Dienstag, 3. März 2026

Thomas Jastram in der Galerie Martina Fregin


Eröffnung der Ausstellung am 27. Februar 2026 in Güstrow


Liebe Tine, lieber Thomas,

sehr verehrte Frau Fregin,

liebe Freunde der Kunst,

obwohl ich bereits einmal eine Ausstellung von Thomas Jastram, und zwar in Dresden, mit einer kleinen Rede eröffnen durfte, hatte das Künstlerpaar den Wunsch, dass ich es heute hier in Güstrow wieder tun soll.

Es ist einer meiner zentralen Lebensgrundsätze, dass ich immer am dankbarsten für das bin, was ich nicht machen muss, wenn sich aber eine Aufgabe stellt, dann soll man auch versuchen, sich ihrer mit Anstand zu entledigen.

Ich bin allerdings weder Kunstkenner noch in anderer Weise ein Sachkundiger. In erster Linie bin ich ein Freund des Künstlerpaares, dem wir diesen heutigen Abend verdanken.

Diese Freundschaft hatte ihren Ausgangspunkt in der Einsegnung einer Ehe, die ich vorzunehmen hatte. Sie besitzt also im weitesten Sinne einen religiösen Hintergrund.

Darum soll der Zusammenhang von Kunst und Religion auch der Gegenstand meiner kleinen Eröffnungsrede sein.


Dort, wo das Geistige Gestalt gewinnt, da ereignet sich Kunst oder eben Religion – und beides ist oft gar nicht so leicht voneinander zu unterscheiden.

Güstrow bietet für diese Tatsache einen sehr schönen Beleg, der sich im Dom findet und den Ernst Barlach als Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges geschaffen hat. Sein Schwebender ist ein Mahnmal gegen den Krieg, gleichsam ein stummes Flehen, Beten um Frieden.

Kunst verlangt zuweilen den Mut, sich von genau dieser Stille übertönen zu lassen. Sie will uns nichts einreden, sondern die Antwort auf sie gleichsam unserem Inneren entlocken. Das kann man dort in der Seitenkapelle des Güstrower Doms erleben.



Was hat dieser Prolog über Güstrow nun mit Thomas Jastram zu tun?

Thomas ist und bleibt Mecklenburger, auch wenn er jetzt in Hamburg wohnt. Jeder aber, der Mecklenburg seine Heimat nennt, steht unter einem höheren Himmel, als der Rest der Welt ihn kennt. Diesen Himmel muss man zeigen und überall, wo der Himmel auf Erden gezeigt wird, da ereignet sich Kunst oder eben Religion.

Beide gewinnen ihren Sinn daraus, dass sie eine Verbindung schaffen, dass sie eine Brücke bauen zwischen dem, was sichtbar ist und unserer Sehnsucht, zwischen dem, was vergeht und dem, was dennoch der unvergängliche Kern der Dinge bleibt, zwischen dem, was wir erleben und dem, was dennoch unsere Hoffnung ist – eben zwischen Himmel und Erde.

Darum bildet wahre Kunst auch nichts ab, sondern sie macht sichtbar. In ihr ist etwas, was über unsere Wirklichkeit hinausweist. Ihr gehört bereits ein kleines Stück der Ewigkeit. 

Kunst vermag es gleichsam, den Finger aus der Zeit heraus zu recken, wie der Adam Michelangelos seinen Finger dem Allmächtigen entgegenstreckt.

Haben wir nun hier einige Sentenzen darüber gehört, was Kunst ist, dann will ich gleich auch noch darüber nachdenken, wer diese Wunder, denn wahre Kunst ist immer auch mindestens ein kleines Wunder, vollbringen kann. Wer ist ein Künstler?

Joseph Beuys hatte darauf eine prägnante Antwort: „Nicht einige wenige sind berufen, sondern alle.“ Es entströmt diesem Satz die verführerische Illusion, dass jede menschliche Darbietung gleich ernst zu nehmen und zu würdigen wäre.

