Donnerstag, 29. September 2011

Über den Erzengel Michael und alle Engel

Mont-Saint-Michel, Normandie
hier gefunden

„Michael ist verdolmetschet: ‚Wer ist Gott gleich?‘ Davon schreibt Sanct Gregorius: ‚Also oft großes Wunder soll geschehen, so wird Sanct Michael ausgesandt, daß aus demselben Werk und aus dem Namen offenbar werde, daß niemand so große Werke mag vollbringen als Gott‘. Darum werden Sanct Michael gar viel wunderlich große Werke zugewiesen. Denn er wird zu der Zeit des Antichrist aufstehen, als Daniel schreibt, und wird ein Beschützer und Hüter sein der Auserwählten; er hat mit dem Drachen gekämpft und seinen Engeln und hat sie aus dem Himmel hinabgestoßen und großen Sieg gewonnen. Er hat mit dem Teufel um Moysis Leichnam gestritten, den der Teufel wollte hinstellen, daß ihn die Juden als ihren Gott sollten anbeten. Er empfängt auch die Seelen der Heiligen und führt sie ins Paradies der Freuden. Er war einst der Fürst der Synagoge, nun aber hat ihn der Herr zum Fürsten der Kirche gemacht. Er hat, als man spricht, die Aegypter mit den Plagen geschlagen, das Rote Meer zerteilet, das Volk durch die Wüste geleitet und in das gelobte Land geführt. In der heiligen Engel Heer ist er der Bannerträger Christi. Er wird auf des Herrn Befehl den Antichrist auf dem Ölberge töten mit großer Kraft. Auf seine Stimme werden die Toten erstehen. Er wird am jüngsten Tag herfürtragen das Kreuz und die Nägel, die Lanze und die Dornenkrone.“

aus der "Legenda aurea" des Jacobus de Voragine

Heute ist der Tag des Erzengels Michael und aller Engel. Fast hätte ich versäumt, etwas aus diesem Anlaß zu schreiben, wo ich es doch die vergangenen 3 Jahre zustande brachte (zugestandenermaßen erfolgt der Nachtrag einen Tag später). Letztes Jahr sprach ich von Rilke und daß der Hl. Michael der Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches war, das Jahr zuvor brachte ich einen Beitrag des Herrn Roloff aus diesem Anlaß und davor sinnierte ich ein wenig über die Allerheiligenlitanei.

Josse Lieferinxe
Hl. Michael, den Drachen tötend
hier gefunden

Also des Hl. Michael wurde durchaus gedacht an diesem Ort. Und die Engel? Da retten wir uns mit Rilke:

Rainer Maria Rilke

Der Engel


Mit einem Neigen seiner Stirne weist
er weit von sich was einschränkt und verpflichtet;
denn durch sein Herz geht riesig aufgerichtet
das ewig Kommende das kreist.

Die tiefen Himmel stehn ihm voll Gestalten,
und jede kann ihm rufen: komm, erkenn -.
Gieb seinen leichten Händen nichts zu halten
aus deinem Lastenden. Sie kämen denn

bei Nacht zu dir, dich ringender zu prüfen,
und gingen wie Erzürnte durch das Haus
und griffen dich als ob sie dich erschüfen
und brächen dich aus deiner Form heraus.

zu Ende geschrieben am 30. September

Mittwoch, 28. September 2011

Dies & Das


Eigentlich wollte ich unter diesem Datum nicht nur mitteilen, daß mir endlich etwas zu Benedikt XVI. eingefallen wäre, nun in Wirklichkeit war das geringfügig komplizierter als etwas zu Edgar Degas zu sagen, aber letzteres wird trotzdem später erfolgen. Beim Heiligen Vater haben wir irgendetwas zustande bekommen, aber da kamen womöglich persönliche Gründe unserer Unbildung zu Hilfe. Nun gut.

um 1900, hier gefunden

Kaiser Wilhelm wäre fast erschossen worden an diesem Tag und diesem Ort, aber, Dank sei Gott, die Strolche scheiterten. Es liegt nicht einmal 100 Jahre zurück, daß wir noch ein Kaiserreich waren, aber wehe, man würde heute jemand zufällig danach fragen. Die Antwort wäre prognostizierbar: Beckenbauer?

Die Figur des Friedens hier gefunden

Als sich unsere Vorfahren unschuldig ihres neuen Reiches erfreuten, haben sie einige großgedachte Denkmäler errichtet, die alle auf unterschiedliche Weise merkwürdig sind, an ein anderes habe ich kürzlich erinnert. Aber dieses Niederwalddenkmal hat etwas Rührendes irgendwie. Es thront oberhalb von Rüdesheim am Rhein. Und diesmal lassen wir einfach nur die Bilder sprechen.

Heinrich A. Hoffmann
Rheinlandschaft mit Blick auf das Niederwalddenkmal und Rüdesheim
hier gefunden

nachgetragen am 30. September

Dienstag, 27. September 2011

Degas oder über die Moderne

Edgar Degas, Meerlandschaft mit Sandstrand bei Ebbe
hier gefunden

Nun später finden sich hier möglicherweise auch ein paar nutzlose Bemerkungen aus diesem Anlaß, in diesem Moment aber noch nicht.

Montag, 26. September 2011

Dies & Das


Ich wollte wirklich diesmal nur diese unanstrengend freundlichen Bilder anbringen. Aber Thomas Stearns Eliot wurde am 26. September 1888 geboren. Merkwürdig, was mir zu ihm manchmal eingefallen ist („daß er aus erfahrener Wurzellosigkeit seine Vornehmheit so ins Extrem getrieben habe … vielleicht ermöglicht wirklich erst der nahe Verlust das Bewußtsein von Wert“, großer Gott, diese Anstrengungen, bedeutsam zu klingen, aber wir haben nun einmal kein anderes Selbst, also schaue man etwa hier oder hier oder hier). Man kann es einfach auch weglassen und auf die harmlosen Bilder schauen, meine Empfehlung.






Sonntag, 25. September 2011

Sonntag &

roughly translated

Ich habe keine Ahnung, woher heute mein Zögern rührte, den üblichen Bericht abzuliefern. Vielleicht genau deswegen. Dabei geben uns doch Rituale eine gewisse, selbstgeschaffene Stabilität, und sei es auch aus nichtigem Anlaß. Nun, so nichtig auch wieder nicht, es ging um‘s Essen: Meine Frau Mutter hatte sich gegenüber einer Bekannten beklagt, ihr würde das Vertraute fehlen. Na ja, so ist es halt oft im Leben, das Vertraute schwindet. Und dann trägt man immer noch seine eigene Fremdheit in die Dinge hinein.


Zum Essen. Sie bekam also ihre Ente. Allerdings mit Pfeffer, das war die einzige Variation (der ist in ihrem Rezept nicht vorgesehen), und der Rosenkohl bekam frisch geriebenen Muskat. Gefüllt wurde die Ente mit genau den Boskoop – Äpfeln, die von dem Baum stammten, der auf dem ersten Bild zu sehen ist. Den Rosenkohl erwähnte ich schon, Blumenkohl kam noch dazu. Abgesehen von der Ente, die nicht übel herauskam, war es ein atemberaubend großartiger Spätsommertag, nur daß er in den Herbst geraten war.



I have no clue what made me hesitant today to deliver my usual dinner report. Maybe that's the cause. Although rituals give us a certain stability, even when made from our own & even if it's for no reason. Well, not for no reason, it’s about food: My mother had complained to a friend she would miss the familiar. Well that’s often the case in life, the familiar disappears. And then one put his own strangeness into things. About the dish: So at least she got her duck. Though with pepper, that was the only variation (which is not provided in her own recipe), and the Brussels sprouts got freshly grated nutmeg. The duck was filled with Boskoop - apples from the tree you can see in the first picture. The sprouts I mentioned already, there was also some cauliflower. Besides from the duck, which came out not bad, it was a stunningly great late summer day. Only that it strayed in autumn.

Samstag, 24. September 2011

BENEDIKT XVI. in Berlin

Papst Benedikt XVI während eines Besuchs in São Paulo
hier gefunden

Papst Benedikt XIV. hat im Berliner Reichstag am 22. September 2011 eine ganz bemerkenswerte Rede gehalten (meine persönlichen Eindrücke des Tages werden hier später folgen). Und wie ich über die dort eher distanzierten Zuhörer bereits zu jemandem sagte - sie fühlten sich unwohl und wußten nicht, warum. Das mag auch damit zusammenhängen, daß er sie (man klebte dann schnell das Etikett „professoral“ auf) gemäß ihrem eigenen Selbstverständnis behandelt hat, als geistig-moralische Elite dieses Volkes. Aber begleiten wir die Rede ein wenig, sie findet sich im Ganzen hier:

Er wolle “einige Gedanken über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats vorlegen“ und beginnt mit König Salomon. Der habe von Gott bei seiner Thronbesteigung nicht Erfolg oder Reichtum oder die Vernichtung der Feinde erbeten, sondern „ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht“ (1 Kön 3,9).

