
Von Mal zu Mal schaue ich gern auf Blogs vorbei, die ich aus irgendwelchen Gründen sympathisch oder interessant finde, regelmäßig mache ich das nur bei ganz wenigen, das liegt halt daran, daß, wenn ich einmal beschlossen habe, jemanden zu schätzen, er dagegen nur noch wenig tun kann, meine eigenen Motive dabei sind mir nicht selten recht rätselhaft, denn dahinter stehen oft Orte oder Gegebenheiten, die mir völlig fremd sind, und es ist auch keine Laune oder derartiges, wie auch immer.
Bei einem dieser Gelegenheitsbesuche las ich, wie jemand über seinen Sperlingspapagei schrieb, ich fand das ganz rührend und kam dann darauf, warum das wahrscheinlich so war.
Als ich noch jung war und studierte hatte ich einen Nymphensittich, der den Namen Salomo verordnet bekommen hatte (man hört die Art des Studiums heraus). Er war fast weiß, das obige Bild kommt dem sehr nahe. Obwohl er genug anderes bekam, nagte er mit Vorliebe an der Oberkante der Buchrücken, ich habe heute noch ein paar Bücher aus der Zeit, er wußte natürlich, daß das nicht richtig war, kam man ins Zimmer, flog er sofort in eine andere Ecke und tat unschuldig.
In den Semesterferien gab ich ihn zu meinen Eltern und stellte dann überrascht fest, daß mein Vater und er eine heftige Freundschaft begründet hatten. Man muß dazu sagen, mein Vater war kein gefühlskalter Mensch, aber er hatte irgendwann beschlossen, sich sehr in sich zurückzuziehen, aber das ist eine andere Geschichte.
Nicht allein, daß die Tür zum Käfig immer offen war, so daß der Vogel in der gesamten Wohnung herumfliegen konnte, soweit ihm danach war. Wie ich erfuhr, mußte er morgens von meinem Vater ausführlich verabschiedet werden, bevor der zur Arbeit fuhr, sonst gab es den ganzen Tag Krach. Abends durfte er dann am Rand des Tellers sitzen und verputzte mit ihm das Rührei, er mochte das offensichtlich lieber als seine Körner. Ich habe ihn dann nach Semesterferienende bei meinem Vater gelassen.
Leider ist er dann eines Tages doch aus einem Dachfenster geflogen und war schnell unauffindbar, inzwischen ist mir klar, das muß eine klassische Fehlprägung gewesen sein. Ich fürchte, das war die letzte engere Beziehung, die mein Vater einging.
Das folgende Video, das ich bei einem meiner oben beschriebenen Besuche an einem anderen Ort fand, hat übrigens eine nette Pointe, passend zum Thema.
