Freitag, 10. November 2017

Beiläufig


Jordan B. Peterson at Resurrection of Logos in Toronto, March 2017

Samstag, 4. November 2017

Clean up your room 1st – Über Jordan Bernt Peterson, die richtige Art, ihn zu lieben, und wie man das alles überleben könnte, vielleicht



Gott, der Herr, sah eines schönen Morgens auf die Welt, und war wieder nicht sehr erfreut über den Anblick. Da kam Prof. Jordan Bernt Peterson aus Toronto, Canada des Wegs und sagte mit seiner etwas zu hohen Stimme, wie meist, wenn er so bewegt ist, daß er fast die Herrschaft über sich selbst verliert (ein Eindruck, der sehr täuscht), besorgt, tröstend und fordernd zugleich:  Bewußtheit ist der Start für Verbesserung.

Anschließend erzählte er Gott dem Herrn Geschichten aus Ägypten, Sumer und...; von der Hierarchie in allem Lebendigen, daß nur Menschen ein Bewußtsein von Gut und Böse hätten, es würde ihre Existenz aber nicht einfacher machen, es gäbe z.B. keine bösen Löwen, sie würden schlicht das ausleben, was in ihrer Natur liege; von der Schlange, und wie tief sie im sogar vormenschlichen Bewußtsein angelegt sei, und und...; damit er sich Seiner selbst ein wenig mehr erinnere, wie Er, Seine Vorgänger, wie auch immer, Problem dieser Art angegangen wären. Und er solle aufhören, nur so müde vor sich hinzuträumen, schließlich ginge gerade die Welt darüber zugrunde. Möglicherweise war Ihm danach etwas schwindelig. Das verbindet uns, irgendwie, den Herrgott und mich. Aber ich will nicht unhöflich aussehen.

Wissenschaft ist ein Machtspiel, Realität ist ein Machtspiel, Vernunft ist ein Machtspiel. Erfolg ist Diebstahl. Differenz ist Unterdrückung. Immer. Es existiert keine Realität. Es gibt keine Wahrheit, nur Machtverhältnisse. Etwas wie eine menschliche Natur, existiert nicht. Logik ist eine Erfindung von Männern, um Frauen zu demütigen. Gut, letzteres ist von mir. Sehr arg zusammengezogen. Im Original:  "The post-modern neo-Marxists are not known for their coherence."

Verwirrt? Willkommen im Club. Ein sehr liberaler Professor war jüngst das Opfer von sozusagen Linken-Kannibalismus im beschaulichen Staat von Washington, nun das gehört zu ihrer gestörten Natur, und er antwortete: "To quest an allegation of racism is racism." „The illogic of those arguments doesn't matter because logic isn't a thing, it's a tool of oppression.“

(Joe Rogan Experience #970 - Bret Weinstein, 1,046,857 views, Streamed live on Jun 2, 2017, Bret Weinstein is a biology professor at Evergreen State College in Olympia, WA)

Ich habe mir das alles also nicht ausgedacht, nur herausgedacht. Prof. Peterson aus Toronto steht so sehr im Zentrum des Spiels wahrlich mächtiger Spieler und vor allem allen im Weg, daß man sich sofort fragt, warum er?

Etwas beginnt im Herbst letzten Jahres. Die durchgedrehte pc-fromme Meinungsherschaft in Kanada denkt sich ein Gesetz aus, das mindestens Staatsdienern auferlegt, Menschen so anzusprechen, wie sie sich stimmungsaktuell gerade wahrnehmen - als Einhorn, Cis-Gender, was auch immer (man sollte da nicht zu sehr einsteigen), anderenfalls mache man sich eines Haßverbrechens schuldig. Bevor jemand sagt das stimme so gar nicht: "The post-modern neo-Marxists are not known for their coherence." Nun für die Gutgesinnten bestimmt sich Wahrheit nach Nützlichkeit.

