Mittwoch, 24. Juni 2026

Johannis

 El Greco, St. Johannes der Täufer und St. Johannes der Evangelist, zw. 1600 und 1610, von hier

Heute ist Johannis, der Tag, an dem seit dem 5. Jahrhundert die Kirche der Geburt Johannes des Täufers gedenkt. Der Grund dafür steht im Zusammenhang mit der Sommersonnenwende. Anlaß ist ein Täuferspruch im Blick auf  den kommenden Christus: „Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.“ (Johannesevangelium 3,30).

Wie kam man auf das Datum, denn es ist in den Evangelien nur indirekt bezeugt. Nun im Evangelium des Lukas erfahren wir, daß Elisabeth, die Mutter des Johannes, bereits im sechsten Monat schwanger war, als Maria, der Mutter Jesu, die Geburt Ihres Kindes angekündigt wird. Daraus schloß man, daß Johannes  der Täufer sechs Monate älter war als Jesus. Und so legte man den 24. Juni als Geburtstermin des Johannes fest, ein halbes Jahr vor Heiligabend.

Jemand mag einwenden. Das stimmt doch wieder einmal nicht. Die Sommersonnenwende liegt, jedenfalls auf der nördlichen Erdhälfte, doch zwischen dem 20. und 22. Juni. Ja heute! In der Antike, die Geschichte ist ja nun schon etwas länger her, lag sie zwischen dem 22. und 24. Juni. Die  Wintersonnenwende entsprechend hin zum 25. Dezember. Und danach richtet sich das Kirchenjahr, das auch schon etwas länger im Gebrauch ist. 

Ich mag das jetzt nicht theologisch vertiefen. Wem das fehlt, sollte unbedingt diese Predigt lesen, die Herr Roloff am 24. Juni 2018 gehalten hat. 

Aber wer war überhaupt Johannes der Täufer? Ein Bußprediger in der Wüste, ein Asket und Weltverächter. „Johannes aber war bekleidet mit Kamelhaaren und mit einem ledernen Gürtel um seine Lenden, und aß Heuschrecken und wilden Honig.“ (Lukas 1,6)

Er gilt als der letzte Prophet und hatte überraschenderweise eine beträchtliche Anhängerschaft. Man eilte zu ihm, um sich die Sünden vergeben zu lassen. 

Nur als kleinen Einschub: Merkwürdigerweise haben sich sowohl Caravaggio (gut, bei dem wundert einen eigentlich nichts), aber auch Leonardo da Vinci zu Bildern eines sehr jugendlich, sagen wir romantischen Täufers veranlaßt gesehen, vielleicht wollten sie da der Tradition ihre eigenen, anderen Intentionen etwas entgegensetzen. 

Johannes der Täufer wurde wohl 5 v. Chr. geboren und erlitt das Martyrium in Machaerus um 30, jedenfalls vor 36 n. Chr., gar so jugendlich war er da jedenfalls nicht mehr.

Michelangelo Merisi da Caravaggio, Johannes der Täufer in der Wüste. zw. etwa 1604 und 1606, von hier

Leonardo da Vinci, Johannes der Täufer, von 1513 bis 1516, hier gefunden

Wenn man sich ein reales Bild machen will. Er dürfte komplett gegensätzlich ausgesehen haben. Recht schroff und ziemlich unromantisch. Also mehr so:

Johannes der Täufer in der Wüste, Gemälde des Berner Nelkenmeisters, um 1490, von hier

Aber zurück zu ihm selbst und seinem Leben: Er entstammte einer Priesterfamilie, und schon seine Geburt hatte etwas legenden- oder sagen wir besser zeichenhaftes. Elisabeth, seine Mutter war hochbetagt und unfruchtbar, man kann sich heute nur schwer vorstellen, was das für einen antiken Menschen bedeutete. Sein Vater  Zacharias, der doch Priester war, dürfte deshalb jahrzehntelang Gott angefleht haben.

