Samstag, 31. Dezember 2011

Silvester


Jean-Baptiste Lully "Le Triomphe de l'Amour: Prelude de la nuit”
hier gefunden

Es gibt bekanntlich mindestens 2 Varianten, auf den letzten Abend des Jahres zu reagieren, nun ich weiß auch, daß wesentlich mehr existieren, ich spreche nur von den subtilen. Da wäre also einmal die nachdenkliche. Aber an Nachdenklichem bekomme ich heute nicht mehr viel zustande, das wäre doch zu sehr gestellt. Außerdem bin ich eingeladen, habe also wenig Zeit. Und dazu paßt dann tatsächlich eher diese glanzvolle Musik mit ihrer perfekten Oberfläche, mit der unsere französischen Nachbarn vor etwas mehr als 300 Jahren beeindruckten, es folgt daher jetzt überwiegend Lully et cetera.


Jean-Baptiste Lully "Le Triomphe de l'Amour: (Ouverture)”
hier gefunden



Jean-Baptiste Lully “Les Folies d'Espagne”
hier gefunden



Jean-Baptiste Lully „Marche pour la cérémonie des Turcs“



Georg Friedrich Händel – „Rinaldo: Battaglia“
hier gefunden

Nun zugegeben, Händel ist manchmal nicht unähnlich, so als Beispiel, nur daß in diesem Fall Jerusalem durch die Christen erobert wird (die Franzosen hatten ja immer so ihre situativen Vorlieben, aber das ist alles lange her). Ach so, der Rinaldo ist eine meiner Lieblingsopern, daher habe ich auch ganz schnell hier fest die Augen zugekniffen und nur der Musik zugehört (es ist eine Schlachtszene).

Wir enden moderater, vorher noch meine besten Wünsche an alle, die hier mitunter hineinschauen, ich weiß, es war in letzter Zeit etwas dürftig *seufz – wir werden zukünftig sehen, also:

Aus tiefstem Herzen
alles Gute
für das gerade herankommende Neue Jahr!


Paul's Steeple, The Division-Violin
hier gefunden

Dienstag, 27. Dezember 2011

Dies & Das &

poorly translated


*Grr ich kann meine Kathleen Ferrier CD nicht finden, wo mir doch den ganzen Abend ohne erkennbaren Grund ihre Interpretation des obenstehenden Liedes im Kopf herumging, das erstaunlicherweise nicht von Bach ist. Aber Frau Aafje Heynis singt es auch ganz wunderbar. Eigentlich wollte ich noch 2 andere Dinge erwähnen, aber die habe ich irgendwie wieder vergessen. Ach, eines fällt mir ein, meine Frau Mutter erzählte mir, daß sich auf ihrem Dorf die Nachbarn immer beschwerten, daß ihre Waschmaschinen so schnell kaputt gingen. Auf Nachfrage ergab sich, sie hatten üblicherweise ihre Kartoffeln darin gewaschen (und die wurden so schön sauber!). *Hm.

Bist du bei mir, geh ich mit Freuden
zum Sterben und zu meiner Ruh.
Ach, wie vergnügt wär so mein Ende,
es drückten deine schönen Hände
mir die getreuen Augen zu!


*grr I can’t find my Kathleen Ferrier CD, when for the whole evening, for no apparent reason, her interpretation of the above song was going around in my head in circles, that is surprisingly not by Bach. But Mrs. Aafje Heynis also sings it wonderfully (look at here too please). Actually, I wanted to mention two other things, but I have somehow forgotten it. Oh wait, one I remember now, my mother told me her village neighbors often complained, that their washing machines went broken so quickly. After asking a bit it came out, they usually washed their potatoes in it (they became so beautifully clean!). Hm.

When thou art near, I go with joy
To death and to my rest.
O how pleasant would my end be,
If your fair hands
Would close my faithful eyes.

Montag, 26. Dezember 2011

Weihnachten II


Ursprünglich wollte ich nur Bilder unseres endlich hinreichend verkitschten (woran ich selbst hauptsächlich schuld bin) Weihnachtsbaums anbringen.


Aber das war mir dann doch zu banal, also bringe ich noch 3 Stücke von Johann Sebastian Bach, alle in der Interpretation Helmuth Rillings, der unbestritten einer derjenigen ist, denen es gelingt, auch an die geistige Tiefe Bach’ scher Musik heranzuführen und sie förmlich meditierend auszudeuten.


Das letzte Stück hat zwar vor allem mit dem Erzengel Michael und kaum mit Weihnachten zu tun, und auch das mittlere korrespondiert eher von der Stimmung her damit. Aber anfangen wollen wir doch mit dem unvermeidlichen Weihnachts-Oratorium. Es ist der Beginn der Nr. 5, anschließend wird der Evangelist dann erzählen: „Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande zur Zeit des Königes Herodis, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenlande gen Jerusalem…“.



Weihnachts-Oratorium (BWV 248/5)
Chor

Ehre sei dir, Gott, gesungen,
Dir sei Lob und Dank bereit.
Dich erhebet alle Welt,
Weil dir unser Wohl gefällt,
Weil anheut
Unser aller Wunsch gelungen,
Weil uns dein Segen so herrlich erfreut.



O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe (BWV 34)
Chor

O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe,
Entzünde die Herzen und weihe sie ein.
Laß himmlische Flammen durchdringen und wallen,
Wir wünschen, o Höchster, dein Tempel zu sein,
Ach, laß dir die Seelen im Glauben gefallen.



Es erhub sich ein Streit (BWV 19)
Aria (Tenor)

Bleibt, ihr Engel, bleibt bei mir!
Führet mich auf beiden Seiten,
Daß mein Fuß nicht möge gleiten!
Aber lernt mich auch allhier
Euer großes Heilig singen
Und dem Höchsten Dank zu singen!

Sonntag, 25. Dezember 2011

Weihnachten I


Nun, da der 1. Weihnachtstag gerade dahingeschieden ist, wenigstens ein kurzer Bericht von der so obligatorischen wie gefürchteten Ente. Gefürchtet, weil es doch eine sehr „gehaltvolle“ Angelegenheit wird, solange man sich halbwegs an ein traditionelles Rezept hält, da mag man soviel Fett abschöpfen, wie man will. Und anschließend fängt man dann an, um seinen Verstand zu kämpfen, wenn man doch wieder mehr gegessen hat als man eigentlich wollte, da es ärgerlicherweise dann doch geschmeckt hatte, und das hatte es.


Also in Kürze – die Ente wurde gefüllt mit Zwiebeln und Boskoop-Äpfeln und im Ofen geschmort, sie mag auf den Bildern etwas sehr dunkel aussehen, aber das täuscht, sie war überhaupt nicht verbrannt. Dazu gab es Apfelrotkohl, also Rotkohl mit Äpfeln (wieder Boskoop, wir haben noch zu viele auf dem Boden davon) und Zwiebeln zusammen gekocht (auf abgeschöpftem Entenschmalz), mit ein paar getrockneten Wacholderbeeren, zwei Lorbeerblättern, Piment und Nelken (gemahlen), etwas Zucker und Salz. Der Geschmack war leicht herbsüßsauer, aber recht überzeugend, nur wie gesagt, alles eben auch reichlich fett…


Samstag, 24. Dezember 2011

Heilig Abend II

poorly translated

Weihnachten ist das Erscheinen Gottes in einem Kind, erschienen ist uns die Menschenfreundlichkeit Gottes. Während wir gerade dem Hl. Vater zuhören, wie er die Heilige Nacht in Rom feiert (er wirkt angeschlagen, der Herr stehe ihm bei), fällt langsam die Starre und Fremdheit von uns, die uns befiehl, als wir dem vorig erwähnten Ereignis beiwohnten. Doch genug davon. Das dort oben ist unser vorläufiger Weihnachtsbaum, er muß noch ein wenig überladen werden.


