Mittwoch, 5. Mai 2021

Vier letzte Lieder, Richard Strauss & Jessye Norman

Richard Strauss, Vier letzte Lieder, Frühling, hier gefunden 


Hermann Hesse

Frühling


In dämmrigen Grüften

Träumte ich lang

Von deinen Bäumen und blauen Lüften,

Von deinem Duft und Vogelsang.


Nun liegst du erschlossen

In Gleiss und Zier,

Von Licht übergossen

Wie ein Wunder vor mir.


Du kennst mich wieder;

Du lockst mich zart.

Es zittert durch all meine Glieder

Deine selige Gegenwart!


Spring


In twilit clefts

I dreamed long

Of your trees und blue breezes,

Of your scent and birdsong.


Now you lie revealed again

In gleaming adornment

Flooded with light

Like a miracle before me.


You know me again,

You entice me tenderly.

Through all my limbs trembles

Your blissful presence!

Translation: © David Paley


Richard Strauss, Vier letzte Lieder, September, hier gefunden 


Hermann Hesse

September


Der Garten trauert,

Kühl sinkt in die Blumen der Regen.

Der Sommer schauert

Still seinem Ende entgegen.


Golden tropft Blatt um Blatt

Nieder vom hohen Akazienbaum.

Sommer lächelt erstaunt und matt

In den sterbenden Gartentraum.


Lange noch bei den Rosen

Bleibt er stehen, sehnt sich nach Ruh.

Langsam tut er die großen,

Müdgewordenen Augen zu.


September


The garden mourns,

Rain sinks coolly into the flowers.

Summer shudders

Peacefully towards its end.


Golden, one leaf after another

Drops from the high Acacia tree.

Summer smiles astonished and weak

Into the dying garden dream.


But still, by the roses,

It pauses and longs for peace.

And slowly closes its large

Now tired, worn eyes.

Translation: © David Paley


Richard Strauss, Vier letzte Lieder, Beim Schlafengehen,

hier gefunden 


Hermann Hesse

Beim Schlafengehen


Nun hat der Tag mich müd gemacht,

Soll mein sehnliches Verlangen

Freundlich die gestirnte Nacht

Wie ein müdes Kind empfangen.


Hände, laßt von allem Tun

Stirn, vergiß du alles Denken,

Alle meine Sinne nun

Wollen sich in Schlummer senken.


Und die Seele unbewacht

Will in freien Flügen schweben,

Um im Zauberkreis der Nacht

Tief und tausendfach zu leben.


Going to sleep 


Now that I am wearied of the day,

my ardent desire shall happily receive

the starry night

like a sleepy child.


Hands, stop all your work.

Brow, forget all your thinking.

All my senses now

yearn to sink into slumber.


And my unfettered soul

wishes to soar up freely

into night's magic sphere

to live there deeply and thousandfold.


Richard Strauss, Vier letzte Lieder, Im Abendrot, hier gefunden 


Joseph von Eichendorff

Im Abendrot  


Wir sind durch Not und Freude

gegangen Hand in Hand;

vom Wandern ruhen wir [beide]

nun überm stillen Land.


Rings sich die Täler neigen,

es dunkelt schon die Luft.

Zwei Lerchen nur noch steigen

nachträumend in den Duft.


Tritt her und laß sie schwirren,

bald ist es Schlafenszeit.

Daß wir uns nicht verirren

in dieser Einsamkeit.


O weiter, stiller Friede!

So tief im Abendrot.

Wie sind wir wandermüde--

Ist dies etwa der Tod?


At sunset


Through sorrow and joy

we have gone hand in hand;

we are both at rest from our wanderings

now above the quiet land.


Around us, the valleys bow,

the air already darkens.

Only two larks soar

musingly into the haze.


Come close, and let them flutter,

soon it will be time to sleep -

so that we don't get lost

in this solitude.


O vast, tranquil peace,

so deep in the afterglow!

How weary we are of wandering--

Is this perhaps death?

Translation from here

Die beigefügten englischen Übersetzungen sind gewissermaßen eine Geste des Respekts für Jessye Norman, die selbst derlei nicht bedurfte.

Donnerstag, 29. April 2021

Von Schuldkälbern und anderen Opfertieren II

 

François Perrier, Die Anbetung des Golden Kalbes, 1642, 

hier gefunden

Jemand sagte mir, ich müsse an einem vorigen Beitrag feilen. Sarkasmus oder Ironie würden heute nicht mehr verstanden. Dahinter steckt natürlich schon die rührende Überzeugung von der Aufklärungswilligkeit bei Menschen. Ich glaube nicht daran. Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Grundfesten der Vernunft abgeräumt werden, und das am liebsten mit der vernünftigsten Maske. Menschen treiben in ihren Untergangsaufregungen, Vermessenheiten und Ressentimentsaufwallungen hier und da dahin. Dagegen gut und vernünftig zureden zu wollen, halte ich einfach für sinnlos. Man kann es nur noch ein wenig mehr auf die Spitze treiben für die, die es ebenso ermüdet.

Wer etwa die groteske Behauptung unter sich läßt, das Kaiserreich sei ein Hort der Judenverfolgung gewesen, gegen alle leicht auffindbaren Fakten, der will das geglaubt wissen, weil er damit eine Absicht verfolgt.

Der verdienstvolle Herr Klonovsky hatte damals nach dem Ausruf - „Ist dieser Mann noch bei Sinnen?“ die repräsentativeren Synagogenneubauten in Baden-Württemberg und Berlin vorgestellt. Allein in Berlin seien im Kaiserreich sieben neue jüdische Gotteshäuser eröffnet worden (für eines davon steuerte Seine Majestät persönlich die Wandverkleidung bei). Alle diese Synagogen wären von den Nationalsozialisten zerstört worden. Und er folgert: „Das dürfte auch der perfide Grund sein, warum Steinmeier die Juden mit den Sozialistengesetzen und dem Kulturkampf framt.“ Er wolle „den historischen Analphabeten, die er offenbar in großer Zahl unter seinen Zuhörern vermutet, das Kaiserreich als logisches Prius der nationalsozialistischen Judenverfolgung verkaufen“.

Als ich neulich an Dietrich Bonhoeffers Ausführungen über die Dummheit erinnerte (aus "Widerstand und Ergebung“), bestach mich vor allem seine Einsicht, daß Dummheit keine intellektuelle Minderbegabung sei, sondern eine Charakterschwäche (und ich füge hinzu eine Art von Besessenheit). Nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung könne die Dummheit überwinden. „Dabei wird man sich damit abfinden müssen, daß eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fällen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist; bis dahin werden wir auf alle Versuche, den Dummen zu überzeugen, verzichten müssen.“

Es gibt die einfache Dummheit, die muntere Dummheit, die arglistige Dummheit, die täuschende Bosheit und danach kann man eigentlich aufhören, denn das Böse tritt fast immer verkleidet auf. Es sagt selten, ich bin das Böse, außer im Faust, und selbst da noch leicht verklausuliert. 

