Als die Alliierten 3 Wochen vor Kriegsende noch eben Potsdam auslöschen wollten, traf es auch die „Alte Post“, einen der schönsten Barockbauten aus der Zeit Friedrich II. (1783 von Georg Christian Unger). Da die Außenmauern stehen blieben, hätte man wieder aufbauen können, aber man wollte nicht.
Das „Haus des Reisens“ zeigte an: Es gibt keine Geschichte, und es tat dies in bemerkenswerter Häßlichkeit, bis auf eine Skulptur, die ein wenig versöhnte und erhalten blieb (die Metallplastik „Flugschiff“ von Peter Rohn verwies auf die Funktion des Hauses, und sie hat überlebt, irgendwo).
Denn auch dieses Gebäude wurde abgerissen, glücklicherweise. Mysteriöserweise gibt es in Potsdam immer noch über die üblichen Parteigrenzen hinweg das Bemühen, die größten Deformierungen des Nachkriegsaufbaus zu heilen. Es kam also zu einem Neubau, nicht so:
Irgendjemand bei der Berliner Volksbank hatte wohl den Ehrgeiz, möglichst noch einiges an Rekonstruktion zu verhindern und mehr Moderne hineinzudrücken (natürlich nur verschwiemelt und nicht ehrlich erklärt, wie man hier nachlesen kann, oder hier). Egal. Man vergleiche einmal jenes mit diesem:
Da ist jetzt wenigstens Proportion, eine gefällige Fassade und eine Ahnung von Erinnerung. Nicht das pure Grausen der Leere wie zuvor.
Und da der Potsdamer Architekt Christian Wendland noch einiges des zur Vernichtung Vorgesehenen retten konnte, erheben sich wieder Skulpturen über dem Attikageschoß. Ursprünglich die damals bekannten vier Kontinente Europa, Asien Afrika und Amerika, sowie Merkur und Fama darstellend.
Letztlich ist dies eine tröstliche Geschichte. Wenn es doch nur zahlreiche mehr davon gäbe.
Kaiserin Auguste Viktoria, geborene Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, verstorben am 11. April 1921 im Haus Doorn, ist im Antikentempel von Sanssouci zu Potsdam begraben. Seit 1921 dient der Antikentempel als Grabstätte für Mitglieder des Hauses Hohenzollern.
Andacht zur Kranzniederlegung am Sarg von Kaiserin Auguste Viktoria am 11. April 2021
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Der Herr sei mit euch.
In ihrer Konfirmation war Auguste Viktoria unter das Wort gestellt worden: Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.
Wir hören und beten den 122. Psalm:
Ich freue mich über die, die mir sagten: Lasset uns ziehen zum Haus des Herrn!
Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem.
Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll,
wohin die Stämme hinaufziehen, die Stämme des Herrn, wie es geboten ist dem Volke Israel, zu preisen den Namen des Herrn.
Denn dort stehen die Throne zu Gericht, die Throne des Hauses Davids.
Wünschet Jerusalem Glück! Es möge wohl gehen denen, die dich lieben!
Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen!
Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen.
Um des Hauses des Herrn willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen.
Amen
Heute jährt sich zum 100. Mal das Sterben der letzten Kaiserin des Deutschen Reiches, der letzten Königin Preußens.
Sie war am 22. Oktober 1858, früh 7 ½ Uhr geboren worden:
Am 30. November wurde sie getauft.
Auguste Viktoria starb am 11. April 1921, einem Montag, kurz vor 6 Uhr früh.
Ihrer kaiserlichen und königlichen Würden ging sie damit endgültig verlustig. Die Krone des Lebens aber wissen wir auf ihrem Haupt, uns als Trost und Verheißung.
Amen
Wir wollen beten:
Allmächtiger Gott,
Du hast uns mit der verewigten Kaiserin eine Frau vor Augen gestellt, die uns mit ihrer Liebe zu dir ein Beispiel gegeben hat, von dem wir erzählen sollen, durch das wir ermutigt werden, in dem wir Hoffnung finden.
Ewiger Gott,
in dir findet unsere Zeit ihr Maß und ihr Ziel. Auf dich trauen wir und bitten für den Prinzen und die Prinzessin von Preußen und die ganze königliche Familie. Sie ist wie jede Familie, wie dein ganzes Volk, eine Gemeinschaft der Lebenden und der Toten, als solche mögen sie unserem Lande dienen.
Großer Gott,
hilf uns, dass wir in der Geschichte nicht eigenen Ruhm suchen, sondern dein Wirken erblicken. Schenke deinem Volk Einheit und Frieden und gib, dass wir untereinander gesinnt seien, wie Jesus Christus auch war: Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. In seinem Namen sollen sich alle derer Knie beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind und alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist.
Mit ihm und in Gemeinschaft der ganzen Kirche wollen wir beten:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme, dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.
Amen.