Und wir hatten wieder einmal Lachs auf einem Bett aus Wurzelgemüse, abgelöscht mit Weißwein (Mohrrüben, Zwiebeln, Sellerie und Porree wurden angedünstet und dann der gesalzene und gepfefferte Lachs zusammen mit Thymian, Oregano und Dill im Ofen geschmort). Ich bitte um Nachsicht für mein vermeintliches Schweigen in dieser Woche, wir waren wohl etwas müde. Aber Weihnachten hilft offensichtlich.

Also wünsche ich allen, die hier hineinstolpern, eine

gesegnete Weihnacht.


Christmas is the appearance of God in a child, the kindness of God appeared to us (“the kindness and love of God our Saviour toward man appeared”). While we just listen to the Holy Father as he celebrates the Holy Night in Rome (he doesn’t look that well, our Lord safe him!), the numbness and strangeness leaves which came over us when we attended the previous mentioned event (only in German, sorry). But enough of that.

This is our not really complete Christmas tree up there, it has still to be a little more overdone decorated. And once again we had salmon (carrots, onions, celery and leeks were sautéed, and then the salmon with salt and pepper braised with thyme, oregano and dill in the oven) on a bed of root vegetables, deglazed with white wine. I apologize for my supposed silence this week, we were probably a little tired. But Christmas helps obviously. So I wish you a

Merry Christmas. God bless you all!

Heilig Abend I


Herr Roloff hat am heutigen Heiligen Abend diese Predigt gehalten, die ich nicht vorenthalten will. Ich selbst habe auf Wunsch meiner Frau Mutter mit ihr eine „Ökumenische Christvesper“ besucht, die in der ehemaligen St. Marienkirche, der jetzigen „Konzertkirche“ stattfand. Wir waren uns ausnahmsweise einmal einig, nämlich darin, daß dies ein singuläres Ereignis bleiben dürfte. Immerhin hat mich das „Programmheft“ an die wunderbaren Mosaiken gemahnt, die in der Hagia Sophia zu finden sind.


Predigt zum Hl. Abend 2011


Jes 9, 1-11


Die Gnade und der Frieden des Kindes in der Krippe seien mit Euch allen!

Liebe Gemeinde,

eine der messianischen Weissagungen, die wir vorhin gehört haben, soll im Zentrum dieser Predigt stehen. Jesaja hat uns das Wort überliefert, und seit der Geburt Christi wissen wir, dass sich in ihm eine Ahnung auf den Erlöser der Welt ausgesprochen hat: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“

1. Drei mögliche Deutungen treten hier bereits zueinander und lassen uns die Größe der Verheißung erahnen. Es wird das Volk, und mit ihm auch wir, als verirrte Gemeinschaft begriffen, die vom Untergang bedroht ist und keinen Ausweg mehr findet. Das aufgegangene Licht weist ihm aber nun einen neuen Weg. Es lässt wieder Hoffnung werden, wenn man dem Licht jetzt nur treu folgt. Wem fielen in diesem Zusammenhang nicht die Geschichten vom durch die Wüsten des Sinai irrenden Israel ein, und wem käme nicht der Stern von Bethlehem in den Sinn?

2. Noch dramatischer wird die Verheißung in ihrem zweiten Teil: „Über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“ Das finstere Land, das Schattenland bezeichnet nichts anderes als das tiefe Tal des Todes. Hier bei Jesaja keimt im Glauben erstmals eine Hoffnung darauf auf, dass unser Leben mit dem Tod nicht besiegt ist. Dem Tode wird seine Endgültigkeit abgesprochen, und er wird zu einem Warten auf das neue Licht, das die Kraft hat, sogar in das Totenreich zu scheinen. Darum ruft die Kirche ihren Toten nach: Herr, lasse sie ruhen im Frieden, und das ewige Licht leuchte ihnen.

3. Die dritte Deutung hängt allein an dem Worte „groß“. Es ist nicht irgendein Licht, es ist das große Licht, das da aufgeht über unserer Welt, und uns wird die Gnade zuteil, es zu sehen. Das Volk, das dem Tode verfallen ist, das doch nichts als den Tod zu erwarten hätte, dieses Volk sieht nun ein großes Licht. Das Volk sieht das aufgegangene Licht, es ist nicht selbst das Licht. Das Volk erhofft und erwartet die Erlösung, es vollbringt sie aber nicht aus eigener Kraft. Das Volk schaut und empfängt, ganz ohne selbst etwas geben zu können.


Liebe Gemeinde,
es gehört zum zauberhaften Charakter dieses Festes, dass es uns zu Beschenkten macht. Die Redner auf den Kanzeln haben es sich vielerorts zur Gewohnheit werden lassen, den Konsumrausch dieser Tage zu geißeln. In der Tat liegt eine Gefahr darin, sich selbst zu sehr in der Rolle des Schenkenden zu gefallen. Dort aber, wo Ihr alle in dieser Nacht zu Beschenkten werdet und Euch daran erinnern lasst, dass alles, was wir uns geben können ein Abglanz dessen ist, was uns als Menschen an diesem Heiligen Abend geworden ist, da ergeht Euch ruhig in grenzenloser Freude. „Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude.“ Es soll überschwänglich zugehen, als würde man Beute austeilen, denn so beschreibt es auch Jesaja.

Wir sind Wesen, die in dieser Nacht alles empfangen, was uns wirklich notwendig ist. Wir empfangen, was die Not abwendet. Aber wir wenden sie nicht selbst ab. Wir werden erlöst, aber wir erlösen uns nicht selbst. Wir werden gerettet, aber wir retten uns nicht selbst.

Das ist die Auseinandersetzung, die von Weihnachten, vom Geburtsfest Jesu, her zu allen Zeiten geführt wurde. Glaubt nicht den Vielen, die in allen Zeiten behauptet haben, nur sie könnten die Welt, und die Menschheit retten. In irgendeiner Form sind sie am Ende alle gescheitert, nachdem sie eine kleine Zeit ihre im Rückblick immer eher peinlichen ideologischen Diktaturen aufrecht erhalten konnten. Ist Ihnen einmal aufgefallen, wie grotesk und geradezu lächerlich die Herrschaft der Weltenretter nach wenigen Jahren meistens gewirkt hat? Oft gilt das, beklemmender Weise, sogar dann, wenn sie durch unvorstellbare Schrecken überschattet ist.

Wie wird man aber in dieser Hinsicht auf unsere Zeit blicken?

„Ich bin davon überzeugt, dass das Wohlergehen der Menschheit heutzutage nicht vom Staat und der Welt der Politik abhängt; der wirkliche Kampf wird in der Welt des Denkens ausgefochten, wo mit großer Zähigkeit eine todbringende Attacke gegen den größten Schatz der Menschheit geführt wird, den Glauben an Gott und das Evangelium Christi.“

Diese Sätze eines der bedeutendsten englischen Staatsmänner des 19. Jahrhundert gelten ganz offensichtlich unvermindert fort.

