Sonntag, 18. Juni 2023

Zum 2. Sonntag nach Trinitatis

Günter Johl, "Christus als Herrscher über Gut und Böse", Altarfenster in der Kreuzkirche in Magdeburg, In der Mitte Christus, zu seiner Rechten sieht man den Brudermord von Kain an Abel, zu seiner Linken den barmherzigen Samariter.

Den seit 1956 genutzten Neubau insgesamt für baukünstlerisch herausragend zu halten, dürfte wohl niemandem einfallen. Bemerkenswert aber: „Die Grundmauern der Kirche wurden aus Trümmersteinen der Magdeburger Petrikirche errichtet“. Sie galt also wohl als aufgegeben. Nur eben diese gibt es erneut.

Magdeburg, St Petri, von hier

Predigt in der Kreuzgemeinde Magdeburg

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Der Predigttext ist das Evangelium des heutigen Tages:

Das große Abendmahl (Lukas 14)

15Da aber solches hörte einer, der mit zu Tische saß, sprach er zu ihm: Selig ist, der das Brot ißt im Reiche Gottes.16Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu.17Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommt, denn es ist alles bereit! 18Und sie fingen an, alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 19Und der andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 20Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen. 21Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein. 22Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. 23Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, auf das mein Haus voll werde. 24Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen waren mein Abendmahl schmecken wird. 

Amen

 Magdalenenkapelle, Petrikirche und Wallonerkirche in Magdeburg, von hier

Liebe Gemeinde,

es ist zwar bereits Jahrzehnte her und dennoch bleibt mir eine Erinnerung ungewöhnlich präsent, die genau mit diesem Text zu tun hat. Ich stand damals im Begriff, meinen 30. Geburtstag vorzubereiten. Ich hatte einen Ort ausgewählt. Das Fest sollte in der Wasserburg in Gommern stattfinden. Ich hatte einen befreundeten Pfarrer gebeten, uns zuvor in der St. Thomas-Kirche von Pretzien eine kleine Andacht zu halten. Ich hatte eine Gästeliste verfasst und, dieser gemäß, die Einladungen gefertigt, die ich an einem Novembertag zur Post brachte. 

Damals war es mir zur Gewohnheit geworden, abends gelegentlich die Messe in St. Sebastian zu hören. Ich ging also von der Post das kurze Stück zur Kirche, nahm Platz und es wurde diese Geschichte gelesen. Der Priester forderte uns auf, uns vorzustellen, wir hätten ein Fest vorbereitet, viele Gäste eingeladen und niemand kommt!

Dadurch habe ich mir ein besonderes Verhältnis zu dieser Geschichte bewahrt und muss an die kleine Begebenheit denken, sooft ich vom Großen Abendmahl höre.

Magdeburg, Petri-Kirche, Ruine, 1.10.1952, von hier

Warum lädt man zu einem Fest ein? Ein wahres Fest wird von der Gewissheit getragen, dass es dem Gastgeber darum geht, den Gästen eine Freude zu bereiten indem er sie um sich versammelt und miteinander in Gemeinschaft bringt. 

Das Fest im biblischen Zusammenhang ist aber zugleich immer auch noch ein Bild von unserer ewigen Gemeinschaft mit Gott. Wir sind mit der ganzen Schöpfung von Gott ausgegangen und sollen zu einer durch ihn bestimmten Stunde zurückkehren. Gott ruft, er lädt ein und wir kommen. Sein Abendmahl bedeutet immer Heimkehr.

In unserer Geschichte fingen sie alle an, sich nacheinander zu entschuldigen. Sie haben einen Acker oder Ochsen gekauft oder eben ein Weib genommen und sind zu dem Schluss gelangt, dass die Erledigung dieser Angelegenheiten wichtiger ist als das Große Abendmahl des Herrn. Das ist eine Beschreibung davon, wie man sich ganz im Diesseitigen verlieren kann. Das ist eine Beschreibung von dem, was wir heute gemeinhin Säkularisierung nennen. Der Mensch steht immer wieder in der Versuchung, sich den Dingen der Schöpfung ganz hinzugeben und dabei den Schöpfer zu vergessen, manchmal sogar zu leugnen.

