nachgetragen am 24. November
Sonntag, 22. November 2015
Samstag, 21. November 2015
"Wie seltsam kurz ist dieser Tag gewesen"
Von mir aus hätte es jetzt weiter 3 Monate Herbst geben können, und dafür keinen Winter. Es beginnen in Wahrheit Nachträge, Und wir werden sehen, wie weit wir damit kommen.
Ich dachte, hier schon einmal Gedichte von Maria Wandelt vorgestellt zu haben. Nein, hatte ich nicht. Es verharrt dort schier endlos lang auf dem Wort „ich“. Und dieses „Ich“ konnte es dann selbst kaum wiederlesen.
Diesmal bringen wir Bilder von vor dem Schnee, und eine unkommentierte Auswahl.
„Die Nebelfrauen hocken in den Zweigen / und schlürfen von der Blätter grünem Saum / das Leben und der Winde Sommerregen...“ Ein kurioser Verschreiber. Wie antwortet man auf die Zumutungen der Zeit und der Umstände und den nebensächlichen Rest? Mit Worten, am besten wohl.
Maria Wandelt
Oktobermorgen
Am Morgen steht der Wald im Tau und Traum.
Verstummt und fern die großen Wipfel schweigen.
Ein seltsam Bangen ist um jeden Baum.
Die Nebelfrauen hocken in den Zweigen
und schlürfen von der Blätter grünem Saum
das Leben und der Winde Sommerreigen
ganz leicht und leis. Das Laub es spürt es kaum;
jedoch ein Frösteln bleibt, ob Lichter steigen
und Strahlen auch, wenn Sommer füllt den Raum.
Regenfall
Der Himmel dicht bedrängt von Wolkentieren.
Sie wachsen riesig, fressen alles Blau,
gebuckelt und gebuchtet, weiß und grau;
Wind treibt sie, daß sie sich im Kampf verlieren,
sich jetzt zerstören, nun sich neu gebären;
nicht länger Tiergestalt, hier Burg und Wall,
die schon verdunkeln, kühler Tropfenfall,
herbstliche Zeiten, die im Sommer währen.
Die Pflanzen zittern, einsam, seltsam blaß,
kein Falter, keine Biene sucht die Blüten.
Sogar die Schwalben, diese nimmermüden
geliebten Schwätzer schweigen in dem Naß.
Aprilnächte
Ach, daß wir wieder auf die Stille lauschen,
wenn Bäume in den Sternennächten singen;
wortlos, sehr sanft der Hauch, die Winde klingen,
die Traum und Leben schenken selbst den Dingen,
fernferne Melodie wie Muschelrauschen;
die nahe auch in unsre Seele dringen
und letzte Ängste klar zum Leuchten bringen.
In diesen Nächten selbst der Vogel schweigt,
sein zarter Jubel wäre noch zu laut.
Nur Stille ziemt, da neues Leben baut
ER, dem ein jedes Leben ist vertraut
und dem sich SEIN Geschöpf in Demut neigt...
doch auch der Tod großäugig auf IHN schaut;
nichts, das in solcher Nacht sich vor ihm graut.
Was möchte ich sein?
Was möcht' ich sein? Nebel, der nächtlich deckt,
sehr sanft, doch voller Unerbittlichkeit?
Warm rotes Brombeerblatt, das Trauer weckt,
Gedenken fast vergessner Frühherbstzeit?
Die Puppe, die so grenzenlos vertraut,
darin Zitronenfalter - Lebenszeichen -
den zarten Leib, die feinen Flügel baut,
im Frühling sonnenselig zu entweichen?
Schlaf möcht ich sein, Schlaf, den der Tod vollendet;
mit vielen Pflanzen letzte Wege gehn;
so tief befriedet, wie ihr Leben endet -
und einst - verwandelt – so wie sie erstehn.
Spätherbstbilder
Weiß steigen Nebel auf aus See und Feld,
ein schwarzer Schwarm - zum Schlafbaum ziehen Raben,
ihr Krächzen fremd in diese Stille fällt.
Blau hängen Schlehenbeeren überm Graben.
