Sonntag, 30. März 2014

Sonntag &


Das, angesichts eines wunderbaren Frühlingstags, erste denkbare Sonntagsessen auf der Terrasse in diesem Jahr ist gewissermaßen dem Fußball zum Opfer gefallen. Nicht daß ich inzwischen zum Fußballfan mutiert wäre, aber hier um die Ecke liegt das hiesige Stadion und die Mannschaft der TSG Neustrelitz kämpft offensichtlich erfolgversprechend um den Aufstieg in die 3. Liga. Heute ging es gegen den 1. FC Magdeburg (wie ich gelernt habe, war das mal eine bedeutende Sache). Was die Polizei offensichtlich heftig dazu animierte, Wasserwerfer aufzufahren etc. etc. Sagen wir, die Umgebung war für das Draußen-Essen einfach etwas zu überfüllt (und man kann es selbst mit dem Exhibitionismus ein wenig übertreiben).



Zum Essen: Das merkwürdige grüne Gemüse ist wohl keinem Gen-Labor entsprungen, sondern einfach eine Kreuzung aus Brokkoli und Blumenkohl (und da unsere Kohlsorten alle vom Wildkohl herstammen, ist das anscheinend auch keine so besondere Angelegenheit) und schmeckt ziemlich nach letzterem, sieht aber immerhin irgendwie „spacig“ aus (irgendwie müssen wir unserem genügsamen Leben doch einen Anschein von „flavour“ beifügen). Dafür war der Rest brav und gediegen.

Auf sehr viel Thymian, Zwiebeln und Rosmarin wurde ein Schweinekrustenbraten zubereitet. Ich habe diesmal die meiste Zeit den Deckel auf dem Bräter im Ofen gelassen und erst spät abgenommen, dann natürlich das Ganze öfters mit dem Sud übergossen. Empfehlenswert. Zu der Sauce kam eigentlich nur noch eine Mischung aus Crème fraîche und Saurer Sahne hinzu (auch wenn sich der Purist hier schüttelt). Also das Gegenüber in Gestalt von Frau Mutter hat „tüchtig reingehauen“, wie sie zu sagen pflegt, wenn das Essen rasant weniger wird, es scheint demnach den Erwartungen entsprochen zu haben.

Ach übrigens bezwang der „Tabellenführer TSG Neustrelitz“ den 1. FC Magdeburg mit 2:1, und langsam sollte ich wohl darüber nachdenken, eine kleine Imbißbar am Gartenzaun aufzubauen, ach nein, besser doch nicht.





Mittwoch, 26. März 2014

Dienstag, 25. März 2014

Annuntiatio Domini oder Mariä Verkündigung

 Mosaiken aus der Sophienkathedrale in Kiew, ca. 1040

26 In mense autem sexto, missus est angelus Gabriel a Deo in civitatem Galilææ, cui nomen Nazareth, 27 ad virginem desponsatam viro, cui nomen erat Joseph, de domo David: et nomen virginis Maria. 28 Et ingressus angelus ad eam dixit: Ave gratia plena: Dominus tecum: benedicta tu in mulieribus. 29 Quæ cum audisset, turbata est in sermone ejus, et cogitabat qualis esset ista salutatio. 30 Et ait angelus ei: Ne timeas, Maria: invenisti enim gratiam apud Deum. 31 Ecce concipies in utero, et paries filium, et vocabis nomen ejus Jesum: 32 hic erit magnus, et Filius Altissimi vocabitur, et dabit illi Dominus Deus sedem David patris ejus: et regnabit in domo Jacob in æternum, 33 et regni ejus non erit finis. 34 Dixit autem Maria ad angelum: Quomodo fiet istud, quoniam virum non cognosco ? 35 Et respondens angelus dixit ei: Spiritus Sanctus superveniet in te, et virtus Altissimi obumbrabit tibi. Ideoque et quod nascetur ex te sanctum, vocabitur Filius Dei. 36 Et ecce Elisabeth cognata tua, et ipsa concepit filium in senectute sua: et hic mensis sextus est illi, quæ vocatur sterilis: 37 quia non erit impossibile apud Deum omne verbum. 38 Dixit autem Maria: Ecce ancilla Domini: fiat mihi secundum verbum tuum. Et discessit ab illa angelus. 

