Dienstag, 10. März 2026

Gedenkgottesdienst zum 250. Geburtstag von Königin Luise am 10. März 2026 im Mausoleum beim Schloss Charlottenburg zu Berlin

 

Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg, von hier

Christian Daniel Rauch: Grabmal der Königin Luise von Preußen, von hier


Eröffnung


Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 

1Petr 1,3


Unter diesem Vers aus dem 1. Petrusbrief, feiern wir Gottesdienst im Gedenken an den 250. Geburtstag der hochverehrten Königin Luise. Wir wollen Gott die Ehre geben und mit der verewigten Fürstin und für alle Toten beten.

Das tun wir in besonderer Weise mit Ihnen, Königliche Hoheit und mit weiteren Mitgliedern Ihres königlichen Hauses. Die Kirche neigt sich und bekennt ein unvergängliches Königtum.

Wir rufen Gott an, dass er die Verstorbenen im Frieden ruhen lasse. Herr, lass die Toten im Frieden ruhen und Dein ewiges Licht leuchte ihnen. Amen.

Louise Élisabeth Vigée Le Brun,

Luise von Mecklenburg-Strelitz, Königin von Preußen, 1802, von hier


Psalm 126

Ein Lied im höhern Chor. Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Heiden: Der HERR hat Großes an ihnen getan!

Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.

HERR, bringe wieder unsere Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland.

Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.


Kyrie

Kollektengebet


Lasset uns beten:

Ewiger Gott, die Kirche und mit ihr die ganze Welt sind auf dem Weg an das Kreuz deines Sohnes unseres Herrn. Lass uns deine Gegenwart schauen. Du leidest mit deiner Schöpfung und schenkst ihr darin Trost. Als Gemeinschaft der Lebenden und der Toten sind wir ums Kreuz versammelt. Wir recken uns nach deiner rettenden Hand.

Amen


Evangelium


Da er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm,

Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr.

Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihr.

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, so sie daran lügen.

Matth 5, 1-11


Credo


Ich glaube an Gott, den Vater,

den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.


Luisentempel, Schloßpark Hohenzieritz 


Predigt: Psalm 126


Gnade sei mit Euch und Frieden von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

„Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.“

So haben wir es zum Beginn dieses Gottesdienstes gebetet und so hoffen wir es für Auguste Wilhelmine Amalie Luise von Preußen, der Tochter des Herzogs Karl Ludwig Friedrich von Mecklenburg-Strelitz, an deren 250. Geburtstag wir uns in ihrem Grabhaus an sie erinnern.

Die ganze Kirche ist, wie jede Familie auch, eine Gemeinschaft der Lebenden und der Toten. Wie könnte das deutlicher werden als durch die Anwesenheit der königlichen Familie Preußens an diesem Ort?

Bedenke, o Mensch, dass du Staub bist und zum Staube zurückkehren wirst!

Das ist unzweifelhaft das eine, worauf wir hier blicken. Das andere aber ist die ununterbrochene Folge, in der das Leben und die hohe Würde dieser Familie weitergeschenkt wurden.

Eine Familie, auch ein königliches Haus, ist immer genauso ein Bund der Abstammung, wie auch der gemeinsamen Erinnerung.

Beides beschäftigt uns heute und das in besonderer Weise im Hinblick darauf, dass auch unser Glaube ein Band gemeinschaftlicher Erinnerung um uns legt.


Jozef Maria Grassi (1757-1838), Louise von Mecklenburg-Strelitz, von hier

Königin Luise war „eine der edelsten Frauen der Geschichte“. So beginnt noch ganz selbstverständlich der Artikel über sie in Meyers Lexikon von 1909. In dieser Frau stellt sich uns die Wirklichkeit des dynastischen Europas vor Augen, wie sie über Jahrhunderte hinweg prägend war.

Ihr Schicksal entschied sich, als sie den preußischen Kronprinzen kennen lernte und ihn am 24. Dezember 1793 in Berlin heiratete.

1797 machte sie diese Verbindung zur Königin des Landes und es heißt von ihr, „sie vereinigte von nun an die Pflichten der Königin mit denen der Gattin und Mutter“.

„Mehr, als ein Königreich gab der Himmel Dir in Louisen,

Aber Du brachtest Ihr auch mehr, als die Krone, Dein Herz.“

So schrieb Friedrich von Hardenberg, den wir auch als Novalis kennen und gab damit den Ton der Verehrung vor, die Luise erfahren sollte.

