Mittwoch, 2. März 2011

Friederike Prinzessin zu Mecklenburg

Friederikenschlößchen, Bildarchiv Foto Marburg

Daß der Zivilisationsbruch des 20. Jahrhunderts fortwirkt, läßt sich an vielem ablesen. An der Barbarei modernen Bauens etwa. Und Abrißorgien hat es nicht nur im Osten Deutschlands gegeben. Darin spiegelt sich eine Haltung gegenüber dem Überkommenen, die von Wurstig-Respektlos bis Feindselig reicht.

Zu dieser Bemerkung kam ich, als ich auf die Geschichte des Friederikenschlößchens stieß. Es wurde 1966 aus ganz windigen Gründen abgerissen („Schwammbefall“, „Nagekäfer“, später erweiterte der damalige Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht die Gründe um Platz für mehr Verkehr, den Bau einer U-Bahn Linie, Lagerung von Baumaterialien für das Tiefbauamt, eine provisorische Straße für Einsatzwagen; doch eigentlich wollte man nur Platz für eine neue Niedersächsische Staatskanzlei schaffen, heute ist das Gelände eine Rasenfläche neben dem „Waterloo-Biergarten“!).

Friederikenschlößchen, Bildarchiv Foto Marburg

1817 erbaute es Georg Ludwig Friedrich Laves für den General Carl-August von Alten, der König von Hannover erwarb das klassizistische Palais 1837 für seine Frau Friederike. Friederike Luise Karoline Sophie Charlotte Alexandrine Herzogin zu Mecklenburg wurde am 2. März 1778 in Hannover geboren. Ihr Vater, Herzog Karl II zu Mecklenburg war dort Gouverneur und vertrat als solcher den englischen König Georg III., der zugleich Kurfürst von Hannover war, was diesen nicht nötigte, irgendwann persönlich zu erscheinen. Friederike war die jüngste Schwester unserer verehrten Königin Luise, und auch wenn sie eher in deren Schatten stand: Mindestens Schadow hat sie mit ihr zusammen unsterblich gemacht.

Als Karl II. erneut Witwer wurde, gab er seine Kinder in die Obhut seiner Schwiegermutter, „Prinzessin George“ in Darmstadt, was sich für beide als Glücksfall erwies. 1793 traf der „Frauenversteher“ Friedrich Wilhelm II. „zufällig“ auf die beiden Schwestern im Theater und beschloß zugleich, sie mit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm und dessen jüngeren Bruder Friedrich Ludwig zu vermählen. Friederike hatte im Gegensatz zu ihrer Schwester, deren Gatte zwar auch schwierig war, aber irgendwann eine deutliche Anhänglichkeit entwickelte, nicht unbedingt das große Los gezogen, trotz dreier Kinder. 1796 aber verstarb der ihrige, und es wurde deutlich unerfreulicher für sie. Um es kurz zu machen: Sie fand Wege, sich über den Verlust zu trösten und wurde dabei schwanger! 1798 mußte sie daher den Prinzen Friedrich Wilhelm zu Solms-Braunfels ehelichen, der ihren Hilferuf erhörte, die Folge war dennoch die Entfernung vom Hofe.

1814 verstarb ihr Gatte, eine nun ja, auch ziemlich instabile Person, sie hatte wirklich meistens Pech mit Männern, und alle Pläne über eine eventuelle Scheidung wurden somit hinfällig; allerdings hatte längst Herzog Ernst August von Cumberland, ein Prinz aus dem Hannoveranischen ein Auge auf sie geworfen, sie heirateten am 29. Mai 1815. 1837 starb König Wilhelm IV. von Großbritannien und auf Grund abweichender Erbfolgegesetze gab es nun die berühmtere Victoria im britischen Königreich und der Herzog von Cumberland wurde als Ernst August I. König von Hannover und sie Königin, für wenige Jahre, was für eine durchaus traurige Pointe.


Johann Gottfried Schadow, Luise von Mecklenburg und Friederike von Mecklenburg
hier gefunden

Kommentare:

naturgesetz hat gesagt…

An interesting bit of history, made the more so for me by the connection with England.

MartininBroda hat gesagt…

It's always pleasant to know someone reads this who appreciates it, which makes the effort seem not vain.