Sendung und Segen
Video von der Beisetzung 1921 in Potsdam, hier gefunden
Gedenkgottesdienstes zum 100. Todestag von Kaiserin Auguste Viktoria am Sonntag Quasimodogeniti 2021 in Potsdam
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Der Herr sei mit euch!
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.
1Petr 1,3
Unter diesem Vers feiern wir Gottesdienst an diesem österlichen Sonntag, der den schönen Namen Quasimodogeniti – gleichwie die neugeborenen Kindlein – trägt. In österlicher Freude gedenken wir auch des Sterbens Ihrer Majestät der Kaiserin Auguste Viktoria, das sich vor 100 Jahren ereignet hat. Die Kirche ist die Gemeinschaft der Lebenden und der Toten. Wir dürfen sie in unserer Mitte wissen, wenn wir singen, beten und unseren Glauben bekennen. Wenn wir als Christen für unsere Toten beten, dann dürfen wir gewiss sein, auch immer mit ihnen zu beten am Thron des auferstandenen Herrn. Ihn bitten wir:
Komm Du mit Deinem Segen. Stärke unsere Gemeinschaft mit Dir und untereinander.
Lass uns Zeugen Deiner Auferstehung sein. Du bist der Herr, Du bist das Heil. Du bist König und Gott in Ewigkeit. Amen.
Psalm 126
1 Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.
2 Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Heiden: Der HERR hat Großes an ihnen getan!
3 Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.
4 HERR, bringe wieder unsere Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland.
5 Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.
6 Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.
Ehr´ sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Allmächtiger Gott, der Du Deinen Sohn von den Toten auferweckt hast: Verleihe uns, dass auch wir, durch Deine Gnade wiedergeboren, in einem neuen Leben wandeln.
Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn / der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
1. Lesung
Da aber Samuel alt ward, setzte er seine Söhne zu Richtern über Israel. Sein erstgeborener Sohn hieß Joel und der andere Abia, und sie waren Richter zu Beer-Seba. Aber seine Söhne wandelten nicht in seinem Wege, sondern neigten sich zum Geiz und nahmen Geschenke und beugten das Recht. Da versammelten sich alle Ältesten in Israel und kamen gen Rama zu Samuel und sprachen zu ihm: Siehe, du bist alt geworden, und deine Söhne wandeln nicht in deinen Wegen; so setze nun einen König über uns, der uns richte, wie alle Heiden haben. Das gefiel Samuel übel, daß sie sagten: Gib uns einen König, der uns richte. Und Samuel betete vor dem HERRN. Der HERR aber sprach zu Samuel: Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, daß ich nicht soll König über sie sein. Sie tun dir, wie sie immer getan haben von dem Tage an, da ich sie aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag, und sie mich verlassen und andern Göttern gedient haben. So gehorche nun ihrer Stimme. Doch bezeuge ihnen und verkündige ihnen das Recht des Königs, der über sie herrschen wird.
1 Sam 8, 1-9
Halleluja
Alliance-Wappen der Kaiserin Auguste Victoria, hier gefunden
Schleswig-Holstein-Lied
Schleswig-Holstein, meerumschlungen,
deutscher Sitte hohe Wacht,
wahre treu, was schwer errungen,
bis ein schönrer Morgen tagt!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
wanke nicht, mein Vaterland
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
wanke nicht, mein Vaterland.
Teures Land, du Doppeleiche,
unter einer Krone Dach,
stehe fest und nimmer weiche,
wie der Feind auch dräuen mag!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
wanke nicht, mein Vaterland!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
wanke nicht, mein Vaterland!
Evangelium
Ehre sei Dir Herre!
Am Abend aber desselben ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den HERRN sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmet hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.
Thomas aber, der Zwölf einer, der da heißt Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den HERRN gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, will ich's nicht glauben. Und über acht Tage waren abermals seine Jünger drinnen und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Türen verschlossen waren, und tritt mitten ein und spricht: Friede sei mit euch! Darnach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein HERR und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thomas, glaubest du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus!
Die Kirche ist die Gemeinschaft der Lebenden und der Toten. Wo wäre dies offensichtlicher als hier? Dort, wo Gottesdienst gefeiert wird, da steht die Gemeinde immer am Sarg.
Einhundert Jahre nach dem Sterben der Kaiserin ist es an der Zeit, sich grundsätzlich darüber zu verständigen, was ihr und diesem Volk widerfahren ist. Das Sterben einer Kaiserin, einer Königin von Preußen, betrifft niemals nur sie allein, sondern alle Menschen, deren Königin sie gewesen ist.
Lesung und Evangelium, die wir gehört haben, sollen uns bei diesem Nachdenken helfen.
Beiden Texten ist es gemeinsam, dass Menschen sich oft schwertun mit den unsichtbaren Dingen. Wir wollen sehen und im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Thomas will sich nicht begnügen mit dem, was andere ihm erzählen. Er kommt nicht zurecht mit dem nun unsichtbaren Herrn. Er will seinen Finger in die Nägelmale und seine Hand in die Seite Jesu legen. Er will sich durch Berührung vergewissern.
