Sonntag, 18. August 2019

Sonnabend & Sonntags-Bilder











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Samstag, 10. August 2019

Über das Parkhaus III




Nach dem getragen freundlichen ersten und mehr zwiespältigen zweiten Teil wollen wir mit 2 Räumen enden, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Die obigen Bilder zeigen das sogenannte Herrenzimmer. Nicht nur war es recht düster dort, und man meinte fast, den Geruch der hier einst gerauchten Zigarren wahrnehmen zu können, meine Kamera weigerte sich auch, davon annehmbare Aufnahmen zu machen. Sie wird ihre Gründe gehabt haben. Mit anderen Worten: Es war genau die Art von Raum, dessen bisheriges Ausbleiben in so euphorische Stimmung versetzt hatte.

Dafür befiel mich beim Auswählen der nachfolgenden Photos der dringende Wunsch, ein besserer „Photograph“ zu sein als ich bin. Denn, sie leisten in keiner Weise Gerechtigkeit. Der Raum, dessen Bestimmung mir gegenwärtig nicht sicher klar ist und den ich hilfsweise Marmorzimmer nennen will, war ohne Übertreibung atemberaubend. Insofern ein würdiger Endeindruck, nur leider einer, den ich bloß behaupten kann.







Die Bilder lenken den Blick eher auf die Spuren der einst eingezogenen Zwischenwände und andere Gruseligkeiten, dabei ist es ein geradezu musterhaft spätklassizistischer Raum, dessen Aura sich sofort auf einen überträgt und gefangennimmt. Genauer gesagt, ist es das exakte Gegenteil, es ist die Art glückseliger Befreiung, die authentische Schönheit zu verschaffen vermag, so daß das innere Auge alles Abträgliche einfach beiseite schieben kann. Ich war nicht allein mit diesem Eindruck.


Von Adolf Friedrich VI. , der, wie es so schön heißt, zu größten Hoffnungen Anlaß bot, sind uns 2 Dinge geblieben: Seine Grabsäule auf der Liebesinsel in Mirow und das Park-Haus in Neustrelitz.
Das Park-Haus ist vergleichbar (ich räume ein, das Bild ist etwas schief) mit einem Menschen, dessen Fehler man sieht, den man aber vor allem seiner inneren Werte wegen mag, und für das Gemeinsame, das einen mit ihm verbindet. Eine mehr emotionale Angelegenheit also.

Daß hier Bilder der Art auftauchen, wie ich abschließen will, ist eher selten, aber Frau L. war so entgegenkommend, dieses von mir machen zu wollen. Die Pointe: Als ich danach beim Verlassen des Park-Hauses den Balkon von unten besah, war dort ein großer Riß an der Stelle, wo ich soeben noch gestanden hatte, wie man auf dem allerletzten Bild deutlich sehen kann. Weder hoffe ich, diesen vorher verursacht, noch ihn zumindest verschlimmert zu haben.



nachgetragen am 14. August

Über das Parkhaus II



Es folgt eine Abteilung Bilder, mit denen ich nicht nahtlos an den 1. Teil anschließen konnte oder wollte. Aus ganz verschiedenen Gründen. Teils sind die Aufnahmen nicht besonders, teils hinterläßt das Sujet einen zwiespältigen Eindruck, etwa, weil es einem naturgemäß widerstrebt, die Spuren eines sich zurückziehenden Privatlebens anschauen zu müssen. Man fühlt sich da recht unwohl, soll es vielleicht auch, meint dennoch, eine Auswahl bringen zu müssen. Da müssen wir jetzt durch.

Äußerlich ist es ein Aufstieg, nämlich ins Obergeschoß.









nachgetragen am 14. August

Über das Parkhaus I

Park-Haus, Straßenansicht

„Er war schön, und auf sein Leben wie auf seinen Tod breitete sich das Geheimnis, das die Schönheit begleitet. - Ihn kannten alle hier und niemand kannte ihn, von Hunderttausenden war er der Vater, aber niemandes Freund. - Loyal, freigebig, Volksfreund, blieb er zugleich verschlossen, kühl und abgetrennt. - An Pflichtgefühl ein deutscher Fürst, war er zugleich ein Viertel Engländer von Blut, Freund geschmackvoller Einsamkeit. - Es folgt, daß er den Künsten zugetan sein mußte, man weiß es, aber niemand weiß, zu welchen Meistern es ihn zog.

Großherzog Adolf Friedrich VI. im Dezember 1916

Als Sohn eines Fürsten, der sich gern mit den Leuten verbrüderte, blieb er in seiner stillen Noblesse, die immer abseits lebte, dem Vater fremd, ein wenig ridicule sogar, und ging auf Reisen, um nicht in dieser rauhen Sphäre die Jugend zu verlieren...“

„In seiner kleinen Residenz, vor dem Tor dieser simplen einstöckigen Stadt, in der zuweilen ein edler Giebel, eine echte Profilierung, ein schönes Tor an das Empire erinnert, lebte er ganz allein. Die Bürger, vor allem die Frauen, liebten diesen eleganten Reiter, der die Damen zuerst grüßte, der jeden Bauern patriarchalisch empfing...“

Großherzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Strelitz, 1912

„Er lebte allein in seinem eigenen Haus. - Schwer hatte er vom Vater die Mittel erhalten, bis er es als Thronfolger beziehen und bis ans Ende bewohnen durfte. - Zu weitem englischen Rasen hatte er die Waldung um sein „Parkhaus“ gelichtet, Rosengärten und Orangerie gebaut. - Kurvenreich ließ er, stets nach eigenen Zeichnungen, langsame, sanfte Wege auf und nieder gleiten, und jenseits dieser fürstlich weiten Flächen erst erlaubte er dem alten Wald, sich zu erheben. - Jetzt steht zuweilen ein zahmes Reh, am Rande der Waldung äsend, denn dieser Fürst, auch hierin ganz verschieden von seinem Vater, jagte nicht und erzürnte die alten Jäger so sehr, daß sie Skandalgeschichten erfanden, die nur Wenige glauben. - Es ist von außen ein schönes Haus, breit und behaglich, großen Stiles und mit viel Geschmack, wie englische Edelsitze, die ihm zum Muster dienten.

