Mittwoch, 30. September 2009

Über Bath und eine verflossene Besucherin


Thomas Gainsborough, Lady Georgiana Cavendish
hier gefunden

Ich habe gerade einen Film von bezaubernder Oberflächlichkeit gesehen: „Die Herzogin“, oder im Original „The Duchess“. Er handelt über Leben, Lieben und Leiden von Georgiana Cavendish, Duchess of Devonshire, er ist aufregend photographiert, präsentiert atemberaubende Kostüme, zeigt uns die elegantesten Schauplätze und spielt hauptsächlich in Bath.

Diese Vorfahrin von „Lady Diana“, auch eine Spencer, war eine bewunderte Schönheit, galt als Modeidol, spielte leidenschaftlich, betätigte sich politisch, einer ihrer Liebhaber wurde später Premierminister, und war sogar literarisch produktiv.

Es ist durchaus glaubhaft, daß sie an den Beschränkungen ihres glamourösen Standes bzw. Geschlechts gelitten hat, die Schauspieler, nebenbei bemerkt, sind superb, insbesondere Keira Knightley als Georgiana Cavendish, Ralph Fiennes als William Cavendish, 5. Duke of Devonshire, Dominic Cooper als Charles Grey sowie Hayley Atwell als Elizabeth Hervey.

Übrigens wurde nach diesem Liebhaber Charles Grey mein Lieblingstee "Earl Grey" benannt, insofern mußte ich ihn einfach erwähnen.

Aber da der Film zu großen Teilen in Bath handelt, habe ich endlich Gelegenheit, an ein großes Gedicht der altenglischen Literatur zu erinnern, über das ich eigentlich längst einmal etwas schreiben wollte, aber so reicht es heute nur zu einer Fußnote: Ein unbekannter Dichter beklagt angesichts der römischen Ruinen das Schicksal dieser Stadt, wahrlich ein Anlaß zu bedeutsamen Erwägungen, aber nicht heute. Heute gibt es nur noch ein paar Herbstbilder.





Dienstag, 29. September 2009

Michaelis & Herrn Roloffs Beitrag dazu


Hans Memling,
"Das Jüngste Gericht", Erzengel Michael mit der Seelenwaage,
hier gefunden

„Sancte Michael Archangele,
defende nos in proelio
contra nequitiam et insidias diaboli
esto praesidium.
‘Imperet illi Deus‘, supplices deprecamur:
tuque, Princeps militiae coelestis,
Satanam aliosque spiritus malignos,
qui ad perditionem animarum
pervagantur in mundo,
divina virtute, in infernum detrude.
Amen.“

„Heiliger Erzengel Michael,
verteidige uns im Kampfe;
gegen die Bosheit und die Nachstellungen
des Teufels, sei unser Schutz.
‘Gott gebiete ihm‘, so bitten wir flehentlich;
du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen,
stoße den Satan und die anderen bösen Geister,
die in der Welt umherschleichen,
um die Seelen zu verderben,
durch die Kraft Gottes in die Hölle.
Amen.“


St. Michael, Hildesheim,
hier gefunden

Das obige Gebet stammt von Papst Leo XIII., dazu soll ihn eine Dämonen-Vision im Jahre 1880 veranlaßt haben. Der Erzengel Michael ist eine Gestalt der christlichen Mythologie (um einmal einen despektierlichen Begriff zu bemühen), die viele Bedeutungen auf sich vereint, er gilt als Bezwinger Satans, der diesen aus dem Himmel geworfen habe, als Anführer der himmlischen Heerscharen, die vor Gottes Thron stehen, er ist der Hüter des Paradiestores und, für Deutsche nicht unwichtig, seit dem Sieg auf dem Lechfeld am 10. August 955 wurde der Hl. Michael als Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches verehrt. Auf den letzten Punkt vor allem geht Herr Roloff in dem nachfolgenden Beitrag ein, manches mag einem Leser hier bekannt vorkommen, aber so ist das nun einmal, wenn Gelesenes seine Spuren hinterläßt. Und falls jemand nachlesen will, was mir vor einem Jahr zum Erzengel Michael eingefallen ist, das wäre dann hier zu finden.

Michaelis
Gedanken zum Tag des Erzengels Michael und aller Engel

Die Geschichte der Gedenk- oder gar Nationalfeiertage von uns Deutschen ist vor allem in den letzten beiden Jahrhunderten unbeständig, wie vieles andere in dieser Zeit auch. Bismarcks Staat war am 18. Januar 1871 proklamiert worden und feierte diesen darum als Reichsgründungstag.
Der eigentliche Feiertag des II. Kaiserreichs aber war der Sedantag. Christian Graf Krockow hat am 1. April 1998 in der Schönhauser Kirche, im Rahmen seiner Festansprache zum Bismarckjahr, eine schöne Beschreibung dieses Tages hinterlassen und zitierte in ihr wiederum Sebastian Haffner:

„Symbole sagen oft mehr als Begriffe, und das Symbol des Bismarck-Reiches war der Sedantag, der an die Kapitulation der französischen Armee bei Sedan samt Kaiser Napoleon vor der preußisch-deutschen im Jahre 1870 erinnerte. Sebastian Haffner hat in einer schönen Betrachtung noch aus eigenem Erleben diesen Tag, diesen Symboltag des Bismarck-Reiches, folgendermaßen beschrieben:
‚Der Sedantag war ein rundes halbes Jahrhundert lang der deutsche Nationalfeiertag, mit Paraden, Beflaggung, Schulfeiern, patriotischen Reden und allgemeinen Hochgefühlen. Und zwar war es, muß man wahrheitsgemäß und mit einiger Beschämung sagen, der einzige wirklich effektive Nationalfeiertag, den die Deutschen gehabt haben. Was nachher an seine Stelle trat, der 11. August, Verfassungstag der Weimarer Republik, der 1. Mai der Nazis, der 17. Juni der Bundesrepublik, das war alles nichts Rechtes mehr: halt ein freier Tag und ein paar Weihestunden und Reden, die keinen sonderlich interessierten. Aber der 2. September, der Sedantag, mein Gott, da war wirklich noch was los! Das war eine Stimmung – ich finde für die heutige Zeit keinen anderen Vergleich - als ob die deutsche Nationalmannschaft die Fußballweltmeisterschaft gewonnen hätte, und zwar jedes Jahr aufs neue.‘“

Es folgte, wie von Haffner bereits erwähnt, der 11. August. An diesem Tag wurde 1919 in Weimar die Reichsverfassung verkündet und seit 1921 wurde er Nationalfeiertag. Bemerkenswerter Weise war dies ein Nationalfeiertag, der nicht einmal im ganzen Reich staatlicher Feiertag war, denn die Bestimmung der Feiertage war Ländersache und beispielsweise Bayern berücksichtigte den 11. August nicht.

In der Bundesrepublik dann standen der 23. Mai und der 17. Juni über vier Jahrzehnte wenig beachtet und beinahe ohne wirkliche Tradition nebeneinander. Am 23. Mai 1949 war durch den Parlamentarischen Rat das Grundgesetz verkündet worden und am 17. Juni 1953 hatten sich in der DDR die Arbeiter erhoben und so war aus diesem der Tag der deutschen Einheit geworden.

Jedenfalls waren es immer nur Jahrzehnte, die man diese Tage feierte. Tiefe Spuren hinterließen sie alle nicht.