Bei Lukas ist dies alles schön erzählt, also wollen wir den Anfang der Geschichte wortwörtlich bringen (Lukas 1, 5-17):

„Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, war ein Priester von der Ordnung Abia, mit Namen Zacharias, und sein Weib war von den Töchtern Aarons, welche hieß Elisabeth.  Sie waren aber alle beide fromm vor Gott und wandelten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig.  Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar, und waren beide wohl betagt.

Und es begab sich, da er des Priesteramtes pflegte vor Gott zur Zeit seiner Ordnung, nach Gewohnheit des Priestertums, und an ihm war, daß er räuchern sollte, ging er in den Tempel des Herrn. Und die ganze Menge des Volks war draußen und betete unter der Stunde des Räucherns.

Es erschien ihm aber der Engel des Herrn und stand zur rechten Hand am Räucheraltar. Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und es kam ihn eine Furcht an. Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! denn dein Gebet ist erhört, und dein Weib Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, des Namen sollst du Johannes heißen. Und du wirst des Freude und Wonne haben, und viele werden sich seiner Geburt freuen.

Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird noch im Mutterleibe erfüllt werden mit dem heiligen Geist. Und er wird der Kinder Israel viele zu Gott, ihrem Herrn, bekehren. Und er wird vor ihm her gehen im Geist und Kraft des Elia, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungläubigen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein bereitet Volk.“

Zacharias der Priester glaubt dem Engel des Herrn nicht. Und wird als Strafe mit Stummheit geschlagen. Das Kind wird geboren und soll am achten Tag beschnitten werden, die Verwandten wollen ihn nach seinem Vater Zacharias nennen. Die Mutter widerspricht und will, daß er Johannes heiße. Der Name ist in der Verwandtschaft ungebräuchlich und sie fragen daher seinen stummen Vater, der fordert eine Tafel und schreibt darauf: ‚Er heißt Johannes‘ (hebräisch Johanan bedeutet "der Herr ist gnädig").

Im selben Augenblick fällt die Stummheit von ihm und er stimmt das später berühmte Benedictus an.

Giovanni Pierluigi da Palestrina: Benedictus Dominus Deus Israel, von hier

„Gelobet sei der Herr, der Gott Israels! denn er hat besucht und erlöst sein Volk  und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils in dem Hause seines Dieners David, wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund des Propheten:

daß er uns errettete von unseren Feinden und von der Hand aller, die uns hassen, und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, daß wir, erlöst aus der Hand unserer Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist.

Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Du wirst vor dem Herrn her gehen, daß du seinen Weg bereitest und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk, das da ist in Vergebung ihrer Sünden; durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, durch welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe, auf daß er erscheine denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.“

Lukas 1, 68 - 79

Benedictus (Gregorian Chant in Latin) - CANTICLE OF ZECHARIAH, 

von hier

Christus und Johannes der Täufer

Christus und Johannes der Täufer waren in den Augen der Zeitgenossen sicherlich beide Propheten, von einem Konkurrenzverhältnis, und sei es bei den Anhängern, ist nichts überliefert. Im Gegenteil, Christus läßt sich von Johannes taufen, obwohl dieser das zunächst als unangemessen zurückweist. 

Kuppel des Baptisteriums der Arianer in Ravenna, von hier

Baptisteriums der Arianer in Ravenna, von hier

Obwohl ihr Lebensstil gänzlich verschieden war, predigen sie doch beide von der Buße und dem kommenden Reich Gottes. Johannes war sich seines Vorläufertums bewußt. Die nachfolgende Erzählung deutet aber an, daß er sich wohl fragte, ob Christus wirklich der verheißene Messias sei. Inzwischen wurde Johannes gefangen genommen und aus dem Gefängnis erteilt er den folgenden Auftrag:

„Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johannes wieder, was ihr sehet und höret: die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, der sich nicht an mir ärgert.

Da die hingingen, fing Jesus an, zu reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her bewegt?

Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern.

Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: ‚Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.‘“

„Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis hierher leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, die reißen es an sich.“

Wem soll ich aber dies Geschlecht vergleichen? Es ist den Kindlein gleich, die an dem Markt sitzen und rufen gegen ihre Gesellen und sprechen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben euch geklagt, und ihr wolltet nicht weinen.

Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht; so sagen sie: Er hat den Teufel. Des Menschen Sohn ist gekommen, ißt und trinkt; so sagen sie: Siehe, wie ist der Mensch ein Fresser und ein Weinsäufer, der Zöllner und der Sünder Geselle!“

Matthäus 11, 2 – 10, 12, 16 - 19a

Michelangelo Merisi da Caravaggio, Die Enthauptung Johannes des Täufers, 1608, von hier

Der Tod des Johannes

Jetzt erfahren wir, warum Johannes der Täufer im Gefängnis war, und auch von seinem drastischen Ende:

„Er aber, Herodes, hatte ausgesandt und Johannes gegriffen und ins Gefängnis gelegt um der Herodias willen, seines Bruders Philippus Weib; denn er hatte sie gefreit. Johannes aber sprach zu Herodes: Es ist nicht recht, daß du deines Bruders Weib habest.

Herodias aber stellte ihm nach und wollte ihn töten, und konnte nicht. Herodes aber fürchtete Johannes; denn er wußte, daß er ein frommer und heiliger Mann war; und verwahrte ihn und gehorchte ihm in vielen Sachen und hörte ihn gern.

Und es kam ein gelegener Tag, daß Herodes auf seinen Jahrestag ein Abendmahl gab den Obersten und Hauptleuten und Vornehmsten in Galiläa. Da trat hinein die Tochter der Herodias und tanzte, und gefiel wohl dem Herodes und denen die am Tisch saßen. Da sprach der König zu dem Mägdlein: Bitte von mir, was du willst, ich will dir's geben. Und er schwur ihr einen Eid: Was du wirst von mir bitten, will ich dir geben, bis an die Hälfte meines Königreiches.

Sie ging hinaus und sprach zu ihrer Mutter: Was soll ich bitten? Die sprach: Das Haupt Johannes des Täufers. Und sie ging alsbald hinein mit Eile zum König, bat und sprach: Ich will, daß du mir gebest jetzt zur Stunde auf einer Schüssel das Haupt Johannes des Täufers.

Der König war betrübt; doch um des Eides willen und derer, die am Tisch saßen, wollte er sie nicht lassen eine Fehlbitte tun. Und alsbald schickte hin der König den Henker und hieß sein Haupt herbringen. Der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis und trug her sein Haupt auf einer Schüssel und gab's dem Mägdlein, und das Mägdlein gab's ihrer Mutter.“

Markus 6, 17-28

Michelangelo Merisi da Caravaggio, Salome mit dem Kopf Johannes des Täufers, etwa 1610, von hier

Mit diesem Gruselbild wollen wir denn doch nicht enden. Darum folgen noch 2 aus dem Baptisterium der Arianer in Ravenna.

Nachleben

Wer annimmt, damit sei die Gestalt Johannes des Täufers doch recht erledigt, irrt. Ausgerechnet mit dieser recht sperrigen Gestalt haben sich reiche Brauchtümer verbunden. Das mag mit dem besonderen Datum der Sonnenwende zusammenhängen, gewissermaßen wurden sie christlich getauft. Für den heidnischen Ursprung ist Stonehenge in England wohl das berühmteste Symbol.

Stonehenge - Wiltonia sive Comitatus Wiltoniensis; Anglice Wilshire (Atlas van Loon), eine Beschreibung aus dem 17. Jahrhundert, von hier

Stonehenge von Norden, hier gefunden

Zu diesen heidnischen Wurzeln mögen Reinigungs- und Schutzrituale passen wie das, in der Nacht vor dem Johannestag in Flüssen oder Seen zu baden.  Oder das Johannesfeuer in der Johannesnacht vor dem Johannestag, da scheint das Sonnenwendfeuer doch deutlich durch. Man tanzt um das Feuer oder springt gar darüber hinweg. Vom Sprung glaubte man, er würde Unheil überwinden und von Krankheit reinigen. Und die Wirkung wäre am größten, wenn alle gemeinsam um das Feuer tanzten. 