Mariä Verkündigung, ca.1375, Photo (c) PaulineM

Und im sechsten Monat ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Manne mit Namen Joseph, vom Hause David: und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Gegrüßet seist du, Holdselige! Der HERR ist mit dir, du Gebenedeite unter den Weibern! Da sie aber ihn sah, erschrak sie über seine Rede und gedachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß sein und ein Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der HERR wird ihm den Stuhl seines Vaters David geben; und er wird ein König sein über das Haus Jakob ewiglich, und seines Königreiches wird kein Ende sein. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich von keinem Manne weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Gefreunde, ist auch schwanger mit einem Sohn in ihrem Alter und geht jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, daß sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe ich bin des HERRN Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.
Evangelium nach Lukas, Kap. 1, V. 26 – 38

"Ave Maria, Latin Gregorian Chant, 
sung by a Carmelite nun of Tromsø, Norway"

Doménikos Theotokópoulos (El Greco), Verkündigung, ca. 1596-1600
hier gefunden

Am 25. März, folglich 9 Monate vor Weihnachten, feiert die Kirche das Geschehen, das oben im Auszug aus dem Lukasevangelium beschrieben wird. Der Engel Gabriel verkündet Maria, daß sie Gottes Sohn gebären werde. Darum heißt das Fest „Verkündigung des Herrn“, auf Latein „Annuntiatio Domini“ oder eben „Mariä Verkündigung“. Darin hat auch eines der wertvollsten Gebete der Christenheit seinen Ursprung, das „Ave Maria“, denn es beginnt, indem es den Vers 28 aufgreift (daher eingangs die lateinische Übersetzung). Neben dem Vaterunser dürfte es keinen Text aus dem Neuen Testament geben, der öfter von Menschen gesprochen wurde.

Die musikalischen Interpretationen davon, die es zahlreich gibt, sind nicht immer unbedingt glücklich zu nennen, aber die obige, die ich eben gefunden habe, empfand ich als recht angenehm. Ich wollte dies ursprünglich gar nicht anbringen, aber gerade dachte ich darüber nach, warum es bei der Marienverehrung neben vielen großartigen Geisteszeugnissen auch recht „Schwieriges“ gibt. Es muß damit zusammenhängen, daß wenige Gestalten des christlichen Glaubens eine so starke Anteilnahme hervorrufen, so daß die Menschen die Heilige Jungfrau förmlich in ihr Gemütsleben hineinziehen, und dieses Gemütsleben ist nun einmal recht unterschiedlich geartet.

Zwei andere angenehme Musikbeispiele folgen von Johann Sebastian Bach, der hat seine Kantaten „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ (BWV 1) und „Himmelskönig, sei willkommen“, (BWV 182) diesem Fest gewidmet.





An „Mariä Verkündigung“ ist an diesem Ort schon des öfteren gedacht worden (man sehe etwa hier und hier). Und es fällt auf, mit welcher Zurückhaltung Lukas in seiner Erzählung das andeutet, was später etwa im Glaubensbekenntnis von Nizäa (325) und Konstantinopel (381) mit geradezu ehernen Worten ausgesprochen wird:

„Wir glauben… an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott, Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil
ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen
durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria
und ist Mensch geworden...“ 

Wobei das Wort „Zurückhaltung“ nicht ganz deutlich den Vorgang bezeichnet. Lukas kündigt das Ereignis der „Fleischwerdung Gottes“ an, und damit weiß man, daß es geschehen wird (man kann nun keine quasi mythische Erzählung davon erwarten). Aber es kann erst eintreten, nachdem Maria einwilligend erklärt hat: „Mir geschehe, wie du gesagt hast“. „Es geschehe“, „fiat“ („fiat mihi secundum verbum tuum“).

Dieses „Fiat“ erscheint als das Echo eines früheren „Fiat“ - „Dixitque Deus: Fiat lux. Et facta est lux.“ „Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht.“ (1. Buch Mose, Kap. 1, Vers 3). Doch während Gott die Welt aus seiner Allmacht heraus schafft, bedarf es bei der Menschwerdung Gottes der Einwilligung des Menschen, genauer des Menschen Maria -  „Es geschehe!“.

In diesen wenigen Worten gewinnen wir zudem einen beeindruckenden Blick auf das Charakterbild Mariens. Denn natürlich ist das überwältigend, was der Engel da verkündet, sie soll einen König gebären, dessen Reich kein Ende haben und Sohn Gottes genannt werden wird. Und ihre Reaktion ist nach dem ersten Erschrecken nicht etwa geschmeichelte Zustimmung, sondern ein nüchternes Beharren auf ihrer Ehrbarkeit - „Wie soll das zugehen, da ich von keinem Manne weiß?“. Nach dem Verständnis ihrer Umwelt wurde ihr soeben eröffnet, daß sie ein uneheliches Kind gebären würde.

