Dienstag, 19. Juni 2018

Die Sphinx und der Tod des Ödipus




"Nonn' erubescite, reges" singt Jessye Norman als Iokaste im 2. Akt des „Oedipus Rex“ von Igor Strawinsky. Er hat seine Oper zunächst in Altgriechisch vertonen wollen, entschied sich dann aber letztlich für Latein, es sei „a medium not dead but turned to stone“. Dieses Werk von 1927 gehört zu den erträglicheren Stücken neuerer Musik, außerdem wird es von Frau Norman gesungen, das stimmt zusätzlich milde.

Den alten Griechen wurde über der Gestalt des Ödipus bildmächtig bewußt, wie jemand schuldlos schuldig werden kann. Sie haben überhaupt wie kaum ein anderes Volk für Erscheinungen und Grundstrukturen des Menschlichen Begriffe, Bilder und Prinzipien gefunden, die in das abendländische Gedächtnis eingegangen sind und von denen wir noch jetzt zehren. Besser natürlich wäre es, weiter darauf zu bauen, aber ich will gar nicht grundsätzlich werden.

Am 19. Juni 1792 wurde in Stuttgart Gustav Schwab geboren, mit dessen "schönsten Sagen des klassischen Altertums" auch ich als Kind aufgewachsen bin. Als ich heute in dem Band blätterte, dachte ich, warum nicht aus diesem Anlaß ein Stück daraus bringen. Was nicht ganz so einfach ist, denn die griechischen Mythen sind in etwa so idyllisch wie das Alte Testament der Bibel oder die ursprünglichen Grimmschen Märchen.

Für das, was Herr Schwab über Ödipus zu berichten weiß, habe ich mich also entschieden, einmal ein Stück, das von seiner Begegnung mit der Sphinx erzählt und dann die Schwabsche Erzählung von dessen Tod. Wie schon eingangs zu sehen, will ich es nicht beim bloßen Text belassen, sondern ihn ein wenig „illustrieren“. Als nächstes folgt nach der angemessen ernsthaften Präsentation des Mythos etwas völlig Gegensätzliches: Tom Lehrer gibt mit seinem "Oedipus Rex" einen anderen, eher launigen Einstieg in die mühselige Mythenmaterie (ab 1.52 Min.).  Danach dann die Sphinx.



Ödipus und die Sphinx

Nicht lange Zeit, nachdem dieses geschehen, war vor den Toren der Stadt Theben in Böotien die Sphinx erschienen, ein geflügeltes Ungeheuer, vorn wie eine Jungfrau, hinten wie ein Löwe gestaltet. Sie war eine Tochter des Typhon und der Echidna, der schlangengestalteten Nymphe, der fruchtbaren Mutter vieler Ungeheuer, und eine Schwester des Höllenhundes Kerberos, der Hyder von Lerna und der feuerspeienden Chimära. Dieses Ungeheuer hatte sich auf einen Felsen gelagert und legte dort den Bewohnern von Theben allerlei Rätsel vor, die sie von den Musen erlernt hatte. Erfolgte die Auflösung nicht, so ergriff sie denjenigen, der es übernommen hatte, das Rätsel zu lösen, zerriß ihn und fraß ihn auf.

Dieser Jammer kam über die Stadt, als sie eben um ihren König trauerte, der – niemand wußte, von wem – auf einer Reise erschlagen worden war und an dessen Stelle Kreon, Bruder der Königin Iokaste, die Zügel der Herrschaft ergriffen hatte. Zuletzt kam es, daß dieses Kreon eigener Sohn, dem die Sphinx auch ein Rätsel aufgegeben und der es nicht gelöst hatte, ergriffen und verschlungen worden war.

Franz von Stuck, Der Kuß der Sphinx

Diese Not bewog den Fürsten Kreon, öffentlich bekanntzumachen, daß demjenigen, der die Stadt von der Würgerin befreien würde, das Reich und seine Schwester Iokaste als Gemahlin zuteil werden sollte. Eben als jene Bekanntmachung öffentlich verkündigt wurde, betrat Ödipus an seinem Wanderstabe die Stadt Theben. Die Gefahr wie ihr Preis reizten ihn, zumal da er das Leben wegen der drohenden Weissagung, die über ihm schwebte, nicht hoch anschlug. Er begab sich daher nach dem Felsen, auf dem die Sphinx ihren Sitz genommen hatte, und ließ sich von ihr ein Rätsel vorlegen. Das Ungeheuer gedachte dem kühnen Fremdling ein recht unauflösliches aufzugeben, und ihr Spruch lautete also: »Es ist am Morgen vierfüßig, am Mittag zweifüßig, am Abend dreifüßig. Von allen Geschöpfen wechselt es allein mit der Zahl seiner Füße; aber eben wenn es die meisten Füße bewegt, sind Kraft und Schnelligkeit seiner Glieder ihm am geringsten.«

Ödipus lächelte, als er das Rätsel vernahm, das ihm selbst gar nicht schwierig erschien. »Dein Rätsel ist der Mensch«, sagte er, »der am Morgen seines Lebens, solang er ein schwaches und kraftloses Kind ist, auf seinen zween Füßen und seinen zwo Händen geht; ist er erstarkt, so geht er am Mittage seines Lebens nur auf den zween Füßen; ist er endlich am Lebensabend als ein Greis angekommen und der Stütze bedürftig geworden, so nimmt er den Stab als dritten Fuß zu Hilfe.« Das Rätsel war glücklich gelöst, und aus Scham und Verzweiflung stürzte sich die Sphinx selbst vom Felsen und zu Tode. Ödipus trug zum Lohne das Königreich von Theben und die Hand der Witwe, welche seine eigene Mutter war, davon. Iokaste gebar ihm nach und nach vier Kinder, zuerst die männlichen Zwillinge Eteokles und Polyneikes, dann zwei Töchter, die ältere Antigone, die jüngere Ismene. Aber diese vier waren zugleich seine Kinder und seine Geschwister.

Wie inzwischen ins allgemeine Bewußtsein eingedrungen ist, hat der Begründer der Psychoanalyse die Gestalt des Ödipus zur Benennung einer gewissen  unerfreulichen seelischen Konstellation benutzt. Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot, hat diesen Freudschen Ödipuskomplex unerreicht geistreich in seinem Film „Ödipussi“ vorgestellt. Der Protagonist, von seiner Mutter mit dem bezeichnend entmännlichenden Spitznamen „Pussi“ gerufen, behält bei aller galligen Skizzierung allerdings letztlich doch eine gewisse Dignität. Das war ja überhaupt die Größe Loriots – er durchleuchtete Charaktere bis auf‘s Knochengerüst, aber vernichtete sie nicht.

Ein Stück daraus und darauf dann die nur noch bebilderte ernsthafte Erzählung vom Tod des Ödipus. Auch diese findet erstaunlicherweise zum Schluß gewissermaßen noch ein versöhnendes Ende.


„Ödipussi: Wie ist doch die Erde so schön!“

Ödipus auf Kolonos

Nach langer Wanderung, bald durch bewohntes, bald durch wüstes Land, waren die beiden eines Abends in einer sehr milden Gegend bei einem anmutigen Dorfe mitten im lieblichsten Haine angekommen. Nachtigallen flatterten durch das Gebüsch und sangen mit süßem Schall; Rebenblüte duftete; mit Oliven- und Lorbeerbäumen waren die rauhen Felsstücke, welche die Gegend viel mehr schmückten als entstellten, überkleidet. Der blinde Ödipus selbst hatte durch seine übrigen Sinne eine Empfindung von der Anmut des Ortes und schloß aus der Schilderung seiner Tochter, daß derselbe ein geheiligter sein müsse. Aus der Ferne stiegen die Türme einer Stadt auf, und ihre Erkundigungen hatten Antigone belehrt, daß sie sich in der Nähe von Athen befänden. Ödipus hatte sich, von dem Wege des Tages müde, auf ein Felsstück gesetzt. Ein Bewohner des Dorfes, der vorüberging, hieß ihn jedoch bald diesen Sitz verlassen, weil der Boden geheiligt sei und keinen Fußtritt dulde. Da erfuhren denn die Wanderer bald, daß sie sich im Flecken Kolonos und auf dem Gebiet und in dem Haine der alleserspähenden Eumeniden niedergelassen, unter welchem Namen die Athener hier die Erinnyen verehrten.