„Wer den ewigen Frieden jetzt sehn und liebgewinnen will, der reise nach Berlin und sehe die Königin. Dort kann sich jeder anschaulich überzeugen, daß der ewige Friede herzliche Rechtlichkeit über alles liebt, und nur durch diese sich auf ewig fesseln läßt.“


Friedrich Georg Weitsch: Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise

im Park von Schloß Charlottenburg, 1799, von hier

Auch das schrieb Novalis und gab einer Hoffnung Ausdruck, die leider verhängnisvoll und tragisch unerfüllt bleiben sollte. Die Geschichte vollzog sich gänzlich anders, als die Ideale und Träume und Sehnsüchte der Romantiker es hofften.

1806 brach die völlige Niederlage über Preußen herein. Statt des Glücks eines einfachen häuslichen Lebens, welches das Königspaar dem ganzen Land beispielgebend vorstellte, ereigneten sich nun Zusammenbruch, Flucht und Demütigung.

Nur, weil unsere Sicht überschattet ist, durch alles, was sich im verfluchten 20. Jahrhundert ereignet hat, können wir nicht mehr ermessen, wie grausam und hoffnungslos der nach dem Frieden von Tilsit eingetretene Zustand Preußens war.

Gebietsabtretungen, Kontributionen und Besatzung beugten es tief herab. Woher sollte noch Hilfe kommen, nachdem selbst Russland so schweren Verrat geübt hatte?


Gedenktafel in Memel an den Aufenthalt von Königin Luise und ihres Ehemanns Friedrich Wilhelm III., 1807 - 1808 während der Flucht vor Napoleon, von hier

Es war zunächst und vor allem die nicht zu unterschätzende Stärke im Glauben, die Luise Halt und Kraft gegeben hat und aus der heraus es ihr möglich gewesen ist, auch den König zu stützen.

Die Königin war keineswegs nur eine Projektionsfläche für die Hoffnungen der Menschen. Sie wäre dazu völlig ungeeignet gewesen, wenn sie nicht tatsächlich eine treue Hoffnung für ihr Land bewahrt und diese Hoffnung auch im König hätte wecken können. Wie klar und weitsichtig ihr Urteil war, dafür will ich ein einziges Beispiel aus einem Brief geben, den sie im April 1808 an ihren Vater geschrieben hat. Denn es ist leicht, im Nachhinein über die Geschichte zu urteilen. Unendlich schwer aber ist es, in der Situation selbst eine Orientierung zu gewinnen.

„Es wird mir immer klarer, dass Alles so kommen mußte, wie es gekommen ist. Die göttliche Vorsehung leitet unverkennbar neue Weltzustände ein und es soll eine andere Ordnung der Dinge werden, da die alte sich überlebt hat, und in sich selbst als abgestorben zusammen stürzt.

Wir sind eingeschlafen auf den Lorbeern Friedrich des Großen, welcher, der Herr seines Jahrhunderts, eine neue Zeit schuf. Wir sind mit derselben nicht fortgeschritten, deshalb überflügelt sie uns.

Gewiß wird es besser werden; das verbürgt der Glaube an das vollkommenste Wesen. Aber es kann nur gut werden in der Welt durch die Guten.“

Dann urteilt die Königin hellsichtig über den Korsen: “Deßhalb glaube ich auch nicht, daß der Kaiser Napoleon Bonaparte fest und sicher auf seinem, jetzt freilich glänzenden Thron ist. Fest und ruhig ist nur allein Wahrheit und Gerechtigkeit, und er ist nur politisch, das heißt klug, und er richtet sich nicht nach ewigen Gesetzen, sondern nach Umständen, wie sie nun eben sind. Damit befleckt er seine Regierung mit vielen Ungerechtigkeiten.

Er meint es nicht redlich mit der guten Sache und mit den Menschen. Er und sein ungemessener Ehrgeiz meint nur sich selbst und sein persönliches Interesse. … 

Er ist von seinem Glück geblendet und er meint Alles zu vermögen. Dabei ist er ohne alle Mäßigung, und wer nicht Maß halten kann, verliert das Gleichgewicht und fällt.“

In dieser Haltung nahm die Königin nach der Niederlage steten Einfluss auf das politische Geschehen, regte die Berufung des Reichsfreiherrn von Stein an, befand sich im Einvernehmen mit Scharnhorst und Gneisenau und gab damit einen entscheidenden Impuls für die preußischen Reformen, durch die sich das Land langsam wieder erhob.