Wir leben wieder in einem Zeitalter der Dummheit. Und ich habe bei Bonhoeffer gelernt, daß man manchmal einfach nur warten kann.

Nationaldenkmal Kaiser Wilhelm vor dem Berliner Schloß, etwa 1900, hier gefunden


II

Was mich überhaupt zu dem Beitrag veranlaßt hatte, waren nicht irgendwelche unsägliche Reden, sondern eher Verwunderung. Warum gerät ausgerechnet das Deutsche Reich in den Fokus der Volksaufklärer?  

Warum diese Hysterie um die Farben Schwarz-Weiß-Rot? Nur weil manche Menschen, die mit den gegenwärtigen politischen Verhältnissen nicht unbedingt sympathisieren, sich diese zum Identitätssymbol erwählt haben (warum auch immer)? Mit solchen „Abweichlern“ muß jedes System zurechtkommen, und es ist immer interessant und bezeichnend, in welcher Weise dies geschieht. Täten diese Leute als nächstes eine Sonne auf einem Regenbogen erwählen, wollte man dann Sonne und Regenbogen verbieten?

Es ist ein wenig mühsam, in den gegenwärtigen Zeiten den Überblick zu bewahren, und vor allem wartet als Lohn nur noch größere Verstörtheit, zwar besser sortiert und damit klarer, aber letztlich gewinnt man nichts anderes, als was einem das Gefühl nicht schon gesagt hätte. Etwa diese regelmäßigen Haßausbrüche gegen Rekonstruktionen von Vergangenem überraschen kaum mehr. 

So wenn der Oberschamane der Antikolonialismus-“Forschung“ an der Universität Hamburg Jürgen Zimmerer sich in einer kulturmaoistischen Fernsehsendung mit der Vorstellung in Ekstase deliriert, „diese Barockfassade mit Stacheldraht“ aufzubrechen. 

Um das Humboldt-Forum in einen antirassistischen und antikolonialen (Un-)Ort zu verwandeln, hülfen angesichts der Wucht und Größe des Gebäudes keine kleinen Schrifttafeln oder einzelnen Räume. Mit diesem preußischen Disneyland, das man in die Mitte Berlins gesetzt habe, hätte man die Spuren der deutschen Gewaltgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts tatsächlich überbaut und überschrieben. Man ginge ja sprichwörtlich architektonisch zurück in den Zustand vor 1914.

Der bekannte Furor, der die Bolschewiki 1931 die Christ-Erlöser-Kathedrale (neben vielen anderen Kirchen) in Moskau hat nicht nur aufbrechen, sondern gleich abbrechen lassen, denen waren deren Wucht und Größe auch zuwider.

Sprengung der Christ-Erlöser-Kathedrale Moskau, 1931, 

hier gefunden

Denn es kann nur einen Gott geben, nämlich den der immerwährenden Menschheitsbefreiung und des ewigen Fortschritts.  Das sei denen gesagt, die einwenden mögen, dies seien doch nur etwas exaltierte Reden eines ansonsten wohlmeinenden Agitators. Kommt Gelegenheit, kommt die Vendée!

Christ-Erlöser-Kathedrale Moskau, August 2016, hier gefunden


III

Die kognitive Dissonanz, mit einem Staat nichts zu tun haben zu wollen, mit dem man rechtlich identisch ist, nach eigenem Bekunden, überrascht dann auch nicht mehr.

Denn schließlich bettelt eine bestimmte Fraktion im Bundestag immer wieder fast regelmäßig darum, die "These von der Fortexistenz des Deutschen Reiches“ endlich zurückzuweisen, damit sie nicht von Neonazis und ähnlichem Gelichter benutzt werden könne. 

Und mit der Regelmäßigkeit eines Drehorgelliedes erfolgt darauf die Antwort:  Das Bundesverfassungsgericht habe in ständiger Rechtsprechung festgestellt, daß das Völkerrechtssubjekt "Deutsches Reich" nicht untergegangen und die Bundesrepublik Deutschland nicht sein Rechtsnachfolger, sondern mit ihm als Völkerrechtssubjekt identisch sei.

Aber ansonsten will man mit dem Deutschen Reich nichts zu tun haben. 

Noch ein anderes Beispiel: Im sog. Traditionserlaß („Die Tradition der Bundeswehr – Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege“) heißt es gegenwärtig:

„Traditionen von Verbänden ehemaliger deutscher Streitkräfte werden an Truppenteile und Dienststellen der Bundeswehr nicht verliehen; ihre Fahnen und Standarten werden in der Bundeswehr nicht mitgeführt oder begleitet.“

Die gestörte Beziehung zum Eigenen der Geschichte ist gewissermaßen konstitutiv für diese Republik. 

Fahne des I. Bataillon des 1. Garde-Regiment zu Fuß, 

ab 1889, hier gefunden


Fahne des II. Bataillons und des Füsilier-Bataillons, hier gefunden

Aber diese Störung wächst sich mit zelotische Eifer, dessen kulthafte Züge immer gespenstischer hervortreten, mittlerweile mehr zu einem Hexensabbat aus. Um an dieser Stelle eine mögliche Verwirrung angesichts des Titels des Ganzen aufzulösen:

Da haben wir einmal den sprichwörtlichen „Tanz um das goldene Kalb“.  Die Israeliten waren gerade aus Ägypten ausgezogen und Mose war fort. Gott sprach nämlich mit ihm auf dem Berge Sinai (2. Mose 32).

1. Da aber das Volk sah, daß Mose verzog, von dem Berge zu kommen, sammelte sich's wider Aaron und sprach zu ihm: Auf, mache uns Götter, die vor uns her gehen! Denn wir wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus Ägyptenland geführt hat... 7. Der Herr aber sprach zu Mose: Gehe, steig hinab; denn dein Volk, das du aus Ägyptenland geführt hast, hat's verderbt. 8. Sie sind schnell von dem Wege getreten, den ich ihnen geboten habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben's angebetet und ihm geopfert und gesagt: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägyptenland geführt haben.

Die Geschichte geht dann spannend weiter, man mag es unter dem angegebenen Ort weiterlesen.

