Mittwoch, 19. August 2026

Über den Schloßberg in Neustrelitz & die Verteidigung der Erinnerung

sowie gegen die neuen Ruinen des Grauens

Neustrelitz, Paradeplatz mit Schloß und Schloßkirche

Großherzogliches Residenzschloß, Postkarte, von hier


Blick über das Schloß auf die Stadt, von 1926

Über den Herrn Klonovsky las ich einmal, er wolle „Maß, Gedächtnis, Rangordnung und verlorene Formen bewahren“. Eben daran scheiden sich die Geister.

Wir leben in einem Zeitalter, das von unerhörten Zerstörungen gezeichnet ist. Nun, es gibt auf der einen Seite Menschen, die erinnern und heilen wollen. Will man aber eine Erinnerung in ihrem Kern heilen oder sie abtöten. Oder zumindest soweit zur entstellten Maske erstarren lassen, daß nach menschlichem Ermessen keine Gefahr mehr von ihr ausgehen kann? 

Das Gesicht eines schönen, dahingeschiedenen Menschen in einem „Kunstwerk“ zur Fratze zu verzerren, um dann mit „überrascht“ unwilliger Miene dem Widersprechenden zu entgegnen: Das sei eben zeitgenössische Kunst, und wer von moderner Kunst keine Ahnung habe, schweige besser fein still. Das ist die andere Seite.

Wir sprechen hier von dem Christian Peters - Entwurf (einem hiesigen Architekten) „zur schrittweisen Wiederbebauung der ehemaligen Grundrissflächen des Residenzschlosses Neustrelitz“, den sich unglückseligerweise die hiesige Stadtvertretung zu eigen gemacht (die Verweise finden sich am Schluß).

Allein zur Sprache wäre einiges zu sagen, aber dafür haben wir uns ein eigenes Kapitel - Sprache der Unaufrichtigkeit – reserviert.

Worum geht es. Nun, ein Bild sagt mehr als tausend Worte, und wir haben sogar 2 davon.


Fotos: Ines Jung, Fotografenmeisterin, vom unten angegebenen Ort

Trotzdem ein paar Erläuterungen

Aus dem Beschluß der Stadtvertretung: „Der vorgesehene architektonische Ansatz greift den historischen Grundriss des ehemaligen Schlosses auf und interpretiert ihn zeitgemäß. Die geplanten Mauern orientieren sich an den ursprünglichen Gebäudeachsen und bilden eine filigrane, durchlässige Struktur mit regelmäßig angeordneten Öffnungen.

So entsteht eine klare räumliche Ordnung, die den Schlossberg sichtbar strukturiert, ohne

eine Rekonstruktion des Schlosses vorzutäuschen. Die Gestaltung schafft offene Flächen,

die für Veranstaltungen, Ausstellungen, Begegnungen und touristische Nutzung gleichermaßen geeignet sind.“

„Zeitgemäß“ und „filigran“. Das muß auch unbedingt in das bereits erwähnte nachfolgende Kapitel.

Zeitgemäß und filigran kommt der Vorschlag daher, „an den zwei wichtigsten, garten- bzw. stadtbildprägenden Gebäudeflügeln, eine begehbare Fassadenskulptur herzustellen“.

Diese „Skulptur“ orientiere „sich zunächst in Größe und Proportion am geschichtlichen Vorbild des einstigen Schlosses“, aber ganz bewußt vereinfachend und schlichter, genauer mit deutlich größeren Fassadenöffnungen, sprich Fenstern. „So werden Baukosten und das wirklich erforderliche Maß an neuer Bausubstanz abgewogen.“

„Geeignete Betone aus z.B. Weißzement mit entsprechenden Zuschlagstoffen gewährleisten eine dauerhafte und repräsentative Erscheinung.“

Das sollte reichen. Mit anderen Worten. Zwei Betonfassaden mit vergröbert großen, leeren Fensterhöhlen, nach hinten mit Streben abgestützt, sollen das verlorene Schloß visuell wieder erlebbar machen. Also eine brutale künstliche Ruinenarchitektur, die nicht einmal den Eindruck erwecken will, das sei vom Schloß noch übrig geblieben. Ein Monument der Gegen-Erinnerung, das den Ort gewissermaßen dekontaminiert und abtötet. Man hört den Herbstwind schon durch die gruseligen leeren Fensterhöhlen pfeifen. Vom Rest zu schweigen.

Übrigens, hier von Brutalismus zu sprechen, wäre zunächst irreführend. Einmal würde fast jeder moderne Architekt höchstens herablassend anmerken, man habe den Begriff nicht verstanden. Zweitens ist es schlimmer.

Zum Brutalismus

Das ist ein Stil moderner Architektur, der sich für besonders ehrlich hielt, er hatte also gewissermaßen eine ethische Mission (natürlich keine ästhetische, das wäre ja reaktionär gewesen). „Béton brut“, französisch für „roher Beton“, erfunden von Le Corbusier, zu dem uns auch noch eine Menge einfallen würde, also Sichtbeton, rohe Materialien, massiv grobe Formen. Reiner Funktionalismus, das Innenleben der Gebäude wird nicht verhüllt (wenn man das auf einen Menschen übertragen würde, müßten die Gedärme immer sichtbar bleiben), natürlich keine Ornamente etc. Die brutale Form dominiert. 

Und daher ist die landläufige Verstehensweise des Begriffs nicht wirklich ein Mißverständnis. Es war eine Gegenarchitektur, die gewaltsam das vergangen Überkommene zertrümmern wollte, gewissermaßen eine moderne Eugenik der Architektur.

Ich denke, meine Erinnerung trügt mich nicht, daß von Corbusier ein Plan für die Innenstadt von Berlin stammte, bei dem diese von Autobahnen durchzogen war, und auf wenigen Inseln dazwischen durften noch einige historische Bauten ihr kümmerliches Dasein fristen.

Warum ist also der Petersche Entwurf nicht bloßer Brutalismus, sondern schlimmer? Nun tatsächlich wäre dies gewissermaßen etwas Innovatives. Nämlich der teilweise Nachbau von etwas Historischem im brutalistischen Gewand. Könnte mich nicht erinnern, auf so etwas jemals gestoßen zu sein. Selbst bei der äußerlichen Wiedergewinnung des Berliner Stadtschlosses ist man bei der (immer noch gruseligen) modernen Ostfassade vor so etwas zurückgeschreckt.

Walter Ulbricht et al 

Die nachfolgenden Zitate hat verdienstvollerweise der hiesige Residenzschloßverein zusammengestellt.

W. Ulbricht / A. Ackermann, Rundschreiben Nr. 8/48 vom 31. März 1948 ‚Abriß von Schlößern und Junkerbesitzen‘:

„ Die Partei muß es als ihre Aufgabe betrachten, den beschleunigten Abriß der Junkersitze durchzuführen. … Der Abriß darf nicht nur unter dem Gesichtswinkel betrachtet werden, Baumaterialien für Neubausiedlungen  zu gewinnen; viel wichtiger ist, so weit als möglich die Spuren der Junkerherrschaft … zu vernichten.“

Regierungsbaurat Brückner (Schwerin) an das Landesamt für Denkmalpflege, 02. Juli 1946:

… vom Schloß … der historische Teil kaum wiederhergestellt werden kann.“

Landeskonservator Viering an Landesamt für Denkmalpflege bei der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin, 17. Februar 1948:

„… gegen den Abbruch der Reste des alten Schloßes zu Neustrelitz und die anderweitige Verwendung des Materials vom denkmalpflegerischen Standpunkt nichts einzuwenden.“

Die Verwendung der Begriffe „historischer Teil“ und  „altes Schloss“ legt nahe, daß die Denkmalpfleger nur den ursprünglichen 3-Flügel-Bau aufgegeben hatten, welcher vollständig niedergebrannt war.

