Posts mit dem Label Preußen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Preußen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 19. Juli 2024

Tagesbeobachtungen

Frühsommerfeld mit Mohn- und Kornblumen sowie Kamille in Pommern, hier gefunden

Die Erheiterung, während der man bemerkt, daß man entnervt nach einem Gedanken "virtuell" zurücksucht, den man nur eben gerade handschriftlich niedergeschrieben hat.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Erklärung: Auch nur ein heimatversichernder Mensch, versuche ich natürlich Dinge aufzurufen, die dem Gemüt Stärke und Zutrauen schenken, und sei es die Lieblingsblume unserer Königin und eines ihrer Söhne. Darum das Eingangsbild und das Ausgangslied, das sich wiederum auf dessen Sohn bezieht (mit hilfreichen Verweisen).

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Profanes: Wie möglicherweise die meisten, lasse ich beim Aufschneiden eines Brotes einen Kanten übrig, der sich anschließend zu dem Übrigen zusammenfügen läßt, warum auch immer. Kürzlich, beim Wieder-Auswickeln, schoß mir dieser Kanten geradezu aus der Hand und dabei um die Ohren, ich versuchte ihn zu fangen, finde ihn seitdem aber nicht mehr. 

Nun sind meine persönlichen Gemächer seit länger neulich doch eher übersichtlich geschrumpft, was wunderbar ist, wie ich gelernt habe. Aber: Es gibt keinen logischen Ort, an dem sich dieser, zielsicher inzwischen verrottende Kanten verstecken könnte. Es kann ihn nicht geben. Das frißt wirklich an den Nerven.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Resentment ist reichlich sicher das Schlüsselwort zur Erklärung des Linken, wie Prof. Jordan Peterson (nur als Einstiegshilfe für die, welche lange unter einem Stein leben mußten) klar ausgeführt und (als unser Hausgespenst der verdienstvolle Herr Klonovsky - man möge die Belege bitte selber suchen) Herr K. an Ungestalten der französichen Revolution -  von der das ganze große Unglück seinen Ausgang nahm - hinreichend beschrieben hat -  all diese erfolglosen Advokaten, Literaten, Mißgestalteten, die einen Urheber ihres faktischen Elends (der möglicherweise einfach ein natürlicher war) suchen und auslöschen mußten. 

Und ginge darüber die Welt zugrunde. Was sie irgendwie ja dann auch tat.

Jetzt aber taucht dieses Wort neu auf: J.D. Vance sei „wütend und rachsüchtig“. Rachsüchtig? Und geht nicht zur Linken? Warum eigentlich wendet er sich gegen die, die immer nur das Beste für die Elenden dieser Welt zu suchen behaupten. Er sei ganz klar ein Verräter. Dadurch sei er auch „die perfekte Besetzung für Trumps Rache“. Letzeres allerdings kann ich nachvollziehen.

Das ist vielleicht so, nur kommt jetzt die Rachsucht von der anderen Seite. Das macht es nicht besser. Etwas geschieht hier gerade. Und gespenstisch, wie klein diese Zirkel sind, selbst in diesem vermeintlich nicht nur äußerlich weitläufigen Nordamerika. In die der Donald da dazwischengetrumpelt ist.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

En Nachtrag, gewissermaßen auch zu meinem jüngsten widerwilligen Ausflug in die Gegenwart. Und zu dem Gemeinten, das und das und, was das nachfolgende Lied betrifft, das:

 von hier


Der Kaiser ist ein lieber Mann,

und wohnet in Berlin,

und wär' das nicht so weit von hier,

so ging' ich heut' noch hin.


Wisst ihr, was ich beim Kaiser wollt'?

Ich gäb' ihm meine Hand,

und brächt' das schönste Blümchen ihm,

das ich im Garten fand.


Und sagte dann: In treuer Lieb'

bring' ich das Blümchen dir!

Und dann lief' ich geschwinde fort,

so wär' ich wieder hier.

Sonntag, 3. September 2023

Kurzer Wochenend-Bericht














Herr Roloff hat auf der Burg Hohenzollern am Grab der mecklenburgischen Prinzessin Cecilie, letzte Kronprinzessin des Deutschen Reiches und von Preußen, wie seit Jahren seinen Blumengruß abgestattet. 

Und ich habe in Karchow bei Röbel den Herrn gepriesen, ich hoffe er hat es mir persönlich nicht zu übel genommen.


Montag, 13. März 2023

Auch über den Prinzen von Preußen


Stammwappen der Hohenzollern

Der Berliner Tagesspiegel, dessen Ehrgeiz seit einiger Zeit offenkundig darin zu bestehen scheint, taz, Rote Fahne et al. im Vergleich geradezu "rechts" aussehen zu lassen, was immer das stündlich bedeuten soll - aber das ist ja der Trick dieser Gegenwart, die Begriffe so verschwommen werden zu lassen, daß sie zu allem zu gebrauchen sind - besagtes Presseorgan hat sich also jüngst über den Adel echauffiert, den es sowieso nicht mehr gibt, aber eben deshalb.

Andere Phantasierealitäten müssen mit höchstem Ernst, ja mit der sonstigen Androhung peinlichster Sanktionen behandelt werden. Wir wollen in diesen Sumpf nicht hinabsteigen, es ist sowieso bekannt, was gemeint ist, nur andeuten.

Aber wenn jemand es wagt, ungezwungen, womöglich noch sympathisierend, den Prinzen von Preußen mit "Königliche Hoheit" anzusprechen, dann hat er die Dämonen der Vergangenheit losgelassen, dann ist die Machtfrage gestellt, dann steht die Reaktion um die Ecke und will zum Gegenschlag ausholen. Nach über 100  Jahren.

Wenn anderem mit Respekt begegnet wird, sieht sich der Respektlose angegriffen. Wenn der Prinz von Preußen es wagt, auf der Bundespressekonferenz nicht in Jogginghosen aufzutreten (ich bezweifle, daß er solche überhaupt besitzt), schwillt dem Schreibenden die Zornesader. Übertrieben? Wir wollen uns kurz an dem besagten  Ausbruch amüsieren:

„Die Versammlung strahlte – für das legere Berlin ungewohnt, mit Herren in sehr guten Wollstoffen, perfekt passenden Einstecktüchern und Schlipsen sowie vorbildlicher Sitzhaltung. Im Haus der Bundespressekonferenz galt es, ein neues Buch über den vormaligen Kronprinzen Wilhelm kennenzulernen...“

Wir brechen hier erst einmal ab, schon die Einleitung beginnt mit einer wichtigen Auslassung, und es gibt gute Gründe, den Kronprinzen Wilhelm nicht zu mögen. Aber diese Entgegensetzung des „legeren“ Berlin zu dieser provozierenden „Vornehmheit“...

