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Sonntag, 2. August 2026

Jeremias oder vom Trost eines erfüllten Lebens


Ein Zweig eines Christusdorns, den mir Brigitte Saeger vor Jahren einmal geschenkt hat - "der wächst in jedem Sandkasten". Daraus soll die Dornenkrone unseres Herrn geflochten worden sein. Nun immerhin hat er selbst mich bis hierhin überlebt.

Ich werde versuchen, meine Vorbemerkungen zur heutigen Predigt des Herrn Roloff kurz zu halten. Es wird mir nicht gelingen. Er kennt meinen Spruch. Darum ist es nicht indiskret, wenn ich auch hier behaupte, er sei ein besserer Mensch, wenn er predige. Gut, ich bin auch ein besserer Mensch, wenn ich glaube, ohne daß ich irgendwas dafür könnte.

Ach so, während ich dies schreibe, höre ich natürlich Musik vom bösen Süden. Sie ist einfach zu erfrischend.

In meinen Bücherregalen steht einiges an Theologischem herum. Etwa etwas  von einem Herrn Willi Marxsen. Hl. Jungfrau, was für ein plumper Rationalismus in dieser historisch-kritischen Methode steckt. Diese Plattheit konnte glänzen, solange noch Glauben da war. Heute interessiert nicht mal mehr das, nur noch der Klimakampf in einer stetig schrumpfenden Kirche, vorgetragen meist von häßlichen, dummen jungen Frauen oder von Zeitgenossen, die gerne solche wären.

Jesus sei in den Glauben seiner Jünger hinein auferstanden. Großer Gott, welch dümmliche Lästerung, die nicht einmal eine Vorstellung davon hat, daß es so etwas wie eine Offenbarung geben könne.

Ich suchte bei mir nach einem Zitat des Hl. Vaters und fand immerhin zunächst das:

Der gekreuzigte und auferstandene Messias, das ist der Kern des Christentums, wie ihn der Apostel Paulus, selbst von Geburt Jude, deutlich beschreibt. Zieht man die Auferstehung vom Neuen Testament ab, so bleibt bloßes Judentum übrig. 

Benedikt XVI. bei der Pfingstmesse im Petersdom, 15. Mai 2005. von hier

Aber zum Hl. Vater im Wiederfinden eines alten Beitrags 

(Jesus von Nazareth, Bd. II):

„‘Sie [die Auferstehung Christi] ist ein Ereignis in der Geschichte, das doch den Raum der Geschichte sprengt und über sie hinausreicht.‘ Gewissermaßen ein Mutationssprung im Sein. ‚Ja, die Materie selbst wird in eine neue Wirklichkeitsweise umgebrochen. Der Mensch Jesu gehört nun gerade auch mit seinem Leib ganz und gar der Sphäre des Göttlichen und Ewigen zu.‘“ 

Diese nachliberalen deutschen Theologen konnten sich einfach nicht vorstellen, daß es so etwas wie eine Offenbarung geben könne. Also noch einmal der Hl. Vater:

„Als historische Methode sucht sie den damaligen Geschehenszusammenhang auf, in dem die Texte entstanden sind. Sie versucht die Vergangenheit möglichst genau – so wie sie in sich selber war – zu erkennen und zu verstehen,… Soweit die historische Methode sich treu bleibt, muss sie das Wort nicht nur als vergangenes aufsuchen, sondern auch im Vergangenen stehenlassen. Sie kann darin Berührungen mit der Gegenwart, Aktualität ahnen, Anwendungen auf die Gegenwart versuchen, aber heutig machen kann sie es nicht – da überschritte sie ihr Maß. Gerade die Genauigkeit in der Auslegung des Gewesenen ist ihre Stärke wie ihre Grenze.

Damit hängt ein Weiteres zusammen. Als historische Methode setzt sie die Gleichmäßigkeit des Geschehenszusammenhangs der Geschichte voraus, und deshalb muss sie die ihr vorliegenden Worte als Menschenworte behandeln. Sie kann bei sorgfältigem Bedenken wohl den »Mehrwert« erahnen, der in dem Wort steckt, eine höhere Dimension sozusagen durch das Menschenwort irgendwie hindurchhören und so die Selbsttranszendierung der Methode eröffnen, aber ihr eigentlicher Gegenstand ist das Menschenwort als menschliches."

Aber es gibt auch Gutes und Aufbauendes, wie etwa die Predigt des Herrn Roloff, die gleich folgen soll. Eines der, vermutlich gewollten, Mißverständnisse ist, es gehe beim christlichen Glauben um so etwas wie Heteronomie. So wie im Islam, dessen Gott die Menschen im Grunde reichlich gleichgültig sind. Unterwerfen müssen sie sich. Alles weitere hängt dann von seinen Launen ab.

Grabstätte Papst Benedikt XVI., von hier

Anders ist es bei unserem Gott. Er will unsere Heilung. Wir werden wieder das ganz und gar, was unserer Natur und Veranlagung entspricht, die Er für uns wollte. So kommen wir in Gott wieder zu uns selbst zurück. Aber jetzt folgt wirklich Herr Roloff.

Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis in Magdeburg

Jeremiah, Chromolithograph by Storch and Kramer etc., von hier

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Jeremias Berufung

Und des HERRN Wort geschah zu mir und sprach: Ich kannte dich, ehe denn ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe denn du von der Mutter geboren wurdest, und stellte dich zum Propheten unter die Völker.

Ich aber sprach: Ach Herr, HERR, ich tauge nicht, zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: "Ich bin zu jung"; sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen, was ich dich heiße.

Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. Und der HERR reckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.  Siehe, ich setze dich heute dieses Tages über Völker und Königreiche, daß du ausreißen, zerbrechen, verstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Jeremia 1. 4-10


Liebe Gemeinde,

im Glauben bejahen wir nur das, was uns bestimmt ist. Noch einfacher kann man sagen: Unser Glaube ist das JA zum Leben. Er ist die Antwort auf die Lebendigkeit Gottes, von dem wir unser Leben haben.

Der Glaube ist gleichsam ein geistiges Atmen. Er schlägt eine Brücke und verbindet die gegenwärtige Existenz mit dem, was wir bereits bei Gott waren, bevor wir zur Welt kamen und mit dem, was wir sein werden, wenn wir die Welt wieder verlassen.

Die Grundlage zu dieser Glaubenssicht finden wir in dem Wort des Herrn in unserem Predigttext: Ich kannte dich, ehe denn ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe denn du von der Mutter geboren wurdest, und stellte dich zum Propheten unter die Völker.

Wenn wir uns auf diesen Gedanken einlassen, dann verbindet sich mit ihm geradezu die Vorstellung von einer Präexistenz, die jedem Menschen eigen ist und die er ganz bei Gott hatte. Dadurch ist der Mensch nicht nur ein Gewordener und ein Geborener. Der Mensch ist bereits das, von dem Gott selbst sagt: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete. Es geht hier nicht um ein Vorhersehen. Gott sieht nicht voraus, was irgendwie zufällig oder gar durch andere Kräfte und Mächte gewirkt wird. Gott ist alles in allem. Die Welt verwirklicht sich aus ihm und durch ihn und mit ihm.

