*Grr ich kann meine Kathleen Ferrier CD nicht finden, wo mir doch den ganzen Abend ohne erkennbaren Grund ihre Interpretation des obenstehenden Liedes im Kopf herumging, das erstaunlicherweise nicht von Bach ist. Aber Frau Aafje Heynis singt es auch ganz wunderbar. Eigentlich wollte ich noch 2 andere Dinge erwähnen, aber die habe ich irgendwie wieder vergessen. Ach, eines fällt mir ein, meine Frau Mutter erzählte mir, daß sich auf ihrem Dorf die Nachbarn immer beschwerten, daß ihre Waschmaschinen so schnell kaputt gingen. Auf Nachfrage ergab sich, sie hatten üblicherweise ihre Kartoffeln darin gewaschen (und die wurden so schön sauber!). *Hm.
Bist du bei mir, geh ich mit Freuden zum Sterben und zu meiner Ruh. Ach, wie vergnügt wär so mein Ende, es drückten deine schönen Hände mir die getreuen Augen zu!
*grr I can’t find my Kathleen Ferrier CD, when for the whole evening, for no apparent reason, her interpretation of the above song was going around in my head in circles, that is surprisingly not by Bach. But Mrs. Aafje Heynis also sings it wonderfully (look at here too please). Actually, I wanted to mention two other things, but I have somehow forgotten it. Oh wait, one I remember now, my mother told me her village neighbors often complained, that their washing machines went broken so quickly. After asking a bit it came out, they usually washed their potatoes in it (they became so beautifully clean!). Hm.
When thou art near, I go with joy To death and to my rest. O how pleasant would my end be, If your fair hands Would close my faithful eyes.
Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen, Herrn Bowie aus gegebenem Anlaß anzubringen. Da ich gestern einem Abend beiwohnte, der Brecht gewidmet war, aber gleichzeitig weiß, daß der eine oder andere der Teilnehmer dies hier manchmal liest, sage ich am besten gar nichts über jenen sehr zeitgenössischen Dichter. Aber einen Moment möchte ich aufnehmen. Es ging um Brechts Gedicht „Erinnerung an die Marie A.“, dem ich meinen Respekt bestimmt nicht verweigern werde. Und da kam ein Hermann Allmers als Kontrastbild ins Spiel (man sehe auch hier).
Offen gestanden, habe ich erst nur ein wenig gestutzt als ich die Zeilen hörte, und siehe da, tatsächlich, es war das Brahmslied. Der Brecht ist schon dort oben, wenn auch auf Englisch, das deutschsprachige Original fand ich etwa hier. Und jetzt bringen wir ganz schnell Herrn Brahms, zwar in einer reichlich verkratzen Aufnahme, aber sehr schön erfaßt.
Heinrich Schlusnus - Brahms "Feldeinsamkeit" hier gefunden
Hermann Allmers Feldeinsamkeit
Ich ruhe still im hohen, grünen Gras Und sende lange meinen Blick nach oben, Von Grillen rings umschwirrt ohn’ Unterlaß, Von Himmelsbläue wundersam umwoben.
Die schönen weißen Wolken ziehn dahin Durch's tiefe Blau, wie schöne stille Träume; – Mir ist, als ob ich längst gestorben bin, Und ziehe selig mit durch ew’ge Räume.
Und am Ende hören wir (da ich darauf angesprochen wurde) noch einmal Kathleen Ferrier, diesmal aus Monteverdis Arianna "Lasciatemi morire". Ist es nicht erstaunlich, wie gleich zu Beginn die ganze Idee der Oper geradezu vollständig präsent ist. Ach und dann stolperte ich bei der Suche nach einem bestimmten Bild über diesen vorjährigen Beitrag, der sich der Schönheit aus den Dingen widmet, leicht pretentiös, aber nett.
Kathleen Ferrier - Monteverdi "Lasciatemi morire" hier gefunden
Da es mich in letzter Zeit immer wieder geärgert hat, wie Beiträge liegengeblieben sind, weil ich mit dem Text unzufrieden war, wage ich heute etwas anderes, ich liefere schon einmal die Bilder ab und habe dann hoffentlich morgen früh ein paar Worte nachzutragen.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Nun, das hat nicht ganz geklappt, denn heute ist bereits Sonnabendnachmittag, ein angenehm windig sonniger übrigens, und meine Anmerkungen zu Frau Kathleen Ferrier, die ich in letzter Zeit einfach des öfteren gehört habe, natürlich nur die Aufnahmen, sie ist schon recht lange tot, spare ich mir für später auf. Aber soviel, einmal ganz abgesehen von ihrer Stimme selbst, es ist höchst eigentümlich, einen Gesangsstil zu hören, der so ganz aus der Mode gekommen ist.