Ich aber will dabei bleiben, wo alles Kunst ist, da ist nichts mehr Kunst. Nicht nur das Schönheitsempfinden, jede Wahrnehmung braucht zunächst die Unterscheidung.


Die Bibel blickt darum auch weiter. Zwar kennt auch sie die Vorstellung, dass alle berufen werden, belehrt uns dann aber im Matthäusevangelium darüber:, dass zugleich nur wenige auserwählt sind.

„Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“ Matth 22,14

In unserem Zusammenhang wird nun sehr deutlich, dass die Erwählung niemanden herabsetzt oder gar entwertet, sondern sie gibt der Welt ihre Ordnung.

Sie hat zudem, und im Reiche der Kunst kann man das eindrucksvoll nachvollziehen, auch Können oder sogar Meisterschaft zur Grundlage. Ohne den Willen, das Handwerk zu erlernen, sich Befähigungen anzueignen und sich auch mancher Regel zu unterwerfen, sind Können und Meisterschaft nicht zu denken. Nur, wer sich allen Regeln demütig unterworfen hat, der darf sie am Ende auch brechen.

Zusätzlich sind Können und Meisterschaft die Weise, auf der wir uns nicht nur im bildlichen Sinne, dem Himmel entgegenstrecken. Ohne diesen Willen des Menschen, ohne dieses Mühen und Streben und Ringen gäbe es keine Kunst.


Gleichzeitig braucht sie aber immer die Begegnung, die Griechen würden sagen, mit der Muse, ich sage mit dem Ewigen, mit dem Ideal des Schönen, des Guten und vor allem des Wahren. Ohne diese Begegnung gäbe es gar keine Kunst.

Gelingende Kunst läßt sich eben nicht erzwingen. Sie braucht bei allem Willen und Handwerk noch eine andere Hilfe.

Die Berührung vom Ewigen, Inspiration, welche Namen man immer für ein Phänomen gebrauchen will, das als solches aber wohlvertraut ist. Es sorgt dafür, dass das Werk größer wird als der Erschaffer, was ihn aber nicht kleiner macht, sondern in einem gewissen Sinne ebenbürtig. Denn er durfte zum Mitschöpfer der Welt werden. Was es wiederherstellt und heilt, ist die Verbindung mit allem Überlieferten, Lebendigen, Ewigen, Wahren, Guten und Schönen. Und davon zeugt es. Dieses Phänomen wirkt im höheren Sinne eine neue Einheit.

Wer also nicht glaubt, dass das Schöne, das Gute und das Wahre uns lebendig gegenübertreten können, der sollte vielleicht kein Künstler werden.

In der Religion ist es übrigens sehr ähnlich. Man kommt um das Lesen in der Heiligen Schrift, um das Erlernen der Liturgie und um das Studium von Bekenntnis und Dogmatik nicht herum. Durch sie streckt sich der Mensch gleichsam seinem Gott entgegen. Aber ohne die wirkliche Begegnung mit ihm, dem Herrn der Welt, bleibt alles das ganz und gar nutzlos.

Es verkommt zur Bigotterie, so, wie Kunst, ohne Begeisterung bestenfalls matte Dekoration bleibt.

Es ist möglich diesen Gedanken noch aus einer etwas anderen Perspektive zu vertiefen. Sie eröffnet sich mit Blick auf eine meiner Lieblingsfiguren aus dem Werk von Thomas Jastram und der christlichen Mythologie, ich meine den Hl. Christophorus.

Um seine Geschichte nur ganz kurz zu erzählen, die meisten unter uns werden sie vermutlich kennen.

Es war ein großer und sehr starker Mann, der sich aufmachte, den Lebenssinn darin zu finden, dass er sich in den Dienst des größten Herrn stellte. Er kam zunächst zu einem mächtigen König, der sich aber furchtsam bekreuzigte, als in einem Lied der Name des Teufels genannt wurde. Da verließ er ihn und suchte den Teufel.

Nachdem er diesen und seine Spießgesellen gefunden und sich ihnen angeschlossen hatte, wurde er gewahr, dass der Teufel offensichtlich Furcht vor dem Gekreuzigten hatte, den sie zuweilen an den Wegaltären sehen konnten.