Aus unzähligen Zeugnissen wissen wir, wie sehr die späteren Helden der Befreiungskriege durch ihre Königin inspiriert waren. Endlich nahm Luise auch noch eine Reise nach St. Petersburg auf sich. Durch den einjährigen Aufenthalt bei Alexander I. gelang es, das Verhältnis zu Russland wiederherzustellen, worin die entscheidende Grundlage für die Erhebung und Befreiung Europas von der Fremdherrschaft gesehen werden muss.

Im Dezember 1809 kehrte das Königspaar nach Berlin zurück und vermutlich trug Luise bereits in sich, was ihr im Sommer des Folgejahres bei einem Besuch in Hohenzieritz den Tod bringen sollte.

Ihre Hofdame, die Gräfin Voß, schrieb dazu in ihr Tagebuch: „Die Ärzte sagen, der Polyp im Herzen sei eine Folge zu großen und anhaltenden Kummers.“

Vielleicht erst durch den frühen Tod der Königin wurden sie und Friedrich Wilhelm endgültig zu dem, was wiederum Novalis so beschrieb: „Ein wahrhaftes Königspaar ist für den ganzen Menschen, was eine Constitution für den bloßen Verstand ist.“

Nur aus diesem Zusammenhang heraus lässt sich für uns heute erschließen, was Königin Luise ihren Zeitgenossen war und noch mehr den Nachgeborenen wurde. Sie war ein Leitstern, wie es unserem Volk zuvor wohl kaum ein Mensch gewesen ist.

Wie ein Wunder mussten die Jahre der voranschreitenden Befreiung erscheinen und wie die Erfüllung aller Sehnsüchte die unter ihrem Sohn ein halbes Jahrhundert später zustande gebrachte Einheit der Deutschen. Inzwischen sind andere Stürme und Verwüstungen über unseren Kontinent hinweggegangen.


Anton von Werner, Wilhelm I. am Sarkophag seiner Mutter Königin Luise

im Charlottenburger Mausoleum (am 19. Juli 1870), 1881, von hier

Dennoch bleibt es wahr und ist eine Orientierung zum Guten, dass die vielleicht stärkste Wurzel des preußischen und später auch des deutschen Nationalgefühls die Liebe zu einer Frau, zu einer Königin, zu einer Mutter war.

Denn es ist die größte Gnadengabe des Christentums, dass es uns lehrt, was eine Mutter ist. Es ist der größte Akt der Barmherzigkeit, dass es Gott gefallen hat, selbst eine Mutter zu suchen. Das ist der Unterschied zwischen unserem Gott und uns. Wir Menschen bekommen unsere Mutter als Geschenk, Gott hat sich die seine erwählt.

Dadurch, dass jeder Mensch eine Mutter hat, wird ihm das Geheimnis der Menschwerdung Gottes zu etwas ganz Vertrautem. Es ist die Mutter, in der wir Gott finden. Es ist die Mutter, in der wir alle Liebe geschenkt bekommen. Es ist die Mutter, an der wir Opferbereitschaft, Treue, Hingabe und alle Güte lernen. Es ist der Respekt vor der Mutter, in dem auch der Respekt vor Gott wächst. Es war der Respekt vor der Mutter auch der Kern der Liebe zur Königin.

Vieles in der Welt war tiefen, manchmal katastrophalen Wandlungen unterworfen und ist es noch, die Wahrheiten des Glaubens kennen diesen Wandel nicht. So bleibt auch heute und künftig, der hier versammelten Familie der Königin Luise der Auftrag, diese zu bezeugen und darin der Welt ein Beispiel zu geben, aus dem zu jeder Zeit das wirkliche Königtum erwächst, nämlich das unseres Herrn Jesus Christus.

Als Christen dürfen wir darauf vertrauen, dass am Thron Gottes, des Allmächtigen, des Herrn über Leben und Tod, des Schöpfers und Erlösers aller Dinge, für uns Fürsprache gehalten wird und wir dürfen in Liebe gewiss sein, in unserer Königin eine Fürsprecherin zu haben.

Amen

Und der Frieden Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.