Politik müsse Mühen um Gerechtigkeit sein und würde so die Grundvoraussetzung für Frieden schaffen. So erläutert er das „Damit“. Was er für sich wirken läßt und nicht weiter ausführt, ist die dafür notwendige Haltung des Zuhörens, das „hörende Herz“. So bekommen die, die vor ihm sitzen müssen gleich zu Anfang angedeutet, wozu sie dies tun (was an Ratzinger immer wieder fasziniert, ist nicht zuletzt diese feine Ironie, gerade auch im Ernsthaften). Der unablässige Erfolg sei dabei „dem Maßstab der Gerechtigkeit, dem Willen zum Recht und dem Verstehen für das Recht untergeordnet“ Erfolg könne auch Verführung sein und so den Weg auftun für die Verfälschung des Rechts, für die Zerstörung der Gerechtigkeit. Er zitiert dann Augustinus (De civitate Dei, IV, 4, 1.): „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande“.

Wir Deutsche hätten erlebt wie „der Staat zum Instrument der Rechtszerstörung wurde – zu einer sehr gut organisierten Räuberbande, die die ganze Welt bedrohen und an den Rand des Abgrunds treiben konnte.“ Dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren bleibe die grundlegende Aufgabe des Politikers. „Der Mensch kann die Welt zerstören. Er kann sich selbst manipulieren. Er kann sozusagen Menschen machen und Menschen vom Menschsein ausschließen. Wie erkennen wir, was recht ist?“

Wie können wir zwischen Gut und Böse, zwischen wahrem Recht und Scheinrecht unterscheiden?

Papst Benedikt nimmt sich nach dieser Frage als erstes des Mehrheitsprinzips an. Das möge bei einem Großteil der rechtlich zu regelnden Materien hinreichen, aber daß es in den „Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit geht“, nicht ausreiche, sei offenkundig. Und Origenes (Contra Celsum) zitierend, mahnt er an, daß dies mitunter bis zum Widerstand der Christen gegen bestimmte geltende Rechtsordnungen führen könne. Er nimmt „die Widerstandskämpfer gegen das Naziregime und gegen andere totalitäre Regime“ als Zeugen, diese hätten „dem Recht und der Menschheit als ganzer einen Dienst erwiesen“, da „geltendes Recht in Wirklichkeit Unrecht war“.

Er gesteht dem demokratischen Politiker zu, für diesen sei „die Frage, was nun dem Gesetz der Wahrheit entspreche, was wahrhaft recht sei und Gesetz werden könne, nicht ebenso evident. Was in bezug auf die grundlegenden anthropologischen Fragen das Rechte ist und geltendes Recht werden kann, liegt heute keineswegs einfach zutage. Die Frage, wie man das wahrhaft Rechte erkennen und so der Gerechtigkeit in der Gesetzgebung dienen kann, war nie einfach zu beantworten, und sie ist heute in der Fülle unseres Wissens und unseres Könnens noch sehr viel schwieriger geworden.“

Darauf holt er etwas weiter aus und fragt, was habe in der Geschichte Rechtsordnungen eigentlich konstituiert, und findet, sie seien „fast durchgehend religiös begründet worden“. Das Christentum allerdings, dies sei das auffallend andere, habe „dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht, nie eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben“. Es habe stattdessen auf „Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen – auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt“.

Er schlägt dann einen Bogen von mehr als 2000 Jahren von den stoischen Philosophen mit ihrem sozialen Naturrecht, „verantwortlichen Lehrern des römischen Rechts“, christlichen Theologen, die sich dieser philosophischen und juristischen Bewegung angeschlossen hätten, der Geburt der abendländischen Rechtskultur, „die für die Rechtskultur der Menschheit von entscheidender Bedeutung war und ist“, bis hin zur Erklärung der Menschenrechte und gar dem deutschen Grundgesetz. Für die Entwicklung des Rechts und für die Entwicklung der Humanität sei es entscheidend gewesen, daß sich die christlichen Theologen gegen das vom Götterglauben geforderte religiöse Recht auf die Seite der Philosophie gestellt, Vernunft und Natur in ihrem Zueinander als die für alle gültige Rechtsquelle anerkannt hätten. Dies meine bereits Paulus im Brief an die Römer, wenn er sage: „Wenn Heiden, die das Gesetz (die Tora Israels) nicht haben, von Natur aus das tun, was im Gesetz gefordert ist, so sind sie… sich selbst Gesetz. Sie zeigen damit, daß ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist; ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab…“ (Röm 2,14f).

Gewissen ist das hörende Herz Salomons, die der Sprache des Seins geöffnete Vernunft

„Hier erscheinen die beiden Grundbegriffe Natur und Gewissen, wobei Gewissen nichts anderes ist als das hörende Herz Salomons, als die der Sprache des Seins geöffnete Vernunft. Wenn damit … die Frage nach den Grundlagen der Gesetzgebung geklärt schien, so hat sich im letzten halben Jahrhundert eine dramatische Veränderung der Situation zugetragen. Der Gedanke des Naturrechts gilt heute als eine katholische Sonderlehre, über die außerhalb des katholischen Raums zu diskutieren nicht lohnen würde, so daß man sich schon beinahe schämt, das Wort überhaupt zu erwähnen.“

Und jetzt nimmt er sich den gegenwärtig herrschenden Positivismus vor und klopft ihn darauf hin ab, ob und wie er zu einer moralischen Grundlegung herhalten könne: „Ich möchte kurz andeuten, wieso diese Situation entstanden ist. Grundlegend ist zunächst die These, daß zwischen Sein und Sollen ein unüberbrückbarer Graben bestehe. Aus Sein könne kein Sollen folgen, weil es sich da um zwei völlig verschiedene Bereiche handle. Der Grund dafür ist das inzwischen fast allgemein angenommene positivistische Verständnis von Natur. Wenn man die Natur – mit den Worten von H. Kelsen – als „ein Aggregat von als Ursache und Wirkung miteinander verbundenen Seinstatsachen“ ansieht, dann kann aus ihr in der Tat keine irgendwie geartete ethische Weisung hervorgehen.

Ein positivistischer Naturbegriff, der die Natur rein funktional versteht, so wie die Naturwissenschaft sie erkennt, kann keine Brücke zu Ethos und Recht herstellen, sondern wiederum nur funktionale Antworten hervorrufen. Das gleiche gilt aber auch für die Vernunft in einem positivistischen, weithin als allein wissenschaftlich angesehenen Verständnis. Was nicht verifizierbar oder falsifizierbar ist, gehört danach nicht in den Bereich der Vernunft im strengen Sinn. Deshalb müssen Ethos und Religion dem Raum des Subjektiven zugewiesen werden und fallen aus dem Bereich der Vernunft im strengen Sinn des Wortes heraus. Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt – und das ist in unserem öffentlichen Bewußtsein weithin der Fall –, da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt. Dies ist eine dramatische Situation, die alle angeht und über die eine öffentliche Diskussion notwendig ist, zu der dringend einzuladen eine wesentliche Absicht dieser Rede bildet.“

Mit anderen Worten, er hat gerade vorgeführt, auf welch schwacher Grundlage, strenggenommen gar keiner Grundlage, eine moralische Weltsicht aus positivistischem Denken heraus steht.

„Das positivistische Konzept von Natur und Vernunft, die positivistische Weltsicht als Ganze ist ein großartiger Teil menschlichen Erkennens und menschlichen Könnens, auf die wir keinesfalls verzichten dürfen. Aber es ist nicht selbst als Ganzes eine dem Menschsein in seiner Weite entsprechende und genügende Kultur. Wo die positivistische Vernunft sich allein als die genügende Kultur ansieht und alle anderen kulturellen Realitäten in den Status der Subkultur verbannt, da verkleinert sie den Menschen, ja sie bedroht seine Menschlichkeit. Ich sage das gerade im Hinblick auf Europa, in dem weite Kreise versuchen, nur den Positivismus als gemeinsame Kultur und als gemeinsame Grundlage für die Rechtsbildung anzuerkennen, alle übrigen Einsichten und Werte unserer Kultur in den Status einer Subkultur verweisen und damit Europa gegenüber den anderen Kulturen der Welt in einen Status der Kulturlosigkeit gerückt und zugleich extremistische und radikale Strömungen herausgefordert werden.

Die sich exklusiv gebende positivistische Vernunft, die über das Funktionieren hinaus nichts wahrnehmen kann, gleicht den Betonbauten ohne Fenster, in denen wir uns Klima und Licht selber geben, beides nicht mehr aus der weiten Welt Gottes beziehen wollen. Und dabei können wir uns doch nicht verbergen, daß wir in dieser selbstgemachten Welt im stillen doch aus den Vorräten Gottes schöpfen, die wir zu unseren Produkten umgestalten. Die Fenster müssen wieder aufgerissen werden, wir müssen wieder die Weite der Welt, den Himmel und die Erde sehen und all dies recht zu gebrauchen lernen.“

Ich zitiere derart ausführlich, weil es dort wirklich keinen Satz gibt, der entbehrlich wäre. Die, das darf man ja durchaus so zuspitzen, aggressiv alles andere wegdrängende positivistische Vernunft hat den Menschen in ein Gefängnis ohne Fenster, ohne natürliches Licht, ohne frische Luft gesperrt, und dieser Mensch zehrt gewissermaßen, eingestanden oder uneingestanden, von seinen Erinnerungen.