Landes-Zeitung vom 7. Dezember 1949

„Heute Vormittag gegen 11:30 Uhr wurden der Turm der Neustrelitzer Schloßruine und der noch stehende Teil der Vorderfront gesprengt. Man hatte 25 Donarit-Sprengladungen angelegt, von denen aber nur 9 zur Zündung gebracht werden brauchten. Bei der 7. Ladung fiel der Turm in sich zusammen. Die gewonnenen Steine werden für Neubauten verwandt.“

Das zu den Helden der Zerstörung, nun zu einem anderen wichtigen Kapitel.

Die Sprache der Unaufrichtigkeit

„Zeitgemäß“ und „filigran“ hatten wir schon. Die Fassadenskulptur erfülle in einem ersten Schritt der Wiederherstellung der zwei wichtigsten Fassadenabschnitte des ehemaligen Barockschlosses die Aufgabe, dem Schloßareal seine architektonische Bedeutung und Einordnung der Raumbeziehungen zurückzugeben. Erster Schritt? Ich zitiere aus der Peterschen Projektskizze:

„In weiteren Schritten kann die Fassadenskulptur als ein bereits vorweggenommener Teil einer künftigen, möglicherweise gestaffelten Bebauung des Schlossareals dienen. Weiter kann diese Fassade, ganz ähnlich wie bei einer Pufferfassade - als äußere Gestaltungfront für eine künftige, dahinterliegende Bebauung dienen.“

Also, was hier so nebulös verschleiert wird. Eine weitere Bebauung, und sei es als Teilrekonstruktion, wäre mit diesem Konstrukt gar nicht möglich. Das müßte zuvor komplett abgerissen werden. Das Ding ist also offenkundig als Sperriegel, gewissermaßen als Brandmauer gegen solcherart Bestrebungen gedacht. Und weiter:

Mit der stadträumlichen Rekonstruktion der beiden wichtigsten Schloßfassaden im ersten Schritt erfolge „ein gestalterisch hochwertiger, aber auch zweckmäßiger baulicher Neubeginn, der dazu sogleich die Sommernutzung des gesamten Areals unterstützt und befördert.

"Die Entwicklung der Nutzung dieses Ortes in den kommenden Jahrzenten wird angeregt, bleibt aber gleichzeitig in jeder Hinsicht offen: Eine stufenweise Weiterbebauung in dem dann jeweils bedarfsgerechten Maße ist möglich und gewünscht, aber nicht Voraussetzung.“

In jeder Hinsicht? Manchmal genügen bloße Zitate, um Absichten zur Kenntlichkeit zu bringen.

Résumé

Bekanntlich haben schon die gruseligsten Projekte zum Schloßberg existiert, die glücklicherweise bisher alle gescheitert sind. Ich erinnere nur an die grandiose Idee, dort oben überdimensionale Fahnenmasten einzurammen, die den Raum erlebbar machen sollten. Die Fahnen hätten sicher bei stärkerem Wind mit ihrem gewaltigen Geknattere fröhlich die Umgebung terrorisiert, eine Kombination aus Reichsparteitagsgelände und einer Batterie von Windrädern gewissermaßen. Wunderschön.

„Warum hängen viele Neustrelitzer immer noch an einem Bau, der lange verloren ist? Wozu braucht ein Mensch ein Schloß. Vielleicht weil sich für sie in ihm auch ein Sehnsuchtspunkt sammelt all der verlorenen Orte, die ein Mensch mit sich umherträgt? Eine Art von Heimat.“

Diese Gedanken kamen mir im September 2018. Seitdem ist vieles oder auch wenig geschehen. Nebelkerzen wurden geworfen, das „Problem“ ausgesessen etc. Wohl in der Erwartung: Irgendwann sind alle müde, mindestens sind die Baupreise explodiert und nichts ist passiert. Vielleicht war der obenerwähnte Beschluß der Stadtverordneten so eine Art von Kurzschlußreaktion nach der Devise: Lieber ein Ende mit Schrecken…

Rekonstruktionen sind ein Akt der Liebe. Sie wollen Zerstörung und Tod nicht das letzte Wort lassen. Nach den Möglichkeiten, die einem gegeben sind. Sicher. Es geht um die Haltung, Wertvolles, und sei es als Erinnerung wiedergewinnen zu wollen, weil es um etwas Schönes, die Zeiten Übergreifendes und damit Verbindendes geht. Um die Wiedergewinnung eines beseelten und lebendigen Ortes.

Residenzschloß im 18. Jahrhundert

Fliegeraufnahme von 1927

Denn das Schloß war nicht nur ein schöner Ort voll von Kunstwerken und Geschichte, an dem über Jahrhunderte weitergebaut wurde, es war Mitte und wesentlicher Teil der Seele dieser Stadt. Diese Seele wurde vor Jahrzehnten aus bösem Willen beschädigt. Denn der neuere Teil des Schlosses wäre durchaus zu retten gewesen, aber die hiesigen Vollstrecker des Ulbrichtschen Willens wollten nicht (Grund, siehe oben). Und die jetzigen Parolen vermeintlicher „Heilung“ verstören.

Wenn schon der Turm so ganz zufällig unrealisierbar geworden ist, warum dann nicht eine Ecke des Schlosses wieder originalgetreu aufbauen. Dann kann sich der Betrachter den Rest erst einmal imaginieren.

Der Vorschlag des Residenzschloßvereins

Es gibt einen Vorschlag des Residenzschloßvereins, der genau dies zum Inhalt hat. Auf den Seiten des Vereins mag man sich dazu näher informieren. Dort wird eingehend der Vorschlag erläutert.

Denn:

Günther Jauch hat mit seiner privaten Initiative zur Wiederrichtung des Fortunaportals beim Potsdamer Stadtschloß hier einen Geniestreich vorgemacht. Aber der sitzt bei manchem wahrscheinlich auch immer noch in den edlen Knochen.

Als es darum ging, ob, und wenn ja wie man das im letzten Krieg zerstörte Goethehaus in Frankfurt am Main wieder aufbauen solle, gab es auch eine heftige Debatte. Es wurde dann wieder aufgebaut und nicht „in der Kubatur“ des alten Hauses, sondern originalgetreu. Und zwar so überzeugend, daß ich jemandem nach seinem Besuch dort erklären mußte, daß dies tatsächlich ein Neubau sei, er dachte, es hätte den Untergang auf wundersame Weise überstanden.

Hermann Hesse schrieb 1947 an das Freie Deutsche Hochstift, nachdem dieses nach seiner Meinung über eine mögliche Rekonstruktion des Goethehauses in Frankfurt am Main gefragt hatte:

„Soll man rekonstruieren? Ich muß die Frage, ob auch ich diese Aufgabe als lebenswichtig, ja heilig anerkenne, rückhaltlos bejahen. Vielleicht ist die Zahl der Menschen, in Deutschland wie außerhalb, heute noch nicht so sehr groß, welche vorauszusehen vermögen, als welch vitaler Verlust, als welch trauriger Krankheitsherd sich die Zerstörung der historischen Stätten erweisen wird. Es ist damit nicht nur ein großes, edles Gut vernichtet, eine Menge hoher Werte an Tradition, an Schönheit, an Objekten der Liebe und Pietät zerstört; es ist auch die bildende und durch Bilder erziehende Umwelt der künftigen Geschlechter, und damit die Seelenwelt dieser Nachkommen, eines unersetzlichen Erziehungs- und Stärkungsmittels, einer Substanz beraubt, ohne welche der Mensch zwar zur Not leben, aber nur ein hundertfach beschnittenes, verkümmertes Leben führen kann.“

Schloßgarten, ca. 1900, von hier


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Anmerkung

Die oben verwendeten Zitate und Bilder im Zusammenhang mit dem erwähnten Beschluß der Stadtvertretung wurden gemäß § 5 (Amtliche Werke) des Urheberrechtsgesetzes gebraucht.