Also beschloss unser Held, nun diesen zu suchen. Ein Einsiedler, dem er begegnete, bestätigte ihm, dass Christus der größte Herrscher der Welt wäre und befahl ihm, das Fasten und das Beten zu erlernen. Zusätzlich übernahm er den Dienst, an einem Fluss Menschen hinüber und herüber zu tragen.

Fasten, beten und dienen, das prägte nun sein Leben. Vermutlich hat er einiges Können, unter Umständen sogar Meisterschaft darin erworben.

Alles das bleibt aber menschliche Vergeblichkeit, wenn die Begegnung, auf die es ankommt, und von der ich bereits vorhin gesprochen habe, nicht zustande gebracht wird.

So war es hier zum Glück aber nicht, denn eines Nachts hörte er eine Kinderstimme rufen, konnte aber in der Dunkelheit nichts erblicken. Nach dem dritten Ruf nochmals hinausgehend sah er ein Kind, das hinübergetragen werden wollte.

Als er aber mit diesem Kind auf der Schulter ins Wasser stieg, wurde die Last immer schwerer, das Wasser schwoll an, er fürchtete zu ertrinken und glaubte, die ganze Welt läge auf seinen Schultern. – „Mehr als die Welt hast du getragen“, sagte das Kind zu ihm, „der Herr, der die Welt erschaffen hat, war deine Bürde.“ Das Kind drückte ihn unter das Wasser und taufte ihn so.

Am Ufer erkannte er Christus als seinen Herrn und wurde so zum Christopherus, zum Christusträger.

Der Herr trug ihm nun auf, ans andere Ufer zurückzukehren und seinen Stab in den Boden zu stecken: er werde als Bekräftigung seiner Taufe finden, dass der Stab grüne und blühe. Als Christophorus am Morgen erwachte, sah er, dass aus seinem Stab tatsächlich ein Palmbaum mit Früchten aufgewachsen war.

Die Mühe wurde also am Ende belohnt.

Und ist es nicht so auch mit unserem Künstler?

Wer einmal in seinem Atelier in Hamburg gewesen ist, der konnte dort sehen, wieviel Skizzen und Formen und Versuche es braucht, bevor ein Werk gelingen kann, dass dann nicht nur vor den Augen des Meisters, sondern auch vor denen des Publikums und vielleicht sogar vor denen der Nachwelt Bestand hat. Wie oft muss man durch den reißenden Fluss, um im Bild zu bleiben, Ideen, Erwartungen und Hoffnungen hin und her tragen, bevor es zu der Begegnung kommt, die alles verändert?

Und dann gibt der Künstler sein Werk aus der Hand. Denn dasselbe Ringen, Denken und Suchen wird nun uns möglich, die wir seine Skulpturen betrachten. Nachdem sie dem Geist des Künstlers entstiegen sind, müssen sie in unseren hinein. Wir sollen die Bildwerke wieder verinnerlichen und dadurch mit nach Hause und dauerhaft mit in unser Leben nehmen.

Dazu reicht zwar theoretisch das Betrachten, noch besser für den Künstler und auch die Galeristin wäre es aber, wenn manch ein Besucher sich entschließt, das Werk auch zu erwerben.

Liebe Frau Fregin,

Sie haben hier einen wunderschönen Ort geschaffen, an dem alles, von dem ich gesprochen habe, stattfinden kann.

Der Künstler, die Kunst und die Menschen, die sie lieben, können einander begegnen. Und ich wünsche uns allen, dass die Werke von Thomas Jastram etwas in uns auslösen, uns begleiten und uns dann nicht wieder verlassen.

Und ich wünsche uns gemeinsam einen schönen Abend.

Thomas Roloff


Nachträge

Das nähere Notwendige erfährt man hier

Ein paar Bilder von einem alten Mann mit und ohne Laudator folgen. Und vor allem eines meiner herzensguten Kunstnachbarn, die mich mit einem unzuverlässigen Auto dort hingebracht und auch wieder in die Residenzstadt zurückgebracht haben, eine nicht unwesentliche Voraussetzung, daß dieser Beitrag endlich erscheinen kann.









