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Sonntag, 3. September 2023

Kurzer Wochenend-Bericht














Herr Roloff hat auf der Burg Hohenzollern am Grab der mecklenburgischen Prinzessin Cecilie, letzte Kronprinzessin des Deutschen Reiches und von Preußen, wie seit Jahren seinen Blumengruß abgestattet. 

Und ich habe in Karchow bei Röbel den Herrn gepriesen, ich hoffe er hat es mir persönlich nicht zu übel genommen.


Samstag, 3. September 2022

An der Grabstätte von Kronprinzessin Cecilie

 



Die letzte Kronprinzessin des Deutschen Reiches und von Preußen, Cecilie Auguste Marie Herzogin zu Mecklenburg, fand auf der Burg Hohenzollern ihre Grabstätte. Herr Roloff hat mir von seinem Aufenthalt dort die obigen Bilder geschickt.

2004 hielt er in der Pfingstkirche zu Potsdam am Vorabend ihres 50. Todestages eine Gedächtnisansprache, auf die ich hier noch einmal verweisen will.

Montag, 20. September 2010

Webmuster

Alte Englische Rose (Heritage) von David Austin
Photo: Mogens Engelund
hier gefunden

Theodor Fontane

O trübe diese Tage nicht


O trübe diese Tage nicht,
Sie sind der letzte Sonnenschein,
Wie lange, und es lischt das Licht
Und unser Winter bricht herein.

Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
Viel Tage gilt in seinem Werth,
Weil man's nicht mehr erhoffen mag,
Daß so die Stunde wiederkehrt.

Die Fluth des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz;

Ein süßer Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz,
O sorge, daß uns keine fehlt
Und gönn' uns jede Stunde ganz.


Oh, do not darken days like these

Oh, do not darken days like these,
the final rays from our sun,
for soon enough the light will cease
when our winter has begun.

This is the time, where ev'ry day
is worth so many days in turn,
because no longer hope can pray
that thus the hour will return.

The tide of life has come and passed
and low now lie allure and pride,
and look at our mind: at last
creeps anxious avarice inside:

a honeyed greed, that counts the hours,
and tests each one for shine and fit;
oh, make that ev'ry hour flowers,
and kindly grant us all of it.”

„ Mutterseelenallein“, daß dieses urdeutsch erscheinende Wort eingewandert ist, läßt erstaunen. Mutter-Seelen-allein - von Mutter und Vater, Gott und aller Welt verlassen, Verlorenheit in gesteigerter Form. Und so kam es zustande:

Am Anfang stand das französische „moi tout seul“, „ich ganz allein“ (ausgesprochen etwa: moa tu seöl). Es heißt, man hätte es in Deutschland von den Hugenotten in Berlin zuerst gehört, mag sein. Wenn man es hier nun aber nicht verstand, konnte ein Deutscher daraus „mutterseel“ heraushören (ich erinnere mich, wie eine Frau, die mit dem Katholischen nicht so vertraut war, mir einmal von dem wunderbaren Lied „Arme Maria“ erzählte; Menschen tragen gern einen vertrauten Sinn in etwas, das sie nicht kennen, das Phänomen ist folglich bekannt).

Einmal angenommen, der aufmerksame Franzose schickte dem verständnislos blickenden Deutschen ein „allein“ hinterher, so erschloß sich dem Zuhörer sofort einleuchtend der Sachverhalt und es entstand das schöne deutsche Wort „mutterseel‘allein“ - für einen allerdings weniger erfreulichen Zustand, nämlich den gänzlicher Verlassenheit und Verzweiflung, des völligen Ausgesetzt-Seins.

Beispiel: „Da stand ich nun unter Gottes freiem Himmel wieder auf dem stillen Platze mutterseelenallein, wie ich gestern angekommen war.“ (Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts)

Wie dieses scheinbar zusammenhanglose Gestammel zustande kommt? Das ist eher einfach. Durch einen Beitrag etwa, der nicht beendet wurde, stieß ich auf dieses wunderbare Bild einer alten englischen Rose, von der Art, die mir im letzten Winter eingegangen ist.