Henri-Paul Motte, Der Tanz der Israeliten um das Goldene Kalb, 1899, hier gefunden

Und dann haben wir den sog. „Sündenbock“. Einmal im Jahr (beim Versöhnungsfest) jagten die Israeliten einen Schafbock in die Wüste, auf den zuvor die Sünden des Volkes gelegt worden waren.

Und Aaron soll den Farren, sein Sündopfer, herzubringen, daß er sich und sein Haus versöhne, und darnach die zwei Böcke nehmen und vor den Herrn stellen vor der Tür der Hütte des Stifts, und soll das Los werfen über die zwei Böcke: ein Los dem Herrn, das andere dem Asasel. Und soll den Bock, auf welchen das Los des Herrn fällt, opfern zum Sündopfer. Aber den Bock, auf welchen das Los für Asasel fällt, soll er lebendig vor den Herrn stellen, daß er über ihm versöhne, und lasse den Bock für Asasel in die Wüste.

Und wenn er vollbracht hat das Versöhnen des Heiligtums und der Hütte des Stifts und des Altars, so soll er den lebendigen Bock herzubringen. Da soll Aaron seine beiden Hände auf sein Haupt legen und bekennen auf ihn alle Missetat der Kinder Israel und alle ihre Übertretung in allen ihren Sünden, und soll sie dem Bock auf das Haupt legen und ihn durch einen Mann, der bereit ist, in die Wüste laufen lassen, daß also der Bock alle ihre Missetat auf sich in eine Wildnis trage; und er lasse ihn in die Wüste.

3. Mose 16, 6-10 und 20-22 

William Holman Hunt, Der Sündenbock, 1854, hier gefunden

Beide Gestalten hat der Kult der Gegenwart gewissermaßen zu einer fusioniert. Und die anderen Opfertiere? Nun diese spürt man immer wieder in der „eigenen“ Geschichte auf, um sie dann auf dem Altar des guten Gewissens verbrennen zu können. Alles, was an deutscher Geschichte lebenstief, geiststiftend und traditionsgegründet ist, muß dafür herhalten. Aber ihr Gott ist ein gieriger Gott. Es ist nie genug, und er ist auf Novitäten aus. Also müssen sie in entlegenere Gegenden vordringen und immer weiter jagen. Dieser Kult der Zerstörung arbeitet sich rückwärts durch die Geschichte und wird irgendwann zielsicher bei Kain und Abel angelangen, um herauszufinden: Kain war Deutscher!

Da hilft nur noch ein kräftiger Exorzismus.

Joachim Rupalley, Exorzismus durch St. Exuperius, 

Kathedrale von Bayeux, hier gefunden


Christ-Erlöser-Kathedrale Moskau, hier gefunden

Sonntag, 11. April 2021

Zum Gedenken an Kaiserin Auguste Viktoria

Kaiserin Auguste Viktoria im Juli 1917, hier gefunden

Antikentempel, hier gefunden

Kaiserin Auguste Viktoria, geborene Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, verstorben am 11. April 1921 im Haus Doorn, ist im Antikentempel von Sanssouci zu Potsdam begraben. Seit 1921 dient der Antikentempel als Grabstätte für Mitglieder des Hauses Hohenzollern.

Antikentempel Innenraum, hier gefunden


Andacht zur Kranzniederlegung 
am Sarg von Kaiserin Auguste Viktoria am 11. April 2021


Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.  Amen

Der Herr sei mit euch.

In ihrer Konfirmation war Auguste Viktoria unter das Wort gestellt worden: Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.


Wir hören und beten den 122. Psalm:

Ich freue mich über die, die mir sagten: Lasset uns ziehen zum Haus des Herrn!

Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem.

Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll,

wohin die Stämme hinaufziehen, die Stämme des Herrn, wie es geboten ist dem Volke Israel, zu preisen den Namen des Herrn.

Denn dort stehen die Throne zu Gericht, die Throne des Hauses Davids.

Wünschet Jerusalem Glück! Es möge wohl gehen denen, die dich lieben!

Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen!

Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen.

Um des Hauses des Herrn willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen.

Amen


Heute jährt sich zum 100. Mal das Sterben der letzten Kaiserin des Deutschen Reiches, der letzten Königin Preußens. 

Sie war am 22. Oktober 1858, früh 7 ½ Uhr geboren worden:

Am 30. November wurde sie getauft.

Auguste Viktoria starb am 11. April 1921, einem Montag, kurz vor 6 Uhr früh.

Ihrer kaiserlichen und königlichen Würden ging sie damit endgültig verlustig. Die Krone des Lebens aber wissen wir auf ihrem Haupt, uns als Trost und Verheißung.

Amen


Wir wollen beten:

Allmächtiger Gott,

Du hast uns mit der verewigten Kaiserin eine Frau vor Augen gestellt, die uns mit ihrer Liebe zu dir ein Beispiel gegeben hat, von dem wir erzählen sollen, durch das wir ermutigt werden, in dem wir Hoffnung finden.

Ewiger Gott,

in dir findet unsere Zeit ihr Maß und ihr Ziel. Auf dich trauen wir und bitten für den Prinzen und die Prinzessin von Preußen und die ganze königliche Familie. Sie ist wie jede Familie, wie dein ganzes Volk, eine Gemeinschaft der Lebenden und der Toten, als solche mögen sie unserem Lande dienen.

Großer Gott,

hilf uns, dass wir in der Geschichte nicht eigenen Ruhm suchen, sondern dein Wirken erblicken. Schenke deinem Volk Einheit und Frieden und gib, dass wir untereinander gesinnt seien, wie Jesus Christus auch war: Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. In seinem Namen sollen sich alle derer Knie beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind und alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist.

Mit ihm und in Gemeinschaft der ganzen Kirche wollen wir beten:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. 

Amen.


Sendung und Segen

Video von der Beisetzung 1921 in Potsdam, hier gefunden


Gedenkgottesdienstes zum 100. Todestag von Kaiserin Auguste Viktoria am Sonntag Quasimodogeniti 2021 in Potsdam

Potsdam, Sanssouci, Friedenskirche, hier gefunden


Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Herr sei mit euch!

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 

1Petr 1,3

Unter diesem Vers feiern wir Gottesdienst an diesem österlichen Sonntag, der den schönen Namen Quasimodogeniti – gleichwie die neugeborenen Kindlein – trägt. In österlicher Freude gedenken wir auch des Sterbens Ihrer Majestät der Kaiserin Auguste Viktoria, das sich vor 100 Jahren ereignet hat. Die Kirche ist die Gemeinschaft der Lebenden und der Toten. Wir dürfen sie in unserer Mitte wissen, wenn wir singen, beten und unseren Glauben bekennen. Wenn wir als Christen für unsere Toten beten, dann dürfen wir gewiss sein, auch immer mit ihnen zu beten am Thron des auferstandenen Herrn. Ihn bitten wir:

Komm Du mit Deinem Segen. Stärke unsere Gemeinschaft mit Dir und untereinander. 