Sonntag, 8. Februar 2026

Martins Tag oder Der Reaktionär

Diese Seiten sind eine weiße Fahne, nur andersherum aufgezogen.

Eine neue Rubrik, möglicherweise bald an einem eigenen Ort. 


Anlaß

Sich derzeit im Freien zu bewegen, ist eine gewisse Herausforderung, gerade für ältere Herrschaften wie mich. Ich wurde rührenderweise kürzlich mehrfach gefragt, ob ich Hilfe bräuchte, nur weil ich es geschafft hatte, nicht zu stürzen.

Zum Anlaß. Ein Jörg-Andreas Krüger, Präsident des Nabu-Bundesverbands, unter einem Präsidenten macht man es dort nicht, verteidigt in der BZ vom 6. 2. das Agieren seines Verbandes gegen den Einsatz von Streusalz durch Private. In Berlin sei dieser gesetzlich verboten, weil es Böden, Pflanzen und Gewässern nachhaltig schade, das Grundwasser belaste und langfristig ökologische Schäden verursache. Aufgrund der extremen Glätte sollte das kurzfristig geändert werden. Dafür habe es im Parlament aber keine Mehrheit gegeben. Der Senat wollte daraufhin das Ganze dann per Allgemeinverfügung regeln. „also ohne Parlament, ohne Umweltprüfung, ohne Beteiligung der Verbände“… Wir sind aber immer noch ein Rechtsstaat. Das geht so einfach nicht.“

Krügers Kritik richte sich deshalb vor allem gegen das Vorgehen des Senats. Statt den Nabu einzubinden, habe die Landesregierung versucht, kurzfristig Fakten zu schaffen. Die kurzfristige Gefahrenabwehr ist ihm also ausdrücklich nicht vor das (sehr) langfristige Einbinden des Nabu gegangen. Schlimm das. Die weiteren Pirouetten, die Herr Krüger dort gewissermaßen auf dem Eis dreht, mag, wer will am angegebenen Ort nachlesen. Aber das noch:

„Wir streiten jetzt über Salz auf privaten Gehwegen. Verantwortlich sind weiterhin die Grundeigentümer. Viele kommen ihren Verpflichtungen nicht nach. Das ist hoch unsolidarisch.“ Ach. Wie die Privateigentümer denn diese Räumung bei Spritzeis ohne Tausalz bewerkstelligen sollen, ob mit der Spitzhacke oder dem Absingen von Mantras verrät er natürlich nicht. Schließlich ist er mit dem Herausschleudern von Schuldzuweisungen an andere schon vollauf beschäftigt.

Das Ganze ist nur ein Mosaiksteinchen für das folgende Resümee.


conclusio

Die Weltverbesserer wollen nicht die Welt verbessern, sondern sich unterwerfen. Um diese unter sich zu knechten, brauchen sie immer als Mittel den Mißbrauch von Moral. Und die Lüge natürlich.

Wenn man Übersicht gewinnen will, folge man der Spur der Lüge. Die Lügner müssen immer Staub aufwirbeln, um die Sicht zu nehmen. Wahrheit ist Lüge. Die gute Absicht macht alles zur Wahrheit. Es gibt keine Wahrheit. 

Wir sind also auf den Spuren des Bösen. Oder mit Goethe:


"(Ich bin) ein Teil von jener Kraft,

Die stets das Böse will und stets das Gute schafft…


Ich bin der Geist, der stets verneint!

Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,

Ist wert, daß es zu Grunde geht;  

Drum besser wär's, daß nichts entstünde.

So ist denn alles, was ihr Sünde,

Zerstörung, kurz das Böse nennt,

Mein eigentliches Element."


von hier

Aber.

Das Reich der Lüge hat keinen Bestand.