Und dann, wenn man sich ein wenig zur Geisel des Kalenders macht, fiel mir nicht nur auf, daß Theodor Fontane wieder einmal gestorben ist und die spätere Kronprinzessin Cecilie geboren wurde, nein, ich entdeckte auch, daß ich nun seit fast exakt 2 Jahren Geisteshervorbringungen des verehrten Prof. Aue mit seiner stillschweigenden Erlaubnis hier mißbrauche. Und unsere gegenseitige Kenntnisnahme begann ein wenig mit diesem Gedicht von Fontane und der schon einmal angezeigten Übersetzung. Merkwürdig.

Und da ich nun einmal geborener Mecklenburger bin, wäre es geradezu Landesverrat, nicht erneut auf diese Ansprache von Herrn Roloff über die Kronprinzessin Cecilie zu verweisen.

Ach und die kleine etymologische Petitesse - ich wurde heute kurz um poetische Amtshilfe gebeten, über den Ursprung eines Wortes und fand das. Alles sehr merkwürdig wie gesagt. Auch daß durch das offene Fenster in der regendiesigen Luft gerade Schüsse wiederhallen von augenscheinlich jagdfreudigen Menschen, nach dem Geräusch zu urteilen, vielleicht 400 - 500 Meter entfernt, auch dies ist seltsam irgendwie.

Was für seltsame Muster das Leben webt - aus unseren Ambitionen und Schwächen und Sehnsüchten und Eitelkeiten und Vorlieben und Ängsten und ….

Donnerstag, 6. Mai 2010

Über eine Kronprinzessin und gehobenen Unsinn


Kronprinzessin Cecilie von Preußen
1908 gemalt von Caspar Ritter
hier gefunden

Die englischen Wahlen sind schuld an diesem verspäteten Post, der eigentlich seit gestern abend hier stehen sollte (tatsächlich ist heute schon Freitag), ich weiß auch nicht, warum ein Interesse an der Politik ausgerechnet daran aufflackerte. Im Ergebnis bin ich jedenfalls über der Berichterstattung eingeschlafen...

Keinesfalls wollte ich aber diesen Tag übergehen, da am 6. Mai 1954 die letzte Kronprinzessin des Deutschen Reichs Cecilie Auguste Marie Herzogin zu Mecklenburg verstorben ist. Herr Roloff hat über sie eine einfühlsame Gedenkrede gehalten, die vor einem Jahr an diesem Ort veröffentlicht wurde, daran wollte ich doch wenigstens noch einmal erinnern. Allerdings diesmal mit einem anderen Bild. Ich muß gestehen, wenn ich im Nachhinein manchmal auf den letztjährigen Post blickte, hatte ich immer wieder das Gefühl, sie sähe dort aus, als habe man sie an die Wand gestellt.



Und da wir gerade ins Humorige abzurutschen beginnen, Christian Morgenstern wurde am 6. Mai 1871 geboren. Er ist durch seine skurrilen Dichtungen bestens bekannt, sein übriges Werk darf man wohl als vergessen betrachten. Ich habe versucht, mich ein wenig durch das Vergessene zu kämpfen und muß sagen, es gibt Gründe. Bei dem wenigen jedenfalls, in das ich hineinschaute, erreicht er nach meinem Geschmack nicht den Rang, den der grandiose Tiefsinn seines absurden Wortwitzes verkörpert. Aber um ihn daraus doch wenigstens mit einem Aphorismus zu Wort kommen zu lassen.

„Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in den Menschen hineinhuschen kann.“

Folgen wir dieser Erkenntnis und bringen doch lieber etwas von dieser Art Gedichten, beginnend mit dem allbekannten, dessen letzte 2 Verse längst im allgemeinen Sprachgebrauch gelandet sind.

Christian Morgenstern

Die unmögliche Tatsache

Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

"Wie war" (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
"möglich, wie dies Unglück, ja -:
daß es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, - kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht -?"

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
"Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil", so schließt er messerscharf,
"nicht sein kann, was nicht sein darf."


Der Sperling und das Känguruh

In seinem Zaun das Känguruh -
es hockt und guckt dem Sperling zu.

Der Sperling sitzt auf dem Gebäude -
doch ohne sonderliche Freude.

Vielmehr, er fühlt, den Kopf geduckt,
wie ihn das Känguruh beguckt.

Der Sperling sträubt den Federflaus -
die Sache ist auch gar zu kraus.

Ihm ist, als ob er kaum noch säße . . .
Wenn nun das Känguruh ihn fräße?!

Doch dieses dreht nach einer Stunde
den Kopf aus irgend einem Grunde,

vielleicht auch ohne tiefern Sinn,
nach einer andern Richtung hin.