Warum ist es so entscheidend für den Menschen, dass er an Gott glaubt?

Es ist darum so entscheidend, weil nur dieser Glaube dem Menschen sein Menschsein bewahrt. Gibt der Mensch den Glauben auf, dann muss er sich notwendiger Weise selbst zum Gott machen, um in der Welt bestehen zu können. Er bleibt dann nicht mehr ein Teil von Gottes guter Schöpfung, sondern stellt sich ihr selbstmächtig gegenüber und behauptet von seinem Handeln im Guten wie im Bösen hinge nun alles ab. Zunächst will er dann natürlich immer ausschließlich das reine Gute. Dieser Mensch muss an den Fortschritt glauben, um den Menschen zu versichern, dass sie das Universum verändern können und es schaffen werden, es nach Maßgabe ihrer Vorstellungen zu gestalten. Dieses wird ihm dann aber immer schnell, weil es nur noch seinen eigenen Maßstäben unterworfen ist, zum Grauen.

Wir haben es doch alle im eigenen Leben erfahren, es mit eigenen Augen gesehen. Menschen wollten selbst das Paradies aufrichten und bereiteten einander die Hölle, aus der sie sich dann wiederum selbst zu befreien suchen. Eine Vorstellung von der Selbsterlösung wird in immer rascherer Folge von der nur noch leicht variierten nächsten abgelöst. Das Ende ist immer Zerstörung.

Der ernste Glaube an Gott kann vor diesem Wahn bewahren. Der glaubende Mensch ist immer daran gehindert, in sich selbst die letzte Instanz und das verbindliche Maß zu sehen. Der glaubende Mensch weiß sich immer als ein Gebundener, der gerade darin vor Gott Freiheit findet.

Und warum glauben wir als Christen nun an den Mensch gewordenen Gott?


Diese Frage zielt auf das eigentliche und tiefste Geheimnis der Weihnacht. Es offenbart sich in diesem Geschehen ein Gott, dessen Name schon in frühester Zeit etwas angedeutet hat von seinem Wesen: „Ich bin, der ich sein werde“. So sprach Gott am Dornbusch schon zu Moses, dem großen Glaubenszeugen. Hier wird etwas von dem enthüllt, was das Sein selbst ausmacht. Das Sein ist nicht ein abgeschlossenes oder gar verschlossenes Faktum, sondern es ist ein suchendes Sein, das auch im „noch nicht sein“ besteht. Vielleicht ist hier aber auch bereits die unvorstellbare Tatsache angedeutet, dass Gott vor aller Zeit beschlossen hatte, dem Menschen, seinem Geschöpf, in der Weise zu begegnen, dass er selbst in seinem Sohn Mensch würde. Er schenkt sich als Mensch dem Menschen. Wir dürfen ihm begegnen, und gerade darin wird uns die Rettung zuteil, die wir selbst eben nicht vollbringen können.

Das alles dürfen wir glauben, weil es den Vätern offenbart wurde und von der Kirche bewahrt worden ist. Dieser Glaube an den Mensch gewordenen Gott kann den glaubenden Menschen vom Grunde her verwandeln. Er ist nicht mehr darauf angewiesen atemlos einen scheinbaren Fortschritt herbeizuführen und zu propagieren, sondern er sichert sich den Fortbestand seiner Gemeinschaft mit Gott. Das Verhalten so verschiedener Menschen lässt sich nun vergleichen dem einen, der ein Guthaben hemmungslos ausbeutet, nur um sich selbst täglich neu zu beweisen, dass er lebt, und dem anderen, der eine Kostbarkeit wie ein Heiligtum bewahrt und sie weitergibt an die Generationen, die noch kommen werden. Die Gemeinschaft mit Gott ist der große Schatz, aus dem heraus wir leben.

So lasst euch den verkünden: „Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunderbar-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er´s stärke und schütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth.“

Nehmt das Kind in Euer Leben auf, denn dazu ist es in dieser Nacht zur Welt geboren.

Amen

Der Friede dieses Kindes komme über Euch und bleibe bei Euch in dieser Nacht und alle Zeit.

Amen
Thomas Roloff

Sonntag, 18. Dezember 2011

4. Advent &

roughly translated

Ja, jetzt habe ich die selbst auferlegten Fesseln etwas sehr überdehnt, also nun erst der nachgetragene Sonntagsbericht. Da angeblich das Geflügel bei einem örtlichen Händler besonders gut sei sollte (war es), hatte ich also ein Stück Hähnchenbrust (eigentlich nur ein Hähnchen ohne Keulen und Flügel) und eine Putenbrust käuflich erworben, wollte dann aber beides zwar getrennt, aber doch bei gleicher Gelegenheit zubereiten.


Die Bilder sind gruselig, ich weiß und die Hähnchenbrust folgte eigentlich einem alten Stiefel - Hähnchenbrust auf Zwiebeln mit Oregano, Thymian & Rosmarin, gewürzt mit Paprika (das war neu und erst spät bitte!) Pfeffer & Salz, die Sauce vom Bratenfond mit Sahne zubereitet, nett, aber *gähn.


Der gute Urs aus Zürich wies mich darauf hin, Pute sei eher trocken. Für seinen Vorschlag fehlten mir an einem Sonnabendabend die Zutaten teilweise, aber er brachte mich auf eine Idee:
Putenbrust auf einem Bett von Boskoop-Äpfeln und Zwiebeln (auch gepfeffert und gesalzen natürlich). Es war ziemlich viel davon, also war das Ding eher gut eingepackt. Ach so, beides wurde gebraten auf Butterschmalz, die Pute bekam zusätzlich Wallnußöl, das hat die Süße der Äpfel etwas ausbalanciert. Beides mußte natürlich regelmäßig übergossen werden und das Ergebnis war, im 2. Fall jedenfalls, wirklich beeindruckend. Dazu noch Bohnen mir brauner Butter, nur der Vollständigkeit halber.


Indeed I overstretched the self invented shackles a bit this time, so a belated Sunday dish report. Since I heard the poultry from a local dealer was very good, supposedly (it was), I've bought a piece of chicken breast (really just a chicken without legs and wings) and a turkey breast, and wanted to prepare it separate, but at the same time. The chicken breast was prepared in a well known manner - with onion, oregano, thyme, rosemary, spiced with paprika (which was new and add it late please!), salt & pepper, the sauce from the gravy made with cream, nice, but *yawn. The good Urs from Zurich pointed out to me, turkey would be rather dry, for his proposal some ingredients failed on a Saturday evening, but he gave me an idea: Turkey breast on a bed of Boskoop apples and onions (also salted and peppered, of course). A lot of it, so the thing was wrapped up rather well. Oh and both were fried in butter, the turkey got also some walnut oil, which balanced the sweetness of the apples slightly. Both of course had to be doused regularly and the result was, in the second case at least, simply impressive. There were beans with brown butter as well, just for completeness.
nachgetragen am 19. Dezember

Samstag, 17. Dezember 2011

Über Adventskitsch &


Doch noch schnell wenigstens der Sonnabend-Nachtrag. Die Bilder sind von diesem Tag, und wie man sieht, strebt die weihnachtliche Verkitschung des häuslichen Umfeldes zielsicher ihrem Höhepunkt zu, mit anderen Worten, es ist noch mehr dieser Art zu erwarten.

nachgetragen am 19. Dezember

Freitag, 16. Dezember 2011

Dies & Das &


Das menschliche Gemüt ist seltsam, ist es jung, freut es sich über den ersten Schnee, ist es das (lange) nicht mehr, empört es sich eher darüber. Es ist leicht, die Conclusio zu ziehen, was hier wohl der Fall ist.