[„leger Adj. ‘ungezwungen, zwanglos, oberflächlich’, anfangs auch ‘leichtfertig, unbesonnen’, Entlehnung (Ende 18. Jh.) von frz. léger (afrz. legier) ‘leicht, unbedeutend, flink, ungezwungen, leichtfertig, oberflächlich’. Diesem liegt vlat. *leviārius zugrunde, das, wohl als Ableitung von vlat. *levius, letztlich zu lat. levis ‘leicht, schnell, sanft, unbedeutend, gering(fügig), leichtfertig, wankelmütig’ (verwandt mit leicht, s. d.) gebildet ist.“]

Da war also diese Atmosphäre im Raum, die völliges Mißvergnügen und Unbehagen hervorrief. Die Veranstaltung habe durchaus einer Audienz beim Urenkel besagten Wilhelms geglichen, „bei Herrn Georg Friedrich Prinz von Preußen. Jenem Mann, der selbst in strikt republikanischen Medien oft als ‚der Prinz‘ oder als ‚Chef des Hauses Hohenzollern‘ bezeichnet wird. Beides ist er nicht.“

Georg Friedrich Prinz von Preußen mit Gemahlin Sophie Prinzessin von Isenburg 2011

Wir lassen erst einmal beiseite, warum er es nach der Meinung besagten Autors nicht sei. „Fast 104 Jahre später wurde aber wieder viel vom ‚Haus‘ gesprochen, ein rückenbeugendes ‚Königliche Hoheit‘ war deutlich vernehmbar und die entweder unhöfliche kurze oder ehrerbietig-artikellose Formulierung ‚Prinz von Preußen spricht nun zu uns‘. 

Herr Prinz von Preußen ging freundlich lächelnd über solche Unkorrektheiten hinweg. Schließlich weiß niemand besser als der 1918 gestürzte Adel, dass Namens- und Titelbezeichnungen keineswegs bedeutungslos sind. Ihre Verwendung ist Teil einer Dauer-Auseinandersetzung um gesellschaftlichen und politischen Einfluss...“

Es ginge also nicht nur um Kultur- oder Geschichtsbewußtsein, sondern um handfeste aktuelle Interessen. Die unkorrekte Verwendung von Ex-Titeln sei keine Belanglosigkeit, sondern die sprachliche Anerkennung einer sozialen Sonderrolle. Denn „Namensfragen sind Machtfragen“, wie es in der Überschrift dieser kleinen Attacke bereits so selbst entlarvend hieß. Dem Autor geht es also um Macht und er wittert diese bei der anderen Seite. Skurril.

Langweiliger Einschub

Jetzt zu dem, wo er sogar einmal Recht hat: Adelstitel wurden mit dem Adel in der Reichsverfassung von 1919 abgeschafft und gelten auch heute nur noch als Teil des Namens. Aus den Häusern wurden rein privatrechtliche Familienverbände. Aus dem Artikel 109: „Öffentlich-rechtliche Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes sind aufzuheben. Adelsbezeichnungen gelten nur als Teil des Namens und dürfen nicht mehr verliehen werden.“

Was von Österreich noch übrig war, hatte sich ebenfalls 1919  mit dem „Gesetz über die Aufhebung des Adels, der weltlichen Ritter- und Damenorden und gewisser Titel und Würden“ anders entschieden. Und mit neu gewonnener republikanischer Härte schreckte man auch vor der nötigen Konsequenz nicht zurück: „Strafbar ist... die Führung von Adelsbezeichnungen sowie von aufgehobenen Titeln und Würden im öffentlichen Verkehr, das heißt im Verkehr mit Behörden und öffentlichen Stellen, sowie in an die Öffentlichkeit gerichteten Mitteilungen und Äußerungen. Ebenfalls mit Verwaltungsstrafe bedroht ist die Führung im amtlichen Schriftverkehr, im rein gesellschaftlichen Verkehr und der Gebrauch von Kennzeichen, die einen Hinweis auf den früheren Adel oder auf aufgehobene Titel oder Würden enthalten, sofern darin eine dauernde oder herausfordernde Missachtung der Bestimmungen des Gesetzes zu erblicken ist.“

Jemand mag einwenden, die österreichische Entscheidung von 1919, wo Knall auf Fall mit dem Adel auch die Titel selbst als Namensbestandteil abgeschafft wurden, sei die konsequentere gewesen, sicher. Aber auch die schäbigere.

Zum Vorigen

Was sind Machtfragen und warum kann jemand die Wirklichkeit nur durch diese Brille sehen? Weil er nichts anderes hat? Weil die Sicht auf das Wirkliche auf diese eine Dimension geschrumpft ist?

Obwohl, bloß instinktiv hat er ja recht. Ich hätte es mir nicht träumen lassen, einmal den gegenwärtigen Papst Franziskus zu zitieren. Und selbst das Thema ist mir eher suspekt, aber ich kann hier auch nicht ewig nur Natur-Bilder anbringen:

„Die Gender-Ideologie ist heute eine der gefährlichsten ideologischen Kolonialisierungen, … Warum ist es gefährlich? Weil es Unterschiede und den Wert von Männern und Frauen verwischt.“ Die ganze Menschheit definiere sich über die Spannung der Unterschiede. Sie solle durch die Spannung der Unterschiede wachsen. Diese Ideologie aber verwässere die Unterschiede und mache die Welt gleich und langweilig, und das widerspräche der menschlichen Berufung. Was äußerst gefährlich sei, weil es Unterschiede beseitige, lösche es die Menschheit aus, den Reichtum der Menschheit, sowohl persönlich, kulturell als auch sozial, die Vielfalt und die Spannungen zwischen den Unterschieden.

Sehr wahr, und irgendwie auch überraschend. Wie überhaupt man zu allen Untergangsprognosen nur sagen kann, egal welcher Konvenienz. Die Geschichte geht sowieso immer anders als erwartet aus, und natürlich gibt es einen Untergang, besser Übergang. Wir nennen es die Wiederkunft des Herrn.

Was haben wir also gelernt

Noch einmal zurück zum Anlaß. Eigentlich ging es bei der ganzen scheinberichteten Erzählung um einen Verzicht. SKH Georg Friedrich Prinz von Preußen: „Ich habe daher entschieden, auf die Rückgabe von jenen rund 4.000 Kunstwerken sowie die damit verbundenen Leistungen nach dem Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz zu verzichten. Damit möchte ich den Weg frei machen für eine unbelastete Debatte in der Geschichtswissenschaft zur Rolle meiner Familie im 20. Jahrhundert nach dem Ende der Monarchie.“ [ausführlich hier] 

Der Verzicht ist honorig. Aber, daß gerade bei dieser Familie so heftiger Widerstand aufbrach und immer noch besteht, was immer sie tut, gibt ebenfalls Anlaß zu überraschter Hoffnung. Das nur nebenbei.

