Sonntag, 11. März 2018

Sonntags


Jonathan Pageau - Sacred Art in Secular Terms

Ich hatte gestern mit einem einsichtsvollen Besucher eine Differenz. Nun dazu sind Unterhaltungen da, es sei denn, man ist auf Gleichförmigkeit aus. Aber darüber reden wir nicht an einem Sonntag. Kitsch war das Thema. Daß religiöse Kunst oft so unerträglich sein könne, seit etwa 200 Jahren, davor gab es das nicht, meinte ich. Und um es hier zu wiederholen, das Phänomen ist schwer einzugrenzen, aber man fühlt es, es ist ein falsches Gefühl. Nun sind gefühlte Wahrheiten gegenwärtig aus konkreten Gründen als Quelle der Einsicht fast verbrannt... Genug davon.

Jonathan Pageau hatte eine existentielle Krise als Künstler, ein Aufenthalt in Afrika, eher aber die Begegnung mit der Theologie der östlichen Kirchenväter heilten ihn davon, auch bewahrte ihn letzteres vor der Versuchung, anschließend Ethno-Kitsch zu produzieren. Und so wurde er ein orthodoxer Christ in Quebec, Kanada (der Protestantismus wurde ihm zu flach), und später ein Freund der neuesten prophetischen Gestalt, der er daher einiges über den “Logos” zu erzählen vermochte, von der wir diesmal aber schweigen wollen (ja, Peterson, obwohl ich den je mehr je länger zu respektieren gelernt habe, etwas widerwillig zugegebenermaßen).

Nun, in obigem Video ist der Icon-Carver eher ungnädig gegenüber eingeschnürten metallischen Luftballons oder zerfließenden Blutskulpturen, aber immerhin zeigt er nicht einmal vorrangig sein Eigenes, sondern erwähnt Künstler einer modernen christlichen Kunst wie einen Silouan Justiniano, die erstaunlicherweise völlig authentisch erscheinen.

Es gibt eine hübsche Geschichte am Ende, wo er, von seinem Bischof aufgefordert, die Hl. Jungfrau schnitzt, und ein Serbe sagte, ihm, jetzt sieht sie wie eine Drogensüchtige aus... Am Ende aber, als er das Werk vorzeigte, schlug der Bischof das Kreuz und neigte sich zuvor. Es war einfach richtig. Und er räsoniert darüber, wie Kunst weniger als Kunst und zugleich mehr sein könne. Sie öffne dienstbar einen Raum, der wirklich sei und heilig.

Keine Wolkenstufen ins Ungefähre also.

Er sollte etwas mit seinen Haaren machen. Er sieht meist aus wie ein Waldstreicher. *Seufz. Und ich gehe jetzt zurück in die wundervolle Frühlingssonne. Ach so, ich wollte mit einem Bild aus Ravenna enden, aber die Sonne wartet bekanntlich nicht, also vorläufig nur ein Link zu Dr. Jung.

Donnerstag, 1. März 2018

Kein Essensbericht, aber etwas von Goethe


Manche, nun, wenige, mögen sich gefragt haben, warum es hier keine Essensberichte mehr gibt. Ersteres, siehe Bild oben, versucht mich umzubringen, anschließend, und letzteres, von vor wenigen Minuten - Wer will darüber ernsthaft etwas wissen?


Um mit einem freundlicheren Abschluß aufzuwarten. Nachdem ich mich kürzlich über einen Autor doch etwas ärgerte, der es schaffte zu insinuieren, Goethe hätte etwas bei Fontane abgeschrieben, obwohl der zwar im gleichen Jahr, aber doch erst in einem späteren Monat geboren worden war, wo dies von Goethe überliefert ist, bringen wir eine der Belegstellen:

Gesellschaft bei Goethe
1819, 24. April

"Heute war große Abendgesellschaft bei Goethe, die Gräfin Henckel, Line (v. Egloffstein), Adele (Schopenhauer), Coudray und Tieck waren anwesend. Goethe sprach über die Eigenthümlichkeit der deutschen Sprüchwörter bei den verschiedenen Nationen; die griechischen gingen alle aus unmittelbarster, speciellster Anschauung hervor, z.B. der Storch im Hanfe; die deutschen seien stets derb, tüchtig, sittlich, bezeichnend.