Nun erkannte Ödipus, daß er am Ziele seiner Wanderung angekommen und der friedlichen Lösung seines feindseligen Geschickes nahe sei. Seine Worte machten den Koloneer nachdenklich, und er wagte es jetzt schon nicht mehr, den Fremdling von seinem Sitz zu vertreiben, ehe er den König von dem Vorfall unterrichtet hätte. »Wer gebietet denn in eurem Lande?« fragte Ödipus, dem in seinem langen Elende die Geschichten und Verhältnisse der Welt fremd geworden waren. »Kennst du den gewaltigen und edlen Helden Theseus nicht?« fragte der Dorfbewohner, »ist doch die ganze Welt voll von seinem Ruhme!« »Nun, ist euer Herrscher so hochgesinnt«, erwiderte Ödipus, »so werde du mein Bote zu ihm und bitte ihn, nach dieser Stelle zu kommen; für so kleine Gunst verspreche ich ihm großen Lohn.« »Welche Wohltat könnte unsrem König ein blinder Mann reichen?« sagte der Bauer und warf einen lächelnden, mitleidigen Blick auf den Fremdling. »Doch«, setzte er hinzu, »wäre nicht deine Blindheit, Mann, du hättest ein edles, hohes Aussehen, das mich zwingt, dich zu ehren. Darum will ich dein Verlangen erfüllen und meinen Mitbürgern und dem Könige deine Bitte melden. Bleibe so lange hier sitzen, bis ich deinen Auftrag ausgerichtet habe. Jene mögen dann entscheiden, ob du hier verweilen kannst oder gleich wieder weiterwandern sollst.«

François-Émile Ehrmann, Ödipus und die Sphinx, 1903

Als sich Ödipus mit seiner Tochter wieder allein sah, erhub er sich von seinem Sitze, warf sich zu Boden und ergoß sein Herz in einem brünstigen Gebete zu den Eumeniden, den furchtbaren Töchtern des Dunkels, und der Mutter Erde, die eine so liebliche Wohnung in diesem Haine aufgeschlagen. »Ihr Grauenvollen und doch Gnädigen«, sprach er, »zeiget mir jetzt nach dem Ausspruche Apollos die Entwicklung meines Lebens, wenn anders ich in meinem mühseligen Dasein nicht immer noch zuwenig erduldet habe! Erbarmet euch, ihr Kinder der Nacht; erbarme dich, ehrenwerte Stadt Athenes, über das Schattenbild des Königs Ödipus, der vor euch steht, denn er selbst ist es nicht mehr!« Sie blieben nicht lange allein. Die Kunde, daß ein blinder Mann von Ehrfurcht gebietendem Aussehen sich in dem Furienhaine gelagert, den zu betreten Sterblichen sonst nicht vergönnt ist, hatte bald die Ältesten des Dorfes, welche die Entweihung zu hindern gekommen waren, um ihn versammelt. Noch größerer Schrecken ergriff sie, als der Blinde sich ihnen als einen vom Schicksale verfolgten Mann zu erkennen gab. Sie fürchteten, den Zorn der Gottheit auf sich zu laden, wenn sie einen vom Himmel Gezeichneten länger an diesem heiligen Orte duldeten, und befahlen ihm, auf der Stelle ihre Landschaft zu verlassen.

Ödipus bat sie inständig, ihn von dem Ziele seiner Wanderschaft, das ihm die Stimme der Gottheit selbst angewiesen habe, nicht zu verstoßen; Antigone vereinigte ihre Flehen mit dem seinen. »Wenn ihr euch der grauen Haare meines Vaters nicht erbarmen wollet«, sprach die Jungfrau, »so nehmet ihn doch um meiner, der Verlassenen, willen auf; denn auf mir lastet ja keine Schuld. Eilet, bewilliget uns eure Gunst unverhofft!«

Während sie solche Zwiesprache pflegten und die Einwohner zwischen Mitleid und Furcht von den Erinnyen in ihrem Entschlusse zweifelhaft hin und her schwankten, sah Antigone ein Mädchen, auf einem kleinen Rosse sitzend, das Angesicht mit einem Reisehut vor der Sonne geschützt, heraneilen. Ein Diener, gleichfalls zu Rosse, folgte ihr. »Es ist meine Ismene«, sagte sie in freudigem Schrecken, »schon glänzt mir ihr liebes, helles Auge! Gewiß bringt sie uns neue Kunde aus der Heimat!« Bald war die Jungfrau, das jüngste Kind des verstoßenen Königs, bei ihnen angelangt und vom Saumrosse gesprungen. Mit einem einzigen Knechte, den sie allein treu befunden, hatte sie sich von Theben aufgemacht, um dem Vater Nachricht von dem Stande der dortigen Angelegenheiten zu bringen.

Dort waren seine Söhne von großer, selbstverschuldeter Not bedrängt. Anfangs hatten sie die Absicht, ihrem Oheime Kreon den Thron ganz zu überlassen; denn der Fluch ihres Stammes schwebte ihnen drohend vor Augen. Allmählich aber, je mehr ihres Vaters Bild in die Ferne trat, verlor sich diese Regung; das Verlangen nach Herrschaft und Königswürde und mit ihm die Zwietracht erwachte bei ihnen. Polyneikes, der das Recht der Erstgeburt auf seiner Seite hatte, setzte sich zuerst auf den Thron. Aber Eteokles, der jüngere, nicht zufrieden, abwechslungsweise mit ihm zu herrschen, wie der Bruder vorschlug, verführte das Volk und stieß den älteren Bruder aus dem Lande fort. Dieser, so ging in Theben das Gerücht, war nach Argos im Peloponnes entflohen, wurde dort der Schwiegersohn des Königes Adrastos, verschaffte sich Freunde und Bundesgenossen und bedrohte seine Vaterstadt mit Eroberung und Rache. Zugleich aber war ein neuer Götterspruch ruchbar geworden, welcher dahin lautete, daß die Söhne des Ödipus ohne ihn selbst nichts vermögen; daß sie ihn suchen müßten, tot oder lebendig, wenn ihr eigenes Heil ihnen lieb wäre.

Dies waren die Nachrichten, welche Ismene ihrem Vater brachte. Die Koloneer horchten staunend, und Ödipus hub sich hoch empor von seinem Sitze: »Also steht es mit mir«, sprach er, und königliche Hoheit strahlte von dem blinden Angesichte; »bei dem Verbannten, bei dem Bettler sucht man Hilfe? Nun, da ich nichts bin, werde ich erst ein rechter Mann?« »So ist es«, fuhr Ismene in ihren Nachrichten fort. »Auch wisse, Vater, daß eben deswegen unser Oheim Kreon in ganz kurzer Zeit hierherkommen wird und daß ich mich sehr beeilt habe, ihm zuvorzukommen. Denn er will dich überreden oder fangen, wegführen und an die Grenzen des thebanischen Gebietes stellen, damit der Orakelspruch sich zu seinen und unsers Bruders Eteokles Gunsten erfülle und deine Gegenwart die Stadt doch nicht entweihe.« »Von wem weißt du alles dieses?« fragte der Vater. »Von Opferpilgern, die nach Delphi ziehen.« »Und wenn ich dort sterbe«, fragte Ödipus weiter, »werden sie mich in thebischer Erde begraben?« »Nein«, erwiderte die Jungfrau, »das duldet deine Blutschuld nicht.«

»Nun«, rief der alte König entrüstet, »so sollen sie auch meiner niemals mächtig werden! Wenn bei meinen beiden Söhnen die Herrschsucht stärker ist als die kindliche Liebe, so soll ihnen auch der Himmel nie ihre verhängnisvolle Zwietracht löschen; und wenn auf mir die Entscheidung ihres Streites beruht, so soll weder der, welcher jetzt den Zepter in Händen hat, auf dem Throne sitzen bleiben noch der Verjagte je sein Vaterland wiedersehen! Nur diese Töchter sind meine wahren Kinder! In ihnen ersterbe meine Schuld, für sie erflehe ich den Segen des Himmels, für sie bitte ich euch um euren Schutz, mitleidige Freunde! Gewähret ihnen und mir euren tätigen Beistand; und ihr erwerbet dadurch eurer Stadt eine mächtige Brustwehr!«

François-Xavier Fabre, Ödipus und die Sphinx, um 1806 / 1808

Ödipus und Theseus

Die Koloneer hatte große Ehrfurcht vor dem blinden Ödipus erfüllt, der in seiner Verbannung noch so gewaltig erschien; sie rieten ihm, durch ein Trankopfer die Entweihung des Furienhaines zu sühnen. Erst jetzt erfuhren auch die Greise den Namen und die unverschuldete Schuld des Königs Ödipus, und wer weiß, ob das Grauen vor seiner Tat sie nicht aufs neue gegen ihn verhärtet hätte, wenn nicht ihr König Theseus, den die Botschaft herbeigerufen hatte, jetzt eben in ihren Kreis getreten wäre. Dieser ging freundlich und ehrerbietig auf den blinden Fremdling zu und redete ihn mit liebreichen Worten an:

»Armer Ödipus, mir ist dein Geschick nicht unbekannt, und schon deine gewaltsam geblendeten Augen sagen mir, wen ich vor mir habe. Dein Unglück rührt mich tief in der Seele. Sage mir, was du bei der Stadt und mir suchest. Die Tat, zu der du meine Beihilfe verlangst, müßte eine schreckliche sein, wenn ich mich von dir abwenden könnte. Ich hab es nicht vergessen, daß auch ich gleich dir in fremden Landen herangewachsen bin und viele Fährlichkeiten ausgestanden habe.«

»Ich erkenne deinen Seelenadel in dieser kurzen Rede«, antwortete Ödipus, »ich komme, dir eine Bitte vorzutragen, die eigentlich eine Gabe ist. Ich schenke dir diesen meinen leidensmüden Leib, freilich ein sehr unscheinbares Gut, aber doch ein großes Gut. Du sollst mich begraben und reichen Segen von deiner Mildigkeit ernten!«

»Fürwahr«, sagte Theseus erstaunt, »die Gunst, um welche du flehst, ist klein. Verlange etwas Besseres, etwas Höheres, und es soll dir alles von mir gewährt sein.« »Die Gunst ist nicht so leicht, als du glaubst«, fuhr Ödipus fort; »du wirst einen Streit um diesen meinen elenden Leib zu bestehen haben.« Nun erzählte er ihm seine Verjagung und das späte und eigennützige Verlangen seiner Verwandten, ihn wieder zu besitzen; dann bat er ihn flehentlich um seinen Heldenbeistand.