Peterson erkannte darin einen neuen Exzess des Totalitären. Er sagte Nein. Dieses unmoralische Gesetz ist gegen den LOGOS, das Herz von allem, aus dem wir im Westen leben. Ich folge dem nicht. Seit Ende September 2016 veröffentlichte er mehrere Videos (das erste findet man hier), in denen er seinen Widerstand erklärte. Er war sich des Risikos seines Handelns sehr bewußt, es hätte leicht seine Existenz als klinischem Psychologen zerstören können. Und es war nicht zu erwarten, daß das vielen auffallen würde. Eher, daß sein Widerspruch ihn "bürgerlich" vernichten würde. Bill C-16, so heißt das Gesetz, ist zwar mittlerweile in Kraft, aber Peterson wurde über Nacht berühmt und nicht vernichtet.

Es kam also anders, aber das konnte er nicht wissen. Und seitdem haben wir einen neuen Helden, einen, der das letzte Jahr sehr krank war, der eigentlich nicht politisch werden wollte und dem Erwachsene jetzt anhängen wie Kinder.

„Life is suffering,
Love is the desire to see unnecessary suffering ameliorated,
Truth is the handmaiden of love,
Dialogue is the pathway to truth,
Humility is recognition of personal insufficiency and the willingness to learn,
To learn is to die voluntarily and be born again, in great ways and small,
So speech must be untrammeled,
So that dialogue can take place,
So that we can all humbly learn,
So that truth can serve love,
So that suffering can be ameliorated,
So that we can all stumble forward to the Kingdom of God.“

Das alles kann man im obigen Video näher verfolgen. Und wenn der liebe Gott will, findet dies auch eine Fortsetzung, denn ich wüßte nicht, wann Er mir zum letzten Mal einen solchen Brocken vor die Füße geworfen hätte. Das Bild ist wahrlich komplett falsch, aber der Gutwillige bekommt eine Ahnung.


Dienstag, 24. Oktober 2017

nachträglich


Jacky Terrasson & Stéphane Belmondo - Mother

Sonntag, 22. Oktober 2017

Über Heilung - eine Predigt


William Blake, Christ Giving Sight to Bartimaeus

Predigt zum 19. Sonntag nach Trinitatis

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

Der Predigttext steht bei Markus im 1. Kapitel:

32 Am Abend aber, da die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm allerlei Kranke und Besessene. 33 Und die ganze Stadt versammelte sich vor der Tür. 34 Und er half vielen Kranken, die mit mancherlei Seuchen beladen waren, und trieb viele Teufel aus und ließ die Teufel nicht reden, denn sie kannten ihn. 35 Und des Morgens vor Tage stand er auf und ging hinaus. Und Jesus ging in eine wüste Stätte und betete daselbst. 36 Und Petrus mit denen, die bei ihm waren, eilten ihm nach. 37 Und da sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich. 38 Und er sprach zu ihnen: Laßt uns in die nächsten Städte gehen, daß ich daselbst auch predige; denn dazu bin ich gekommen. 39 Und er predigte in ihren Schulen in ganz Galiläa und trieb die Teufel aus.
Mk 1, 32-39

Amen

Liebe Gemeinde,

diese Verse gehören zur Vorgeschichte dessen, was wir in der Evangelienlesung gehört haben. Ganz an den Anfang seines Buches stellt Markus das große Thema der Heilung. Tatsächlich kann man das ganze Evangelium als die Geschichte einer Gesundung verstehen.

Dazu braucht es allerdings die Erfahrung von Krankheit und die Gewissheit des Todes. Die Krankheit setzt unserem Leib, unseren Kräften und unserem Leben Grenzen. Erst die Krankheit erweckt die Sehnsucht nach Heilung.

Am Abend aber, da die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm allerlei Kranke. Erst die Dunkelheit erweckt unsere Sehnsucht nach dem Licht.

Martin Luther, den wir heute noch öfter hören werden, denn wir sind im 500. Jahr der Reformation, hat in seiner großen Streitschrift gegen die Humanisten „De servo arbitrio“ – Vom unfreien Willen – die Heilige Schrift „ein geistliches Licht“ genannt, das „heller ist als selbst die Sonne“. Er wandte sich damit gegen „die verderbliche Rede der Sophisten, die Schrift sei dunkel und zweifelhaft“.