Wo ich gerade lese, daß Stefan Heym am 16. Dezember 2001 starb: Jemand, den ich mehr als einmal in einem privaten Umfeld erleben konnte… da schüttet einem zu Zeiten das Leben einfach soviel an Möglichkeiten vor die Füße, klüger zu werden, und man ist zu stumpfsinnig, genauer hinzuschauen. So ist es aber nun heute.

Ach und Wilhelm Grimm starb auch, einige Zeit davor, da müßte man sich doch noch einmal etwas Mühe geben. Ich habe übrigens inzwischen mit meinen Trakl-Nachträgen begonnen, als ebensolche gut getarnt, ob uns das Ergebnis freut? Wir werden sehen. Jetzt genieße ich erst einmal mein kaltes Schlafzimmer und den heulenden Wind vor den Fenstern.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Über Weihnachtsbäume &


Ein Großteil unseres Mißvergnügens rührt womöglich daher, daß unsere Erinnerung allzuoft vor unseren Erwartungen zurückweicht. Wo ich heute mißvergnügt auf den diesjährigen Weihnachtsbaum sehe und mich an den vom letzten Jahr erinnere, vergaß ich dabei ganz - den Schnee! Die Masse von Zeugs davon zu der Zeit, als ich sie den ganzen Dezember hindurch wegzuräumen hatte. Ein Bild brachte die Erinnerung zurück, und schon genieße ich unser naßkaltes, aber doch schneefreies Wetter.



Auf dem Weg zum Weihnachtsbaumkauf kam ich übrigens an diesem Exemplar von Weihnachtsdekoration aus der Nachbarschaft vorbei, ein wenig seltsam, aber nun gut.


Herr Prof. Aue hatte mich kürzlich etwas verwirrt, indem er einen Nicht-Brecht-Kommentar zu diesem, seinem wunderbaren Bild abgab und dann auch noch auf Simon and Garfunkel verwies: „I am a rock, I am an island“. Da stellen wir uns wohl besser ganz schnell unschuldig & unwissend.


hier gefunden

A rough translation to avoid confusion

Perhaps much of our discontent comes from the fact that our memory too often recedes from our expectations. While I was looking discontented today at our this year’s Christmas tree & remembered the last year’s one I completely forgot - the snow! The mass of this stuff which at the time I had to put away throughout the whole of December last year. A picture brought back memories, and I already enjoy our wet and cold, but snow-free weather now.

Btw. on my way to buy the Christmas tree I saw this Christmas decoration in the neighborhood, a bit weird, but well. Prof. Aue confused me recently a little by his Non-Brecht-Comment together with this wonderful picture he made and then he also referred to Simon and Garfunkel: "I am a rock, I am an island". We probably better try to appear quickly innocently ignorant while hearing the song...

Dienstag, 13. Dezember 2011

Über den Kyffhäuser &

Franz von Lenbach, „Ein Hirtenknabe“, 1860
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Da träumt er also vor sich, der junge Hirte, und wer weiß, was er da so zusammenträumt. Herr von Lenbach träumt vermutlich auch gerade, da er zwar an einem 13. Dezember geboren wurde, aber schon länger tot ist (wieder einer der Fälle, wo man dachte, man hätte schon mal was geschrieben, hat es aber dann allenfalls zu Andeutungen gebracht).

Und noch einer schläft und träumt, erzählt uns jedenfalls Christian Johann Heinrich Heine (geboren am 13. Dezember 1797), wobei es eher er ist der träumt, sagt er:

Mit stockendem Atem horchte ich hin,
Wenn die Alte ernster und leiser
Zu sprechen begann und vom Rotbart sprach,
Von unserem heimlichen Kaiser.

Sie hat mir versichert, er sei nicht tot,
Wie da glauben die Gelehrten,
Er hause versteckt in einem Berg

Mit seinen Waffengefährten.


Kyffhäuser ist der Berg genannt,
Und drinnen ist eine Höhle;

Die Ampeln erhellen so geisterhaft
Die hochgewölbten Säle.


Der Kaiser bewohnt den vierten Saal.
Schon seit Jahrhunderten sitzt er
Auf steinernem Stuhl, am steinernen Tisch,
Das Haupt auf den Armen stützt er.


Sein Bart, der bis zur Erde wuchs,
Ist rot wie Feuerflammen,

Zuweilen zwinkert er mit dem Aug',

Zieht manchmal die Braunen zusammen.


Schläft er oder denkt er nach?
Man kann's nicht genau ermitteln;
Doch wenn die rechte Stunde kommt,
Wird er gewaltig sich rütteln…


Doch wie endet Herr Heine?

Das beste wäre, du bliebest zu Haus,
Hier in dem alten Kyffhäuser –

Bedenk ich die Sache ganz genau,

So brauchen wir gar keinen Kaiser.

Burg Kyffhausen - Burgkapelle der Unterburg
hier gefunden

Dazu gibt es etwas ganz Merkwürdiges, nicht gerade ein Kommentar, nein, aber man lese selbst (aus „Ludwig Börne. Eine Denkschrift“):