Lass uns Zeugen Deiner Auferstehung sein. Du bist der Herr, Du bist das Heil. Du bist König und Gott in Ewigkeit. Amen.

Psalm 126

1 Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.

2 Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Heiden: Der HERR hat Großes an ihnen getan!

3 Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich. 

4 HERR, bringe wieder unsere Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland. 

5 Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. 

6 Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.

Ehr´ sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Potsdam, Sanssouci, Friedenskirche, hier gefunden 


Kyrie & Gloria

Gebet

Lasset uns beten:

Allmächtiger Gott, der Du Deinen Sohn von den Toten auferweckt hast: Verleihe uns, dass auch wir, durch Deine Gnade wiedergeboren, in einem neuen Leben wandeln.

Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn / der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen


1. Lesung

Da aber Samuel alt ward, setzte er seine Söhne zu Richtern über Israel. Sein erstgeborener Sohn hieß Joel und der andere Abia, und sie waren Richter zu Beer-Seba. Aber seine Söhne wandelten nicht in seinem Wege, sondern neigten sich zum Geiz und nahmen Geschenke und beugten das Recht. Da versammelten sich alle Ältesten in Israel und kamen gen Rama zu Samuel und sprachen zu ihm: Siehe, du bist alt geworden, und deine Söhne wandeln nicht in deinen Wegen; so setze nun einen König über uns, der uns richte, wie alle Heiden haben. Das gefiel Samuel übel, daß sie sagten: Gib uns einen König, der uns richte. Und Samuel betete vor dem HERRN. Der HERR aber sprach zu Samuel: Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, daß ich nicht soll König über sie sein. Sie tun dir, wie sie immer getan haben von dem Tage an, da ich sie aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag, und sie mich verlassen und andern Göttern gedient haben. So gehorche nun ihrer Stimme. Doch bezeuge ihnen und verkündige ihnen das Recht des Königs, der über sie herrschen wird.

1 Sam 8, 1-9

Halleluja

Alliance-Wappen der Kaiserin Auguste Victoria, hier gefunden


Schleswig-Holstein-Lied


Schleswig-Holstein, meerumschlungen,

deutscher Sitte hohe Wacht,

wahre treu, was schwer errungen,

bis ein schönrer Morgen tagt!

Schleswig-Holstein, stammverwandt,

wanke nicht, mein Vaterland

Schleswig-Holstein, stammverwandt,

wanke nicht, mein Vaterland.


Teures Land, du Doppeleiche,

unter einer Krone Dach,

stehe fest und nimmer weiche,

wie der Feind auch dräuen mag!

Schleswig-Holstein, stammverwandt,

wanke nicht, mein Vaterland!

Schleswig-Holstein, stammverwandt,

wanke nicht, mein Vaterland!


Evangelium

Ehre sei Dir Herre!

Am Abend aber desselben ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den HERRN sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmet hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. 

Thomas aber, der Zwölf einer, der da heißt Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den HERRN gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, will ich's nicht glauben. Und über acht Tage waren abermals seine Jünger drinnen und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Türen verschlossen waren, und tritt mitten ein und spricht: Friede sei mit euch! Darnach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein HERR und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thomas, glaubest du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Joh 20, 19-29

Lob sei Dir Christus!


Credo

Potsdam, Sanssouci, Friedenskirche, hier gefunden 


Predigt 

1 Sam 8, 1-9 + Joh 20, 19-29


Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus!

Die Kirche ist die Gemeinschaft der Lebenden und der Toten. Wo wäre dies offensichtlicher als hier? Dort, wo Gottesdienst gefeiert wird, da steht die Gemeinde immer am Sarg.

Einhundert Jahre nach dem Sterben der Kaiserin ist es an der Zeit, sich grundsätzlich darüber zu verständigen, was ihr und diesem Volk widerfahren ist. Das Sterben einer Kaiserin, einer Königin von Preußen, betrifft niemals nur sie allein, sondern alle Menschen, deren Königin sie gewesen ist.

Lesung und Evangelium, die wir gehört haben, sollen uns bei diesem Nachdenken helfen.

Beiden Texten ist es gemeinsam, dass Menschen sich oft schwertun mit den unsichtbaren Dingen. Wir wollen sehen und im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Thomas will sich nicht begnügen mit dem, was andere ihm erzählen. Er kommt nicht zurecht mit dem nun unsichtbaren Herrn. Er will seinen Finger in die Nägelmale und seine Hand in die Seite Jesu legen. Er will sich durch Berührung vergewissern.

Wir begegnen hier einem ganz menschlichen Drang. Darüber hinaus aber erleben wir, wieviel Verständnis der Herr mit dieser menschlichen Schwäche hat. Er kommt erneut. Er zeigt sich. Er lässt den Zweifler nicht im Zweifel vergehen. 

Ganz ähnlich ist das, was uns bei Samuel erzählt wird. Die Menschen erleben Willkür und Korruption. Darum drängen sie ihre Ältesten, zu Samuel zu gehen und eine gründliche Reform für die Ordnung ihres Zusammenlebens zu verlangen. 

Sie wollen einen König, der sichtbar auf dem Thron sitzt, vernehmlich zu ihnen spricht und nach Recht und Gesetz über sie richtet. Sie sind des Unsichtbaren überdrüssig, weil nur Schlechtes hervorgebracht wird. Sie wollen sich im Sichtbaren vergewissern.

Zwei Dinge aber sind ihnen vermutlich gar nicht bewusst. Mit diesem Drängen verwerfen sie Gott, der doch ihr wahrer und einziger König ist. Aber vor allem legen sie einem Menschen ein Amt und eine Bürde auf, die er allein nicht tragen kann.

Samuel erkennt das sofort und es gefällt ihm übel, wie es in unserer Geschichte heißt. Als er sich dann aber im Gebet an den Herrn wendet, da muss er erfahren, dass Gott barmherzig ist. So wie sich der Auferstandene mit den Malen der Folter am Körper zeigt, so gewährt der Herr seinem Volk ein irdisches unvollkommenes Königtum, weil es danach verlangt.

Das ist die Situation von Menschen, denen in dieser Welt das Amt eines Königtums auferlegt ist.