Wir begegnen hier einem ganz menschlichen Drang. Darüber hinaus aber erleben wir, wieviel Verständnis der Herr mit dieser menschlichen Schwäche hat. Er kommt erneut. Er zeigt sich. Er lässt den Zweifler nicht im Zweifel vergehen.
Ganz ähnlich ist das, was uns bei Samuel erzählt wird. Die Menschen erleben Willkür und Korruption. Darum drängen sie ihre Ältesten, zu Samuel zu gehen und eine gründliche Reform für die Ordnung ihres Zusammenlebens zu verlangen.
Sie wollen einen König, der sichtbar auf dem Thron sitzt, vernehmlich zu ihnen spricht und nach Recht und Gesetz über sie richtet. Sie sind des Unsichtbaren überdrüssig, weil nur Schlechtes hervorgebracht wird. Sie wollen sich im Sichtbaren vergewissern.
Zwei Dinge aber sind ihnen vermutlich gar nicht bewusst. Mit diesem Drängen verwerfen sie Gott, der doch ihr wahrer und einziger König ist. Aber vor allem legen sie einem Menschen ein Amt und eine Bürde auf, die er allein nicht tragen kann.
Samuel erkennt das sofort und es gefällt ihm übel, wie es in unserer Geschichte heißt. Als er sich dann aber im Gebet an den Herrn wendet, da muss er erfahren, dass Gott barmherzig ist. So wie sich der Auferstandene mit den Malen der Folter am Körper zeigt, so gewährt der Herr seinem Volk ein irdisches unvollkommenes Königtum, weil es danach verlangt.
Das ist die Situation von Menschen, denen in dieser Welt das Amt eines Königtums auferlegt ist.
Auguste Viktoria hatte davon durchaus einen Begriff, als sie mit ihrer Hochzeit begann, auf den Thron zuzugehen.
„Soll´s uns hart ergehen, lass uns feste stehn,
Und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen.“
Wir wissen, dass dies unser Weg ist, so hat sie es am Tage vor ihrer Vermählung bekundet, und so haben es die Menschen auf dem Magdeburger Hauptbahnhof gesungen, als ihr Sarg ins Reich zurückkehrte.
Eine Königin, die der Krone gerecht werden will, muss größeres Gottvertrauen besitzen als andere Menschen, denn sie spiegelt seine Gegenwart in der Welt. Dadurch wird sie zu dem, was Friedrich von Hardenberg, der uns als Novalis geläufig ist, in der Sentenz zusammengefasst hat: „Ein wahrhaftes Königspaar ist für den ganzen Menschen, was eine Constitution für den bloßen Verstand ist.“
In diese Vorstellung passt es, das Königspaar als einen Teil jener uns heute fernen Poesie und Romantik des Staates zu sehen, von der auch wieder Novalis gehofft hat, dass sie dazu in der Lage wäre, die Wunden zu heilen, die der Verstand schlägt.
Die Gemeinschaft eines großen Volkes braucht einen verbindenden Glauben, die Bereitschaft zum Dienst und zur Pflichterfüllung und sie braucht Treue. Glaube, Dienst und Treue eines Volkes werden in ihrem Verhältnis zum Königspaar verwandelt. Sie bleiben keine kalten abstrakten Größen, sondern werden Ausdrucksformen einer konkreten Beziehung. Sie werden Ausdrucksformen der Liebe, ohne die menschliches Leben nicht denkbar ist.
Wir alle kennen den Verlauf unserer Geschichte. Es ist hier nicht der Ort, um alle ihre schmerzlichen, verhängnisvollen und auch grausamen Seiten wieder hervorzukehren. Eine Tatsache bleibt allein, dass jemand, der auf die höchste Höhe emporgehoben war, nun in die tiefste Tiefe hinabgestoßen wurde. Und selbst darin war nur ein Vorzeichen von all dem gegeben, was noch kommen sollte. Aus einem so vollständigen Treuebruch, aus dem Verwerfen jeder Tradition und der Aufgabe einer Kontinuität, die beinahe ein Jahrtausend getragen hatte, konnte nichts Gutes erwachsen. Und der Fortgang der Ereignisse hat dies dann nur bestätigt.
Ich will darum ein drittes Mal Novalis zitieren: „Ein einstürzender Thron ist, wie ein fallender Berg, der die Ebene zerschmettert und da ein todtes Meer hinterläßt, wo sonst ein fruchtbares Land und lustige Wohnstätte war.“
Wohl war den Menschen, als sie Auguste Viktoria 1921 unter gewaltiger Anteilnahme zu Grabe trugen, dies bereits eine schmerzliche, noch dunkle Ahnung. Das Zusammengehörigkeitsgefühl unseres Volkes krönte sich gleichsam selbst durch die Verehrung der Königin!
Das Sichtbare aber war nun vergangen und es mussten Trost und Hoffnung wieder allein in den unsichtbaren Gütern, nämlich in Gottes Verheißungen gesucht werden.