Genau darin nun wird das Abendmahl zum Gericht. Es ist der Entschluss der Eingeladenen, nicht zu erscheinen, denn damit richten sie sich. 

Der Mensch richtet sich selbst, indem er Gott nicht folgt. So einfach ist es manchmal, den Heilsplan und mit ihm das innerste Prinzip der Schöpfung zu verstehen. Gottes Wille und Entschluss, alles zu einem guten Ende zu führen, steht unverrückbar fest und weil Gott Gott ist, wird es dieses gute Ende und sein großes Abendmahl auch geben. Das Gericht besteht allein darin, ob es mit uns oder ohne uns stattfindet.

Fast gerät man in die Versuchung, Mitleid mit dem Hausherrn zu bekommen. Im Hausherrn wird uns aber Gott vor Augen gestellt. Er sendet seinen Knecht aus und sorgt dafür, dass sein Haus voll wird und dass das Fest stattfinden kann.

Magdalenenkapelle, Petrikirche und Wallonerkirche in Magdeburg, von hier

Dieses Thema durchzieht die Heilige Schrift immer wieder. Die Erwählten lassen ihre Chance verstreichen und Gott ruft die, denen das Fest scheinbar nicht bestimmt gewesen ist.

Wir sollen dadurch gewahr werden, dass die Zugehörigkeit zum erwählten Volk, dass die Zugehörigkeit zur Kirche nichts bedeuten, wenn sie nur formal bestehen und nicht mit lebendigem Gehorsam gefüllt werden. Die Zugehörigkeit zum erwählten Volk, die Zugehörigkeit zur Kirche sind kein Privileg, sondern eine Verpflichtung zum Gehorsam.

Und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben Abraham zum Vater. 

Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Gott kann sich aus Steinen ein neues Volk rufen, denn er will und wird sein großes Abendmahl feiern.

Sagt darum auch nicht, wir gehören der Kirche an, uns kann nichts widerfahren. Die Zugehörigkeit zur Kirche ersetzt nicht den Gehorsam, ersetzt nicht das Hören auf Gott. Die Zugehörigkeit zur Kirche schafft sich erst durch den Gehorsam und sie geht verloren im Ungehorsam.

Sankt-Petri-Kirche Magdeburg, südliche Vorhalle, von hier

Gottes Wort ist mächtig. Mit seinem Wort schuf Gott alles, was ist. Das Nichts vermochte nicht, ihm zu widerstehen.

Der Mensch erst konnte sich Gott widersetzen durch den Ungehorsam. Darum sandte Gott seinen Sohn, um zurückzurufen, was in die Irre gegangen war. Maria ist die Gnade zuteil geworden, Mutter des Erlösers zu sein. Das Wunder wurde gewirkt, im Moment ihres Gehorsams, als sie zum Engel auf dessen Verkündigung sprach: Mir geschehe, wie du es gesagt hast. Dieser kurze und demütige Satz ist die Antwort auf das Schöpfungsgeschehen. Er fasst die Unterwerfung unter Gottes Willen, die zur höchsten Ehre und zur Freiheit eines ganz und gar erfüllten Lebens führt. Marias „mir geschehe“ ist die Antwort auf Gottes Ruf „es werde“. Maria wird in den Gehorsam gerufen und sie bekundet ihren Gehorsam.

Gleiches richtet sich an jeden von uns in der Einladung zum Großen Abendmahl. Es hängt allein an unserer Antwort, ob es mit uns stattfindet oder ob unsere Welt vergeht. So sehr wir versuchen, uns an einen Acker, an ein paar Rinder oder an das Glück einer Beziehung zu hängen, alles das wird den Untergang unserer Welt nicht abwenden. Es wird aber keinesfalls dazu führen, dass Gottes großes Abendmahl nicht stattfindet. Gottes Heilsplan ist unabänderlich. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes. Dies soll verkündet werden aller Welt und jedem Menschen.