Dieser Gedanke hat zwingend zur Folge, dass wir uns nicht selbst gehören und auch nicht willkürlich über unser Schicksal verfügen könnten.

Der gläubige Mensch sucht und strebt danach zu werden, was ihm bestimmt war und zugleich fürchtet er diesen Zusammenhang, weil aus ihm die Möglichkeit des schicksalhaften Versagens erwächst. Wie sollen wir diesem Ideal im Herzen Gottes gerecht werden? In unserer konkreten Geschichte handelt es sich um Jeremia, den Gott zum Propheten bestimmt hat.

Wozu hat er mich bestimmt? Wie findet man das heraus? Es kann nicht jeder Mensch wie Jeremia behaupten, dass Gott zu ihm spricht. Was aber jeder Mensch aus dieser Geschichte ersehen und lernen kann, ist die Weise, in der Gott behutsam und streng den zum Propheten bestimmten Jeremia auf seinem Wege leitet. Dem erschreckten Ausweichen, „Ich bin zu jung“, tritt er mit großer Güte entgegen. Sage das doch nicht, denn ich sende dich und ich lege dir meine Worte in den Mund. Vor allem aber sagt Gott wieder und wieder: Fürchte dich nicht!

Das ist es, was wir an diesem Sonntag neu erfassen sollen. Gott hat jeden Menschen gekannt, bevor er war und hat ihm damit auch eine Bestimmung geschenkt. Es ist an uns, sie zu finden. Wir sollen lauschen, wir sollen suchen, wir sollen aufmerksam sein und vor allem sollen wir fest darauf vertrauen, dass es diese Bestimmung gibt.

In schönem Zusammenklang illustriert das Evangelium des heutigen Tages diese Erwartung durch sein Reden von dem Schatz im Acker und von der kostbaren Perle. In der Epistel wiederum haben wir gleichsam von der entgegengesetzten Methode gehört. „Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet. Ja, ich achte es noch alles für Schaden gegen die überschwengliche Erkenntnis Christi Jesu, meines HERRN, um welches willen ich alles habe für Schaden gerechnet, und achte es für Kot, auf daß ich Christum gewinne.“ So ringt der Apostel und wirft alles von sich fort, was ihn hindert, dem Herrn zu folgen. Es gibt im Leben also Zeiten, um die Kostbarkeit zu suchen und es gibt Zeiten, um endlich fortzuwerfen, was sich als Plunder erwiesen hat und uns nur beschwert. Wenn wir nur zum Herrn gelangen.

Christus ist unser Schatz im Acker und er ist die köstliche Perle, die wir in unserem Leben gewinnen sollen, damit es an sein Ziel kommt. Sagt darum auch nicht „Ich bin zu jung“ oder „Ich weiß nicht, was Gott von mir fordert“, sondern geht seinem Wort dort nach, wo ihr es findet.

Dazu besitzen wir sein Wort in der Heiligen Schrift, in der Liturgie, im Bekenntnis und in einer besonderen Weise auch im Sakrament. Dieses schenkt uns zusätzlich eine ganz leibliche Vorstellung von dem, was ich am Anfang der Predigt eine geistliche Präexistenz genannt habe.

Denn so, wie wir vor aller Zeit bereits in Gott gekannt waren, so schenkt er uns nun, ihn zu essen und zu trinken, ihn einen Teil von uns werden zu lassen. Aus dieser Gewissheit, dass er unsere Speise ist, wächst unser Glaube. Denn Gott ist in uns, so wie wir vor aller Zeit in ihm gewesen sind.

In dieser Spannung zwischen dem festen Vertrauen darauf, dass Gott uns schon kannte, noch bevor wir waren und unserem Ringen mit seinem Wort und Willen, verwirklicht sich die Freiheit des Menschen. Der freie Gehorsam gegen Gott beschenkt und vollendet die Existenz eines jeden Menschen.

Man kann aber genauso sagen: Der verstockte Unglaube, die wütende Ablehnung Gottes, die immer wieder ins Böse und in die Sünde verfällt und Menschen zu falschen Bekenntnissen und Unterwerfungen zwingen will, ist vielleicht ein noch sicherer Beweis für die Gegenwart des Allmächtigen, als unsere Gottesdienste es zuweilen sind. Auch darum spricht der Herr: Fürchte dich nicht!

Ilja Repin, Der Prophet Jeremia klagt in den Ruinen von Jerusalem, von hier  

Macchiavelli meinte, Menschen würden auf zweierlei Weise gewonnen und geleitet, durch Furcht oder durch Liebe. Die Furcht aber sei sicherer.

Auch darin prüfe sich ein jeder unter euch, auch vor dem Hintergrund all dessen, was uns gegenwärtig und in den vergangenen Jahren widerfahren ist. Wo wurdet ihr zur Furcht geleitet und wo suchte man, euch durch Liebe zu gewinnen?

Es war ein in vielem sehr zu Recht gegen die mittelalterliche Kirche erhobener Vorwurf, dass sie den Menschen vor allem möglichen Angst gemacht hat und die Höllenqualen voller Wonne ausgemalt wurden, um daraus im wahrsten Sinne Kapital zu schlagen.

Luther hat damit kraftvoll aufgeräumt und das Evangelium von der Menschenliebe Gottes neu zum Glänzen gebracht. Wir sollten uns darum von den oftmals völlig glaubenslosen Angstmachern unserer Tage nicht in die Irre jagen lassen.

Die Kirche lässt sich stets durch ihren Herrn zur furchtlosen Liebe rufen. Dieser Ruf war es, der auch Jeremia zuteilgeworden ist. Täuschen wir uns auch hier nicht. Dem Ruf endlich zu folgen hat Jeremia kein vordergründig glückliches Leben beschert. Er musste in schweren Zeiten bestehen. Er hat Krieg, Not und Zerstörung durchlitten und am Ende wohl einen gewaltsamen Tod gefunden. Aber er ist seinem Auftrag gerecht geworden. Er hat bestanden. Er ist zum Vorbild im Glauben geworden. Mit seinem Prophetenbuch hat er ein großartiges Zeugnis hinterlassen, dass auch heute in der Kirche Wirkung entfaltet.

Nun wird nicht jedes Leben ein Prophetenbuch hinterlassen. Aber jedes Leben drängt auf seine je eigene Erfüllung hin, die doch nur darin liegen kann, dass es Zeugnis ablegt von dem, was Gott beschlossen hat.

Schwinge dich auf meine Seele und singe von diesem wunderbaren Gott, der uns ins Leben gerufen hat. Rühme den großen Namen des Gottes, der alle Wunder tut. Alles, was Odem hat, rufe Amen und bringe Lob mit frohem Mut.