Karl Friedrich Schinkel: Entwurf für ein Mausoleum der Königin Louise, Außenansicht


Entwurf für ein Mausoleum der Königin Louise, Innenraum, von hier


Heinrich von Kleist


An die Königin von Preußen

Zur Feier ihres Geburtstages den 10. März 1810


Erwäg ich, wie in jenen Schreckenstagen,

Still deine Brust verschlossen, was sie litt,

Wie Du das Unglück mit der Grazie Tritt

Auf jungen Schultern hast getragen,

Wie von des Krieges zerrissnem Schlachtenwagen

Selbst oft die Schar der Männer zu dir schritt,

Wie trotz der Wunde, die Dein Herz durchschnitt,

Du stets der Hoffnung Fahn uns vorgetragen:

O Herrscherin, die Zeit dann möcht ich segnen!

Wir sahn Dich Anmut endlos niederregnen,

Wie groß Du warst, das ahndeten wir nicht!

Dein Haupt scheint wie von Strahlen mir umschimmert;

Du bist der Stern, der voller Pracht erst flimmert,

Wenn er durch finstre Wetterwolken bricht!


Gedenkmausoleum für die Königin Luise, Neustrelitz


Fürbitte + Vater unser


Wir wollen Fürbitte halten und zu Gott beten mit dem gemeinsamen Ruf: Herr, erbarme Dich!

Allmächtiger Gott, wir danken Dir für den Weg Deines Sohnes ans Kreuz und bitten Dich, mache uns zu treuen Zeugen seines Sieges im Glauben an Dich.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.


Ewiger Gott, wir danken Dir für die Gemeinschaft der Heiligen. Durch sie bleiben wir verbunden mit allen Menschen und mit Deinen Wundern. Wir bitten Dich, stärke Deine Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit und schenke ihr nach Deinem Willen Einheit und Frieden.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.


Barmherziger Gott, wir danken Dir für das Leben von Luise. Du hältst sie nun in Deinen Händen. Wir können uns durch ihr Schicksal belehren lassen. Wir bitten Dich mit ihr für die vormals regierende Familie, deren Ahnfrau sie ist. Segne den Prinzen und die Prinzessin von Preußen und die gesamte königliche Familie und schenke ihr, dass sie uns ein Vorbild im Glauben und ein Zeichen der Hoffnung ist.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.


Gütiger Gott, wir danken Dir für Deine Gegenwart und bitten Dich um Segen und Frieden für unser Volk und für alle Völker, für unser Vaterland und für alle Länder, denn Du hältst die ganze Welt in Händen und rufst Dein Volk aus allen Völkern.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.


In der Gemeinschaft mit der Gottesmutter Maria, mit der ganzen Kirche, mit der verewigten Königin und mit allen, die in diesem Hause ihre letzte Ruhe gefunden haben, beten wir, wie Christus uns zu beten gelehrt hat:


Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute,

und vergib uns unsre Schuld, 

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.


Verleih uns Frieden gnädiglich,

Herr Gott, zu unsern Zeiten.

Es ist doch ja kein andrer nicht,

der für uns könnte streiten,

denn du, unser Gott, alleine.


Sendung + Segen


Gehet hin im Frieden des Herrn.


Der Herr segne dich und behüte dich. 

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.


Nun danket alle Gott


Nun danket alle Gott

mit Herzen, Mund und Händen,

der große Dinge tut

an uns und allen Enden,

der uns von Mutterleib

und Kindesbeinen an

unzählig viel zu gut

bis hierher hat getan.


Der ewigreiche Gott

woll uns bei unserm Leben

ein immer fröhlich Herz

und edlen Frieden geben

und uns in seiner Gnad

erhalten fort und fort

und uns aus aller Not

erlösen hier und dort.


Lob, Ehr und Preis sei Gott

dem Vater und dem Sohne

und Gott dem Heilgen Geist

im höchsten Himmelsthrone,

ihm, dem dreiein’gen Gott,

wie es im Anfang war

und ist und bleiben wird

so jetzt und immerdar.


Der Gottesdienst wurde gehalten von Thomas Roloff.


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Bilder -Nachträge


Nachdem mir einiges an Bildern zugegangen ist, will ich eine Auswahl gern hier noch teilen. Der erste Teil handelt vom Geschehen im Charlottenburger Mausoleum, wie unschwer zu erkennen ist. 











Der zweite Teil besteht aus Impressionen vom Schloß Charlottenburg. Es ist ganz erstaunlich, was von diesem stark kriegversehrten Bau wiedergewonnen werden konnte.

















Der dritte Teil wechselt kurz nach Strelitz. Es beginnt mit einem Blick auf die Grabfigur im Gedenkmausoleum für die Königin Luise in Neustrelitz.