„In der That, die Juden sind aus jenem Teige, woraus man Götter knetet; tritt man sie heute mit Füßen, fällt man morgen vor ihnen auf die Kniee; während die Einen sich im schäbigsten Kothe des Schachers herumwühlen, ersteigen die anderen den höchsten Gipfel der Menschheit, und Golgatha ist nicht der einzige Berg wo ein jüdischer Gott für das Heil der Welt geblutet. Die Juden sind das Volk des Geistes, und jedesmal, wenn sie zu ihrem Prinzipe zurückkehren, sind sie groß und herrlich, und beschämen und überwinden ihre plumpen Dränger. Der tiefsinnige Rosenkranz vergleicht sie mit dem Riesen Anteus, nur daß dieser jedesmal erstarkte, wenn er die Erde berührte, jene aber, die Juden, neue Kräfte gewinnen, sobald sie wieder mit dem Himmel in Berührung kommen. Merkwürdige Erscheinung der grellsten Extreme! während unter diesen Menschen alle möglichen Fratzenbilder der Gemeinheit gefunden werden, findet man unter ihnen auch die Ideale des reinsten Menschenthums, und wie sie einst die Welt in neue Bahnen des Fortschrittes geleitet, so hat die Welt vielleicht noch weitere Iniziazionen von ihnen zu erwarten ...
Die Natur, sagte mir einst Hegel, ist sehr wunderlich; dieselben Werkzeuge die sie zu den erhabensten Zwecken gebraucht, benutzt sie auch zu den niedrigsten Verrichtungen, z. B. jenes Glied, welchem die höchste Mission, die Fortpflanzung der Menschheit, anvertraut ist, dient auch zum – – –
Diejenigen, welche über die Dunkelheit Hegels klagen, werden ihn hier verstehen, und wenn er auch obige Worte nicht eben in Beziehung auf Israel aussprach, so lassen sie sich doch darauf anwenden. Wie dem auch sey, es ist leicht möglich, daß die Sendung dieses Stammes noch nicht ganz erfüllt, und namentlich mag dieses in Beziehung auf Deutschland der Fall seyn. Auch letzteres erwartet einen Befreyer, einen irdischen Messias – mit einem himmlischen haben uns die Juden schon gesegnet – einen König der Erde, einen Retter
mit Zepter und Schwert, und dieser deutsche Befreyer ist vielleicht derselbe, dessen auch Israel harret ...
O theurer, sehnsüchtig erwarteter Messias!
Wo ist er jetzt, wo weilt er? Ist er noch ungeboren oder liegt er schon seit einem Jahrtausend irgendwo versteckt, erwartend die große, rechte Stunde der Erlösung? Ist es der alte Barbarossa, der im Kiffhäuser schlummernd sitzt auf dem steinernen Stuhle und schon so lange schläft, daß sein weißer Bart durch den steinernen Tisch durchgewachsen ... nur manchmal schlaftrunken schüttelt er das Haupt und blinzelt mit den halbgeschlossenen Augen, greift auch wohl träumend nach dem Schwert ... und nickt wieder ein, in den schweren Jahrtausendschlaf!
Nein, es ist nicht der Kaiser Rothbart, welcher Deutschland befreyen wird, wie das Volk glaubt, das deutsche Volk, das schlummersüchtige, träumende Volk, welches sich auch seinen Messias nur in der Gestalt eines alten Schläfers denken kann!
Da machen doch die Juden sich eine weit bessere Vorstellung von ihrem Messias, und vor vielen Jahren, als ich in Polen war und mit dem großen Rabbi Menasse ben Naphtali zu Krakau verkehrte, horchte ich immer mit freudig offenem Herzen, wenn er von dem Messias sprach ... Ich weiß nicht mehr in welchem Buche des Talmuds die Details zu lesen sind, die mir der große Rabbi ganz treu mittheilte, und überhaupt hnur in den Grundzügen schwebt mir seine Beschreibung des Messias noch im Gedächtnisse. Der Messias, sagte er mir, sey an dem Tage geboren wo Jerusalem durch den Bösewicht, Titus Vespasian, zerstört worden, und seitdem wohne er im schönsten Palaste des Himmels, umgeben von Glanz und Freude, auch eine Krone auf dem Haupte tragend, ganz wie ein König ... aber seine Hände seyen gefesselt mit goldenen Ketten!
Was, frug ich verwundert, was bedeuten diese goldenen Ketten?
»Die sind nothwendig,« – erwiederte der große Rabbi, mit einem schlauen Blick und einem tiefen Seufzer – »ohne diese Fessel würde der Messias, wenn er manchmal die Geduld verliert, plötzlich herabeilen und zu frühe, zur unrechten Stunde, das Erlösungswerk unternehmen. Er ist eben keine ruhige Schlafmütze. Er ist ein schöner, sehr schlanker aber doch ungeheur kräftiger Mann; blühend wie die Jugend. Das Leben, das er führt, ist übrigens sehr einförmig. Den größten Theil des Morgens verbringt er mit den üblichen Gebeten oder lacht und scherzt mit seinen Dienern, welche verkleidete Engel sind und hübsch singen und die Flöte blasen. Dann läßt er sein langes Haupthaar kämmen und man salbt ihn mit Narden, und bekleidet ihn mit seinem fürstlichen Purpurgewande. Den ganzen Nachmittag studirt er die Cabala. Gegen Abend läßt er seinen alten Kanzler kommen, der ein verkleideter Engel ist, eben so wie die vier starken Staatsräthe, die ihn begleiten, verkleidete Engel sind. Aus einem großen Buche muß alsdann der Kanzler seinem Herren vorlesen was jeden Tag passirte ... Da kommen allerley Geschichten vor, worüber der Messias vergnügt lächelt, oder auch mißmüthig den Kopf schüttelt ... Wenn er aber hört, wie man unten sein Volk mißhandelt, dann geräth er in den furchtbarsten Zorn und heult daß die Himmel erzittern ... Die vier starken Staatsräthe müssen dann den Ergrimmten zurückhalten, daß er nicht herabeile auf die Erde, und sie würden ihn wahrlich nicht bewältigen, wären seine Hände nicht gefesselt mit den goldnen Ketten ... Man beschwichtigt ihn auch mit sanften Reden, daß jetzt die Zeit noch nicht gekommen sey, die rechte Rettungsstunde, und er sinkt am Ende aufs Lager und verhüllt sein Antlitz und weint ...«
So ungefähr berichtete mir Menasse ben Naphtali zu Krakau, seine Glaubwürdigkeit mit Hinweisung auf den Talmud verbürgend. Ich habe oft an seine Erzählungen denken müssen, besonders in den jüngsten Zeiten, nach der Juliusrevoluzion. Ja, in schlimmen Tagen, glaubt ich manchmal mit eignen Ohren ein Gerassel zu hören, wie von goldenen Ketten, und dann ein verzweifelndes Schluchzen ...
O verzage nicht, schöner Messias, der du nicht bloß Israel erlösen willst, wie die abergläubischen Juden sich einbilden, sondern die ganze leidende Menschheit! O, zerreißt nicht, ihr goldenen Ketten! O, haltet ihn noch einige Zeit gefesselt, daß er nicht zu frühe komme, der rettende König der Welt!“

Büste Kaiser Friedrich II., Castello di Barletta
hier gefunden

Da kommt man hin, wenn man mit dem Lesen erst anfängt. Eigentlich sollte es nämlich um S.M. Kaiser Friedrich II. gehen, er starb am 13. Dezember 1250, ein schreckliches Datum. Wenn die Sympathie mit der Römischen Kirche überhandnimmt, lese man in seinen Briefen (habe das die letzten Tage wieder ausgiebig getan), denn so man auf seine päpstlichen Widersacher schaut, da spielen der Hölle entstiegene Dämonen mit dem Heiligen.

Die Kyffhäuser-Legende verband sich ursprünglich mit ihm und wanderte erst später zu seinem Großvater, allein daran mag man ersehen, wie stark sein Tod in die Volksseele drang. Aber genug davon für heute.
nachgetragen am 14. Dezember

Sonntag, 11. Dezember 2011

Sonntag &

poorly translated

Mehr eine Notiz als ein Bericht heute, wir sind etwas müde. Meine Frau Mutter kochte diesmal, sie hatte sich Gulasch gewünscht, und das zählt tatsächlich zu der überschaubaren Anzahl von Gerichten, die sie beherrscht, aber ich will das Thema nicht ausweiten. Und sie hat dabei wirklich und wahrhaftig nach Balsamico-Essig gefragt.


Da sie ihren Gurkensalat mit Essig und Zucker anmacht, was ich eher gruselig finde, war mein eigener Salat in der Tat mein einziger Beitrag, gut, der Blumenkohl ging noch auf meine Rechnung, wieder mit brauner Butter übergossen, aber das ist nun nicht so wirklich erwähnenswert.


Erwähnenswert wäre allenfalls, daß immer noch ein paar Rosen blühen, wenn auch etwas verfroren dreinschauend.