Theseus hörte aufmerksam zu und sprach dann feierlich: »Schon weil jedem Gastfreunde mein Haus offensteht, darf ich meine Hand nicht von dir abziehen; wie sollte ich es tun, da du noch dazu mir und meinem Lande soviel Heil versprichst und von der Hand der Götter an meinen Herd geleitet worden bist!« Er ließ dem Ödipus hierauf die Wahl, mit ihm nach Athen zu gehen oder hier in Kolonos als Gast zu bleiben. Dieser wählte das zweite, weil ihm vom Schicksale bestimmt sei, an der Stelle, wo er jetzt eben sich befinde, den Sieg über seine Feinde davonzutragen und sein Leben rühmlich zu beschließen. Der Athenerkönig versprach ihm den kräftigsten Schutz und kehrte in die Stadt zurück.

Gustave Moreau, Ödipus und die Sphinx, 1864

Ödipus und Kreon

Bald darauf drang der König Kreon von Theben mit Bewaffneten in Kolonos ein und eilte auf Ödipus zu. »Ihr seid von meinem Eintritt ins attische Gebiet überrascht«, sprach er zu den noch immer versammelten Dorfbewohnern gewendet; »doch sorget und zürnet nicht! Ich bin nicht so jung, im Übermute gegen die stärkste Stadt Griechenlands einen Kampf zu unternehmen. Ich bin ein Greis, den seine Mitbürger nur abgesandt haben, diesen Mann hier durch gütliche Überredung zu bewegen, mit mir nach Theben zurückzukehren.«

Dann kehrte er sich zu Ödipus und drückte in den ausgesuchtesten Worten eine erheuchelte Teilnahme an seinem und seiner Töchter Elend aus. Aber Ödipus erhob seinen Stab und streckte ihn aus, zum Zeichen, daß Kreon ihm nicht näher kommen sollte. »Schamlosester Betrüger«, rief er, »das fehlte noch zu meiner Pein, daß du kämest und mich gefangen mit dir fortführtest! Hoffe nicht, durch mich deine Stadt von der Züchtigung zu befreien, die ihr bevorsteht. Nicht ich werde zu euch kommen, sondern nur den Dämon der Rache werde ich euch senden, und meine beiden lieblosen Söhne sollen nur so viel von thebanischem Boden besitzen, als sie brauchen, um sterbend darauf zu liegen!«

Kreon wollte nun versuchen, den blinden König mit Gewalt hinwegzuführen; aber die Bürger von Kolonos erhoben sich dagegen, stützten sich auf Theseus' Wort und duldeten es nicht. Inzwischen hatten in dem Getümmel auf einen Wink ihres Herrn die Thebaner Ismene und Antigone ergriffen und von der Seite ihres Vaters weggerissen. Diese schleppten sie fort und trieben den Widerstand der Koloneer ab. Kreon aber sprach höhnend: »Deine Stäbe wenigstens habe ich dir entrissen. Versuch es jetzt, Blinder, und wandre weiter!«

Und durch diesen Erfolg kühner gemacht, ging er aufs neue auf Ödipus los und legte schon Hand an ihn, als Theseus, den die Nachricht vom bewaffneten Einfalle in Kolonos zurückgerufen hatte, auftrat. Sobald dieser hörte und sah, was geschehen und noch im Werke sei, entsandte er Diener zu Fuß und zu Rosse auf der Straße hin, auf der die Töchter von den Thebanern als Raub fortgeführt wurden; dem Kreon aber erklärte er, ihn nicht eher freilassen zu wollen, als bis er dem Ödipus die Töchter zurückgegeben.

»Sohn des Aigeus«, hub dieser beschämt an, »ich bin wahrlich nicht gekommen, dich und deine Stadt zu bekriegen. Wußte ich doch nicht, daß deine Mitbürger ein solcher Eifer für diesen meinen blinden Verwandten, dem ich Gutes tun wollte, befallen habe, daß sie den Vatermörder, den Gatten seiner Mutter, lieber bei sich hegen würden als ihn in sein Vaterland entlassen!« Theseus befahl ihm zu schweigen, ohne Verzug mit ihm zu gehen und den Aufenthalt der Jungfrauen anzugeben; und in kurzem führte er die geretteten Töchter dem tiefgerührten Ödipus in die Arme. Kreon und die Diener waren abgezogen.

Jean-Auguste-Dominique Ingres, Ödipus und die Sphinx, 1808

Ödipus und Polyneikes

Aber noch sollte der arme Ödipus keine Ruhe haben. Theseus brachte von dem kurzen Zuge die Nachricht mit, daß ein naher Blutsverwandter desselben, jedoch nicht aus Theben kommend, Kolonos betreten und sich an dem Altar des benachbarten Poseidontempels, wo Theseus eben geopfert hatte, als Schutzflehender niedergelassen habe.

»Das ist mein hassenswerter Sohn Polyneikes«, rief Ödipus zürnend aus. »Es wäre mir unerträglich, ihn anhören zu müssen!« Doch Antigone, die diesen Bruder als den sanfteren und besseren liebte, wußte die Zornaufwallung des Vaters zu dämpfen und dem Unglücklichen wenigstens Gehör zu verschaffen. Nachdem sich Ödipus auch gegen diesen den Arm seines Beschützers ausgebeten hatte, falls er ihn mit Gewalt hinwegführen wollte, ließ er den Sohn vor sich.

Polyneikes zeigte schon durch sein Auftreten eine ganz andere Gemütsart als sein Oheim Kreon, und Antigone versäumte nicht, ihren blinden Vater darauf aufmerksam zu machen. »Ich sehe jenen Fremdling«, rief sie, »ohne Begleiter herschreiten! Ihm strömen die Tränen aus den Augen.« »Ist er es?« fragte Ödipus und wendete sein Haupt ab. »Ja, Vater«, erwiderte die gute Schwester, »dein Sohn Polyneikes steht vor dir.«

Polyneikes warf sich vor dem Vater nieder und umschlang seine Knie. An ihm hinaufblickend, betrachtete er jammernd seine Bettlerkleidung, seine hohlen Augen, sein ungekämmt in der Luft flatterndes Greisenhaar. »Ach, zu spät erfahre ich alles dieses«, rief er, »ja ich selbst muß es bezeugen, ich habe meines Vaters vergessen! Was wäre er ohne die Fürsorge meiner Schwester! Ich habe mich schwer an dir versündigt, Vater! Kannst du mir nicht vergeben? Du schweigst? Sprich doch etwas, Vater! Zürne nicht so unerbittlich hinweggewandt!

O ihr lieben Schwestern, versucht ihr es, den abgekehrten Mund meines Erzeugers zu rühren!« »Sage du selbst zuvor, Bruder, was dich hergeführt hat«, sprach die milde Antigone; »vielleicht öffnet deine Rede auch seine Lippen!« Polyneikes erzählte nun seine Verjagung durch den Bruder, seine Aufnahme beim König Adrastos in Argos, der ihm die Tochter zur Gemahlin gab, und wie er dort sieben Fürsten mit siebenfacher Schar für seine gerechte Sache geworben habe und diese Bundesgenossen das thebanische Gebiet bereits umringt hätten.

Dann bat er den Vater unter Tränen, sich mit ihm aufzumachen, und nachdem durch seine Hilfe der übermütige Bruder gestürzt sei, die Krone von Theben aus Sohnes Händen zum zweitenmal zu empfahen. Doch die Reue des Sohnes vermochte den harten Sinn des gekränkten Vaters nicht zu erweichen. »Du Verruchter!« sprach er und hob den Niedergeworfenen nicht vom Boden auf, »als Thron und Zepter noch in deinem Besitze war, hast du den Vater selbst aus der Heimat verstoßen und in dieses Bettlerkleid eingehüllt, das du jetzt an ihm bemitleidest, wo gleiche Not über dich gekommen ist!

Du und dein Bruder, ihr seid nicht meine wahren Kinder; hinge es von euch ab, so wäre ich längst tot. Nur durch meine Töchter lebe ich. Auch harrt euer schon der Götter Rache. Du wirst deine Vaterstadt nicht vertilgen; in deinem Blute wirst du liegen, und dein Bruder in dem seinen. Dies ist die Antwort, die du deinen Bundesfürsten bringen magst!« Antigone nahte sich jetzt ihrem Bruder, der bei dem Fluche des Vaters entsetzt vom Boden aufgesprungen und einige Schritte rückwärts gewichen war.

»Höre mein inbrünstiges Flehen, Polyneikes«, sprach sie ihn umfassend, »kehre mit deinem Heere nach Argos zurück, bekriege deine Vaterstadt nicht!« »Es ist unmöglich«, erwiderte zögernd der Bruder; »die Flucht brächte mir Schmach, ja Verderben! Und wenn wir Brüder beide zugrunde gehen müssen, dennoch können wir nicht Freunde sein!« So sprach er, wand sich aus der Schwester Armen und stürzte verzweifelnd davon.

So hatte Ödipus den Versuchungen seiner Verwandten nach beiden Seiten hin widerstanden und sie dem Rachegott preisgegeben. Jetzt war sein eigenes Geschick vollendet. Donnerschlag auf Donnerschlag erscholl vom Himmel. Der Greis verstand diese Stimme und verlangte sehnlich nach Theseus. Die ganze Gegend hüllte sich in Gewitterfinsternis. Eine große Angst bemächtigte sich des blinden Königes; er fürchtete, von seinem Gastfreunde nicht mehr lebend oder nicht mehr unverstörten Sinnes getroffen zu werden und ihm den vollen Dank für so viele Wohltaten nicht mehr bezahlen zu können.

