Donnerstag, 2. Juli 2009

Über Hesse, Nebel und ermordete Griechen


(c) Walter A. Aue

Hermann Hesse


In the Mists


Wondrous to wander through mists!
Parted are bush and stone:
None to the other exists,
Each stands alone.

Many my friends came calling,
Then, when my life was bright;
Now that the fogs are falling,
None is in sight.

Truly, only the sages
Fathom the darkness to fall,
Which, as silent as cages,
Separates all.

Strange to walk in the mists!
Life has to solitude grown.
Only the Single persists:
Each is alone.

Translation / Übersetzung by / von Walter A. Aue



Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war,
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkle kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist einsam sein.
Kein Mensch kennt den anderen,
Jeder ist allein.


(c) Walter A. Aue

Dieses Gedicht fällt völlig aus der Jahreszeit, natürlich. Aber wozu haben wir unseren Verstand, als daß wir uns von den äußeren Umständen nicht wegimaginieren könnten. Und da der gute Greg vom „Mitternachtsgarten“ kürzlich eine Serie wunderbarer Nebelbilder zusammengebracht hat, ist dies ein guter Anlaß für mich, auf jene zu verweisen.

Dieses Gedicht von Hesse ist wohlbekannt, und ich muß gestehen, es ist eines von denen, mit denen ich nie so völlig glücklich geworden bin, warum: Nun, die Sprache ist generell durchaus sehr suggestiv, aber die 2. Strophe muß schon intelligent betont werden, sonst wirkt der Reim peinlich. Und dann, ich rede natürlich als meinungsforscher Dillettant, seine Gefühlsstufe ist ein wenig in Gefahr, im Pubertären zu verharren.

Das ist böse, ich weiß, Prof. Aue möge mir verzeihen, aber ich bringe es auch nur, weil ich das Gefühl habe, er hat es in der Übersetzung etwas erwachsener gemacht. Abgesehen natürlich von den hervorragenden Bildern, die er beigesteuert hat und die ich gern anbringen wollte.

Übrigens, ich bekomme von freundlichen Lesern bekanntlich gelegentlich Empfehlungen, worüber ich doch schreiben könnte (und tue mich oft ziemlich schwer damit). Heute war es wieder soweit.

Der hier bekannte Herr Roloff riet mir, über zu Alexandros Panagoulis zu schreiben, der am 2. Juli 1939 geboren wurde, also vor genau 70 Jahren. Oriana Fallaci, diese herrliche Haßpredigerin und Lebensgefährtin des wohl ermordeten griechischen Widerstandskämpfers und Dichters hat ein Buch über ihn geschrieben ("Ein Mann"), das er gerade liest und dringend empfiehlt. Diese Leseempfehlung wollte ich doch wenigstens weitergeben.

Kommentare:

MartininBroda hat gesagt…

About Hesse, fog and murdered Greeks
(translation, more ore less)

This poem is completely out of the season, of course. But which is our mind good for, than to imagine ourselves far from the outside circumstances. And since our good Greg from „the midnight garden” brought together recently a marvelous series of fog pictures, this is a good occasion for me to refer to those (http://midnightgarden12.wordpress.com/2009/06/30/junes-farewell-part-one-the-foggy-morning).

This poem of Hesse is well-known and I have to confess, it’s not completely one of my favoured ones, why: Well, the language is generally quite very suggestiv, but the 2nd verse must be already intelligently pronounced, otherwise the rhyme works embarrassingly. And then, I talk of course as a bold minded amateur, the feeling ground of the poem is a little bit in danger to remain immature.

That is bad, I know, Professor Aue may forgive me, but I say this only, because I have the feeling, in his translation the poem becomes a bit more mature, however. Besides of course from his outstanding pictures, which he contributed and which I wanted to attach gladly.

By the way, I get recommendations of friendly readers as well known occasionally about themes I could write (and I have to confess, I have often difficulties with that, it’s hard to me to write about things I nearly know nothing, OK that’s unusually, but however). Today it was so again.
Mr. Roloff well known here recommended to write about Alexandros Panagoulis, who was born on July 2th 1939, thus exactly 70 years before today. Oriana Fallaci, this wonderful “hate preacher” and partner of the probably murdered Greek resistance fighter and poet wrote a book concerning him (“a man”), which Mr. Roloff just reads and insistently recommends. I wanted to pass this reading recommendation on nevertheless at least.

Pilgrim hat gesagt…

Martin, I took along some Hesse-novels like "The Nightwolf"(french ed.) with me to Ireland. You still have this warm weather? Propz Pilgrim

MartininBroda hat gesagt…

We have, one goes nuts. But I’ve just seen seems it’s a bit sticky in Ireland too. I guess Ireland is a great land to travel. I’ve always enjoyed it. So I hope you can enjoy it too.

gomad.ch hat gesagt…

Ich war etwas überrascht, in dieser Sommerhitze über Nebel zu lesen. Aber im Moment geht gerade ein heftiges und kühlendes Gewitter nieder und ich denke, danach werden dann hoffentlich Nebelschwaden aufsteigen.

MartininBroda hat gesagt…

Glücklicher Mensch; ja das war dann wohl ein kontrafaktischer Post, obwohl, vor ein paar Tagen habe ich morgens tatsächlich Nebel gesehen, aber wie ich schon andeutete, hatte ich keine Lust, etwa über die fröhliche Sommerhitze zu schreiben, und was hat es mir eingebracht, eine lange, nachdenklich anregende Reaktion des Übersetzers, schade, daß ich sie hier nicht anbringen kann, so ist sie nur an mich verschwendet. Viel Spaß beim Abkühlen.

Greg hat gesagt…

Martin, glad to have brought you some inspiration. I only wish I could bottle some of the lovely breezes we've had off the bay this weekend - sounds like you could use a little relief from the heat!

MartininBroda hat gesagt…

Yes thanks. You know I really like your fog series and some Sea breezes would be fine, but one gets used to it a bit and it’s summer not to forget, I found randomly in an older post a remark how bored I was from winter, sigh, people.

Anonym hat gesagt…

Ich weiß nicht, was an dem 2. Vers von Hermann Hesses Gedicht "Im Nebel" peinlich anmuten sollte. In Hesses Gedicht ist im 2. Vers "licht" "klein" zu schreiben im Sinne von "hell", "heiter", "bei klarem Bewußtsein" etc. So ist der Inhalt absolut verständlich. "licht" ist hier Adjektiv und nicht Substantiv!

Wolfgang Gleiser, Bad Sooden

MartininBroda hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Gleiser

Erst einmal vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihren Besuch hier. Sie haben recht mit Ihrem Einwand insofern, als mir da ein Schreibfehler hineingerutscht ist, ich wollte ihn zuerst gleich korrigieren, aber dann hätte Ihr Hinweis unverständlich gewirkt, nein der Inhalt ist soweit verständlich, wie gute Literatur und eben dadurch auch mehrdeutige Literatur verständlich sein kann. Mein zugegeben launiger Hinweis, aber dies ist nun mal ein privates Blog und der Tonfall dadurch auch häufig etwas hemdsärmeliger, bezog sich auf die technische Seite (Wortakzent, Versmaß etc.). Ich kann hier im Moment nur kurz antworten, aber schauen Sie für weiteres doch einmal beim Übersetzer vorbei, es lohnt sich wirklich (http://myweb.dal.ca/waue/Trans/Hesse-ImNebel.html). Nochmals vielen Dank

M. Wisser