Rather a note than the usual Sunday report, we are a little tired. My mother cooked this time, she had wished for pork goulash (kind of stew), and that really counts to the limited number of courts, she is good at, but I will not expand the subject. And she has really and truly asked for balsamic vinegar (!). As she made her cucumber salad with vinegar and sugar, which I find rather creepy, my own cucumber salad was in fact my only contribution, well I forgot the cauliflower, that too, again topped with brown butter, but this is not so much worth mentioning. Worth mentioning at most is that some roses are still blooming, though a little chilled through looking.


Samstag, 10. Dezember 2011

Ein Verlegenheitspost


Alle warnen zurecht vor den schädlichen Folgen des Glühweins, nämlich etwa, daß man davon schnell müde werden würde. Also wird das, was gestern Abend hier stehen sollte, heute Morgen schnell zu Ende geschrieben. Die Zutaten sind im Bild klar zu erkennen, es handelt sich um Zimt, Nelken, Ingwer, Muskat und Zitrone. Bei den ersten beiden kann man von der Menge her nicht soviel falsch machen, aber von dem getrockneten Ingwer bitte nur ein wenig nehmen, das wird sonst zu scharf (und das Stück etwas auseinanderbrechen), nicht die ganze Muskatnuß, allenfalls die Hälfte, auch etwas zerkleinert dazugeben. Die Gewürze werden also aufgekocht, der Muskat erst spät dazugeben, wird sonst bitter, am Ende Wein und Zitronensaft heiß werden lassen (nicht kochen), der unvermeidliche Zucker kann je nach dem Abschmeckergebnis hinzugegeben werden.


Herr Prof. Aue hat mir eben eine Übersetzung von „Jerusalem“ (von William Blake) als Kommentar zugesandt, aber als solchen wollen wir ihn besser nicht im Unbeachteten belassen. Und dann wurde ich etwas sentimental bei Bing Crosby "Swinging on a Star", aber das ist eine andere Geschichte, also folgt erst „Jerusalem“ und dann besagtes Lied.



Und tat sein Fuß...
(Jerusalem)

Und tat Sein Fuß in alter Zeit
durch's Grün von Englands Bergen gehn?
Und ward das heil'ge Gotteslamm
auf Englands Weiden einst gesehn?

Und sah das göttliche Gesicht
durch uns'rer Hügel Wolkenmeer?
Und ward Jerusalem gebaut
nebst Satans schwarzen Mühlen her?

Bringt meines Bogens Goldesglühn;
bringt Pfeile mir, die ich erdacht;
bringt meinen Speer: Teilt, Wolken, euch:
Bringt meines Feuerwagens Macht!

Nicht lass' ich ab vom Geisteskampf,
nicht schlaf' das Schwert in meiner Hand,
bis wir Jerusalem erbaut
in Englands grünem, schönen Land.


hier gefunden
nachgetragen am 11. Dezember

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Über die allerreinste Mutter Gottes

El Greco, Die Jungfrau der unbefleckten Empfängnis

„…erklären, verkünden und entscheiden Wir nun unter dem Beistand des Heiligen Geistes zur Ehre der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit, zum Ruhme und zur Verherrlichung der jungfräulichen Gottesmutter, zur Auszeichnung des katholischen Glaubens und zur Förderung der christlichen Religion, kraft der Autorität Unseres Herrn Jesus Christus, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und Unserer eigenen: Die Lehre, daß die allerseligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis auf Grund einer besonderen Gnade und Auszeichnung von seiten des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers der ganzen Menschheit, von jeder Makel der Erbsünde bewahrt blieb, ist von Gott geoffenbart und muß deshalb von allen Gläubigen fest und unabänderlich geglaubt werden.“

Papst Pius IX. verkündete dies am 8. Dezember „zu Rom bei St. Peter im Jahr der Menschwerdung des Herrn 1854, im 9. Jahre Unseres Pontifikates“ in der Dogmatischen Bullen „INEFFABILIS DEUS“. Das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens gilt nur in der Katholischen Kirche, muß man fairerweise sagen. Wobei dieses „nur“ zumindest für die Orthodoxe Kirche eher der Gestalt des Dogmas gilt. Im Protestantismus hingegen herrscht wohl die Sorge vor, all diese Mariendogmen würden sie zu sehr an die Trinität, insbesondere an Christus heranrücken lassen. Wie auch immer; Herr Morgenländer hatte mich veranlaßt, mir doch noch einmal die Bulle durchzulesen und das sie sehr schön ist, folge ich einfach seinem Beispiel und zitiere etwas daraus. Zunächst eine Stelle, in der der Papst betont, es ginge nicht darum, etwas Neues auszusagen, denn:

„Die Kirche Christi ist nämlich nur die treue Bewahrerin und Verteidigerin der in ihr niedergelegten Glaubenswahrheiten, an denen sie nichts ändert, an denen sie keine Abstriche macht und denen sie nichts hinzufügt. Mit aller Sorgfalt, getreu und weise behandelt sie das Überlieferungsgut der Vorzeit. Ihr Streben geht dahin, die Glaubenswahrheiten, die ehedem gelehrt wurden und im Glauben der Väter gleichsam noch im Keim niedergelegt waren, so auszusondern und zu beleuchten, daß jene Wahrheiten der himmlischen Lehre Klarheit, Licht und Bestimmtheit empfangen, zugleich aber auch ihre Fülle, Unversehrtheit und Eigentümlichkeit bewahren und nur in ihrem eigenen Bereich, d. h. in ein- und derselben Lehre, in ein- und demselben Sinn und in ein- und demselben Gehalt, ein Wachstum aufzuweisen haben.“

Und so bezieht er sich auch auf seinen Vorgänger, indem er schreibt:

„Darum sprach Unser Vorgänger Alexander VII. die geradezu entscheidenden Worte, und er brachte damit die richtige Auffassung der Kirche zum Ausdruck: ‚Von altersher ist es die fromme Meinung der Christgläubigen, daß die Seele der allerseligsten Jungfrau und Mutter Maria im ersten Augenblick ihrer Erschaffung und ihrer Vereinigung mit dem Leib auf Grund einer besonderen Gnade Gottes und eines besonderen Vorzuges im Hinblick auf die Verdienste ihres Sohnes Jesus Christus, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von aller Makel der Erbsünde rein bewahrt wurde; in diesem Sinne begeht man in feierlicher Weise das Fest ihrer Empfängnis.‘“

Pius IX. entwickelt nahezu eine vollständige Mariologie während er tiefer in die Tradition der Marienverehrung eintaucht:

„Deshalb werden die Väter der Kirche nicht müde, die Gottesgebärerin zu nennen: die Lilie unter den Dornen, die ganz Unberührte, Jungfräuliche, Unbefleckte, Makellose, die immer Gesegnete; sie nennen sie das von aller Ansteckung der Sünde freigebliebene Erdreich, aus dem der neue Adam gebildet wurde; sie nennen sie das untadelhafte, helleuchtende, liebliche Paradies der Unschuld, der Unsterblichkeit und Wonne, das Gott selbst gepflanzt und gegen alle Nachstellungen der giftigen Schlange verteidigt hat; sie heißen sie das unverwesliche Holz, das der Sünde Wurm nie benagte, den stets ungetrübten Born, besiegelt durch die Kraft des Heiligen Geistes, den Tempel Gottes, den Schatz der Unsterblichkeit, die einzige Tochter des Lebens und nicht des Todes und des göttlichen Zornes, sondern die Knospe der Gnade, die immer grünt und, behütet von der Vorsehung Gottes, aufsproßt gegen alle bisher geltenden Gesetze und Gewohnheiten aus einer verdorbenen und von der Sünde angesteckten Wurzel.“