Daisy von Pless, um 1898

Doch niemand weiß - fast niemand – was in dem Hause steht, und wie sein Herr darin lebte… War er ein Freund der Frauen? Die kleine Stadt, der nichts verborgen bleiben kann, hat Frauen, die er anderwärts besuchte, nie gesehen. - Nur eine Fürstin, freilich die schönste, kam im Kriege für lange Wochen, sie wohnte im Schloß. - Auch sie war englisch von Geburt.“

Daisy von Pless als Rotkreuzschwester 

Die Lektüre strengt etwas an, das gebe ich zu. Aber ist es wenigstens richtig? Nun, nach der Volkszählung von 1910 besaß Mecklenburg-Strelitz eine Einwohnerschaft von 106.442, also nicht von Hunderttausenden usw.  Aber darum ging es mir gar nicht.

Weniges beschreibt trefflicher die äußere Stimmung des Parkhauses, als dieser nun ja „schwungvolle“ Text, den wir hier auszugsweise wiedergeben. Er ist ja auch zeitnah mit dem Gebäude entstanden. Emil Ludwig, ein damals sehr bekannter Verfasser biographischer Romane, hat ihn unmittelbar nach dem Tod von Adolf Friedrich VI. am 24. Februar 1918 verfaßt, und das kleine Schloß wurde als dessen persönliche Residenz erst bis 1915 errichtet.

Der letzte Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz (ab 1914) konnte es nur wenige Jahre bewohnen, nach seinem tragischen Ende lebte dort die Mutter des Großherzogs, Elisabeth, bis zu ihrem eigenen Dahinscheiden am 20. Juli 1933.

Großherzogin Elisabeth, 1912

Entworfen hat es derselbe Ministerialrat Schondorf, der auch das Carolinum am Glambecker See gebaut hat. Und bei beiden gibt es halt gewisse Manierismen, die vermutlich originell wirken sollten, aber eher als mißglückte Formunsicherheit erscheinen. Beim Parkhaus etwa ein zu niedrig gedrungener Mittelrisalit, in den sich das Dach von beiden Seiten wie ein, ja - Dosenöffner einschneidet.

Ich hatte mein Mißvergnügen darüber vor einiger Zeit einmal näher ausgebreitet, wer will, kann das hier nachlesen (den ersten Absatz dort kann man aber getrost überspringen). Wo bleibt das Positive? Wir nähern uns. Und bei allem ist nicht zu vergessen, wenn man etwas eigentlich wertschätzt, fallen die Einbußen am völligen Gelingen um so mehr auf.

"De mortuis nil nisi bonum dicendum est." So heißt es bekanntlich, wobei nicht klar zu entscheiden ist, ob aus diesem alten Gebot, über Tote nicht abträglich zu reden, der Respekt vor denselben spricht oder die Furcht, man möchte sie sich als rachsüchtige Geister auf den Hals zu laden.

Und nein, wir reden natürlich nicht vom Großherzog, sondern von Dr. Kai-Alexander Schlevogt, der auch nicht tot ist, aber für das Großherzogliche Parkhaus jedenfalls Geschichte. Was ihn bewogen haben mag, noch kurz vor dem endgültigen Auszug der interessierten Öffentlichkeit Gelegenheit zu geben, erhebliche Teile der Innenräume zu besichtigen, will ich auf sich beruhen lassen. Jedenfalls haben seine Motive, wie immer sie geartet waren - Mutmaßungen mag man dort erfahren - zu einem einmaligen Erlebnis geführt.

Das soll als Vorbemerkung genügen. Doch halt! 2 Bilder dazu gab es schon, wir wollen noch das Geheimnis der „schönsten Fürstin“ auflösen. Hier hat Herr Ludwig zur Abwechslung wieder recht. Daisy von Pless galt zu ihren besten Zeiten nicht nur als die schönste Frau des europäischen Hochadels, sie muß auch eine beeindruckende Persönlichkeit gewesen sein und war eine enge Vertraute des Großherzogs, das zweifelsohne und nichts anderes. Gegenstehendes darf man getrost in den Bereich der „Skandalgeschichten“ verweisen, „die nur Wenige glauben“. Auch dort hat Herr Ludwig wieder recht.

Wir beginnen endlich mit unserem Rundgang und verbleiben zunächst im Erdgeschoß. Die Bilder mögen für sich sprechen. Aber soviel sei doch gesagt. Dadurch, daß die bloßen Räume noch da sind, allerdings weitgehend intakt - also mit zahlreichen Kaminen, dem Stuck, Spiegeln, Einigem an Marmor, gelegentlichen Wandmalereien, Wandvertäfelungen etc. - hat man den puren, unverstellten Raumeindruck.

Und der ist betörend. Sehr anders als erwartet. Immer maßvoll, geradezu zurückhaltend, ja intim, nie übertrieben oder auftrumpfend, von überraschendsten Proportionen und geschmackssicheren Details; oft geradezu wohltuend klassisch. Hochgestimmt und repräsentativ im besten Sinne. Ein einziges erleichtertes und beglücktes Auf- und Durchatmen.










nachgetragen am 14. August