Die Schrift strahlt heller als die Sonne, denn sie zeugt von dem, der alles geschaffen hat und dessen erste Worte waren: „Es werde Licht!“

Wer die Schöpfungsgeschichte kennt, der weiß, dass Sonne, Mond und alle Sterne erst am vierten Tag geschaffen worden sind. Sie überstrahlen wohl zu ihrer Zeit jenes Licht vom Anfang. Dennoch ist das geistliche Licht heller als die Sonne. Jesaja verkündet von ihm: „Deine Sonne wird nicht mehr untergehen, noch dein Mond den Schein verlieren; denn der Herr wird dein ewiges Licht sein, und die Tage deines Leidens sollen ein Ende haben.“

Am Abend aber, da die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm allerlei Kranke. Erst in der Dunkelheit erwacht unsere Sehnsucht nach dem Licht.

Der Zusammenhang zwischen Licht und Heilung macht darauf aufmerksam, dass wir es in Christus nicht mit einem zweifelhaften Heiler zu tun haben, über dessen Wunder man streiten könnte. Dieser Streit ist der Zugang der verderblichen Sophisten zum Evangelium. Sie finden am Ende alles dunkel und zweifelhaft. Genau darauf macht uns Luther aufmerksam.

Diese Klugen geben bis in unsere Tage immer wieder vor, sie würden uns einen wahrhaftigeren Jesus vorstellen, wenn sie ihn von allen unglaubwürdigen Wundergeschichten befreiten und ihn uns dadurch ganz gleich machten, sie berauben ihn mit ihrem Tun aber nur seiner Gottheit und machen die Offenbarung zunichte. Und in allem geht es ihnen nur darum, den kläglichen Schimmer ihres eigenen Verstandes herauszustellen, durch den sie meinen, über der Schrift zu stehen.

Die reformatorische Kirche aber beharrte zu allen Zeiten ganz besonders auf das „sola scriptura“, auf den Vorrang der Schrift, und drückte damit aus, dass die Bibel der Maßstab ist, dass die Bibel der Maßstab sein muss, denn den „verborgene Gott“ können menschliche Wesen nicht verstehen, er kann von menschlicher Rationalität nicht erfasst werden.

Genau darin drückt sich Luthers Grundüberzeugung vom Wesen des Menschen aus: „Der Mensch kann nicht von Natur wollen, dass Gott Gott sei; vielmehr wollte er, er sei Gott und Gott sei nicht Gott.“

Diese ins Böse führende Anmaßung des Menschen hat sich in der Moderne radikal verschärft, sie ist gleichsam der dominante Irrtum unserer Zeit geworden. Genau dieser Anmaßung, der Mensch könne aus sich heraus, aus Humanismus, aus Erkenntnis, aus Vernunftgründen Gutes tun, trat Luther, trat die gesamte Reformation mit aller Macht und mit Entschiedenheit entgegen. Gerade darin ist die Reformation in unseren Tagen aktueller denn jemals.

Darum will ich uns nun auch einen Gedanken Luthers etwas ausführlicher zumuten: „Ich bekenne wahrlich von mir, wenn es auch geschehen könnte, so wollte ich doch nicht, dass mir ein freier Wille gegeben würde, oder dass irgendetwas in meiner Hand gelassen würde, wodurch ich mich um die Seligkeit bemühen könnte, nicht allein deshalb, weil ich in so vielen Widerwärtigkeiten und Gefahren, dann auch wieder so viele Anläufe der Teufel nicht bestehen könnte und es nicht zu behalten vermöchte, da Ein Teufel mächtiger ist als alle Menschen und auch kein Mensch selig werden könnte, sondern weil ich, auch wenn keine Gefahren, keine Widerwärtigkeiten, keine Teufel wären, doch gezwungen wäre, beständig aufs Ungewisse mich abzumühen und Luftstreiche zu tun, denn auch mein Gewissen, selbst wenn ich ewig lebte und wirkte, würde nie gewiss und sicher werden, wie viel es tun müsste, um Gott genugzutun. Denn bei einem jeglichen vollkommenen Werke bliebe doch die Gewissensangst, ob es Gott gefiele, oder ob er noch etwas darüber hinaus fordere, wie die Erfahrung aller Werktreiber beweist und ich zu meinem großen Schaden in so vielen Jahren genugsam gelernt habe.“

Wir begegnen hier dem, was für Martin Luther so überaus charakteristisch ist, einer unlöslichen Verbindung aus theologischer Schärfe und persönlicher Erfahrung.