Beinahe aber ein Jahrtausend lang war der heutige Tag der Festtag dieses Landes. Ludwig der Fromme, Sohn Karls des Großen, hatte das Fest des Erzengels auf der Mainzer Synode von 813 ganz bewusst auf den 29. September gelegt, weil die Germanen an diesem traditionell Wotans gedachten. Seit der Schlacht auf dem Lechfeld 955 wurde Michael dann als Patron des Heiligen Römischen Reiches und später auch Deutschlands verehrt. Das Wort „Engel“ trägt in sich die Bedeutung „Bote“. Michael nun bringt uns die erste Botschaft schon mit seinem Namen. Michael heißt: „Wer ist wie Gott?“ Die einzig mögliche Antwort lautet natürlich: Niemand. Gott ist einzigartig. In der Anbetung Gottes ist immer eine klare Schranke gegen die Selbstermächtigung des Menschen gesetzt. Andererseits überbrücken die Engel auch die aus dieser tiefen Unterschiedenheit resultierende Gottesferne. Sie bringen Nachricht, sie geleiten die Menschen und zuletzt auch die Seelen der Verstorbenen. Vor allem aber sind es die Engel, die zuerst die Geburt des Erlösers verkünden. Gott, der die Menschen sich ebenbildlich geschaffen hat, wird ihnen in der Menschwerdung seines Sohnes gleich. Auch darauf weist dieses Fest an der Tag-und-Nacht-Gleiche bereits hin.

Wie sehr der Erzengel in unserem Land verehrt wurde, machen die vielen Michaeliskirchen und das Reden vom „Deutschen Michel“ auch heute noch deutlich, und die Gärtner kennen die Weisheit: „Ein Baum gepflanzt St. Michael, der wächst von Stund an auf Befehl.“

Vielleicht ist es ja ein gutes Zeichen, daß der neue Nationalfeiertag von uns Deutschen zumindest zeitlich wieder in die Nähe des Michaelisfestes gerückt ist.

Thomas Roloff

Montag, 28. September 2009

Leicht müdes Intermezzo



Wie ich gerade feststelle, bin ich früher, wenn es kalt, neblig und windig wurde, eher in sentimentale Verfassung geraten, heute werde ich nur noch müde, vermutlich das Alter, wie auch immer.



Das Wetter war übrigens dennoch erstaunlich heute, die überkommenen Zeugen des Sommers taten fast überrascht vor dem Einbruch von Kühle und Sonnenliebesentzug. Manchmal hat man das Gefühl, Natur habe etwas greisenhaft Kindliches, sie hat alles erfahren und vergessen. Den Kontrast leuchtender Rosen gegen einen Novemberhimmel vermag meine kleine Kamera nun wirklich nicht einzufangen, also, was im Sichtbaren fehlt, muß sich der Zuschauer dazu imaginieren.

Sonntag, 27. September 2009

Literatur & Antike


"Dornauszieher", Kapitolinische Museen, Rom
hier gefunden

Als mich die Nachrichten des heutigen Abends endlich genug gelangweilt hatten, widmete ich mich wieder meiner gegenwärtigen Lektüre („Der Blick des Dichters, Antike Kunst in der Weltliteratur“, Hrsg. und kommentiert von Detlev Wannagat). Wie der Name schon nahelegt, geht es um das Zusammentreffen von Gestalten und Werken der Antike mit jüngerer Literatur, sehr angenehm zu lesen und jedesmal anregend kommentiert. Nun will ich diese Kommentare hier nicht ausbreiten (das wäre zumal auch nur eine Art von Abschreiben), aber zwei Beispiele daraus hier vorstellen. Da hätten wir zum ersten einen Passus aus dem berühmten Aufsatz über das Marionettentheater von Heinrich von Kleist, den man hier in Gänze nachlesen kann.

Das andere Beispiel ein nicht minder bekanntes Gedicht Rilkes. Wobei ich zugestehe, daß beide Figuren äußerst Interessantes zu erzählen haben, aber ich kann gegebenenfalls ja immer noch Nachträge machen.

Heinrich von Kleist

Über das Marionettentheater

„…Ich sagte, daß ich gar wohl wüßte, welche Unordnungen, in der natürlichen Grazie des Menschen, das Bewußtsein anrichtet. Ein junger Mann von meiner Bekanntschaft hätte, durch eine bloße Bemerkung, gleichsam vor meinen Augen, seine Unschuld verloren, und das Paradies derselben, trotz aller ersinnlichen Bemühungen, nachher niemals wieder gefunden. - Doch, welche Folgerungen, setzte ich hinzu, können Sie daraus ziehen?

Er fragte mich, welch einen Vorfall ich meine?

Ich badete mich, erzählte ich, vor etwa drei Jahren, mit einem jungen Mann, über dessen Bildung damals eine wunderbare Anmut verbreitet war. Er mochte ohngefähr in seinem sechszehnten Jahre stehn, und nur ganz von fern ließen sich, von der Gunst der Frauen herbeigerufen, die ersten Spuren von Eitelkeit erblicken. Es traf sich, daß wir grade kurz zuvor in Paris den Jüngling gesehen hatten, der sich einen Splitter aus dem Fuße zieht; der Abguß der Statue ist bekannt und befindet sich in den meisten deutschen Sammlungen. Ein Blick, den er in dem Augenblick, da er den Fuß auf den Schemel setzte, um ihn abzutrocknen, in einen großen Spiegel warf, erinnerte ihn daran; er lächelte und sagte mir, welch eine Entdeckung er gemacht habe. In der Tat hatte ich, in eben diesem Augenblick, dieselbe gemacht; doch sei es, um die Sicherheit der Grazie, die ihm beiwohnte, zu prüfen, sei es, um seiner Eitelkeit ein wenig heilsam zu begegnen: ich lachte und erwiderte - er sähe wohl Geister! Er errötete, und hob den Fuß zum zweitenmal, um es mir zu zeigen; doch der Versuch, wie sich leicht hätte voraussehen lassen, mißglückte. Er hob verwirrt den Fuß zum dritten und vierten, er hob ihn wohl noch zehnmal: umsonst er war außerstande dieselbe Bewegung wieder hervorzubringen - was sag ich? die Bewegungen, die er machte, hatten ein so komisches Element, daß ich Mühe hatte, das Gelächter zurückzuhalten: -

Von diesem Tage, gleichsam von diesem Augenblick an, ging eine unbegreifliche Veränderung mit dem jungen Menschen vor. Er fing an, tagelang vor dem Spiegel zu stehen; und immer ein Reiz nach dem anderen verließ ihn. Eine unsichtbare und unbegreifliche Gewalt schien sich, wie ein eisernes Netz, um das freie Spiel seiner Gebärden zu legen, und als ein Jahr verflossen war, war keine Spur mehr von der Lieblichkeit in ihm zu entdecken, die die Augen der Menschen sonst, die ihn umringten, ergötzt hatte…“


"Torso aus Milet", Louvre, Paris
hier gefunden

Rainer Maria Rilke

Archaischer Torso Apollos


WIR kannten nicht sein unerhörtes Haupt,
darin die Augenäpfel reiften. Aber
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,

sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
zu jener Mitte, die die Zeugung trug.

Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz
unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle

und bräche nicht aus allen seinen Rändern
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.

Samstag, 26. September 2009

„Ripeness is all“ – Reifsein ist alles



Ich höre gerade „Jazz für Deprimierte“ oder so ähnlich, sehr schön, vor mir liegt ein Band mit Essays von T. S. Eliot, wohl aus dem Jahre 1981 (Thomas Stearns Eliot, Ausgewählte Aufsätze, Vorträge und Essays, Hrsg. von Wolfgang Wicht, Berlin), das Papier ist inzwischen recht vergilbt, aber der Umschlag ist in Blau, Grau und Gold, der dunkelblaue Leineneinband mit goldenen Sternen übersät, wer immer diesen Band gestaltet hat, muß Eliot sehr gemocht haben. Manche Bücher sind wie Hausgötter, sie ziehen mit einem von Ort zu Ort und beschützen jeden neuen irgendwie, eben wie antike Hausgötter.