Die Antwort des Engels wiederholt im Grunde nur die Verheißung und erinnert zugleich daran, daß Gott nichts unmöglich sei. Zudem wird ihr ein Zeichen in Aussicht gestellt, ihre betagte Freundin Elisabeth werde einen Sohn gebären. Nun aber will sie nicht etwa erst das Zeichen in Augenschein nehmen (sie wird es im Anschluß allerdings sofort tun), sondern sie „ermannt“ sich und sagt zu dem, was sie noch gar recht erfassen kann ob seiner Ungeheuerlichkeit, im völligen Vertrauen auf Gott „es geschehe!“.

Und so tritt Gott als Mensch in die Welt und die demütige Jungfrau Maria wird zur Mutter Gottes, indem sie sich als Anwältin und Stellvertreterin der Menschheit zur Brücke macht zwischen Gott und den Menschen.

Julius Schnorr von Carolsfeld,  Verkündigung Mariä, 1820
hier gefunden

beendet am 26. März

Sonntag, 23. März 2014

Sonntag &


„Mea maxima culpa“; ich bin spät mit meinem Sonntagsbericht, dabei drückte nicht einmal das Unbehagen, einen kompletten Mißerfolg bekennen zu müssen, es bleiben keine wirklich akzeptablen Entschuldigungen übrig, also lassen wir besser jeden Versuch in dieser Richtung beiseite.

Es war spät geworden am Sonnabend, zu spät eigentlich, um sich noch auf die Suche nach vorzeigbarem Fleisch machen zu sollen. Folglich entschied ich: Es gibt einen Hackbraten! Bei Hackfleisch kann man am besten mogeln, und die Gefahr, daß das Gericht zu zäh wird, ist auch eher gering.


Die diesmal gewählte Variante: Gemischtem Hackfleisch (von Schwein und Rind) wurden Eier, Semmelbrösel, kleingehackte Zwiebeln, Quark, diverse zerkleinerte Kräuter (Thymian, Petersilie, Rosmarin …) und Gewürzketchup beigemengt (natürlich auch Pfeffer und Salz). Das Ganze kam in eine mit Aluminiumfolie ausgelegte Backform und danach in den Ofen. Etwa 1 ½ Stunden später wurde das alles auf eine Bratenplatte gestürzt und noch einmal kurz in den Ofen getan (es sah unter der Folie einfach zu grau aus).

Und siehe da, jemand, der meinen Hackbraten immer sehr reserviert begegnete, meinte, ich müsse das Rezept verändert haben, es schmecke jetzt ganz anders. Dazu gesellten sich wieder einmal Pellkartoffeln (saisonbedingt) und, als Ausgleich für die fehlende Sauce, zweimal Gemüse, zum einen diverses Jung-Gemüse, mit Butter übergossen, und Rosenkohl (ersteres von Frau Mutter sogar noch am nächsten Morgen kalt zum Frühstück vertilgt), beim Rosenkohl gab ich den Vorkoster und riet danach ab, er würde interessant nach Pappmaché schmecken (wohl doch etwas zu lange tiefgekühlt).




Ansonsten gäbe es nichts von Bedeutung mitzuteilen; die Katze ist ins Wasserfaß gefallen, aber sie hat schnell, sehr schnell, wieder herausgefunden; es ist derzeit etwas kalt, das bremst den gärtnerischen Ehrgeiz ziemlich; ach doch, vielleicht werden wir im Juni landesgeschichtlich bedeutsamen Besuch haben, aber da warten wir besser, bis es wirklich soweit ist. Es erscheint alles eher als eine Mischung aus Banalität und Erwartung in diesen Tagen. Es gibt Schlimmeres.



nachgetragen am 24. März

Samstag, 22. März 2014

Nur Bilder heute



Auch Königinnen können sich ihre Verehrer nicht aussuchen. Ich war heute morgen noch völlig anders gestimmt und gewillt, einen euphorischen Bericht über die saisonale Wiedereröffnung der Luisen-Gedenkstätte in Hohenzieritz, ihrem Sterbeort, zu schreiben, aber da war ich dem Vorsitzenden des "Schlossverein Hohenzieritz-Louisen-Gedenkstätte" auch noch nicht persönlich „begegnet“, eine entbehrliche Erfahrung.

Wenn dies nicht eine unnötige Herabsetzung des Kaiser bedeutete, würde ich wohl sagen, da ist man ihrem Auftreten nach mit einer grobschlächtigen Karikatur von Wilhelm Zwo geradezu leibhaftig zusammengestoßen. Doch genug davon, auch aus anderen Gründen. Darum gibt es jetzt nur Bilder. Wir beginnen mit diesem Ort und man wird schon schnell merken, wo es mit Hohenzieritz weitergeht.