Martin Luther hat erfahren und bezeugt, es geht ausschließlich um die Gnade Gottes, die dem Menschen zuteilwird und an der sich alles entscheidet.

Hier sind wir dann auch wieder bei unserem Predigttext und beim Thema des heutigen Sonntags: Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.

In Jesus Christus hat sich nämlich der verborgene Gott verlassen. Er hat sich in unser Menschsein hinein erbarmt, ist gegenwärtig geworden.

Der sophistische und anmaßende Streit, ob und wie Jesus Wunder gewirkt und Menschen geheilt hat, wird dem Geschehen nicht gerecht. Die Gegenwart Gottes als Mensch und seine bleibende Gegenwart als Herr der Kirche ist das Wunder. In ihr geht uns das Licht auf, das ewig ist.

Aus der Gegenwart des Herrn heraus ist den Kranken geholfen, die Gegenwart Christi vertreibt die Teufel. Aus der Begegnung mit dem Herrn erwächst Heilung und die Erkenntnis, dass wir im Leiden dem Herrn ähnlich werden.

Darum sollen wir seine Gegenwart suchen und ehren seine Gegenwart im Sakrament. Der lutherischen Reformation ist dies ein unaufgebbares Bekenntnis, der Herr ist in seiner Kirche gegenwärtig. Jedermann sucht ihn.

Das ist und bleibt unsere Hoffnung, dass er von allen Menschen gesucht und am Ende gefunden wird. Lauft ihm nach, sucht seine Nähe, deckt die Dächer ab, überwindet die Schranken. Das Menschsein erfüllt sich erst in der Begegnung mit ihm. Die Gegenwart des Erlösers ist das eine große Wunder in dem alles seinen Grund und seine Ursache hat. Aus der Begegnung mit ihm erwachsen Heilung und das Heil.

Amen

Und der Frieden Gottes, welcher höher ist denn alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unseren Herrn.

Thomas Roloff

Sonntag, 2. Juli 2017

Mariä Heimsuchung - ein Nachtrag

Antependium, Straßburg um 1410

Wir wollen unsere Geschwätzigkeit zu beschränken suchen. Das Fest Mariä Heimsuchung wird äußerlich auch heute noch in der lutherischen Kirche gelegentlich begangen (daher die Predigt). Die Kantate „Meine Seel erhebt den Herren“ (BWV 10) von 1724 kommt von Johann Sebastian Bach, für eben diesen Tag.

Herr Roloff, der hier hinreichend präsent ist und darum bekannt sein darf, hat aus diesem Anlaß eine sehr eindringliche und schöne Predigt auf die Gottesmutter halten dürfen. Sie hat mich angerührt. So folgt also der Nachtrag.



 Predigt zum Festtag Mariae Heimsuchung am 2. Juli 2017 in St. Nicolai zu Magdeburg

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Der Predigttext ist die Epistel des heutigen Tages aus dem 1. Timotheus Brief:

Und kündlich groß ist das gottselige Geheimnis: Gott ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt von der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit. Amen.

Liebe Gemeinde,

tatsächlich haben wir es hier ganz und gar mit einem unergründlichen Geheimnis zu tun. Maria, eine noch sehr junge Frau, begegnet einem Engel. Auch wir würden dem wohl nicht sofort trauen. Das macht aber nun gerade die Glaubwürdigkeit und das Unerfindliche dieser Geschichte aus.

Maria erschrickt. Sie findet den Gruß des Besuchers ganz und gar unangemessen. Und als er ihr die Schwangerschaft ankündigt, da bestärkt sie das nur in ihrer Skepsis, denn so viel weiß auch jede junge Frau im Lande Judäa, ohne Mann ist schwerlich schwanger werden.