Fast nur geahnt – dort auf der Wintersaat
sechs Rehe, die im lichten Dämmer äsen.
Im Dorn ein Vogelzwitschern einsam zart.
Wie seltsam kurz ist dieser Tag gewesen.
© Gerhard Busse, Rodenskrug 2014
nachgetragen am 24. November
Mittwoch, 18. November 2015
Dienstag, 17. November 2015
Auch über diese Zeit
Toghrul Tower, Ray, Iran
Eigentlich wollte ich etwas über die pausierende iranische Monarchie endlich abschließend aufschreiben und mitteilen, aus wohl geprüfter Anteilnahme: Darum wenigstens dieser Hinweis auf die Erklärung Ihrer Kaiserlichen Majestät. Aber jetzt muß ich, tief luftholend, sagen, ich vermag so sicher und gut nicht zu schreiben. Und auch, wenn es mir quasi diesen Ort wegsprengt, unter dem 17. November 2015 legte Herr Michael Klonovsky nachfolgendes dar (und wie irre geworden man schon ist, dachte ich doch gerade, hoffentlich kein neuer Georgi Apollonowitsch Gapon):
„Zu inserieren – und damit: zu empfehlen – ist die Neuauflage von Jean Raspails „Das Heerlager der Heiligen“, die jetzt erstmals in vollständiger deutscher Übersetzung vorliegt, achtbar besorgt von Martin Lichtmesz...“
Imperial Standard of the Shahanshah of Iran
Sonntag, 15. November 2015
Sonntag & (ein kleines Déjà-vu)
Es ist schwierig, sinnvolle Bilder zu machen, wenn alles so trübe ist. Und nein, ich will damit keine schicksalhafte Affinität zu diesem Zustand andeuten, nur weil ich in ihn vor langer Zeit hineingeboren wurde. Nicht umsonst liegen alle diese schweren Feiertage wie Volkstrauertag etc. im November.
Genug davon.
Eine Begebenheit war unterhaltsam. Als ich am Sonnabend – Abend einen kleinen Regenspaziergang in Richtung Zierker See begann, grüßte mich kurz vor der Orangerie ein Herr im Rollstuhl, der offenkundig die beleuchtete Schloßkirche genoß, im Regen: „Sie haben aber hübsche Katzen.“ Die Viecher waren mir tatsächlich gefolgt; wahrscheinlich in der Annahme, ich würde all das viele Futter, das ihnen doch über das schon konsumierte noch rechtmäßig zustünde, irgendwo vor ihnen verstecken. Im Regen!
Sollte jemand bei den folgenden Bildern denken, das habe ich doch schon mal gesehen. Dann ist dem so. Selbst der Appetit von Frau W. ist gegenwärtig eher gedämpft. Also habe ich schlicht den letzten Sonntag wiederholt, mit einer Abweichung. Zur Abweichung später.
Nur eine kurze Bildlegende. Auf dem Backblech sieht man also Kartoffelscheiben, Rosmarin und (mitunter zu sehr) angeröstete Zwiebeln. Aber keine Sorge, das mit den angeschwärzten Zwiebeln, das verlor sich irgendwie. Fast parallel hatte ich wieder Hähnchenschenkel angebraten, in Butterschmalz mit Pfeffer, Salz und Paprika (letzteres etwas später). Die kamen bald zu den halbgaren Kartoffeln in den Ofen, mit dem ganzen Fett natürlich. Manche mögen das.
Ach so, die Abweichung. Das waren Bohnen, gegart in einem vorher aufgekochten Wasser aus Bohnenkraut und handgetrocknetem Oregano, final begossen mit brauner Butter, die war gekauft.
Die (sehr) mäßigen Bilder am Ende: Eines rührend gelbstichig gemütlich, eines mehr kalt, sofern wir vom Licht sprechen. Beide im Grunde falsch, man imaginiere sich die Wirklichkeit irgendwo in der Nähe.
Sunday & (a little deja vu)
a poor “translation”
It is difficult to make meaningful images, when everything is so gloomy. And no, I do not mean to suggest fateful affinity for this state, just because I was born into it long ago. Not for nothing all these heavy holidays like People's mourning day, etc. are in November.