Grabfigur der Königin Luise. Kopie von Albert Wolff (1892)
nach dem Original von Christian Daniel Rauch, von hier

Wir wechseln ins Schloß Hohenzieritz, dem Sterbeort der Königin, in ihre dortige Gedenkstätte, die Bilder sind schon wieder historisch, da nach der modernen Entkernung der ehemaligen Ausstellung wenig mehr als der Ort und die Grabfigur geblieben ist. Man mag das hier nachlesen.

Königin-Luise-Gedenkstätte, Schloß Hohenzieritz, 2014, von hier


Königin-Luise-Gedenkstätte, Schloß Hohenzieritz, 2014, von hier

Aber da wir unmöglich so enden können, folgt als Abschluß diese bezaubernde Figurengruppe von Schadow:

Johann Gottfried Schadow, Luise und Friederike von Mecklenburg-Strelitz, von hier


Dienstag, 3. März 2026

Thomas Jastram in der Galerie Martina Fregin


Eröffnung der Ausstellung am 27. Februar 2026 in Güstrow


Liebe Tine, lieber Thomas,

sehr verehrte Frau Fregin,

liebe Freunde der Kunst,

obwohl ich bereits einmal eine Ausstellung von Thomas Jastram, und zwar in Dresden, mit einer kleinen Rede eröffnen durfte, hatte das Künstlerpaar den Wunsch, dass ich es heute hier in Güstrow wieder tun soll.

Es ist einer meiner zentralen Lebensgrundsätze, dass ich immer am dankbarsten für das bin, was ich nicht machen muss, wenn sich aber eine Aufgabe stellt, dann soll man auch versuchen, sich ihrer mit Anstand zu entledigen.

Ich bin allerdings weder Kunstkenner noch in anderer Weise ein Sachkundiger. In erster Linie bin ich ein Freund des Künstlerpaares, dem wir diesen heutigen Abend verdanken.

Diese Freundschaft hatte ihren Ausgangspunkt in der Einsegnung einer Ehe, die ich vorzunehmen hatte. Sie besitzt also im weitesten Sinne einen religiösen Hintergrund.

Darum soll der Zusammenhang von Kunst und Religion auch der Gegenstand meiner kleinen Eröffnungsrede sein.


Dort, wo das Geistige Gestalt gewinnt, da ereignet sich Kunst oder eben Religion – und beides ist oft gar nicht so leicht voneinander zu unterscheiden.

Güstrow bietet für diese Tatsache einen sehr schönen Beleg, der sich im Dom findet und den Ernst Barlach als Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges geschaffen hat. Sein Schwebender ist ein Mahnmal gegen den Krieg, gleichsam ein stummes Flehen, Beten um Frieden.

Kunst verlangt zuweilen den Mut, sich von genau dieser Stille übertönen zu lassen. Sie will uns nichts einreden, sondern die Antwort auf sie gleichsam unserem Inneren entlocken. Das kann man dort in der Seitenkapelle des Güstrower Doms erleben.



Was hat dieser Prolog über Güstrow nun mit Thomas Jastram zu tun?

Thomas ist und bleibt Mecklenburger, auch wenn er jetzt in Hamburg wohnt. Jeder aber, der Mecklenburg seine Heimat nennt, steht unter einem höheren Himmel, als der Rest der Welt ihn kennt. Diesen Himmel muss man zeigen und überall, wo der Himmel auf Erden gezeigt wird, da ereignet sich Kunst oder eben Religion.

Beide gewinnen ihren Sinn daraus, dass sie eine Verbindung schaffen, dass sie eine Brücke bauen zwischen dem, was sichtbar ist und unserer Sehnsucht, zwischen dem, was vergeht und dem, was dennoch der unvergängliche Kern der Dinge bleibt, zwischen dem, was wir erleben und dem, was dennoch unsere Hoffnung ist – eben zwischen Himmel und Erde.

Darum bildet wahre Kunst auch nichts ab, sondern sie macht sichtbar. In ihr ist etwas, was über unsere Wirklichkeit hinausweist. Ihr gehört bereits ein kleines Stück der Ewigkeit. 

Kunst vermag es gleichsam, den Finger aus der Zeit heraus zu recken, wie der Adam Michelangelos seinen Finger dem Allmächtigen entgegenstreckt.