Auguste Viktoria hatte davon durchaus einen Begriff, als sie mit ihrer Hochzeit begann, auf den Thron zuzugehen. 

„Soll´s uns hart ergehen, lass uns feste stehn,

Und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen.“

Wir wissen, dass dies unser Weg ist, so hat sie es am Tage vor ihrer Vermählung bekundet, und so haben es die Menschen auf dem Magdeburger Hauptbahnhof gesungen, als ihr Sarg ins Reich zurückkehrte.

Eine Königin, die der Krone gerecht werden will, muss größeres Gottvertrauen besitzen als andere Menschen, denn sie spiegelt seine Gegenwart in der Welt. Dadurch wird sie zu dem, was Friedrich von Hardenberg, der uns als Novalis geläufig ist, in der Sentenz zusammengefasst hat: „Ein wahrhaftes Königspaar ist für den ganzen Menschen, was eine Constitution für den bloßen Verstand ist.“ 

In diese Vorstellung passt es, das Königspaar als einen Teil jener uns heute fernen Poesie und Romantik des Staates zu sehen, von der auch wieder Novalis gehofft hat, dass sie dazu in der Lage wäre, die Wunden zu heilen, die der Verstand schlägt.

Die Gemeinschaft eines großen Volkes braucht einen verbindenden Glauben, die Bereitschaft zum Dienst und zur Pflichterfüllung und sie braucht Treue. Glaube, Dienst und Treue eines Volkes werden in ihrem Verhältnis zum Königspaar verwandelt. Sie bleiben keine kalten abstrakten Größen, sondern werden Ausdrucksformen einer konkreten Beziehung. Sie werden Ausdrucksformen der Liebe, ohne die menschliches Leben nicht denkbar ist.

Wir alle kennen den Verlauf unserer Geschichte. Es ist hier nicht der Ort, um alle ihre schmerzlichen, verhängnisvollen und auch grausamen Seiten wieder hervorzukehren. Eine Tatsache bleibt allein, dass jemand, der auf die höchste Höhe emporgehoben war, nun in die tiefste Tiefe hinabgestoßen wurde. Und selbst darin war nur ein Vorzeichen von all dem gegeben, was noch kommen sollte. Aus einem so vollständigen Treuebruch, aus dem Verwerfen jeder Tradition und der Aufgabe einer Kontinuität, die beinahe ein Jahrtausend getragen hatte, konnte nichts Gutes erwachsen. Und der Fortgang der Ereignisse hat dies dann nur bestätigt.

Ich will darum ein drittes Mal Novalis zitieren: „Ein einstürzender Thron ist, wie ein fallender Berg, der die Ebene zerschmettert und da ein todtes Meer hinterläßt, wo sonst ein fruchtbares Land und lustige Wohnstätte war.“

Wohl war den Menschen, als sie Auguste Viktoria 1921 unter gewaltiger Anteilnahme zu Grabe trugen, dies bereits eine schmerzliche, noch dunkle Ahnung. Das Zusammengehörigkeitsgefühl unseres Volkes krönte sich gleichsam selbst durch die Verehrung der Königin! 

Das Sichtbare aber war nun vergangen und es mussten Trost und Hoffnung wieder allein in den unsichtbaren Gütern, nämlich in Gottes Verheißungen gesucht werden.

Jochen Klepper konnte noch dichten:

Noch leben Söhne fürstlicher Geschlechter,

Die du als Ordner unter uns gesandt.

Laß uns nicht ohne Mahner, ohne Wächter;

Gib Könige und Propheten allem Land.


Einhundert Jahre ist dies nun alles her. Geblieben sind scheinbar nur die Träger königlicher Namen. Es könnte nachdenklich machen, wie sehr diese unserer Gegenwart wieder zum Stein des Anstoßes geradezu zum Ärgernis werden.

Werdet daran nicht irre. Das mit dem königlichen Namen verbundene Amt liegt nämlich nicht in irgendeinem Vorrecht, sondern allein in der Pflicht gegenüber dem Volk. Hier besteht sie darin, zu bekunden, was eine Königin ist und mit Blick auf Auguste Viktoria zu bezeugen die Mutter, in ihrer Liebe, die Christin, in ihrem Glauben, die Kaiserin, in ihrer Treue und in allem ihren Glanz.

Amen


Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem auferstandenen Herrn. Amen


Christ ist erstanden

von der Marter alle.

Des solln wir alle froh sein;

Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis.


Wär er nicht erstanden,

so wär die Welt vergangen.

Seit dass er erstanden ist,

so lobn wir den Vater Jesu Christ´. 

Kyrieleis.


Halleluja,

Halleluja,

Halleluja.

Des solln wir alle froh sein;

Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis.


Fürbitte & Vater unser


Wir wollen Fürbitte halten und zu Gott beten mit dem gemeinsamen Ruf: Herr, erbarme Dich!

Allmächtiger Gott, wir danken Dir für die Auferstehung Deines Sohnes, unseres Erlösers und bitten Dich, mache uns zu treuen Zeugen seines Sieges im Glauben an Dich.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.

Ewiger Gott, wir danken Dir für die Gemeinschaft der Heiligen. Durch sie bleiben wir verbunden mit allen Menschen und mit Deinen Wundern. Wir bitten Dich, stärke Deine Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit und schenke ihr nach Deinem Willen Einheit und Frieden.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.

Barmherziger Gott, wir danken Dir für das Leben von Auguste Viktoria. Du hast der Welt durch sie ein bleibendes Zeichen gegeben. Wir bitten Dich mit ihr für die königliche Familie. Segne den Prinzen und die Prinzessin von Preußen und schenke ihnen Glaube, Liebe und Hoffnung.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.

Gütiger Gott, wir danken Dir für Deine Gegenwart und bitten Dich um Segen und Frieden für unser Volk und für alle Völker, für unser Land und für alle Länder, denn Du hältst die ganze Welt in Händen und rufst Dein Volk aus allen Völkern.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.

In der Gemeinschaft mit der Gottesmutter Maria, mit der ganzen Kirche, und mit der verewigten Kaiserin beten wir, wie Christus uns zu beten gelehrt hat:


Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. 

Amen.


Nun danket alle Gott

mit Herzen, Mund und Händen,

der große Dinge tut

an uns und allen Enden,

der uns von Mutterleib

und Kindesbeinen an

unzählig viel zu gut

bis hierher hat getan.


Der ewigreiche Gott

woll uns bei unserm Leben

ein immer fröhlich Herz

und edlen Frieden geben

und uns in seiner Gnad

erhalten fort und fort

und uns aus aller Not

erlösen hier und dort.


