Sonntag, 23. November 2008

Otto der Große



gefunden unter Wikimedia Commons vom Autor Chris 73 hier

Wenn man die Medien dieses Landes flüchtig zur Kenntnis nimmt, was völlig ausreichend sein dürfte, (das soll nicht heißen, daß ich wie etwa Frau Palin alle Zeitungen lese) und dabei die Nebenrubriken außer acht läßt, könnte man den Eindruck gewinnen, man lebe in einer ehemaligen Kolonie, die vor etwas mehr als 60 Jahren unter furchtbaren Umständen langsam ihre Staatlichkeit gewann.

Daß dieses Land den Kern des deutlich mehr als tausendjährigen „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ bildete, dürfte den meisten heutigen Bewohnern so absurd erscheinen, daß jeder Versuch einer Illustrierung dieses Tatbestandes nicht der Mühe wert ist, ihn zu unternehmen.

Otto I. aus dem Geschlecht der Liudolfinger wurde am 23. November 912 geboren, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches wurde er 962, begraben ist er in Magdeburg, daher das Bild.

Ich dachte, warum soll ich am Totensonntag mit banalen Familiengeschichten langweilen, wenn der erste „deutsche“ Kaiser just an diesem Tage geboren wurde, ist das nicht die wahrere Familiengeschichte, selbstredend nicht in einem anmaßenden Sinn.

Von der Grablege konnte ich mittlerweile erfahren, daß die obige Abbildung lediglich eine Grabtumba zeigt, das Grab selbst dürfte sich irgendwo in den Resten des Vorgängerbaus, sprich in den Fundamenten dieser Kirche, des Doms St. Mauritius und Katharinen finden. Aber die auf ihr befindliche Inschrift (in der deutschen Übersetzung des in Latein gehaltenen Textes) sollte doch noch mitgeteilt werden:

„Drei Gründe der Trauer liegen unter diesem Marmor beschlossen, er war der König des Reiches, das Haupt der Kirche, die Ehre des Vaterlands.“

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lieber Martin,

leider haben Sie mit Ihren Betrachtungen zum deutschen Blätterwald sowie mit denjenigen zum fehlenden Geschichtsbewußtsein der meisten Deutschen vollständig Recht. Das alles ist vielleicht eine Folge der sogenannten „Umerziehung" nebst ihrer Begleiterscheinung, der schleichenden Amerikanisierung der Kultur.

Als Historiker, als Freund der deutschen Kultur, als Verfechter die Idee des ersten (heiligen) Reiches und vor allem als romantisch-idealistisches Wesen bin ich von Ihrem Beitrag doch tief gerührt. Wenn die Leute noch so innig fühlen und schreiben können, ist alles doch längst noch nicht verloren.

Und das sage ich nicht als „Deutscher", sondern als „Engländer" gesamteuropäischer Herkunft.

Weiter so, und herzliche Grüße!

MartininBroda hat gesagt…

Sehr geehrter Herr,

vielen Dank, daß Sie meinen kleinen Beitrag so wohlwollend beurteilen.

Da er nun schon etwas zurückliegt, war ich beim ersten Wiederlesen zunächst etwas skeptisch (bin ich prinzipiell mit meinen Dingen), aber ich glaube, ich könnte das heute wieder so schreiben, da diese Form von Anteilnahme am Vergangenen sich mir erhalten hat.

Ich habe mich über Ihr Lob und die Art des Lobes sehr gefreut, nochmals vielen Dank.

Martin Wisser

Brettenbacher hat gesagt…

> man (könnte)den Eindruck gewinnen,man lebe in einer ehemaligen Kolonie, die vor etwas mehr als sechzig Jahren unter furchtbaren Umständen langsam ihre
Staatlichkeit gewann. <
Also wenn mir das s o eingefallen wäre, dann hätte ich das genau so gesagt ! Dieser Meinung bin nämlich schon lange.
Man könnte noch hinzufügen "..und die erst seither von Menschen im
Vollsinne bevölkert ist."
Im selben Jahr, da Sie, sehr werter MartiniBroda, so schön dieses großen Mannes gedachten, strich der Schreiber dieser Zeilen
von Jüterbog aus über den Fläming,
über Treuenbritzen, Belzig, den Hagelberg, Ziesar bis Magdeburg, dem Schrei des Kranichs lauschend,der Ottonen gedenkend.
Und in trauriger Lust sich als einen Letzten sehend, der solches im sinnenden Herzen noch trägt.
But - we never walk alone !
Mit großem Dank und herzlichem Gruß
auch an den noblen "Engländer"

der Brettenbacher
P.S.
Übrigens jährt sich heuer des
Großen Geurtstag zum 1100sten mal.
Meister Broda, Sie haben Erwartungen geweckt...

MartininBroda hat gesagt…

Ja, man ist oft gar nicht so allein, wie man glaubt. Und jetzt haben Sie nicht nur diesen alten Beitrag aufgestöbert, sondern auch noch Erwartungen formuliert (und das, wo ich bei Erwartungen immer so störrisch werde). Wir werden sehen. Die Selbstgefälligkeit dieser überschaubar bedeutsamen Gegenwart ist in der Tat erstaunlich.

Ich habe mich herzlich gefreut über Ihre wohlwollenden Worte. Vielen Dank und Grüße zurück.