Nun im nachfolgenden Beispiel wäre das Springen wohl eher eine übermenschliche Leistung. Allenfalls von Hexen, Zauberern und ähnlichem Gelichter zu schaffen, aber dagegen soll es ja gerade gehen.

Apropos Hexen. Anderenorts werden auch noch Hexen verbrannt, als Strohpuppe. So hier beim dänischen Sankt-Hans-Fest.

Man kann das viele Feuer aber auch so deuten, daß Johannes der Täufer Zeugnis ablegte für das wahre Licht der Welt. (Johannes 1, 6-9)

Und noch einmal etwas Magie - Der Johannestag als Lostag. Die Nacht zum Johannestag diente zur Wetterprognose. Bei gutem Wetter sei weiterhin dasselbige für die kommenden Wochen und eine gute Ernte zu erwarten.  

(c) Klaus Lorenz

Auch das Johanniskraut war für Abwehrzauber gut. Kränze daraus über Türen und Fenster sollten vor Dämonen und bösen Geistern schützen oder man warf sie über die Häuser, um sich vor Unwetter und Hagel zu schützen.

Warum die Johannisbeere so heißt, mag an das blutige Ende des Täufers erinnern.

Beim  Johannisbrotbaum aber fehlt mir jede Erklärung. Seine Samenkörner haben wohl ein ziemlich  konstantes Durchschnittsgewicht von rund 200 Milligramm. In der Antike wog man mit ihnen daher Diamanten. Davon das Wort Karat als ein Lehnwort des französischen le carat, welches vom italienischen carato herrührt und letztlich aus dem griechischen kerátion („Hörnchen“, da die Fruchthülse des Johannisbrotbaumes hörnchenförmig ist) stammt.

Bei so vielen Beziehungen zum Namen eines jüdischen Propheten, der vor gut 2000 Jahren einen gruseligen Tod starb, mag einem recht schwindelig werden, aber es ist auch ein guter Hinweis darauf, in welchem Geflecht von Traditionen und Bedeutungen wir heute leben.

nachgetragen am 28. Juni

Sonntag, 14. Juni 2026

Bismarck-Familientreffen auf Gut Welle & eine Predigt

Bismarcks Wappen, von hier

Herr Roloff war aus besagtem Anlaß gebeten worden, einen Gottesdienst in der Gutskapelle zu Welle zu halten. Er hat diese Aufgabe gern übernommen. Und im Nachfolgenden bringe ich die Predigt, die er dabei gehalten hat.

Zuvor noch eine Anmerkung zum obigen Wappen. Als Otto von Bismarck 1865 in den erblichen Grafenstand erhoben wurde, fügte er dem alten Bismarckschen Familienwappen - ein dreiblättriges Kleeblatt, umgeben von drei Eichenblättern - einen Wappenspruch hinzu:

IN TRINITATE ROBUR – „In der Kraft der Dreieinigkeit “. Das Motto spielt zwar auf die Dreiheit des Wappenbildes und auf das Eichenmotiv an, geht aber zweifelsohne darüber hinaus. Lateinisch „robur“ bedeutet „Kraft, Härte, Stärke, Festigkeit“ und meinte ursprünglich das „Hartholz“, besonders die Eiche. 

Also begrüßte er vor der Predigt die versammelte Gemeinde mit den Worten: „Der Leit- und Wappenspruch der Familie Bismarck ist „In Trinitate Robur“. Und deshalb ist die Trinitatiszeit in gewisser Weise immer auch Bismarckzeit.

Predigt zum 2. Sonntag nach Trinitatis in der Gutskirche Welle

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Der Predigttext ist das Evangelium des heutigen Tages:

Das große Abendmahl 

15Da aber solches hörte einer, der mit zu Tische saß, sprach er zu ihm: Selig ist, der das Brot ißt im Reiche Gottes.16Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu.17Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommt, denn es ist alles bereit! 18Und sie fingen an, alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 19Und der andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 20Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen. 21Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein. 22Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. 23Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, auf das mein Haus voll werde. 24Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen waren mein Abendmahl schmecken wird. Amen