Endlich erschien Theseus, und nun sprach Ödipus seinen feierlichen Segen über die Stadt Athen. Dann forderte er den König auf, dem Heroldrufe der Götter zu folgen und ihn allein an die Stelle zu begleiten, wo er, von keiner sterblichen Hand berührt und nur vom Auge des Theseus geschaut, enden sollte. Keinem Menschen dürfe er sagen, wo Ödipus die Erde verlassen. Bleibe das heilige Grab, das ihn verschlingen würde, verborgen, so werde es mehr als Speer und Schild und alle Bundesgenossen eine Schutzwehr gegen alle Feinde Athens sein.

Seinen Töchtern und den Bewohnern von Kolonos erlaubte er dann, ihn eine Strecke weit zu begleiten, und so vertiefte sich der ganze Zug in die schauerlichen Schatten des Furienhaines. Keines durfte an Ödipus rühren; er, der Blinde, bisher von der Tochter Hand geleitet, schien auf einmal ein Sehender geworden, ging wunderbar gestärkt und aufgerichtet allen andern voran und zeigte ihnen den Weg zu dem vom Schicksal ihm bestimmten Ziele.

Mitten in dem Haine der Erinnyen sah man einen geborstenen Erdschlund, dessen Öffnung mit einer ehernen Schwelle versehen war und zu welchem mehrere Kreuzwege führten. Von dieser Höhle ging von uralter Zeit her die Sage, daß sie einer der Eingänge in die Unterwelt sei. Jener Kreuzwege einen betrat nun Ödipus, doch ließ er sich von dem Gefolge nicht bis zu der Grotte selbst begleiten, sondern unter einem hohlen Baume machte er halt, setzte sich auf einen Stein nieder und löste den Gürtel seines schmutzigen Bettlerkleides. Dann rief er nach einer Spende fließenden Wassers, wusch sich von aller Unreinigkeit der langen Wanderung und zog ein schmuckes Gewand an, das ihm durch seine Töchter aus einer nahen Wohnung herbeigebracht wurde.

Als er nun völlig umgekleidet und wie erneuert dastand, tönte unterirdischer Donner vom Boden herauf. Bebend warfen sich die Jungfrauen, die bisher um ihren Vater bemüht gewesen waren, in seinen Schoß; Ödipus aber schlang seinen Arm um sie, küßte sie und sprach: »Kinder, lebet wohl, von diesem Tag an habt ihr keinen Vater mehr!«

Aus dieser Umarmung weckte sie eine donnergleiche Stimme, von der man nicht wußte, ob sie vom Himmel herab- oder aus der Unterwelt herauftönte: »Was säumest du, Ödipus? Was zögern wir zu gehen?« Als der blinde König die Stimme vernahm und wußte, daß der Gott ihn abfordere, machte er sich aus den Armen seiner Kinder los, rief den König Theseus zu sich und legte seiner Töchter Hände in die Hand desselben, zum Zeichen seiner Verpflichtung, sie nimmermehr zu lassen.

Dann befahl er allen andern, umgewendet sich zu entfernen. Nur Theseus an seiner Seite durfte auf die offene Schwelle mit ihm zuschreiten. Seine Töchter und das Gefolge waren dem Winke gefolgt und schauten sich erst um, als sie eine gute Strecke rückwärtsgegangen waren. Da hatte sich ein großes Wunder ereignet. Von dem Könige Ödipus war keine Spur mehr zu erblicken. Kein Blitz war zu sehen, kein Donner zu hören, kein Wirbelwind zu spüren; die tiefste Stille herrschte in der Luft. Die dunkle Schwelle der Unterwelt schien sich sanft und lautlos für ihn aufgetan zu haben, und durch den Erdspalt war der entsündigte Greis ohne Stöhnen und Pein sachte wie auf Geisterflügeln zur Tiefe hinabgetragen worden.

Den Theseus aber erblickten sie allein, mit der Hand die Augen sich überschattend, als hätte er ein göttliches, überwältigendes Gesicht gehabt. Dann sahen sie, wie er, die Hände hoch gen Himmel gehoben, zu den Olympiern, und wieder, demütig auf den Boden niedergeworfen, zu den Göttern der Unterwelt flehte. Nach kurzem Gebete kehrte der König zu den Jungfrauen zurück, versicherte sie seines väterlichen Schutzes und schritt mit ihnen, in heiliges Schweigen versunken, nach Athen zurück.

Theseus der Befreier, Fresko aus Herculaneum, vor 79

Sonntag, 10. Juni 2018

Späte gute Wünsche


Heute, im Jahre 1956, war der Tag der Geburt von Herzog Borwin, also am 10. Juni. Dies ist nur zeitlich nachgetragen, denn seit letztem Sonntag wollte ich ihm eigentlich zu seinem 62. Geburtstag Gottes Segen wünschen, was ich auch still für mich getan habe, und etwas Sinnvolles aus diesem Anlaß dazu schreiben.

Danach verlor ich mich in der mecklenburgischen Geschichte…

Also alles Gute noch einmal, Hoheit.

nachgetragen am Gedenktag des Hl. Gottschalk

Freitag, 1. Juni 2018

Nur Regen

Es regnet. Das Glück ist kaum zu fassen. Darauf ein Kindergedicht, ein wiedergefundenes.


Kindervers: Frühling

O Regen, Regen,
grünes Leid,
in Wegen sammelt
himmelweit
ein Traum sich,
leis verendend;

Und eine rosenfarbne Kuh
schweigt dunkelsinnig tief dazu:
Wohin mag sich's noch wenden?

Auch schweigt der Wald,
der traulich alt
wie immer rührt die Zweige
und mir das Herz,
es gilt kein Schmerz,
ging etwas auch zur Neige.

Dienstag, 29. Mai 2018

Gedenken an Konstantinopel

Mutter Gottes zwischen Johannes II. Komnenos und Irene
(Hagia Sophia, Mosaik ) hier gefunden


3D-Simulation der Hagia Sophia (rekonstruierte Außenansicht)


Die Bauten Konstantinopels in byzantinischer Zeit

Vor 565 Jahren, am 29. Mai 1453 starb die Kaiserstadt Konstantinopel.

""O wär‘ ich doch ein Vogel nur, o wär ich eine Schwalbe,
um auf die spitzen, schwarzen Berg‘ Bulgariens zu fliegen!
Um zu erblicken und zu sehn Konstantinopels Hafen.

Ein Griechenmädchen, das rief laut, von einem hohen Turme:
'Tritt vor und sieh, Herr König du, du Herrscher Konstantinos,
Konstantinopel brennen sie, und all die Klöster flammen.
Sieh wie die Türken schlachten hin die Griechen gleich den Lämmern!'
Wie soll der König all dies sehn, der Herrscher Konstantinos,
da er getötet worden ist, beim Schein des Morgens, gestern!“

aus „Konstantin Paläologos' Tod“

Chora-Kirche, Madonna Hodegetria, Mosaik

Es kam ein schönes Vögelein wohl aus der Stadt geflogen,
nicht macht's im Weingelände halt, nicht ruht es in den Gärten;
es flog und flog und hielt erst an in Ili's Festungswällen,
und wie's den einen Flügel hob, war er in Blut getauchet,
und wie's den andern schüttelte war drin ein Brief verborgen,
und wer ihn las, der hat geweint und seine Brust zerschlagen. -
"Oh wehe mir und nochmals weh! Romania ist zerstöret!"
Die Kirchen weinen schmerzerfüllt, es klagen all die Klöster,
Jiannis Chrysostomos selbst weint und weiß sich nicht zu trösten.
"O heiliger Jannis, weine nicht und suche Trost zu fassen!"
"Romania fiel in Feindeshand, Romania ist zerstöret."
"Wenn auch zerstört, blüht sie doch neu und zeitigt neue Früchte."

„Die Einnahme von Trapezunt“

Fresken in der Hagia Sophia von Trapezunt


Peter Tschaikowski, 
Liturgie des Heiligen Johannes Chrysostomus, Op. 41: No. 6

Cherubimhymnus

Die wir die Cherubim
auf mystische Weise abbilden
und der lebenspendenden Dreifaltigkeit
den dreimal heiligen Lobgesang singen,
alle Lebenssorge lasset uns ablegen,
damit wir den König des Alls empfangen,
den von Engelsordnungen
unsichtbar mit Speeren Begleiteten:
Alleluja, alleluja, alleluja.

Überführung der Gebeine des Hl. Chrysostomos in die Apostelkirche


Theotokion, hier gefunden

Theotokion am Sonntag

Dem Unfaßbaren und Grenzenlosen, der mit dem Vater und dem Geiste eines Wesens ist, hast du in deinem Leibe, Gottesgebärerin, geheimnisvoll Raum gegeben. Wir haben erkannt, daß die eine und unvermischte Dreifaltigkeit der Gottheit durch dein Gebären in der Welt verherrlicht wird, deswegen rufen wir dankbar zu dir: Freue dich, Gesegnete.