Es handelt sich um die Sitzung der Stadtvertretung der Residenzstadt Neustrelitz vom 11.12.2025.

Weitere diesbezügliche Links hier und hier.


Neustrelitzer Schloßgarten 2016, von hier

Montag, 10. August 2026

Appalachian gospel hymns

 

von hier,

„Jesus gives my soul a soul.“ Das war ein Verhörer, aber ich muß darüber weiter nachdenken. Schließlich war Er seit Anbeginn der Schöpfung dabei. 

Es ist nicht selten rätselhaft, wie man über etwas stolpert, und hier ausgerechnet über „Mountain Chapel Gospel — a peaceful place for old-time Appalachian gospel, country gospel hymns, and Christian folk songs inspired by the faith of the mountains.“

Es gibt keine Zufälle. Das habe ich gelernt.

Donnerstag, 6. August 2026

Über das Wappen von Mecklenburg


Das Wappen von Mecklenburg (-Schwerin), von hier

Dieses Wappen ist für meinen Geschmack ein wenig zu überladen, aber so habe ich es hinter mir.

Eine zu lang gewordene Einleitung (die man auch überspringen kann)

Am Nordwestufer des Kummerower Sees; vom Aussichtsturm bei Aalbude Richtung Ost. Der Wasserarm mündet am Abfluss der Peene in den Kummerower See, von hier

Bei einem Unsympath, der Rethra auf einem Burgwall bei Dargun am Kummerower See zweifelsfrei verortet hat, las ich, ein Stierkopf sei das Kampfzeichen von Pribislaw I. gewesen. Bevor ich weiter herumsuche, niemand war dabei, der jedenfalls Nachrichten hinterlassen hätte. Und Münzen mit einem solchen Abbild sind auch nicht bei mir vorbeigerollt (es gibt welche, nur zeigen sie eine Reiterfigur). 

Hatte Pribislaw I. wirklich einen Stier als Feldzeichen und die Herren von Mecklenburg zeigten  ursprünglich einen Greifen, ab 1219 jedoch einen schwarzen Kopf eines Stiers auf goldenem Grund? Was weiß ich schon. Sei es also so. 

Sie schwankten jedenfalls zuächst offensichtlich. Und später war ihnen der Stier wohl auch ein wenig genierlich. Denn mir fiel ein, daß ich vor Ewigkeiten mal etwas über einen Nicolaus Marschalk (ich mußte mich selbst googeln, um es wiederzufinden) geschrieben hatte.

Anthyrius Crullus & Symbullam

„Zusammengefaßt: Ein Offizier Alexander des Großen wandert nach dessen Tod mit seinen Leuten, die ihn zum König erheben, nach Norden, gründet eine große Stadt, begründet eine Dynastie und heiratet die Tochter des Gotenkönigs. Der Büffelkopf im Wappen ist eigentlich ein Mißverständnis, eigentlich gehört dort ein Pferdekopf hinein, von wegen des Bukephalos (von altgriechisch βουκέφαλος, „Ochsenköpfiger“, aufgrund des Brandzeichens), des Pferds Alexanders. Diese erbauliche Geschichte ist eine komplette Erfindung, jedenfalls was die Gestalt des Anthyrius angeht, allerdings eine unterhaltsame.“ 

Aber diese ausgedachten Stammbäume waren einmal europaweit sehr verbreitet, warum auch immer.

Das Pferd hatten schon die Hannoveraner, die damals noch nicht so hießen, und den Greif die Pommern, also mußte man wohl oder übel beim Stierkopf bleiben. Und mein Gott, warum auch nicht?

Kapelle Althof, Tafel von Friedrich Franz I., von hier

Niklots Sohn Pribislaw, ist in der Tat der eigentliche Ursprungsvater des Hauses Mecklenburg. Schließlich starb sein Vater einen unschönen Tod wegen Treulosigkeit. Pribislaw († 30. Dezember 1178) war sein ältester Sohn, er hatte zwei Brüder, Wertislaw und Prislav. 

Nach weiteren kriegerischen Zwischenfällen und der schließlichen Unterwerfung des Pribislaw entschied sich Heinrich der Löwe Anfang 1167, ihm das Land seines Vaters zu Lehen zu geben. Hätte er nicht müssen, hat er aber. Allerdings ohne Schwerin und größere Gebiete südlich davon, die erhielt Gunzelin von Dahlenburg (ich danke herzlich dem Grafen von Blumenthal für den Korrekturhinweis), und so entstand die deutsche Grafschaft Schwerin. Es sollte letztlich bis 1358 dauern, daß die Grafschaft den Mecklenburger Herzögen wieder zufiel. Na ja, sie haben sich schon sehr bemüht, potentielle Erben beiseite zu schieben, sie hatten aber auch jegliches moralische Recht dazu.

Mit Pribislaw regierte zum ersten Mal seit Gottschalk wieder ein christlicher Fürst die Obotriten. Pribislaw betrieb den Wiederaufbau des Landes, allerdings ohne deutsche Kolonisten,  1171 gründete auf Anregung Bischof Bernos zu Althof ein Zisterzienserkloster, das später nach Doberan verlegte Kloster Doberan, wo er heute auch begraben ist.

Gedenktafel am Grabmal von Pribislaw König der Obotriten im Münster von Bad Doberan, von hier

Münster von Bad Doberan als Grabstätte von Pribislaw König der Obotriten, von hier

1172 begleitete er seinen Lehnsherrn auf dessen Kreuzzug nach Jerusalem. Seinen Sohn Heinrich Borwin I. vermählte er mit einer Tochter Heinrichs, Mathilde. Pribislaw verstarb am 30. Dezember 1178 bei einem Turnier am Hofe Heinrichs zu Lüneburg. Wenn es nicht zynisch klänge, könnte man sagen, ein erstaunlich friedvoller Tod für einen Obotriten.

Jedenfalls war es Heinrich der Löwe, der dieser Familie zur Herrschaft verhalf. Ich habe diese Anfänge hier einmal ermüdend lange aufgeschrieben.

und hier auch noch fortgesetzt

Reiterstandbild des Obotritenfürsten Niklot am Schweriner Schloß, von hier

Niklot gilt dennoch als der Stammvater der späteren Herzöge und Großherzöge von Mecklenburg. Zu Herzögen und damit reichsunmittelbaren Fürsten wurden sie durch den König und späteren Kaiser Karl IV. am 8. Juli 1348, zu Großherzögen am 28. Juni 1815.

In den Überlieferungen des Mecklenburgischen Fürstenhauses wird Niklot zum „König Nyklot“. Es ist schon eigenartig, kein enthusiastischer Gottschalk, kein bedachtsamer Heinrich, beides herausragende christliche Fürsten, sondern der Heide Niklot wird zum Stammvater des Geschlechts, wobei der Zähigkeit seines Sohnes Pribislaw ebenfalls einiges zugutezuhalten ist, seine Nachkommen hatten diese nicht immer. 