Der Papst fragt nun: „Wie finden wir in die Weite, ins Ganze? Wie kann die Vernunft wieder ihre Größe finden, ohne ins Irrationale abzugleiten? Wie kann die Natur wieder in ihrer wahren Tiefe, in ihrem Anspruch und mit ihrer Weisung erscheinen?“ Und hier nimmt er eine Wendung, die manchem die Sprache verschlagen haben dürfte, und zwar gleich zweimal: Er lobt die ökologische Bewegung seit den 70er Jahren, die „ein Schrei nach frischer Luft“ gewesen sei, „ den man nicht überhören darf und nicht beiseite schieben kann, weil man zu viel Irrationales darin findet“. „Jungen Menschen war bewußt geworden, daß irgendetwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt. Daß Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern daß die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen.“

Er läßt es sich nicht nehmen klarzustellen, nichts läge ihm ferner als damit „Propaganda für eine bestimmte politische Partei“ zu machen. Und nun bereitet er seinen entscheidenden Punkt vor „Wenn in unserem Umgang mit der Wirklichkeit etwas nicht stimmt, dann müssen wir alle ernstlich über das Ganze nachdenken und sind alle auf die Frage nach den Grundlagen unserer Kultur überhaupt verwiesen…. Die Bedeutung der Ökologie ist inzwischen unbestritten. Wir müssen auf die Sprache der Natur hören und entsprechend antworten.“

Aber, und jetzt dürfte so manches wohlwollende Lächeln erfroren sein: „Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muß und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur achtet, sie hört und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.“

Objektive und schöpferische Vernunft

Benedikt zitiert den Rechtstheoretiker Kelsen (und tröstet sich dabei mit dem Gedanken, daß man auch mit 84 Jahren offenbar noch etwas Vernünftiges denken kann), der habe früher gesagt, daß Normen nur aus dem Willen kommen können. „Die Natur könnte folglich Normen nur enthalten – so fügt er hinzu –, wenn ein Wille diese Normen in sie hineingelegt hätte. Dies wiederum – sagt er – würde einen Schöpfergott voraussetzen, dessen Wille in die Natur miteingegangen ist. ‚Über die Wahrheit dieses Glaubens zu diskutieren, ist völlig aussichtslos‘, bemerkt er dazu. Wirklich? – möchte ich fragen. Ist es wirklich sinnlos zu bedenken, ob die objektive Vernunft, die sich in der Natur zeigt, nicht eine schöpferische Vernunft, einen Creator Spiritus voraussetzt?

Der Papst mahnt an das kulturelle Gedächtnis Europas. Die Idee der Menschenrechte, die Idee der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, die Erkenntnis der Unantastbarkeit der Menschenwürde in jedem einzelnen Menschen und das Wissen um die Verantwortung der Menschen für ihr Handeln sei von der Überzeugung eines Schöpfergottes her entwickelt worden. Dies zu ignorieren sei eine „Amputation unserer Kultur insgesamt und würde sie ihrer Ganzheit berauben“. „Die Kultur Europas ist aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom – aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden. Diese dreifache Begegnung bildet die innere Identität Europas. Sie hat im Bewußtsein der Verantwortung des Menschen vor Gott und in der Anerkenntnis der unantastbaren Würde des Menschen, eines jeden Menschen, Maßstäbe des Rechts gesetzt, die zu verteidigen uns in unserer historischen Stunde aufgegeben ist.“

War das nun eine Art öffentliche Selbstreflexion Benedikts? Seine Rede kam vielleicht im Gewand einer Selbstreflexion daher, aber sie stellte bohrende Fragen. Gibt es eine Natur des Menschen, deren Würde zu schützen ist, wenn ja, woher hat sie diese Würde, eine Frage, auf die ein gottloses All nicht antworten kann. Wir sind wieder im 2. Jahrhundert angekommen, nur daß die Apologeten damals noch auf die Ahnung eines Gottesglaubens setzen konnten, wo heute alles wüst ist und leer.

Freitag, 23. September 2011

Benedicat vos omnipotens Deus


Vere dignum et iustum est, aequum et salutare, nos tibi semper et ubique gratias agere: Domine, sancte Pater, omnipotens aeterne Deus: per Christum Dominum nostrum.

Wahrhaft würdig und recht, billig und heilsam ist‘s / daß wir dir, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott / allezeit und allenthalben Dank sagen / durch Jesum Christum, unsern Herren.

Das zweite ist in etwa eine Übersetzung des vorigen. Wir kommen darauf noch zurück. Es ist der Anfang der Präfation beim Abendmahl. Bekanntlich wird dem gegenwärtigen Papst gern vorgeworfen, er würde die Gegenwart, die Moderne als ein Zeitalter der Krise sehen, das abzuwehren wäre, das man einfach durchstehen müsse. Er befände sich in Frontstellung zu nahezu jeder neuzeitlichen Errungenschaft. Seine Antwort – nun er kam seinen Kritikern entgegen, auf gewisse Weise, die Messe gestern im Olympiastadion wurde über weite Strecken in Latein gehalten, herrlich.

Cuius mortem in caritate celebramus, resurrectionem fide vivida confitemur, adventum in gloria spe firmissima præstolamur. Et ideo, cum Sanctis et Angelis universis, te collaudamus, sine fine dicentes:

Dessen Tod in Liebe wir feiern, dessen Auferstehung wir bekennen mit lebendigem Glauben und dessen Kommen in Herrlichkeit wir erwarten mit fester Zuversicht. Durch welchen deine Majestät loben die Engel / anbeten die Herrschaften / fürchten die Mächte; die Himmel und aller Himmel Kräfte samt den seligen Seraphim / mit einhelligem Jubel dich preisen.

Darauf folgt dann das Sanctus. Bis auf die kurze Stelle, die kein „/“ – Zeichen enthält, ist der deutsche Text die traditionelle Version der korrespondierenden lateinischen Worte, wie sie einmal in der Liturgie des lutherischen Gottesdienstes in Gebrauch war. Heute ist das abgeschliffener. Mich hat diese Sprache in der Kindheit unglaublich beeindruckt, als würde man wie durch einen Türspalt in eine poetische Welt blicken.

Die Chronologie an diesem Ort ist durcheinandergeraten, die Vermutung liegt nahe, von daher, daß ich mich schwertat, zu recht. Aber inzwischen bin ich nun sogar schon vermahnt worden, wo denn der versprochene Bericht bliebe. Ich fand also am gestrigen Tage hier nicht statt, da ich in Berlin war, um dem Papst zuzujubeln, zumindest habe das gern ein paarmal provozierend so gesagt, dabei kann ich eigentlich gar nicht jubeln, da muß man mich schon sehr provozieren, so wie vor 15 Jahren. Und wo ich diesen Beitrag beende, ist es der darauffolgende Mittwoch, aber das ist uninteressant, zurück zum Papst, dem Anti-Modernisten.

Natürlich spricht er nicht gegen jede moderne Erfindung: Er hat die Menschenrechte gelobt, das Grundgesetz, und dabei in seiner Rede im Reichstag an den Ursprung dieser Dinge erinnert. In meinem Sonnabendbeitrag habe ich seine Rede vorgestellt. Aber in der Tat, er hat keine Bange, sich notfalls gegen eine ganze Welt zu stellen, wenn er denn der Meinung ist, die Welt irrt, derartiges nennt man mitunter Nonkonformismus. Erinnert uns das vielleicht an einen gewissen Luther. Er hat zu ihm ein paar Bemerkungen gemacht, in seinem alten, Luthers, Kloster.

Benedikt XVI. über Luther

Und dieser Rede wollen wir ein wenig folge, ich jedenfalls (der Text findet sich hier). Dem „liebe(n) Bruder Präses Schneider“ dankt er zunächst für die Aufnahme und betont dann: „Sie haben Ihr Herz geöffnet, den wirklich gemeinsamen Glauben, die Sehnsucht nach Einheit offen ausgedrückt“. Es sei für ihn als Bischof von Rom bewegend daß dieses Zusammenzutreffen im alten Augustinerkloster zu Erfurt stattfände. „Hier hat Luther Theologie studiert. Hier ist er zum Priester geweiht worden… Was ihn umtrieb, war die Frage nach Gott, die die tiefe Leidenschaft und Triebfeder seines Lebens und seines ganzen Weges gewesen ist. ‚Wie kriege ich einen gnädigen Gott‘: Diese Frage hat ihn ins Herz getroffen und stand hinter all seinem theologischen Suchen und Ringen. Theologie war für Luther keine akademische Angelegenheit, sondern das Ringen um sich selbst, und dies wiederum war ein Ringen um Gott und mit Gott.“

Damit hat er schon einmal angedeutet, daß das theologische Suchen eine sehr ernste Angelegenheit ist, später hat er dann sinngemäß gesagt, über den Glauben könne man nicht verhandeln. Allerdings!