Haben wir nun hier einige Sentenzen darüber gehört, was Kunst ist, dann will ich gleich auch noch darüber nachdenken, wer diese Wunder, denn wahre Kunst ist immer auch mindestens ein kleines Wunder, vollbringen kann. Wer ist ein Künstler?

Joseph Beuys hatte darauf eine prägnante Antwort: „Nicht einige wenige sind berufen, sondern alle.“ Es entströmt diesem Satz die verführerische Illusion, dass jede menschliche Darbietung gleich ernst zu nehmen und zu würdigen wäre.

Ich aber will dabei bleiben, wo alles Kunst ist, da ist nichts mehr Kunst. Nicht nur das Schönheitsempfinden, jede Wahrnehmung braucht zunächst die Unterscheidung.


Die Bibel blickt darum auch weiter. Zwar kennt auch sie die Vorstellung, dass alle berufen werden, belehrt uns dann aber im Matthäusevangelium darüber:, dass zugleich nur wenige auserwählt sind.

„Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“ Matth 22,14

In unserem Zusammenhang wird nun sehr deutlich, dass die Erwählung niemanden herabsetzt oder gar entwertet, sondern sie gibt der Welt ihre Ordnung.

Sie hat zudem, und im Reiche der Kunst kann man das eindrucksvoll nachvollziehen, auch Können oder sogar Meisterschaft zur Grundlage. Ohne den Willen, das Handwerk zu erlernen, sich Befähigungen anzueignen und sich auch mancher Regel zu unterwerfen, sind Können und Meisterschaft nicht zu denken. Nur, wer sich allen Regeln demütig unterworfen hat, der darf sie am Ende auch brechen.

Zusätzlich sind Können und Meisterschaft die Weise, auf der wir uns nicht nur im bildlichen Sinne, dem Himmel entgegenstrecken. Ohne diesen Willen des Menschen, ohne dieses Mühen und Streben und Ringen gäbe es keine Kunst.


Gleichzeitig braucht sie aber immer die Begegnung, die Griechen würden sagen, mit der Muse, ich sage mit dem Ewigen, mit dem Ideal des Schönen, des Guten und vor allem des Wahren. Ohne diese Begegnung gäbe es gar keine Kunst.

Gelingende Kunst läßt sich eben nicht erzwingen. Sie braucht bei allem Willen und Handwerk noch eine andere Hilfe.

Die Berührung vom Ewigen, Inspiration, welche Namen man immer für ein Phänomen gebrauchen will, das als solches aber wohlvertraut ist. Es sorgt dafür, dass das Werk größer wird als der Erschaffer, was ihn aber nicht kleiner macht, sondern in einem gewissen Sinne ebenbürtig. Denn er durfte zum Mitschöpfer der Welt werden. Was es wiederherstellt und heilt, ist die Verbindung mit allem Überlieferten, Lebendigen, Ewigen, Wahren, Guten und Schönen. Und davon zeugt es. Dieses Phänomen wirkt im höheren Sinne eine neue Einheit.

Wer also nicht glaubt, dass das Schöne, das Gute und das Wahre uns lebendig gegenübertreten können, der sollte vielleicht kein Künstler werden.

In der Religion ist es übrigens sehr ähnlich. Man kommt um das Lesen in der Heiligen Schrift, um das Erlernen der Liturgie und um das Studium von Bekenntnis und Dogmatik nicht herum. Durch sie streckt sich der Mensch gleichsam seinem Gott entgegen. Aber ohne die wirkliche Begegnung mit ihm, dem Herrn der Welt, bleibt alles das ganz und gar nutzlos.

Es verkommt zur Bigotterie, so, wie Kunst, ohne Begeisterung bestenfalls matte Dekoration bleibt.

Es ist möglich diesen Gedanken noch aus einer etwas anderen Perspektive zu vertiefen. Sie eröffnet sich mit Blick auf eine meiner Lieblingsfiguren aus dem Werk von Thomas Jastram und der christlichen Mythologie, ich meine den Hl. Christophorus.

Um seine Geschichte nur ganz kurz zu erzählen, die meisten unter uns werden sie vermutlich kennen.

Es war ein großer und sehr starker Mann, der sich aufmachte, den Lebenssinn darin zu finden, dass er sich in den Dienst des größten Herrn stellte. Er kam zunächst zu einem mächtigen König, der sich aber furchtsam bekreuzigte, als in einem Lied der Name des Teufels genannt wurde. Da verließ er ihn und suchte den Teufel.