Theotokion am Dienstag

Durch die strahlenden Blitze, Allunbefleckte, des aus deinem Leibe hervorgegangenen Gottessohnes erleuchte die im Glauben dich besingen und entreiße uns der lichtlosen Finsternis und der ewigen Qual durch deine Fürsprache.

aus den Theotokien zum Morgengottesdienst des russischen Oktoichs


Pammakaristos-Kirche, Kuppelmosaik
hier & hier gefunden


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Konstantinos XI. Palaiologos fiel am 29. Mai 1453 bei der Verteidigung Konstantinopels als der letzte byzantinische Kaiser.

„Konstantin Paläologos' Tod“ / „Die Einnahme von Trapezunt“ Volkslieder übersetzt von Georgios Aridas

Das Reich von Trapezunt als letzter unabhängiger Teil des byzantinischen Reichs fiel am 15. August 1461. „Romania“ - Die Bewohner Ostroms nannten sich selbst nicht Byzantiner (nach dem alten Namen Konstantinopels) sondern Römer - griechisch Ῥωμαῖοι (Rhomaioi), im Deutschen wird dies zur Unterscheidung oft als Rhomäer wiedergegeben.

Johannes von Antiochia mit dem Beinamen Chrysostomos, ist der meist überlieferte östliche Kirchenvater, einflußreich u.a. als Prediger und Reformator der Liturgie. Der Westkirche gilt er als er einer der vier Kirchenlehrer des Ostens. Er starb in der Verbannung. Seine Gebeine wurden 438 nach Konstantinopel überführt und in der Apostelkirche beigesetzt, 1204 beim 4. Kreuzzug geraubt, gab sie Papst Johannes Paul II. dem Patriarchen Bartholomäus I. 2004 zurück. Die  Apostelkirche war die zweitgrößte Kirche der Stadt  und wurde 1461 von den Türken abgerissen. An ihrem Ort entstand darauf die Fatih-Moschee (Eroberer-Moschee), benannt nach Mehmed II., dem Eroberer Konstantinopels.

Neben der Hagia Sophia und der Chora-Kirche sind in Konstantinopel in der Kirche der Theotókos Pammakarístos (der allerseligsten Gottesgebärerin) die meisten Mosaiken erhalten.  Nach dem Abriß der Apostelkirche durfte der Patriarch zunächst (bis 1587) in die Pammakaristos-Kirche ausweichen. Später wurde diese ebenfalls in eine Moschee umgewandelt, Murad III. benannte sie zur Feier seinen Siege Fethiye Camii (türkisch Fetih – Eroberung). Der Sitz des Patriarchats ist gegenwärtig der Vorort Phanar.

Eine byzantinische Fahne in dieser Gestalt ist eine Rekonstruktion und so nicht überliefert. Die Dynastie der Paläologen aber etwa hat offenkundig diese Form benutzt, nur, daß an Stelle des Chi Rho das Familienmonogramm stand. Das Christusmonogramm (griechisch Χ (Chi) und Ρ (Rho) für CHRistos  war aber sei Konstantin ebenfalls in Gebrauch. Diese Zusammenfügung ist daher durchaus sinnvoll und bedacht (hier gefunden).

nachgetragen am 6. Juni

Samstag, 26. Mai 2018

Nachträge zu August Kopisch & Capri

"Capri - Ingresso alla Grotta Azzurra. Carlsbader 'Urania'-Reisen
gefunden auf Goethezeitportal

Wo der Beitrag zu gestern beim Schreiben schon wieder diese Hefeteig-Attitüde annahm, sollen ein paar Nachträge folgen, August Kopisch, um dessen Wiederentdeckung der blauen Grotte auf Capri es vor allem ging, wurde an einen 26. Mai, nämlich 1799 in Breslau geboren. 

Wenn das keine Einladung ist, das Bild des königstreuen Romantikers etwas abzurunden. Der Blogger Jay hat vor einigen Jahren über ihn geschrieben, mehr über die Heinzelmännchen, aber auch über Capri, eher launig, das wäre dann ein schöner Gegensatz zu meinem getragenen Tonfall.

Er verweist dort auch auf die hervorragende Seite auf dem "Goethezeitportal" zu frühen Berichten über die Blaue Grotte und zu August Kopisch. Es ist wirklich erschöpfend, was nicht abschreckend gemeint ist.

Kopisch ist, wie gesagt, auch als Dichter hervorgetreten. Nun ja. Vieles ist romantisch erhebend, oft heiter, und vor allem singbar, wovon in seinem Jahrhundert offenbar gern Gebrauch gemacht wurde. Dann soll also auch noch gesungen werden und anschließend folgt die Ballade, sie ist lang, aber hübsch hintersinnig.

Capri Fischer - Max Raabe & Palast Orchester

Das Krähen

Ein Grobschmied hatt ein Töchterlein,
Das konnte nicht schöner und feiner sein.
Da kam der Hans den einen Tag,
Ein Bursche, wies viele geben mag:

Der warb um die Tochter: sie war ihm gut;
Doch hatte der Vater nicht gleichen Mut
Und sagte: Er hat nicht Gut und Geld
Und will doch freien in dieser Welt? –

Da sprach der Bursch: Geld, Gut ist Dunst;
Viel besser ist eine gute Kunst! –
Was kann er für eine? ich will doch sehn! –
Da sprach der Bursche: ich kann gut krähn! –

Da lachten Mutter und Töchterlein,
Der alte Schmied auch hinterdrein,
Und sprach: So zeig er wie ers kann;
Da fing der Bursch zu krähn an:

Kikeriküh! und kikeriküh!
Recht wie der Hahn und sonder Müh.
Der Alte sprach: Ein Spaß ist das;
Doch sag er an, was hilft so was? –

Gar viel, begann der junge Mann:
Nur sag er, bin ich sein Eidam dann,
Wenn ich dahier auf seinen Sand
Ein Schloß hinschaff und Gartenland

Und wird das andre rings bestellt
Zu einem schönen Weizenfeld? –
Ja, sagte der Schmied, schaffst du den Sand,
Den ich nicht mag, zum Gartenland

Und baust ein schönes Schloß darauf,
So nimm das andre dazu in Kauf! –
Topp! Eltern! und topp! Töchterlein!
Das Schloß, das Feld, die Braut sind mein! –

– Da sahen sich die Leute an;
Doch es begann der junge Mann
Nun allerlei Brimborium –
Und sah sich unterweilen um.

Nun wußte niemand wies geschah,
Auf einmal stand ein Teufel da!
Und dem verschrieb sich Hans mit Blut.
– Hm! denkt der Schmied, das wird nicht gut!

– Im Pakt versprach der Teufel: den Zaun,
Das Feld, den Garten, das Schloß zu baun,
Darin den reichsten schönsten Schatz
Und rings umher einen lustgen Platz:

Das alles am selben Abend spat,
Noch vor der ersten Hahnenkrat;
Doch, würd er nicht fertig und fehlt ein Stein,
Sollt Hansens Seele gerettet sein!

Er sollte da wohnen wies ihm gefiel,
Und machen seiner Tage viel. –
– Nun ging die Teufelsarbeit los:
Die Angst der Mutter, der Braut war groß.

Der Grobschmied sprach: welch dummer Streich!
Der Teufel schafft das freilich gleich! –
Ganz lustig ist allein der Hans
Und freut sich an der Geister Tanz:

Die schleppen herzu, ohn Rast und Ruh:
Es wächst da alles in einem Nu!
Flink klappert der Zaun zusammen sich,
Gras, Kraut und Baum sprießt wunderlich,

Und Vögel singen und Schwäne ziehn
Auf den rings umirrenden Wassern hin.
Nun steigt der Palast, das schönste Haus
Auf dem schönsten Platz vom Boden heraus:

Der Keller, die Küche, die Treppe jetzt,
Der zweite Stock wird aufgesetzt,
Der dritte nun, nun kommt das Dach.
Hausrat und Schatz füllt jedes Gemach.

Das Dach wächst höher . . . o Angst, o Pein!
Es fehlt bald nur der letzte Stein!
O Hans, o Hans, nun holt er den,
Und noch will hier kein Hahn nicht krähn!

Da lacht der Hans und ohne Müh
Kräht er beherzt sein: kikeriküh! –
Da sah der Teufel ihn höhnisch an:
Das gilt hier nicht; du bist kein Hahn! –

– So hör doch Teufel! – Kikeriküh!
Ertönts im ganzen Dorfe hie,
Ja selbst auf dem Turm der Wetterhahn
Fängt lustig mit zu krähen an.

Da wirft der Teufel hin den Stein,
Und ruft: verdammte Künstelein!
Aus ist der Pakt, das Schloß ist dein!
Nun macht euch lustig und zieht hinein! –

Da fährt der Teufel zum untersten Grund
Und prügelt vor Wut den Höllenhund. –
Der Grobschmied gibt dem jungen Mann
Sein Töchterchen – weil er krähen kann.

Zwar fehlt am Palaste der letzte Stein,
Und setzt man noch so oft ihn ein,
Er fällt herunter und fällt sich klein;
Doch machts den Leuten keine Pein –

Und auf der Hochzeit sangen sie
Dem Teufel zur Schur nur: kikerikih!

Im ganzen Haus hin: kikerikih!
Im Keller: kikrih! in der Küche: kikrih!

Auf den Treppen und Fluren nur: kikerikih!
In allen Gemächern: kikikerikih!

Beim Essen und Trinken nur: kikerikih!
Drei Tage und Nächte: kikikerikih!