Das ist die eigentliche Pflicht aller Geschöpfe, nämlich das Lob Gottes in die Welt zu tragen. Der Prophet tut dies durch das Wort, das ihm in den Mund gelegt wurde und das er nun in die Welt schreit. Der Künstler lobt Gott mit seinen Werken. Wer ein Instrument zu spielen gelernt hat, der lobt Gott mit seiner Musik. Jede sinnvolle Arbeit kann ein Gotteslob sein und die Liebe der Mutter zu ihren Kindern ist es ohnehin.

Alles, was wir Menschen tun und worin wir gefunden haben, seinem Willen zu entsprechen, kann Gott loben und es macht diese Welt schöner, besser und trägt die größte Wahrheit in sie hinein. Gott hat alles geschaffen und er will alles erlösen.

Schneiden wir uns von dieser Gewissheit ab, dann verkümmern wir. Tut ihr das nicht.

Wir gehören zu denen, die sich sagen lassen: Fürchtet euch nicht und die dann auch danach tun.

Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn.

Amen

von hier

Thomas Roloff

Nachtrag

Ich schrieb "Die weiteren Bildnachweise werden bald folgen. Ich bin heute etwas müde."

Ich hoffe, ich konnte inzwischen alles belegen. Aber 4 Bilder soll es noch als Zugabe geben. Einmal 2 von einem der Predigt-Orte, nämlich St. Nikolai in Magdeburg:


Und dann 2 von diesen beiden entzückenden Kindern.



Sonntag, 14. Juni 2026

Bismarck-Familientreffen auf Gut Welle & eine Predigt

Bismarcks Wappen, von hier

Herr Roloff war aus besagtem Anlaß gebeten worden, einen Gottesdienst in der Gutskapelle zu Welle zu halten. Er hat diese Aufgabe gern übernommen. Und im Nachfolgenden bringe ich die Predigt, die er dabei gehalten hat.

Zuvor noch eine Anmerkung zum obigen Wappen. Als Otto von Bismarck 1865 in den erblichen Grafenstand erhoben wurde, fügte er dem alten Bismarckschen Familienwappen - ein dreiblättriges Kleeblatt, umgeben von drei Eichenblättern - einen Wappenspruch hinzu:

IN TRINITATE ROBUR – „In der Kraft der Dreieinigkeit “. Das Motto spielt zwar auf die Dreiheit des Wappenbildes und auf das Eichenmotiv an, geht aber zweifelsohne darüber hinaus. Lateinisch „robur“ bedeutet „Kraft, Härte, Stärke, Festigkeit“ und meinte ursprünglich das „Hartholz“, besonders die Eiche. 

Also begrüßte er vor der Predigt die versammelte Gemeinde mit den Worten: „Der Leit- und Wappenspruch der Familie Bismarck ist „In Trinitate Robur“. Und deshalb ist die Trinitatiszeit in gewisser Weise immer auch Bismarckzeit.

Predigt zum 2. Sonntag nach Trinitatis in der Gutskirche Welle

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Der Predigttext ist das Evangelium des heutigen Tages:

Das große Abendmahl 

15Da aber solches hörte einer, der mit zu Tische saß, sprach er zu ihm: Selig ist, der das Brot ißt im Reiche Gottes.16Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu.17Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommt, denn es ist alles bereit! 18Und sie fingen an, alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 19Und der andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 20Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen. 21Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein. 22Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. 23Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, auf das mein Haus voll werde. 24Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen waren mein Abendmahl schmecken wird. Amen

Lk 14, 15-24

Liebe Gemeinde,

es ist zwar bereits Jahrzehnte her und dennoch bleibt mir eine Erinnerung ungewöhnlich präsent, die genau mit diesem Text zu tun hat. Ich stand damals im Begriff, meinen 30. Geburtstag vorzubereiten. Ich hatte einen Ort ausgewählt. Das Fest sollte in der Wasserburg in Gommern stattfinden. Ich hatte einen befreundeten Pfarrer gebeten, uns zuvor in der St. Thomas-Kirche von Pretzien eine kleine Andacht zu halten. Ich hatte eine Gästeliste verfasst und, dieser gemäß, die Einladungen gefertigt, die ich an einem Novembertag zur Post brachte. 

Damals war es mir zur Gewohnheit geworden, abends gelegentlich die Messe in St. Sebastian zu hören. Ich ging also von der Post das kurze Stück zur Kirche, nahm Platz und es wurde diese Geschichte gelesen. Der Priester forderte uns auf, uns vorzustellen, wir hätten ein Fest vorbereitet, viele Gäste eingeladen und niemand kommt!

Dadurch habe ich mir ein besonderes Verhältnis zu dieser Geschichte bewahrt und muss an die kleine Begebenheit denken, sooft ich vom Großen Abendmahl höre.

Warum lädt man zu einem Fest ein? Ein wahres Fest wird von der Gewissheit getragen, dass es dem Gastgeber darum geht, den Gästen eine Freude zu bereiten indem er sie um sich versammelt und miteinander in Gemeinschaft bringt. 

Das Fest im biblischen Zusammenhang ist aber zugleich immer auch noch ein Bild von unserer ewigen Gemeinschaft mit Gott. Wir sind mit der ganzen Schöpfung von Gott ausgegangen und sollen zu einer durch ihn bestimmten Stunde zurückkehren. Gott ruft, er lädt ein und wir kommen. Sein Abendmahl bedeutet immer Heimkehr.

In unserer Geschichte fingen sie alle an, sich nacheinander zu entschuldigen. Sie haben einen Acker oder Ochsen gekauft oder eben ein Weib genommen und sind zu dem Schluss gelangt, dass die Erledigung dieser Angelegenheiten wichtiger ist als das Große Abendmahl des Herrn. Das ist eine Beschreibung davon, wie man sich ganz im Diesseitigen verlieren kann. Das ist eine Beschreibung von dem, was wir heute gemeinhin Säkularisierung nennen. Der Mensch steht immer wieder in der Versuchung, sich den Dingen der Schöpfung ganz hinzugeben und dabei den Schöpfer zu vergessen, manchmal sogar zu leugnen.

Genau darin nun wird das Abendmahl zum Gericht. Es ist der Entschluss der Eingeladenen, nicht zu erscheinen, denn damit richten sie sich.

Der Mensch richtet sich selbst, indem er Gott nicht folgt. So einfach ist es manchmal, den Heilsplan und mit ihm das innerste Prinzip der Schöpfung zu verstehen. Gottes Wille und Entschluss, alles zu einem guten Ende zu führen, steht unverrückbar fest und weil Gott Gott ist, wird es dieses gute Ende und sein großes Abendmahl auch geben. Das Gericht besteht allein darin, ob es mit uns oder ohne uns stattfindet.

Fast gerät man in die Versuchung, Mitleid mit dem Hausherrn zu bekommen. Im Hausherrn wird uns aber Gott vor Augen gestellt. Er sendet seinen Knecht aus und sorgt dafür, dass sein Haus voll wird und dass das Fest stattfinden kann.