Was lernen wir. Eine andere Wirklichkeit hat kein Daseinsrecht, wenn sie aus der konkreten Geschichte dieses Landes begründet ist. Die freiwillige Bindung an Erinnerung und Tradition ist Konterrevolution. 

All diese Dinge sind auch eine Charakterprüfung. Die Last des Wissen-Müssens tragen, das Aushalten von Ambivalenzen, Sympathien für das Größere, das Mehr, für das, was den eigenen Erfahrungshorizont übersteigt. Und vor allem, sich nicht zum freiwilligen Gefangenen des Ressentiments zu machen.

Provozierende Vornehmheit also, den verkörperten Unterschied, den in Generationen mühsam erlernten Distinktionsgewinn als eine Leistung höherer Kultur zu behaupten, die auf der Gegenseite Würgreiz hervorruft. 

Die Vergangenheit ist kein Ort der verlorenen Idylle. Niemand weiß das besser als der, der in ihr zuhause ist. Aber sie ist das, aus dem und mit dem wir uns emporzuarbeiten suchen müssen. Höhere Kultur bedarf der Vorarbeit von Generationen, sie ist ein Geflecht von Anstrengungsbereitschaft über Jahrhunderte hinweg. 

Den Schlachtruf: Wir sind alle Mollusken und stolz darauf, mögen andere genießen. 

Das Problematische an unseren linken Zeitgenossen ist, daß für sie alles eine Machtfrage ist und daß es darüber hinaus nicht viel mehr gibt. Das sich Angegriffen-Fühlen von anderen Sinnzusammenhängen, um einmal diesen verqueren Jargon zu benutzen (auffällig, wie oft neuerdings von Gefühl anstelle von Vernunft die Rede ist). Also wenig souveränes Zutrauen ins „Eigene“, was immer das sein soll, und dafür viel Auslöschungsbedürfnis. 

Aber wie gesagt, die Geschichte ist immer offen.

Mittleres Wappen Sr. Majestät des Deutschen Kaisers

Sonntag, 8. Mai 2022

Preußische Predigten II

Nikolkoe, St. Peter und Paul, kolor. Lithographie ca. 1850,

Trauerfeier für IKH Prinzessin Luise von Preußen

„Ganz, aus großer Ferne, trifft uns noch einmal der Schimmer eines fast vergessenen Glanzes.

Ganz, aus größter Ferne, erreicht uns ein Ton, der lange nicht gehört wurde. Wie ein Traumbild steht vor uns der Zug von Generationen einer hochwürdigen Familie, die auf den Königssohn Carl zurückgeht, heldenhafte Generale hervorbrachte, Schönes schuf und in Gottesfurcht lebte. Ganz am Ende dieses Zuges erblicken wir, die wir heute begraben: IKH Prinzessin Luise von Preußen.“

„In zweifacher Weise ist die Prinzessin heimgekehrt. Diese Kirche steht im Garten ihrer Kindheit und Jugend, dieser Ort ist die Ursprungsstätte ihrer Familie, bei den Ihren werden wir anschließend betten, was sterblich an ihr war.

Sie ist aber auch heimgekehrt in den Ursprung allen Lebens, zu dem, der sie im Leben gesegnet hat und sie zum Segen werden ließ.“

„Ohne oder gar gegen ihre eigene oft so tragische Geschichte zu leben, war misslungen. Ihr war im Grunde nur der Name geblieben, den sie nun mit größtem Stolz wie ein Zeichen ehrfurchtgebietend durch eine Zeit trug, die vieles gar nicht mehr verstehen wollte, und für die sie geradezu ein Artefakt fremder Welten war. Aber gerade darum erklärte sie immer wieder geduldig die Wege ihres eigenen Lebens und erzählte aus Zeiten, die uns sagenhaft fern scheinen, durch die sie aber gegangen ist.“

„Sie hatte ein beeindruckendes Empfinden für die Tragik des Jahrhunderts, das wir hinter uns gelassen haben. Bereits ihre bloße Gegenwart machte deutlich, dass die Geschichte nicht das Toben anonymer Mächte über den Köpfen der Völker ist, sondern schlicht das, was Menschen tun.“

„Im Garten ihrer Kindheit und Träume werden wir, was sterblich an ihr war, beisetzen. Auf ihre Weise wird sie nun Glienicke wieder in Besitz nehmen. Und einmal, wenn der Friedhof im Park seinen verwunschenen, stillen Charakter wiedergefunden hat, wird sich vielleicht ein Wanderer dorthin verirren, und ein Kundiger wird ihm erklären: Hier ist sie versammelt, die Familie des Prinzen Carl von Preußen, der ein Sohn der verehrten und sehr geliebten Königin Luise gewesen ist, und die ihrem Lande ein Zeichen war, und die Gott fürchtete.

Und der Schimmer fast vergessenen Glanzes trifft ihn ganz. Amen“

Das sind Worte aus der Predigt, die Herr Roloff im Jahre 2009 zur Beisetzung der Prinzessin Luise Viktoria von Preußen gehalten hat (der vollständige Text findet sich hier, wo sich auch Näheres zu ihrem Leben aufsuchen läßt). Es war ein Leben, hin und hergeworfen in den sich überstürzenden Zeitläuften, etwas, was sie mit vielen teilen mußte, voller Verluste, die Eigenes verunmöglichten, so wie es das obige Zitat andeutet.

Haus Lehnitzsee, Bild von hier

Nach einem der Schicksalsschläge bezog ihre Mutter das Haus Lehnitzsee in Neu Fahrland, es ist hierüber abgebildet. Durch den Zugriff des nationalsozialistischen Staates verlor die Familie das Schloß Glienicke, das eigentliche Symbol ihrer Geschichte (über Glienicke und seine Bedeutung für diese Linie des Hauses Preußen kann man Wesentliches im Zusammenhang mit dem vorigen Beitrag zur Trauerrede auf den Prinzen Friedrich Karl finden, mit dem die Linie im Mannesstamm erloschen ist (Preuß. Predigten I).  