Thomas Stearns Eliot wurde am 26. September 1888 in St. Louis, Missouri geboren, zog es aber bald vor, diese Gegend Richtung England zu verlassen. Zu behaupten, ich würde mich T. S. Eliot nahe fühlen, wäre in etwa so originell, wie wenn ein Hütejunge mit Schnoddernase sagte, er würde Goethe mögen. (Übrigens mag ich Goethe gar nicht besonders.)

Wer diesem Link folgt, hört eine Interpretation von „The Waste Land“, vermutlich sein bekanntestes Gedicht. 1928 schrieb er, daß er und Gleichgesinnte „darum kämpften, alte Gedankengänge wiederzubeleben und neue zu schaffen“. Über Dante sagt er, daß echte Dichtung sich mitteilen kann, bevor sie verstanden wird.

Man hört, daß er aus erfahrener Wurzellosigkeit seine Vornehmheit so ins Extrem getrieben habe. Aber, in einem überpersönlichen Sinne gesprochen: Vielleicht ermöglicht wirklich erst der nahe Verlust das Bewußtsein von Wert. Und so gibt uns der „Amerikaner“ Eliot die europäische Kultur wie ein von Dreck, Verwesung und Verwitterung gereinigtes (insoweit dies möglich ist) Artefakt zurück. Und wenn er schreibt, daß im Versailler Vertrag die Auflösung des europäischen Geistes gipfele, wie könnte ein Deutscher da ungerührt bleiben.

Wir wollen solch einen beiläufigen Beitrag nicht mit Bedeutung überfordern, darum am Ende etwas Skurilles: T.S. Eliot liest „Prufrock“, begleitet von Portishead. Er scheint immer noch die Phantasie anzufeuern.



Der Titel? Der stammt von Shakespeare, zitiert im Aufsatz „Die drei Stimmen der Dichtung“:

„What, in ill thoughts again? Men must endure
Their going hence, even as their coming hither:
Ripeness is all. Come on.”

King Lear V,2

Nach einem angenehmen Abend


Dylan Thomas „Do not go gentle into that good night"
hier gefunden

Manchmal sind Bücher bemerkenswerter als ihre Autoren, manchmal ist es auch umgekehrt, und mitunter sind die Autoren schlicht netter als ihre Bücher. Tut mir leid, wenn es am Freitag hier nichts zu lesen gab. Ich habe mir gestern tatsächlich die Verleihung des Uwe-Johnson-Förderpreises an Herrn Thomas Pletzinger, von dem hier kürzlich die Rede war, für „Bestattung eines Hundes“ angetan und muß sagen, er scheint ein sehr netter Mensch zu sein. Er wird einen Teil des Preisgeldes für seine demnächst stattfindende Hochzeit verwenden und er will, ich habe es mir extra aufgeschrieben: „Ich will das Leben meiner Leser ein Stück versöhnlicher machen.“ Das Leben sei meist nicht versöhnlich, aber wenn er es zustande bringen könne, daß sie Dinge begreifen würden, wäre es für sie angenehmer. Nun ja.

Doch ich muß mit dem alten Vorurteil aufräumen, daß der Predigtschlaf der gesündeste sei, der Schlaf während der Laudatio hatte einen äußerst belebenden Effekt, vielleicht das angenehme Gefühl, an bedeutsamen Dingen teil zu haben, ohne sich ihnen wirklich aussetzen zu müssen. Aber letztendlich hatte ich anschließend eine wirklich bereichernde Unterhaltung. Dabei, wenn ich aus meinem Leben erzähle, komme ich mir schon vor wie ein Kriegsveteran (welcher Krieg bitte), abgesehen davon, daß das meiste interessant klingen mag, will sich nur komischerweise bei mir kein entsprechendes Gefühl einstellen. Nebenbei gesagt, gibt es im Deutschen merkwürdigerweise kein Wort für das Gegenteil von "bereichernd", dabei kenne ich den Sachverhalt durchaus, wie ich kürzlich „irgendwo“ erwähnte, in der Unterhaltung mit manchen Zeitgenossen habe man die Empfindung, einem würde das Gehirn ausgesaugt.

Und was soll Dylan Thomas hier? Nun es gibt einen vordergründigen Grund und einen anderen. Der vordergründige. Ich werde mir heute vielleicht einen Film über ihn ansehen und da kann mir dieses Gedicht in den Sinn. Und der andere, hm, bei den Blogs, die ich verfolge hat ein Autor (Derik) gerade versucht, sich das Leben zu nehmen, und ein anderer sucht nach Gründen, es weiterzuführen. Mit anderen Worten, es gibt schon Literatur, die im o.g. Sinne helfen kann, andere Literatur.


Dylan Thomas „Geh nicht gelassen in die gute Nacht"
hier gefunden

Donnerstag, 24. September 2009

Kleiner Nachtrag über Carl von Gontard


Quadriga auf dem Brandenburger Tor, Berlin
(c) nbwolf, hier zu finden


Ich muß einfach sagen, ich war Carl Philipp Christian von Gontard, gestorben am 23. September 1791, noch einen kurzen Nachtrag schuldig. Für jemanden, der sich bleibend dem Raum Potsdam und Berlin verbunden fühlt, ist das eigentlich unvermeidbar. Er ist nicht sehr bekannt, hat aber in beiden Städten unübersehbar gewirkt.

Wobei ich gestehen muß, daß ich mit dem Brandenburger Tor (in Berlin) etwas gemogelt habe, genauer, ich habe zwar gelesen, daß er dafür Entwürfe geliefert hätte, der eigentliche Erbauer war aber Carl Gotthard Langhans, aber so konnte ich doch wenigstens das obige erstaunliche Bild anbringen, das mir ein freundlicher Herr aus Potsdam zugesandt hat. Und auch noch dieses von einer Brasilianerin, die mit ihrem Temperament etwas verloren gegen den kühlen preußischen Klassizismus ankämpft.


(c) nbwolf

Aber das Marmorpalais im Neuen Garten in Potsdam, an dem ich unzählige Male vorbeigegangen bin, das darf man ihm wohl zu größeren Teilen zuschreiben, und einiges andere auch. Ich bekomme jetzt nicht ganz zusammen, wo ich kürzlich eine gnadenlose, und auch ungerechte Abrechnung mit dem Preußischen gelesen habe, darum werde ich nicht konkreter, aber es ging darum, daß das Lachen ihrer Herrscher ein viehisches Gewieher gewesen sei etc. Falsch. Wenn man durch Potsdam geht, und dort sind glücklicherweise mehr als nur Spuren erhalten, und sich die Ärmlichkeit von Natur und Überlieferung ins Bewußtsein ruft, und dann sieht, wie unsere Könige Geist, Wohlgestalt, Vielfalt, Historie, Raffinement dem märkischen Sand vertraut gemacht haben, dann verliert man, bei allen menschlichen Zugeständnissen, nahezu die Fassung vor Dankbarkeit und Ergebenheit.


Potsdam - Marmorpalais - um 1900
hier gefunden

Die Biographie Gontard’s fand ich hier ziemlich gut beschrieben, auch wenn ich aus bestimmten Gründen zögere, diesen Link anzugeben, wie auch immer. Und zum Ende ein Bild von der Gegend hier. Ich empfand, es hat irgendwie etwas Auflösendes an sich.