Georg Kolbe, geboren am 15. April 1877 und gestorben 2 Jahre nach Kriegsende, war ein Bildhauer, der das Pech hatte, daß Deutschland an seinem Lebensabend von unerfreulichen Gestalten regiert wurde, die seinen Stil teilweise auch noch akzeptierten bzw. ihn für brauchbar hielten. Zu ihm will ich doch ein paar Worte verlieren.
Eigentlich wollte ich mich heute nüchtern über ein historisches Thema ergehen, angeregt von einer Fernsehsendung letzte Nacht, ja selbst das kommt vor, selten allerdings, und wahrscheinlich bin ich dann einer von 500 Menschen, die so etwas sehen, aber Herr Kluge wird warten müssen.
Ich bin an diesem Tag über ein paar Nachrichten von Menschen gestolpert, die u.a. dies hier lesen, und da selbst mir mitunter die Worte ausgehen, wollte ich dann doch lieber etwas Versöhnliches zur Nacht zusammenstellen, es wird nicht ganz leicht sein, dabei nicht ins Seichte abzugleiten, wir wollen es versuchen und mit Rilke beginnen.
Ich möchte jemanden einsingen, bei jemandem sitzen und sein. Ich möchte dich wiegen und kleinsingen und begleiten schlafaus und schlafein. Ich möchte der Einzige sein im Haus, der wüßte: die Nacht war kalt. Und möchte horchen herein und hinaus in dich, in die Welt, in den Wald. Die Uhren rufen sich schlagend an, und man sieht der Zeit auf den Grund. Und unten geht noch ein fremder Mann und stört einen fremden Hund. Dahinter wird Stille. Ich habe groß die Augen auf dich gelegt; und sie halten dich sanft und lassen dich los, wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt.
Aus: Das Buch der Bilder
Und noch einmal Rilke. Die Tagesbilder sind übrigens von heute und hier.
Nenn ich dich Aufgang oder Untergang? Denn manchmal bin ich vor dem Morgen bang und greife scheu nach seiner Rosen Röte - und ahne eine Angst in seiner Flöte vor Tagen, welche liedlos sind und lang.
Aber die Abende sind mild und mein, von meinem Schauen sind sie still beschienen; in meinen Armen schlafen Wälder ein, - und ich bin selbst das Klingen über ihnen, und mit dem Dunkel in den Violinen verwandt durch all mein Dunkelsein.
Aus: Die frühen Gedichte (Gebet der Mädchen zur Maria)
Und ein letztes Mal Rilke, nein, enden wollen wir mit ihm heute nicht, das wäre dann am Ende wohl doch zuviel Ungewißheit und Versprechen zur Nacht.
Du mußt das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest. Und laß dir jeden Tag geschehen so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen sich viele Blüten schenken läßt.
Sie aufzusammeln und zu sparen, das kommt dem Kind nicht in den Sinn. Es löst sie leise aus den Haaren, drin sie so gern gefangen waren, und hält den lieben jungen Jahren nach neuen seine Hände hin.
Aus: Frühe Gedichte
Ich war noch etwas von Kathleen Ferrier schuldig, ich denke das wäre hier dafür ein recht passender Ort. Hat es doch etwas von einem Nachtgesang an sich, denn sie singt: "Ich bin der Welt abhanden gekommen" von Gustav Mahler. Die Nacht hat viele Winkel und Spalten, und so sehr es freuen wird, wenn sie etwas von dem bereithält, was Rilke verspricht, oft wird es eher das sein, was Mahler ausspricht.
Und ich, und für wen sonst sollte ich denn sprechen, finde letztlich, nicht immer, aber zum Glück oft genug, Halt und Besänftigung dann am Ende nur in Worten wie den folgenden, ein Sterbelied auf den ersten Blick, für mich aber jedoch nicht.
