Freitag, 22. April 2016

Neustrelitzer Neuigkeiten

S.H. Georg Borwin Herzog zu Mecklenburg

Es ist sehr wahrscheinlich, daß 98 Jahre vergangen sind, seit zuletzt die “Vandalia”, die Landeshymne von Mecklenburg-Strelitz offiziell erklungen ist (gedichtet von Johann Friedrich Bahrdt, vertont von Carl Ludwig von Oertzen). Die Herzogliche Familie gab das Signal zum Erheben, dem weitestgehend Folge geleistet wurde.

Chor der Integrierten Gesamtschule “Walter Karbe” (noch sichtbar)

Anlaß war die endgültige Eröffnung des Kulturquartiers in Neustrelitz, Mecklenburg-Strelitz hat also wieder eine Landesausstellung. Als notorischer Zu-spät-Kommer verpaßte ich sicher ganz wichtige Grußworte, mein persönliches Programm begann mit den Worten S.H. Georg Borwin Herzog zu Mecklenburg, der gleich noch den  Hausorden der Wendischen Krone dem Museumsdirektor Albrecht Pyritz anheftete, gefolgt von der Vandalia. Das war schon sehr schön.

Man sah viel Enthusiasmus, aber auch (mehr im journalistischen Bereich) leichte Irritationen über diese Nostalgieaufwallungen. Aber schließlich wurde ein Museum eröffnet.

Das Landeswappen als Uhr

Ich bringe nachfolgend doch den Text der Hymne (die letzte Strophe mußte jeweils angepaßt werden, hier also die Variante mit dem Großherzog Georg). Ich gebe zu, daß ich mir die Sympathie für dieses Lied etwas erarbeiten mußte. Die Melodie ist angenehm. Und wenn die Worte dann von einem sehr motivierten Kinderchor samt kraftvoller Sopranistin vorgetragen werden, vermag das Ganze durchaus erhebend zu wirken.

Vandalia

Wie heißt der Gau im deutschen Land,
Gesegnet reich von Gottes Hand,
Der in der goldnen Ährenpracht
Dem Wanderer entgegen lacht?
Des Beltes Wogen liegt er nach,
Er wird genannt Vandalia.

Da grünt der deutschen Eiche Reis
Der echten Bürgertugend Preis,
Da hält man Recht und Sitte wert,
Da wird des Landmanns Fleiß geehrt,
Da wohnt noch alte deutsche Treu,
Da spricht man Wahrheit, Wahrheit ohne Scheu.

Wo ist das biedre Volk voll Kraft,
Das still und emsig wirkt und schafft,
Das nie geduldet fremde Schmach,
Das kühn die fremden Ketten brach?
Mit Ehren wird es stets genannt
Das Volk im Mecklenburger Land.

Wie heißt der Fürst gerecht und mild,
Der Schirm des Rechts, der Freiheit Schild,
Den jede Herrschertugend schmückt,
Der gern sein treues Volk beglückt?
Es leitet an der Liebe Band?
Georg nennt ihn sein Vaterland!

Drum Heil dem edlen deutschen Mann,
Der Segen stiftet, wo er kann!
Ihm zeige jeder Tag auf's neu'
Des Volkes Lieb', des Volkes Treu'!
Gott, Herr der Welt, bleib' schützend nah
Dem Herzog und Vandalia.

Der verdienstvolle Herr Corston (der der Herzoglichen Familie eine sozusagen Fanseite gewidmet hat) bringt natürlich ebenfalls einen Bericht über das Ereignis, hat aber auch eine Seite über die Vandalia, wo man sich einmal die Melodie anhören kann, allerdings gilt das nur bis zur Hälfte, danach folgt dort „Ich bete an die Macht der Liebe“ (bekannt vom Großen Zapfenstreich).

Das untergegangene Neustrelitzer Schloß

Und auf einen weiteren Bericht will ich ebenfalls gern verweisen: Herr Gross aus Wesenberg schreibt mehr nüchtern journalistisch über das Ereignis, und Frau Seidel von unserer Dorfzeitung, pardon, ich meinte natürlich den „Nordkurier“, hat ebenfalls freundlich berichtet.

Wo andere schon so fleißig waren, darf ich müßig sein. Ach so, die Ausstellung. Ich muß sie mir noch einmal mit weniger Leuten anschauen, mir macht Menschengedränge eher zu schaffen. Aber ja, sehenswert. Es folgen nur noch andere Bilder vom Tage.




nachgetragen am 25. April

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Es ist schön, wenn manches, was verschüttet war, langsam wieder freigelegt wird. Es geht dabei nicht darum, dass die Vergangenheit wiederkehren sollte, sondern allein darum, der Gegenwart aus der Anschauung des Vergangenen neue Ordnung zu schenken.

MartininBroda hat gesagt…

Da ich mittlerweile weiß, woher dies kam, ja! Ich glaube, der erste Begriff, der mir hier in den Sinn kommt, ist (gut, es ist gerade nach Mitternacht) Zuneigung. Diese Zuneigung erschrickt sich vor dem Werk der Zerstörung, das weiter vorangeht - in den Maßstäben, dem Fallenlassen jahrtausendealter Prinzipien der Rechtssetzung, der Dauerhysterie, die aus der Feindschaft gegen die Wirklichkeit erwächst. Dies soll nur eine kurze Antwort sein.

Dann wird man dankbar über alles, was dem entgegensteht. Vor allem, wo man sieht, daß es sein eigenes Leben entfaltet und wirkt.