Mittwoch, 23. September 2009

Th. Roloff über Wilhelm Wandschneider


Bismarck-Denkmal in Schwerin, 1901
um 1950 eingeschmolzen, Sockel zu Grabsteinen verarbeitet
hier gefunden

Vorbemerkung

Bekanntlich veröffentliche ich hier gelegentlich Beiträge anderer. Diesen, den ich schon längst einmal anbringen wollte, hat Herr Roloff vor zwei Jahren zum 65. Todestag von Wilhelm Wandschneider verfaßt. Und da Mecklenburg nicht gerade mit bedeutenden Bildhauern überschüttet wurde, will ich das heute auch wirklich gern tun. Nachdenklich stimmt allerdings, wenn man sich einmal den Verbleib von dessen Werken anschaut, wieviel bereits vernichtet ist. Was mir immer wieder auffällt an Deutschland, ist, wie arm an Denkmälern es geworden ist, denn nicht daß es sie nicht gegeben hätte, nur wurde eben vieles zerstört, während des letzten Krieges und danach, in beiden deutschen Staaten. Ihr Fehlen ist so gewissermaßen der unsichtbare Fingerabdruck unserer Geschichte.

M. Wisser


Der „kleine Michelangelo“ Mecklenburgs
65. Todestag von Wilhelm Wandschneider

Kaum jemand wird wissen, daß das Epitaph auf den 1904 verstorbenen Fürsten Herbert Bismarck in der Schönhausener Kirche von Wilhelm Wandschneider stammt, den man seiner Herkunft wegen „kleiner Michelangelo“ Mecklenburgs nannte und dessen Todestag sich am 23. September zum 65. Mal jährt.

Geboren wurde Wandschneider am 6. Juni 1866 in Plau am See. Sein Vater übte das Malerhandwerk aus und ließ es auch seinen Sohn erlernen. Aber schon in jungen Jahren machte Wilhelm durch plastische Arbeiten auf sich aufmerksam, so daß der Bürgermeister von Plau beim Großherzog Friedrich Franz III. für ihn eintrat. Der Landesvater ermöglichte dem Jungen eine künstlerische Ausbildung an der Königlichen Kunstschule in Berlin. Seit 1886 besuchte der inzwischen 20-jährige die Akademische Hochschule der Bildenden Künste und hatte so namhafte Lehrer wie Fritz Schaper, Anton von Heyden und Julius Ehrentraut. Im Mai 1895 wurde er Meisterschüler im Atelier von Reinhold Begas. Ein gewonnenes Preisgeld ermöglichte ihm dann eine einjährige Studienreise nach Italien, die großen Eindruck auf ihn machte. Zwischen 1897 und 1916 erlebte Wandschneider dann seine große Zeit als selbständiger Bildhauer. Er wurde besonders durch den Herzog-Regenten Johann Albrecht gefördert. Der „Hechtbrunnen“ in Teterow und das Reuterdenkmal in Stavenhagen sind einprägsame Arbeiten jener Zeit.


Denkmal für Fritz Reuter in Stavenhagen,
von Wilhelm Wandschneider
hier gefunden

Wilhelm Wandschneider hatte aber auch auf internationalen Ausstellungen großen Erfolg. Auf der Weltausstellung in St. Louis 1904 in den USA bekam sein „Coriolan“ eine Goldene Medaille.


Coriolan, Wilhelm Wandschneider (1904) hier gefunden

Nach dem I. Weltkrieg kamen schon allein auf Grund der wirtschaftlichen Lage schwere Zeiten auf fast alle Künstler zu. 1925 sah er sich denn auch gezwungen, sein Atelierhaus in Berlin zu verkaufen und, beinahe 60-jährig, nach Plau am See zurückzukehren. Hier wurden ihm besonders anläßlich seines 60. Geburtstages große Ehrungen zu Teil. In dem eigens gegründeten Wandschneider-Museum wurden zunächst 70 Gipsmodelle seiner Werke gezeigt.

Am 23. September 1942 fand sein schaffensreiches Leben ein stilles Ende.
Zu den bedeutenden erhaltenen Werken zählen außer den bereits genannten das Grabmal für Friedrich Franz III. von Mecklenburg im Helenen-Paulownen-Mausoleum Ludwigslust von 1900, die Marmorstatue „Jugend“ im Rathaus Dortmund von 1903, das kunsthistorisch herausragende Mausoleum der Familie Schlutius in Karow von 1911/1916, das Gefallenendenkmal der evangelischen Mariengemeinde in Parchim von 1922, zahlreiche Büsten, Medaillen und Statuetten, insbesondere aber eben auch das Epitaph auf Herbert von Bismarck, das er 1914 aus Anlaß des 10. Todestages des zweiten Fürsten Bismarck schuf.

Seit 1994 erinnert ein kleines liebevoll eingerichtetes Museum in Plau am See, Kirchplatz 3, wieder an den großen Sohn der Stadt, nachdem das 1926 gegründete im Jahre 1947 geschlossen worden war.

Thomas Roloff

Dienstag, 22. September 2009

Literarische Beobachtungen



Ich hatte heute das Vergnügen einer literarischen Veranstaltung, die wohl im Zusammenhang mit der Verleihung des Uwe-Johnson-Förderpreises an einen Herrn Pletzinger stand. 4 Bücher wurden vorgestellt und da dies der eine oder andere freundliche Mensch liest, will ich ein paar sparsame Sätze dazu loswerden, zumal ich in fast jedes der Bücher vorher mehr oder weniger kurz hineingeschaut hatte.

Da hätten wir zum ersten von Uwe Johnson „Das dritte Buch über Achim“, ich gestehe, genau dieses habe ich noch nicht gelesen, so sehr ich Johnson sonst schätze, aber da der sowieso längst im Literaten-Himmel weilt, ist das vielleicht nicht ganz so folgenreich.

Dann wäre da von Herta Müller: „Atemschaukel“. Ich fand dieses Buch offen gesagt bemerkenswert, aber ich fürchte, ich bin gegenwärtig in zu oberflächlicher Stimmung, um für dessen Lektüre geeignet zu sein. Es ist verdienstvoll, für das Grauen eine Sprache zu suchen, und ich glaube auch, daß ihr das gelungen ist, zu meiner Überraschung fanden einige das Ergebnis wohl eher kitschig. Aber wenn über das Grauen nur geschwiegen wird, was hat das dann noch mit Literatur zu tun. Vielleicht raffe ich mich demnächst noch zu profunderen Bemerkungen auf, aber in dieser und dieser Rezension sollte man etwas Sinnvolles zum Überleben in ukrainischen Arbeitslagern beschrieben finden.

Thomas Pletzinger: „Bestattung eines Hundes“. Der besagte Preisträger. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal ein Produkt solch überbordender Literaten-Eitelkeit gelesen hätte, ein Buch, das aus jeder Pore atmet, schaut mal, was ich alles kann. Nicht daß er das nicht selbst zugäbe, mit dem Debüt habe er sich beweisen wollen, „dass ich ein gutes Buch schreiben und Schriftsteller sein kann“. Aber diese Beschreibung eines erbarmenswürdigen Autoren, der mit seiner Chefin verheiratet ist, enthält erstaunliche Passagen, z. B. die atemberaubende Beschreibung eines Hahnenkampfes, exzellente Stücke von Literatur, aber im Gesamtkontext des Buches hat das alles doch mehr etwas vom Abfeuern eines Feuerwerks, im Moment eindrucksvoll, danach aber ist es dunkel und still, es riecht nur leicht merkwürdig.