Es gab heute 2 Namen, an denen ich kaum vorbei konnte. Der erste ist der von Kathleen Ferrier. Ich sage das jetzt in etwas ungeschlachter Manier, aber es gibt die kühl brillanten Sänger, deren vollkommene technische Perfektion einen letztlich ebenso kalt läßt, und es gibt Sänger wie die Callas oder eben Ferrier. Bei diesen tritt diese Art von Perfektion hinter etwas zurück, das man früher Seele nannte. Kathleen Ferrier starb am 8. Oktober 1953 in London, hier gibt es eine eher nützliche und hier eine sehr schöne Biographie über sie.
Ebenfalls Händel, wer des Englischen etwas mächtig ist, dies ist der Text dazu:
"Art thou troubled? Music will calm thee. Art thou weary? Rest shall be thine. Music, source of all gladness, Heals thy sadness, At her shrine. Music, music, ever divine! Music, music calleth with voice divine.
When the welcome spring is smiling, O'er the Earth with flow'rs beguiling After Winter's dreary reign. Sweetest music doth attend her. Heav'nly harmonies doth lend her Chanting praises in her train, Chanting praises in her train."
Gut, vielleicht gibt es ein Drittes neben beiden Alternativen, das wäre dann etwa dies. Die glühenden Anhänger von Frau Ferrier mögen mir verzeihen, daß ich einen solchen scheinbaren Vergleich anbringe.
O Die Verluste ins All, Marina, die stürzenden Sterne! Wir vermehren es nicht, wohin wir uns werfen, zu welchem Sterne hinzu! Im Ganzen ist immer schon alles gezählt. So auch, wer fällt, vermindert die heilige Zahl nicht. Jeder verzichtende Sturz stürzt in den Ursprung und heilt. Wäre denn alles ein Spiel, Wechsel des Gleichen, Verschiebung, nirgends ein Name und kaum irgendwo heimisch Gewinn? Wellen, Marina, wir Meer! Tiefen, Marina, wir Himmel. Erde, Marina, wir Erde, wir tausendmal Frühling, wie Lerchen, die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft. Wir beginnens als Jubel, schon übertrifft es uns völlig; plötzlich, unser Gewicht dreht zur Klage abwärts den Sang. Aber auch so: Klage? Wäre sie nicht: jüngerer Jubel nach unten. Auch die unteren Götter wollen gelobt sein, Marina. So unschuldig sind Götter, sie warten auf Lob wie die Schüler. Loben, du Liebe, laß uns verschwenden mit Lob. Nichts gehört uns. Wir legen ein wenig die Hand um die Hälse ungebrochener Blumen. Ich sah es am Nil in Kôm-Ombo. So, Marina, die Spende, selber verzichtend, opfern die Könige. Wie die Engel gehen und die Türen bezeichnen jener zu Rettenden, also rühren wir dieses und dies, scheinbar Zärtliche, an. Ach wie weit schon Entrückte, ach, wie Zerstreute, Marina, auch noch beim innigsten Vorwand. Zeichengeber, sonst nichts. Dieses leise Geschäft, wo es der Unsrigen einer nicht mehr erträgt und sich zum Zugriff entschließt, rächt sich und tötet. Denn daß es tödliche Macht hat, merkten wir alle an seiner Verhaltung und Zartheit und an der seltsamen Kraft, die uns aus Lebenden zu Überlebenden macht. Nicht-Sein. Weißt du’s, wie oft trug uns ein blinder Befehl durch den eisigen Vorraum neuer Geburt . . .Trug: uns? Einen Körper aus Augen unter zahllosen Lidern sich weigernd. Trug das in uns niedergeworfene Herz eines ganzen Geschlechts. An ein Zugvogelziel trug er die Gruppe, das Bild unserer schwebenden Wandlung. Liebende dürften, Marina, dürften soviel nicht von dem Untergang wissen. Müssen wie neu sein. Erst ihr Grab ist alt, erst ihr Grab besinnt sich, verdunkelt unter dem schluchzenden Baum, besinnt sich auf Jeher. Erst ihr Grab bricht ein; sie selber sind biegsam wie Ruten; was übermäßig sie biegt, ründet sie reichlich zum Kranz. Wie sie verwehen im Maiwind! Von der Mitte des Immer, drin du atmest und ahnst, schließt sie der Augenblick aus. (O wie begreif ich dich, weibliche Blüte am gleichen unvergänglichen Strauch. Wie streu ich mich stark in die Nachtluft, die dich nächstens bestreift.) Frühe erlernten die Götter Hälften zu heucheln. Wir in das Kreisen bezogen füllten zum Ganzen uns an wie die Scheibe des Monds. Auch in abnehmender Frist, auch in den Wochen der Wendung niemand verhülfe uns je wieder zum Vollsein, als der einsame eigene Gang über der schlaflosen Landschaft.