Jochen Klepper konnte noch dichten:
Noch leben Söhne fürstlicher Geschlechter,
Die du als Ordner unter uns gesandt.
Laß uns nicht ohne Mahner, ohne Wächter;
Gib Könige und Propheten allem Land.
Einhundert Jahre ist dies nun alles her. Geblieben sind scheinbar nur die Träger königlicher Namen. Es könnte nachdenklich machen, wie sehr diese unserer Gegenwart wieder zum Stein des Anstoßes geradezu zum Ärgernis werden.
Werdet daran nicht irre. Das mit dem königlichen Namen verbundene Amt liegt nämlich nicht in irgendeinem Vorrecht, sondern allein in der Pflicht gegenüber dem Volk. Hier besteht sie darin, zu bekunden, was eine Königin ist und mit Blick auf Auguste Viktoria zu bezeugen die Mutter, in ihrer Liebe, die Christin, in ihrem Glauben, die Kaiserin, in ihrer Treue und in allem ihren Glanz.
Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem auferstandenen Herrn. Amen
Christ ist erstanden
von der Marter alle.
Des solln wir alle froh sein;
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.
Wär er nicht erstanden,
so wär die Welt vergangen.
Seit dass er erstanden ist,
so lobn wir den Vater Jesu Christ´.
Kyrieleis.
Halleluja,
Halleluja,
Halleluja.
Des solln wir alle froh sein;
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.
Fürbitte & Vater unser
Wir wollen Fürbitte halten und zu Gott beten mit dem gemeinsamen Ruf: Herr, erbarme Dich!
Allmächtiger Gott, wir danken Dir für die Auferstehung Deines Sohnes, unseres Erlösers und bitten Dich, mache uns zu treuen Zeugen seines Sieges im Glauben an Dich.
Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.
Ewiger Gott, wir danken Dir für die Gemeinschaft der Heiligen. Durch sie bleiben wir verbunden mit allen Menschen und mit Deinen Wundern. Wir bitten Dich, stärke Deine Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit und schenke ihr nach Deinem Willen Einheit und Frieden.
Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.
Barmherziger Gott, wir danken Dir für das Leben von Auguste Viktoria. Du hast der Welt durch sie ein bleibendes Zeichen gegeben. Wir bitten Dich mit ihr für die königliche Familie. Segne den Prinzen und die Prinzessin von Preußen und schenke ihnen Glaube, Liebe und Hoffnung.
Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.
Gütiger Gott, wir danken Dir für Deine Gegenwart und bitten Dich um Segen und Frieden für unser Volk und für alle Völker, für unser Land und für alle Länder, denn Du hältst die ganze Welt in Händen und rufst Dein Volk aus allen Völkern.
Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.
In der Gemeinschaft mit der Gottesmutter Maria, mit der ganzen Kirche, und mit der verewigten Kaiserin beten wir, wie Christus uns zu beten gelehrt hat:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme, dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.
Amen.
Nun danket alle Gott
mit Herzen, Mund und Händen,
der große Dinge tut
an uns und allen Enden,
der uns von Mutterleib
und Kindesbeinen an
unzählig viel zu gut
bis hierher hat getan.
Der ewigreiche Gott
woll uns bei unserm Leben
ein immer fröhlich Herz
und edlen Frieden geben
und uns in seiner Gnad
erhalten fort und fort
und uns aus aller Not
erlösen hier und dort.
Lob, Ehr und Preis sei Gott
dem Vater und dem Sohne
und Gott dem Heilgen Geist
im höchsten Himmelsthrone,
ihm, dem dreiein’gen Gott,
wie es im Anfang war
und ist und bleiben wird
so jetzt und immerdar.
Sendung & Segen
Gehet hin im Frieden des Herrn!
Der HERR segne dich und behüte dich,
Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,
Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Ich merke, daß ich meinen recht größeren Beitrag über Potsdam, die Zeit & wie man ihr zu widerstehen vermag, die erwartbaren Themen eben, wohl nicht mehr die nächsten Minuten fertig bringen werde. Und bevor ich noch aus fehlgeleitetem Ehrgeiz etc. etc.
In der Residenz ist ja alles so fußläufig, wenn man da aus dem Bett fällt, landet man seinem Arzt vor den Füßen, und mit etwas Glück hatte man sowieso gerade einen Termin (und wird als Zugabe noch über das Sterbedatum unserer Königin Luise belehrt).