Lk 14, 15-24

Liebe Gemeinde,

es ist zwar bereits Jahrzehnte her und dennoch bleibt mir eine Erinnerung ungewöhnlich präsent, die genau mit diesem Text zu tun hat. Ich stand damals im Begriff, meinen 30. Geburtstag vorzubereiten. Ich hatte einen Ort ausgewählt. Das Fest sollte in der Wasserburg in Gommern stattfinden. Ich hatte einen befreundeten Pfarrer gebeten, uns zuvor in der St. Thomas-Kirche von Pretzien eine kleine Andacht zu halten. Ich hatte eine Gästeliste verfasst und, dieser gemäß, die Einladungen gefertigt, die ich an einem Novembertag zur Post brachte. 

Damals war es mir zur Gewohnheit geworden, abends gelegentlich die Messe in St. Sebastian zu hören. Ich ging also von der Post das kurze Stück zur Kirche, nahm Platz und es wurde diese Geschichte gelesen. Der Priester forderte uns auf, uns vorzustellen, wir hätten ein Fest vorbereitet, viele Gäste eingeladen und niemand kommt!

Dadurch habe ich mir ein besonderes Verhältnis zu dieser Geschichte bewahrt und muss an die kleine Begebenheit denken, sooft ich vom Großen Abendmahl höre.

Warum lädt man zu einem Fest ein? Ein wahres Fest wird von der Gewissheit getragen, dass es dem Gastgeber darum geht, den Gästen eine Freude zu bereiten indem er sie um sich versammelt und miteinander in Gemeinschaft bringt. 

Das Fest im biblischen Zusammenhang ist aber zugleich immer auch noch ein Bild von unserer ewigen Gemeinschaft mit Gott. Wir sind mit der ganzen Schöpfung von Gott ausgegangen und sollen zu einer durch ihn bestimmten Stunde zurückkehren. Gott ruft, er lädt ein und wir kommen. Sein Abendmahl bedeutet immer Heimkehr.

In unserer Geschichte fingen sie alle an, sich nacheinander zu entschuldigen. Sie haben einen Acker oder Ochsen gekauft oder eben ein Weib genommen und sind zu dem Schluss gelangt, dass die Erledigung dieser Angelegenheiten wichtiger ist als das Große Abendmahl des Herrn. Das ist eine Beschreibung davon, wie man sich ganz im Diesseitigen verlieren kann. Das ist eine Beschreibung von dem, was wir heute gemeinhin Säkularisierung nennen. Der Mensch steht immer wieder in der Versuchung, sich den Dingen der Schöpfung ganz hinzugeben und dabei den Schöpfer zu vergessen, manchmal sogar zu leugnen.

Genau darin nun wird das Abendmahl zum Gericht. Es ist der Entschluss der Eingeladenen, nicht zu erscheinen, denn damit richten sie sich.

Der Mensch richtet sich selbst, indem er Gott nicht folgt. So einfach ist es manchmal, den Heilsplan und mit ihm das innerste Prinzip der Schöpfung zu verstehen. Gottes Wille und Entschluss, alles zu einem guten Ende zu führen, steht unverrückbar fest und weil Gott Gott ist, wird es dieses gute Ende und sein großes Abendmahl auch geben. Das Gericht besteht allein darin, ob es mit uns oder ohne uns stattfindet.

Fast gerät man in die Versuchung, Mitleid mit dem Hausherrn zu bekommen. Im Hausherrn wird uns aber Gott vor Augen gestellt. Er sendet seinen Knecht aus und sorgt dafür, dass sein Haus voll wird und dass das Fest stattfinden kann.

Dieses Thema durchzieht die ganze Heilige Schrift. Die Erwählten lassen ihre Chance verstreichen und Gott ruft die, denen das Fest scheinbar nicht bestimmt gewesen ist.

Wir sollen dadurch gewahr werden, dass die Zugehörigkeit zum erwählten Volk, dass die Zugehörigkeit zur Kirche nichts bedeuten, wenn sie nur formal bestehen und nicht mit lebendigem Gehorsam gefüllt werden. Die Zugehörigkeit zum erwählten Volk, die Zugehörigkeit zur Kirche sind kein Privileg, sondern eine Verpflichtung zum Gehorsam. So wie der Adel auch.