„‚Wie kriege ich einen gnädigen Gott?‘

Daß diese Frage die bewegende Kraft seines ganzen Weges war, trifft mich immer wieder ins Herz. Denn wen kümmert das eigentlich heute noch …? Was bedeutet die Frage nach Gott in unserem Leben? In unserer Verkündigung? Die meisten Menschen, auch Christen, setzen doch heute voraus, daß Gott sich für unsere Sünden und Tugenden letztlich nicht interessiert. Er weiß ja, daß wir alle nur Fleisch sind. Und sofern man überhaupt an ein Jenseits und ein Gericht Gottes glaubt, setzen wir doch praktisch fast alle voraus, daß Gott großzügig sein muß und schließlich mit seiner Barmherzigkeit schon über unsere kleinen Fehler hinwegschauen wird. Die Frage bedrängt uns nicht mehr. Aber sind sie eigentlich so klein, unsere Fehler? Wird nicht die Welt verwüstet durch die Korruption der Großen, aber auch der Kleinen, die nur an ihren eigenen Vorteil denken? Wird sie nicht verwüstet durch die Macht der Drogen, die von der Gier nach Leben und nach Geld einerseits, von der Genußsucht andererseits der ihr hingegebenen Menschen lebt? Wird sie nicht bedroht durch die wachsende Bereitschaft zur Gewalt, die sich nicht selten religiös verkleidet? Könnten Hunger und Armut Teile der Welt so verwüsten, wenn in uns die Liebe zu Gott und von ihm her die Liebe zum Nächsten, zu seinen Geschöpfen, den Menschen, lebendiger wäre? … Nein, das Böse ist keine Kleinigkeit. Es könnte nicht so mächtig sein, wenn wir Gott wirklich in die Mitte unseres Lebens stellen würden. Die Frage: Wie steht Gott zu mir, wie stehe ich vor Gott – diese brennende Frage Luthers muß wieder neu und gewiß in neuer Form auch unsere Frage werden, nicht akademisch sondern real. Ich denke, daß dies der erste Anruf ist, den wir bei der Begegnung mit Martin Luther hören sollten.“

Damit hat der Papst schon einmal festgehalten, daß die Sünde etwas Reales ist, etwas, das zerstört. Das Böse, dem wir uns ausliefern, wenn wir es verniedlichen, leugnen oder gar benutzen, zerstört Mensch und Schöpfung und trennt uns von Gott. Sünde ist keine Erfindung der Kirche, um Menschen, in ein Gefängnis der Angst zu stecken, sondern die Kirche ist aufgerufen, den Menschen aus seinem Schlaf der Selbstgefälligkeit zu reißen.

"Was Christum treibet"

Das andere, was Luther auszeichne, sei seine Hinwendung zu Christus: „ Gott, der eine Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, ist etwas anderes als eine philosophische Hypothese über den Ursprung des Kosmos. Dieser Gott hat ein Gesicht, und er hat uns angeredet. Er ist im Menschen Jesus Christus einer von uns geworden – wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich. Luthers Denken, seine ganze Spiritualität war durchaus christozentrisch: ‚Was Christum treibet‘, war für Luther der entscheidende hermeneutische Maßstab für die Auslegung der Heiligen Schrift. Dies aber setzt voraus, daß Christus die Mitte unserer Spiritualität und daß die Liebe zu ihm, das Mitleben mit ihm unser Leben bestimmt.“

Auf das Gemeinsame schauen

Damit ist er schon einmal seiner eigenen Aufforderung nachgekommen, das Gemeinsame zu suchen: „Das Notwendigste für die Ökumene ist zunächst einmal, daß wir nicht unter dem Säkularisierungsdruck die großen Gemeinsamkeiten fast unvermerkt verlieren, die uns überhaupt zu Christen machen und die uns als Gabe und Auftrag geblieben sind.“ Man habe lange „gar nicht existentiell wahrgenommen…, was uns mit den großen Vorgaben der Heiligen Schrift und der altchristlichen Bekenntnisse gemeinsam ist“. „Es ist für mich der große ökumenische Fortschritt der letzten Jahrzehnte, daß uns diese Gemeinsamkeit bewußt geworden ist, daß wir sie im gemeinsamen Beten und Singen, im gemeinsamen Eintreten für das christliche Ethos der Welt gegenüber, im gemeinsamen Zeugnis für den Gott Jesu Christi in dieser Welt als unsere gemeinsame, unverlierbare Grundlage erkennen.“

Es bliebe noch anzudeuten, daß er im Übrigen damit nicht nur an das Gemeinsame erinnert, sondern auch die evangelische Kirche auf ihre Ursprünge verweist (die das, nebenbei bemerkt, durchaus nötig hat). Und dann macht er klar, daß sein Gesprächspartner möglicherweise ein wenig zu viel Bauchnabelschau betreibt, mit dem von ihm als problematisch Empfundenen. Denn neben dem Säkularisierungsdruck (der, um auch das anzumerken, vor allem ein Problem des alten Europa ist) gibt es weltweit eher ein anderes, nämlich das einer sehr aggressiven und damit auch erfolgreichen neuen Religiosität, die sich für christlich hält. Der Papst dürfte vor allem die Pfingstkirchen gemeint haben, die etwa in Südamerika sehr erfolgreich sind. Und hier sei das Gemeinsame schon deutlich weniger. Aber um ihn selbst zu Wort kommen zu lassen:

„Die Geographie des Christentums hat sich in jüngster Zeit tiefgehend verändert und ist dabei, sich weiter zu verändern. Vor einer neuen Form von Christentum, die mit einer ungeheuren und in ihren Formen manchmal beängstigenden missionarischen Dynamik sich ausbreitet, stehen die klassischen Konfessionskirchen oft ratlos da. Es ist ein Christentum mit geringer institutioneller Dichte, mit wenig rationalem und mit noch weniger dogmatischem Gepäck, auch mit geringer Stabilität. Dieses weltweite Phänomen ... stellt uns alle vor die Frage: Was hat diese neue Form von Christentum uns zu sagen, positiv und negativ? Auf jeden Fall stellt es uns neu vor die Frage, was das bleibend Gültige ist und was anders werden kann oder muß – vor die Frage unserer gläubigen Grundentscheidung."

Die Abwesenheit Gottes

Und dann kehrt doch noch einmal nach Europa zurück und beschreibt exakt, warum er sich in der an ihm oft kritisierten Abwehrhaltung sieht:

„Tiefgehender und in unserem Land brennender ist die zweite Herausforderung an die ganze Christenheit, von der ich sprechen möchte: der Kontext der säkularisierten Welt, in dem wir heute als Christen unseren Glauben leben und bezeugen müssen. Die Abwesenheit Gottes in unserer Gesellschaft wird drückender, die Geschichte seiner Offenbarung … scheint in einer immer weiter sich entfernenden Vergangenheit angesiedelt.“

Wie aber begegnet man dieser Gottesferne? „ Muß man dem Säkularisierungsdruck nachgeben, modern werden durch Verdünnung des Glaubens? Natürlich muß der Glaube heute neu gedacht und vor allem neu gelebt werden, damit er Gegenwart wird. Aber nicht Verdünnung des Glaubens hilft, sondern nur ihn ganz zu leben in unserem Heute. Dies ist eine zentrale ökumenische Aufgabe, in der wir uns gegenseitig helfen müssen: tiefer und lebendiger zu glauben.“

Oder anders gefragt, überlebt das Christentum an diesem Ort durch Anpassung, indem es möglichst viel seiner Substanz als Ballast abwirft und so zu einer Art Kulturverein wird oder muß es seine Substanz wieder stärker finden und leben, Benedikts Antwort ist klar:

„Nicht Taktiken retten uns, retten das Christentum, sondern neu gedachter und neu gelebter Glaube, durch den Christus und mit ihm der lebendige Gott in diese unsere Welt hereintritt.“ Auch heute sei der in „einer säkularisierten Welt von innen gelebte Glaube die stärkste ökumenische Kraft, die uns zueinander führt, der Einheit in dem einen Herrn entgegen. Und darum bitten wir Ihn, daß wir neu den Glauben zu leben lernen und daß wir so dann eins werden.“

Und nun?

Soweit der Papst. All dies wurde als Würdigung Luthers goutiert, aber ansonsten war man von evangelischer Seite mächtig enttäuscht. Warum eigentlich? Wenn der Papst dort nach einem Ansprechpartner suchen würde, der Verbindlichkeit garantieren kann, er griffe ins Leere. Der Protestantismus ist lange schon auf einer Geisterfahrt ins Vage. Er war stark in seinen Anfängen, und an diese hat der Papst auch deutlich erinnert.

Ist Christus auferstanden oder doch irgendwie nicht oder ist er nur ins Kerygma auferstanden? Der Protestantismus hat sich geistlich aufgebraucht weitgehend, das ist bitter für einen Lutheraner. Aber wo ist denn das Entsetzen über die Abwesenheit Gottes in der evangelischen Kirche? Man fühlt sich doch ganz kommod in der Gegenwart und wird dafür zur Belohnung als belanglos herablassend geduldet. Aber beim Papst, da schwillt die Ader, da rennt man offen oder verhüllt gegen an. Er schließt aus - ja natürlich, das macht auch jede biologische Zelle, solange sie überlebt. Er ist intolerant, durchaus - wenn tolerant sein heißt, anzuerkennen, daß es so etwas wie Wahrheit gar nicht gibt (Pilatus grüßt aus der Ferne - „quod es veritas“). Er ist dogmatisch! Ach du Schreck, wirklich? Dogmen sind der Versuch, geleitet vom Heiligen Geist die Substanz des Glaubens auszusprechen. Aber wer braucht Gründe, wenn die Anschuldigungen so gefallen?