Dieses Thema durchzieht die ganze Heilige Schrift. Die Erwählten lassen ihre Chance verstreichen und Gott ruft die, denen das Fest scheinbar nicht bestimmt gewesen ist.

Wir sollen dadurch gewahr werden, dass die Zugehörigkeit zum erwählten Volk, dass die Zugehörigkeit zur Kirche nichts bedeuten, wenn sie nur formal bestehen und nicht mit lebendigem Gehorsam gefüllt werden. Die Zugehörigkeit zum erwählten Volk, die Zugehörigkeit zur Kirche sind kein Privileg, sondern eine Verpflichtung zum Gehorsam. So wie der Adel auch.

Und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben Abraham zum Vater.

Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Gott kann sich aus Steinen ein neues Volk rufen, denn er will und wird sein großes Abendmahl feiern.

Sagt darum auch nicht, wir gehören der Kirche an, uns kann nichts widerfahren. Die Zugehörigkeit zur Kirche ersetzt nicht den Gehorsam, ersetzt nicht das Hören auf Gott. Die Zugehörigkeit zur Kirche schafft sich erst durch den Gehorsam und sie geht verloren im Ungehorsam.

Gottes Wort ist mächtig. Mit seinem Wort schuf Gott alles, was ist. Das Nichts vermochte nicht, ihm zu widerstehen.

Der Mensch erst konnte sich Gott widersetzen durch den Ungehorsam. Darum sandte Gott seinen Sohn, um zurückzurufen, was in die Irre gegangen war. Maria ist die Gnade zuteilgeworden, Mutter des Erlösers zu sein. Das Wunder wurde gewirkt, im Moment ihres Gehorsams, als sie zum Engel auf dessen Verkündigung sprach: Mir geschehe, wie du es gesagt hast.

Dieser kurze und demütige Satz ist die Antwort auf das Schöpfungsgeschehen. Er fasst die Unterwerfung unter Gottes Willen, die zur höchsten Ehre und zur Freiheit eines ganz und gar erfüllten Lebens führt. Marias „mir geschehe“ ist die Antwort auf Gottes Ruf „es werde“. Maria wird in den Gehorsam gerufen und sie bekundet ihren Gehorsam.

Gleiches richtet sich an jeden von uns in der Einladung zum Großen Abendmahl. Es hängt allein an unserer Antwort, ob es mit uns stattfindet oder ob unsere Welt vergeht. So sehr wir versuchen, uns an einen Acker, an ein paar Rinder oder an das Glück einer Beziehung zu hängen, alles das wird den Untergang unserer Welt nicht abwenden. Es wird aber keinesfalls dazu führen, dass Gottes großes Abendmahl nicht stattfindet. Gottes Heilsplan ist unabänderlich. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes. Dies soll verkündet werden aller Welt und jedem Menschen.

Darum sollen wir nicht in Zweifel verfallen und uns an irdische Dinge binden. Auch wenn vieles davon gut und nützlich ist, sollen wir es doch aus der Hand legen, wenn der Ruf an uns ergeht.

Bindet euch also nicht an irdische Dinge. Vielmehr sollen wir in jedem Augenblick unseres Lebens bereit sein, Gott zu hören, der uns ruft. Immer klingt in dieser Einladung naturgemäß an, dass es eine letzte Stunde gibt, in der wir bereit sein müssen. Wir sollen an Gottes Tisch treten, an dem uns sein Thron allerdings zum Richtstuhl werden kann, wenn wir meinen, etwas gefunden zu haben, was wichtiger, größer und bedeutsamer ist, als er.

Die Fragestellung, die hier ergeht, ist aber keineswegs nur für das Ende unseres Lebens relevant. Sie bringt uns in Erinnerung, dass wir an jedem Tag gerufen werden, in den Dienst genommen und in seine Gemeinschaft gestellt werden können.

Gott ruft zum Abendmahl. Lasst uns ihm fröhlich und dankbar antworten: Ja, Herr, hier bin ich!

Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unseren Herrn.

Amen.

Thomas Roloff

Der Familienfriedhof der Bismarcks auf Gut Welle.



nachgetragen am 15. Juni

Freitag, 3. April 2026

Karfreitag in Neukirchen, Mecklenburg

 

Neukirchen bei Bützow

Das stellvertretende Leiden und die Herrlichkeit des Knechtes Gottes

13Siehe, mein Knecht wird weislich tun und wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. 14Gleichwie sich viele an dir ärgern werden, weil seine Gestalt häßlicher ist denn anderer Leute und sein Ansehen denn der Menschenkinder, 15also wird er viele Heiden besprengen, daß auch Könige werden ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn welchen nichts davon verkündigt ist, die werden's mit Lust sehen; und die nichts davon gehört haben, die werden's merken. 1Aber wer glaubt unsrer Predigt, und wem wird der Arm des HERRN offenbart? 2Denn er schoß auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt noch Schöne; wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. 3Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. 4Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. 5Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

6Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn. 7Da er gestraft und gemartert ward, tat er seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut. 8Er aber ist aus Angst und Gericht genommen; wer will seines Lebens Länge ausreden? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er um die Missetat meines Volkes geplagt war. 9Und man gab ihm bei Gottlosen sein Grab und bei Reichen, da er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat noch Betrug in seinem Munde gewesen ist. 10Aber der HERR wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, so wird er Samen haben und in die Länge leben, und des HERRN Vornehmen wird durch seine Hand fortgehen. 11Darum, daß seine Seele gearbeitet hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen; denn er trägt ihre Sünden. 12Darum will ich ihm große Menge zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben, darum daß er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleich gerechnet ist und er vieler Sünde getragen hat und für die Übeltäter gebeten. Amen.

Jes 52, 13 - 53, 12


Dorfkirche Moisall

Bild von hier

Friede sei mit Euch!

Liebe Gemeinde,

„an einem strahlenden Frühlingsmorgen des Jahres 334 vor Christi Geburt überquerte Alexander der Große die Meerenge, die Europa von Asien trennt. Noch in Europa hatte er am Grab des Protesilaos, das an der Spitze der Halbinsel Gallipoli liegt, geopfert. Protesilaos war bei Beginn des Trojanischen Krieges der erste Achaier, der nach dem Eintreffen der griechischen Flotte vor der Küste Troias an Land sprang. Er wurde, nachdem er mehrere troische Krieger im Zweikampf besiegt hatte, von Hektor erschlagen. 

Selbst Achilleus war nicht tapfer genug gewesen, der Erste sein zu wollen. Seine Mutter Thetis hatte ihm vorausgesagt, daß der, welcher als Erster an Land ginge, als Erster fallen werde.“ Der Schriftsteller Peter Bamm schließt diesen Bericht mit der bemerkenswerten Feststellung: „Es ist ein sympathischer Zug an diesem gewaltigsten der homerischen Helden, daß schon er, wie alle Helden nach ihm, Angst hatte. Frei von Angst sind nicht die Helden, sondern die Heiligen.“

Nach meiner Überzeugung soll uns auch das gesamte Reden des Propheten zu der erhebenden Gewissheit führen, dass es für den Menschen nur zwei wirkliche Gefühle geben kann – die Furcht oder die Liebe. Von beiden spricht dieser Tag zu uns.