Er erwähnt die eigentümliche, durch die Mächtigen jener Jahre belauerte und verdächtigte Stellung, in der die Angehörigen vormals regierender Häuser lebten. Ein Gedanke, der sich dabei unvermittelt einstellt: Wenn es ein Kontinuum in der jüngeren deutschen Geschichte gibt, dann das Mißtrauen gegen die vormals regierenden Häuser. Es hatte in der sog. DDR ungebrochen Bestand und ist häufig selbst in dieser Republik noch lautstark anzutreffen. Und das, wo doch alle genannten Systeme so grundverschieden voneinander sein wollen. Merkwürdig, wie aufschlußreich.

Das Leben-müssen über Brüche hinweg hatte sie mit vielen zu teilen. Aber sie gebot über ein Erbe, dem diese Zeiten nichts anhaben konnten. Ihr blieb, dieses zerbrochene Jahrhundert mit Haltung durchzustehen. 

Auch wir stehen nun gewissenmaßen vor einem Bruch. Denn es ist schwierig zu übergehen, daß ihre Gestalt bei einem bekannten, durchaus nicht unumstrittenen italienischen Schriftsteller erscheint. Aber den Bericht davon wollten wir an das Ende verbannen.

Seine Geschichten sind, sagen wir, wahr erfunden, sie könnten so geschehen sein, weil die berichteten Geschehnnisse so stattgefunden haben, sie sind wahr, weil sie mit greller Schärfe zugespitzt den Charakter und Wert von Personen wahrhaftig beschreiben. Sie erzählen von grausamen Dingen einer traurigen und grausamen Zeit, und sie tun das in einer nichtgefälligen, aber unterhaltsamen Art. Das ist nicht das einzige, was verstört.

Malapartes Stil in seinem Roman „Kaputt“, von ihm reden wir, läßt sich an einem Beispiel am schnellsten illustrieren. Es geht um den kroatischen Anführer während des 2. Weltkriegs Ante Pavelić, der uns zunächst trügerisch wohlwollend geschildert wird, wenn auch auf bereits mißtrauisch machende sperrige und gleichzeitig überziehende Weise. Unser Mißtrauen entstand zurecht.

"Ich beobachtete Ante Pavelić, seine dicken behaarten Hände, seine niedrige, harte, eigensinnige Stirn, die unförmigen Ohren. Eine Art Mitgefühl ergriff mich für diesen schlichten, guten, großzügigen Mann, der mit so einem feinen Empfinden für Menschlichkeit begabt war. Die politische Lage hatte sich in diesen Monaten sehr verschlechtert. Der Partisanenaufstand loderte durch ganz Kroatien... Wie sehr muß er leiden, dachte ich, dies goldene Herz."

"Während des Gesprächs bemerkte ich einen Korb aus Weidengeflecht...'Sind das dalmatinische Austern?' fragte ich den Poglawnik. Ante Pavelić hob den Deckel vom Korb und zeigte die Muscheln und kleinen Meerestiere, diese schleimige und gallertartige Austernmasse und lächelnd sagte er, mit seinem gutmütigen und müden Lächeln: 'Es ist ein Geschenk meiner getreuen Ustaschas: zwanzig Kilo Menschenaugen.'"

Alle seine Geschichten sind von dieser Art: Kannibalismus unter russischen Kriegsgefangenen, dem die deutschen Soldaten freundlich zusehen. Jüdische Zwangsprostituierte, die regelmäßig nach 20 Tagen erschossen werden. Dies und anderes Grausames mehr will Malaparte der Prinzessin in Potsdam erzählt haben.

 Was von diesen Geschichten, die das gesamte 4. Kapitel umfassen, er der Prinzessin tatsächlich zugemutet hat, ja ob überhaupt, darüber ist schwer zu mutmaßen. Er ist ein scharfer Charakterzeichner und seine Beschreibungen wirken auch in dem, was ihre Person betrifft, sehr authentisch. "Don't be so Potsdam, Luise!" ruft ihre Freundin aus, eine sehr überzeugende Szene, wie ich höre. Manches hat er erkennbar dazuerfunden (er macht aus ihr eine Enkelin des letzten Kaisers), aber vorherrschend wirkt vieles stimmig. 

Als Unterhaltung eines Tages ist es natürlich undenkbar. Aber gäbe es einen wirklichen Kern als Begebenheit. Ist es vorstellbar, daß er die Prinzessin mit all diesem traktierte?

Man könnte es auch so sehen und sagen: Malaparte beichtet der Prinzessin das Jahrhundert als einem Gewissen, das über diesem steht. Aber für wen fordert er da dann die Absolution ein? Wir wollen diesen verwirrenden Gedanken entgehen und von einer letzten Szene berichten, die tatsächlich geschehen ist. 

Beim Verlassen der Nikolskoer Kirche St. Peter und Paul neigte sich der Sarg noch einmal leicht Havel und Jungfernsee unten zu, einem Nicken gleich, hinüber zur Pfaueninsel zur Rechten und der Sacrower Heilandskirche zur Linken, als Geste des letzten Abschieds.

nachgetragen am 30. Mai

Sonntag, 1. Mai 2022

Preußische Predigten I

Klein-Glienicke, Greifenfigur am Haupttor, von hier

"Als Friedrich Karl von Preußen am 13. März 1919 in Glienicke geboren wird, ist die Monarchie bereits zerstört. Von Anfang an zeugte also schon sein Name von einer anderen Welt, von vergangener Zeit. Das Oberhaupt der Familie war im Exil, das Land zerrissen, die Gefahren längst nicht gebannt. In allem drückte sich aus, dass diese Welt noch weniger Heimat sein konnte als jemals und auch ein königlicher Prinz nur ein Wanderer ist, ohne bleibende Stadt. Ist dort schon die Ursache zu suchen für das Unbeständige, das sein Leben immer wieder tragisch überschattete?"

"Von dort ist er nun hierher heimgekehrt. Als den letzten Herrn auf Glienicke werden wir ihn anschließend auf dem Prinzenfriedhof beisetzen, auf dem auch schon seine Eltern ruhen. Sein Leben, wie auch sein Leib sind nun zu Asche verbrannt. Mehr wäre also nicht zu sagen, wenn er nicht getauft wäre in Jesus dem Christus, denn dadurch ist er von Gott geboren.

Gott prüft uns in unserem Leben, zuweilen entreißt er uns was wir lieben, zuletzt ruft er uns selbst aus dieser Welt, aber niemals verlässt er uns."

"Die Bedeutung der großen Familien ist doch auch darum gesunken, weil das Bewusstsein von der Einheit, Gemeinsamkeit und von dem Wert der Geschichte geschwunden ist. Wir alle werden diese Gewissheit aber nur wiederfinden in dem Glauben, der Menschen und Völker untereinander verbindet und auch zu dem Gott führt, der in Christus alles niederreißt, was uns trennen will und sei es der Tod."