Zurück zum Papst ins Olympiastadion. Ein Bekenntnis, das überraschen mag: Ich fremdel bei solchen Veranstaltungen. Das ist schwer zu erklären. Vielleicht reicht ein Verweis auf den Moment, als die Eucharistiehelferin traurig nickte, nachdem ich die dargebotene Hostie abwies mit dem Wort „Protestant“. Ich fremdel wo ich die katholische Kirche als Partei empfinde. Und natürlich war ich Protestant in dem Moment, bin es sonst auch, aber wo zu Hause? Ich weiß es nicht.

Jeder Mensch steht direkt zu Gott. Die Kirche ist kein Gnadenverwaltungsapparat, wo das Heilige auf Flaschen gezogen im Laden steht. Da ist die katholische Kirche etwas in Gefahr. Und dann bin ich eben in der Sprache aufgewachsen, die oben als Zweites steht, dafür kann die katholische Kirche nichts. Und als die Menge in der Messe auf Latein respondierte, war es durchaus eine Mischung aus Fremdeln und Glücksgefühl, es war unglaublich. Innerlich bin ich wohl noch auf der Suche nach der „unam sanctam“ und finde sie tatsächlich oft - bei diesem Papst. Dann empfinde ich den Papst nicht als katholisch, das klingt kurios, ich weiß, in seinen Büchern, in ihm als Person sehe ich dies christlich Verbindende, Zusammenhaltende, Zusammenschließende.

Ich habe vor einiger Zeit an Frère Roger, den Gründer von Taizé erinnert und wie er mit seiner Person für die Heilung des Risses zwischen den Konfessionen einstand. Als Protestant erhielt er bei der Beisetzung Johannes Pauls II. von Kardinal Ratzinger, dem jetzigen Papst Benedikt XVI., die Kommunion. Das erregte Aufsehen. Seine Antwort darauf war, er habe seine Identität als Christ darin gefunden, „in mir den Glauben meiner Ursprünge mit dem Geheimnis des katholischen Glaubens zu versöhnen, ohne mit irgendjemandem zu brechen“.

Und Kardinal Kasper griff bei dessen Beisetzung dies auf, indem er sagte: „Er wollte den Glauben der ungeteilten Kirche leben, ohne mit irgend jemandem zu brechen, in tiefer Brüderlichkeit. Er glaubte vor allem an die Ökumene der Heiligkeit, jener Heiligkeit, die den Grund der Seele verändert und allein zur vollen Gemeinschaft führt.“

Der Riß zwischen den Konfessionen kann nur durch Glauben überwunden werden, Frère Roger vermag uns nicht mehr zu erzählen, wie er den Riß für sich selbst überwand.

Um noch einmal den Heiligen Vater zu Wort kommen zu lassen:

„Benedicat vos omnipotens Deus: Pater et Filius et Spiritus Sanctus“

„Es segne Euch der allmächtige Gott: Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.“
beendet am 28. September

Mittwoch, 21. September 2011

Über Matthäus &


Offen gestanden sollte hier diesmal etwas ganz anderes zu finden sein, aber nun gut. Herr Roloff hat heute an seinem Heimatort Schönhausen eine Andacht gehalten, da am „Gedenktag des Evangelisten Matthäus seine Figur nach aufwendiger Restaurierung in die Schönhauser Kirche zurückkehren“ wird und mit einer Andacht begrüßt würde. „Auch die anderen drei Evangelistenfiguren sollen an ihren jeweiligen Festtagen wieder in die Kirche einziehen. Das wird also am 18.Oktober, dem Tag des Lukas, dem 27. Dezember, dem Tag des Evangelisten Johannes und am 25. April, dem Markustag, der Fall sein, bevor am 29. April 2012 der ganze Altar wieder seiner Bestimmung übergeben werden kann.“ Das freut uns. Auch wenn ich eigentlich ein paar Bemerkungen darüber machen wollte u.a., wie es sich wohl anfühlen wird, wieder zurück in Berlin zu sein, ein wenig, weil uns der Heilige Vater besucht, wir werden sehen.

Und hier folgt nun folglich die Ansprache:

Ansprache St. Matthäus 2011

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserm Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,

vier Flüsse strömen aus dem Paradies, vier Jahreszeiten durchleben wir, vier Himmelsrichtungen weisen uns den Weg, vier Elemente formen die Welt, und vier Dimensionen kennt unsere Vorstellung. Die vier schafft ein Ganzes. Besonders schön ist das noch an unserem Begriff des Stadtviertels erlebbar. Erst vier Viertel machen eine Stadt. So ist es denn auch von besonderer und ganz naheliegender Bedeutung, dass vom Leben Jesu und vom durch ihn gewirkten Heil vier Evangelisten berichten. Erst alle vier geben ein ganzes Bild.

Es ist vielleicht so, wie wenn der Nomade von seiner Wüste berichtet, der Eskimo vom Schnee erzählt, ein Europäer eine pulsierende Großstadt vor Augen stellt, und ein Seefahrer die Weiten der Meere. Erst gemeinsam geben sie ein Bild von der Welt, auch wenn sich die Berichte vermutlich in Allem widersprechen werden.

Das ist vielleicht einer der Charakterzüge der Moderne, und man muss leider auch sagen der modernen Theologie, dass sie viel zu viel Unterschiede und Widersprüche sucht und dann nach Korrekturen verlangt, wo sie die Weite und Wahrheit des Evangeliums als Ganzes in den Blick zu nehmen verpflichtet wäre.

Joseph Ratzinger, der gegenwärtige Papst, hat darum diese moderne Theologie einmal mit dem Hans im Glück verglichen. Der Goldklumpen, der dem Hans anvertraut war, hat sich durch Tauschgeschäfte nach und nach in einen Schleifstein verwandelt. Auch wir könnten Hans getrost raten, ihn in den Brunnen zu werfen, denn er ist nichts mehr wert.

Liebe Gemeinde,

der Übergang ist ein wenig abrupt, aber vielleicht liegt ja auch in diesem Gedankengang einer der Gründe dafür, dass wir unsere Altarretabel wieder so überreich mit Gold versehen, weil wir damit an den Schatz erinnern wollen, der uns im Evangelium anvertraut ist.

Der Altar ist auch in seinem Bildprogramm ein eindrückliches Werk, denn die Evangelisten, von denen heute der erste, Matthäus, wieder in die Kirche zurückgekehrt ist, werden durch den gekreuzigten Christus zu einer Einheit – und wir werden zu Menschen, von denen in der Berufungsgeschichte des Matthäus die Rede ist. Wir nämlich sind die Gemeinschaft der Zöllner und Sünder, wir sind die Kranken, die des Arztes bedürfen. Wenn wir überhaupt einen Vorzug haben, dann ist es nur der, dass wir als Christen entschieden um unser Sündersein wissen, und es vor der Welt bekennen, und uns vertrauensvoll an denjenigen wenden, der gekommen ist, um uns zu rufen.

Liebe Gemeinde,

darum allein versammeln wir uns als wartende Gemeinschaft vor dem Altar mit dem Blick nach Osten, weil wir auf seinen Ruf hoffen, weil wir einander zuhören, weil wir eine Gemeinschaft der Unvollkommenen sind. Niemand würde bei uns auf die Idee kommen rauszugehen. Das Wesen guter menschlicher Gemeinschaft ist es immer, dass man einander zuhört.

Levi-Matthäus war ein Zöllner, und er war dankbar, dass er in Jesus endlich jemanden gefunden hatte, der ihm zuhörte, bei dem er sein durfte.
Diese Geschichte wird uns nun gegenwärtig sein, wenn wir vor unserem Altar sitzen und nach Osten blicken. Wir können die Kunstfertigkeit der damaligen Handwerker bestaunen, die das Bildwerk vor nun bald 300 Jahren schufen und können gewahr werden, dass mit jener Erneuerung der Kirche auch die Folgen des 30-jährigen Krieges überwunden wurden.

Es wird aber auch so sein, dass sich nun die Arbeit derjenigen, die den Altar restaurieren mit ihm verbindet. Auch ihre Namen und ihr Fleiß bleiben mit dem Bildwerk nun verbunden. Das gilt natürlich auch für alle, die dieses Werk durch Spenden oder anderes Engagement unterstützten. Das Bildwerk wird zum lebendigen Ausdruck unseres Zusammenlebens. Es belehrt uns, es erfreut uns, es braucht auch weiterhin unsere Pflege, es wird zum Sinnbild unserer Gemeinschaft.
Vor allem aber kündet es von demjenigen und sammelt unseren Blick auf denjenigen, der sagt: „Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“

Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unsern Herrn. Amen
Thomas Roloff

Dienstag, 20. September 2011

Über Shakespeare & Kronprinzessinnen



Am 20. September 1886 wurde Cecilie Auguste Marie Herzogin zu Mecklenburg, die letzte Kronprinzessin des Deutschen Reichs geboren. Ich hatte früher einmal daran erinnert, daß Herr Thomas Roloff in der Pfingstkirche zu Potsdam am Vorabend ihres Todestages diese Gedächtnisansprache hielt. Das wäre damit gesagt, und hier der Link.