Lob, Ehr und Preis sei Gott

dem Vater und dem Sohne

und Gott dem Heilgen Geist

im höchsten Himmelsthrone,

ihm, dem dreiein’gen Gott,

wie es im Anfang war

und ist und bleiben wird

so jetzt und immerdar.


Sendung & Segen


Gehet hin im Frieden des Herrn! 


Der HERR segne dich und behüte dich,

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,

Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.


Amen


Wenn ich einmal soll scheiden,

so scheide nicht von mir!

Wenn ich den Tod soll leiden,

so tritt du dann herfür!

Wenn mir am allerbängsten

wird um das Herze sein,

so reiß mich aus den Ängsten

kraft deiner Angst und Pein.


Erscheine mir zum Schilde,

zum Trost in meinem Tod

und lass mich sehn dein Bilde

in deiner Kreuzesnot!

Da will ich nach dir blicken,

da will ich glaubensvoll

fest an mein Herz dich drücken.

Wer so stirbt, der stirbt wohl.


Kaiserinstandarte, hier gefunden

Auf dem Fahnennagel der Kaiserinstandarte im Antikentempel war zu lesen:

Ich habe Tage des Glücks geseh’n

Sah Deutschlands Ruhm, Deutschlands Vergeh’n.

In Tagen des Elends und Tagen der Schmach

Folg der seligen Kaiserin zur Ruhe ich nach.

Bleiben will ich an dieser Statt

Bis das Reich wieder Kaiser und Krone hat.

Herr Gott hilf.


Eben diese Standarte wurde beim Gedenken an die Kaiserin Auguste Viktoria an ihrem Grabmal wieder aufgerichtet.

Liturgie und Predigt sind gehalten worden von Herrn Th. Roloff, weitere Bilder werden voraussichtlich am Dienstag folgen.

Nachtrag:

Leider nein, da sie nichts geworden sind. Aber vielleicht erbarmt sich noch ein anderer Photographiert-Habender.

Sonntag, 4. April 2021

Ostern


 Frohe und Gesegnete Ostern!



This Joyful Eastertide - King's College Cambridge

hier gefunden

Die Historie des Liedes liest man dort.



Die Abbildungen stammen aus dem Nachgelassenen meiner Frau Mutter.

Dienstag, 23. März 2021

Von Schuldkälbern und anderen Opfertieren

Einführung ins Thema


1. Von Fahnen

Hans Bohrdt: "Der letzte Mann" (Ansichtskarte/Reproduktion, das Gemälde ist seit 1916 verschollen), hier gefunden

„Reichskriegsflaggen“ (genauer die des Norddeutschen Bundes von 1867 durchgehend bis zu denen des  Deutschen Reiches 1935, ab da sind sie es sowieso) müßten verboten werden. So forderte es eine Juristenvereinigung.  Sie stünden für „Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Demokratieverachtung“. 

Auch die Innenministerkonferenz wollte seit Dezember 2020 geprüft wissen, inwieweit "ein gesetzliches Verbot des provokativen Zeigens von Reichsflaggen, Reichskriegsflaggen und ähnlichen Symbolen" ins Strafgesetzbuch Eingang finden könne.

Bundesinnen- und Justizministerium antworteten nun besagtem Verein, ein Mustererlaß für Polizei und Ordnungsbehörden zum Umgang mit dem öffentlichen Zeigen der Fahnen sei "zielführender als eine Erweiterung strafrechtlicher Tatbestände". Dieser solle den Ländern rechtssicher ermöglichen, über das Versammlungsrecht das Zeigen von Reichsfahnen und Reichskriegsflaggen zu unterbinden. Also kein Strafrecht, sondern Polizeirecht. Das ist ja auch ein beweglicheres Instrument.


 2. Vom besten Deutschland, das es je gab

„Das Größere Wappen Sr. Majestät des Deutschen Kaisers“, 

hier gefunden 

"Ja, wir leben heute im besten Deutschland, das es jemals gegeben hat." So sprach unser Volks- ach, was rede ich, unser Bevölkerungspräsident auf dem Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Potsdam am 3. Oktober 2020. Und da ein Gegenstand um so heller strahlt, wenn man zugleich auf das düstere Gegenbild weisen kann, hatte er es glücklicherweise auch zur Hand – das zweite Kaiserreich von 1871.

"Die nationale Einheit 1871 wurde erzwungen, mit Eisen und Blut, nach Kriegen mit unseren Nachbarn, gestützt auf preußische Dominanz, auf Militarismus und Nationalismus."

Das ist so. Man hätte Napoleon III. durch gutes Zureden und Verhandlungen dazu bringen müssen, von seinen imperialen Ambitionen, die sich mit deutscher Einheit nicht vertrugen, abzukommen. Welches Recht hatten die Deutschen schließlich auf ihre Einheit? Haben nicht auch die Italiener ihre Einigungskriege erst geführt nachdem die Deutschen, als ihre Nachbarn, zuvor ihr Placet gaben?

Gustav Heinemann habe beim 100. Jahrestag der Gründung des Deutschen Reiches, stellte sein Nachfolger anläßlich des 150. Jahrestages fest, keinen Grund zur Feier einer Reichsgründung gesehen, „die ein Jahrhundert zuvor wohl für die Herstellung der äußeren Einheit Deutschlands gesorgt hatte, aber weder für die innere Einheit und Freiheit seiner Bürgerinnen und Bürger noch für äußeren Frieden."

Und überhaupt (wir sind wieder am 3. Oktober): "Wie grundsätzlich verschieden war 1871 von 1990. Mit eiserner Hand wurde im Kaiserreich auch nach innen durchregiert. Katholiken, Sozialisten, Juden galten als ‚Reichsfeinde‘, wurden verfolgt, ausgegrenzt, eingesperrt, Frauen von politischer Mitbestimmung ausgeschlossen." 

Daß selbst Juden eingesperrt wurden, weiß schließlich jedermann. Und alle zivilisierten Völker, wenn man das noch so sagen darf, hatten schließlich das Frauenwahlrecht, außer der Schweiz, da hat es bis 1990 gedauert, bis der letzte Kanton dazu gezwungen wurde. 

Nach einer nationalen Feier der Reichsgründung (wir sind zurück zur Ansprache zum 18. Januar) verlange daher heute niemand. "Wir Deutschen stehen dem Kaiserreich heute so beziehungslos gegenüber wie den Denkmalen und Statuen von Königen, Kaisern und Feldherren aus dieser Epoche.“ Sie seien zwar etwa in Berlin zwar im Stadtbild präsent, entfalteten aber „keine prägende Kraft".