Der Karfreitag ist der Tag des Todes und der Tag unserer Todesfurcht. Grausam und grauenhaft zieht sich das Sterben dahin. Selbst Gottes Sohn bleibt nicht verschont. Ein furchtbares Geschehen findet am Kreuz sein Ziel.


Die Schlagworte – Verrat, Verhaftung, Verleugnung, Verspottung, Folterung, Verurteilung und Hinrichtung geben nur eine schemenhafte Vorstellung von dem, was damals geschah. Ein Mensch wurde zerschunden, zerquält, zermartert, zermalmt und am Ende, ganz am Ende, getötet.

Wie oft in der Geschichte, die randvoll ist von Grausamkeiten, hat sich das zugetragen? Dennoch bleibt der Tod Gottes einzigartig. Das Kreuz Gottes ist gleichsam über alle Tode, die jemals geschahen, aufgerichtet. Das Kreuz unseres Herrn ragt empor auf einem gewaltigen Leichenberg, es überragt fürwahr eine Schädelstätte, es ragt empor auf Golgatha.

Gott ist tot, so lautet die unmissverständliche Botschaft dieses Tages. Nichts, aber auch gar nichts, darf sich neben diese Botschaft stellen. Das immer wieder aufkommende und nur scheinbar tröstliche Gerede, das heute schon das Geschehen der Osternacht vorwegnehmen will, zeugt von nichts anderem als von der Furcht davor, den Tod Gottes aushalten zu müssen.

Wir sollen dem toten Gott mit der gleichen Liebe begegnen, wie seine Mutter Maria es tat, die ihn unter dem Herzen getragen und dann geboren hatte, und die ihn nun wieder auf ihren Schoß legt und beweint.



Bild von hier

Der Karfreitag verlangt von uns einzig und allein das – wir müssen den Tod Gottes aushalten. Nur so kommen wir in die Nähe dessen, was dieser Tag bedeutet. Es gibt eine tiefe Parallelität oder sogar Gleichzeitigkeit von Schöpfung und Erlösung.

Es war ein Sonntag, an dem Gott das Licht ins Dasein rief, und es war ein Sonntag, an dem der Engel Gottes die Menschwerdung des Herrn der Welt verkündet hat. Das war der erste Tag.

Nun, am Karfreitag, stehen wir am sechsten Tag. Gott schuf an ihm den Menschen. Der Tod Gottes muss folglich in eins gesetzt werden mit der Erschaffung des Menschen am Anfang der Welt. Erst im Tod Gottes kommt die Erschaffung des Menschen an ihr wirksames Ziel. Mit seinem Tod schafft Gott gleichsam ein erneutes und diesmal menschliches Nichts, aus dem heraus die Erlösung und die Vollendung aller Dinge Gestalt gewinnen soll. 

Im Tod verbindet sich Gott mit uns Menschen, seinen geliebten Geschöpfen, ganz. Der Tod Gottes entspricht geradezu der Erschaffung des Menschen, und der Mensch wirkt mit seinem Dasein Gottes Tod. Denn er hat gefehlt und Gott verlassen, er ist in Sünde und Gottesferne gestürzt. Gott aber wollte sein Werk nicht vernichten, sondern Gott will es retten. Auch davon redet schon der Prophet.

Neukirchen Kirche, Triumphkreuz, Bild von hier

Ist das eine so ferne Geschichte? Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen.

Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Haben wir nicht auch erlebt, wie Lüge, Verrat und Betrug Herrschaft über das Leben erlangten? Haben wir nicht erlebt, wie zerstörerische Gewalt und Kriege alles hinwegfegten, was das Leben ausgemacht hat? Haben wir und unsere Eltern und Großeltern nicht auch so vieles erlebt, wovon wir glaubten, es könne immer nur die anderen treffen? Aber es ist unsere Krankheit, und es sind unsere Schmerzen.

Nicht nur das Leben der Menschen der Vorzeit, auch unser Leben, jedes Leben, hat biblische Ausmaße. Darin entspricht der Tod Gottes der Erschaffung des Menschen, und der Mensch wirkt mit seinem Dasein das Leiden und den Tod Gottes. Gott und Mensch sind ganz im Tode vereint, denn es ist unser Tod, der hier am Kreuz gestorben wird. Es ist der Tod, der für uns aus Liebe gestorben wird, um uns aus unserer Todesfurcht zur Liebe zu erwecken.

Nur Gott kann sein Leben lassen und es auch wieder nehmen. Wir Menschen aber können nur über den Tod hinaus lieben, oder wir werden die Opfer unserer Furcht. Es gibt nur Furcht oder Liebe – aus diesen beiden heraus entfaltet sich unser ganzes Leben.

Nun schaut auf das Kreuz. Das Kreuz steht am Scheideweg jedes Menschen.

Hier am Kreuz folgt er entweder weiter seiner Furcht, oder er lässt sich zur Liebe bekehren. Gott ist diese Liebe. Darum sollen wir uns nicht in Ekel und Entsetzen abwenden vom leidenden, gequälten und sterbenden Menschen. Der, der heute stirbt, der stirbt unseren Tod. Wo ich mich von ihm abwende, da verleugne ich auch mich selbst, ich beraube mich meiner eigenen Menschlichkeit, die doch im Tode Gottes erst ganz in Erfüllung geht. 

Die am Kreuz gewirkte Versöhnung ist doch immer auch die Versöhnung des unter dem Kreuz stehenden Menschen mit seiner eigenen Existenz. Darum befielt der Herr dem Jünger die Mutter und der Mutter den Jünger an. Die Gottesmutter und der Lieblingsjünger des Herrn – sie sind die zentralen Zeugen des Kreuzes. Sie haben alle Furcht überwunden und folgten Christus nur noch durch ihre Liebe geleitet bis unter das Kreuz. 

Die Liebe, die die Furcht wirklich ganz überwunden hat, die gelangt an keinen anderen Ort als unter das Kreuz auf Golgatha. Sie muss nun nichts mehr fürchten, denn der eigene Tod ist hier ja bereits gestorben worden.

Ein kleiner Schein, von dem, was hier auch gemeint ist, schimmert uns auf, wenn wir an Menschen denken, die ihr ganzes Leben gemeinsam verbrachten, als Eheleute oder als Freunde. Nachdem der eine gestorben ist, fürchten sie den Tod nicht mehr, denn wie sollte man nicht ertragen können, was der geliebte Mensch bereits ertragen hat?

Am Karfreitag blicken wir darum unverwandt auf das Kreuz und auf die Wunden unseres Herrn. Im Sterben bereits beginnt er sich in die Welt hinein zu verströmen, und dann ganz in seinem Tod. Nachdem der Landsknecht ihm die Seite geöffnet hat, fließen Blut und Wasser von seinem Leichnam herab. Ein niemals wieder endender Strom der Gnadengaben fließt auf uns Menschen nieder.