Überhaupt: Eine naive Erwartung bei der Neigung zur Geschichte irrt darin, hier einen mehr idyllischen Ort oder bessere Menschen finden zu wollen. Die menschliche Natur ändert sich nicht wesentlich, sie wird etwas modifiziert hin und wieder. Allerdings gibt es Zeiten des Aufschwungs und solche des Niedergangs, mitunter geschieht beides zugleich. Vor allem aber ist die Aufrechterhaltung der Tradition ein Wert an sich. Sie gibt der Zeit eine Struktur und dem Land einen wichtigen Teil seiner Physiognomie.

Obotriten und im Osten die Lutizen waren keine friedlichen braven Heiden, die von ihren aggressiven christlichen Nachbarn bedrängt wurden, sie waren als Völker auf die Länge gesehen nur kulturell und wirtschaftlich rückständiger und vielleicht deshalb schwächer als diese. Die Wenden, fassen wir sie so zusammen, hatten allerdings immer wieder Fürsten, die dies sahen. Warum manche immer gleich Opportunismus unterstellen und ihnen nicht die Überlegung zutrauen, daß, wenn das Land gehoben werden sollte, es ohne Christentum, also auch die Klöster etc., und deutsche Siedler recht aussichtslos wäre.

Hl. Gottschalk auf einem Fenster der Propsteikirche St. Anna in Schwerin, von hier

Jedenfalls gab es in der Familie einen Märtyrer, der heiliggesprochen wurde - den Hl. Gottschalk und ein anderer Fürst ging lieber ins Exil als vom christlichen Glauben abzufallen (beides riecht wenig nach Opportunismus). Denn wiederholt gab es blutige Aufstände, vornehmlich aus dem Osten, angetrieben von den heidnischen Priestern aus Rethra. Man hat das Haus Mecklenburg früher die Obotriten gennannt, manchmal auch die Niklotiden. Diese Familie ist wie ein alter Baum, Hauptäste brechen ab in einem Sturm, Nebenäste führen sein Dasein weiter. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich habe mich schon hinreichend weg vom Wappen geschrieben.

So ein Wappen ist ja auch ein Bild der Geschichte und in unserem Fall sind es vor allem die verschiedenen Regionen, die sich in ihm widerspiegeln.

Mecklenburg um 1300, von hier

„Nach dem Tod des Mecklenburger Fürsten Heinrich Borwin I., Enkel Niklots, wurde das Land Mecklenburg 1229 im Zuge einer ersten Hauptlandesteilung unter seinen vier Enkeln aufgeteilt:

Nikolaus erhielt den Teil Werle, der bis ins 15. Jahrhundert hinein bestand und zwischendurch mehrfach in Teilherrschaften zerfiel.

Johann erhielt Mecklenburg - die Mecklenburger Fürsten sollten sich als erfolgreichste Herrscher erweisen.

Pribislaw erhielt den Teil Parchim, der ca. 1255 zwischen Mecklenburg und Werle aufgeteilt wurde

Heinrich Borwin III. erhielt den Teil Rostock, welcher 1314 ebenfalls zwischen Mecklenburg und Werle aufgeteilt wurde.“

Das ist so erfreulich knapp und bündig geschrieben. Also habe ich es einfach zitiert. Aber so werden die verschiedenen Landesteile, die sich eben in unserem Wappen wiederfinden, recht schön deutlich.

Mecklenburgs Wappen

Wappen von Mecklenburg (-Strelitz)

Feld 1 - Das Wappen des Herzogtums Mecklenburg

Wir sind also wieder beim zentralen Schildteil, dem Wappen des Herzogtums Mecklenburg, im Nordwesten gelegen und mit der Mikilinborg der Ausgangsort des Landes Mecklenburg. Wohl 973 berichtet ein Ibrāhīm ibn Yaʿqūb, oder sagen wir besser Abraham Jakobson, von „Nakons Burg“.  Dieser sei ein König der nordwestlichen Slawen und anderen großen Slawenfürsten ebenbürtig. Abraham war ein Gesandter des Kalifen von Córdoba und traf demnach Otto I. am 1. Mai 973 auf dessen Hoftag in Merseburg (vorher schon einmal in Rom). 

Ich werde mich jetzt ganz un-heraldisch von links oben (vom Betrachter aus gesehen) vorarbeiten. Eigentlich beschreibt man ein Wappen so, als würde man es vor sich halten. Aber ich denke, das verwirrt nur.

„Im goldenen Feld ein vorwärts gekehrter, aufrecht stehender schwarzer Stierkopf mit aufgerissenem roten Maul, weißen Zähnen, herausgeschlagener roter Zunge, mit abgerissenem schwarzen Halsfell, dessen Randung bogenförmig ausgeschnitten ist und so sieben Spitzen zeigt. Der Stierkopf hat silberne Hörner und auf der Stirn eine goldene Fürstenkrone.“ (zitiert nach Rajko Lippert, Das Großherzogliche Haus Mecklenburg-Strelitz, Reutlingen 1994)

2 - Die Herrschaft Rostock

Also mit dem ersten Schildteil sind wir durch. Daneben die Herrschaft Rostock mit ihrem Greifen. Wir sprachen bereits darüber. „Im blauen Feld ein rechts gekehrter, schreitender goldener Greif mit erhobener rechter Vorderpranke, erhobenem Schweif und ausgeschlagener roter Zunge“ (s.o.).

Albrecht II. mußte 1370 übrigens Rostock erst aus dänischer Lehnshoheit erwerben

3 – Das Fürstentum Ratzeburg (mit Nachträgen)

3 Ansichten vom Ratzeburger Dom, hier innen

„Im roten Feld ein schwebendes rechtwinkliges Balkenkreuz, über demselben eine schwebende goldene Fürstenkrone“ (s.o). Zunächst einmal ich beschreibe die Stelitzer Variante, schließlich lebe ich in der Residenzstadt Neustrelitz, sie unterscheidet sich in Details von der Schwerinschen, aber nicht grundsätzlich.

Auf der Karte oben wird man kein Fürstentum Ratzeburg finden. Wohl aber ein Stiftsgebiet des Bistums Ratzeburg. Es war üblich, daß Bistümer ein Gebiet erhielten, in dem der Bischof die weltliche Herrschaft ausübte, wir werden gleich zum anderen ähnlichen Fall gelangen. 

Nach der Reformation fiel das Gebiet an Mecklenburg und wurde zum weltlichen Territorium. Herzog Adolf Friedrich I. von Mecklenburg war dessen letzter Administrator. Und im Westfälischen Frieden wurde ihm das Stiftsgebiet als erbliches, weltliches Fürstentum zugesprochen.

Wappennachträge

Wappen des Bistums bzw. des ehemaligen Fürstbistums und Hochstiftes Ratzeburg, von hier

Das Hochstift Ratzeburg im Schloß von Schwerin, hier gefunden

Fürstentum Ratzeburg, von hier

Mit anderen Worten. In den Stiftsländern hat man sich spätestens nach dem schwebenden Zustand der Säkularisation und dann der Umwandlung in weltliche Fürstentümer komplett neue Wappen erfunden. Der andere Fall ist noch verwirrender, aber nicht heute. 

Es ist schon mühsam genug, in so einem bescheidenen Beitrag keine komplette Landesgeschichte unterzubringen. Obwohl es mich natürlich verstört, daß Menschen dies hier tatsächlich lesen.

4 – Die Herrschaft Werle oder das Fürstentum Wenden


Siegel und Wappen der Herzoglichen Herren von Werle, von hier und hier

Was es mit ihr auf sich hatte, habe ich bereits beschrieben.

