Freitag, 26. Juni 2009

Über Wege


(c) Jim Clark, hier gefunden

Robert Frost


The Road Not Taken

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that the passing there
Had worn them really about the same,

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads on to way,
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I -
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.



Der nicht gegangene Weg


Zwei Wege trennten sich im fahlen Wald
und, weil ich nicht auf beiden konnte gehn
und einer bleiben, macht' ich lange Halt
und schaute auf des einen Wegs Gestalt,
soweit ich durch die Büsche konnte sehn.

Ging dann den andern - der, genauso schön,
den größer'n Anspruch hatte auf Gebrauch,
denn Gras wuchs drauf und brauchte Drübergehn -
obgleich die Wand'rer, muß ich schon gestehn,
gebrauchten einen wie den andern auch.

Sie lagen vor mir, beide gleich, zuhauf
mit Blättern, die kein Tritt noch aufgestört.
Ich hob mir einen Weg für später auf!
Doch Wege führ'n zu and'rer Wege Lauf:
Ich wußte wohl, daß keiner wiederkehrt.

Und seufzend werd' ich einmal sicherlich
es dort erzählen, wo die Zeit verweht:
Zwei Waldeswege trennten sich und ich -
ich ging und wählt' den stilleren für mich -
und das hat all mein Leben umgedreht.

Translation / Übersetzung
by / von Walter A. Aue

Ich sehe mir gerade die Aufzeichnung eines Konzerts von Michael Jackson an, natürlich ist es eine Aufzeichnung, es wird ab jetzt nur noch Aufzeichnungen geben, aber ich werde nichts über ihn schreiben. Es ist nur, eigentlich war ich nie ein Fan, aber während ich die Musik höre, werde ich darauf gestoßen, wie gut sie ist, welcher Nuancenreichtum, welche Erfindungsfreude, was für eine Intensität. Und dann dieses menschliche Elend.

Darum war es mir lieber, etwas Gereiftes und Heiles aufzurufen und dagegen zu setzen, und da ich gebeten worden war, noch einmal etwas von Robert Frost zu bringen, wählte ich dieses Gedicht, das wohl bekannteste des vermutlich bekanntesten amerikanischen Lyrikers des 20. Jahrhunderts.

Michael Jackson hatte nicht den stilleren Weg gewählt. Aber wie häufig können Menschen wirklich ihre Wege wählen und sind nicht vielmehr Getriebene. Er jedenfalls war am Ende ein verzweifelt Getriebener, der buchstäblich seiner eigenen Haut, dem eigenen Körper entgehen wollte, sich nicht ertragen konnte, wie er geschaffen war, und in eine Unschuld flüchten wollte, die uns Menschen nicht gegeben ist. Wir hoffen, er hat jetzt Frieden.

Kommentare:

Pilgrim hat gesagt…

So wonderful, Martin! THX; good nite and and an awsome weekend. Propz Pilgrim

naturgesetz hat gesagt…

It's wonderful to hear Frost reciting his poem, even though the animation feels a little strange after the first couple of lines. So then I chose to look at the text and listen to the poet.

And you express very well the sadness of Michael Jackson's life. Was there a point at which he could have taken a different road that would have made all the difference?

Pilgrim hat gesagt…

And thx for "The Raven"!

MartininBroda hat gesagt…

Pilgrim, we like it to please :-)
Have a great weekend and a good night too. Thanks.
Raven ?

MartininBroda hat gesagt…

John you’re completely right, it has its charm, but the animation feels a little strange (I hope Mr. Clarke will forgive me) after the first couple of lines. I made it the same way.

And yes the poem and my thinking about Michael Jackson both got somehow intertwined. I hope he has peace now.

MartininBroda hat gesagt…

About ways

(My belated translation)

I’m just seeing a recording of a concert of Michael Jackson, of course it’s a recording, and from now there are only recordings left, but I will write nothing about him. It’s just, actually I was never a fan, but while I hear the music, I discover again, how great his music is, how rich of nuances, fulfilled whit joyful inventions, what an intensity. And then this human misery.

Therefore I’ve called rather something matured and undamaged and set it against that and since I was asked to bring again something from Robert Frost I choose this probably most well-known poem from the probably most well-known American poet of the 20th Century.

Michael Jackson has not chosen the less traveled way. But how often people can really choose their ways and are not rather driving by other things? He at the end was driving by despair, he wanted to escape literally his own skin, his own body, he could not bear himself, how he was created, and wanted to flee into an innocence, which is not given to us. We hope he has peace now.

naturgesetz hat gesagt…

Thanks for the translation. I had a general idea, but this clarifies it and gives the meaning of some words which aren't in my little dictionary.

MartininBroda hat gesagt…

I hope it clarifies something, I'm always suspicious against my translations. :-)

L.O.V.E. hat gesagt…

Hi MartininBroda,

danke für das wunderschöne David Frost gedicht.
Es ist Michaels enormer künstlerischer ausstrahlung zu verdanken, dass auch der nicht-fan sofort in der lage ist, aus einer konserve die qualität der Musik den nuancenreichtum, die erfindungsfreude die intensität zu entdecken.
O ja, das gedicht von D.Frost ist gereift, heilend, aber auch Michael hat ja nicht nur dem performer raum gegeben, er hat auch den dichter mit seinen philosopischen denkansätze sprechen lassen. Er schrieb bereits 1992 ein buch mit dem titel "Dancing The Dream" - Gedichte und Gedanken von Michael Jackson.
Gereift und heilend - genauso würde ich dieses buch beschreiben, manchmal nenne ich es auch einfach mein seelenfutter!
Wer einen blick hineinwerfen möchte, es gibt einen Online-version, hier: http://www.scribd.com/doc/6547388/Michael-Jackson-Dancing-the-Dream

With L.O.V.E. and respect

MartininBroda hat gesagt…

Vielen Dank für den Kommentar. Ich bitte um Nachsicht, daß ich ihn nicht sofort veröffentlicht habe. Leider bekomme ich gerade sehr viel Spam-Kommentare zu älteren Posts, und in dieses Schubfach war dieser bedauerlicherweise hineingerutscht.
Ich bin kurz einmal der Link-Empfehlung gefolgt und habe hineingeschaut, ich werde mir bestimmt später mehr Zeit dafür nehmen, schon die wenigen Worte, die ich las, waren beeindruckend. Vielen Dank noch einmal.