Sybille Berg, „Der Mann schläft“. Kurz gesagt, eine Zynikerin versucht zur Abwechslung nicht in Larmoyanz zu baden (das tut sie immer noch reichlich), sondern zu lieben, ich rede vom Buch, damit es keine Mißverständnisse gibt, es wird darin nicht ganz deutlich, ob sie ihre Vorstellung von Liebe oder eine reale Person meint. Aber lassen wir das dahingestellt, denn offen gestanden, wäre dieser Mann als reale Person eher keine Zierde seines Geschlechts, sondern eine Zumutung. Ihre Gefühle jedenfalls wirken verstörend authentisch, lassen wir auch das aus subjektiver Willkür beiseite, mein Interesse, ich bekenne es, resultiert aus Sätzen wie solchen:

„Ich war auf der Straße gewesen, hatte in hoffnungslose Gesichter gesehen und mich einen Moment lang gefühlt, als sei ich wieder eine von ihnen, die doch so warteten, dass etwas eintreten werde, durch das sie sich endlich wieder lebendig fühlten.“

„Ich bin in mir nicht mehr vorhanden, ein Zustand, den ich nur empfehlen kann. Was soll das jahrelange Meditieren im tibetanischen Hochland, wenn sich der gleiche Effekt mit zwei Flaschen schlechtem Rotwein erzielen lässt?“

„Es gab Leute, die glaubten, wenn sie nur genug über das Universum nachdächten, würde das auch umgekehrt funktionieren.“

Sibylle Berg: „Der Mann schläft“. Roman. Hanser Verlag, München 2009. 308 S., geb., 19,90 €.

Montag, 21. September 2009

Herbst und Sarkasmus





Offen gestanden, hatte ich den heutigen Post eigentlich meiner Schwäche, auch mal schlafen zu müssen, opfern wollen, aber es gibt freundliche Menschen, die schicken einen mit dem Anlaß zu wahrlich homerischen Gelächter in den selbigen (kleines Rätsel, es ist derselbe, dessen Übersetzungskünste ich die beiden letzten Tage mißbraucht hatte). Also nach den herbstlich gestimmten Bildern folgt dann das Gelächter.







Do not walk behind me, for I may not lead. Do not walk ahead of me, for I may not follow.

Always remember that you're unique. Just like everyone else.

Never test the depth of the water with both feet.

Before you criticize someone, you should walk a mile in their shoes. That way, when you criticize them, you're a mile away and you have their shoes.

If at first you don't succeed, skydiving is probably not for you.

If you lend someone $20 and never see that person again, it was probably a wise investment.

Some days you're the bug; some days you're the windshield.

Everyone seems normal until you get to know them.

There are two theories to arguing with women. Neither one works.

Experience is something you don't get until just after you need it.

Sonntag, 20. September 2009

Preußische Momente


Wappen am Alten Rathaus, Potsdam
(c) nbwolf, hier zu finden

Theodor Fontane

Spätherbst

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern sind im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht, -
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh' Stille, Schnee und Winter kommt.


Late Autumn

Already the reds dot the leafy green,
the last mignonettes and asters are seen,
the grapes have been cut and the oats have been sold:
the fall has come, the year grows old.

And yet (though it's fall) the sun will still glow -
so throw out your sadness before it can grow!
Banish all sorrow and savour your life,
ere calm and winter snows arrive.

Übersetzung / Translation
von / by Walter A. Aue

Ich gestehe, ich war heute etwas versucht, meinem Hang zur Nachlässigkeit nachzugeben, aber dann erhielt ich einige wunderbare Bilder aus Potsdam, und da es zwei Namen gibt, an die ich schon erinnern sollte, und beide zudem zufällig mit Preußen zu tun haben, will ich es tun.

Das obige Bild zeigt, und jetzt hätte ich fast gesagt, das Potsdamer Stadtwappen, da gibt es nur einen Schönheitsfehler, das zeigt eigentlich den roten märkischen Adler auf goldenem Grund, während das preußische Wappen einen schwarzen Adler auf silbernem Grund darstellt. Nun, dieses Rätsel wird heute wohl ungelöst bleiben.

Theodor Fontane, auch heute noch der brandenburgische Leib- und Magendichter, starb am 20. September 1898, und der geborene Österreicher Aue wird mir hoffentlich nachsehen, solch preußischem Erinnern dienen zu müssen.

Der andere preußische Name hat eine starke mecklenburgische Beimischung, Cecilie Auguste Marie Herzogin zu Mecklenburg-Schwerin, die spätere Kronprinzessin Cecilie von Preußen, wurde am 20. September 1886 geboren. Über die letzte Kronprinzessin des Deutschen Reichs hat Herr Roloff eine beachtenswürdige Gedächtnisansprache gehalten, die wir an diesem Ort früher schon präsentiert haben, es sei also noch einmal an diese erinnert, zumal wir wenig hinzufügen hätten. Vielleicht, aber das wäre ein gesondertes Thema, das Nachdenken darüber, wie man es erträgt, wenn die Bestimmung der eigenen Existenz vollständig unerfüllt bleiben muß. Herr Roloff hat wie gesagt, dazu einiges beizutragen.

Samstag, 19. September 2009

Über Orte & Zeiten - Caspar David Friedrich & Rilke


Neubrandenburg im Morgennebel
hier gefunden

Rainer Maria Rilke

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.


Day in Autumn

Lord, it is time! Your summer's reign was grand.
Beshadow now the dials of your sun
and let your winds run rough across the land.

The latest fruits command to fill and shine:
For them, let two more warmer days arrive
to push them to perfection and to drive
the final sweetness in the heavy wine.

The man without a house will build no more,
the man without a mate will sole remain,
will wake, will read, write letters long with pain
and walk the boulevards, restless to the core,
where falling leaves are drifting with the rain.

Translation/ Übersetzung
by / von Walter A. Aue

Dies ist eines von Rilkes zu Tode geliebten Gedichten, vielleicht, weil es so einfach und nachvollziehbar wirkt, was es nicht ist. Prof. Aue, der diese Fassung übersetzt hat, muß es ähnlich empfunden haben und hat seinen Hals aus der Schlinge gezogen, indem er sich in die Demut rettete. Er hat Orte benannt, an denen sich ungezählte weitere Übersetzungen finden lassen. Und um sich dieser Demut irgendwie anzuschließen, sie finden sich hier und hier und hier.

Ich gebe zu, das klingt kryptisch, und will eigentlich nur andeuten, man wird hier heute keinen tiefschürfenden Deutungsversuch zu diesem Gedicht finden. In dem müßten etwa Worte auftauchen wie Lebensort, Leben nach der versäumten Entscheidung, Leben mit der verfehlten Erwartung, Leben in der nichterfüllten Zeit.

Abgesehen davon ist es wunderbar zu hören. Das Vergnügen am Lebendigen. Die leichte Erinnerung an Gott, sein fast gelungenes Werk zu vollenden. Was diesem nicht mißfallen haben kann, hat er doch den Menschen geschaffen, weil er ein Gegenüber brauchte, das ihn mit einer Antwort aus dem Alleinsein erlöst (die „Gottesebenbildlichkeit“ des Menschen hat viele Seiten)...

Und jetzt haben wir immer noch nichts zu diesem Bild gesagt. Kurioserweise stellt es den Ort dar, an dem ich gerade meine Tage zubringe. Nahezu. C. D. Friedrich hat ein Werk über die Heimatstadt seiner Großeltern gemalt, das diese Stadt merkbar näher an den Himmel heranrückt und vielleicht etwas der Erdenschwere entzieht. Neubrandenburg hat zwar Berge um sich herum, aber nicht diese Berge, und der Himmel des Bildes ist eher ein überirdischer.

