Sonntag, 8. Februar 2026

Martins Tag oder Der Reaktionär

Diese Seiten sind eine weiße Fahne, nur andersherum aufgezogen.

Eine neue Rubrik, möglicherweise bald an einem eigenen Ort. 


Anlaß

Sich derzeit im Freien zu bewegen, ist eine gewisse Herausforderung, gerade für ältere Herrschaften wie mich. Ich wurde rührenderweise kürzlich mehrfach gefragt, ob ich Hilfe bräuchte, nur weil ich es geschafft hatte, nicht zu stürzen.

Zum Anlaß. Ein Jörg-Andreas Krüger, Präsident des Nabu-Bundesverbands, unter einem Präsidenten macht man es dort nicht, verteidigt in der BZ vom 6. 2. das Agieren seines Verbandes gegen den Einsatz von Streusalz durch Private. In Berlin sei dieser gesetzlich verboten, weil es Böden, Pflanzen und Gewässern nachhaltig schade, das Grundwasser belaste und langfristig ökologische Schäden verursache. Aufgrund der extremen Glätte sollte das kurzfristig geändert werden. Dafür habe es im Parlament aber keine Mehrheit gegeben. Der Senat wollte daraufhin das Ganze dann per Allgemeinverfügung regeln. „also ohne Parlament, ohne Umweltprüfung, ohne Beteiligung der Verbände“… Wir sind aber immer noch ein Rechtsstaat. Das geht so einfach nicht.“

Krügers Kritik richte sich deshalb vor allem gegen das Vorgehen des Senats. Statt den Nabu einzubinden, habe die Landesregierung versucht, kurzfristig Fakten zu schaffen. Die kurzfristige Gefahrenabwehr ist ihm also ausdrücklich nicht vor das (sehr) langfristige Einbinden des Nabu gegangen. Schlimm das. Die weiteren Pirouetten, die Herr Krüger dort gewissermaßen auf dem Eis dreht, mag, wer will am angegebenen Ort nachlesen. Aber das noch:

„Wir streiten jetzt über Salz auf privaten Gehwegen. Verantwortlich sind weiterhin die Grundeigentümer. Viele kommen ihren Verpflichtungen nicht nach. Das ist hoch unsolidarisch.“ Ach. Wie die Privateigentümer denn diese Räumung bei Spritzeis ohne Tausalz bewerkstelligen sollen, ob mit der Spitzhacke oder dem Absingen von Mantras verrät er natürlich nicht. Schließlich ist er mit dem Herausschleudern von Schuldzuweisungen an andere schon vollauf beschäftigt.

Das Ganze ist nur ein Mosaiksteinchen für das folgende Resümee.


conclusio

Die Weltverbesserer wollen nicht die Welt verbessern, sondern sich unterwerfen. Um diese unter sich zu knechten, brauchen sie immer als Mittel den Mißbrauch von Moral. Und die Lüge natürlich.

Wenn man Übersicht gewinnen will, folge man der Spur der Lüge. Die Lügner müssen immer Staub aufwirbeln, um die Sicht zu nehmen. Wahrheit ist Lüge. Die gute Absicht macht alles zur Wahrheit. Es gibt keine Wahrheit. 

Wir sind also auf den Spuren des Bösen. Oder mit Goethe:


"(Ich bin) ein Teil von jener Kraft,

Die stets das Böse will und stets das Gute schafft…


Ich bin der Geist, der stets verneint!

Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,

Ist wert, daß es zu Grunde geht;  

Drum besser wär's, daß nichts entstünde.

So ist denn alles, was ihr Sünde,

Zerstörung, kurz das Böse nennt,

Mein eigentliches Element."


von hier

Aber.

Das Reich der Lüge hat keinen Bestand.

Samstag, 17. Januar 2026

Freitag, 16. Januar 2026

Zum Neuen Jahr

Eine meine erfreulichsten Erwerbungen kürzlich war die einer Ausgabe des Gesangbuchs für die evangelisch–lutherische Kirche in Mecklenburg-Strelitz von 1897. Nur als Nebennote, sollte ich mich doch einmal wieder in einen Gottesdienst der gegenwärtigen evangelischen Kirche wagen, werde ich es sicherlich als Gedankentrost mitnehmen.

Das nachfolgende Lied daraus hat mich zutiefst beeindruckt. Es ist paßt nicht völlig zu meiner eigenen Erlebniswelt, aber ich sehe die tiefere Verwandtschaft. Ich habe übrigens meine Textfassung gelegentlich sparsam hinzugefügt.


Durch Trauern und durch Plagen


Durch Trauern und durch Plagen,

durch Noth, durch Angst und Pein,

durch Hoffnung und durch Klagen,

durch manchen Sorgenstein

bin ich, Gott Lob, gedrungen;

dies Jahr ist hingelegt.

Dir, Gott, sei Lob gesungen,

mein Herze wird erregt.


Der du mich hast erbauet,

in dir besteht mein Heil;

dir ist mein Glück vertrauet,

du bist und bleibst mein Theil.

Du hast mich wohl erhalten,

du bist mein fester Trost,

dich laß ich ferner walten,

wenn mir die Not zustürzt.


Mein Gott, o meine Liebe,

was du willst, will auch ich;

gieb, daß ich nichts verübe,

was irgend wider dich.

Dir ist mein Will ergeben,

ja, er ist nicht mehr mein,

dieweil mein ganzes Leben

dein eigen wünscht zu sein.


Nach dir soll ich mich schicken,

und, Herr, ich wills auch thun.

Soll mich die Armuth drücken,

ich will dabei beruhn.

Soll mich Verfolgung plagen,

ja, Herr, befiehl du mir.

Soll ich Verachtung tragen,

ach, ich gehorch auch hier.


Soll ich verlassen sitzen,

Herr  Gott, dein Wille gilt.

Soll ich in Ängsten schweben,

mein Heiland, wie du willst.

Soll ich denn Krankheit leiden,

ich will gehorsam sein.

Soll ich von dannen scheiden,

Herr, dein Will ist auch mein.


Soll ich zum Himmel dringen?

Gar gern, o Gott, mein Licht.

Soll mich die Höll verschlingen?

Ach, dieses willst du nicht.

Ich habe zwar verdienet

die rothe Höllenglut,

du aber bist versühnet

durch deines Sohnes Blut.


Heut ist das Jahr beschlossen,

Herr, deine Gnad sei heut

neu auf mich ergossen,

mein Herze werd auch neu.

Laß ich die alten Sünden,

so werd ich, Gott, bei dir

auch neuen Segen finden;

dein Wort verspricht es mir.

Gottfried Wilhelm Sacer (1635 – 1699)


Wenn auch spät:


Auf ein gutes und gesegnetes Jahr also. 


Alles Notwendige ist oben gesagt.





Nachbemerkung:

Die Neujahrsbilder wirken immer so schnell recht abgestanden. Außerdem ist es in dem Moment sowieso meist neblig düster und kalt. Aber irgendetwas löst sich dann; merkwürdig. Vielleicht ist es die Hoffnung, die tief innen wohnt und wider alle sinnvollen Erwartungen ausbrechen darf. Eine unvernünftige Hoffnung gewissermaßen.

Also wollen wir unvernünftig hoffnungsvoll sein.