Sonntag, 3. August 2008

Über Bilder

Jemand hatte mich überredet, ein Bild von mir hier hineinzustellen. Üblicherweise mache ich von mir keine Photos, und ich weiß warum, an einem unerträglich schwülen Tag war meine Gleichgültigkeit aber belastbar genug, daß ich es dann doch tat.

Ich habe das Bild bei meinem nächsten Besuch sofort reflexhaft gelöscht, es war, als wäre ich, während ich gerade einen seelenbelebenden Spaziergang um den Heiligen See in meinem Potsdam beginnen wollte, mit etwas sehr Unerfreulichem konfrontiert worden. Später habe ich dann versucht, es an einem möglichst entfernten Platz wieder anzubringen, aus guten Gründen.

Wir reagieren, wenn etwas Unbekanntes mit uns in Verbindung tritt, meist in zweierlei Weise, wir Menschen sind gewöhnlich nicht sehr reich an Varianten, entweder wir lehnen ab und setzen herab oder wir erhoffen uns etwas.

Häufig, wenn jemand auf Unbekanntes trifft, etwas aus einem anderen Land, einen neuen Lebensstil, eine Aufregung verheißende Denkmode oder simpel einen Menschen, den er nicht so recht einzuordnen vermag, schießen seine Erwartungen in die Höhe, einfach, weil er mit dem, in dem er lebt, nicht wirklich im Reinen ist und sofort etwas Erlösung daraus Versprechendes wittert, vermutlich. Obwohl die Enttäuschung dabei mit Händen zu greifen ist, wird das auf den weiteren Fortgang keinen Einfluß haben. Das Muster wiederholt sich, einfach, weil wir Menschen nach allem greifen, was uns Linderung verspricht, wenn wir uns in unserem Dasein recht unbehaglich fühlen und das, was wir sehen, zu diesem Dasein möglichst fremd steht.

Das ist die eine Seite, die andere, woher das Erschrecken. Weil unser inneres Bild mit unserem tatsächlichen oder auch äußeren oft nur noch in einem losen Zusammenhang stehen dürfte. Wir sehen uns anders, wir vergessen die Erbarmungslosigkeit der Zeit und anderes.

Während unser Inneres glaubt, wir seien auf einem Weg in eine Sphäre der Bedeutsamkeit, für dessen Illustration jetzt einmal der arme Herr Reuter herhalten muß,


schaut uns die Wahrheit jeden Morgen aus dem Spiegel an, aber da sind wir noch müde genug, glauben zu können, das sei die Fortsetzung eines nächtlichen Alptraums.

Alles ist noch im Fluß, solange wir etwas am Leben sind, unser Bild von uns mag sich ändern und mit dem wahren fast in Deckung geraten, es mag uns gelingen, den Erwartungen, an die wir uns gefesselt haben, eher zu entsprechen oder uns von ihnen zu lösen, wir mögen so etwas wie Frieden finden, vieles kann geschehen.

Aber es dürfte nicht schaden, zwischendurch ein kleines Warnzeichen aufzustellen, ein Bild, gewissermaßen als Ermahnung für mich und als ein Fingerzeig für andere.

Kommentare:

Marlies Homölle hat gesagt…

Lange habe ich mich mit dem gleichen Gedanken beschäftigt
doch nun habe ich es bekräftigt
Soll ich, oder soll ich es nicht
zeigen, mein Gesicht
gestört hat mich an der Anonymität
das man es nicht errät
wer sich nun wirklich dahinter versteckt
nach dem auch ich hab meinen Hals gereckt
heute seh ich viele
mit dem gleichen Ziele
und es macht mir nichts mehr aus
weil ich auch sehe, dass andere etwas machen draus
einen ganz lieben Gruß MH

MartininBroda hat gesagt…

Den Gruß erwidere ich gern, zumal er mich gerade zu diesem lange zurückliegenden Text zurückführte, der zwar etwas zu bedeutsam daherkommt, aber im Kern von mir noch heute so unterschrieben werden könnte. Danke für's Lesen.