Auf Tischen und Bänken: kikikerikih!
Dem Teufel zur Schur nur: kikikerikih!

aus August Kopisch, "Allerlei Geister", 1848

nachgetragen am 30. Mai

Freitag, 25. Mai 2018

La Grotta Azzurra - Capri


Mitunter ist es seltsam, auf welchen Wegen man auf Bilder stößt. Es begann mit einer Fehlzuschreibung und zwar: „'Blue Grotto' - Jakob Alt, 1835“, ich denke, es war die obige Abbildung. Das klingt als Einstieg zwar etwas uncharmant, denn tatsächlich wurde es, so auf die Spur gebracht, eher interessanter. Es gibt es ein Gemälde von Jakob Alt - „Die Blaue Grotte auf der Insel Capri“, wohl von 1835, nur sieht dies so aus:


Die Herrschaften, die hier, mit Zylinder und Biedermeierhaube versehen, den gerade erst wieder ins Bewußtsein gerückten verrufenen Ort genießen, sind nicht recht im obigen Gemälde vorstellbar, selbst, wenn es eine andere Fassung geben sollte. Jakob Alt (geb. 1789 in Frankfurt am Main, gest. 1872 in Wien) war ein Verfertiger stimmungsvoller Landschaftsbilder und Stadtansichten, dem es offenbar gelang, selbst die Ruinen des Forum Romanum idyllisch geschrumpft aussehen zu lassen. Mitunter übersteigt er seine Betulichkeit, etwa in einem wundervoll-charmanten Luftbild Wiens, aber, soweit ich etwas über ihn herausfinden konnte, war das nicht unbedingt die Regel.


Jakob Alt, Wien aus dem Luftballon gesehen von Südwesten, 1847

Carl Friedrich Seiffert (geb. 1809, gestorben 1891 in Berlin) hat das Bild ganz oben 1860 unter dem Titel „Die Blaue Grotte auf Capri“ in Wirklichkeit geschaffen. Er firmiert als Spätromantiker, manches kam mir fast etwas „böcklin-haft“ vor, nicht unsympathisch, aber ich vermag nur eine solche gefühlsmäßige Wertung anzubringen, denn zum Glück versteh ich von all diesen Dingen ja  nichts.

Es gibt überhaupt eine Reihe von Darstellungen dieser blauen Grotte aus dem vorvorigen Jahrhundert, brechen wir aber ab mit Heinrich Jakob Fried „Die blaue Grotte von Capri“ von 1835.


Woher diese Faszination und warum erst jetzt?  Es war ein deutscher Romantiker, der sie wiederfand, natürlich. Wenn es auch ungewiß ist, ob die blaue Blume in Wirklichkeit je gefunden wurde (was immer Wirklichkeit bedeuten mag), die blaue Grotte wurde es.

Und wo wir gerade auf Novalis anspielen, auch seine Epiphanie fand ja gewissermaßen in einer Grotte statt. Und weil es so schön ist, zitieren wir einfach ein wenig aus seinem Heinrich von Ofterdingen:

„'Die blaue Blume sehn' ich mich zu erblicken. Sie liegt mir unaufhörlich im Sinn, und ich kann nichts anderes dichten und denken... Ich hörte einst von alten Zeiten reden; wie da die Tiere und Bäume und Felsen mit den Menschen gesprochen hätten. Mir ist gerade so, als wollten sie allaugenblicklich anfangen, und als könnte ich es ihnen ansehen, was sie mir sagen wollten.' ...Der Jüngling verlor sich allmählich in süßen Phantasien und entschlummerte. Da träumte ihm erst von unabsehlichen Fernen, und wilden, unbekannten Gegenden. Er wanderte über Meere mit unbegreiflicher Leichtigkeit; wunderliche Tiere sah er; er lebte mit mannigfaltigen Menschen, bald im Kriege, in wildem Getümmel, in stillen Hütten... Alle Empfindungen stiegen bis zu einer niegekannten Höhe in ihm...

Es kam ihm vor, als ginge er in einem dunkeln Walde allein. Nur selten schimmerte der Tag durch das grüne Netz. Bald kam er vor eine Felsenschlucht, die bergan stieg... Endlich gelangte er zu einer kleinen Wiese, die am Hange des Berges lag. Hinter der Wiese erhob sich eine hohe Klippe, an deren Fuß er eine Öffnung erblickte, die der Anfang eines in den Felsen gehauenen Ganges zu sein schien. Der Gang führte ihn gemächlich eine Zeitlang eben fort, bis zu einer großen Weitung, aus der ihm schon von fern ein helles Licht entgegen glänzte.

Wie er hineintrat, ward er einen mächtigen Strahl gewahr, der wie aus einem Springquell bis an die Decke des Gewölbes stieg, und oben in unzählige Funken zerstäubte, die sich unten in einem großen Becken sammelten; der Strahl glänzte wie entzündetes Gold; nicht das mindeste Geräusch war zu hören, eine heilige Stille umgab das herrliche Schauspiel. Er näherte sich dem Becken, das mit unendlichen Farben wogte und zitterte. Die Wände der Höhle waren mit dieser Flüssigkeit überzogen, die nicht heiß, sondern kühl war, und an den Wänden nur ein mattes, bläuliches Licht von sich warf.

Er tauchte seine Hand in das Becken und benetzte seine Lippen. Es war, als durchdränge ihn ein geistiger Hauch, und er fühlte sich innigst gestärkt und erfrischt. Ein unwiderstehliches Verlangen ergriff ihn sich zu baden, er entkleidete sich und stieg in das Becken. Es dünkte ihn, als umflösse ihn eine Wolke des Abendrots; eine himmlische Empfindung überströmte sein Inneres; mit inniger Wollust strebten unzählbare Gedanken in ihm sich zu vermischen; neue, niegesehene Bilder entstanden, die auch ineinanderflossen und zu sichtbaren Wesen um ihn wurden, und jede Welle des lieblichen Elements schmiegte sich wie ein zarter Busen an ihn…

Berauscht von Entzücken und doch jedes Eindrucks bewußt, schwamm er gemach dem leuchtenden Strome nach, der aus dem Becken in den Felsen hineinfloß... Er fand sich auf einem weichen Rasen am Rande einer Quelle, die in die Luft hinausquoll und sich darin zu verzehren schien. Dunkelblaue Felsen mit bunten Adern erhoben sich in einiger Entfernung; das Tageslicht, das ihn umgab, war heller und milder als das gewöhnliche, der Himmel war schwarzblau und völlig rein. Was ihn aber mit voller Macht anzog, war eine hohe lichtblaue Blume, die zunächst an der Quelle stand, und ihn mit ihren breiten, glänzenden Blättern berührte...

Er sah nichts als die blaue Blume, und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit. Endlich wollte er sich ihr nähern, als sie auf einmal sich zu bewegen und zu verändern anfing; die Blätter wurden glänzender und schmiegten sich an den wachsenden Stengel, die Blume neigte sich nach ihm zu, und die Blütenblätter zeigten einen blauen ausgebreiteten Kragen, in welchem ein zartes Gesicht schwebte. Sein süßes Staunen wuchs mit der sonderbaren Verwandlung, als ihn plötzlich die Stimme seiner Mutter weckte.."

Später dann eine Unterhaltung mit dem Vater, der von der Träumerei nichts hält: 'Damals muß es eine andere Beschaffenheit mit den Träumen gehabt haben, so wie mit den menschlichen Dingen. In dem Alter der Welt, wo wir leben, findet der unmittelbare Verkehr mit dem Himmel nicht mehr statt. Die alten Geschichten und Schriften sind jetzt die einzigen Quellen, durch die uns eine Kenntnis von der überirdischen Welt, soweit wir sie nötig haben, zuteil wird'.

Doch der Sohn wendet ein: 'Aber, lieber Vater, aus welchem Grunde seid Ihr so den Träumen entgegen, deren seltsame Verwandlungen und leichte zarte Natur doch unser Nachdenken gewißlich rege machen müssen? Ist nicht jeder, auch der verworrenste Traum, eine sonderliche Erscheinung, die auch ohne noch an göttliche Schickung dabei zu denken, ein bedeutsamer Riß in den geheimnisvollen Vorhang ist, der mit tausend Falten in unser Inneres hereinfällt?'"

Nein, nicht Novalis, sondern der Maler und Dichter August Kopisch ließ sich 1826 voll jugendlichen Übermuts vom Aberglauben der Einheimischen nicht davon abhalten, die bekannte, aber gemiedene Grotte mit einem Freund aufzusuchen. Er hat, wohl als Folge eines gewisses Handikaps, nicht viel gemalt, und von dem wenigen ist auch nicht alles erhalten geblieben, was ein Jammer ist, wenn man etwa sein Gemälde„Die Pontinischen Sümpfe bei Sonnenuntergang“ betrachtet.


Im Gästebuch seines beherbergenden Notars und Helfers Giuseppe Pagano schrieb er unter dem 17. August 1826 als August Kopisch aus Breslau:

„Freunde wunderbarer Naturschönheiten mache ich auf eine von mir nach den Angaben unsers Wirtes Giuseppe Pagano mit ihm und Herrn Fries entdeckte Grotte aufmerksam welche furchtsamer Aberglaube Jahrhunderte lang nicht zu besuchen wagte. Bis jezt ist sie nur für gute Schwimmer zugänglich; wenn das Meer ganz ruhig ist gelingt es auch wohl mit einem kleinen Nachen einzudringen doch ist dies gefährlich weil die geringste sich erhebende Luft das wiederherauskommen unmöglich machen würde. Wir benannten diese Grotte die blaue (la grotta azzurra) weil das Licht aus der Tiefe des Meeres ihren weiten Raum blau erleuchtet. Man wird sich sonderbar überrascht finden, das Wasser blauem Feuer ähnlich die Grotte erfüllen zu sehen, jede Welle scheint eine Flamme...“ Anschließend wurde der Ort berühmt und gewissermaßen zur romantischen Kultstätte.