Nachdem er diesen und seine Spießgesellen gefunden und sich ihnen angeschlossen hatte, wurde er gewahr, dass der Teufel offensichtlich Furcht vor dem Gekreuzigten hatte, den sie zuweilen an den Wegaltären sehen konnten.

Also beschloss unser Held, nun diesen zu suchen. Ein Einsiedler, dem er begegnete, bestätigte ihm, dass Christus der größte Herrscher der Welt wäre und befahl ihm, das Fasten und das Beten zu erlernen. Zusätzlich übernahm er den Dienst, an einem Fluss Menschen hinüber und herüber zu tragen.

Fasten, beten und dienen, das prägte nun sein Leben. Vermutlich hat er einiges Können, unter Umständen sogar Meisterschaft darin erworben.

Alles das bleibt aber menschliche Vergeblichkeit, wenn die Begegnung, auf die es ankommt, und von der ich bereits vorhin gesprochen habe, nicht zustande gebracht wird.

So war es hier zum Glück aber nicht, denn eines Nachts hörte er eine Kinderstimme rufen, konnte aber in der Dunkelheit nichts erblicken. Nach dem dritten Ruf nochmals hinausgehend sah er ein Kind, das hinübergetragen werden wollte.

Als er aber mit diesem Kind auf der Schulter ins Wasser stieg, wurde die Last immer schwerer, das Wasser schwoll an, er fürchtete zu ertrinken und glaubte, die ganze Welt läge auf seinen Schultern. – „Mehr als die Welt hast du getragen“, sagte das Kind zu ihm, „der Herr, der die Welt erschaffen hat, war deine Bürde.“ Das Kind drückte ihn unter das Wasser und taufte ihn so.

Am Ufer erkannte er Christus als seinen Herrn und wurde so zum Christopherus, zum Christusträger.

Der Herr trug ihm nun auf, ans andere Ufer zurückzukehren und seinen Stab in den Boden zu stecken: er werde als Bekräftigung seiner Taufe finden, dass der Stab grüne und blühe. Als Christophorus am Morgen erwachte, sah er, dass aus seinem Stab tatsächlich ein Palmbaum mit Früchten aufgewachsen war.

Die Mühe wurde also am Ende belohnt.

Und ist es nicht so auch mit unserem Künstler?

Wer einmal in seinem Atelier in Hamburg gewesen ist, der konnte dort sehen, wieviel Skizzen und Formen und Versuche es braucht, bevor ein Werk gelingen kann, dass dann nicht nur vor den Augen des Meisters, sondern auch vor denen des Publikums und vielleicht sogar vor denen der Nachwelt Bestand hat. Wie oft muss man durch den reißenden Fluss, um im Bild zu bleiben, Ideen, Erwartungen und Hoffnungen hin und her tragen, bevor es zu der Begegnung kommt, die alles verändert?

Und dann gibt der Künstler sein Werk aus der Hand. Denn dasselbe Ringen, Denken und Suchen wird nun uns möglich, die wir seine Skulpturen betrachten. Nachdem sie dem Geist des Künstlers entstiegen sind, müssen sie in unseren hinein. Wir sollen die Bildwerke wieder verinnerlichen und dadurch mit nach Hause und dauerhaft mit in unser Leben nehmen.

Dazu reicht zwar theoretisch das Betrachten, noch besser für den Künstler und auch die Galeristin wäre es aber, wenn manch ein Besucher sich entschließt, das Werk auch zu erwerben.

Liebe Frau Fregin,

Sie haben hier einen wunderschönen Ort geschaffen, an dem alles, von dem ich gesprochen habe, stattfinden kann.

Der Künstler, die Kunst und die Menschen, die sie lieben, können einander begegnen. Und ich wünsche uns allen, dass die Werke von Thomas Jastram etwas in uns auslösen, uns begleiten und uns dann nicht wieder verlassen.

Und ich wünsche uns gemeinsam einen schönen Abend.

Thomas Roloff


Nachträge

Das nähere Notwendige erfährt man hier

Ein paar Bilder von einem alten Mann mit und ohne Laudator folgen. Und vor allem eines meiner herzensguten Kunstnachbarn, die mich mit einem unzuverlässigen Auto dort hingebracht und auch wieder in die Residenzstadt zurückgebracht haben, eine nicht unwesentliche Voraussetzung, daß dieser Beitrag endlich erscheinen kann.