Sonntag, 5. Juli 2020

Jochen Kleppers Königsgedichte

Castel del Monte, hier gefunden

Jochen Klepper


I

Deine Augen werden den König sehen in seiner Schöne; du wirst das Land erweitert sehen, daß sich dein Herz sehr verwundern wird und sagen: Wo sind nun die Schreiber? Wo sind die Vögte? Wo sind die, so die Türme zählten?
Jesaja 33, 17f.

Herr, laß uns wieder einen König sehen,
bevor die Welt die Könige vergißt.
Denn sonst vermögen wir nicht zu verstehen,
nach welchem Maß man deine Ordnung mißt.

Noch leben Königssöhne bei den Vätern
und wissen um Versäumnis und um Schuld
der Kronenträger. Wandle du zu Tätern
des Königswerks die Söhne in Geduld.

Noch gibt es Söhne, welche Kronen sahen
als Wirklichkeit und nicht als altes Bild.
Wann läßt du dir die Söhne wieder nahen?
Wann machst du sie zum Königtum gewillt?

Die Völker haben wider dich gemeutert.
Die Fürsten flohen deines Auftrags Last.
Nun aber hat sie langes Leid geläutert,
und dein Gesetz wird wiederum erfaßt.

Der neue König wird sich nur erheben,
wenn er als Büßer dir zu Füßen lag.
Er pocht nicht mehr auf Recht - nur auf Vergeben
und ohne Fahnen dämmert ihm sein Tag.

Herr, wenn die neuen Könige wieder kommen,
wird nirgends ein Geschrei noch Drängen sein.
Nur Glocken werden läuten, und die Frommen
führen den König mit Gebeten ein.

Germania von Philipp Veit (ca. 1834)

II

Fromm und wahrhaftig sein behütet den König, und sein Thron besteht durch Frömmigkeit.
Sprüche 20.28

Bald wird sich das Jahrtausend wieder neigen,
und Gottes neue Stunde bricht herein.
Wird dann der König seinen Thron besteigen
und deine Ordnung bei den Völkern sein?

Denn wie sie jetzt auf das Jahrtausend warten,
erfüllt die Stillen in dem Land mit Angst,
weil sie zu lange auf den König harrten,
der nur das Reich sucht, das du, Herr, verlangst.

Die Völker stehen ganz erstarrt in Waffen,
und der gilt viel, der neuen Tod erdenkt.
Auch wenn die Sicheln zu den Schwertern schaffen,
bleibt dennoch nur der Untergang verhängt.

Daß sie im guten Wahne noch vernichtet,
das ist die ärgste Wirrnis dieser Welt.
Nun muß der kommen, der dein Kreuz aufrichtet
und dieses Zeichen über alles stellt.

Die Welt in Waffen ist gar sehr entkräftet,
und mancher sieht den Trug in ihrer Macht.
Vom König, der den Blick aufs Kreuz geheftet,
von keinem sonst, wird Hilfe uns gebracht.

Nur werd das Kreuz sieht, hat von fern verstanden
die Heiligkreit im irdischen Gericht.
Wenn Könige dein Golgatha nicht fanden,
so fanden sie auch ihre Throne nicht.

St. Michael, Domenico Ghirlandaio zugeschrieben

III

Viele suchen das Angesicht eines Fürsten; aber eines jeglichen Gericht kommt vom Herrn.
Sprüche 29.26

Kein König wird ein Reich des Glücks erzwingen,
und Friede wird uns nimmermehr beschert.
Niemand wird das Verlorne wiederbringen,
und dein gelobtes Land bleibt uns verwehrt.

Der König wird das Reich der Buße suchen,
ein Richter unter göttlichem Gericht.
Die Starken, Stolzen werden ihn verfluchen.
Er fürchtet nur dein leuchtendes Gesicht.

Die Krone wird ihm bittren Schmerz bereiten.
Die Dornenkrone raubt ihr allen Schein,
und der Gekrönte neigt sich dem Geweihten.
Die Throne werden wieder Gleichnis sein.

Der König sendet wieder nach Propheten;
denn aller  Menschenrat hat jäh versagt.
Was noch geschieht, ersteht nur aus Gebeten.
Dein Wort wird Maß. Dein Wille wird erfragt.

Die Völker waren frevelhaft vermessen,
bevor der König als ein Büßer kam.
Herr, wirst du es uns noch einmal vergessen,
was deinen Zorn erregte, unsre Scham?

Wo Kreuze sind, hast du dich, Gott, gebunden.
Den Fahnen und den Kränzen bist du fern.
Wo Buße ist, dort bist du schon gefunden,
und über solchem Lande steht dein Stern.

Christus thronend zwischen Engeln, Sant'Apollinare Nuovo, Ravenna

IV

Es ist Gottes Ehre, eine Sache verbergen; aber der Könige Ehre ist's, eine Sache erforschen. Der Himmel ist hoch und die Erde tief; aber der Könige Herz ist unerforschlich.
Sprüche 25.2f.

Noch niemals nanntest du uns Menschen Zeiten,
und deine Stunde blieb stets unbekannt.
Du selbst mußt uns erst völlig dir bereiten
und kühnen Augen bleibst du abgewandt.

Die Ehrfurcht sieht auf die Jahrtausendwende,
ob sie der Welt die Könige beschert.
Die Sehnsucht streckt zum Morgen schon die Hände,
als wäre deine Gabe schon gewährt.

Vergib es, daß wir immer wieder fragen.
Vergib dem, der sich schwer bescheiden kann.
Wir leben nur in Stunden und in Tagen
und drängen stets dich Ewgen mit dem „Wann?“

Wir ließen dich – und heißen gottverlassen,
und nun ergreift uns namenlose Angst;
denn jetzt beginnen wir es zu erfassen,
wie früh du schon um unsre Rückkehr rangst.

Gott, laß uns deiner Ordnung nicht entrinnen.
Bekenne dich doch noch zu unsrer Zeit.
Laß uns am späten Abend noch beginnen.
Die große Stunde ist uns noch zu weit.

Noch leben Söhne fürstlicher Geschlechter,
Die du als Ordner unter uns gesandt.
Laß uns nicht ohne Mahner, ohne Wächter;
gib Könige und Propheten allem Land.

Hagia Sophia; die Hl. Jungfrau Maria und Jesus Christus als Kind, umgeben von Johannes II. Komnenos und der Hl. Eirene von Ungarn, hier gefunden

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nachgetragen am 9. Juli