Täuschung

Menschen stehn vor einem Haus, --
nein, nicht Menschen, - Bäume.
Menschen, folgert Otto draus,
sind drum nichts als - Träume.

Alles ist vielleicht nicht klar,
nichts vielleicht erklärlich,
und somit, was ist, wird, war,
schlimmstenfalls entbehrlich.


Die Trichter

Zwei Trichter wandeln durch die Nacht.
Durch ihres Rumpfs verengten Schacht
fließt weißes Mondlicht
still und heiter
auf ihren
Waldweg
U. S.
W.

Sonntag, 20. September 2009

Preußische Momente


Wappen am Alten Rathaus, Potsdam
(c) nbwolf, hier zu finden

Theodor Fontane

Spätherbst

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern sind im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht, -
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh' Stille, Schnee und Winter kommt.


Late Autumn

Already the reds dot the leafy green,
the last mignonettes and asters are seen,
the grapes have been cut and the oats have been sold:
the fall has come, the year grows old.

And yet (though it's fall) the sun will still glow -
so throw out your sadness before it can grow!
Banish all sorrow and savour your life,
ere calm and winter snows arrive.

Übersetzung / Translation
von / by Walter A. Aue

Ich gestehe, ich war heute etwas versucht, meinem Hang zur Nachlässigkeit nachzugeben, aber dann erhielt ich einige wunderbare Bilder aus Potsdam, und da es zwei Namen gibt, an die ich schon erinnern sollte, und beide zudem zufällig mit Preußen zu tun haben, will ich es tun.

Das obige Bild zeigt, und jetzt hätte ich fast gesagt, das Potsdamer Stadtwappen, da gibt es nur einen Schönheitsfehler, das zeigt eigentlich den roten märkischen Adler auf goldenem Grund, während das preußische Wappen einen schwarzen Adler auf silbernem Grund darstellt. Nun, dieses Rätsel wird heute wohl ungelöst bleiben.

Theodor Fontane, auch heute noch der brandenburgische Leib- und Magendichter, starb am 20. September 1898, und der geborene Österreicher Aue wird mir hoffentlich nachsehen, solch preußischem Erinnern dienen zu müssen.

Der andere preußische Name hat eine starke mecklenburgische Beimischung, Cecilie Auguste Marie Herzogin zu Mecklenburg-Schwerin, die spätere Kronprinzessin Cecilie von Preußen, wurde am 20. September 1886 geboren. Über die letzte Kronprinzessin des Deutschen Reichs hat Herr Roloff eine beachtenswürdige Gedächtnisansprache gehalten, die wir an diesem Ort früher schon präsentiert haben, es sei also noch einmal an diese erinnert, zumal wir wenig hinzufügen hätten. Vielleicht, aber das wäre ein gesondertes Thema, das Nachdenken darüber, wie man es erträgt, wenn die Bestimmung der eigenen Existenz vollständig unerfüllt bleiben muß. Herr Roloff hat wie gesagt, dazu einiges beizutragen.

Mittwoch, 6. Mai 2009

Kronprinzessin Cecilie von Preußen


Kronprinzessin Cecilie von Preußen
hier gefunden


Wir sind ein wenig in Geschichtsstimmung. Am 6. Mai 1954 verstarb Cecilie Auguste Marie Herzogin zu Mecklenburg, die letzte Kronprinzessin des Deutschen Reichs. 2004 durfte Herr Thomas Roloff, der hier schon gelegentlich begegnet ist, in der Pfingstkirche zu Potsdam am Vorabend ihres Todestages eine Gedächtnisansprache halten, die ich schon längst einmal dokumentieren wollte, heute findet sie sich nun hier:


Gedächtnisansprache anlässlich des 50. Todestages ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit Cecilie, Kronprinzessin des Deutschen Reiches und von Preußen

„Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen.“


Im Blick auf die Lebenswege verehrter Menschen werden wir alle oft zu Spurensuchern, die auf Erinnerung und Vergewisserung hoffen. Aus Anlass des 50. Todestages der letzten Kronprinzessin vergegenwärtigen wir uns ihren Lebensweg und im Dämmerlicht der Erinnerung sehen wir ihre Heimat Mecklenburg.

Wenn man Rostock in nordöstliche Richtung verlässt, kommt man eine Straße entlang, die über viele Kilometer schnurgerade auf die Stadt Ribnitz zuläuft.