Muzot, 8. Juni 1926
Damit hätten wir also den anderen Namen: Marina Iwanowna Zwetajewa, die am 8. Oktober 1892 (nach gregorianischer Zählung) geboren wurde. Mein Interesse an ihr speist sich aus 3 Quellen, erstens als Rilke-Verehrer durch ihre Beziehung zu eben diesem, dann durch ihr (mir nur aus Übersetzungen zugängliches) Werk und dann von ihrem (hier wird jetzt das Wort Interesse falsch) herzeinschnürenden Schicksal.
(Dieser Post ist wie Hefeteig). Man mag das Biographische anderswo genauer nachlesen, aber was für ein Leben, geboren 1892 als Tochter einer Pianistin und des Begründers des späteren Puschkin-Museums, eine anregende und behütete Kindheit, als Teenager wird sie mit ihrem ersten Gedichtband berühmt, sie heiratet ihre erste Liebe Sergej Efron und wird von der Revolution getroffen, die ihr Leben zerstören wird, und der sie sich widersetzt. Am 31. August 1941 nahm sie sich das Leben. Welch menschenverachtende Barbarei hat hier versucht, den menschlichen Geist zu zerstören.
Man möge bitte hier und hier weiteres über sie lesen.
Wenn der Mensch die Sehnsucht Gottes ist, dann sage ich, die Verse Zwetajewas und der Gesang Ferriers, das ist das Schöne am Menschen, das längst vor Gottes Thron gelangt ist und auf das er in erlösender Gnade geblickt hat, in einem Moment gegenseitigen Erkennens.
Ich habe vor ein paar Stunden versprochen zu begründen, warum ich nichts über den Literaturnobelpreis schreiben mag, den Herta Müller soeben erhalten hat. Das ist einfach, ich tue mich schwer damit, sie zu lesen, nicht weil sie keine großartige Schriftstellerin wäre. Ich habe selten ein so exquisites Gegenwartsdeutsch gelesen. Aber das, was sie beschreibt, rückt beim Lesen einfach zu nah. Dieser verdrehte Irrsinn, dem nicht nur sie entkommen ist, wird beim Lesen zu übermächtig wieder lebendig, insofern liegt hier wohl mehr ein Versagen des Lesers vor als denn eines des Autors. Denn letztlich ist ihr zu konzedieren, hat sie mit ihrem Werk dem Irrsinn standgehalten. Ist das nicht staunenswert, das mordbewehrte Grauen wird vom Wort überlebt.
Ach so, Heinrich Schütz wurde am 18. Oktober 1585 (auch hier nach gregorianischer Zählung) geboren, aber bei ihm muß man ja nicht so auf die Jahrestage achten, irgendwie ist er doch einer der, die immer gegenwärtig sind.
Gelegentlich ist die Wirklichkeit doch zu wenig respektabel, als daß wir sie ernsthaft in Erwägung ziehen könnten. / Occasionally, the so called truth is not respectable enough to warrant serious consideration.
To those who unfortunately don‘t understand German
It’s a pity German is not that known how it should be. Surprisingly some people read this blog and more surprisingly, some of them have an English tongue. But this is a German blog. I’ve tried to deal with this problem. If you are interested in German poetry there are translations listed in the column to the right above. And you can find a very kind introduction of this blog here from a gentleman who called himself “naturgesetz”.
I thought there is enough nonsense at this place without a translation tool, I can’t really recommend one, a blogger whose blog I “adore” wrote me once: “I looked at your blog: too bad the translation programs don't work well. On the other hand, they translate the German into something that sounds very poetic, even if it doesn't quite make sense.” Forgive me for stealing your words.
For all that try to use Babelfish.
And I thought by myself, why you shouldn’t give your readers a reason for a good laughter (because my English is not that good), so I guess I will make a short summary in the comment area in the future, to comment your own blog is indeed ridiculous, so enjoy it. Oh and if you like, correct me.
eine Begründung dieser Zumutung findet sich hier auch
Anmerkungen
Über "Cottage lake at night" & anderes
Sollte jemand Ansprüche auf eines der hier vorzufindenden Photos oder aus einem der zitierten Texte erheben wollen, bitte ich um eine Nachricht an