„Im goldenen Feld ein vor sich gekehrter, rechts gelehnter schwarzer Stierkopf mit geschlossenem Maul und herausgestreckter roter Zunge. Hörner und Krone wie beim Herzogtum Mecklenburg. (s.o.)“

Am 7. September 1436 starb dessen letzter Regenten Wilhelm ohne männliche Erben und so fiel die Herrschaft zurück an die mecklenburgische Dynastie. Bei der nächsten Landesteilung wurde das Gebiet allerdings zum Kern von Mecklenburg-Güstrow. Aber ich will auch nicht endlos werden

5 - Die Herrschaft Stargard

… mit dem Arm der Beatrix.

„Im roten Feld ein nach rechts gekehrter weiblicher Arm, mit einem Puffärmel am Oberarm bekleidet, am unteren Rande des Ärmels eine fliegende Schleife, alles silbern gefärbt, welcher aus einer kleinen natürlichen Wolke hervorragt und zwischen Daumen und Zeigefinger einen goldenen, diamantbesetzen Ring hält. (s.o.)“

In der Schweriner Variante fehlt die Wolke.

Beatrix von Brandenburg, Tafel 44 der Mecklenburgischen Siegel aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, von hier

Wappen von Neustrelitz, von hier

Dieser Bildteil ist etwas ungewöhlich – kein dräuendes Viech etc. sondern ein Frauenarm. Am 12. August 1292 heiratet Fürst Heinrich II. (der Löwe) Beatrix, die Tochter des brandenburgischen Markgrafen Albrecht III. Stargard war brandenburgisch geworden, daher überrascht dann auch nicht, daß es dort immer noch eine Stadt Neu-Brandenburg gibt etc. etc. Nun wurde es wohl als Mitgift mecklenburgisch.

1314 stirbt Beatrix ohne männliche Nachkommen und die Brandenburger wollen logischerweise die Mitgift zurück. Die Mecklenburger wollen das, was sie nunmal haben nicht zurückgeben. Es kommt zum Krieg und die Mecklenburger obsiegen 1316 in der Schlacht bei Gransee, auch sowas gab es mal, und nach dem Frieden von Templin von 1317 bleibt Stargard mecklenburgisch.

Ich muß zwei Anmerkungen zur Karte weiter oben machen. Sie ist zwar ganz hübsch, aber Fürstenberg kam bereits 1348 zu Mecklenburg. Und Neustrelitz wurde erst 1733 gegründet. Es ist also eine reichlich junge Stadt.

6 – Das Fürstentum Schwerin

Zwei Felder bleiben uns noch übrig.

„Oben im blauen Feld ein rechts gekehrter, schreitender goldener Greif mit erhobener rechter Vorderpranke, stehend auf der unteren, grünen, mit Silber eingefaßten Schildhälfte.“ (s.o.) Das Fürstentum Schwerin ist das andere Stiftsland, welches sich Mecklenburg nach der Reformation einverleibte. 

Das Stiftsland war ein eigenständiges weltliches Herrschaftsgebiet des Schweriner Bischofs, vor allem um die Städte Bützow und Warin, Bützow war Stiftshauptstadt. Von der Bischofsburg ist noch das Renaissance-Schlößchen erhalten, das Herzog Ulrich von Mecklenburg als Stiftsadministrator durch den Umbau der Bischofsburg 1556 errichtete.

Schloß mit Pädagogium um 1760, von hier

Man mag es bedauern, daß die Bischofsburg im Grunde verloren ist (ich neige zu solchen Sentimentalitäten). Aber ein Blick auf dieses Bild desillusioniert doch auch ein wenig.

Das Schloß Bützow, von hier

Das Schloß Bützow, von hier

Wie der Übergang ins Protestantische diesmal vonstatten ging: Magnus III. von Mecklenburg war der erste lutherische Administrator des Fürstbistums Schwerin, der dennoch als Fürstbischof bezeichnet wurde. Er wurde 1516 zum Bischof gewählt, trat sein Amt jedoch aufgrund seiner Minderjährigkeit und der fehlenden päpstlichen Bestätigung erst 1532 als Administrator an. 1533 führte er die Reformation ein. Er heiratete Elisabeth von Dänemark, die Ehe blieb kinderlos.


Wappen des Bistums bzw. des Fürstbistums und Hochstiftes Schwerin, von hier


Wappen des Fürstbistums und Hochstiftes Schwerin im Schweriner Schloß, von hier

Wenn man bei diesem Stiftsland die geistlichen Attribute entfernt, bleibt das Wappen der Grafschaft Schwerin übrig. 

Da wundert es nicht, wenn in Johann Siebmachers Wappenbuch von 1605  auf einmal ein goldener Greif auf blauem Grund auftaucht.

Ausschnitt links unten, von hier

Also noch einmal: Nach der Umwandlung in ein weltliches Fürstentum hat man auch hier ein komplett neues Wappen erfunden. In diesem Fall gewissermaßen aus Sachzwängen. 

7.  - Die Grafschaft Schwerin

Wappen der Grafen von Schwerin, von hier

Was es mit der Grafschaft auf sich hat, habe ich weit oben bereits beschrieben. Das Wappen ist oben rot, unten golden. Nur eigentlich beschreibt ein solcher Herzschild das dominierende Element. Er beherrscht sozusagen das ganze Wappen. Das würde nahelegen, die Grafen von Schwerin hätten sich Mecklenburg unterworfen. 

Dabei hat Albrecht II. die Grafschaft 1358 schlicht gekauft. Vielleicht war die Freude über diesen endlich herausgezogenen Pfahl im Fleische so groß, daß der Schild in die Mitte kam. Natürlich gab es auch bei den Schweriner Grafen mehrere Linien mit 3 verschiedenen Wappen, aber alle starben aus oder wurden beiseite geschoben. Will man Abrecht II. dafür tadeln?

Theodor Fischer: Abrecht II. Herzog zu Mecklenburg, Ahnengalerie im Schweriner Schloß, von hier

Wenn ich in grausamer Stimmung wäre, würde ich noch die Helmzier etc. erklären. Aber irgendwann ist auch einmal gut. Nur eines noch. Ein mecklenburgisch-Schwerin'scher Patriot sprach mit mir über den Unterschied der beiden Landeswappen. Und es ist immer eine große Genugtuung, wenn man korrigieren darf.

Ja, Schwerin hatte das „Per aspera ad astra“  - „Durch das Raue zu den Sternen“ als Motto im Wappen.  Mecklenburg-Strelitz hatte zwar ein Motto, aber nicht im Staatswappen. Der Hausorden der Wendischen Krone hatte in Strelitz allerdings „Avito viret honore“ - „Er grünt in angestammter Ehre“. 

Hausorden der Wendischen Krone in der Schweriner Variante, von hier

Und nu is wirklich jenuch.

Montag, 3. August 2026

Und 6 andere Bürgerkriegslieder des Südens


Soviel gandiose Musik für eine solch böse Sache. Ich habe schon lange einen Narren an der Bürgerkriegsmusik des Südens gefressen. Dieser vorige Beitrag war also alles, aber kein Ausrutscher. 

Eigentlich bin ich gerade tief in der mecklenburgischen Landesgeschichte versunken, aber dies mußte jetzt einfach raus. Denn ich höre es gerade. Ich rätsel immer noch, was mich daran so fasziniert, aber egal ich präsentiere jetzt einfach 6 weitere grandios-überwältigende Lieder aus dem Süden, der verloren hat.

Wahrscheinlich ist es die Geschichte, die einem zustößt und man kann etwas daraus machen oder einfach stumpf untergehen. An der Musik-Front hat der Süden jedenfalls um Längen gewonnen: Im Kampf gegen die „mercenary hords“. 