„Weiterhin bezeugen die Väter, daß Maria, obwohl sie dem Leibe nach von Adam stammte, doch die Sünde Adams nicht mitangenommen habe … und so sei sie wirklich die, als die wir sie feiern, Gottes eigenstes und erstes Werk, das von den brennenden Pfeilen des Bösen nicht erreicht worden sei. Schön von Natur und von allem Makel frei, wie die Morgenröte in ihrem vollkommenen Glanze, so sei Maria in ihrer Unbefleckten Empfängnis in der Welt erschienen. Denn es geziemte sich nicht, daß jenes Gefäß der AuserwähIung an dem sonst allen Menschen gemeinsamen Übel Anteil hatte; von den übrigen weit verschieden, habe sie wohl an ihrer Natur, nicht aber an ihrer Schuld teilgenommen. Im Gegenteil; es geziemte sich in jeder Weise, daß der Eingeborene, wie er im Himmel einen Vater hat, den die Seraphim dreimal heilig preisen, so auch auf Erden eine Mutter habe, die nie des Glanzes der Herrlichkeit entbehrte.“

„Somit ist es also nicht verwunderlich, daß diese Lehre so sehr Verstand und Herz unserer Vorfahren ergriff, daß sie in einzigartiger Weise zu Worten und Ausdrücken greifen, die häufig die Gottesmutter gerade als die Unbefleckte feiern, als die Unschuldige und Unschuldigste, die Makellose und gänzlich Makellose, die Heilige und die von aller Unreinheit der Sünde vollkommen Freie, die ganz Reine und ganz Unversehrte, als die Wesensgestalt sozusagen der Schönheit und Unschuld selbst. Sie nennen Maria schöner als die Heiligkeit, die allein Heilige, die ganz Reine an Seele und Leib, die, welche alle Unschuld und Jungfräulichkeit übertroffen hat, die allein ganz die Wohnung aller Gnaden des Heiligen Geistes geworden ist, die Gott allein aufgenommen hat, die über allen steht, die von Natur aus schöner, vollendeter und heiliger ist als selbst die Cherubim und Seraphim und das ganze Heer der Engel, die zu preisen die Zungen des Himmels und der Erde keineswegs genügen… Die Gottesmutter wird … angerufen und gepriesen als die einzige, unversehrte Taube der Schönheit, als die immer blühende, gänzlich reine, stets unbefleckte und immer selige Rose; sie wird gepriesen als die Unschuld selber, die niemals verletzt wurde, als die zweite Eva, die den Emmanuel gebar.“

Und warum hat Maria diese Stellung eingenommen, nun:

„Der über alle Worte erhabene Gott, dessen Wege Erbarmen und Wahrheit, dessen Wille die Allmacht ist, dessen Weisheit machtvoll wirkt von einem Ende bis zum anderen und in Milde alles lenkt, sah von Ewigkeit her das unheilvolle Verderben des ganzen Menschengeschlechtes infolge der Sünde Adams voraus. In seinem geheimnisvollen, der Welt verborgenen Ratschluß beschloß er aber, das erste Werk seiner Güte durch die Menschwerdung des Wortes auf eine noch unbegreiflichere Weise zu ergänzen. Denn der Mensch, der entgegen seinen liebevollen Absichten durch die List des Teufels in Schuld geraten war, sollte nicht zugrundegehen, und das, was durch den ersten Adam gefallen war, sollte durch den zweiten weit glücklicher wieder aufgerichtet werden.

Darum wählte er von Anfang an und vor aller Zeit schon für seinen eingeborenen Sohn eine Mutter aus, und bestimmte, daß er von ihr in der seligen Fülle der Zeiten als Mensch geboren werden sollte; ihr wandte er mehr als allen anderen Geschöpfen seine besondere Liebe zu und fand an ihr allein sein höchstes Wohlgefallen. So überhäufte er sie weit mehr als alle Engel und Heiligen mit einer Fülle himmlischer Gnadengaben, die er aus der Schatzkammer seiner Gottheit nahm, begnadete sie so wunderbar, daß sie allzeit frei blieb von jeder Makel der Sünde, daß sie ganz schön und vollkommen wurde und eine solche Fülle von Reinheit und Heiligkeit besaß, daß man, außer in Gott, eine größere sich nicht denken kann und daß niemand außer Gott sie begreifen kann.

Und es war auch ganz entsprechend, daß sie stets im Glanze vollkommenster Heiligkeit strahlte, daß sie sogar frei blieb von der Makel der Erbsünde und so über die alte Schlange einen vollen Sieg errang, sie, die verehrungswürdige Mutter, der Gott Vater seinen einzigen Sohn, der aus seinem Schoße ihm wesensgleich hervorgeht und den er liebt wie sich selbst, voll und ganz anvertrauen wollte. So sollte auf Grund natürlicher Bande ein und dieselbe Person das gemeinsame Kind Gott Vaters und der Jungfrau werden. Der Sohn selber aber erwählte sich diese Mutter, und der Heilige Geist wollte und bewirkte, daß der von ihr empfangen und geboren wurde, aus dem er selbst hervorgeht.“

Und er endet mit einem Appell an die „teuern Söhne der katholischen Kirche“ fortzufahren „mit stets glühenderem Eifer der Frömmigkeit, der Liebe und Hingabe die seligste Gottesgebärerin und Jungfrau Maria, die ohne Makel der Erbsünde empfangen wurde, zu verehren, anzurufen und anzuflehen; sie sollen zur süßen Mutter der Barmherzigkeit und Gnade in jeglicher Gefahr, Angst und Not ihre Zuflucht nehmen und in Zweifeln und Furcht mit allem Vertrauen sich ihr nahen. Keine Furcht und kein Zweifel braucht den zu schrecken, den sie leitet, über dem sie schwebt, dem sie gnädig ist und den sie beschützt. Zweifellos ist sie von Mutterliebe gegen uns erfüllt, sie sorgt für unser Heil und ist für das ganze Menschengeschlecht besorgt. Sie ist gesetzt vom Herrn als Königin des Himmels und der Erde, über alle Chöre der Engel erhaben und über alle Heiligen und steht zur Rechten ihres eingeborenen Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus. Wenn sie ihn mit ihren mütterlichen Bitten bestürmt, so hat sie Erfolg; sie findet, was sie von ihm zu erlangen sucht, und ihre Wünsche bleiben nicht unerfüllt.“


El Greco, Die Jungfrau der unbefleckten Empfängnis
hier gefunden


nachgetragen am 9. Dezember

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Eigentlich nicht über Brecht


David Bowie - Remembering Marie A.
hier gefunden

Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen, Herrn Bowie aus gegebenem Anlaß anzubringen. Da ich gestern einem Abend beiwohnte, der Brecht gewidmet war, aber gleichzeitig weiß, daß der eine oder andere der Teilnehmer dies hier manchmal liest, sage ich am besten gar nichts über jenen sehr zeitgenössischen Dichter. Aber einen Moment möchte ich aufnehmen. Es ging um Brechts Gedicht „Erinnerung an die Marie A.“, dem ich meinen Respekt bestimmt nicht verweigern werde. Und da kam ein Hermann Allmers als Kontrastbild ins Spiel (man sehe auch hier).