Wer es nicht weiß, durchfährt dabei fast unbemerkt einen kleinen Ort, der linker Hand in den ausgedehnten Wäldern liegt und von dem nur die kleine Bahnstation an der Straße zeugt.

Wer aber um die Geschichte dieses Ortes weiß, dem geht schon bei seinem Namen das Herz auf so wie auch Cecilie das Herz weit geworden ist: Gelbensande.

Dort steht noch immer ein Jagdschloss der Mecklenburgischen Herzöge und dort verlebte auch Cecilie wunderschöne Tage.

Es war der Ort ihres Glücks.

Beinahe jeder Mensch kennt derartige Orte wohl und trägt einen Teil von dort erlebtem oder erhofftem Glück durch die Welt. Dieses Glück erfüllte das Herz der jungen Herzogin, obgleich sie schon mit zehn Jahren ihren Vater verlor und nur schwer über diesen Verlust hinweggekommen ist.

So kannte sie aber bereits sehr früh beides – das helle Licht des Glückes und den tiefen Schatten der schmerzlichsten Trauer.

Auf der Hochzeit ihres Bruders sollte sich dann ihr Schicksal entscheiden, sie lernte den Kronprinzen des Reiches kennen und lieben. Nur ein Jahr später heiratete sie ihn im Berliner Schloss.

Sie wird ganz voller Hoffnungen gewesen sein angesichts der vielversprechendsten Aussicht, die sie von diesem Ort aus auf ihr Leben nehmen konnte. Sie war zur künftigen Kaiserin des Reiches bestimmt, ihr wurden schnell wunderbare Kinder geschenkt und sie wurde verehrt und geliebt.

Der Aufbruch des ganzen Landes, der technische Fortschritt, die Anfänge der Fliegerei, der Bau gewaltiger Ozeandampfer, die Industrialisierung, die Errichtung prächtiger Bauten wohin man auch blickte, die Eroberung ganzer Kontinente, der weltumspannende Handel, waren das Kennzeichen jener Jahre.

Die Menschen nahmen begeistert, staunend und voller Erwartungen daran Anteil und das Kronprinzenpaar teilte dieses Glück, diesen Glanz mit dem ganzen Lande.
Prinz Wilhelm und Prinzessin Cecilie wohnten im Neuen Garten hier in Potsdam und ließen sich im englischen Stil ihre Residenz erbauen. In gewisser Weise wirkte das ganze Europa jener Tage märchenhaft und das, obgleich über allem doch schon das unheimliche Grollen der unweigerlich herannahenden Katastrophe lag.

Der Weltkrieg zerstörte brutal die Hoffnungen und Aussichten des Kronprinzenpaares und des ganzen Kontinents. Prinz Wilhelm musste in die Verbannung auf die Insel Wieringen in Holland gehen. Cecilie weigerte sich, Deutschland zu verlassen. Es gelang ihr auf höchst respektable Weise, die Familie unter den gänzlich veränderten Bedingungen neu zu etablieren. Ohne Scheu und mit großer Hingabe widmete sie sich vielfältigen gesellschaftlichen Aufgaben und trat unter anderem an die Spitze des „Königin Luise Bundes“.

Es ist erstaunlich, in welchem Maße sie es vermocht hat, in jenen von Unruhen, Besatzung, Inflation, Verelendung und fiebrigen politischen Zuständen geprägten Jahren, Integrität zu wahren und dem Gemeinwesen allein durch ihre beispielhafte Haltung Orientierung und Zuversicht zu geben. Das herannahende große Verhängnis allerdings konnte sie nicht abwehren.
Die tiefe Nacht des Irrtums, der Gewalt und des Terrors senkte sich über Deutschland herab.

Der Krieg, der alle Maßstäbe veränderte, brach über Europa herein und verwüstete das Antlitz der Erde. An seinem Ende gingen die deutschen Städte im Bombenhagel unter, und das Reich, dessen Kaiserin Cecilie werden sollte, versank. Aber auch in dieser furchtbaren Zeit nahmen die Kronprinzessin und ihre Familie Anteil am Schicksal ihres Volkes bis hin zum Tod ihres ältesten Sohnes im Felde. Sie nahm Anteil am Schicksal ihres Volkes, weil sie selbst eine Vertriebene wurde, die all ihren Besitz zurückließ und nach dem Krieg traurige Jahre durchlebte. In allem hat sie ihr Volk nicht verlassen, sondern teilte sein Schicksal, und vielleicht war es das, was ihr ihre eigentümliche klaglose Ruhe verliehen hat.