Und um noch kurz bei den Details zu verweilen: Das heidnische Hünengrab verdeckt zwar dem Betrachter den Fortgang des Wegs, aber die Wanderer im Bild sind sich ihres Ziels sehr gewiß. So wird das Vorläufige zum Gleichnis des Ewigen und zu einem Anlaß der Übung, das Ewige zu erlernen. "Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort, dann aber von Angesicht zu Angesichte. Jetzt erkenne ich‘s stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin." Erster Brief des Paulus an die Korinther, 13. Kapitel, Vers 12. Bekannt? Gewiß.

Und wo ich gestern an Pink Floyd erinnert hatte, sollte ich wohl doch erwähnen, daß Richard Wright, der Schöpfer des nachfolgenden Stückes, vor wenig mehr als einem Jahr, am 15. September 2008 verstorben ist.


Freitag, 18. September 2009

Einige halbwache Freitagabend-Gedanken



Fast jeder, der gefühlte 100 Jahre alt ist, wird bei dem Namen „Charlie“ unweigerlich an diesen kleinen Gesprächsfetzen vom Album „The Division Bell“ von Pink Floyd, genauer vom Ende von „High Hopes“ denken:

Steve O'Rourke: “Hello?”
Charlie: “Yeah”
S: “Is that Charlie?”
C: “Yes.”
S: “Hello Charlie.”
C: (murmelt etwas und legt auf)
S: „Great!“ (legt auch auf).

Warum sollte das von Belang sein. Nun, als ich heute einem jungen Charlie versuchte zu erklären, warum ich bei seinem Namen immer eben daran denken müßte, sagte ihm Pink Floyd nichts, also wollen wir es ihm zeigen:



High Hopes

Beyond the horizon of the place
we lived when we were young
In a world of magnets and miracles
Our thoughts strayed constantly
and without boundary
The ringing of the division bell had begun.

Along the Long Road and on down the Causeway
Do they still meet there by the cut?

There was a ragged band
that followed in our footsteps
Running before time took our dreams away
Leaving the myriad small creatures
trying to tie us to the ground
To a life consumed by slow decay.

The grass was greener
The light was brighter
With friends surrounded
The nights of wonder.

Looking beyond the embers
of bridges glowing behind us
To a glimpse of how green it
was on the other side
Steps taken forwards
but sleepwalking back again
Dragged by the force of some inner tide.

At a higher altitude with flag unfurled
We reached the dizzy heights
of that dreamed of world.

Encumbered forever
by desire and ambition
There's a hunger
still unsatisfied
Our weary eyes still
stray to the horizon
Though down this road
we've been so many times.

The grass was greener
The light was brighter
The taste was sweeter
The nights of wonder
With friends surrounded.
The dawn mist glowing
The water flowing
The endless river.

Forever and ever.


Ich habe das 2. Stück dazugetan, weil es eine Ahnung davon gibt, wie grandios das Originalvideo ist. Und sogar zwei verschiedene deutsche Übersetzungen davon finden sich hier. Ich gestehe, daß ich beim Wiederhören des Textes mehr als einmal mühsam schlucken mußte, aber ich wollte diesmal gar nicht so ernsthaft werden (darum halte ich am Ende auch einen Kalauer bereit), und deshalb noch ein paar Bilder von einem beeindruckenden Ballonaufstieg, den ich heute verfolgen durfte, wobei ich ziemlich froh war, nicht in dem Korb sitzen zu müssen, der sich vom Erdboden einfach nicht losreißen mochte und an diesem irgendwie, ja wahrscheinlich, hing?







Nachtrag

Den Kalauer mußte ich leider gerade streichen, offensichtlich gab es kürzlich ein Ereignis dieser Art, das ist nun mal die Sorte Nachrichten, die ich im Grunde nicht verfolge, da bin ich wohl meinem eigenen Desinteresse zum Opfer gefallen, der Kommentator hat recht, wirkliche Geschmacklosigkeiten wollen wir hier nicht.

Donnerstag, 17. September 2009

Über Wasserleichen


"Ophelia", John Everett Millais
hier gefunden

Ein reichlich unpoetischer Titel, ich gestehe, dabei war es nur so, daß ich heute eine freundliche Unterhaltung hatte, über wen? Über Ophelia natürlich, manchmal sind erfundene Gestalten einfach weitaus ergiebiger als vorgeblich reale (es ging auch um die Vorbereitung einer literarischen Veranstaltung, das Thema dürfte also noch etwas andauern). Eine Gestalt inspiriert einen Maler, das entstandene Bild einen neuzeitlichen Musiker, ein Beweis? Bitte:


hier aufzufinden
mit einer interessanten Erläuterung hier

„Und daß er auf den Wassern, weiß, in ihren Schleiern,
Wie eine Lilie hat Ophelia treiben sehn!“

Aus einem Gedicht von Arthur Rimbaud, genauer, das Ende von „Ophelia (Ophélie)“, man sagt, Waterhouse hätte ihn dazu inspiriert, nun Waterhouse mag einen zu vielem inspirieren, er ist ein großartiger Maler.


'''Ophelia'', John William Waterhouse, 1889
hier gefunden

Es war aus einer Übersetzung von Helmut Bartuschek ("Der Gallische Hahn", Berlin 1957). Und ich muß gestehen, dies ist einer der Sätze, die sich lange meinem literarischen Gedächtnis eingebrannt haben. Aber folgen wir vollständig dieser Übersetzung:

Arthur Rimbaud

(übersetzt von Karl Klammer, 1907)


OPHELIA

I.
Auf stiller, dunkler Flut, im Widerschein der Sterne,
geschmiegt in ihre Schleier, schwimmt Ophelia bleich,
sehr langsam, einer großen weißen Lilie gleich.
Jagdrufe hört man aus dem Wald verklingen ferne.

Schon mehr als tausend Jahre sind es,
daß sie, ein bleich Phantom, die schwarze Flut hinzieht,
und mehr als tausend Jahre flüstert schon sein Lied
ihr sanfter Wahnsinn in den Hauch des Abendwindes.

Die Lüfte küssen ihre Brüste sacht und bauschen
zu Blüten ihre Schleier, die das Wasser wiegt.
Es weint das Schilf, das sich auf ihre Schulter biegt.
Die Weiden über ihrer hohen Stirne rauschen.

Im Schlummer einer Erle weckt sie hin und wieder
Ein Nest, aus dem ein kleines Flügelflattern schlägt.
Die Wasserrosen seufzen, wenn sie sie bewegt.
Ein Weiheklang fällt von den goldnen Sternen nieder.

II.
Ophelia, bleiche Jungfrau, wie der Schnee so schön,
die du, ein Kind noch, starbst in Wassers tiefem Grunde:
weil dir von rauher Freiheit ihre leise Kunde
die Stürme gaben, die von Norwegs Gletschern wehn.

Weil fremd ein Föhn, der dir die Haare peitschte, kam
Und Wundermär in deinen Träumersinn getragen;
weil in dem Seufzerlaut der Bäume und im Klagen
der Nacht dein Herz die Stimme der Natur vernahm.

Weil wie ein ungeheures Röcheln deinen Sinn,
den süßen Kindersinn, des Meeres Schrei gebrochen;
weil schön und bleich ein Prinz, der nicht ein Wort gesprochen,
im Mai, ein armer Narr, dir saß zu deinen Knien.

Von Liebe träumtest du, von Freiheit, Seligkeit;
du gingst in ihnen auf wie leichter Schnee im Feuer.
Dein Wort erwürgten deiner Träume Ungeheuer.
Dein blaues Auge löschte die Unendlichkeit.

III.
Nun sagt der Dichter, daß im Schoß der Nacht du bleich
die Blumen, die du pflücktest, suchst, in deine Schleier
gehüllt, dahinziehst auf dem dunklen, stillen Weiher,
im Schein der Sterne, einer großen Lilie gleich.