Samstag, 17. Januar 2026

Freitag, 16. Januar 2026

Zum Neuen Jahr

Eine meine erfreulichsten Erwerbungen kürzlich war die einer Ausgabe des Gesangbuchs für die evangelisch–lutherische Kirche in Mecklenburg-Strelitz von 1897. Nur als Nebennote, sollte ich mich doch einmal wieder in einen Gottesdienst der gegenwärtigen evangelischen Kirche wagen, werde ich es sicherlich als Gedankentrost mitnehmen.

Das nachfolgende Lied daraus hat mich zutiefst beeindruckt. Es ist paßt nicht völlig zu meiner eigenen Erlebniswelt, aber ich sehe die tiefere Verwandtschaft. Ich habe übrigens meine Textfassung gelegentlich sparsam hinzugefügt.


Durch Trauern und durch Plagen


Durch Trauern und durch Plagen,

durch Noth, durch Angst und Pein,

durch Hoffnung und durch Klagen,

durch manchen Sorgenstein

bin ich, Gott Lob, gedrungen;

dies Jahr ist hingelegt.

Dir, Gott, sei Lob gesungen,

mein Herze wird erregt.


Der du mich hast erbauet,

in dir besteht mein Heil;

dir ist mein Glück vertrauet,

du bist und bleibst mein Theil.

Du hast mich wohl erhalten,

du bist mein fester Trost,

dich laß ich ferner walten,

wenn mir die Not zustürzt.


Mein Gott, o meine Liebe,

was du willst, will auch ich;

gieb, daß ich nichts verübe,

was irgend wider dich.

Dir ist mein Will ergeben,

ja, er ist nicht mehr mein,

dieweil mein ganzes Leben

dein eigen wünscht zu sein.


Nach dir soll ich mich schicken,

und, Herr, ich wills auch thun.

Soll mich die Armuth drücken,

ich will dabei beruhn.

Soll mich Verfolgung plagen,

ja, Herr, befiehl du mir.

Soll ich Verachtung tragen,

ach, ich gehorch auch hier.


Soll ich verlassen sitzen,

Herr  Gott, dein Wille gilt.

Soll ich in Ängsten schweben,

mein Heiland, wie du willst.

Soll ich denn Krankheit leiden,

ich will gehorsam sein.

Soll ich von dannen scheiden,

Herr, dein Will ist auch mein.


Soll ich zum Himmel dringen?

Gar gern, o Gott, mein Licht.

Soll mich die Höll verschlingen?

Ach, dieses willst du nicht.

Ich habe zwar verdienet

die rothe Höllenglut,

du aber bist versühnet

durch deines Sohnes Blut.


Heut ist das Jahr beschlossen,

Herr, deine Gnad sei heut

neu auf mich ergossen,

mein Herze werd auch neu.

Laß ich die alten Sünden,

so werd ich, Gott, bei dir

auch neuen Segen finden;

dein Wort verspricht es mir.

Gottfried Wilhelm Sacer (1635 – 1699)


Wenn auch spät:


Auf ein gutes und gesegnetes Jahr also. 


Alles Notwendige ist oben gesagt.





Nachbemerkung:

Die Neujahrsbilder wirken immer so schnell recht abgestanden. Außerdem ist es in dem Moment sowieso meist neblig düster und kalt. Aber irgendetwas löst sich dann; merkwürdig. Vielleicht ist es die Hoffnung, die tief innen wohnt und wider alle sinnvollen Erwartungen ausbrechen darf. Eine unvernünftige Hoffnung gewissermaßen.

Also wollen wir unvernünftig hoffnungsvoll sein.



Freitag, 26. Dezember 2025

Frohe Weihnachten


 Frohe und Gesegnete Weihnachten

Jan van Eyck, Kleiner Marienaltar, sog. 'Dresdner Triptychon', Mitteltafel,

von hier


Alma Redemptoris Mater, Gregorian Chant Academy, von hier


Alma Redemptóris Mater, quæ pérvia cæli

Porta manes, et stella maris, succúrre cadénti,

Súrgere qui curat pópulo: tu quæ genuísti,

Natúra miránte, tuum sanctum Genitórem

Virgo prius ac postérius, Gabriélis ab ore

Sumens illud Ave, peccatórum miserére.