Ein tiefempfundenes Freundliches:

Macht was daraus, aus eurem Erbe. Das ist fern von jeglicher Herablassung. Eure Musik ist einfach zu tief in meine Seele hineingekrochen und sie hat darin keine Gefahr erkannt. Und ich kann sagen, sie ist darin wohlerfahren, sonst wäre ich lange tot. Also, wenn sie meint, kann man geltenlassen, weiß sie, wovon sie spricht.

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6 Other Civil War Songs of the South

So much magnificent music for such an evil cause (there may be some irony hidden). I have long been captivated by the Civil War music of the South. So, that previous post was anything but a slip-up.

I am actually deeply immersed in the history of Mecklenburg right now, but I simply had to get this out—because I’m listening to it at this very moment, again and again, as so often. I’m still trying to figure out what fascinates me so much about it, but whatever.

I’m simply going to present 6 more magnificent, overwhelming songs from the South—the South that lost at the end.

It is likely about the history that befalls you—you can make something of it, or simply go under, numb and defeated. On the musical front, at least, the South won by a landslide: in the fight against the "mercenary hordes."

A heartfelt, friendly word:

Make something of it—of your heritage. This comes without a shred of condescension. Your music has simply crept deep into my soul, and it found no danger there. And I can say that my soul is well-versed in these matters; otherwise, I would have been dead long ago. So, if it gives its stamp of approval, you can be sure it knows what it’s talking about.

1 Johnny Fill up the Bowl

von hier

 der Text

When Johnny comes marching home again,

    Hurrah, hurrah!

We'll give him a hearty welcome then,

    Hurrah, hurrah!

The men will cheer, the boys will shout,

The ladies, they will all turn out,

    And we'll all feel gay,

When Johnny comes marching home.


The old church bell will peal with joy,

    Hurrah, hurrah!

To welcome home our darling boy,

    Hurrah, hurrah!

The village lads and lassies say,

With roses, they will strew the way,

    And we'll all feel gay,

When Johnny comes marching home.


Get ready for the jubilee,

    Hurrah, hurrah!

We'll give the hero three times three,

    Hurrah, hurrah!

The laurel wreath is ready now,

To place upon his loyal brow,

    And we'll all feel gay,

When Johnny comes marching home.


Let love and friendship on that day,

    Hurrah, hurrah!

Their choicest treasures then display,

    Hurrah, hurrah!

And let each one perform some part,

To fill with joy the warrior's heart,

    And we'll all feel gay,

When Johnny comes marching home.


2 If youn wanna smell hell - Join the Calvary 

von hier

zum Text:


CHORUS: If you want to have a good time, jine the cavalry!

Jine the cavalry! Jine the cavalry!

If you want to catch the Devil, if you want to have fun,

If you want to smell Hell, jine the cavalry!


We’re the boys who went around McClellian,

Went around McClellian, went around McClellian!

We’re the boys who went around McClellian,

Bully boys, hey! Bully boys, ho!


CHORUS: If you want to have a good time, jine the cavalry!

Jine the cavalry! Jine the cavalry!

If you want to catch the Devil, if you want to have fun,

If you want to smell Hell, jine the cavalry!


We’re the boys who crossed the Potomicum,

Crossed the Potomicum, crossed the Potomicum!

We’re the boys who crossed the Potomicum,

Bully boys, hey! Bully boys, ho!


CHORUS:

If you want to have a good time, jine the cavalry!

Jine the cavalry! Jine the cavalry!

If you want to catch the Devil, if you want to have fun,

If you want to smell Hell, jine the cavalry!


Then we went into Pennsylvania,

Into Pennsylvania, into Pennsylvania!

Then we went into Pennsylvania,

Bully boys, hey! Bully boys, ho!


CHORUS:

If you want to have a good time, jine the cavalry!

Jine the cavalry! Jine the cavalry!

If you want to catch the Devil, if you want to have fun,

If you want to smell Hell, jine the cavalry!


The big fat Dutch gals hand around the breadium,

Hand around the breadium, hand around the breadium!

The big fat Dutch gals hand around the breadium,

Bully boys, hey! Bully boys, ho!


CHORUS:

If you want to have a good time, jine the cavalry!

Jine the cavalry! Jine the cavalry!

If you want to catch the Devil, if you want to have fun,

If you want to smell Hell, jine the cavalry!


Ol’ Joe Hooker, won’t you come out of The Wilderness?

Come out of The Wilderness, come out of The Wilderness?

Ol’ Joe Hooker, won’t you come out of The Wilderness?

Bully boys, hey! Bully boys, ho!


CHORUS:

If you want to have a good time, jine the cavalry!

Jine the cavalry! Jine the cavalry!

If you want to catch the Devil, if you want to have fun,

If you want to smell Hell, jine the cavalry!


3 Jackson in the Valley

von hier

4 The Irish Brigade

von hier

5 Roll Alabama, Roll

von hier

6 The Cavalier's Glee

von hier

Und God save the south!

natürlich, was sonst.

von hier

Nachtrag

Wie einem die Erinnerung doch Streiche zu spielen vermag. Während mir nachfolgendes Lied heute unverhofft ständig im Kopf herumging und ich hier nach dem Text suchte, konnte ich ihn nicht finden. Ich hatte es offensichtlich ausgelassen. Dabei ist es nach Dixie zweifelsohne der nächstpopuläre Song. 

Diese Interpretation von der verdienstvollen (und leider lange retirierten) 2ndSouthCarolinaStringBand ​ist zwar stellenweise etwas schräg, aber dafür sehr enthusiastisch, mit einer ebenso gestimmten Zuhörerschaft.

hier zu finden

Da kommt mir ein Kommentar in den Sinn, den ich einmal gelesen habe: Sie singen, als hätten sie gewonnen. Das ist wahrscheinlich ein Teil der Erklärung für die Faszination, die von diesen Dingen ausgeht, und das weltweit.

eine andere Version, von hier

The Bonnie Blue Flag


We are a band of brothers, and native to the soil,

Fighting for our liberty with treasure, blood, and toil;

And when our rights were threatened, and the cry rose near and far,

Hurrah! for the Bonnie Blue Flag, that bears a single star!


Chorus


Hurrah! Hurrah!

For Southern rights, hurrah!

Hurrah! for the Bonnie Blue Flag that bears a single star!


As long as the Union was faithful to her trust

Like friends and like brothers, kind we were and just

But now, when Northern treachery attempts our rights to mar

We hoist on high the Bonnie Blue Flag that bears a single star.

Chorus


First gallant South Carolina nobly made the stand,

Then came Alabama, who took her by the hand;

Next quickly, Mississippi, Georgia and Florida,

All raised on high the Bonnie Blue Flag that bears a single star.

Chorus


Ye men of valor gather round the banner of the Right

Texas and fair Louisiana join us in the fight

and Davis serve, our loved President, and Stephens, statesman rare

Now rally round the Bonnie Blue Flag that bears a single star.

Chorus


Now here's to brave Virginia, the Old Dominion State,

With the young Confederacy at length has linked her fate,

Impelled by her example, now other states prepare

To hoist on high the Bonnie Blue Flag that bears a single star.

Chorus


Then cheer, boys, cheer, raise a joyous shout

For Arkansas and North Carolina now have both gone out,

And let another rousing cheer for Tennessee be given,

The single star of the Bonnie Blue Flag has grown to be eleven.

Chorus


Then here's to our Confederacy, strong we are and brave,

Like patriots of old we'll fight, our heritage to save;

And rather than submit to shame, to die we would prefer,

So cheer for the Bonnie Blue Flag that bears a single star.