Ich wollte in meinem sonambulen Zustand eigentlich nur meine Zufriedenheit darüber aussprechen, ausgerechnet an diesen Gestaden gestrandet zu sein…
Aber den Anfang muß ich doch bringen, es ist sowieso nicht von mir und wer überhaupt, ist dieses „Ich“ eigentlich? Wir kennen es oft kaum…
"Kennen Sie die Geschichte von dem Japaner, der in Paris lebte? Es war Schnee, erster Schnee gefallen, solcher, der ganz weich auf allem liegenbleibt, jedes Ästchen in Kristall und Silber nacharbeitet. So etwas dauert nur ein paar Stunden, dann taut's weg, oder der Wind weht es herunter. Und der Japaner sagte sich, da werde ich ins Bois gehen: Vielleicht bekommt man davon noch etwas zu sehen. Aber es wird natürlich sehr voll sein, denn ganz Paris wird ins Bois strömen. Und der Japaner ging ins Bois und erfreute sich an den beschneiten Bäumen und Büschen, aber er traf keine Seele wegauf, wegab. Endlich kam ganz hinten ein kleines Männchen an, das immerfort stehenblieb und ganz entzückt um sich starrte. Und wie es näher kam, war's auch ein Japaner.“
Dieses stimmungsvolle Photo dort oben ist nur halbwegs mir zuzuschreiben:
An einem recht trüben Oktobertag (also genau dann, wenn man eher nicht photographieren sollte) des Jahres 2007 machte ich ein paar Zufallsbilder. Darauf stieß dann Arnold Gum aus San Diego, eigentlich Hawaii. Arnold ist einer meiner ältesten Blogbekannten. Leider postet er seine Orchideenbilder seit August 2016 auf FB, und dies ist nun ein noch schneller verwelkendes Medium als Blogger (dort kann man sich immerhin inzwischen stolz als Dinosaurier fühlen).
Von wegen „vergänglich“. Mein Profilbild dort war kürzlich verschwunden. Und da ein Abzug des Originals vor mir über dem Schreibtisch hängt, ist mir das alles so täglich vertraut, daß mir das Fehlen nicht sogleich auffiel. Die Suche gestaltete sich schwieriger als gedacht. Doch da half dieser hochgestimmte Eintrag von vor ziemlich genau 10 Jahren.
Ich hatte dieses Symbolbild der Gotischen Bibliothek als Zeugnis meiner nostalgischen Verbundenheit mit der anderen, größeren Residenzstadt gewählt. Und Arnold hat alles schön gemacht. u.a. indem er das rote Gärtnerauto verschwinden ließ.
Sie immer noch da, die Nostalgie, auch wenn sich unabweisbar ein paar Erinnerungsschichten darauf abgelagert haben.
Jetzt muß ich kurz zitieren:
„...könnten Sie mir mitteilen, was dieses Gebäude ist, und wo es steht? Trotz intensiver Suche konnte ich es nicht herausfinden…“
„Guten Abend, ja sehr gern, denn Ihre Frage erinnert mich an Potsdam, in dem ich lange mit Freuden gewohnt habe (zeitweise sogar ganz in der Nähe besagten Baus). Die „Gotische Bibliothek“ im Neuen Garten (1794) wurde für Friedrich Wilhelm II. erbaut. Wer von der Stadtseite her den Neuen Garten betritt, wird von diesem wundersamen und charaktervollen Bau begrüßt, der heute aber, außer mit seiner Schönheit, diese bezeugend, für nichts sonst weiter herhalten muß.“
Selbstzitate sind furchtbar. Zumal man sich angesichts solcher Zeugnisse immer stärker der eigenen Fremdheit bewußt wird. Gerade deswegen. Warum also gerade dieses Bild? Gründe:
Vertrautheit.
Eine Bibliothek ist eines der stärksten Symbole des Abendlands.
Das Gotische ist nahe am Transzendenten. Allerdings eher wesensfern vom Antikischen. Schinkel hat Brückenschläge versucht, etwa im Luisenmausoleum (weiteres hier, mehr unten).
Oder unser guter Buttel in den beschränkten Strelitzer Verhältnissen. Aber es ist ein interessanter Gedanke, der auf weitere Materialisation wartet. Wie auch immer.
Die Fundamente waren durch Kriegsfolgen weggerutscht, konnten aber stabilisiert werden. Der ganze Bau wurde in den 90ern aus den Originalteilen völlig neu aufgeführt. Auch das hat etwas.
Heute ist es ein ganz zweckfreier Ort mit berückender Aussicht...
Als ich in der FAZ einen etwas merkwürdig verkniffen wirkenden Artikel zum 50. Todestag von Sir Winston Leonard Spencer-Churchill (* 30. November 1874 in Woodstock - † 24. Januar 1965 in London) las, war mir schon beim Erkennen des Namens schlagartig klar, daß ich an diese Person schwerlich eine Zeile verschwenden würde.
Aber dann machte mich ein guter Freund auf diesen Artikel von Michael Klonovsky aufmerksam („Der Empire-Abwickler“), und ich kam aus dem innerlichen Kopfnicken gar nicht heraus. Ich will meine eigenen Worte hier ersparen; bei manchen Sujets vermag ich einfach nicht so diszipliniert zu sprechen, wie der Autor es vermag. Aber wenigstens darauf hinweisen, das wollte ich doch.