Erhabne Mutter des Erlösers,

du allzeit offene Pforte des Himmels

und Stern des Meeres,

komm, hilf deinem Volke,

das sich müht, vom Falle aufzustehn.

Du hast geboren, der Natur zum Staunen,

deinen heiligen Schöpfer.

die du, Jungfrau davor und danach,

aus Gabriels Mund vernahmst das selige Ave,

o erbarme dich der Sünder.

Sonntag, 21. Dezember 2025

Über den Apostel Thomas


Michelangelo Merisi da Caravaggio, Der ungläubige Thomas, von hier

Predigt zum 4. Advent (Thomastag) 2025 in Rothensee

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Sehnsucht nach der himmlischen Heimat

1Wir wissen aber, so unser irdisch Haus, diese Hütte, zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben, von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist, im Himmel. 2Und darüber sehnen wir uns auch nach unsrer Behausung, die vom Himmel ist, und uns verlangt, daß wir damit überkleidet werden; 3so doch, wo wir bekleidet und nicht bloß erfunden werden. 4Denn dieweil wir in der Hütte sind, sehnen wir uns und sind beschwert; sintemal wir wollten lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden, auf daß das Sterbliche würde verschlungen von dem Leben. 5Der uns aber dazu bereitet, das ist Gott, der uns das Pfand, den Geist, gegeben hat. 6So sind wir denn getrost allezeit und wissen, daß, dieweil wir im Leibe wohnen, so wallen wir ferne vom HERRN; 7denn wir wandeln im Glauben, und nicht im Schauen. 8Wir sind aber getrost und haben vielmehr Lust, außer dem Leibe zu wallen und daheim zu sein bei dem HERRN. 9Darum fleißigen wir uns auch, wir sind daheim oder wallen, daß wir ihm wohl gefallen. 10Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, nach dem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse.

2. Kor. 5.1 ff.

Liebe Gemeinde,

diese Verse sind der Predigttext zum Gedenktag des Apostel Thomas und sie sind doch zugleich ganz und gar adventlich.

Das mag daran liegen, dass der Thomastag immer im Advent liegt. Noch mehr aber steht es damit im Zusammenhang, dass das Leben des Jüngers gleichsam eine Illustration zu diesem Text ist.

Der 21. Dezember markiert die längste Nacht und den kürzesten Tag des Jahres. Es ist die Nacht, die den Zweifel gebiert, und es ist der Apostel Thomas, der im Kreise der Jünger der Zweifler genannt wird, und dessen Gedenken die Kirche am 21. Dezember begeht. 

Thomas ist eine ganz auffällige und bedeutungsschwere Gestalt in der Gemeinschaft Jesu. Sein Name bedeutet Zwilling. Die Überlieferung sieht darin nur einen Beinahmen und setzt die Person gleich mit Judas, einem der Brüder Jesu. Manchmal wird er sogar als Zwillingsbruder Jesu angesehen. Die im Zwilling ausgedrückte Zweiheit kann aber auch auf die eigentlichen Urgründe des Zweifels hin gedeutet werden. Dort nämlich, wo eine ursprünglich vorhandene Einheit verloren geht, da beginnt der Mensch zu zweifeln. Der Zweifel gehört darum zum Menschen und zum Glauben.

Das Johannesevangelium bringt das in drei Szenen eindrucksvoll zum Ausdruck. Als Jesus aufbrechen will, um Lazarus, der gestorben war, wieder zu erwecken, sagt Thomas resigniert: „Lasst uns mitziehen, dass wir mit ihm sterben!“ Auch im Rahmen der Leidensankündigung Jesu erweist sich Thomas als der Zweifler, denn auf die Feststellung Jesu „Und wo ich hingehe, den Weg dorthin kennt ihr“, entgegnet Thomas: „Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst und wie sollen wir den Weg wissen?“ Damit gibt er Jesu Anlass zu der Offenbarung: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ 

Berühmtheit aber erlangte die Geschichte vom achten Tag nach der Auferstehung des Herrn. Thomas war nämlich nicht bei den anderen Jüngern gewesen, als Jesu diesen erstmals erschien und bezweifelte ihre Erzählungen. „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich´s nicht glauben.“