Unsere Perspektive auf diese Epoche deutscher Geschichte sei gebrochen, „schon durch die Kriege, mit denen die Einheit erzwungen wurde, vor allem aber durch die Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Einen ungetrübten Blick zurück auf das Kaiserreich, vorbei an Völkermord, an zwei Weltkriegen und einer von ihren Feinden zerstörten Republik, gibt es nicht und kann es nicht geben."

Die Bundesrepublik Deutschland stehe zwar in Gesetzgebung und Rechtsprechung in der Tradition des Kaiserreichs. Das Bürgerliche Gesetzbuch ebenso wie die Bismarckschen Sozialgesetze wirkten in den Grundstrukturen bis in die Gegenwart fort, allerdings hätten sich zahlreiche Schichten von notwendigen Anpassungen darübergelegt.

Ein Grundfehler des Kaiserreichs habe in der fehlenden parlamentarischen Regierung gelegen: "Aber diese Parlamentarier gewannen Größe vor allem in Opposition zur Regierung, denn die Übernahme von Regierungsverantwortung war ihnen verwehrt. In Bismarcks Welt kontrollierte die Regierung das Parlament und nicht das Parlament die Regierung."

Auch das Budgetrecht des Parlaments, samt der sonstigen Gesetzgebung gilt da nicht als Einwand.

Und schließlich „ragte mit der sozialen Bedeutung des Militärs und seines Offizierskorps, besonders aber mit der alleinigen Kommandogewalt des preußischen Königs ein Stück Absolutismus in die Gegenwart des Kaiserreichs."

Und wenn es in der spanischen Verfassung in Artikel 62 heißt: „Dem König obliegt es..., den Oberbefehl über die Streitkräfte auszuüben“, dann ist das sicherlich ein Überbleibsel aus der franquistischen Ära.


3. Vom Säubern

Der Bundespräsident ließ auch die positiven Seiten des Kaiserreichs nicht unerwähnt.

"Tatsächlich entfaltete ja die lange ersehnte und zuvor gescheiterte Reichseinigung, wie Bismarck sie schließlich im Sinne Preußens erzwungen hatte, eine beeindruckende Dynamik – die Revolution von oben begünstigte Fortschritte in Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und Kultur.“

Wie das? Aus dem Süden kommt in Gestalt eines Herrn Käppner die Aufklärung ("Des Kaisers alte Kleider. Das Wilhelminische Reich war nicht besser als sein Ruf. Im Gegenteil." von Joachim Käppner, Süddeutsche Zeitung vom 17. März 2021)

Zunächst: Ohne das Kaiserreich wäre das Dritte Reich undenkbar gewesen. Fast alles von jenem Bösen, sei schon unter Wilhelm II. angelegt gewesen. Aber auch, wenn man das Kaiserreich nur für sich und nicht als Hinführung zur NS-Diktatur ansehe, bestehe wenig Grund, seinen Ruf retten zu wollen. 

"Ja, es gab Gutes darin: den Parlamentarismus, die Frauenbewegung, die Selbstbehauptung der Arbeiterschaft, den Aufschwung von Kultur, Literatur, Wissenschaft, die neue Urbanität (Berlin, so 1892 Mark Twain, 'ist die modernste Stadt, die ich je gesehen habe') aber das meiste davon entstand trotz des erdrückenden Gesellschaftssystems und nicht seinetwegen, gewiss ist es nicht dessen Verdienst."

Die Möglichkeit einer friedlichen Evolution des Kaiserreichs zu einer Demokratie habe es niemals gegeben. "Dieses System war nicht fähig zur Reform, weil es sich als Gegenentwurf zur Freiheit verstand."

Und dann habe die SPD 1918 den Todfehler begangen, die alten Eliten zu belassen, "im Interesse der Legitimität, was ehrenwert, aber eine folgenreiche Illusion war. Mit den Führungsschichten eines Unrechtsstaates ließ sich keine Demokratie aufbauen." Das alte System hätte "gründlicher ausgefegt" werden müssen. Vermutlich so:

„Genosse Lenin säubert die Erde vom Unrat“ - Viktor Nikolajewitsch Denisow, 1920


wird fortgesetzt

Sonntag, 21. Februar 2021

Von der Dummheit


Dies ist einer der so vortrefflichen wie wirkungslosen Texte, weil jeder in ihm all jene, die ihm politisch, ästhetisch, moralisch oder in was auch immer zuwider sind, also die Spitzbuben der anderen Seite wie Klassenfeinde, Vertreter der toxischen Maskulinität oder Anhänger der vormaligen Präsidenten Trump auf der einen wie auf der anderen Zeitgeistknechte, erweckte Nivellierer und Ressentiments-Reiter jeweils trefflich gezeichnet sehen wird. Nur als eine der gegenwärtigen Frontstellungen. Eine klassische Einladung zur Projektion gewissermaßen.

Dennoch ist es eine tiefgehende Zerlegung der Gründe der Dummheit genauso, wie es die eher resignative Einsicht mitteilt, warum ihr mit Vernunftgründen kaum beizukommen ist. Der Abschnitt ist aus dem Anfang von "Widerstand und Ergebung“ von Dietrich Bonhoeffer, den Aufzeichnungen aus der Haft. Unmittelbar vor Kriegsende wurde er bekanntlich auf persönlichen "Führerbefehl" hin getötet. Das also wäre die Folie, vor der der Text steht. Wir wollen ihn weder aktualisieren noch historisieren, sondern einfach nur anbringen. Für seine Gedanken dazu ist sowieso jeder selbst verantwortlich.

Westminster Abbey - "Märtyrer des 20. Jahrhunderts", Photo von Dnalor_01 (CC-BY-SA 3.0), hier gefunden 


Dietrich Bonhoeffer: „Von der Dummheit“

„Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch durch Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch – und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseite geschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen; es ist sinnlos und gefährlich.

London, Westminister Abbey, Märtyrer des 20. Jahrhunderts, Dietrich Bonhoeffer, hier gefunden

Um zu wissen, wie wir der Dummheit beikommen können, müssen wir ihr Wesen zu verstehen suchen. Soviel ist sicher, daß sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. 

Diese Entdeckung machen wir zu unserer Überraschung anläßlich bestimmter Situationen. Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, daß die Dummheit ein angeborener Defekt ist, als daß unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, bzw. sich dumm machen lassen. Wir beobachten weiterhin, daß abgeschlossen und einsam lebende Menschen diesen Defekt seltener zeigen als zur Gesellung neigende oder verurteilte Menschen und Menschengruppen. So scheint die Dummheit vielleicht weniger ein psychologisches als ein soziologisches Problem zu sein. Sie ist eine besondere Form der Einwirkung geschichtlicher Umstände auf den Menschen, eine psychologische Begleiterscheinung bestimmter äußerer Verhältnisse. 