Die Bilder unten erinnern an sein „moral bombing“ von Potsdam, dem wenige Tage vor absehbarem Kriegsende ganz gezielt das Herz der Stadt zum Opfer fiel. Daß er mit seiner ihm ganz eigenen Moral und Charakterverfassung erheblich zum Untergang des britischen „Empire“ beigetragen hat, muß uns nicht unbedingt bekümmern. Daß es nur seinen Weg geben konnte, unseren „Führer“ aus Braunau zu stoppen, ist durchaus zweifelhaft.
Wie zeichnet Herr Klonovsky es so klar: „England war in den Krieg um der Freiheit Polens willen eingetreten, und Polen war an dessen Ende unfrei wie zuvor. Dasselbe galt für die Tschechei. Man hatte verhindern wollen, dass eine einzelne Macht mit einem blutrünstigen Diktator an der Spitze den Kontinent dominiert, und genau dies war eingetreten.“
Am Ende jedenfalls ist Europa derart in Randständigkeit und ungekannte Abhängigkeiten abgedriftet, daß wir die Heldenverehrung getrost den Briten überlassen wollen.
Wer als Wahl - Potsdamer den Namen „Ludwig Persius“ hört, bei dem stellt sich leicht ein (wahrscheinlich recht peinlich erscheinendes) seliges Grinsen ein, das etwas von dem haben dürfte, wo Kinder zu Weihnachten das Wort „Lebkuchen“ (oder was man heutzutage so sagt) hören. Denn man sieht sofort innerlich eine der speziellen Potsdamer „Turmvillen“, als deren Verursacher er gilt, und anderes auch. Es ist, als ob man einen Blick auf den rein guten Teil dieser Welt gewährt bekommt, und sich anschließend aufraffen muß, um „erwachsen“ weiter zu reden, und langweilig natürlich.
Der Sound von Potsdam ist ein Persius - Sound (zumindest zu sehr großen Teilen, und warum sollten wir eigentlich „erwachsen“ weiterschreiben), was verwunderlich ist, denn er hat die meisten Projekte von seinem Lehrer Schinkel übernommen oder sie ausgeführt und selten etwas vollendet, so daß die Nachfolger ihren finalen Stempel aufdrücken konnten, und dennoch.
Der Part mit der Ausführung gilt etwa für das „Schloß“ Charlottenhof (ein Traum - Ort übrigens), darum das Eingangsbild. Aber im Nachfolgenden, da ist er ganz er selbst (die Fertig - Stellenden zeigten Pietät), die Friedenskirche, eine Art Erinnerung an das frühe Christentum, die mit keinem Stein epigonal erscheint, sondern ganz, als läge das Mausoleum der Galla Placidia um die Ecke (wenn mich je der Schlag treffen sollte, dann bitte in den Kolonnaden dort rechts, denn dann wäre alles gut).
Zur Heilandskirche von Sacrow wäre wohl wenigstens zu sagen, daß sie von Potsdam aus wie ein nahezu mythischer Ort an dem sehr fernen jenseitigen Seeufer auftaucht (dieses Interview mit Herrn von Weizsäcker war zumindest interessant).
Ich weiß, daß dies kein seriöser Beitrag ist. Aber so geschieht es eben mitunter, man liest auf einmal wieder eine Menge, fühlt sich merkwürdigerweise vertraut, hängt seinen Gedanken nach, und will wenigstens ein paar Gedankenstriche davon dann doch mitteilen. Es gibt sehr viel ernsthafte Literatur über Persius, die durchaus auch anregend und beziehungsreich etc. etc. ist, aber sie vermochte mir nicht zu erklären, warum ich ihn mag, viel mehr, als dieses auszusagen, wollte ich eigentlich nicht, und immerhin das, dürfte mir gelungen sein.
Wer sich über Persius biographisch orientieren möchte, ist bei der „Allgemeinen Deutschen Biographie“ wohl am besten aufgehoben. Der Berliner Architekt Stefan Ludes hat übrigens zu der von ihm wieder aufgebaute Villa Jacobs u.a. geschrieben: „Es kann ohne ein klares Bekenntnis zum Erhalt unserer gebauten Kulturgeschichte keine originäre Zukunft der Gegenwartsarchitektur geben – auch wenn LeCorbusier noch immer als Schutzheiliger einer radikalen, aber eben auch zerstörerischen Moderne gefeiert wird.“ Das übrige kann man hier nachlesen.
Er ist in Potsdam - Bornstedt begraben (in einem früheren Leben habe ich mich gelegentlich damit getröstet, na, wenigstens wirst du wohl in Bornstedt zu liegen kommen), ich erwähne das nur, weil die „Familienstiftung Hofgärtner Hermann Sello“ ihm eine schöne Gedächtnisseite bereitet hat (der gehört auch dahin).