Es existiert von ihm ein ganz wunderbarer Bericht über die Entdeckung, der hier zugänglich ist. Er beginnt wie folgt:

„Es war im Sommer des Jahres 1826, als ich mit meinem Freunde Ernst Fries in der schönen Bucht, an der nördlichen Marine von Capri landete. Die Sonne neigte sich dem fernen Ischia zu, als wir in den rasselnden Uferkies hinabsprangen. Capri war die erste Insel, die ich betrat, und nie werde ich den Eindruck vergessen. Einer meiner liebsten Wünsche erfüllte sich. Ich hörte nun das Meer um alle jene wunderbar gestalteten Felsen rauschen, die schon von Neapel aus meinen Sinn zauberisch gefangen genommen. Jede brandende Wellenreihe sang mir zu: ich sei vom Festlande geschieden, auf einer Klippe, wo ein einfaches Volk von Fischern und Gärtnern wohnt, und der Hufschlag der Rosse und das Geroll der Wagen unbekannt ist. Mit ihren Felsen und Höhlen, und hängenden Gärten und alten Trümmern, und neuen Städten und Felsentreppen war mir die Insel schon von fern als eine besondere Welt erschienen, erfüllt von Wundern und umschwebt von grauenvollen und lieblichen Sagen, und nun, da meine Zeit nicht eng beschränkt war, durfte ich hoffen diese Welt in allen ihren Grenzen genau durchforschen zu können. Dieser Gedanke machte mich unbeschreiblich glücklich. – Der Strand erfüllte sich bei unsrer Ankunft mit Leuten aus beiden Städten der Insel, Männern und Jünglingen, Weibern und Mädchen, die wohl im Stande waren an die alte, schöne, griechische Bevölkerung des Eilandes zu erinnern.“

Da hat man den Tonfall, es ist wirklich ganz wunderbar zu lesen. Aber die vermutliche Ursache, warum die Grotte so verrufen war, wollen wir noch anbringen. Möglicherweise hängt sie über die vielen Jahrhunderte hinweg mit den Schauergeschichten zusammen, die von Kaiser Tiberius berichtet wurden und die Herr Kopisch getreulich nacherzählt.

„Als Tiberius zur Regierung kam, erinnerte er sich der frohen Tage, die er mit August auf Capri verlebt, warf die Plagen und Gefahren der Regierung auf Sejanus Schultern und zog sich auf diesen sichern Felsen zurück, wo er sich den abscheuwürdigsten Freuden ergab, während seine schrecklichen Machtsprüche die Welt quälten. Viele Jahre lebte er hier, beständig mißtrauisch um sich spähend von der hohen Klippe, die er, sein Gewissen zu übertäuben, in einen sinnlichen Himmel verwandelte, worin zu schwelgen – er schon zu abgelebt war.

Fahrwege wand der greise Tyrann um steile Zacken, auf alle Gipfel fuhr er mit Rossen. Er veränderte die Gestalt der Insel, schwang ungeheure Bogenreihen über tiefe Täler, und schuf sich künstliche Ebnen, worauf er üppige Gärten erblühen ließ, in deren Grotten, Tempeln und Gebüschen die schändlichen Sklaven seiner Laster als Faunen und Nymphen umherschwärmten. Zwölf Paläste ließ er an verschiednen Stellen der Insel entstehen und weihte sie den zwölf großen Göttern…

Aus seinen Palästen führten überall heimliche Gänge durch die Felsen bis in die See hinab, wobei er die vorgefundnen Höhlen vielfach benutzte. Zu jener Zeit muß die Insel einen wahrhaft einzigen Anblick gewährt haben, da die wildeste, zerrissenste Natur der Baukunst die mannigfaltigsten Motive bot, und die Schätze der Welt verschwenderisch angewendet wurden, jeden phantastischen Einfall schnell zur Wirklichkeit zu gestalten. Aber alle diese Pracht verschwand, einer Sage nach, bald nach Tibers Tode, zerstört vom Haß und Abscheu des römischen Volkes, und überall, auf Höhen, in Klüften und bis ins Meer hinab, liegen die flüchebelasteten Trümmer.“

Rekonstruktion der Villa Jovis, 1900 
aus "Das Schloß des Tiberius und andere Römerbauten auf Capri." von C. Weichardt

Wer unbedingt genauer wissen will, worin diese Laster bestanden haben sollen, mag das bei Sueton nachlesen, es entgeht einem aber auch nichts, wenn man es läßt. Kopisch versucht dann noch, der Ursache der Lichterscheinung auf den Grund zu gehen, deren Wirkung er zuvor so beschreibt:

„Das angenehme Gefühl von einem Phänomen so außerordentlicher Schönheit überrascht worden zu sein, wo ich nur alte Trümmer vermutet, ward dadurch bis zum Überreiz erhöht, daß das zauberisch flammende Blau des Wassers in der Grotte für mich damals ein unerklärbares Rätsel geblieben war. In Gedanken schwankte ich noch beständig auf dem unterirdischen Himmel umher, mit der schwindelnden Empfindung, als müsse ich in die unabsehbare Unendlichkeit fallen, und fortfallen, wie man es wohl im Traum zu tun pflegt, und ich gab mir alle ersinnliche Mühe, irgend einen Grund der wunderbaren Licht-Erscheinung aufzufinden; aber vergeblich.“

Nun, er findet die Ursache. Aber diese hebt nicht die Unendlichkeitserfahrung auf, die ihm in dieser Grotte widerfahren war. Eine Erfahrung von Zeitlosigkeit aufsteigend aus einem Strudel gewußter Geschichten. Man darf nicht vergessen, daß all diese merkwürdigen und auch verstörenden Geschichten und Bilder des Altertums in den Seelen dieser wieder empfindsam gewordenen jungen Menschen ja präsent waren, was immer ihnen davon bewußt war. Faszinierend ist es, wie an einem solchen Ort, der mit verruchter heidnischer Vergangenheit verbunden wurde, sich so neue Regionen der menschlichen Seele offenbarten.

Auch wenn der Ort heute längst grausig profanisiert ist, so hat dort doch vor 192 Jahren eine der abendländischen Epiphanien stattgefunden.

Büste des Tiberius

nachgetragen am 30. Mai

Mittwoch, 23. Mai 2018

Trauergottesdienst für Rosemarie Schuder-Hirsch


Es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Und als er das gesagt hatte, verschied er.
Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen die Frauen zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. Und als sie darüber bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern. Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Amen
Lukas 23.44/24.1-6

Der Friede des Auferstandenen sei mit euch!

Liebe Trauerversammlung,

das Buch ist vielleicht die menschlichste Form, um sich dauerhaft mitzuteilen. Jedes Buch ist aber auch immer eine Preisgabe. Der Autor gibt von sich selbst preis und kann nicht wissen, was daraus wird, denn jedes Buch geht irgendwann seinen eigenen Weg. Auf diesem Weg begegnet es dann wieder Menschen und legt vor ihnen Zeugnis ab auch von dem, der es geschrieben hat. Bücher sind Offenbarungen.

Nur noch ihre Bücher zeugen nun lebendig von der Frau, deren Tod uns heute zusammengeführt hat. Das Gespräch mit ihr selbst ist verstummt. Noch haben wir die Melodie ihrer Stimme im Ohr, und wir, die wir sie kannten, werden diese Melodie lebenslang hören, wenn wir ihre Bücher wieder zur Hand nehmen. Mich trägt und ich verkündige euch die Gewissheit, dass die Welten, in denen ihre Wörter einstmals wohnten, ihrerseits wieder die Worte bewohnen, die sie überleben.

Ich blicke auf einen merkwürdigen und im Leben eines Menschen seltenen Wandel zurück, denn ich kannte die Bücher der Verstorbenen lange, bevor ich sie kennenlernen durfte.

Mit ihren Michelangelo-Romanen unternahm ich meine ersten Italienreisen, bevor ich einen Fuß in das uns damals so unendlich ferne Land setzen konnte. Sie machte mir den Künstler und die großen Päpste der Renaissance vertraut und behandelte doch immer auch die Zeit, in der wir lebten. In diesem besten Zusammenhang schrieb sie historische Romane. Sie eröffnete dem Leser die Geschichte genauso, wie das Verständnis der Gegenwart. Sie belehrte uns für die Zukunft.

Die Bücher waren ihr Leidenschaft und Arbeit. Sie erfüllten dieses lange Leben, das am 24. Juli 1928, dem Tag des Heiligen Christophorus, in Jena begonnen hatte. In und mit den Büchern erwuchs ihr eine parallele geistige Existenz, von der man als Leser geprägt werden konnte, auch ohne sie persönlich zu kennen und in der wir, ihre Leser, nun gleichsam als Waisen zurückbleiben.

Die Bücher wurden ihr zur Wohnung und waren es wohl mehr, als selbst das Haus, welches ihr Ehemann Rudolf Hirsch für sie gebaut hatte, es jemals werden konnte. Vierzig Jahre lebten die beiden gemeinsam in einer Lebens-, Liebes- und Schaffensgemeinschaft. Aus den gemeinsamen Jahren erwuchsen gemeinsame Bücher, von denen der „Gelbe Fleck“ zweifellos das bedeutendste bleiben wird.