Weil unser eigener Tod bereits gestorben wurde, sollen wir den Tod nicht mehr fürchten, sondern allein auf die Gaben blicken, die uns vom Kreuz her werden – das Wasser unserer Taufe und der Leib und das Blut unseres Herrn zur Speisung für die Ewigkeit.

In diese Gemeinschaft hinein sind wir berufen, in die Gemeinschaft der Heiligen, die unter dem Kreuz nichts mehr zu fürchten hat.

Amen.

Der Friede Gottes ist höher als alle unsere Vernunft. Er bleibe an diesem Tag und alle Zeit bei euch!

Amen.

Fürbittengebet 

Mit unverwandtem Blick auf das Kreuz, an dem der Herr hängt, beten wir: Gedenk an uns o Herr!

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Mit diesem Ruf hast du uns gezeigt, dass du uns nachgegangen bist bis in die äußerste Verlassenheit. Darum können wir beten für diejenigen, die sich von Gott verlassen glauben, denn du bist auch bei ihnen.

Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!

Selbst den Henkern hast du vergeben. Darum können wir beten für die Verbrecher, für Mörder und Diebe. Du willst dich aller erbarmen.

Gedenk an uns o Herr!

Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Nur mit dir werden wir es erlangen.

Weib, siehe, das ist dein Sohn! In dem geliebten Jünger hast du uns alle zu Geschwistern gemacht.

Siehe, das ist deine Mutter! Maria, die mehr als alle Menschen an deinen Schmerzen teilnahm, hast du uns allen zur Mutter bestimmt. Sie grüßen wir auch in der Stunde deines Todes.

Madonna del Rosario, wohl die älteste erhaltene Marienikone, von hier

Mich dürstet!

Laß uns so verlangen nach deinem Wort und stille das Verlangen. Wir beten für die Kirche und für die ganze Welt, schenke Frieden!

Gedenk an uns o Herr!

Es ist vollbracht! Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Amen

Die Kerzen sind erloschen, die Glocken schweigen, die Orgel bleibt stumm, denn Christus, unser Herr, ist tot, das Licht der Welt ist in die Dunkelheit des Todes versunken!

Wir aber erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

In diesem Glauben empfangt den Segen der Kirche.

Es segne euch der allmächtige und dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Hl. Geist. Amen

Thomas Roloff

Dienstag, 10. März 2026

Gedenkgottesdienst zum 250. Geburtstag von Königin Luise am 10. März 2026 im Mausoleum beim Schloss Charlottenburg zu Berlin

 

Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg, von hier

Christian Daniel Rauch: Grabmal der Königin Luise von Preußen, von hier


Eröffnung


Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 

1Petr 1,3


Unter diesem Vers aus dem 1. Petrusbrief, feiern wir Gottesdienst im Gedenken an den 250. Geburtstag der hochverehrten Königin Luise. Wir wollen Gott die Ehre geben und mit der verewigten Fürstin und für alle Toten beten.

Das tun wir in besonderer Weise mit Ihnen, Königliche Hoheit und mit weiteren Mitgliedern Ihres königlichen Hauses. Die Kirche neigt sich und bekennt ein unvergängliches Königtum.

Wir rufen Gott an, dass er die Verstorbenen im Frieden ruhen lasse. Herr, lass die Toten im Frieden ruhen und Dein ewiges Licht leuchte ihnen. Amen.

Louise Élisabeth Vigée Le Brun,

Luise von Mecklenburg-Strelitz, Königin von Preußen, 1802, von hier


Psalm 126

Ein Lied im höhern Chor. Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Heiden: Der HERR hat Großes an ihnen getan!

Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.

HERR, bringe wieder unsere Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland.

Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.


Kyrie

Kollektengebet


Lasset uns beten:

Ewiger Gott, die Kirche und mit ihr die ganze Welt sind auf dem Weg an das Kreuz deines Sohnes unseres Herrn. Lass uns deine Gegenwart schauen. Du leidest mit deiner Schöpfung und schenkst ihr darin Trost. Als Gemeinschaft der Lebenden und der Toten sind wir ums Kreuz versammelt. Wir recken uns nach deiner rettenden Hand.

Amen


Evangelium


Da er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm,

Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr.

Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihr.

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, so sie daran lügen.

Matth 5, 1-11


Credo


Ich glaube an Gott, den Vater,

den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.


Luisentempel, Schloßpark Hohenzieritz 


Predigt: Psalm 126


Gnade sei mit Euch und Frieden von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

„Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.“

So haben wir es zum Beginn dieses Gottesdienstes gebetet und so hoffen wir es für Auguste Wilhelmine Amalie Luise von Preußen, der Tochter des Herzogs Karl Ludwig Friedrich von Mecklenburg-Strelitz, an deren 250. Geburtstag wir uns in ihrem Grabhaus an sie erinnern.

Die ganze Kirche ist, wie jede Familie auch, eine Gemeinschaft der Lebenden und der Toten. Wie könnte das deutlicher werden als durch die Anwesenheit der königlichen Familie Preußens an diesem Ort?

Bedenke, o Mensch, dass du Staub bist und zum Staube zurückkehren wirst!

Das ist unzweifelhaft das eine, worauf wir hier blicken. Das andere aber ist die ununterbrochene Folge, in der das Leben und die hohe Würde dieser Familie weitergeschenkt wurden.

Eine Familie, auch ein königliches Haus, ist immer genauso ein Bund der Abstammung, wie auch der gemeinsamen Erinnerung.

Beides beschäftigt uns heute und das in besonderer Weise im Hinblick darauf, dass auch unser Glaube ein Band gemeinschaftlicher Erinnerung um uns legt.


Jozef Maria Grassi (1757-1838), Louise von Mecklenburg-Strelitz, von hier

Königin Luise war „eine der edelsten Frauen der Geschichte“. So beginnt noch ganz selbstverständlich der Artikel über sie in Meyers Lexikon von 1909. In dieser Frau stellt sich uns die Wirklichkeit des dynastischen Europas vor Augen, wie sie über Jahrhunderte hinweg prägend war.

Ihr Schicksal entschied sich, als sie den preußischen Kronprinzen kennen lernte und ihn am 24. Dezember 1793 in Berlin heiratete.

1797 machte sie diese Verbindung zur Königin des Landes und es heißt von ihr, „sie vereinigte von nun an die Pflichten der Königin mit denen der Gattin und Mutter“.

„Mehr, als ein Königreich gab der Himmel Dir in Louisen,

Aber Du brachtest Ihr auch mehr, als die Krone, Dein Herz.“

So schrieb Friedrich von Hardenberg, den wir auch als Novalis kennen und gab damit den Ton der Verehrung vor, die Luise erfahren sollte.