Enough of it.
One incident was entertaining. When I on Saturday evening started a little rain walk towards Zierker Lake, I was greeted just before the Orangery by a gentleman in a wheelchair, who obviously enjoyed the illuminated castle church, in the rain: "you have pretty cats." The critters had actually followed me; probably on the assumption that I would all the food that still rightfully should be theirs (they were fed already) hide somewhere in front of them. In the rain!
If anyone after looking at the pictures below would think, I've seen it before. Indeed. Even the appetite of Mrs. W. is currently rather subdued. So I simply repeated the last Sunday with a deviation. About that later.
Just a short caption. On the baking sheet you can see potato slices, rosemary and (a little bit too much) toasted onions. But do not worry, somehow they got better again. Almost at the same time I had seared chicken thighs in butter with pepper, salt and red pepper (the latter a bit later). Soon they joined the half-baked potatoes in the oven, with all the fat naturally. Some people like that.
Oh, the deviation. Those were beans, cooked in a previously boiled water with savory and hand dried oregano, final doused with brown butter (which was bought of course, the butter).
The (very) moderate images at the end: One is kind of touching yellowish jovial, the other rather cold, if we speak of light. Both are wrong, you have to imagine something somewhere near.
nachgetragen am 17. November
Dienstag, 10. November 2015
Helmut Schmidt, persönliche Notizen
Wenn man seiner Seele endlich Luft machen muß, scheint sie ja noch vorhanden zu sein. Es geht schlicht zu tief zurück. Nun hat er es doch nicht an einem 9. November getan, sondern einen Tag später, soviel Takt selbst im Sterben.
Nachdem hinreichend Beiträge der so bildungsfern wie überzeugungsgewissen Zeitgeistpolitiker zu ertragen waren, falls man z.B. bedrucktes Papier in die Hand nahm (man sollte die innere Leere, und vielleicht sogar Bitterkeit nicht überhand nehmen lassen, eine Selbstermahnung). Die leicht dahin parlierende FAZ etwa legte ich angewidert in das Regal des Supermarkts zurück (nachdem ich die Artikel überflogen hatte, mein Gott, was ein Abstieg, früher habe ich u.a. das Feuilleton in Kisten gepackt und bei Umzügen mitgeschleppt, nu stehen die Reste davon auf dem Boden, mehrere Stockwerke entfernt, wie gut, daß es ein großes Haus ist).
Aber die Sonderausgabe der Zeit hat mich verblüfft, und auf eine Art Gedankenreise geschickt. Die durch Namen kenntlich gemachten aufdringlichen Autoren konnte man ja überblättern. „Totalitär denkt, wer eine philosophisch ausgebrütete 'Wahrheit' direkt in Politik umsetzen und einer Gesellschaft aufzwingen will.“ (Es ist ja nicht vorbei, wo allerorts schon wieder neu-stalinistische Volksgerichtshöfe gedanklich vorbereitet werden)
Herr Assheuer schrieb über Popper, wo Marx als falscher Prophet seinen Auftritt als orakelnder Philosoph habe, der sich über die Realitäten hinweg in ein totalitäres Gemeinwesen hineinspekuliere. Jedes Grand Design sei verdächtig, jeder Großentwurf aus dem utopischen Wolkenkuckucksheim. Politik ziele nicht auf die Förderung von Glück, sondern die Vermeidung von Leid. Sie bringe nicht Erlösung, sondern Erleichterung.
Sein Glaube an die Vernunft hat mindestens etwas Religiöses, aber immerhin das. Je mehr ich ihn wieder hörte oder las, verwandelte sich meine lange zu Respekt geronnene Zuneigung der frühen Jahre erneut zu etwas Lebendigem. Auch zu („physischem“ ist nicht übertrieben) Erschrecken vor der Gegenwart, die einem doch längst so abstoßend geworden ist. Aber jetzt ist man um so gewisser, warum.
Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er.