Bei genauerem Zusehen zeigt sich, daß jede starke äußere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art, einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. Ja, es hat den Anschein, als sei das geradezu ein soziologisch-psychologisches Gesetz. Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen. Der Vorgang ist dabei nicht der, daß bestimmte – also etwa intellektuelle – Anlagen des Menschen plötzlich verkümmern oder ausfallen, sondern daß unter dem überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung dem Menschen seine innere Selbständigkeit geraubt wird und daß dieser nun – mehr oder weniger unbewußt – darauf verzichtet, zu den sich ergebenden Lebenslagen ein eigenes Verhalten zu finden. 

Daß der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, daß man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihm mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen mißbraucht, mißhandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen. Hier liegt die Gefahr eines diabolischen Mißbrauchs. Dadurch werden Menschen für immer zugrunde gerichtet werden können.

Aber es ist gerade hier auch ganz deutlich, daß nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, daß eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fällen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist; bis dahin werden wir auf alle Versuche, den Dummen zu überzeugen, verzichten müssen.

In dieser Sachlage wird es übrigens auch begründet sein, daß wir uns unter solchen Umständen vergeblich darum bemühen zu wissen, was „das Volk“ eigentlich denkt, und warum diese Frage für den verantwortlich Denkenden und Handelnden zugleich so überflüssig ist – immer nur unter den gegebenen Umständen. Das Wort der Bibel, daß die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei, sagt, daß die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist.

Übrigens haben diese Gedanken über die Dummheit doch dies tröstliche für sich, daß sie ganz und gar nicht zulassen, die Mehrzahl der Menschen unter allen Umständen für dumm zu halten. Es wird wirklich darauf ankommen, ob Machthaber sich mehr von der Dummheit oder von der inneren Selbständigkeit und Klugheit der Menschen versprechen.

Samstag, 20. Februar 2021

Marginalia


Selbst Schnecken können eigensinnig sein. Das Bild oben ist tatsächlich Zeugnis einer kuriosen "Wanderung". Im Herbst schlich sich eine kleine Schnecke durch das offene Fenster und nahm eine offenkundige Überwinterungsposition direkt daneben ein. 

Kürzlich fiel sie dort aber ab und da ich sie hinüber wähnte, landete sie mit ordinärem Schmutz, abgefallenen Blättern etc. erst auf der Schaufel und dann in der einschlägigen Porzellanschüssel im Bad. Als mir dabei ein flüchtiger Blick auf die Uhr verriet, daß ich wie immer schon wieder zu spät sei, unterblieb die reinigende Flut. Und als ich zurückkam, sah ich eine höchst lebendige Kreatur das Terrain erkunden. Ich fischte sie also von demselbigen und setzte sie in einen Blumenkasten, wenig später war sie nicht mehr auszumachen und heute entdecke ich sie an ziemlich haargenau derselben Stelle, von wo sie abgefallen war, mit allenfalls einem Zentimeter Differenz (ich hatte schon einmal Bilder gemacht). Merkwürdig.



Die holprichten Verse, die da unter das Bild mit Tinte geschrieben sind, lauten wie folgt:

Die göttlich Majestät nicht ganz erkannt mag werden

Dann an seinem Geschöpf im Himmel und auf Erden,

Zu sehen in die Sonn unser Augen nicht tügen

Im Wasser wir zum Teil den Schatten sehen mügen.


Ich fand sie in einer Einführung in die Barocklyrik als Beispiel für Emblemata. Um es für mich ein wenig zu glätten, dachte ich mir nachfolgende Variante aus:

Die göttlich Majestät nicht ganz erkannt kann werden,

An sein' Geschöpfe nur im Himmel und auf Erden,

Zu sehen in die Sonn' die Augen nicht ertragen,

So können wir den Schein im Wasser nur befragen.


Nur um erleichtert festzustellen, in einem anderen Druck gibt es offenbar vom Autor (Julius Wilhelm Zincgref, Emblematum ethico-politicorum centuria) selbst eine deutsche Fassung, die meine Verbesserung weit in den Schatten stellt. Aber zu den Marginalien paßt das Ganze.


Julius Wilhelm Zincgref

MONSTRATUR IN UNDIS


Begehrest Du zu seh'n den Glanz der heißen Sonnen?

Das kannst Du besser nicht als in dem Fluß und Bronnen.

So mag der große Gott auch nur erkennet werden

An seiner Hände Werk im Himmel und auf Erden.



Christian Hofmann von Hofmannswaldau

Ermahnung zur Vergnügung


Ach was wollt ihr trüben Sinnen

Doch beginnen!

Traurig sein hebt keine Not,

Es verzehret nur die Herzen,

Nicht die Schmerzen,

Und ist ärger als der Tod.


Dornenreiches Ungelücke,

Donnerblicke,

Und des Himmels Härtigkeit

Wird kein Kummer linder machen;

Alle Sachen

Werden anders mit der Zeit.


Sich in tausend Tränen baden

Bringt nur Schaden,

Und verlöscht der Jugend Licht;

Unser Seufzen wird zum Winde;

Wie geschwinde

Ändert sich der Himmel nicht!


Heute will er Hagel streuen,

Feuer dräuen;

Bald gewährt er Sonnenschein,

Manches Irrlicht voller Sorgen

Wird uns Morgen

Ein bequemer Leitstern sein.


Bei verkehrtem Spiele singen,

Sich bezwingen,

Reden was uns nicht gefällt,

Und bei trüben Geist und Sinnen

Scherzen können,

Ist ein Schatz der klugen Welt.


Über das Verhängnis klagen

Mehrt die Plagen,

Und verrät die Ungeduld;

Diesem, der mit gleichem Herzen

Trägt die Schmerzen,

Wird der Himmel endlich hold.


Auf O Seele! du mußt lernen

Ohne Sternen,

Wenn das Wetter tobt und bricht,

Wenn der Nächte schwarze Decken

Uns erschrecken,

Dir zu sein dein eigen Licht.


Du must dich in dir ergötzen

Mit den Schätzen,

Die kein Feind zunichte macht;

Und kein falscher Freund kann kränken

Mit den Ränken,

Die sein leichter Sinn erdacht.


Von der süßen Kost zu scheiden,

Und zu meiden,

Was des Geistes Trieb begehrt,

Sich in sich stets zu bekriegen,

Und zu siegen,

Ist der besten Krone wert.