
Der unfertige Dom um 1824
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Es mag merkwürdig wirken, daß ich als Norddeutscher einige Worte über den Kölner Dom verlieren will, nun der äußere Anlaß ist folgender, dieses Werk der Gotik wurde zwar am 15. August 1248 begonnen, aber offiziell erst am 15. Oktober 1880 von Kaiser Wilhelm I. für vollendet erklärt. Dazwischen (etwa seit 1530) ruhten die Bauarbeiten weitgehend. Etwa 300 Jahre lang war ein unfertiger Dom zu sehen, wie er auf dem obigen Bild dargestellt ist, einschließlich des durch Treträder angetriebenen Baukrans aus dem 14. Jahrhundert, der erst 1868 vom Südturm verschwand.
1814 und 1816 entdeckte man wesentliche Teile der mittelalterlichen Baupläne, es entstand eine nationale Bewegung zur Vollendung des Dombaus, der Dom wurde zum Einheitssymbol. Am 4. September 1842 legten der protestantische König Friedrich Wilhelm IV. und der spätere Erzbischof Johannes von Geissel den Grundstein für den Weiterbau des Doms. 1880 war der vollendet, weitgehend nach den 600 Jahre alten Plänen, nur für die Fassaden des Querhauses waren keine mehr auffindbar gewesen.
Als Kaiser Wilhelm I. am 15. Oktober 1880 dessen Vollendung mit einem Fest beging, ironischerweise mitten im Kulturkampf, war der Dom längst auch zu einem Symbol des neuen deutschen Kaiserreichs geworden, wie etwa die Kaiserpfalz in Goslar oder später das Kyffhäuser-Denkmal.

Kölner Dom, zwischen 1890 und 1900
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Man mag und wird sich heutzutage über die Leidenschaft des 19. Jahrhunderts mokieren, die Dome des Mittelalters fertigzubauen. Heute würden Zeitgeist, diverse Deklarationen und weiß der Fuchs was solche Bestrebungen zu verhindern wissen. Man sehe sich nur den Kampf gegen die Wiederherstellung verlorengegangener Bauten an.
Man mag solchen Bemühungen einen bloßen Vorwand unterstellen. Was aber lese ich daraus: Demut, Begeisterungsfähigkeit für anderes, die Sehnsucht, eine Spur aufzunehmen, um einer Idee zu folgen, Neugier für das Vergangene, Treue, den Wunsch, Dinge heilen zu dürfen, Zivilisationswillen.
Wäre das etwas, was im gegenwärtigen Zeitalter so auch aufzufinden wäre? Kaum. Der Zivilisationsfortschritt ruht sich gerade eher ein wenig aus.

Thomas Wolf, Kölner Dom am Abend
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Und wo Friedrich Wilhelm Nietzsche auch noch am 15. Oktober 1844 geboren worden ist, wollen wir wenigstens mit zwei Zitaten an ihn erinnern, aus „Menschliches, Allzumenschliches“, „Der Mensch mit sich allein - Neuntes Hauptstück“:
497.
Unwillkürlich vornehm. - Der Mensch beträgt sich unwillkürlich vornehm, wenn er sich gewöhnt hat, von den Menschen nichts zu wollen und ihnen immer zu geben.
523.
Geliebt sein wollen. - Die Forderung, geliebt zu werden, ist die größte der Anmaßungen.