Ich wurde zurecht vermahnt, einen Link zum Original anzugeben, auch wenn ich leider kein Französisch kann, der wäre dann hier; und wo wir gerade bei Links sind, wir hätten dann noch einen Verweis zu Interessantem an diesem Ort und einen wirklich atemberaubend guten hier.

Letzterem habe ich auch zu verdanken, daß ich nunmehr weiß, daß selbst James Douglas Morrison, auch bekannt als Jim Morrison, ein Stück in dieser Tradition geschrieben hat. Man kann den Text hier finden.

Ich muß noch darüber nachdenken, was das Faszinierende ihrer Person ausmacht, vielleicht, daß jemand zwischen einem großen anderen und beschränkenden Zwängen zerbricht und sich in das unschuldige Grab der Kindheit zurückzieht, ich weiß es nicht, aber will sie wenigstens mit eigener Stimme zu Wort kommen lassen (William Shakespeare, Hamlet, IV, 5):

„Ich hoffe, alles wird gut gehn. Wir müssen geduldig sein; aber ich kann nicht anders als weinen, wenn ich denke, daß sie ihn in den kalten Boden gelegt haben. Mein Bruder soll davon wissen, und so dank ich euch für euren guten Rat. Komm, meine Kutsche! Gute Nacht, Damen, gute Nacht, süße Damen, gute Nacht, gute Nacht!“

„Er ist hin, er ist hin,
Und kein Leid bringt Gewinn;
Gott helf ihm ins Himmelreich!
Und allen Christenseelen! Darum bet ich! Gott sei mit euch.“

Mittwoch, 16. September 2009

Potsdamer Sentimentalitäten



Ich gestehe offen (wie gesteht man eigentlich unaufrichtig, immer diese Phrasen), daß ich mich ein wenig verzettelt habe, und zwar mehrfach, dabei gibt es heute 2 Themen, über die ich mich gern ausführlich ausgelassen hätte.

Da wäre zum ersten ein Blog, zu dem ich mich immer wieder einmal flüchte, wenn ich wundervolle Bilder aus Potsdam suche, um anschließend… (hier darf man gern ein paar sentimentale Worte einfügen, in denen u.a. das Wort „Kopfkissen“ auftauchen sollte, ich hänge nun mal an meiner selbstgewählten Heimatstadt). Also wenn jemand gut photographierte Sachen mag, bitte hier öfter vorbeischauen.

Und dann ist am 16. September 1753 Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, der Architekt Friedrich des Großen, gestorben. Das ist einer von den Architekten gewesen, die die Welt schöner gemacht haben. Manchmal sind die Dinge in dieser Weise simpel. Er hat u.a. das Potsdamer Stadtschloß umgestaltet, das gerade irgendwie wieder aufgebaut wird. Friedrich der Große hat nach dessen Tod diese Gedächtnisrede auf Knobelsdorff verfaßt, die, wenn sie auch nicht alles über beider Verhältnis aussagt, seine aufrichtige Wertschätzung ausdrückt, soweit Könige eben aufrichtig sein dürfen.


Dienstag, 15. September 2009

Über das Innehalten



Ich habe mich heute für mich selbst überraschend entschieden, meine Geschwätzigkeit für einen Tag verstummen zu lassen. Warum? Nun, zufällig fiel mir auf, daß ich dieses Bloggen genau seit 2 Jahren betreibe, Grund genug, einmal innezuhalten.

Montag, 14. September 2009

Über Schiffe



Wir hatten hier kürzlich eine kurze freundliche Konversation über eine meiner Kinderzeichnungen, die ich anläßlich des Sedan-Tags etwas launig präsentiert hatte, oben findet sich eine andere Wiedergabe davon und da dies öffentlich nachlesbar ist, bin ich wohl nicht indiskret.

Der hochgeschätzte Urs aus Zürich schrieb nämlich: „Ich wunderte mich etwas, welches Schiff du in der letzten Zeichnung porträtiert hast. Die Handelsflagge deutet auf ein ziviles Schiff. War es die Trägerin des Blauen Bandes "Kaiser Wilhelm II" oder doch etwa die wehrhaftere SMS Kaiser Wilhelm II?“

Meine Antwort: „Da die Anzahl der Schornsteine in beiden Fällen nicht stimmt, kann man es sich eigentlich aussuchen, gut ausgesehen haben sie beide, ich tendiere ja zu letzterem, aber dann müßte ich in eine Kinderzeichnung (ich schätze 8 Jahre) ein Eisernes Kreuz malen, wär wohl nicht ganz richtig…“

Ich muß dazu sagen, er ist Marineexperte, ich überhaupt nicht. Aber wo Herr Anton von den „Deutschen Schutzgebieten“ mir gerade erlaubt hat, seine Bilder (selbstredend mit Quellenangabe) jederzeit zu verwenden, will ich doch einfach einmal an zwei Schiffe erinnern, die lange als Schrott geendet sind, und, bevor ich das tue, gestehen, daß mich diese Geste ziemlich gerührt hat. Es ist absolut verdienstvoll, was er über das 2. Kaiserreich zusammengetragen hat und sehr souverän, wie er die professionellen Verdächtiger dabei von sich abstreift.

S.M.S. Kaiser Wilhelm II.
(c) Ralph Anton, www.deutsche-schutzgebiete.de

Das wäre also das wehrhaftere Schiff von den beiden: S.M.S. Kaiser Wilhelm II., getauft am 14. September 1897 vom Bruder des Kaisers, Prinz Heinrich in Wilhelmshaven. Die technischen Details, die ich sowieso nur gerade abgeschrieben hätte, möge man besser hier nachlesen. Da das Schiff bei Kriegsbeginn 1914 schon technisch veraltet war, kommt es nur wenig zum Einsatz und so bleibt ihm auch das Schicksal von Scapa Flow erspart, bis es 1921 in Hamburg abgewrackt wird.

German Steam Ship SS Kaiser Wilhelm II., later USS Agamemnon
18. August 1918
Head-Mayberry, US.Naval Historical Center

Und dies wäre dann also das Schiff mit weniger Kanonen und dafür mehr Schornsteinen, „SS Kaiser Wilhelm II., gebaut in der Werft AG Vulcan Stettin und an den Norddeutschen Lloyd Bremen im März 1903 geliefert. Auch hier meine Bitte, das Technische an diesem Ort nachzulesen.

Es diente als Passagierschiff auf der Strecke zwischen Deutschland und New York, gewann schon 1906 das „Blaue Band“ für die schnellste Atlantiküberquerung. Während einer dieser Routinefahrten wurde es vom Kriegsausbruch 1914 überrascht. Britischen Schiffen entkommend, wurde es nach der Ankunft in New York interniert und nach der amerikanischen Kriegserklärung an das Deutsche Reich am 6. April 1917 beschlagnahmt und zum Truppentransporter umfunktioniert unter dem Namen „USS Agamemnon“, 1919 wurde es stillgelegt aber einsatzfähig gehalten. Im Zweiten Weltkrieg kam es nicht mehr zum Einsatz, sondern wurde 1940 in Baltimore verschrottet.

„Habent sua fata libelli“ schreibt Terentianus Maurus (der damit eigentlich meint, daß ein Buch dem Verstand seines Lesers ausgeliefert ist), aber Schiffe auch.