Diese Worte sind aus der Traueransprache (man findet sie hier), die Herr Roloff am 13. Juli 2006 zur Beisetzung von Friedrich Karl von Preußen in St. Peter und Paul auf Nikolskoe hielt, mit dem eine Linie des Hauses Preußen im Mannesstamm erlosch, die von Carl von Preußen, Sohn des Königs Friedrich Wilhelm III. und der Königin Luise, begründet worden war. 

Wenn man dem Verweis folgt, wird sich zunächst viel über den Begründer der Linie finden, etwa, was ließe sich Überwältigenderes, Bleibenderes, Trostreicheres über jemanden sagen, als daß er Schönheit in die Welt gebracht hätte. 

Doch diese Reihe will vornehmlich an das erinnern, was über das vergangene Preußen samt unserer Geschichte von Herr Roloff aus verschiedensten Anlässen gepredigt worden ist und hier bereits dokumentiert wurde. Sieben Stücke sind noch einmal ausgewählt und werden von mir knapp eingeführt.

Und um kurz abzuschweifen. Bevor am 9. Mai a.c. die Welt schon wieder einmal untergehen soll, wie manche meinen, mag diese kleine Serie von Untergang und Behauptung, die Erinnerung an Preußen ist derzeit wohl am besten so zusammenzufassen, ein schüchternes Weglicht im Nebel der Zeit sein.

nachgetragen am 5. Mai

Freitag, 21. Januar 2022

Über den Prinzen Carl & das Ende einer Linie

Ansicht des Schlosses Glienicke vom Babelsberg aufgenommen, Carl Daniel Freydanck, ca. 1838, Bild von hier

Was läßt sich Überwältigenderes, Bleibenderes, Trostreicheres über jemanden sagen, als daß er Schönheit in die Welt gebracht hätte. Wir wissen ja meist nur, was andere berichten. Aber wenn wir wirklich Glück haben, finden wir die noch die unmittelbare Anschauung davon. 

Vor 12 Jahren fragte ich an dieser Stelle, was die Königin Luise denn Bleibendes hinterlassen hätte. Nun, ihre Kinder zuallererst. Recht unterschiedlich begabte, aber immer äußerst charaktervolle Kinder. Die Königin soll gesagt haben, er wäre ihr schönstes Kind. So es stimmt, das hätte er wiedergegeben. 

10. Geburtstag von Kronprinz Friedrich Wilhelm 1805 in Paretz (Gemälde von Heinrich Anton Dähling), stehend zwischen seinem Vater, König Friedrich Wilhelm III., und seinen Brüdern Wilhelm und Karl. An Königin Luise lehnt sich Prinzessin Charlotte, daneben ihre Schwester Alexandrine. Bild von hier

Ich spreche vom Prinzen Carl und von Schloß Glienicke. Er hatte das Landgut bei Potsdam 1824 erworben und sah hier die Möglichkeit, seine Italieneindrücke von 1822 im Märkischen in gestalteten Raum zu verwandeln, das Zusammenwirken von antiker Überlieferung und Formempfinden, Architektur und Skulptur, sprechend zu einer zugeneigten Landschaft.

Potsdam und seine Umgebung sind zuerst Stein gewordene königliche Träume, was immer andere dazugetan haben mögen. Davon ist das Schloß Glienicke ein ganz eigentümlicher Teil. Friedrich Wilhelm IV., dem der Ort vieles zu verdanken hat, unterstützte noch als Prinz den Bruder, der ihm mit Sicherheit nicht im Geringsten an Kunstsinn und Begeisterungsfähigkeit für das bedeutsam Schöne nachstand, dabei, seine „italienische Phantasie" Gestalt gewinnen zu lassen.

Blick von der Römischen Bank auf Schloss Glienicke, Carl Daniel Freydanck, ca. 1845 / 1838, Bild von hier

Karl Friedrich Schinkel und Ludwig Persius als Architekten sowie Peter Joseph Lenné als Gartenschöpfer schufen dann eine Synthese von Bauten und Landschaft, die beeindruckt mit ihren Sichtbeziehungen zum weiteren Raum, den vollendeten Proportionen, der sanften Harmonie, beiläufiger Schönheit und anhänglicher Überlieferungsfreude, die sich an den gesammelzen Artefakten zeigt, wie antiken Mosaiken aus Karthago und Marmorfragmenten von antiken Skulpturen und Sarkophagen.

Stibadiumsskizze, Carl Daniel Freydanck, 1847, Bild von hier

Man mag sagen, daß dem Prinzen Carl bei seinen glänzenden Anlagen eine wirklich angemessene Aufgabe verwehrt blieb, was zu einer gewissen Resignation geführt haben kann. Unberechtigterweise, denn immerhin sein Werk Glienicke leuchtet seitdem durch die Zeit. 

Er begründete eine Linie des Hauses Preußen. Am 21. Januar 1883 verstarb Carl von Preußen, Sohn des Königs Friedrich Wilhelm III. und der Königin Luise. Diese Linie endete im Mannesstamm mit dem Tod von Friedrich Karl von Preußen am 19. Juni 2006.

Nachfolgend ist der Trauergottesdienst dokumentiert, den Herr Roloff aus diesem Anlaß halten durfte. 

Reiterportrait, Prinz Carl von Preußen, Friedrich Anton Kilp, ca. 1872, Bild von hier


Trauerrede

auf

SKH Prinz Friedrich Karl von Preußen

(13. März 1919 - 19. Juni 2006)


St. Peter und Paul auf Nikolskoe, 13. Juli 2006


St. Peter und Paul bei Nikolskoe, Carl Daniel Freydanck, 1844, Bild von hier

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

„Wer da glaubt, daß Jesus sei der Christus, der ist von Gott geboren; und wer da liebt den, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist.

Daran erkennen wir, daß wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten.

Denn das ist die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer,

denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ Amen (1. Joh. 5, 1-4)

Noch einmal klingt sein Name laut durch diese Kirche, die seine Vorfahren zur alleinigen Ehre Gottes aber auch zur Verschönerung der Landschaft hier hoch über den Wassern haben errichten lassen.

Noch einmal klingt sein Name laut in diesem Raum und reiht sich in die Folge der Namen von Königssöhnen, die sich unlöslich verbunden haben mit dem Land, das ihren eigenen Namen trägt und dessen Namen sie tragen.

Noch einmal erklingt sein Name:

Prinz Friedrich Karl Viktor Stephan Christian von Preußen.

...und verklingt.

Er führte das Prädikat „Königliche Hoheit“ und hat nun abgelegt alles, was von Hoheit an ihm war und was königlich gewesen, das ist nun fern.