Dann erzählt der Engel ihr von der schon hochbetagten Verwandten Elisabeth, die trotz ihres Alters auch schwanger geworden ist und betont: „Bei Gott ist kein Ding unmöglich!“

Nun ist zwar das Alter eines Menschen ein sicher weniger großer Hinderungsgrund für das Eintreten einer Schwangerschaft als das völlige Fehlen eines Mannes, aber aus irgendeinem Grund fasst Maria Vertrauen zu Gabriel, dem Engel, dessen Name „Mann Gottes“, „Kraft Gottes“ bedeutet. Sie ergibt sich seiner Botschaft und spricht ihr: „Mir geschehe, wie du gesagt hast!“

An dieses Ereignis erinnert die Kirche am Verkündigungstag, dem 25. März. An ihm ereignet sich die Fleischwerdung des Erlösers. Sie wird zur unwiderruflichen Tatsache in dem Moment, da Maria, die Geliebte Gottes, das bedeutet nämlich ihr Name, ihren Gehorsam bezeugt. Es geschehe mir, wie du gesagt hast. In diesem Augenblick ist sie wahrhaftig schwanger geworden, und Gabriel verlässt sie wieder.

In diesem Augenblick treten Schöpfung und Erlösung in Eins. So wie Gott mit seinem Wort es geschehe, es werde, fiat, das Licht und dann alle Dinge aus dem Nichts in die Wirklichkeit rief – und auch das ist ein nicht zu lösendes Geheimnis – so wird nun durch die Antwort Mariens, durch ihr es werde, mir geschehe, fiat, die Fleischwerdung Jesu gewirkt, von ihr empfangen.

Zunächst wird sie diese Episode vielleicht für ein Traumgespinst gehalten haben. Dann aber kommt die Zeit, da sie das Wachsen des Kindes in ihrem Leibe spürt. Es wird ihr gewesen sein, als verlöre sie den Boden unter den Füßen. Egal, was der Besucher dort Großes und Weises erzählt hat, vor aller Welt würde nun bald feststehen, dass sie ihren Bräutigam, den treuen Joseph, entehrt. Sie drohte ihm zur größten Schande zu werden.

Aber irgendetwas hatte der Besucher doch auch noch von Elisabeth erzählt, bei ihr will Maria nun eilends Zuflucht nehmen. Ja, es ist vielmehr eine Flucht fort von Joseph als ein einfacher Verwandtenbesuch, den man wohl auch eher gemeinsam unternommen hätte.

Maria flüchtet, um ihrem Verlobten die Schande zu ersparen, die das sichtbar werdende Bäuchlein bedeutet hätte.
Es ist gar nicht auszudenken, was alles ihr auf dem Weg ins Gebirge durch den Kopf gegangen sein wird.

Und dann kommt sie an mit ihrem Geheimnis, das sie bedrückt und bedrängt und ihr ganzes Leben zu zerstören droht, wenn es bekannt wird.

Das ist das Außergewöhnliche an den Leiden der Gottesmutter. Die gleichen Umstände, die sie bedrücken und bedrängen, die sie als bedrohliches Geheimnis in sich trägt, werden ganz anders gedeutet, als sie endlich Elisabeth begegnet, bei der sie sich aussprechen, wohl noch eher ausweinen will.

Denn Elisabeth spürt, wie ihr Kind vor Freude in ihrem Leibe hüpft und antwortet auf Marias Gruß: Gebenedeit bist du unter den Weibern und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.

Das ist doch derselbe Gruß, mit dem schon der Engel sie gegrüßt hatte, und auch die von ihm behauptete Schwangerschaft der Elisabeth, trotz ihres Alters, ist Wahrheit. Alles ist so, wie er es gesagt hat, der Engel des Herrn, die Kraft Gottes, der nichts unmöglich ist.

Und dann spricht die viel ältere Verwandte auch noch den folgenden Satz zu dem jungen Mädchen, das sie besucht: Und woher kommt mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

Sie weiß nicht nur von der Schwangerschaft Mariens, sie nennt den Ungeborenen ihren Herrn und bestätigt auch darin die Ankündigung Gabriels: Er wird ein Sohn des Höchsten genannt werden, er wird ein Gottessohn.