Die Finsternis des Zweifels umhüllte Thomas. Das nächste Mal war Thomas dann bei den Jüngern, als Jesus kam, und dieser sprach zu ihm: „Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite und sei nicht ungläubig sondern gläubig!“ Thomas antwortete: „Mein Herr und mein Gott!“

Mit diesen Worten ist er der erste Apostel, der die Gottheit Jesu bekennt, woher sicher seine besondere Stellung im Jüngerkreis herrührt. Gregor der Große hat wohl auch darum formuliert: „Dieser Apostel habe durch seinen Unglauben unserem Glauben mehr genützt, als die übrigen Apostel durch ihren Glauben.“ Dass diese Einschätzung zutreffend ist, lässt sich sicher auch durch das dieser Szene unmittelbar folgende Wort des Auferstandenen zeigen, das sogar sprichwörtlich wurde: „Weil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ 

Der Mensch soll gerade in der jeweiligen Finsternis seiner Zeit am Glauben der Väter festhalten und sich durch ihn führen und halten lassen, denn nur das Licht des Glaubens durchdringt am Ende alle Finsternis. Thomas hat gleichsam allen menschlichen Zweifel hineingetragen in den Kreis der Jünger, in die Nähe des Herrn und hat sie durch die Gemeinschaft mit ihm, dem Auferstandenen, im Glauben überwunden.

Nationalheiligtum der Basilika des Heiligen Thomas, von hier

Der Legende nach soll Thomas nach der Himmelfahrt des Herrn Richtung Osten gezogen sein und das Evangelium verkündet haben. Er gilt als Apostel Indiens. Auf dem Wege dahin sollen ihm übrigens die Heiligen Drei Könige begegnet sein. Er hat sie getauft und zu Bischöfen ernannt. In Indien war Thomas dann als Baumeister tätig, weshalb sein Attribut das Winkelmaß ist und er zum Patron der Architekten, Maurer, Bau- und Zimmerleute wurde.

Genau hier findet sich nun der Anknüpfungspunkt zu unserem Predigttext. Es wird erzählt, dass der Großkönig, Maharadscha, an dessen Hofe Thomas als Baumeister tätig war, ihn beauftragte, ihm einen neuen Palast zu errichten. Er gab ihm für den Bau wieder und wieder große Summen Geld, die Thomas allerdings an die Armen verteilte. Endlich aber wollte der König den Baufortschritt besichtigen und deckte den vermeintlichen Schwindel auf. Thomas musste ins Gefängnis und sollte hingerichtet werden. In der Nacht davor aber hatte der Maharadscha einen Traum. Der Allmächtige Gott wandelte mit ihm durch einen einzigartigen Palast voller Glanz und Herrlichkeit, wie er ihn niemals zuvor gesehen hatte. Der Großkönig fragte den Herrn, wer dieses Haus gebaut hat und Gott antwortete: Diesen Palast hat Thomas für dich errichtet durch seine Mildtätigkeit und durch die Werke seines guten Herzens.

Als der König wieder erwachte, da begnadigte er Thomas und belohnte ihn. Lasst uns in dieser Geschichte erkennen, dass wir wissen können, so unser irdisch Haus, diese Hütte, zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben, von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist, im Himmel. Und wir erkennen, dass wir alle offenbar werden müssen vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, nach dem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse.

Vielleicht ist in diesem Bild auch viel von dem zu erkennen, was wir im Advent erwarten. Advent ist nämlich nicht nur die Vorbereitungszeit auf das Christfest. Uns, die wir Jesus als unseren Herrn und unseren Gott verehrten, ist es ein ewiger Advent, denn wir erwarten seine Wiederkunft und sprechen: Komm, denn du bist mein Herr und mein Gott!

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unseren Herrn.

Amen

Thomas Roloff 

Mittwoch, 12. November 2025

Pilze &


Die Zeit des Jahres eben.

 (c) Klaus Lorenz