Wappen von Prinz Friedrich Karl von Preußen als Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, Bild von hier

Wir haben uns versammelt um das herum von ihm, das sterblich war und wollen Abschied von ihm nehmen hier an dem Ort, der wie kaum ein anderer mit seinem Zweig der Familie verbunden war, der nun mit ihm erlischt.

Als Friedrich Karl von Preußen am 13. März 1919 in Glienicke geboren wird, ist die Monarchie bereits zerstört.

Von Anfang an zeugte also schon sein Name von einer anderen Welt, von vergangener Zeit. Das Oberhaupt der Familie war im Exil, das Land zerrissen, die Gefahren längst nicht gebannt. In allem drückte sich aus, dass diese Welt noch weniger Heimat sein konnte als jemals und auch ein königlicher Prinz nur ein Wanderer ist, ohne bleibende Stadt. Ist dort schon die Ursache zu suchen für das Unbeständige, das sein Leben immer wieder tragisch überschattete?

Friedrich Karl war gerade acht Jahre alt, als er seinen Vater, Friedrich Sigismund, einen erfolgreichen und bewunderten Reiter, der unser Land bei der Olympiade in Amsterdam vertreten sollte, durch einen Unfall verlor.

Der Vater hatte im Sport einen Weg gefunden, seinem Land zu dienen, seiner Familie Ehre zu machen und sich selbst Ziele zu setzen. Gerade hatte er seiner Familie ein Haus am Lehnitzsee erworben, konnte es selbst aber nicht mehr beziehen.

Wir haben hier keine bleibende Stadt.

St. Peter und Paul in Berlin-Wannsee. Kolorierte Lithographie, ca. 1850, Bild von hier

Es war nun die Mutter allein, die ihre beiden Kinder mit der Liebe einer Frau aufzog, die leider auch viel zu früh sterben musste. Seit 1938 waren beide Kinder Waisen.

Im II. Weltkrieg diente Friedrich Karl als Oberleutnant, bis er im August 1943 in Folge des so genannten „Prinzenerlasses“ aus der Wehrmacht entlassen wurde. Damit war ihm die Möglichkeit genommen, dem zu entsprechen, was der Herzog von Braunschweig schon im I. Weltkrieg durch die Worte beschrieben hatte: „Für uns Fürsten ist das einzige, was wir für die braven Leute tun können, das, dass wir mit ihnen leiden, bei ihnen sind, ihnen zeigen, dass wir auch wie sie von allem fern bleiben müssen und können.“

Ein Studium der Forstwirtschaft folgte und verschaffte Friedrich Karl zumindest Möglichkeiten, um in der Heimatlosigkeit, die dem Zusammenbruch folgte, wieder Fuß zu fassen. Nachdem er 1961 Lady Stuart geheiratet hatte, hätte eigentlich sogar doch noch ein schönes Leben beginnen können.

Es war ihm nicht vergönnt.

Ein grauenhafter Unfall entriss ihm die geliebte Frau. Auch die Geburt als Prinz verschafft kein Anrecht auf Glück. Friedrich Karl ging für einige Jahre nach Afrika. Er erlebte das Scheitern einer zweiten Ehe, bevor er sich für seine letzten Jahre auf die spanischen Balearen zurückzog.

Von dort ist er nun hierher heimgekehrt. Als den letzten Herrn auf Glienicke werden wir ihn anschließend auf dem Prinzenfriedhof beisetzen, auf dem auch schon seine Eltern ruhen.

Sein Leben, wie auch sein Leib sind nun zu Asche verbrannt. Mehr wäre also nicht zu sagen, wenn er nicht getauft wäre in Jesus den Christus, denn dadurch ist er von Gott geboren.

Gott prüft uns in unserem Leben, zuweilen entreißt er uns was wir lieben, zuletzt ruft er uns selbst aus dieser Welt, aber niemals verlässt er uns.

Durch diese Liebe zu einem Gott, der uns nicht verlässt, ertragen wir die Verlassenheit. Die Verlassenheit, die uns in dieser Welt befällt, wird zur Gnade, weil sie uns zu jeder Zeit in Erinnerung ruft, dass wir auf dieser Welt nicht ganz zu Hause sind, sondern die künftige suchen.

Das Leid, das wir zu tragen haben, bleibt nicht sinnlos, weil es uns Anteil nehmen lässt am Leid der Mitmenschen und am Leid Christi. Die Ruhelosigkeit wird zum Zeichen für alle, weil sie kündet von der Ruhe, die wir eben nur finden können bei Gott.

Wie verwandelt ist nun unser Blick auf Friedrich Karl. Das was für ihn schwer zu tragen war, wird uns zum Zeichen.

St. Peter und Paul - Schnitt Altarnische, Bild von hier

Die ganz selbstverständliche, keine Grenzen kennende, universale und kosmopolitische Wirklichkeit seiner Familie ist etwas, um das die Völker heute wieder ringen, nachdem sie ihren Wert so lange gering geschätzt haben.

Die Bedeutung der großen Familien ist doch auch darum gesunken, weil das Bewusstsein von der Einheit, Gemeinsamkeit und von dem Wert der Geschichte geschwunden ist. Wir alle werden diese Gewissheit aber nur wiederfinden in dem Glauben, der Menschen und Völker untereinander verbindet und auch zu dem Gott führt, der in Christus alles niederreißt, was uns trennen will und sei es der Tod.

In diesem Glauben hat Friedrich Karl gestanden und nun alle Hoheit und alles Königliche abgelegt, in das die Welt ihn gestellt hat, und das sie doch nicht erfüllen konnte.

Von diesem Tag an kündet aber die Kirche hier hoch über den Wassern auch von seinem Leben und von dem Leid, das ihn heimgesucht hat, denn er ist nun aufgehoben in die Verheißung: Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. In diesem Sieg werden ihm Hoheit und Königlichkeit zu Teil, die unvergänglich sind.

Amen


Lasset uns beten:

Herr, unser Heiland,

du kommst zu uns mit unergründlicher Liebe

und gibst uns den Frieden, der höher ist als alle Vernunft.

Amen

St. Peter und Paul in Berlin, Christus, Bild von hier

nachgetragen am 23. März 2022


Montag, 10. Mai 2021

Der Friede von Frankfurt


Adolph von Menzel, Abreise König Wilhelms I. zur Armee 
am 31. Juli 1870, hier gefunden

Vor 150 Jahren, also am 10. Mai 1871, wurde in Frankfurt am Main ein Friedensvertrag unterzeichnet, der den Krieg zwischen der Französischen Republik und dem Deutschen Reich beendete. Begonnen hatte er als ein Krieg des französischen Kaiserreichs gegen Preußen, da, wie es in der französischen Kriegserklärung vom 19. Juli 1870 hieß, dessen Regierung, die Verpflichtung zu haben glaubte, „für die Verteidigung ihrer Ehre und ihrer verletzten Interessen zu sorgen“. Der Kriegsgrund war ein vorgeschobener und vermochte außerhalb Frankreichs auch niemanden recht zu überzeugen. Nicht von ungefähr blieb es ohne Bündnispartner, nach denen es emsig Ausschau gehalten hatte.