Darum sollen wir nicht in Zweifel verfallen und uns an irdische Dinge binden. Auch wenn vieles davon gut und nützlich ist, sollen wir es doch aus der Hand legen, wenn der Ruf an uns ergeht.

Sankt-Petri-Kirche Magdeburg, von hier

Bindet euch also nicht an irdische Dinge. Vielmehr sollen wir in jedem Augenblick unseres Lebens bereit sein, Gott zu hören, der uns ruft. Immer klingt in dieser Einladung naturgemäß an, dass es eine letzte Stunde gibt, in der wir bereit sein müssen. Wir sollen an Gottes Tisch treten, an dem uns sein Thron allerdings zum Richtstuhl werden kann, wenn wir meinen, etwas gefunden zu haben, was wichtiger, größer und bedeutsamer ist, als er.

Die Fragestellung, die hier ergeht, ist aber keineswegs nur für das Ende unseres Lebens relevant. Sie bringt uns in Erinnerung, dass wir an jedem Tag gerufen werden, in den Dienst genommen und in seine Gemeinschaft gestellt werden können.

Gott ruft zum Abendmahl. Lasst uns ihm fröhlich und dankbar antworten: Ja, Herr, hier bin ich!

Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unseren Herrn.

Amen.

Thomas Roloff


aus dem Fürbittengebet dieses Gottesdienstes

Samstag, 17. Juni 2023

Zufallsfund angesichts der Gegenwart


vermutlich vom 21.07.1981. Die äußere Qualität ist schwierig, das Teil zudem unvollständig, doch verdienstvoll. Vor allem aber das Design zeigt, wie schnell eine "heiße" Moderne sehr schnell nur gruselig werden kann. Aber darum geht es gerade nicht. hier gefunden

Es gab Zeiten, da erschienen Nachrichtenmoderatorinnen geradezu, fast hätte ich gesagt als Intellektuelle, aber einen solchen Tort würde man heute niemandem mehr antun wollen, selbst dem ärgsten Widersacher nicht, so man ihn denn kennte. Der Mob ist egal. Begriffe werden halt auch verbraucht.

Zum Inhalt: Ich bin keine Nanny. Da soll jeder hinsehen. Aber es bestehen Gründe, warum Konservative die Erinnerung eher hochhalten, insbesondere, wenn sie ihnen nicht gefallen will. Während die Progressiven Erinnerung schon immer für ein Menschheitsverbrechen hielten, weil sie es müssen, um weiter existieren zu können.

Mittwoch, 7. Juni 2023

Dem zu widerstehen ist - I

Die Tricks des Anderen - Über Sprache

wohl Schüler des Hieronymus Bosch: Die Versuchung des Hl. Antonius, vor 1515, von hier

Es ist anstrengend, einen Krüppel anzuschauen. Es ist schwer erträglich, einer verkrüppelten Sprache zuzuhören, selbst sie zu lesen. Es ist die Zerstörungsstrategie einer Sekte. Wir stoßen vor ins Herz des Irrsinns, vor allem, wenn der, der ihn zum Krüppel gemacht hat, sagt, ich hätte eine eingeschränkte Blickweise: Dieser Einarmige, den er zu einem solchen eben gemacht hat, sei genauso vollwertig wertvoll, nur eben anders.

Es geht nie um konkrete Menschen, denen das Leben, oder was immer übel mitgespielt hat. Es sind Vorwände, Masken. Grundnenner ist die Erschütterung des Gewohnten. Das Vertrauen ins Gewohnte zerstören, die Verbindung zum generationenübergreifenden Lebensgrund. Zu einem Ziel.

Sprache versammelt ein Volk. Wer dieses Volk auslöschen will, muß seine Sprache angreifen und auszulöschen suchen.

Das als Anfang.