Ich denke, ich habe nie zuvor einen halbgaren Post hier angebracht, nun, einer von dem ich dachte, er sei es. Doch da ich mich die letzten Tage intensiv mit Shakespeares Sonetten beschäftigen mußte, nicht daß mich irgendetwas dazu prädestinieren würde, zwei Zeugen meiner Bemühungen, tut mir leid, ich bin zu müd für etwas Vernünftiges. Aber diese beiden Stücke sagen doch etwas sehr genau aus über zwei ganz entgegengesetzte Zustände des Menschlichen. Also ist Poesie manchmal auch eine Art Führer an der menschlichen Seele entlang.


XVIII "Shall I compare thee to a summer's day?"
Bryan Ferry, hier gefunden

XVIII

nach Stefan George

Soll ich vergleichen einem sommertage
Dich der du lieblicher und milder bist?
Des maien teure Knospen drehn im schlage
Des sturms und allzukurz ist sommers frist.

Des himmels aug scheint manchmal bis zum brennen,
Trägt goldne farbe die sich oft verliert,
Jed schön will sich vom schönen manchmal trennen
Durch zufall oder wechsels lauf entziert.

Doch soll dein ewiger sommer nie ermatten:
Dein schönes sei vor dem verlust gefeit.
Nie prahle Tod, du gingst in seinem schatten . . .
In ewigen reimen ragst du in die zeit.

Solang als menschen atmen, augen sehn
Wird dies und du der darin lebt bestehn.


CXLVII – “My love is as a fever longing still”
Rock Filarmonica Oradea, hier gefunden

CXLVII

nach Otto Gildemeister


Mein Lieben ist wie Fieber, stets begehrend
Nach allem, was die Krankheit nährt in mir,
Und alles, was das Übel stärkt, verzehrend,
Verführt von kränklich-schwankender Begier.

Vernunft, des Herzens Arzt, hat mich verlassen,
Voll Zorns, weil ich nicht tat, was er gebot,
Und rettungslos beginn ich’s nun zu fassen
Begierde, die den Arzt verwarf, ist Tod.

Verlassen von Vernunft, bin ich verloren,
Und rasend-toll vor Unruh immerdar,
Denk ich und rede wie verrückte Toren
Ins Blaue, leeren Schall, der Wahrheit bar.

Dich nannt’ ich schön, dich hab ich rein gedacht,
Und bist doch schwarz wie Hölle, wüst wie Nacht.

Montag, 19. September 2011

Ausblicke


(c) Werner v. Gentzkow

Sonntag, 18. September 2011

Sonntag &


Wo wir schon so spät sind, ich mir aber versprochen hatte, wenigstens dies hier regelmäßig aufzuschreiben, ein kurzer Sonntagspost. Etwas ausgesprochen einfaches gab es heute, ein Hähnchen geschmort mit Butterschmalz auf einem Bett aus Zwiebeln, Rosmarin, Thymian und Oregano, dazu Bohnen mit brauner Butter und Rosenkohl (beides hatte viel frisch geriebenen Muskat abbekommen). Die Soße wurde sehr gelobt, immerhin. Nein, nicht von mir. Mir wäre diese Art Selbstlob eher suspekt, so wie jedes Schwadronieren, Bramarbasieren und andere Großsprechereien dieser Art.

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Since we are late, but I had promised myself to write at least this regularly - a short Sunday post. Something very simple today, a chicken braised with butter on a bed of onions, rosemary, thyme and oregano, plus beans with brown butter and Brussels sprouts (both got a lot of freshly grated nutmeg). The sauce was complimented, after all. No, not from me. I would rather suspect this kind of self-praise, as any swaggering, braggart rodomontade and other “big talking” of this kind.

Freitag, 16. September 2011

Die Callas &


Als ob ein Raubtier, nein nicht in den Nacken beißt, sondern ins Herz, und man spürt, es ist noch da, das Herz… Zum Glück aber ist es „nur“ Gesang und wir überleben. Die Rede ist von „Der Callas“, jemand, dessen Ruhm umso mehr wächst, je länger er tot ist, ungewöhnlich für einen Sänger, aber wir haben eben zum Glück, die, wenn auch teilweise dürftigen, Zeugnisse.

Von einem Farinelli, der kurioserweise auch an einem 16. September (1782) starb – ebenso eine Ikone seiner Zeit - haben wir bloß Berichte und neuere Rekonstruktionsversuche. Aber stimmt dies überhaupt, wußten die damals Lebenden, wen sie unter sich hatten? Sie hatte sich früh verausgabt, war zu einer Art Boulevardberühmtheit geworden und starb elend einsam, eine bald vergessene Diva hätte man meinen müssen damals, vermutlich. Aber heute wissen wir mehr.

Nicht schon wieder ein unbeendeter Beitrag, meinte ich, und höre nun seit gestern die Callas, die starb nämlich am 16. September 1977, und ich habe immer noch keine Erklärung, woher die Faszination ihrer Stimme rührt. Das ist üblich. Blickt man auf die Äußerungen über sie - mehr ein Gestammel (anderes Beispiel). Doch dies hier wäre zu empfehlen. Es ist übrigens nicht das erste Mal, daß ihr Name hier auftaucht, früher einmal meinte ich dies bemerken zu müssen - ein Trost zu lesen, daß man nicht immer nur Platitüden von sich gegeben hat, zumindest versuche ich mir das gerade einzureden.

Selbst eine Ingeborg Bachmann mußte sich sichtlich herankämpfen, um eine “Hommage à Maria Callas“ zustande zu bringen, und sie ist nicht unbedingt als sprachschüchtern bekannt:

„Maria Callas ist kein `Stimmwunder`, sie ist weit davon entfernt oder sehr nahe davon, denn sie ist die einzige Kreatur, die je eine Opernbühne betreten hat.“

„Nicht ihre Koloraturen, und sie sind überwältigend, nicht ihre Arien, nicht ihre Partnerschaft allein ist außerordentlich, sondern allein ihr Atemholen, ihr Aussprechen.“

„Sie kann einen Ausdruck verfehlen, weil sie weiß, was Ausdruck überhaupt ist… Sie hat nicht Rollen gesungen, niemals, sondern auf der Rasierklinge gelebt.“

„Sie war das letzte Märchen, die letzte Wirklichkeit, denen ein Zuhörer hofft, teilhaftig zu werden...

Es ist sehr schwer oder sehr leicht, Größe anzuerkennen. Die Callas – ja, wann hat sie gelebt, wann wird sie sterben? - ist groß, ist ein Mensch, ist unvertraut in einer Welt der Mediokrität und der Perfektion.“

Ja. Die Stimme ist mitunter geradezu schmerzhaft nicht schön. Aber sie ist immer wahr. Als ob ein Abgrund aufgerissen würde, vor dem jede Frage nach dem Vorgestellten zu verstummen hat. Nahezu jenseits von Kunst. Kunst, wenn sie diesen Namen verdient, und wir mögen den Begriff fast nicht mehr, hat die Essenz des Menschlichen zu packen, festzuhalten, zu ergreifen, zu begreifen. Deshalb wird, solange Menschen existieren, der Name „Callas“ bekannt sein.

zu Ende geschrieben am 17. September


Mittwoch, 14. September 2011

Dies & Das & Storm


aus:

Von Kinder und Katzen, und wie sie die Nine begruben

von THEODOR STORM
(14. September 1817 - 4. Juli 1888)

„…Und wieder kam eine stille, katzenlose Zeit.

Aber wo fände sich nicht eine Aushilfe! Ich konnte ja vortrefflich Katzen zeichnen; - und ich zeichnete! Freilich nur mit Feder und Tinte; aber sie wurden ausgeschnitten und aus dem Tuschkasten sauber angemalt: Katzen von allen Farben und Arten, sitzende und springende, auf vieren und auf zweien gehend, Katzen mit einer Maus im Maule und einem Milchtopf in der Pfote, Katzen mit Kätzchen auf dem Arme und einem bunten Vöglein in der Tatze; den Preis über alle aber gewann ein würdig blickender grauer Kater mit rauhem, bärtigem Antlitz. Ihm wurde in einer Kammer, wo die Kinder spielten, aus Bauholz ein eigenes Haus mit Wohn- und Staatsgemächern aufgebaut. Viel Zeit und Mühe war darauf verwandt worden; deshalb erhielt es aber auch das Vorrecht, vor dem zerstörenden Eulbesen der Köchin durch strenges Verbot geschützt zu werden. Es hieß "das Hotel zur schwarzen Anna"; und "der alte Herr", welchen Namen der Graue sich gar bald erworben hatte, hat lange darin gewohnt…


… In dem geräumigen Taubenschlage auf dem Hausboden hatte sie einst mit vielen schönen Gefährten, Hahnenschwänzen und Mohrenköpfen, gewohnt und sich von dort aus lustig mit ihnen über den grünen Gärten in der Luft getummelt; aber eines Nachts war der Marder eingebrochen, und sie allein blieb die Überlebende. Damit sie in dem großen leeren Schlage nicht allzusehr die Einsamkeit empfinde, wurde das Kaninchen ihr zum Gesellen beigegeben, und da weder dieses von ihren Erbsen, noch sie die Hundeblumenblätter des Kaninchens begehrte, so lebten sie wie Geschwister einträchtiglich beisammen.