„Solange der französische Bonapartismus, der sich in der damaligen Lage nur an der Macht halten konnte, wenn er die endgültige Schaffung eines gesamtdeutschen Staates verhinderte und dabei möglichst noch die französische Grenze allmählich nach dem Osten vorschob, noch nicht geschlagen war, führte Deutschland einen gerechten Verteidigungskrieg.“ So schrieb der Historiker und Marxist Engelberg in seiner zweibändigen maßstabsetzenden Bismarck-Biographie. 

Neu-Deutsche Historiker verteidigen dagegen gern den französischen Imperialismus, indem sie einen deutschen unterstellen. Der eine schaute noch auf die Wirklichkeit, selbstredend aus der Perspektive seiner Überzeugungen. Die gegenwärtig Modischen sind getrieben von Übel-Wollen und dreister Unbildung.

„Gestern haben wir endlich unterzeichnet, mehr erreicht als ich für meine persönliche politische Berechnung für nützlich halte. Aber ich muß nach oben und nach unten Stimmungen berücksichtigen, die eben nicht rechnen. Wir nehmen Elsaß und Deutsch-Lothringen, dazu auch Metz mit sehr unverdaulichen Elementen, und über 1300 Millionen Thaler.“ So Bismarck schon am 27. Februar an seine Frau (über den Vorfrieden, der nunmehr im Wesentlichen bestätigt wurde).

Das ist es, was heute, wenn überhaupt noch, als Inhalt des Vertrages bekannt ist, die Kriegsentschädigungen durch Frankreich und dessen Gebietsabtretungen. Bismarck war aus pragmatischen Gründen über den Gebietszuwachs wenig begeistert, da er immer schon die neuen möglichen Schwierigkeiten sah. Etwa später: Warum Kolonien, wenn man keine Flotte hat, sie zu schützen, die aber, wenn man sie sich zulegte, nur die Briten in ihrem Meeresherrschaftswahn zum Übelnehmen einladen würde. Wie es dann ja auch kam.

Ansicht Straßburgs von 1644, hier gefunden

Aber Bismarck war hier wohl zu überbedachtsam. Die Franzosen waren beleidigt, weil sie den Krieg verloren hatten, der Verlust Elsaß-Lothringens war da nur ein guter zusätzlicher Vorwand. Es handelte sich übrigens um überwiegend deutschsprachige Gebiete, die Frankreich aufgrund der Schwäche des Reiches nach und nach okkupiert hatte, so Straßburg mitten im Frieden 1681 während das Reich mit der Abwehr der Türkengefahr beschäftigt war.

Überhaupt hatte Frankreich ein langanhaltendes starkes Bedürfnis, seine Grenzen gen Osten auszudehnen. Und als dies etwa bei der Pfalz nicht gelingen wollte, brannte man wenigstens die Gegend gründlich nieder, so etwa die Kaiserdome in Speyer und Worms oder die Stadt Heidelberg. Mit anderen Worten: Diese Grenze des Reiches war seit Jahrhunderten, vom Dreißigjährigen, über die sog. Reunionskriege, den Pfälzischen Erbfolgekrieg bis zu Napoleon I., wo selbst Hamburg französisch wurde, Angriffen aus dem Westen ausgesetzt und nun sollte es auf einmal andersherum sein? Das war zuviel für das französische Selbstbewußtsein und verletzte die Ehre der „Großen Nation“ in unerträglichem Maße 

Ezéchiel du Mas, comte de Mélac, Befehlshaber der Rheinarmee Ludwig XIV., hier gefunden

Der Rückschlag der Befreiungskriege, wie die Deutschen sie nannten, mochte in der kollektiven französischen Erinnerung mehr wie ein Unfall der Geschichte aussehen, den Napoleon III. nun eben ungeschehen zu machen versucht hatte.

Europa 1812, vor Napeoleons Rußlandfeldzug, hier gefunden

Das war alles auf deutscher Seite gerade in den rheinnahen süddeutschen Gebieten aber noch nicht wirklich in Vergessenheit geraten, weder die Verheerungen noch das Bewußtsein, daß auf der ganzen anderen Rheinseite deutschsprachige Gebiete lagen. Und auf militärisch verantwortlicher Ebene wollte man an der Westgrenze eine festere Garantie gegen künftige französische Ambitionen. Das erklärt vielleicht die Stimmungen von oben und unten, auf die sich Bismarck bezieht. 

Dennoch war der Frankfurter Friede ein mäßiger und nicht darauf ausgelegt, den besiegten Kriegsgegner zu zerstören, wie es der Versailler später dann zu betreiben suchte. Die rund 1,33 Milliarden Preußischen Taler Kriegsentschädigung brachte Frankreich schneller auf als erwartet und so zogen schon im September 1873 die letzten deutschen Truppen ab.

Die Bewohner Elsaß-Lothringens, die für Frankreich optieren wollten, behielten „ihren auf den mit Deutschland vereinigten Gebieten belegenen Grundbesitz“. Und Artikel II bestimmt ferner:

„Kein Bewohner der abgetretenen Gebiete darf in seiner Person oder seinem Vermögen wegen seiner politischen oder militairischen Handlungen während des Krieges verfolgt, gestört oder zur Untersuchung gezogen werden.“

Welch deutsche Perfidie!

Lorenz Clasen, Germania auf der Wacht am Rhein, 

Es war ein letztes Muster eines Friedens, der den Kriegsgegner immer noch respektierte. Für die Deutschen, deren II. Kaiserreich eben geschaffen worden war, begann ein Aufschwung auf kulturellem, technischem und wirtschaftlichem Gebiet, wie er kein Beispiel in der deutschen Geschichte kennt.

Und so wurde nicht nur hier, sondern auch in Magdeburg am Denkmal für die Einigungskriege im Park am Fürstenwall dieses heute eher vergessenen Ereignisses gedacht.