Römer 12,7
Erst ist dem Herrn Bundeskanzler seine Partei abhanden gekommen, und dann wollte die Situation auch nicht zu ihm finden, zu der er doch so viel besser als die meisten vorbereitet war. Gott hatte Vorbehalte, oder war abgelenkt (das muß Er mit sich ausmachen), er (Herr Schmidt) war sowieso skeptisch gegenüber denen, die Ideale vor sich her trugen (obwohl selbst das zu kurz gegriffen ist).
Vielleicht hätte er daher diese Idee des guten Staatsmanns auch nur schweigend beiseite getan. Aber daß da jemand intensiv denkend aus tiefer Charakterbildung mit sich rang und anschließend verantwortlich handelte, das wieder ins Bewußtsein gehoben zu bekommen, ist überwältigend und bestürzend. Denn da sitzen wir nun, es wurde von Jahr zu Jahr schlimmer mit dem nachfolgend handelnden Personal.
Ich wollte es erst in die Präliminarien schieben, da meine einzige ernsthafte Begegnung (nun ja) mit ihm 1988 auf einem Rostocker Kirchentag stattfand (die erste Stadt, die ich als Heimat empfand). Also, wozu das hier. Warum solche Aufdringlichkeit? Nun, es gibt Menschen, die rühren in einem wieder das lange verschüttete Ernsthafte hervor. Und ja, man erschrickt. Man ahnt, wozu das Wort Diskurs einmal erfunden wurde, und anderes auch. Wir sehen keine Charaktere mehr. Es sind nur noch Puppen, wer immer sie spielt. Zwischendurch dachte ich, das ist Altersnostalgie. Nein.
Er ging mir mit seinen Meinungen mehr als einmal, je länger es dauerte, auf die Nerven: War Europa seine Erlösungsphantasie? Man schreckt ja davor zurück, Derartiges auszusprechen, aus Respekt gegenüber einem unübersehbar vernunftgeleiteten Menschen, und erinnert sich im selben Moment, daß jeder Widerspruch im Respekt beginnen sollte, wenn der eine Grundlage hat. Weiß Gott, das hat er. Das Göttliche hatte sich jedoch, nach seinen verstandenen Worten, ihm fast vollständig verflüchtigt. Das bleibt verstörend.
Das solle eigentlich alles in die Präliminarien, erst das Persönliche und dann das andere, aber das funktioniert nicht, und nun sollte aber besser auch Schluß sein.
Ich finde die Bilder aus Rostock von 1988 nicht! Ich weiß, daß sie hier noch irgendwo vergraben sein müssen. Der jetzige Inhaber des Amtes des Bundespräsidenten erinnerte von seiner Rede in der überfüllten Marienkirche voller euphorischer Menschen, jeder wisse, daß wir eine
Aufhebung der Teilung nicht erzwingen könnten. Aber: „Und trotzdem darf jeder von uns an seiner Hoffnung auf ein gemeinsames Dach über der deutschen Nation festhalten.“
Ich habe mich nach und nachzurückfinden können in diese Erinnerung. Und auch an dieses. Jemand schrieb, er habe sich sein Leben lang als Soldat begriffen.
Dazu paßt eine Begebenheit, die ich kaum erfunden haben kann. Auf besagtem Kirchentag erzählte er, er und seine Frau hätten erst vor dem Grenzübergang bemerkt, daß sie ihre Pässe vergessen hatten. Ein Umkehren, um sie zu holen, wäre sinnlos gewesen, sie hätten es nicht mehr pünktlich geschafft. Sie fuhren dann trotzdem bis zum Grenzposten, erklärten die Situation. Es gab Verwirrung natürlich, aufgeregte Telefonate und dann die Weiterfahrt nach dem merkwürdigen Satz:
„Herr Bundeskanzler! Keine besonderen Vorkommnisse“.
Dieser Standard-Satz war eigentlich deren eigener Kommandokette vorbehalten. Aber vielleicht verwechsle ich da auch etwas.
Und wer sich wirklich rühren lassen will, werfe einen Blick hierher.
nachgetragen am 12. November
Sonntag, 8. November 2015
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