Immer wieder zeugen ihre Bücher von verlorenen Welten und von vergessenen Menschen. Gerade dadurch aber gelingt es ihnen, diese verlorenen Welten wieder zu errichten, die vergessenen Menschen in Erinnerung zu rufen, ihnen Gerechtigkeit zuteilwerden zu lassen und ihnen eine geistige Existenz zu verschaffen, die wie ein Nebel unter uns Lebenden weht.

Manche Bücher durchschreiten wir, wie das Leben selbst, und so blieb Rosemarie auch ihrem Rudolf verbunden, nachdem er 1998 gestorben war. Es war bei ihr immer der Schmerz über diesen Verlust spürbar, noch mehr aber bestimmte sie die Gewissheit davon, dass sie in ihren Büchern vereint blieben und der Welt und den Lesern weiter gemeinsam gegenübertraten. Man muss erlebt haben, wie liebevoll sie von Rudolf Hirsch sprach. Das Schreiben wurde ihr nun die Weise, ihm treu zu bleiben.

Gern hätte ich auch ihn persönlich erlebt und wohl am meisten seinen Humor geschätzt. Er war aber schon tot als ich Rosemarie Schuder im Geburtshaus von Novalis das erste Mal begegnete. Hätte es einen zauberhafteren Ort für die Begegnung mit einer Schriftstellerin, deren Bücher man schon lange kannte, geben können, als dieses verwunschene Schloss?

Zu den Büchern trat nun die Frau, die diese Welt erschaffen hatte. Als Letzte trat sie für mich in den Kreis des Naumburger Meisters, Jan van Leydens, Michelangelos, Kepplers, Boschs, Servets und Freiligraths. Auch jetzt hat sie ihn nicht wieder verlassen. In einer gewissen Weise gehört sie ihm nun sogar noch wirklicher an.

Darüber wollen wir heute nachdenken. Noch sind wir in ihrer Gegenwart, geben aber alles, was irdisch war, aus der Hand. Wir werden ihren Leib begraben.

Im Buche Jesus Sirach lesen wir. Gott hat den Menschen geschaffen aus der Erde; und bestimmt ihnen die Zeit ihres Lebens. Er gab ihnen Vernunft, Sprache, Augen, Ohren und Verstand und Erkenntnis.

Rosemarie hat alle diese Gaben wunderbar genutzt. Sie war eine kluge, scharfsinnige und manchmal, aber nur wo es not tat, auch scharfzüngige Frau. Immer war es ihr auch darum zu tun, den Verstand der Zuhörer und der Leser zu schärfen und ihre Erkenntnis zu wecken. Es war ihr ungeheuer wichtig, stets weiter zu arbeiten.

Das sich mit dieser Arbeit dann sogar noch eine späte Heimkehr ereignete, das ist schon wieder eine ganz eigene Geschichte, die mit der geteilten Stadt Guben, der vermögenden Familie Wilke und einem kleinen Stadtwächterstübchen im Zusammenhang steht. Es ist eine eigene Geschichte, aber, mein lieber Andreas Peter, vor allem Dein großes Verdienst um den Lebensweg der Frau, die wir heute betrauern.

Auch darin hat sich die Erwartung von Novalis erfüllt, der auf die Frage: Wohin gehen wir? schlicht zur Antwort gab: Immer nach Hause!

Wo aber sollen wir dieses Zuhause erhoffen? Wie sollen wir die Richtung des Weges wissen, wenn wir nicht in dem lesen, was uns ihr Lebensweg lehrt. Wo doch nun jedes Buch seinen geistigen Ursprung hat und bewahrt, um wie viel mehr sollten wir da nicht auch einen geistigen Ursprung haben, in den wir zurückkehren dürfen? Wir können der tiefen jüdischen Weisheit Jesus Sirachs vertrauen, der uns Gott als unseren Ursprung bezeichnet. Er hat uns unsere Zeit bemessen und uns mit vielerlei Gaben ausgestattet. Nach langem Weg ruft er uns zurück. Der Schöpfer der Welt ist unser Zuhause.

Auf diese Heimkehr hat Rosemarie sich vorbereitet. Wie sie ihre Angelegenheiten geordnet hat, ist ein großes Vermächtnis, das wir bei der Familie Rupp wohl verwahrt wissen. Seit dem Aschermittwoch dieses Jahres ist die Verstorbene sehr bewusst dem folgenden Gedanken nachgegangen und hat sich von ihm leiten lassen:

Der Psalmist betet: Sei mir ein starker Fels. Das Wort war über die Zeit des Sterbens geschrieben, wie über einem Tor, vor dem wir stehen. Die Christenheit begann wie in jedem Jahr ihre Wanderung nach Golgatha, indem den Gläubigen das Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet wurde. Dieses Kreuz dient der Erinnerung an das Kreuz des Herrn aber auch der Erinnerung an das eigene Sterben. „Gedenke Mensch, das Du Staub bist und wieder zu Staub werden wirst.“ Diese Zeit dient so auch nicht nur der Erinnerung an das Leiden und Sterben Christi, sondern schließt unseren eigenen Tod mit ein und vergegenwärtigt diese Wirklichkeit unseres Daseins.

Sei mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir helfest!

Ist das nicht eine ganz naheliegende Reaktion? Wenn mir ein schwerer Weg bevorsteht, dann will ich mich für ihn rüsten, indem ich nach Kräften suche, die mich diesen Weg bestehen lassen. Der Mensch stimmt seinen Leib und sein ganzes Leben auf eine vor ihm liegende Prüfung ein.

Wir Christen beten:

Sei mir ein starker Fels.

Wir tun das, weil wir nach Stärkung und Halt suchen. Wir spüren unser Menschsein ganz besonders darin, dass wir gerade in solchen Situationen nach Gemeinschaft suchen – nach der Gemeinschaft mit vertrauten Menschen – aber auch nach der Gemeinschaft mit Gott.

Novalis hat gedichtet:

Wenn alle untreu werden,
So bleib’ ich dir doch treu;
Daß Dankbarkeit auf Erden
Nicht ausgestorben sei.

Vor ihr lag nicht irgendeine Aufgabe, Prüfung oder schwere Zeit, sondern die Passion unseres Herrn und der Weg in den eigenen Tod.

„Meine Zeit steht in Deinen Händen.“

Da streift auch uns der Hauch der Gewissheit, dass unsere Zeit verrinnt und vergeht.
Wir trösten uns mit den Freuden des Lebens und schauen mit Wohlgefallen auf die Dinge, die wir vielleicht geschaffen haben. Unzweifelhaft aber bleibt, dass wir sterben müssen, und dass wir nicht einfach vor dem Tor stehen bleiben können.

Noch einmal soll Rosemarie Schuder selbst zu Wort kommen. Ihr Roman „Die Erleuchteten“ endet: „Die Handlanger öffnen den Sarg, nehmen den Körper heraus, binden ihn an den Pfahl hoch oben auf dem Scheiterhaufen. Es dauert eine Weile, sie sind gründlich. Vor seine Füße stellen sie das Bild, daneben legen sie die Schriften. Noch ein Handlanger springt hinzu, schlägt vom Kopf des Toten das schwarze Barett. Jetzt schreien die Menschen, weil der Holzstoß entzündet wird. Wer will entscheiden, ob das Böswilligkeit oder Ungeschicklichkeit oder Absicht war. Der Feuersog reißt die Schriften auseinander, der aufsteigende Rauch trägt sie. Es sind zu viele Blätter, die Wächter können sie nicht einfangen. Sie können auch nicht nachprüfen, wer sich unbemerkt eine dieser Schriften unters Hemd gesteckt hat. Sie können es nicht verhindern, daß die Worte des David Joris in der Welt bleiben, Worte vom Pferd und seinen Augen:

„Meine Mutter erklärte mir, wie es kommt, daß ein Pferd einen Reiter erträgt. Mit seinen großen Augen sieht es alle Dinge neunmal größer. Also auch den Reiter. Wüßte es, wie klein der in Wahrheit ist, würde es ihn abschütteln.

Wer verzweifeln will, ob der Übermacht des Feindes, soll nicht kleinmütig werden und die Welt mit Pferdeaugen betrachten. Wer zweifeln will, ob wir es wirklich sind, ausersehen, die Welt zu verändern, der soll verstehen: Wir sind nicht der Anfang und nicht das Ende.“

Trotz alledem hat sich Rosemarie so unendlich schwer getan, ihren Frieden mit Gott zu finden. Nun wird Gott, auf unser Bitten hin, seinen Frieden mit ihr machen.

Begegne Du nun dem, der sich als der offenbart hat, der Anfang und Ende ist. Er ist mit seinen am Kreuz ausgebreiteten Armen die Tür, durch die du nun gehst.

Amen.

Der Friede des Auferstandenen sei alle Zeit mit euch. Amen.

Thomas Roloff

Photo (privat)

So der Herr will, wird Herr Roloff in wenigen Stunden diese Ansprache beim Trauergottesdienst für Rosemarie Schuder-Hirsch halten. Die Trauerfeier findet um 12 Uhr in der Feierhalle auf dem Friedhof der Sozialisten (Zentralfriedhof Friedrichsfelde) statt. Um 13 Uhr wird sie an der Seite ihres 1998 verstorbenen Mannes Rudolf Hirsch unweit der Feierhalle in der Abteilung: „Künstlerweg“ beigesetzt.