Sonntag, 13. September 2009

Über das Göttliche - Caspar David Friedrich - 2 Bilder


Schwäne im Schilf
hier gefunden

Es ist vielleicht nicht gänzlich unangemessen, an einem Sonntag an das Göttliche zu erinnern. Jemand könnte einwenden, er sähe aber bloß Schwäne. Nun: „Das Göttliche ist überall, auch im Sandkorn, da habe ich es einmal im Schilfe dargestellt.“ Das sagte Friedrich selbst dazu.

Man sehe mir bitte nach, daß es heute nur einige sparsame Bemerkungen im Fortgang unserer kleinen C. D. Friedrich – Besichtigung gibt. Finden Sie mich denn auch so einförmig?“, fragte einmal Caspar David Friedrich den Dichter Friedrich de la Motte Fouqué, als dieser ihn im Atelier besuchte: „Man sagt, ich könne durchaus nichts malen als Mondschein, Abendrot, Morgenrot, Meer und Meeresstrand, Schneelandschaften, Kirchhöfe, wüste Heiden, Waldströme, Klippentäler und Ähnliches.“ Dieser revanchierte sich mit einem Sonett, in dem er über eben dieses Schilf von „kühn verschlungenen Domeshallen“ schrieb.

Vielleicht war Friedrich in diesem Moment seiner eigenen Bedeutungsschwere etwas überdrüssig geworden, weil er nie einfach nur flache Szenerien abmalen konnte, sondern mit seinen Landschaften immer zugleich etwas erzählen mußte über Verzweiflung und Vergänglichkeit, Vergebliches und Einsamkeit, Todeserwartung und Hoffnung auf Erlösung, weil er durch die Dinge hindurchsah, nein genauer, weil er in den Dingen keine Kulisse sah, sondern weil er wußte, daß die Dinge in einer Tiefe ruhen und aus ihr erwachsen, die uns zugänglich ist, die er zugänglich zu machen in der Lage ist.

Es gibt ja diese simplen Erklärungen, daß er halt ein wenig depressiv war, weil er als 13järiger mit ansehen mußte, wie sein Lieblingsbruder Christoffer ertrank, nachdem dieser ihn gerettet hatte. Natürlich ist derart Biographisches von der Art, mit der jemand sein Leben lang zu ringen hat. Man übersieht dabei, daß in all seinen leeren Landschaften, seinen totenstillen Winterstücken, seinen sterbensmelancholischen Herbstbildern das Göttliche anwesend ist.

So erinnert das Schilf an eine gotische Kirche, das unwirkliche Dickicht weist auf das Jenseitige, zu dem Schwänen eine besondere Beziehung nachgesagt wird, der Abendstern, der zugleich der Morgenstern ist, erscheint, über allem aber als letzter Fingerzeig der zunehmende Mond, ein Zeichen anwachsender Hoffnung.

Und während bei diesem Bild gewissermaßen die Natur zur Architektur wird, sinkt bei dem zweiten das von Menschen Gebaute längst wieder in die Natur zurück, es wohnt mit ihr im Einverständnis und schließt sich um den Sonnenuntergang wie ein Rahmen, der darauf hinweist, daß hier Bedeutendes vor sich geht, und gelehnt an diesen Rahmen sucht der Mensch, lauscht, schaut.


Klosterruine Oybin (Der Träumer)
hier gefunden

Samstag, 12. September 2009

Feuerbach, Mariä Namen und die Entsetzung Wiens


Anselm Feuerbach, Selbstporträt
hier gefunden

Ich fürchte, ich habe hier noch nie an Anselm Feuerbach erinnert, der übrigens am 12. September 1829 geboren wurde, und um ehrlich zu sein, habe ich mich mit ihm bisher auch nicht so ernsthaft beschäftigt, daß ich mich trauen dürfte, über ihn zu schreiben. Nur dieses Selbstbildnis hat sich mir früh eingeprägt, mit dem inneren Merkzeichen, der sieht äußerst interessant aus, da mußt du unbedingt genauer nachsehen, und so gehen die Jahre ins Land. Dabei war er ein wichtiger deutscher Maler, im Rang durchaus mit einem Arnold Böcklin vergleichbar, ich bekenne also meine Nachlässigkeit und gelobe Besserung, vielleicht habe ich bei nächster Gelegenheit etwas Profunderes vorzutragen, ich hoffe es zumindest.


Anselm Feuerbach. Gastmahl des Plato
hier gefunden

Ich glaube, es gibt eindrucksvollere Bilder Feuerbachs als gerade das zweite, aber ich wollte einen kleinen Kontrast zu einer anderen Bedeutung setzen, die der heutige Tag hat, denn die Kirche feiert heute das Fest „Mariä Namen“.


Banner des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation
hier gefunden

Erneut hatte sich die Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches dem türkisch-muselmanischen Feind zu erwehren, der Europa unter sein Joch zwingen wollte, doch in der Schlacht am Kahlenberg vom 12. 9. 1683 wurde dem christlichen Heer das Banner Mariens vorangetragen, es siegte und die Belagerung Wiens fand ein Ende.

Papst Innozenz XI. verlegte daraufhin dieses schon ältere Marienfest auf den heutigen Tag. Ich habe schon vor einem Jahr daran erinnert, auch daran, daß Papst Benedikt XVI. zufällig am 12. September 2006 an der Universität Regensburg seine „berüchtigte“ Vorlesung hielt, ich kann also beruhigt erneut auf mich selbst verweisen.

Und dann starb am 12. September 2003 Johnny Cash. Ich hätte gern das Video zu dem wunderbaren Lied „Hurt“ hier präsentiert, aber leider kann ich nur einladen, dem Link zu folgen. Zum Ende finden sich noch Bilder vom heutigen Garten, das Wetter wurde zum Ende hin eher trüb, so passen sie dann auch zu dem Song.



Freitag, 11. September 2009

Über die Anstrengung, über etwas nicht zu schreiben


World trade center new york city from hudson august 26 2000
hier gefunden

Dies wird einen Tag zu spät veröffentlicht, ich hatte gestern Abend anfangen und es dann aufgegeben, insofern fallen diese Bemerkungen aus dem Rahmen, ich will das nur kurz erklären, denn da es mich wirklich beschäftigte, konnte ich auch nicht über anderes schreiben. Es gab eigentlich keinen vernünftigen Grund zu erzählen, wie sehr der 11. September 2001 mich erschüttert hatte, ich weiß, daß es so war, auch wenn diese Erinnerung etwas unter dem Schutt des Nachfolgenden begraben liegt. Aber was wäre daran bemerkenswert?



Und zum anderen. Ich erinnere mich auch, wie es weltweit zu einer Art Zusammengehörigkeitsgefühl kam, das die USA sehr stark einschloß. Nun äußere ich mich über zeitgenössische Politik hier sowieso nur äußerst ungern, aber ich glaube noch heute, dieses hätte sich in anderer Weise zum Guten nutzen lassen, was aber folgte, war in meinen Augen u.a. zynische Machtpolitik in einer sehr abstoßenden Variante, und ich empfinde das als schmerzlich, da es genau diesem Üblen Auftrieb gab, das damals unübersehbar ans Tageslicht trat, genau in Rauch, Staub und Tod. Aber an so einem Tag über Politisches zu reden, hat etwas Entwürdigendes, finde ich, also habe ich auch das seinlassen.

Ich gehöre bestimmt nicht zu denen, die meinen, daß man so etwas wie diesen schlimmen islamistischen Terrorismus mit öligen Friedensgesängen bekämpfen kann, und schon, wie die Welt da seelenruhig zusah, als die Buddhas von Bamiyan zerstört wurden, hat mich geradezu rasend gemacht, aber manches Handeln stärkt das Böse eben auch, das es zu bekämpfen vorgibt. Wie gesagt, alles keine passenden Gedanken für den gestrigen Tag.