„Wer den ewigen Frieden jetzt sehn und liebgewinnen will, der reise nach Berlin und sehe die Königin. Dort kann sich jeder anschaulich überzeugen, daß der ewige Friede herzliche Rechtlichkeit über alles liebt, und nur durch diese sich auf ewig fesseln läßt.“


Friedrich Georg Weitsch: Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise

im Park von Schloß Charlottenburg, 1799, von hier

Auch das schrieb Novalis und gab einer Hoffnung Ausdruck, die leider verhängnisvoll und tragisch unerfüllt bleiben sollte. Die Geschichte vollzog sich gänzlich anders, als die Ideale und Träume und Sehnsüchte der Romantiker es hofften.

1806 brach die völlige Niederlage über Preußen herein. Statt des Glücks eines einfachen häuslichen Lebens, welches das Königspaar dem ganzen Land beispielgebend vorstellte, ereigneten sich nun Zusammenbruch, Flucht und Demütigung.

Nur, weil unsere Sicht überschattet ist, durch alles, was sich im verfluchten 20. Jahrhundert ereignet hat, können wir nicht mehr ermessen, wie grausam und hoffnungslos der nach dem Frieden von Tilsit eingetretene Zustand Preußens war.

Gebietsabtretungen, Kontributionen und Besatzung beugten es tief herab. Woher sollte noch Hilfe kommen, nachdem selbst Russland so schweren Verrat geübt hatte?


Gedenktafel in Memel an den Aufenthalt von Königin Luise und ihres Ehemanns Friedrich Wilhelm III., 1807 - 1808 während der Flucht vor Napoleon, von hier

Es war zunächst und vor allem die nicht zu unterschätzende Stärke im Glauben, die Luise Halt und Kraft gegeben hat und aus der heraus es ihr möglich gewesen ist, auch den König zu stützen.

Die Königin war keineswegs nur eine Projektionsfläche für die Hoffnungen der Menschen. Sie wäre dazu völlig ungeeignet gewesen, wenn sie nicht tatsächlich eine treue Hoffnung für ihr Land bewahrt und diese Hoffnung auch im König hätte wecken können. Wie klar und weitsichtig ihr Urteil war, dafür will ich ein einziges Beispiel aus einem Brief geben, den sie im April 1808 an ihren Vater geschrieben hat. Denn es ist leicht, im Nachhinein über die Geschichte zu urteilen. Unendlich schwer aber ist es, in der Situation selbst eine Orientierung zu gewinnen.

„Es wird mir immer klarer, dass Alles so kommen mußte, wie es gekommen ist. Die göttliche Vorsehung leitet unverkennbar neue Weltzustände ein und es soll eine andere Ordnung der Dinge werden, da die alte sich überlebt hat, und in sich selbst als abgestorben zusammen stürzt.

Wir sind eingeschlafen auf den Lorbeern Friedrich des Großen, welcher, der Herr seines Jahrhunderts, eine neue Zeit schuf. Wir sind mit derselben nicht fortgeschritten, deshalb überflügelt sie uns.

Gewiß wird es besser werden; das verbürgt der Glaube an das vollkommenste Wesen. Aber es kann nur gut werden in der Welt durch die Guten.“

Dann urteilt die Königin hellsichtig über den Korsen: “Deßhalb glaube ich auch nicht, daß der Kaiser Napoleon Bonaparte fest und sicher auf seinem, jetzt freilich glänzenden Thron ist. Fest und ruhig ist nur allein Wahrheit und Gerechtigkeit, und er ist nur politisch, das heißt klug, und er richtet sich nicht nach ewigen Gesetzen, sondern nach Umständen, wie sie nun eben sind. Damit befleckt er seine Regierung mit vielen Ungerechtigkeiten.

Er meint es nicht redlich mit der guten Sache und mit den Menschen. Er und sein ungemessener Ehrgeiz meint nur sich selbst und sein persönliches Interesse. … 

Er ist von seinem Glück geblendet und er meint Alles zu vermögen. Dabei ist er ohne alle Mäßigung, und wer nicht Maß halten kann, verliert das Gleichgewicht und fällt.“

In dieser Haltung nahm die Königin nach der Niederlage steten Einfluss auf das politische Geschehen, regte die Berufung des Reichsfreiherrn von Stein an, befand sich im Einvernehmen mit Scharnhorst und Gneisenau und gab damit einen entscheidenden Impuls für die preußischen Reformen, durch die sich das Land langsam wieder erhob.

Aus unzähligen Zeugnissen wissen wir, wie sehr die späteren Helden der Befreiungskriege durch ihre Königin inspiriert waren. Endlich nahm Luise auch noch eine Reise nach St. Petersburg auf sich. Durch den einjährigen Aufenthalt bei Alexander I. gelang es, das Verhältnis zu Russland wiederherzustellen, worin die entscheidende Grundlage für die Erhebung und Befreiung Europas von der Fremdherrschaft gesehen werden muss.

Im Dezember 1809 kehrte das Königspaar nach Berlin zurück und vermutlich trug Luise bereits in sich, was ihr im Sommer des Folgejahres bei einem Besuch in Hohenzieritz den Tod bringen sollte.

Ihre Hofdame, die Gräfin Voß, schrieb dazu in ihr Tagebuch: „Die Ärzte sagen, der Polyp im Herzen sei eine Folge zu großen und anhaltenden Kummers.“

Vielleicht erst durch den frühen Tod der Königin wurden sie und Friedrich Wilhelm endgültig zu dem, was wiederum Novalis so beschrieb: „Ein wahrhaftes Königspaar ist für den ganzen Menschen, was eine Constitution für den bloßen Verstand ist.“

Nur aus diesem Zusammenhang heraus lässt sich für uns heute erschließen, was Königin Luise ihren Zeitgenossen war und noch mehr den Nachgeborenen wurde. Sie war ein Leitstern, wie es unserem Volk zuvor wohl kaum ein Mensch gewesen ist.

Wie ein Wunder mussten die Jahre der voranschreitenden Befreiung erscheinen und wie die Erfüllung aller Sehnsüchte die unter ihrem Sohn ein halbes Jahrhundert später zustande gebrachte Einheit der Deutschen. Inzwischen sind andere Stürme und Verwüstungen über unseren Kontinent hinweggegangen.


Anton von Werner, Wilhelm I. am Sarkophag seiner Mutter Königin Luise

im Charlottenburger Mausoleum (am 19. Juli 1870), 1881, von hier

Dennoch bleibt es wahr und ist eine Orientierung zum Guten, dass die vielleicht stärkste Wurzel des preußischen und später auch des deutschen Nationalgefühls die Liebe zu einer Frau, zu einer Königin, zu einer Mutter war.

Denn es ist die größte Gnadengabe des Christentums, dass es uns lehrt, was eine Mutter ist. Es ist der größte Akt der Barmherzigkeit, dass es Gott gefallen hat, selbst eine Mutter zu suchen. Das ist der Unterschied zwischen unserem Gott und uns. Wir Menschen bekommen unsere Mutter als Geschenk, Gott hat sich die seine erwählt.

