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Freitag, 25. Juli 2008

Die „Nicky-Cooper- Saga“

Wir alle sind auf der Suche nach Schönheit, wir sind dankbar, wenn wir auf inspirierte Worte stoßen, die uns den Reichtum der Sprache überraschend neu und gleichzeitig vertraut aufschließen, so daß sie zu einem begehbaren Raum wird, in dem die Dinge in eine transzendente Schönheit getaucht werden, wo unsere amputierten Gefühle wieder vollständig geheilt nach allem greifen, was tief, berührend, farbenfroh, einfach, geistvoll, natürlich, verbindend, rein, herz-und geisterwärmend ist.

Dies war die Welt von Nicky Cooper, beschrieben in den Blogs “Cooper’s Corridor” und später “Nico’s Niche”, „ Just a gay man of the woods living in Northern BC ... ardent naturalist, ecologist, a passionate lover of the earth's wild and hidden places“, eines jungen Familienvaters halb indianischer Abstammung mit 2 adoptierten Kindern, eines Ökologen und Feuerwehrmanns, der die Freundschaft und Verehrung von anderen Menschen geradezu magisch an sich zog. Diesen Menschen hat es nie gegeben.

Es gab diese Sprache, die eine wertvolle Fiktion erzeugt hat, es gab Menschen, die dieser Fiktion vertraut haben und sich ihr geradezu existentiell ausgeliefert haben und es gibt eine Person, die dies alles niedergeschrieben hat, vermutlich eine 52jährige Großmutter aus British Columbia mit Namen Jo, die vorgibt, seit sie ein kleines Mädchen gewesen sei, hätte sie sich im falschen Körper gefühlt und darum eine innere Person geschaffen, diese Person hätte sie "Nicky" genannt.

Zunächst hätte sie "Nicky" vor allem in ihren Tagebüchern beschrieben, aber dann verschaffte ihr das Internet gewissermaßen die Möglichkeit, diese Person lebendig werden zu lassen, sie konnte agieren, Freundschaften schließen, Menschen auf sich aufmerksam machen, dazu nutzte sie etwa Bilder ihrer Enkel, die in ihre Obhut kamen, sie benutzte auch einfach Worte, Bilder und Gedanken von fremden Menschen, die sie irgendwo fand und die sie in ihre Fiktion einbaute, ein Bild wie gesagt von sprachmächtiger Schönheit und zu Herzen gehender Integrität.

Denn es war ja nicht einfach so, daß etwas beliebig zusammengeklaubt wurde, sondern diese Person hat einfach alle sich bietenden Ressourcen –persönliche Korrespondenzen, fremde Websites, eigene Gedanken, alles Mögliche verwendet, um dieses stimmige Bild zu erzeugen. Ich habe nur wenige Reste davon materiell bewahren können, aber selbst mit dem jetzigen Wissen, sobald ich auf diese Relikte schaue, ersteht das Bild eines liebenswerten und originellen, unverwechselbaren Menschen, an dessen Existenz verständlich der Verstand, aber das Gefühl in keiner Sekunde zweifelt.

Wir alle sind auf der Suche nach Erlösung, diese Frau von sich, wir von dem, was uns von uns selbst fernhält, wir würden uns gern anders erfinden, das macht uns auch verwundbar und verführbar. Ich will damit schließen, daß ich durch eben diesen „Cooper“ in einen Kreis von Menschen gestolpert bin, die ich angesicht meiner Voraussetzungen sonst nie kennengelernt hätte, und ich gestehe, ich stehe da immer noch etwas verlegen am Rand herum. Ich will nur noch 2 Dinge anmerken, durch eben diese Geschichte etwas sensibilisiert, den Titel dieser Geschichte habe ich einer Mail von Greg Waagner entlehnt und die Phrase der „transzendenten Schönheit“ rührt von diesem Gentleman her.

Eigentlich wollte ich übrigens darüber schreiben, wie ich heute eine junge Amsel, die sich in unserem Haus verflogen hatte, nach draußen brachte und wie sie, nachdem ich sie auf dem Großen Stein im Garten abgelegt hatte, lange Zeit überhaupt keine Anstalten machte fortzufliegen. Sie war wohl zu überrascht, warum dieses große schwarze Tier sie nicht einfach aufgefressen hat.