„So, nun schauen Sie einmal hier die Straße am Waisenhaus herunter – sie heißt zwar Lindenstraße, aber dieser Teil wenigstens ist ganz mit Rotdorn bepflanzt, der köstlich alt und knorrig geworden ist. Größer und höher, als er sonst bei uns wird. Sie blühn nicht alle gleich rot. Welche sind wie Blut, andere lichter wie Nelken. Und sie sind jetzt ein, zwei Wochen lang eine Köstlichkeit, zu der in Japan man wallfahren würde wie zur Kirschblüte. Kennen Sie die Geschichte von dem Japaner, der in Paris lebte? Es war Schnee, erster Schnee gefallen, solcher, der ganz weich auf allem liegenbleibt, jedes Ästchen in Kristall und Silber nacharbeitet. So etwas dauert nur ein paar Stunden, dann taut's weg, oder der Wind weht es herunter. Und der Japaner sagte sich, da werde ich ins Bois gehen: Vielleicht bekommt man davon noch etwas zu sehen. Aber es wird natürlich sehr voll sein, denn ganz Paris wird ins Bois strömen. Und der Japaner ging ins Bois und erfreute sich an den beschneiten Bäumen und Büschen, aber er traf keine Seele wegauf, wegab. Endlich kam ganz hinten ein kleines Männchen an, das immerfort stehenblieb und ganz entzückt um sich starrte. Und wie es näher kam, war's auch ein Japaner.“
Potsdam, Kuppel des Militärwaisenhauses, Nachlaß Max Baur, vor 1944, hier gefunden
„Die Fassade von Gontard ist prächtig. Vor allem der Mittelbau, der als letzte Bekrönung seine Kuppel in den Himmel hebt, die von acht hohen Säulen frei schwebend getragen wird, hoch, kühn und luftig zugleich, ehe da oben noch die goldene Göttin (für Potsdam müßte man fester in griechischer Mythologie sein, als man es ist) weithin winkend ihren Arm mit einem Lorbeer-oder Palmenzweig in die helle Luft hebt.“
(Nun, es ist die nicht ganz so griechisch mythologische „Caritas“ (MiB))
„Aber kommen Sie hier einmal in das Tor hinein, und Sie werden im Augenblick verstehen, warum wir vorhin noch nicht in die Gärten von Sanssouci hinübergegangen sind. Hier ist diese Treppenhalle mit der Durchfahrt, die innen den ganzen Mittelbau fast einnimmt; und sie ist die kühnste Raumvorstellung, die in Potsdam zur Architektur erstarrte.“
„Diese hohen, weißen, von Pilastern gegliederten, nach oben angeschnittenen Kuppeln, die sich übereinandertürmen, mit Stichkappen nach den Seiten sich öffnen, höher und höher steigen, in immer neuen und überraschenderen perspektivischen Verkürzungen von Stockwerk zu Stockwerk! Ganz weiß, ganz licht! Man hört ordentlich die Helligkeit darin summen, pointillistisch flirrend. Weiß in Weiß gelöst, wie auf Bildern von Hammershoi. Und dazwischen ziehn sich nun um die Treppengänge, an den Stichkappen entlang, über den Ausschnitten der Rundungen bis in die letze Höhe die schwarzen, schon empirehaften Eisengitter und niederen Geländer, die nur in ihrer Mitte mal eine reichere Erinnerung an das Linienspiel tragen, das das Rokoko auch einem so spröden Material wie Eisen zu geben wußte.
Jede Form ist hier von äußerster Sparsamkeit. Es gibt nur Grade und nur Rundungen, keine gebrochenen Linien. Und doch ist das Ganze mir so phantastisch wie ein Feenschloß. Oder besser, wie ein Saal im Schloß der Schneekönigin bei Andersen, wo die kleine Kare einsam sitzt und aus Eisstücken das Wort 'Ewigkeit' zusammensetzen muß. So groß, so weiß und sich in den Himmel übereinandertürmend muß der auch gewesen sein.“
Georg Hermann Spaziergang in Potsdam, 1926
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„... Geschichte bekommt doch wirklich erst Leben, wenn sie tot ist; und über Schlössern und Schloßhöfen muß Stille liegen, wenn die Menschen von einst durch ihre Kunst zu uns sprechen wollen.“ Der das schreibt, hat eines der großartigsten Bücher geschrieben, die über Potsdam geschrieben worden sind, ein eigentlich recht schmales (in meiner Ausgabe 100 Seiten und noch einmal die Hälfte hinzu), mitunter launenhaft und, ja, schludrig, mit dem Blick des kultivierten Besuchers, aber immer dem Gegenstand gewachsen, durch Einfühlung.
Er hat einen genauen, sympathisierenden Blick auf das, was da ist, aus welchen Intentionen heraus es immer geschaffen worden sein mag. Er kommt also als Fremder in das Biotop Potsdam, gewissermaßen. Er ist folglich fern davon, ein idealischer Preuße zu sein, der Berliner Erfolgsautor, was nichts mit seiner jüdischen Herkunft zu tun hat (die leidenschaftlichsten Bewunderer Fontanes waren Juden), ich wußte das übrigens die ganze Zeit meiner Lektüre überhaupt nicht, hatte nur hier und da Zitate aufgeschnappt und dunkel die Erinnerung eines oft gelobten Buches.