Wenn die Taube von ihren Ausflügen heimkam, klappte Nine allzeit freudig mit den Hinterkäufen; denn sie spielten dann Greif oder Haschemännchen miteinander, und da das Kaninchen sehr gut greifen konnte, so geschah es dabei ganz von selber, daß es seiner Freundin einen Mund voll Federn nach dem andern abbiß.—So wurde sie das Täubchen "Federlos" und konnte nur noch mit den Posen fliegen. Aber weiter kam es nicht; die Posen sollte sie behalten. Denn da die Knaben eines Morgens in den Schalg hinanstiegen, flatterte das Täubchen Federlos zwar noch um sie herum, Nine aber lag mit ausgestreckten vieren tot und platt am Boden.


Eilig stürmten sie die Treppen hinab und verkündeten im Wohnzimmer ihre Trauerkunde, wo ich ahnungslos bei meiner Tasse Tee saß. Wahrscheinlich hatte Nine sich an Taubenfedern totgegessen; indessen ich bedachte solches nicht und sagte ohne viele Umstände: ‚Da habt ihr's wohl verhungern lassen!‘ Ob das Gewissen der beiden dennoch nicht ganz rein gewesen?—Aber—hilf Himmel! wie huben auf dieses Wort die kleinen Kerle an zu schreien! Kein Trost, kein Zuspruch half, die Tränen liefen ihnen stromweis über die Backen.

Da trat mein Freund, der Doktor—der als Primaner einst so schön die Klarinette spielte—in die Tür. ‚Hallo! Junges, was ist da los?‘ Die Augen wandten sich zu dem Sprecher, und einen Augenblick lang stockte das Geheul. ‚Doktor‘, rief der eine im wehmütigsten Klagelaut, ‚unser Nine ist tot!‘ ‚Und wir haben es verhungern lassen!‘ schrie der andre.—Dann heulten sie beide wieder mit vereinten Kräften. ‚Jungens!‘ rief der Doktor. ‚Euer Nine wird nicht mehr lebendig! Aber wißt ihr denn das nicht? Wenn es tot ist, so müßt ihr es begraben!‘

Begraben!—Das Zauberwort war gesprochen. Das Geschrei verstummte, die Tränen wurden abgewischt, ein wahres Sonnenleuchten verklärte die Gesichter der beiden Kinder.—Schon waren sie aus dem Zimmer und die Bodentreppe hinauf; und nicht lange, so kamen sie fröhlichen Angesichts mit dem Leichnam ihres Nine angezogen; der eine hatte es an den Ohren, der andre an den Hinterläufen. So zogen wir mitsammen in den Garten hinaus.

Als wir auf dem großen Steige waren, begegnete uns die Manschettenmieße. ‚Miau!‘ sagte sie, indem sie stehenblieb und uns ansah. Der Zug hielt; und die Kinder sahen sie wieder an. ‚Mite‘, sagte der Kleine, noch einmal in seinen Klageton verfallend, ‚unser Nine ist tot!‘ Dann setzte der Zug sich wieder in Bewegung, und Mite machte einen Buckel und sprang mit, um dem Begräbnis beizuwohnen.

Der Doktor hatte schon den Spaten in der Hand, und an der Geißblattlaube unter überhängenden Ulmenzweigen wurde nach reiflicher Erwägung die Stätte auserwählt. Da wurde ich von der Magd ins Haus zurückgerufen und überließ dem Doktor allein die Leitung unsrer Trauerfeierlichkeit.


Drinnen im Hause erwarteten mich ganz andre Dinge. Da war ein Mann, der hatte einen bösen Schuldner, von dem er weder Kapital noch Zinsen erhalten konnte, und wir sprachen wohl eine halbe Stunde miteinander, auf welche Weise ihm zu beidem zu verhelfen sei.

Als ich dann wieder in den Garten hinauskam, war der Doktor nicht mehr da; auch der Körper des verstorbenen Nine war verschwunden, und der Spaten lehnte an der Planke. Die beiden kleinen Totengräber aber—die natürlich ihr Schmierzeug anhatten—lagen neben der Geißblattlaube auf den Knien und hatten einen kleinen seltsam glänzenden Erdhügel zwischen sich, auf dem sie beide eifrig mit ihren rotkarierten Taschentüchern rieben.

‚Was macht ihr da?‘ fragte ich, indem ich zu ihnen trat; denn diese Sache war mir völlig unverständlich. Da guckte der Kleine auf. "Papa!" sagte er, und sein Gesicht leuchtete so fröhlich wie droben kaum die liebe Himmelssonne—"wir polieren Nine sein Grab mit Spucke!"—Und also endete dies vergnügliche Begräbnis.“



Theodor Storm
In seinem Garten wandelt er allein

In seinem Garten wandelt er allein;
In alle Bäume gräbt er immer wieder
Gedankenschwer den einz'gen Namen ein,
Und in dem Namen klagen seine Lieder.

Sanft blaut der Himmel, milde Rosen webt
Die Sommerzeit durch mächt'ge Blättermassen.
Er schaut sie nicht; die Zeit, in der er lebt,
Ist alt, verblüht, von allen längst verlassen.


Theodor Storm
Meeresstrand


Ans Haff nun fliegt die Möwe,
Und Dämmrung bricht herein;
Über die feuchten Watten
Spiegelt der Abendschein

Graues Geflügel huschet
Neben dem Wasser her;
Wie Träume liegen die Inseln
Im Nebel auf dem Meer.

Ich höre des gärenden Schlammes
Geheimnisvollen Ton,
Einsames Vogelrufen -
So war es immer schon.

Noch einmal schauert leise
Und schweiget dann der Wind;
Vernehmlich werden die Stimmen,
Die über der Tiefe sind.

Montag, 12. September 2011

Über die Allerheiligste Gottesmutter &


"An Mariä Namen / sagt der Sommer Amen."

Nun ja, da war dieses Jahr nicht viel Sommer, der hätte Adieu sagen können. Dennoch. Ich weiß, daß ich Protestant bin, sofern ich mich recht erinnere, aber am Tag Maria Namen, nur zur Erinnerung, wurden am 12. September 1683 unter dem Banner Mariens und unter dem Oberbefehl Königs Johann III. Sobieski die Ungläubigen vor Wien besiegt.

Ich habe mich dazu schon früher einmal ein wenig geäußert. Heute schickte ich jemandem eine kleine Zusammenfassung von Anmerkungen, das ist nicht so interessant, aber am Ende, als ich ein gewisses, auch sprachlich überzeugendes Dokument las, dachte ich nur noch: Ja, Ja!!! Bevor ich also einschlafe, kurz das Eigenzitat:

Daß eine Frau behauptet, einen Sohn ohne Beteiligung eines (irdischen) Mannes geboren zu haben, wäre mythologisch-religiös gar nicht so selten, selbst wenn man nur die Stellen heranzöge, in denen ein Gott seine menschenähnlich-männliche Gestalt verbirgt. Leda wird von Zeus in Gestalt eines Schwans besucht und gebiert die Dioskuren Kastor (Castor) und Polydeukes (Pollux). Danaë wird vom demselben schlafend als Goldregen beglückt und so mit Perseus schwanger. Selbst von Alexander dem Großen heißt es, er sei von einem Gott in Gestalt einer Schlange oder eines Blitzstrahls gezeugt worden. Das alles sind Varianten der Begegnung des Numinosen und des Kreatürlichen, bei dem erstaunliche Gestalten entstehen, daher in der Regel eher eine Art Ursprungsmythos.

Man könnte annehmen, das Thema der Jungfräulichkeit Mariens bzw. der Jungfrauengeburt sei somit mythologisch vorgebildet. Das ist nur dann plausibel, wenn man das Christentum von außen als bloßes religionswissenschaftliches Phänomen im Strom der Religionen sieht. Blickt man auf das Neue Testament, wird deutlich, Josef und Maria sind verlobt, nicht verheiratet, das Anzeichen einer Geburt überrascht Maria aufrichtig, Josef verstößt seine Verlobte nicht, Maria erhält Visionen. Die Autoren des Neuen Testaments, denen man zugute halten muß, daß sie etwas erlebt hatten, oder zumindest indirekt zu Zeugen von etwas wurden, das ihr Fassungsvermögen überstieg, übersteigen mußte, suchten das Geschehene immer wieder vom (für uns) Alten Testament her zu verstehen.

Der Prophet Jesaja (7,14) kündigt einen Heilsbringer an, einen Nachkommen Davids:

„Darum so wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel.“

So übersetzt Luther.

„Deshalb wird mein Herr selbst dir ein Zeichen senden: Siehe, die junge Frau wird schwanger und gebiert einen Sohn, und sie wird ihn Immanuel nennen.“
So kann man es auch, vermeintlich korrekter übersetzen.