Offen gestanden, habe ich erst nur ein wenig gestutzt als ich die Zeilen hörte, und siehe da, tatsächlich, es war das Brahmslied. Der Brecht ist schon dort oben, wenn auch auf Englisch, das deutschsprachige Original fand ich etwa hier. Und jetzt bringen wir ganz schnell Herrn Brahms, zwar in einer reichlich verkratzen Aufnahme, aber sehr schön erfaßt.


Heinrich Schlusnus - Brahms "Feldeinsamkeit"
hier gefunden

Hermann Allmers

Feldeinsamkeit


Ich ruhe still im hohen, grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn’ Unterlaß,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.

Die schönen weißen Wolken ziehn dahin
Durch's tiefe Blau, wie schöne stille Träume; –
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin,
Und ziehe selig mit durch ew’ge Räume.

Und am Ende hören wir (da ich darauf angesprochen wurde) noch einmal Kathleen Ferrier, diesmal aus Monteverdis Arianna "Lasciatemi morire". Ist es nicht erstaunlich, wie gleich zu Beginn die ganze Idee der Oper geradezu vollständig präsent ist. Ach und dann stolperte ich bei der Suche nach einem bestimmten Bild über diesen vorjährigen Beitrag, der sich der Schönheit aus den Dingen widmet, leicht pretentiös, aber nett.


Kathleen Ferrier - Monteverdi "Lasciatemi morire"
hier gefunden

Dienstag, 6. Dezember 2011

Zum Tag des Heiligen Nikolaus


Herr Roloff hat etwas über den Heiligen Nikolaus verfertigt, das ich gern mit der geschätzten Leserschaft teilen will (er ist mir jetzt zwar etwas weniger sympathisch, der Heilige, weil er doch Tempel zerstört hat, aber das wird ein wenig davon ausgeglichen, daß er den Arius geohrfeigt hat, für die Beleidigung unseres Herrn mit seiner Irrlehre, sei es, wie es sei). Nachfolgend also der Text, begleitet von 2 Bildern des hiesigen Weihnachtsmarktes, der sich hier glaube ich Weberglockenmarkt nennt, nun ja.


Bald ist Niklausabend da!
Gedanken zum Tag des Heiligen Nikolaus.


Jeder kennt das Kinderlied in dem es heißt: „Lasst uns froh und munter sein und uns recht vom Herzen freun!“ Nikolaus scheint uns auch noch als Bischof von Myra vertraut zu sein. Was aber wissen wir tatsächlich über diesen Mann, dessen Todestag die Kirche heute am 6. Dezember als seinen Geburtstag zur Heiligkeit feiert.

Nikolaus lebte im ausgehenden 3. Jahrhundert nach Christi. Noch sehr jung wurde er zum Priester geweiht und verteilte sein ererbtes Vermögen an die Armen, womit die Grundlage gelegt war für die vielen Legenden von seiner Großzügigkeit und Freigebigkeit. Nachdem er das Heilige Land bereist hatte, wählte ihn die Gemeinde von Myra zu ihrem Bischof. Er war ein eifernder Diener seines Gottes. Zunächst machte er dadurch von sich reden, dass er die Tempel der Göttin Artemis, deren Verehrung vor allem als Patronin der Seefahrer in Kleinasien weit verbreitet war, zerstörte. Auch der besonders große und prunkvolle Tempel in Myra fiel seinem Zorn zum Opfer. Es ist deshalb wohl auch kein Zufall, dass der Festtag des Hl. Nikolaus auf den 6. Dezember, dem Geburtstag der Artemis, gelegt wurde, und ebenso wenig überrascht es, dass er der neue Patron der Seefahrer werden sollte, wovon bis heute die vielen Nikolaikirchen in den Küstenstädten zeugen.

Besonders schön ist eine Legende, die Nikolaus auch zum Patron der Pfandleiher und Bankiers werden ließ, was für unsere von Bankenkrisen geschüttelte Gegenwart nicht ganz uninteressant sein dürfte. In der Geschichte, die auch ein wenig an innovative Finanzprodukte erinnert, geht es um einen Christen, der sich von einem Juden Geld geliehen und beim Hl. Nikolaus geschworen hatte, es pünktlich zurück zu geben. Als der Betrag fällig wurde, behauptete er nun aber, die Schuld längst beglichen zu haben. Die Sache kam vor Gericht, und der Christ sollte seine Aussage beschwören. Da bediente er sich eines hinterhältigen Tricks. Er verbarg das Geld in einem Stab und bat, als es zu Eidesleistung kommen sollte, den Juden, den Stab zu halten, damit er die Hände frei hätte. Dann schwor er, dass der Jude das Geld habe, nahm seinen Stab zurück und verließ das Gericht.

Hier nun nimmt die Geschichte eine jähe Wendung. Der Schuldner kommt im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder, wird von einem Wagen überfahren und stirbt. Der Jude aber will das über die Straße rollende Geld nur dann zurücknehmen, wenn der Hl. Nikolaus den Mann wieder zum Leben erwecken würde. Als genau das nun auch geschieht, bekehrt sich der Jude zum Christentum. Niemand geht unverändert aus der Geschichte hervor, und am unwichtigsten ist am Ende das Geld.

Wer weiß aber noch, dass Nikolaus auch maßgeblich an der wohl wichtigsten theologischen Auseinandersetzung der frühen Kirche beteiligt gewesen ist? Bedeutung gewann sein Leben nämlich vor allem durch den Kampf gegen den Arianismus und seine Teilnahme am 1. Konzil von Nicäa. Dort wurde die Auseinandersetzung mit jener Irrlehre und ihren Anhängern entschieden. Im Kern ging es um das Wesen Jesu und um sein Verhältnis zum Vater. Arius, nach dem diese Lehre benannt ist, behauptete, Christus wäre nur ein Geschöpf Gottes, vollkommenen menschlichen Wesens und darum aber selbst nicht Gott.

Der Streit war so heftig, dass Arius durch Nikolaus während der Kirchenversammlung sogar geohrfeigt wurde. Allerdings gelang es dem kämpferischen Bischof auch immer wieder, zur Schlichtung beizutragen. Er wird mit den Worten zitiert: „Lassen wir über unseren Zorn die Sonne nicht untergehen.“ So bewahrte die Kirche schließlich die Wahrheit von der Gottheit Christi und drückte sie auf dem Konzil von Nicäa in den Worten aus: „Wir glauben an Christus, geboren nicht geschaffen und eines Wesens mit dem Vater.“ Vater und Sohn sind zwei Personen desselben Gottes, und sie sind wesensgleich. Nur darum kann Christus angebetet und als Herr verehrt werden.

Die Verehrung des Hl. Nikolaus verbreitete sich zunächst in der Ostkirche. In unserer Region wurde sie dann auch folgerichtig durch Theophanu, der aus Byzanz stammende Ehefrau Kaiser Ottos II., stark gefördert. Leben und Nachwirkung dieses Mannes sind schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass er bereits im Jahre 351 gestorben ist. Wie immer folgt noch die Bauernregel zum Tag: „Regnet es an Nikolaus wird der Winter streng, ein Graus.“
Thomas Roloff