Es ist, als hörten wir Hiob: „Haben wir Gutes empfangen und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ (Hiob 2,10)

Wir blicken nach einem halben Jahrhundert auf eine Frau zurück, die auch in ihrer höchsten Stellung nicht das Maß verloren hat, die in jedem Moment um die Nähe des Leides wusste, die auch ohne ihren Vorrang leben konnte, die unter allen Umständen versuchte, ihre Pflichten zu erfüllen, die auch in kompliziertesten Zeiten um ihre persönliche Integrität gerungen hat und diese wahren konnte. Wir blicken auf eine Frau zurück, der kein Verlust erspart blieb, auch nicht der Tod eines ihrer Söhne. Es ist, als hätte sich das Schicksal unseres Landes in ihrem Leben in besonderer Weise abgebildet.

So war sie ein Opfer des großen Verhängnisses, in das unser Volk hineingestürzt war und vor dem nichts es hat bewahren können.

Es gab kein Entrinnen, es gab keine Flucht, es gab keinen Ausweg und wer anderes behauptet, führt in die Irre, unterschätzt die entfesselten Gewalten und verharmlost die tatsächliche Macht des Bösen. Auch der Aufstand im letzten Augenblick konnte niemals den Verlauf des Dramas wenden, sondern nur noch die Ehre retten.

Nach allen menschlichen Maßstäben sehen wir uns hier einer Tragödie gegenüber. Es bleibt nur, gegen die Wirklichkeit der Welt zu hoffen, dass Gottes Maßstäbe andere sind. Darum erinnern wir uns an Cecilie, weil sie ihrem Geschick nicht zu entfliehen suchte, weil sie teilgenommen hat am Schicksal ihres Volkes, weil sie ihre Pflichten erfüllt hat. Sie hat selbst in unerschütterlichem Glauben gelebt und ihren Kindern diesen Glauben mit auf den Weg gegeben. Nur im Glauben kann man eine hinreichende Begründung dafür finden, dass sie auch in der größten Not noch so ohne Klage geblieben ist. Wie hätte es der Kronprinzessin gut gehen sollen, wenn ihr Land in Trümmern und Tränen versank.

So ist denn die einzige zulässige Rebellion in dieser Welt die des Glaubens gegen die Wirklichkeit, die nicht auf dem Hochmut gründet, neue Wirklichkeiten schaffen zu können, sondern im Vertrauen auf das Kommen Gottes, der auch Herr der Geschichte ist. Wir sind an den Propheten Jesaja verwiesen, der seinem Volke in größter Not verheißen hat: „Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln.“ (Jes. 54,7)

Glaubend stand sie an der Schwelle der Zeit, während in ihrem Haus, dem Cecilienhof, die Sieger tagten und sich auf diesem Wege ihr Name unlöslich mit der Niederlage verband. Die ihr bestimmte Krone war verloren und aller weltlicher Ehren war sie entkleidet. Aber gerade das scheint ihr der stärkste Trost gewesen zu sein, dass sie mitleiden konnte, mit ihrem Volke, dass sie nicht verschont blieb, und dass sie ein Zeichen der Geduld und der Treue setzen konnte. Darum ist ihr gesagt, durch Johannes: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.“ (Offb. 2, 10)

Cecilie hat nur glauben können, was ihre Nachkommen erfahren durften. Der Herr hat die Seinen nicht verlassen. Darum wohl auch war es den Nachfahren der Kronprinzessin so wichtig, die beiden großen Könige nach Potsdam zurückzubringen. Es konnte kaum ein deutlicheres Zeichen dafür gesetzt werden, dass menschliche Gemeinschaft immer eine Gemeinschaft der Lebenden und der Toten ist.

Zu ihr ist gesprochen: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jes. 43,1) Darum blicken wir auf diese Frau und haben im Bekenntnis mit ihr Gemeinschaft und sehen in ihr ein Zeichen der Hoffnung. Das ist das eigentliche und ursprüngliche Amt eines jeden Fürsten: Er muss mit seinem ganzen Leben ein Zeichen der Hoffnung sein. Dieses Amt ist nicht erloschen. Dieses Amt erlischt niemals.

Befiehl du deine Wege.

Amen