas, was der Mensch nur in dem finden kann, was er hofft, gerade weil er Mensch und als Mensch nicht ganz von dieser Welt ist.

Ich behaupte: Jeder Mensch trägt genau diese Hoffnung in sich und wird erst durch diese Hoffnung wahrhaft zum Menschen. Dass wir der Hoffnung vertrauensvoll folgen, die in uns ist und nicht verbissen Dingen nachjagen, die außerhalb sind, eben das allein macht uns zu Menschen. Diese Hoffnung wiederum lässt sich noch genauer beschreiben als unsere Sehnsucht nach Gott. Sehnsucht nach Gott erschafft den Menschen, so wie er aus der Sehnsucht Gottes hervorging.

Es ist diese Hoffnung, diese Sehnsucht, die eine Brücke baut zwischen Himmel und Erde, zwischen Zeit und Ewigkeit. Im Sakrament der Taufe finden wir das Siegel dieser Wahrheit. In der Taufe greifen wir hinüber zu unserem Schöpfer, wir versenken uns in ihn, wir tauchen zu ihm auf, wir lassen uns durch ihn reinigen und erneuern und bleiben bei ihm.

In der Taufe wird ein Bund geschlossen, man kann auch sagen, es wird ein Versprechen gegeben. Ein Versprechen fasst eben jene Sehnsucht, jene Hoffnung, von der ich zuvor geredet habe, in Worte und stiftet so eine in Hoffnung gründende Beziehung. Wir erleben es oft zwischen Menschen, dass entscheidende Beziehungen durch ein Versprechen besiegelt werden. Wir erleben es wie heute am Tag einer Taufe, an dem die Eltern und Paten an des Kindes Statt das Versprechen gegeben haben, das am Tage der Konfirmation, wie wir hoffen, durch Magdalena selbst bekräftigt werden wird, wir erleben es ähnlich feierlich am Tag der Eheschließung, und wir erleben es viele Male im täglichen Leben.

Das Entscheidende an einem Versprechen ist nun nicht der Umstand, dass man es gibt, sondern immer die Erwartung, die Hoffnung, dass es auch gehalten wird. Wir haben uns angewöhnt, davon auszugehen, dass wenn einer der beiden Partner sein Versprechen gebrochen hat, dieses dann hinfällig und erledigt wäre. Von unserem Gott nun können und müssen wir lernen, dass dem nicht so ist.

Im Tauflied heißt es: Mein treuer Gott, auf deiner Seite / bleibt dieser Bund wohl feste stehn; / wenn aber ich ihn überschreite, / so lass mich nicht verlorengehn; / nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, / wenn ich hab einen Fall getan.

Hier erst wird all unsere Hoffnung zu einer wahrhaft christlichen, wo wir glauben, dass selbst dort, wo wir unsere Versprechungen brechen, Gott die seinen dennoch hält und durch seine Treue alles wieder gut macht. So können wir selbst im Scheitern an dem festhalten, was wir versprochen haben. Wir können wieder und wieder anknüpfen an das, was heilig und wahr ist, wir können darin Menschen bleiben.

Wie könnte ich von etwas anderem reden als von dem, was ich selbst glaube, und wovon mir das Herz übergeht?

So nämlich ist der Bund der Taufe erst recht verstanden, wenn wir wieder und wieder zu ihm zurückkehren ohne Scheu. Der Bund der Taufe ist es doch, der uns einen gnädigen Gott schenkt. Das Vertrauen in die Taufe ist im Grunde bereits die Suche nach der zukünftigen Stadt, von der heute bereits zu reden ist.

Nun macht Euch auf zu dieser Suche. Ihr dürft gemeinsam unterwegs sein – Magdalena – Ihr die Eltern, Paten, Großeltern und alle, die diesem Kinde angehören. Es ist ein großes Glück, Wege gemeinsam gehen zu dürfen – vielleicht ist es das größte Glück. Dieses Kind ist Euch anvertraut, damit es an Eurem Beispiel den Glauben erlernt und an Eurer Liebe das Wesen unseres Gottes erkennt. Durch den Glauben und durch die Liebe werden wir zu einer Gemeinschaft, die in Zeit und Ewigkeit Bestand hat. Eine Brücke wölbt sich und wird uns zum Weg, denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

2 Kommentare:

naturgesetz hat gesagt…

Is the Schlosskirche new enough to be considered Neo-Gothic? It somehow looks it in the pic.

I decided to google Thomas Roloff because I was curious about what the disaster was that he spoke of. http://www.pfarrbereich-schoenhausen.de/gemeinden.html I see it was the flood. Now I'm wondering about what his status is in the church. What is an "Ansprechpartner vor Ort?" (We have something called "pastoral associate" in some parishes. They aren't clergy, but they are available to help people in various church-related situations.) And what is the GKR? Is he ordained?

As always, he gives a good sermon.

MartininBroda hat gesagt…

It is Neo-Gothic (1855), the main work of a local architect named Buttel; and it's a great building (I'm trying to write something about him).
His house was half devastated from the flood; a German newspaper wrote the picture of his half submerged house made it to the New York Times (haven’t seen it), so he is a bit in a difficult mood. He is fully ordained (so he can act as a pastor when people want him), but since he is working for the state government he has no parish, but he is the head of the parish council, where he lives.