Die jungfräuliche Mutter ist eine völlig neue Vorstellung. Dies wird gern auf einen Übersetzungsfehler reduziert: „Diese Stelle wurde im … Judentum nie als Vorhersage des Messias, sondern eines jüdischen Königs gedeutet. Die …. griechische Bibelübersetzung, die Septuaginta, übersetzte das hebräische Wort עלמה (alma, „junge Frau“ von Heiratsreife bis zur Geburt ihres ersten Kindes) nur dieses eine Mal mit παρθένος (parthenos) und ließ damit die Deutung „Jungfrau“ zu.“

Abgesehen davon, daß das nicht ganz so eindeutig ist, hat die Kirche daraus das Dogma von der Jungfrauengeburt Jesu entwickelt (die protestantischen Kirchen, soweit sie ihre eigenen Glaubensartikel noch ernst nehmen, verweigern sich nur der Frage, ob Maria nach Jesu Geburt Jungfrau geblieben sei).

Und so sagt der gegenwärtig gültige Katechismus der Katholischen Kirche:

„508. Unter den Nachkommen Evas hat Gott die Jungfrau Maria zur Mutter seines Sohnes erwählt. „Voll der Gnade" ist sie „die erhabenste Frucht der Erlösung" (SC 103). Sie ist vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an von der Befleckung durch die Erbsünde gänzlich bewahrt worden und während ihres ganzen Lebens ohne jede persönliche Sünde geblieben.
509. Maria ist wahrhaft „Mutter Gottes", denn sie ist die Mutter des menschgewordenen ewigen Sohnes Gottes, der selbst Gott ist.
510. Maria „ist Jungfrau geblieben, als sie ihren Sohn empfing, Jungfrau, als sie ihn gebar, Jungfrau, als sie ihn trug, Jungfrau, als sie an ihrer Brust nährte. Allzeit Jungfrau" (Augustinus, serm. 186,1). Mit ihrem ganzen Wesen ist sie „die Magd des Herrn" (Lk 1,38).“

Was aber noch deutlich zu sagen wäre, die Beschreibungen des Neuen Testaments meinen gerade nicht, Gott hätte sich wie ein christlicher Zeus gewissermaßen in verstellter Gestalt der Jungfrau Maria genähert. Sondern Gott wird erneut als Schöpfer tätig, er schafft den neuen Adam, einen sündlosen neuen ersten Menschen.

Und da Sündlosigkeit gern gähnend-amüsiert zur Kenntnis genommen wird. Es meint einfach, der Mensch wird wiederhergestellt, wie er von der Schöpfung her gedacht war, nicht von Grausamkeit zerrissen, nicht im Vergeblichen Halt suchend, nicht in der Haltung des Auslöschens. Gute Nacht.

Sonntag, 11. September 2011

Sonntag &

roughly translated



Ein reichlich konfuser Tag - spät vom Gottesdienst zurück, ausgerechnet für heute hatte ich mir ein zeitaufwendiges Rezept zurechtgelegt, entsprechend lange dauerte es dann, und als ich fast fertig war, kamen Bekannte, die gern mit unangemeldeten, aber dafür langandauernden Besuchen erfreuen, wundervoll. Aber wenigstens der übliche Bericht: Ein ziemlich großes Stück Schweinebraten mit einer Kräuterkruste. Die Kräuterkruste bestand aus so ziemlich allem was bei 4 nicht auf den Bäumen war (Thymian, Rosmarin, Oregano, Petersilie etc.) vermischt mit Senf und Butter. Dazu Blumenkohl. War übrigens nicht schlecht.


A somehow confused day - late back from church, today of all days I planned to use a time-consuming recipe, no wonder it lasted long, and when I was almost finished we got friends who enjoy making unannounced, but long-lasting visits, wonderful. But at least the usual report: A fairly large piece of roast pork with an herb crust. The herb crust consisted of pretty much everything that couldn’t hide itself (thyme, rosemary, oregano, parsley etc.) mixed with mustard and butter. And cauliflower. By the way, it wasn’t bad.

Donnerstag, 8. September 2011

Dies & Das






Üblicherweise lasse ich derartiges unkommentiert. Nur zur Erklärung, warum es hier diesen Sommer kaum Gartenbilder gab – ich habe vergessen, ob wir letzten Monat das Fünffache der üblichen Regenmenge hatten, aber etwas in der Art war es, vielleicht sogar mehr. Rosen mögen das nicht so unbedingt.

nachgetragen am 9. September

Mittwoch, 7. September 2011

Dies & Das


Daß ein Komiker des 19. Jahrhunderts, Friedrich Beckmann, am 7. September 1866 starb, wäre vielleicht nicht unbedingt heute noch erwähnenswert. Aber dann wurde ich darüber stutzig, daß er einer der Erfinder der literarischen Figur des Eckenstehers „Nante“ ist, für die der Berliner „Dienstmann“ Ferdinand Strumpf das Vorbild abgab. Nun gibt es diese Dienstmänner zwar lange nicht mehr (eine Art Gelegenheitsgehilfe für Botengänge, Trägerdienste u.dgl.), aber die Figur ist dauerhaft in das Berliner Gedächtnis-Milieu eingegangen. Allein das subversive Sich-dumm-stellen oder den Gerichtsschreiber oder Actuarius als „Herr Criminell“ zu titulieren, das ist schon unterhaltsam. Nachstehend also ein paar Auszüge aus „Eckensteher Nante im Verhör“ (das Ganze könnte man etwa hier nachlesen):

Actuar. Also Nante ist sein Vorname?

Nante. Ja, Herr Criminell, aber egentlich schwebt darüber noch een gewisses Duster, denn ick bin nicht ganz fest überzogen, ob ick Jottlieb, oder aber ooch, ob ich vielleicht Nante heeßen duhn duhe.

Actuar. Na, das wird er doch wissen?

Nante. Ne, Herr Criminell, ick kann darüber keene Wissenschaft besitzen, denn ick bin egentlich ein geborner Zwilling; wir Strümpfe sind alle paarweise uf die Welt gekommen. Als wir bede nu gedoft wurden, wurde der eene Jotlieb un der andere Nante genannt; an diesen selbstigen Dage war es aber sehr kalt, ich globe, wir hatten zwischen 28 bis 29 Zoll Frost. Beim zu Hause dragen verfror Eener von uns; nun bin ick nich recht sicher, bin ick der, der verfrur, oder bin ick vielleicht mein Bruder.

Actuar. Das gehört nicht hierher.

Nante. Na, denn duhn Se et wo anders hin.

Actuar. Schweig er - Geboren?

Nante. (schweigt und spielt mit seinem Hut)

Actuar. Nun! - Geboren?

Nante. Als wie ick?

Actuar. Ja.

Nante. Herr Criminell haben ja gesagt daß ick schweigen soll.

Actuar. Dummkopf, jetzt soll er sprechen - Geboren?

Nante. Ja , ick schmeichle mir mit meinen Dasein.

Actuar. Aber wo? wo ist er geboren?

Nante. Im Bullenwinkel.

Actuar. (ärgerlich) O Geduld!

Nante. Ne Herr Criminell, nich in de Geduld, wenn Sie globen det ick in de Geduld geboren bin, denn sind Sie schief gewickelt. In Bullenwinkel im Hinterhause 3 Treppen hoch, vorne heraus, früher wars 'ne Kellerwohnung, jetzt steht ein Nußknacker, wollt ick sagen een Nußbohm vor de Dühre. (wiederholend dicktirend) Vor - de -Dühr.

Actuar. Hat er Eltern?

Nante. Ja, Herr Criminell, zwee Stück, eenen Vater und eene Mutter; die Mutter von mütterlicher Seite, hat sich vor Kurzen zu Tode gestorben, der Vater hat aber bis an sein Ende gelebt...

Actuar. (halblaut) Esel!

Nante. Ne so weit hat er es nicht gebracht, er is man bis uf den Hund gekommen, das heeßt zum Ziehen. Wenn mein Vater außer mir noch en Esel gehabt hädde, so wär er en reiches Mitglied von der menschliche Gesellschaft jeworden, denn er hatte viel Talent zum Geldausgeben.

Actuar. Was ist er?

Nante. Alles, am liebsten aber Stinte mit Essig und Sirop.

Actuar. Kerl ist er toll, ich frage was er treibt, was er gelernt hat, was für ein Handwerk oder dergleichen.

Nante. Ach so, französisch habe ick mal lernen sollen, aber ick habe enen Bruder der bläßt Flöte, drum is ooch egentlich unser janzes Vermögen flöten gegangen. Denn habe ick gedient, 13 und 14 war ick 24pfündiger Attillerist vor's Vaterland bei det schwere Getränk angestellt; denn kriegt ick meinen Abschied, wat der Franzose Adje nennt; denn war ick ene janze Weile jar nischt; denn studirt ick Nachtwächter, und jetzt stehe ick Ecke. Nu habe ick mir noch eene Karre angeschafft, un dadurch eene Karriere gebildet.
Actuar. Ledig?

Nante. Ja.

Actuar. (der schnell fortfährt) Oder verheirathet?

Nante. Ja.

Actuar. Was schwatzt er da für dummes Zeug, beides kann er doch nicht sein? -

Nante. O ja Herr Criminell, die Sache verhält sich sich so, wie Sie mir gefragt haben, erst ledig gewesen, un nu verheirathet noch sind. Jetzt habe ick 'ne Frau, ick bin mit ihr 6 1/2 Jahre verheirathet, wenn wir noch 1/2 Jahr beisammen bleiben, können wir den 7jährigen Krieg miteinander feiern...
zu Ende geschrieben am 9. September