Chorus

Text von hier

nachgetragen am 14. August

Sonntag, 2. August 2026

Jeremias oder vom Trost eines erfüllten Lebens


Ein Zweig eines Christusdorns, den mir Brigitte Saeger vor Jahren einmal geschenkt hat - "der wächst in jedem Sandkasten". Daraus soll die Dornenkrone unseres Herrn geflochten worden sein. Nun immerhin hat er selbst mich bis hierhin überlebt.

Ich werde versuchen, meine Vorbemerkungen zur heutigen Predigt des Herrn Roloff kurz zu halten. Es wird mir nicht gelingen. Er kennt meinen Spruch. Darum ist es nicht indiskret, wenn ich auch hier behaupte, er sei ein besserer Mensch, wenn er predige. Gut, ich bin auch ein besserer Mensch, wenn ich glaube, ohne daß ich irgendwas dafür könnte.

Ach so, während ich dies schreibe, höre ich natürlich Musik vom bösen Süden. Sie ist einfach zu erfrischend.

In meinen Bücherregalen steht einiges an Theologischem herum. Etwa etwas  von einem Herrn Willi Marxsen. Hl. Jungfrau, was für ein plumper Rationalismus in dieser historisch-kritischen Methode steckt. Diese Plattheit konnte glänzen, solange noch Glauben da war. Heute interessiert nicht mal mehr das, nur noch der Klimakampf in einer stetig schrumpfenden Kirche, vorgetragen meist von häßlichen, dummen jungen Frauen oder von Zeitgenossen, die gerne solche wären.

Jesus sei in den Glauben seiner Jünger hinein auferstanden. Großer Gott, welch dümmliche Lästerung, die nicht einmal eine Vorstellung davon hat, daß es so etwas wie eine Offenbarung geben könne.

Ich suchte bei mir nach einem Zitat des Hl. Vaters und fand immerhin zunächst das:

Der gekreuzigte und auferstandene Messias, das ist der Kern des Christentums, wie ihn der Apostel Paulus, selbst von Geburt Jude, deutlich beschreibt. Zieht man die Auferstehung vom Neuen Testament ab, so bleibt bloßes Judentum übrig. 

Benedikt XVI. bei der Pfingstmesse im Petersdom, 15. Mai 2005. von hier

Aber zum Hl. Vater im Wiederfinden eines alten Beitrags 

(Jesus von Nazareth, Bd. II):

„‘Sie [die Auferstehung Christi] ist ein Ereignis in der Geschichte, das doch den Raum der Geschichte sprengt und über sie hinausreicht.‘ Gewissermaßen ein Mutationssprung im Sein. ‚Ja, die Materie selbst wird in eine neue Wirklichkeitsweise umgebrochen. Der Mensch Jesu gehört nun gerade auch mit seinem Leib ganz und gar der Sphäre des Göttlichen und Ewigen zu.‘“ 

Diese nachliberalen deutschen Theologen konnten sich einfach nicht vorstellen, daß es so etwas wie eine Offenbarung geben könne. Also noch einmal der Hl. Vater:

„Als historische Methode sucht sie den damaligen Geschehenszusammenhang auf, in dem die Texte entstanden sind. Sie versucht die Vergangenheit möglichst genau – so wie sie in sich selber war – zu erkennen und zu verstehen,… Soweit die historische Methode sich treu bleibt, muss sie das Wort nicht nur als vergangenes aufsuchen, sondern auch im Vergangenen stehenlassen. Sie kann darin Berührungen mit der Gegenwart, Aktualität ahnen, Anwendungen auf die Gegenwart versuchen, aber heutig machen kann sie es nicht – da überschritte sie ihr Maß. Gerade die Genauigkeit in der Auslegung des Gewesenen ist ihre Stärke wie ihre Grenze.

Damit hängt ein Weiteres zusammen. Als historische Methode setzt sie die Gleichmäßigkeit des Geschehenszusammenhangs der Geschichte voraus, und deshalb muss sie die ihr vorliegenden Worte als Menschenworte behandeln. Sie kann bei sorgfältigem Bedenken wohl den »Mehrwert« erahnen, der in dem Wort steckt, eine höhere Dimension sozusagen durch das Menschenwort irgendwie hindurchhören und so die Selbsttranszendierung der Methode eröffnen, aber ihr eigentlicher Gegenstand ist das Menschenwort als menschliches."

Aber es gibt auch Gutes und Aufbauendes, wie etwa die Predigt des Herrn Roloff, die gleich folgen soll. Eines der, vermutlich gewollten, Mißverständnisse ist, es gehe beim christlichen Glauben um so etwas wie Heteronomie. So wie im Islam, dessen Gott die Menschen im Grunde reichlich gleichgültig sind. Unterwerfen müssen sie sich. Alles weitere hängt dann von seinen Launen ab.

Grabstätte Papst Benedikt XVI., von hier

Anders ist es bei unserem Gott. Er will unsere Heilung. Wir werden wieder das ganz und gar, was unserer Natur und Veranlagung entspricht, die Er für uns wollte. So kommen wir in Gott wieder zu uns selbst zurück. Aber jetzt folgt wirklich Herr Roloff.

Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis in Magdeburg

Jeremiah, Chromolithograph by Storch and Kramer etc., von hier

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Jeremias Berufung

Und des HERRN Wort geschah zu mir und sprach: Ich kannte dich, ehe denn ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe denn du von der Mutter geboren wurdest, und stellte dich zum Propheten unter die Völker.

Ich aber sprach: Ach Herr, HERR, ich tauge nicht, zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: "Ich bin zu jung"; sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen, was ich dich heiße.

Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. Und der HERR reckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.  Siehe, ich setze dich heute dieses Tages über Völker und Königreiche, daß du ausreißen, zerbrechen, verstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Jeremia 1. 4-10


Liebe Gemeinde,

im Glauben bejahen wir nur das, was uns bestimmt ist. Noch einfacher kann man sagen: Unser Glaube ist das JA zum Leben. Er ist die Antwort auf die Lebendigkeit Gottes, von dem wir unser Leben haben.

Der Glaube ist gleichsam ein geistiges Atmen. Er schlägt eine Brücke und verbindet die gegenwärtige Existenz mit dem, was wir bereits bei Gott waren, bevor wir zur Welt kamen und mit dem, was wir sein werden, wenn wir die Welt wieder verlassen.

Die Grundlage zu dieser Glaubenssicht finden wir in dem Wort des Herrn in unserem Predigttext: Ich kannte dich, ehe denn ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe denn du von der Mutter geboren wurdest, und stellte dich zum Propheten unter die Völker.

Wenn wir uns auf diesen Gedanken einlassen, dann verbindet sich mit ihm geradezu die Vorstellung von einer Präexistenz, die jedem Menschen eigen ist und die er ganz bei Gott hatte. Dadurch ist der Mensch nicht nur ein Gewordener und ein Geborener. Der Mensch ist bereits das, von dem Gott selbst sagt: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete. Es geht hier nicht um ein Vorhersehen. Gott sieht nicht voraus, was irgendwie zufällig oder gar durch andere Kräfte und Mächte gewirkt wird. Gott ist alles in allem. Die Welt verwirklicht sich aus ihm und durch ihn und mit ihm.

Dieser Gedanke hat zwingend zur Folge, dass wir uns nicht selbst gehören und auch nicht willkürlich über unser Schicksal verfügen könnten.

Der gläubige Mensch sucht und strebt danach zu werden, was ihm bestimmt war und zugleich fürchtet er diesen Zusammenhang, weil aus ihm die Möglichkeit des schicksalhaften Versagens erwächst. Wie sollen wir diesem Ideal im Herzen Gottes gerecht werden? In unserer konkreten Geschichte handelt es sich um Jeremia, den Gott zum Propheten bestimmt hat.