Plötzlich ist alles anders. Ein Anklang erreicht uns schon hier von dem viel späteren, noch viel leidvolleren Geschehen auf dem Wege nach Golgatha. Alle werden weinen und klagen, und die Mutter des Herrn wird kaum ertragen haben, was sie in jenen Stunden erleben musste. Ihr Sohn aber blickt sie an und sagt: Siehe, ich mache alles neu!

Ja, auch schon hier im Gebirge wird alles neu und ganz anders. Die Furcht Marias ist fort. Alles mündet ein in größte Ruhe und Gewissheit. Maria ist schlagartig von allen Zweifeln und Ängsten befreit und ganz selig. Das können wir wissen, weil nur jemand, der ganz befreit und selig ist, so sprechen kann, wie sie gesprochen hat:

Meine Seele erhebt den HERRN,  und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilands; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder; denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und des Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für bei denen, die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und läßt die Reichen leer. Er denkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel wieder auf, wie er geredet hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich.

Aus der Flucht ist eine Vergewisserung geworden. Maria ist ganz erfüllt von ihrem Auftrag und davon, dass alles richtig und gut ist, was sich mit ihr ereignet.

Jetzt sind da nur noch Freude und Erkenntnis der eigenen Situation und der Wahrheit dessen, was ihr vom Engel verkündet worden war. Niemals in der Geschichte der ganzen Schöpfung ist ein niedriger Mensch so erhoben worden wie sie, die Mutter Gottes. Ja, der Allmächtige hat tatsächlich eine niedrige Magd erhoben, damit der Höchste in unser Menschsein herabsteigen konnte.

Das ist das Geheimnis, von dem nun auch der Apostel kündet, und von dem wir künden sollen bis an das Ende der Welt.

Gott ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt von der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.

Vor dieser Höhe des Ereignisses wird sie ganz erbärmlich, die moderne Theologie, die das Geheimnis der Jungfrauengeburt zum Übersetzungsfehler erklärt, die die Kindheitsgeschichten zu ausgedachten Fabeln macht und die sich am liebsten aus allem herausmogelt, was die Größe und Schönheit unseres Glaubens ausmacht.

Was wäre denn so berichtenswert daran, dass vor über 2000 Jahren eine junge Frau schwanger geworden ist? Wie kann man im Ernst die Auferstehung der Toten für wahr halten, wenn man der Jungfrauengeburt nicht glaubt?

Den aller Welt Kreis nie beschloss, der liegt in Marien Schoß;

So singt Martin Luther vom gewaltigsten aller Geheimnisse. Der Schöpfer der Welt, aus dem alles hervorgegangen ist, der Ursprung und Urheber aller Dinge, der Allmächtige, Allgewaltige, der Ewige und Unendliche, der liegt im Schoße der Jungfrau und nimmt unser Fleisch an und wird Mensch.

Alles was er tut ist gerechtfertigt in Ewigkeit. Er ist den Engeln erschienen und wird allen Völkern gepredigt. Er wird von aller Welt und in aller Welt geglaubt. Wir predigen ihn und bezeugen ihn mit unserem Leben.

Er ist aufgenommen in die Herrlichkeit. Das ist es was wir glauben. In Christus ist unser Menschsein in das ewige Gottsein hineingenommen. Dadurch sind wir erlöst.

Alle Bedrängnis findet in dieser Gewissheit ihr Ende. Wen dieses Licht des Glaubens durchstrahlt, dem geht es wie Maria, die eben noch voller Sorge ist und dann erkennt, welches große beglückende Geheimnis ihr zuteil geworden ist. Mit der Gottesmutter sprechen und bekennen darum auch wir: „Seine Barmherzigkeit währet immer für und für bei denen, die ihn fürchten.“

Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

nachgetragen am 15. Juli

Donnerstag, 27. April 2017

Freitag, 14. April 2017

Karfreitag

El Greco, St. Johannes und der Hl. Franziskus 

Und: Heinrich Schütz: “Johannes Passion", SWV 481, Dresdner Kreuzchor, 1970
hier gefunden