Dann sprach er über die Kunst zu sehen. 'Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht. Oft sieht man lange Jahre nicht, was reifere Kenntniß und Bildung an dem täglich vor uns liegenden Gegenstande erst gewähren läßt. Nur eine papierne Scheidewand trennt uns öfters von unsern wichtigsten Zielen, wir dürften sie keck einstoßen und es wäre geschehen. Die Erziehung ist nichts anders als die Kunst zu lehren, wie man über eingebildete oder doch leicht besiegbare Schwierigkeiten hinauskommt.'“

Goethes Gespräche. Herausgegeben von 
Woldemar Freiherr von Biedermann, Leipzig 1889 –1896 

Samstag, 24. Februar 2018

Nacht - Töne


Walther von der Vogelweide

Palästinalied

Nû alrêrst lebe ich mir werde,
sît mîn sündic ouge sihet
daz hêre lant und ouch die erde,
der man vil der êren gihet.
Nû ist geschehen, des ich ie bat:
ich bin komen an die stat,
dâ got mennischlîchen trat.

Schœniu lant rîch unde hêre,
swaz ich der noch hân gesehen,
sô bist dûz ir aller êre.
Waz ist wunders hie geschehen!
Daz ein maget ein kint gebar,
hêre über aller engel schar,
was daz niht ein wunder gar?

Hie liez er sich reine toufen,
daz der mensche reine sî.
Dô liez er sich hie verkoufen,
daz wir eigen wurden frî.
Anders wæren wir verlorn.
Wol dir, sper, kriuze unde dorn!
Wê dir, heiden, daz ist dir zorn!

Dô er sich wolte übr uns erbarmen,
hie leit er den grimmen tôt,
er vil rîche durch uns armen,
daz wir kœmen ûz der nôt.
Daz in dô des niht verdrôz,
dast ein wunder alze grôz,
aller wunder übergenôz.

Hinnen fuor der sun zer helle
von dem grabe, dâ er inne lac.
Des was ie der vater geselle,
und der geist, den nieman mac
sunder scheiden: êst al ein,
sleht und ebener danne ein zein,
als er Abrahâme erschein.

Dô er den tievel dô geschande,
daz nie keiser baz gestreit,
dô fuor er her wider ze lande.
Dô huob sich der juden leit,
daz er herre ir huote brach,
und daz man in sît lebendic sach,
den ir hant sluoc unde stach.

Dar nâch was er in dem lande
vierzic tage: dô fuor er dar,
dannen in sîn vater sande.
Sînen geist, der uns bewar,
den sante er hin wider zehant.
Heilic ist daz selbe lant:
sîn name, der ist vor gote erkant.

In diz lant hât er gesprochen
einen angeslîchen tac,
dâ diu witwe wirt gerochen
und der weise klagen mac
und der arme den gewalt,
der dâ wirt an ime gestalt.
Wol ime dort, der hie vergalt!

Das Ding will gerade nicht aus den Ohren. Entweder ist diese Textvariante richtig oder eine andere, hier gibt es eine Übersetzung ins gegenwärtige Deutsch davon und und hier und dort sogar eine ins Englische. Und wenn das alles zu lesen ist, kann ich hoffentlich weiterschlafen.

Walther von der Vogelweide

Freitag, 23. Februar 2018

Gedenken an SKH Adolf Friedrich VI. von Mecklenburg


Gedenkstunde

Das Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz, Kulturgut Mecklenburg-Strelitz e.V. und das Großherzogliche Haus Mecklenburg laden zu einer öffentlichen Gedenkstunde zum 100. Todestag Großherzogs Adolf Friedrichs VI. von Mecklenburg ein -

am Sonnabend, 24. Februar 2018, 15.00 Uhr

Daniel-Sanders-Saal im Kulturquartier in Neustrelitz.

Mittwoch, 21. Februar 2018

Freitag, 10. November 2017

Beiläufig


Jordan B. Peterson at Resurrection of Logos in Toronto, March 2017

Sonntag, 5. November 2017

Nachtrag I - Stefan Zweig - Graues Land / Clouds in the reddish gloaming

Johan Christian Dahl  (1788–1857),
Wolken und Landschaft bei Mondschein, hier gefunden

Stefan Zweig

Graues Land

Wolken in dämmernder Röte
droh'n über dem einsamen Feld.
Wie ein Mann mit trauriger Flöte
geht der Herbst durch die Welt.

Du kannst seine Nähe nicht fassen,
nicht lauschen der Melodie.
Und doch: in dem fahlen Verblassen
der Felder fühlst du sie.


Grey Country

Clouds in the reddish gloaming
threaten the lonesome dale.
Like a man with a sad flute is roaming
autumn all over the pale.

You cannot lay hold of this passing
nor hear his sorrowful sound.
And yet you can feel it caressing
the fading, gloomy ground.

Translation/ Übersetzung
by / von Walter A. Aue

Carl Ludwig Christoph Douzette (1834 - 1924),
Mondschein über Barther Werft, hier gefunden

nachgetragen nachts 13. 1. '18