Und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben Abraham zum Vater.

Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Gott kann sich aus Steinen ein neues Volk rufen, denn er will und wird sein großes Abendmahl feiern.

Sagt darum auch nicht, wir gehören der Kirche an, uns kann nichts widerfahren. Die Zugehörigkeit zur Kirche ersetzt nicht den Gehorsam, ersetzt nicht das Hören auf Gott. Die Zugehörigkeit zur Kirche schafft sich erst durch den Gehorsam und sie geht verloren im Ungehorsam.

Gottes Wort ist mächtig. Mit seinem Wort schuf Gott alles, was ist. Das Nichts vermochte nicht, ihm zu widerstehen.

Der Mensch erst konnte sich Gott widersetzen durch den Ungehorsam. Darum sandte Gott seinen Sohn, um zurückzurufen, was in die Irre gegangen war. Maria ist die Gnade zuteilgeworden, Mutter des Erlösers zu sein. Das Wunder wurde gewirkt, im Moment ihres Gehorsams, als sie zum Engel auf dessen Verkündigung sprach: Mir geschehe, wie du es gesagt hast.

Dieser kurze und demütige Satz ist die Antwort auf das Schöpfungsgeschehen. Er fasst die Unterwerfung unter Gottes Willen, die zur höchsten Ehre und zur Freiheit eines ganz und gar erfüllten Lebens führt. Marias „mir geschehe“ ist die Antwort auf Gottes Ruf „es werde“. Maria wird in den Gehorsam gerufen und sie bekundet ihren Gehorsam.

Gleiches richtet sich an jeden von uns in der Einladung zum Großen Abendmahl. Es hängt allein an unserer Antwort, ob es mit uns stattfindet oder ob unsere Welt vergeht. So sehr wir versuchen, uns an einen Acker, an ein paar Rinder oder an das Glück einer Beziehung zu hängen, alles das wird den Untergang unserer Welt nicht abwenden. Es wird aber keinesfalls dazu führen, dass Gottes großes Abendmahl nicht stattfindet. Gottes Heilsplan ist unabänderlich. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes. Dies soll verkündet werden aller Welt und jedem Menschen.

Darum sollen wir nicht in Zweifel verfallen und uns an irdische Dinge binden. Auch wenn vieles davon gut und nützlich ist, sollen wir es doch aus der Hand legen, wenn der Ruf an uns ergeht.

Bindet euch also nicht an irdische Dinge. Vielmehr sollen wir in jedem Augenblick unseres Lebens bereit sein, Gott zu hören, der uns ruft. Immer klingt in dieser Einladung naturgemäß an, dass es eine letzte Stunde gibt, in der wir bereit sein müssen. Wir sollen an Gottes Tisch treten, an dem uns sein Thron allerdings zum Richtstuhl werden kann, wenn wir meinen, etwas gefunden zu haben, was wichtiger, größer und bedeutsamer ist, als er.

Die Fragestellung, die hier ergeht, ist aber keineswegs nur für das Ende unseres Lebens relevant. Sie bringt uns in Erinnerung, dass wir an jedem Tag gerufen werden, in den Dienst genommen und in seine Gemeinschaft gestellt werden können.

Gott ruft zum Abendmahl. Lasst uns ihm fröhlich und dankbar antworten: Ja, Herr, hier bin ich!

Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unseren Herrn.

Amen.

Thomas Roloff

Der Familienfriedhof der Bismarcks auf Gut Welle.



nachgetragen am 15. Juni

Samstag, 13. Juni 2026

Über Schmetterlinge


Es braucht ein ganzes Leben, um Erwachsen zu werden, und wenn wir Glück haben, enden wir dann nicht als Schmetterlinge. So schön sie auch sind.

Diese Bemerkung ist nichts, als um einen Vorwand zu haben, einige Bilder zu bringen, die ein Bekannter namens Klaus Lorenz kürzlich teilte. Ich hoffe, er nimmt es mir nicht übel.








nachgetragen am 14. Juni