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Dienstag, 21. Juli 2009

Dem Reinen ist alles rein



„Den Reinen ist alles rein; den Unreinen aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern unrein ist ihr Sinn sowohl als ihr Gewissen.“
Brief des Paulus an Titus, 1, 15

Ursprünglich wollte ich heute kurz etwas zu diesem beliebten Bibelzitat anmerken und stieß dann auf einem mir unbekannten Blog auf dies:

http://rudolfvonwaldenfels.blogspot.com/2008/11/dem-reinen-ist-alles-rein.html

Der Autor, Rudolf v. Waldenfels, pausiert zu meinem Bedauern gerade wohl etwas, war aber so freundlich, mir umgehend zu erlauben, seine Worte ausführlich zitieren zu dürfen (solches begegnet einem auch nicht immer).

„Es sind die Guten, vor denen man sich fürchten muss, die, die nichts von den Abgründen in ihrem eigenen Herzen wissen. Sie werden das Böse nur außerhalb ihrer selbst erkennen und deshalb gegen seine Vernichtung nichts einzuwenden haben.

In seinem außergewöhnlichen Buch War Is A Force That Gives Us Meaning schildert der amerikanische Kriegsreporter Chris Hedges Szenen aus der Hölle. Er war in Sarajewo, er war in Ruanda, er war im Gaza-Streifen. Und immer, so schreibt er, waren es die Visionäre, die Idealisten, die von der eigenen Reinheit Überzeugten, die die schlimmsten Verbrechen begingen.

Noch im Moment, da sie mit dem Bajonett zustoßen, glauben sie, die Welt dem Paradies näher zu bringen.“

Samstag, 15. September 2007

Initium


Initium, der "Anfang" oder der "Eingang", mehrfach erwogen, verworfen und erneut aufgeschoben, habe ich mich nunmehr fast versehentlich doch als sog. Blogger angemeldet und stehe etwas verwirrt vor dem soeben genannten, der Reflex: Man sucht Zuflucht bei den Dingen, die Sicherheit versprechen, und sei es ein ungewisser Bildungshintergrund.



Gedankensplitter 1

Warum Restauration moralisch ist


Sie scheinen so sicher im Urteil, wenn sie jede Wiedererschaffung eines verlorenen Monuments ablehnen: Authentizität; das Unwiederbringbare des geschichtlichen Zusammentreffens von Gestaltungswillen und Geist; das Wissen um die Vergeblichkeit, ja schlimmstenfalls Peinlichkeit eines Wiederholungsversuches unter völlig anderen - in jeder Hinsicht abträglichen (?) - Bedingungen; der Respekt, der sich darin aussprechen würde, diese Leerstelle als Mahnung offen und gültig zu lassen, und vor allem der frische lebendige Impuls, der darin bestünde, dem Neuen eine Chance zu geben, um das Weiterspinnen des menschlichen Fadens zu befördern usw. usw., jedenfalls etwas in der Art.

So viel Richtiges und soviel offenes Mißtrauen. Warum rumort etwas heftig in uns, das sich kaum zum Gedanken aufklären läßt, wenn wir derartiges hören. Ist es Revolte gegen die Vergänglichkeit, ein verzweifelter Wunsch nach einer heilen oder doch heilbaren Welt, Unvermögen, in der Gegenwart zu leben, also Lebensuntauglichkeit, Ignoranz, Versteinerung, Einfallslosigkeit?

Kaum. Kultur ist etwas Erkämpftes und hinter dem Willen zur Restauration steht das unbeirrbare Verlangen, der Barbarei keinen Zoll zu überlassen. Sie ist der Reflex des einschneidenden Mangels und der Liebe. Sie gewöhnt sich nicht an die Leere und ist unfähig zur Abstumpfung. Restauration nimmt ernst, sie leidet mit dem Zerfallenden, sie erleidet an sich die Zerstörung, die zerstörten Dingen widerfahren ist. Manchmal vielleicht versucht sie auch in solcher Weise, der eigenen empfundenen Unzulänglichkeit zu widerstehen.

Die Moderne hingegen dekoriert sich im günstigsten Fall mit dem, was war, kaschiert damit den Überdruß, der sie in Wahrheit bestimmt, da sie einen Ort besetzt sieht, sie, die doch jeden Ort besetzen möchte, und darum kollaboriert sie im Innersten mit der Vernichtung. Und darum erscheinen uns die gedanklich so wohlformulierten Einwände, und warum sollten sie nicht wohl formuliert sein, da doch seit der Aufklärung diese Art der Überredung geübt worden ist, so hohl und so falsch und darum fallen uns, die wir an der verletzten Seele der Dinge hängen und von ihr nicht lassen mögen, die Worte so schwer.



Zitate unbestimmter Herkunft

Gelegentlich ist die Wirklichkeit doch zu wenig akzeptabel, als daß man sie ernsthaft in Erwägung ziehen könnte.

Ich denke, es gibt nichts Sinnloseres, als wenn wir darüber nachdenken, was wir in unserem Leben falsch gemacht haben könnten, auf unsere wirklichen Fehler stoßen wir dabei schon gar nicht, meist läuft es darauf hinaus, daß wir von dem Falschen noch mehr hätten tun wollen.