Wenn Menschen groß sind, erschaffen sie weit mehr, als ihnen dabei bewußt ist oder sein kann. Und mitunter ist es unersetzlich, etwas nicht zu wissen, weil ein erster unschuldiger Blick nie im Nachhinein rekonstruiert werden kann.
Wenn man eine Stadt wirklich in sein Inneres hat eintreten lassen, dann ist man parteiisch, natürlich, spürt jeden Verlust, freut sich über jede Heilung. Ist wütend, wenn die Vandalen in den Hallen Karthagos ihre Schweine wohnen ließen, um ein altes Klischee zu mißbrauchen. Und man spürt jede andere echte Zuneigung zum selben Gegenstand (ein Ort diesem Fall).
Potsdam ist aus einem bewußten (kenntnis- und kulturbewußten) Willen heraus entstanden. Dieser Wille wurde über Generationen, sich wandelnd, aber nie abreißend, weitergetragen (bis in das Elend des vergangenen Jahrhunderts). Das, was dort entstand, wurde überraschenderweise selten wirklich reflektiert (und was geschaffen wurde, ist wahrlich fern jeder Simplizität, und Hermann bemerkt dies sehr wohl). Dieser Autor hatte einen Anfang dazu gelegt und fühlte sich wohl zu recht wie der Japaner in Paris.
(Es ist wirklich ärgerlich, ich weiß völlig, wovon er spricht, und habe auch versucht, Bilder davon zu machen, wo immer sie jetzt stecken mögen, hoffentlich, daher der hilflose Einstieg)
Georg Hermann ist ein vergessener Autor, fürchte ich, hier und hier wird man "Ehrenrettungen" finden, und meine Erwähnung der jüdischen Herkunft hat einen einfachen Grund. Neugieriger geworden, suchte ich weiter und fand, er ist irgendwann um den 19. November 1943 in Auschwitz - Birkenau gestorben.
Es folgt der Text, verfertigt zwischen dem Abschluß der Essensvorbereitungen und dem Einnehmen besagten Gegenstandes (ich hatte heute Chorauftritt, ich hoffe doch sehr, unser Herrgott hat sich bei unserem Lobpreis nicht die Ohren zugehalten), aber dazu später. Ich wollte noch kurz ein paar Erläuterungen nachtragen. Ich war also in den Potsdam, habe den Teil alter Freunde getroffen, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt unter einen Hut bringen ließen (was übrigens ausgesprochen schwierig ist; sie büxen einfach ständig aus und behaupten, sie hätten gerade dann gar keine Zeit).
Die ersten beiden hastig aufgenommenen Bilder zeigen den Nachbau des Stadtschlosses, ein Gebäude, das dem Stadtbild doch erheblich gut tut. Darauf folgt etwas vom einem Stück Stadtkanal, das inzwischen wiederhergestellt wurde. Dann zweimal der Neue Markt. Und am Ende Bilder von unserer kleinen, aber dafür um so lauteren Gesellschaft, und zwar in beiderlei Bedeutung (erstens im Sinne von lautem, lebhaften, unbändigen, bisweilen fast meckerndem Lachen und zweitens im Sinne von lauterer Gesinnung, die alle fest verband; und es gab durchaus auch stille Momente).
Doch so privat sind wir üblicherweise hier ja nicht. Das letzte Bild, das ist in der Tat eine Geschichte für sich, und eine sehr unterhaltsame, aber die erzählen wir vielleicht später einmal.
Gelegentlich ist die Wirklichkeit doch zu wenig respektabel, als daß wir sie ernsthaft in Erwägung ziehen könnten. / Occasionally, the so called truth is not respectable enough to warrant serious consideration.
To those who unfortunately don‘t understand German
It’s a pity German is not that known how it should be. Surprisingly some people read this blog and more surprisingly, some of them have an English tongue. But this is a German blog. I’ve tried to deal with this problem. If you are interested in German poetry there are translations listed in the column to the right above. And you can find a very kind introduction of this blog here from a gentleman who called himself “naturgesetz”.
I thought there is enough nonsense at this place without a translation tool, I can’t really recommend one, a blogger whose blog I “adore” wrote me once: “I looked at your blog: too bad the translation programs don't work well. On the other hand, they translate the German into something that sounds very poetic, even if it doesn't quite make sense.” Forgive me for stealing your words.
For all that try to use Babelfish.
And I thought by myself, why you shouldn’t give your readers a reason for a good laughter (because my English is not that good), so I guess I will make a short summary in the comment area in the future, to comment your own blog is indeed ridiculous, so enjoy it. Oh and if you like, correct me.
eine Begründung dieser Zumutung findet sich hier auch
Anmerkungen
Über "Cottage lake at night" & anderes
Sollte jemand Ansprüche auf eines der hier vorzufindenden Photos oder aus einem der zitierten Texte erheben wollen, bitte ich um eine Nachricht an