Dadurch, dass jeder Mensch eine Mutter hat, wird ihm das Geheimnis der Menschwerdung Gottes zu etwas ganz Vertrautem. Es ist die Mutter, in der wir Gott finden. Es ist die Mutter, in der wir alle Liebe geschenkt bekommen. Es ist die Mutter, an der wir Opferbereitschaft, Treue, Hingabe und alle Güte lernen. Es ist der Respekt vor der Mutter, in dem auch der Respekt vor Gott wächst. Es war der Respekt vor der Mutter auch der Kern der Liebe zur Königin.

Vieles in der Welt war tiefen, manchmal katastrophalen Wandlungen unterworfen und ist es noch, die Wahrheiten des Glaubens kennen diesen Wandel nicht. So bleibt auch heute und künftig, der hier versammelten Familie der Königin Luise der Auftrag, diese zu bezeugen und darin der Welt ein Beispiel zu geben, aus dem zu jeder Zeit das wirkliche Königtum erwächst, nämlich das unseres Herrn Jesus Christus.

Als Christen dürfen wir darauf vertrauen, dass am Thron Gottes, des Allmächtigen, des Herrn über Leben und Tod, des Schöpfers und Erlösers aller Dinge, für uns Fürsprache gehalten wird und wir dürfen in Liebe gewiss sein, in unserer Königin eine Fürsprecherin zu haben.

Amen

Und der Frieden Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.


Karl Friedrich Schinkel: Entwurf für ein Mausoleum der Königin Louise, Außenansicht


Entwurf für ein Mausoleum der Königin Louise, Innenraum, von hier


Heinrich von Kleist


An die Königin von Preußen

Zur Feier ihres Geburtstages den 10. März 1810


Erwäg ich, wie in jenen Schreckenstagen,

Still deine Brust verschlossen, was sie litt,

Wie Du das Unglück mit der Grazie Tritt

Auf jungen Schultern hast getragen,

Wie von des Krieges zerrissnem Schlachtenwagen

Selbst oft die Schar der Männer zu dir schritt,

Wie trotz der Wunde, die Dein Herz durchschnitt,

Du stets der Hoffnung Fahn uns vorgetragen:

O Herrscherin, die Zeit dann möcht ich segnen!

Wir sahn Dich Anmut endlos niederregnen,

Wie groß Du warst, das ahndeten wir nicht!

Dein Haupt scheint wie von Strahlen mir umschimmert;

Du bist der Stern, der voller Pracht erst flimmert,

Wenn er durch finstre Wetterwolken bricht!


Gedenkmausoleum für die Königin Luise, Neustrelitz


Fürbitte + Vater unser


Wir wollen Fürbitte halten und zu Gott beten mit dem gemeinsamen Ruf: Herr, erbarme Dich!

Allmächtiger Gott, wir danken Dir für den Weg Deines Sohnes ans Kreuz und bitten Dich, mache uns zu treuen Zeugen seines Sieges im Glauben an Dich.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.


Ewiger Gott, wir danken Dir für die Gemeinschaft der Heiligen. Durch sie bleiben wir verbunden mit allen Menschen und mit Deinen Wundern. Wir bitten Dich, stärke Deine Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit und schenke ihr nach Deinem Willen Einheit und Frieden.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.


Barmherziger Gott, wir danken Dir für das Leben von Luise. Du hältst sie nun in Deinen Händen. Wir können uns durch ihr Schicksal belehren lassen. Wir bitten Dich mit ihr für die vormals regierende Familie, deren Ahnfrau sie ist. Segne den Prinzen und die Prinzessin von Preußen und die gesamte königliche Familie und schenke ihr, dass sie uns ein Vorbild im Glauben und ein Zeichen der Hoffnung ist.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.


Gütiger Gott, wir danken Dir für Deine Gegenwart und bitten Dich um Segen und Frieden für unser Volk und für alle Völker, für unser Vaterland und für alle Länder, denn Du hältst die ganze Welt in Händen und rufst Dein Volk aus allen Völkern.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.


In der Gemeinschaft mit der Gottesmutter Maria, mit der ganzen Kirche, mit der verewigten Königin und mit allen, die in diesem Hause ihre letzte Ruhe gefunden haben, beten wir, wie Christus uns zu beten gelehrt hat:


Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute,

und vergib uns unsre Schuld, 

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.


Verleih uns Frieden gnädiglich,

Herr Gott, zu unsern Zeiten.

Es ist doch ja kein andrer nicht,

der für uns könnte streiten,

denn du, unser Gott, alleine.


Sendung + Segen


Gehet hin im Frieden des Herrn.


Der Herr segne dich und behüte dich. 

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.


Nun danket alle Gott


Nun danket alle Gott

mit Herzen, Mund und Händen,

der große Dinge tut

an uns und allen Enden,

der uns von Mutterleib

und Kindesbeinen an

unzählig viel zu gut

bis hierher hat getan.


Der ewigreiche Gott

woll uns bei unserm Leben

ein immer fröhlich Herz

und edlen Frieden geben

und uns in seiner Gnad

erhalten fort und fort

und uns aus aller Not

erlösen hier und dort.


Lob, Ehr und Preis sei Gott

dem Vater und dem Sohne

und Gott dem Heilgen Geist

im höchsten Himmelsthrone,

ihm, dem dreiein’gen Gott,

wie es im Anfang war

und ist und bleiben wird

so jetzt und immerdar.


Der Gottesdienst wurde gehalten von Thomas Roloff.


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Bilder -Nachträge


Nachdem mir einiges an Bildern zugegangen ist, will ich eine Auswahl gern hier noch teilen. Der erste Teil handelt vom Geschehen im Charlottenburger Mausoleum, wie unschwer zu erkennen ist. 











Der zweite Teil besteht aus Impressionen vom Schloß Charlottenburg. Es ist ganz erstaunlich, was von diesem stark kriegversehrten Bau wiedergewonnen werden konnte.

















Der dritte Teil wechselt kurz nach Strelitz. Es beginnt mit einem Blick auf die Grabfigur im Gedenkmausoleum für die Königin Luise in Neustrelitz.

Grabfigur der Königin Luise. Kopie von Albert Wolff (1892)
nach dem Original von Christian Daniel Rauch, von hier

Wir wechseln ins Schloß Hohenzieritz, dem Sterbeort der Königin, in ihre dortige Gedenkstätte, die Bilder sind schon wieder historisch, da nach der modernen Entkernung der ehemaligen Ausstellung wenig mehr als der Ort und die Grabfigur geblieben ist. Man mag das hier nachlesen.

Königin-Luise-Gedenkstätte, Schloß Hohenzieritz, 2014, von hier


Königin-Luise-Gedenkstätte, Schloß Hohenzieritz, 2014, von hier

Aber da wir unmöglich so enden können, folgt als Abschluß diese bezaubernde Figurengruppe von Schadow:

Johann Gottfried Schadow, Luise und Friederike von Mecklenburg-Strelitz, von hier