Wozu hat er mich bestimmt? Wie findet man das heraus? Es kann nicht jeder Mensch wie Jeremia behaupten, dass Gott zu ihm spricht. Was aber jeder Mensch aus dieser Geschichte ersehen und lernen kann, ist die Weise, in der Gott behutsam und streng den zum Propheten bestimmten Jeremia auf seinem Wege leitet. Dem erschreckten Ausweichen, „Ich bin zu jung“, tritt er mit großer Güte entgegen. Sage das doch nicht, denn ich sende dich und ich lege dir meine Worte in den Mund. Vor allem aber sagt Gott wieder und wieder: Fürchte dich nicht!

Das ist es, was wir an diesem Sonntag neu erfassen sollen. Gott hat jeden Menschen gekannt, bevor er war und hat ihm damit auch eine Bestimmung geschenkt. Es ist an uns, sie zu finden. Wir sollen lauschen, wir sollen suchen, wir sollen aufmerksam sein und vor allem sollen wir fest darauf vertrauen, dass es diese Bestimmung gibt.

In schönem Zusammenklang illustriert das Evangelium des heutigen Tages diese Erwartung durch sein Reden von dem Schatz im Acker und von der kostbaren Perle. In der Epistel wiederum haben wir gleichsam von der entgegengesetzten Methode gehört. „Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet. Ja, ich achte es noch alles für Schaden gegen die überschwengliche Erkenntnis Christi Jesu, meines HERRN, um welches willen ich alles habe für Schaden gerechnet, und achte es für Kot, auf daß ich Christum gewinne.“ So ringt der Apostel und wirft alles von sich fort, was ihn hindert, dem Herrn zu folgen. Es gibt im Leben also Zeiten, um die Kostbarkeit zu suchen und es gibt Zeiten, um endlich fortzuwerfen, was sich als Plunder erwiesen hat und uns nur beschwert. Wenn wir nur zum Herrn gelangen.

Christus ist unser Schatz im Acker und er ist die köstliche Perle, die wir in unserem Leben gewinnen sollen, damit es an sein Ziel kommt. Sagt darum auch nicht „Ich bin zu jung“ oder „Ich weiß nicht, was Gott von mir fordert“, sondern geht seinem Wort dort nach, wo ihr es findet.

Dazu besitzen wir sein Wort in der Heiligen Schrift, in der Liturgie, im Bekenntnis und in einer besonderen Weise auch im Sakrament. Dieses schenkt uns zusätzlich eine ganz leibliche Vorstellung von dem, was ich am Anfang der Predigt eine geistliche Präexistenz genannt habe.

Denn so, wie wir vor aller Zeit bereits in Gott gekannt waren, so schenkt er uns nun, ihn zu essen und zu trinken, ihn einen Teil von uns werden zu lassen. Aus dieser Gewissheit, dass er unsere Speise ist, wächst unser Glaube. Denn Gott ist in uns, so wie wir vor aller Zeit in ihm gewesen sind.

In dieser Spannung zwischen dem festen Vertrauen darauf, dass Gott uns schon kannte, noch bevor wir waren und unserem Ringen mit seinem Wort und Willen, verwirklicht sich die Freiheit des Menschen. Der freie Gehorsam gegen Gott beschenkt und vollendet die Existenz eines jeden Menschen.

Man kann aber genauso sagen: Der verstockte Unglaube, die wütende Ablehnung Gottes, die immer wieder ins Böse und in die Sünde verfällt und Menschen zu falschen Bekenntnissen und Unterwerfungen zwingen will, ist vielleicht ein noch sicherer Beweis für die Gegenwart des Allmächtigen, als unsere Gottesdienste es zuweilen sind. Auch darum spricht der Herr: Fürchte dich nicht!

Ilja Repin, Der Prophet Jeremia klagt in den Ruinen von Jerusalem, von hier  

Macchiavelli meinte, Menschen würden auf zweierlei Weise gewonnen und geleitet, durch Furcht oder durch Liebe. Die Furcht aber sei sicherer.

Auch darin prüfe sich ein jeder unter euch, auch vor dem Hintergrund all dessen, was uns gegenwärtig und in den vergangenen Jahren widerfahren ist. Wo wurdet ihr zur Furcht geleitet und wo suchte man, euch durch Liebe zu gewinnen?

Es war ein in vielem sehr zu Recht gegen die mittelalterliche Kirche erhobener Vorwurf, dass sie den Menschen vor allem möglichen Angst gemacht hat und die Höllenqualen voller Wonne ausgemalt wurden, um daraus im wahrsten Sinne Kapital zu schlagen.

Luther hat damit kraftvoll aufgeräumt und das Evangelium von der Menschenliebe Gottes neu zum Glänzen gebracht. Wir sollten uns darum von den oftmals völlig glaubenslosen Angstmachern unserer Tage nicht in die Irre jagen lassen.

Die Kirche lässt sich stets durch ihren Herrn zur furchtlosen Liebe rufen. Dieser Ruf war es, der auch Jeremia zuteilgeworden ist. Täuschen wir uns auch hier nicht. Dem Ruf endlich zu folgen hat Jeremia kein vordergründig glückliches Leben beschert. Er musste in schweren Zeiten bestehen. Er hat Krieg, Not und Zerstörung durchlitten und am Ende wohl einen gewaltsamen Tod gefunden. Aber er ist seinem Auftrag gerecht geworden. Er hat bestanden. Er ist zum Vorbild im Glauben geworden. Mit seinem Prophetenbuch hat er ein großartiges Zeugnis hinterlassen, dass auch heute in der Kirche Wirkung entfaltet.

Nun wird nicht jedes Leben ein Prophetenbuch hinterlassen. Aber jedes Leben drängt auf seine je eigene Erfüllung hin, die doch nur darin liegen kann, dass es Zeugnis ablegt von dem, was Gott beschlossen hat.

Schwinge dich auf meine Seele und singe von diesem wunderbaren Gott, der uns ins Leben gerufen hat. Rühme den großen Namen des Gottes, der alle Wunder tut. Alles, was Odem hat, rufe Amen und bringe Lob mit frohem Mut.

Das ist die eigentliche Pflicht aller Geschöpfe, nämlich das Lob Gottes in die Welt zu tragen. Der Prophet tut dies durch das Wort, das ihm in den Mund gelegt wurde und das er nun in die Welt schreit. Der Künstler lobt Gott mit seinen Werken. Wer ein Instrument zu spielen gelernt hat, der lobt Gott mit seiner Musik. Jede sinnvolle Arbeit kann ein Gotteslob sein und die Liebe der Mutter zu ihren Kindern ist es ohnehin.

Alles, was wir Menschen tun und worin wir gefunden haben, seinem Willen zu entsprechen, kann Gott loben und es macht diese Welt schöner, besser und trägt die größte Wahrheit in sie hinein. Gott hat alles geschaffen und er will alles erlösen.

Schneiden wir uns von dieser Gewissheit ab, dann verkümmern wir. Tut ihr das nicht.

Wir gehören zu denen, die sich sagen lassen: Fürchtet euch nicht und die dann auch danach tun.

Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn.

Amen

von hier

Thomas Roloff

Nachtrag

Ich schrieb "Die weiteren Bildnachweise werden bald folgen. Ich bin heute etwas müde."

Ich hoffe, ich konnte inzwischen alles belegen. Aber 4 Bilder soll es noch als Zugabe geben. Einmal 2 von einem der Predigt-Orte, nämlich St. Nikolai in Magdeburg:


Und dann 2 von diesen beiden entzückenden Kindern.