Robert Schumann, Nikolaus Becker, Rheinlied, hier gefunden

Robert Schumann, Nikolaus Becker, Sie sollen ihn nicht haben den freien deutschen Rhein, hier gefunden

nachgetragen am 17. Mai


Nachtrag am 18. Mai

Eben lese ich in einem Stück von glorifizierendem Revolutionskitsch, daß der Sturz der Napoleon-Säule am Place Vendôme auf die Nachricht von der Ratifizierung hin erfolgt sein soll. Welch Ironie! Und, woraus man alles etwas lernen kann.

Pariser Kommune 1871 beim Sturz der Colonne Vendôme, hier gefunden

Sonntag, 11. April 2021

Zum Gedenken an Kaiserin Auguste Viktoria

Kaiserin Auguste Viktoria im Juli 1917, hier gefunden

Antikentempel, hier gefunden

Kaiserin Auguste Viktoria, geborene Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, verstorben am 11. April 1921 im Haus Doorn, ist im Antikentempel von Sanssouci zu Potsdam begraben. Seit 1921 dient der Antikentempel als Grabstätte für Mitglieder des Hauses Hohenzollern.

Antikentempel Innenraum, hier gefunden


Andacht zur Kranzniederlegung 
am Sarg von Kaiserin Auguste Viktoria am 11. April 2021


Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.  Amen

Der Herr sei mit euch.

In ihrer Konfirmation war Auguste Viktoria unter das Wort gestellt worden: Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.


Wir hören und beten den 122. Psalm:

Ich freue mich über die, die mir sagten: Lasset uns ziehen zum Haus des Herrn!

Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem.

Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll,

wohin die Stämme hinaufziehen, die Stämme des Herrn, wie es geboten ist dem Volke Israel, zu preisen den Namen des Herrn.

Denn dort stehen die Throne zu Gericht, die Throne des Hauses Davids.

Wünschet Jerusalem Glück! Es möge wohl gehen denen, die dich lieben!

Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen!

Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen.

Um des Hauses des Herrn willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen.

Amen


Heute jährt sich zum 100. Mal das Sterben der letzten Kaiserin des Deutschen Reiches, der letzten Königin Preußens. 

Sie war am 22. Oktober 1858, früh 7 ½ Uhr geboren worden:

Am 30. November wurde sie getauft.

Auguste Viktoria starb am 11. April 1921, einem Montag, kurz vor 6 Uhr früh.

Ihrer kaiserlichen und königlichen Würden ging sie damit endgültig verlustig. Die Krone des Lebens aber wissen wir auf ihrem Haupt, uns als Trost und Verheißung.

Amen


Wir wollen beten:

Allmächtiger Gott,

Du hast uns mit der verewigten Kaiserin eine Frau vor Augen gestellt, die uns mit ihrer Liebe zu dir ein Beispiel gegeben hat, von dem wir erzählen sollen, durch das wir ermutigt werden, in dem wir Hoffnung finden.

Ewiger Gott,

in dir findet unsere Zeit ihr Maß und ihr Ziel. Auf dich trauen wir und bitten für den Prinzen und die Prinzessin von Preußen und die ganze königliche Familie. Sie ist wie jede Familie, wie dein ganzes Volk, eine Gemeinschaft der Lebenden und der Toten, als solche mögen sie unserem Lande dienen.

Großer Gott,

hilf uns, dass wir in der Geschichte nicht eigenen Ruhm suchen, sondern dein Wirken erblicken. Schenke deinem Volk Einheit und Frieden und gib, dass wir untereinander gesinnt seien, wie Jesus Christus auch war: Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. In seinem Namen sollen sich alle derer Knie beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind und alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist.

Mit ihm und in Gemeinschaft der ganzen Kirche wollen wir beten:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. 

Amen.


Sendung und Segen

Video von der Beisetzung 1921 in Potsdam, hier gefunden


Gedenkgottesdienstes zum 100. Todestag von Kaiserin Auguste Viktoria am Sonntag Quasimodogeniti 2021 in Potsdam

Potsdam, Sanssouci, Friedenskirche, hier gefunden


Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Herr sei mit euch!

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 

1Petr 1,3

Unter diesem Vers feiern wir Gottesdienst an diesem österlichen Sonntag, der den schönen Namen Quasimodogeniti – gleichwie die neugeborenen Kindlein – trägt. In österlicher Freude gedenken wir auch des Sterbens Ihrer Majestät der Kaiserin Auguste Viktoria, das sich vor 100 Jahren ereignet hat. Die Kirche ist die Gemeinschaft der Lebenden und der Toten. Wir dürfen sie in unserer Mitte wissen, wenn wir singen, beten und unseren Glauben bekennen. Wenn wir als Christen für unsere Toten beten, dann dürfen wir gewiss sein, auch immer mit ihnen zu beten am Thron des auferstandenen Herrn. Ihn bitten wir:

Komm Du mit Deinem Segen. Stärke unsere Gemeinschaft mit Dir und untereinander. 

Lass uns Zeugen Deiner Auferstehung sein. Du bist der Herr, Du bist das Heil. Du bist König und Gott in Ewigkeit. Amen.

Psalm 126

1 Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.

2 Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Heiden: Der HERR hat Großes an ihnen getan!

3 Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich. 

4 HERR, bringe wieder unsere Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland. 

5 Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. 

6 Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.

Ehr´ sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Potsdam, Sanssouci, Friedenskirche, hier gefunden 


Kyrie & Gloria

Gebet

Lasset uns beten:

Allmächtiger Gott, der Du Deinen Sohn von den Toten auferweckt hast: Verleihe uns, dass auch wir, durch Deine Gnade wiedergeboren, in einem neuen Leben wandeln.

Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn / der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen


1. Lesung

Da aber Samuel alt ward, setzte er seine Söhne zu Richtern über Israel. Sein erstgeborener Sohn hieß Joel und der andere Abia, und sie waren Richter zu Beer-Seba. Aber seine Söhne wandelten nicht in seinem Wege, sondern neigten sich zum Geiz und nahmen Geschenke und beugten das Recht. Da versammelten sich alle Ältesten in Israel und kamen gen Rama zu Samuel und sprachen zu ihm: Siehe, du bist alt geworden, und deine Söhne wandeln nicht in deinen Wegen; so setze nun einen König über uns, der uns richte, wie alle Heiden haben. Das gefiel Samuel übel, daß sie sagten: Gib uns einen König, der uns richte. Und Samuel betete vor dem HERRN. Der HERR aber sprach zu Samuel: Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, daß ich nicht soll König über sie sein. Sie tun dir, wie sie immer getan haben von dem Tage an, da ich sie aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag, und sie mich verlassen und andern Göttern gedient haben. So gehorche nun ihrer Stimme. Doch bezeuge ihnen und verkündige ihnen das Recht des Königs, der über sie herrschen wird.

1 Sam 8, 1-9

Halleluja

Alliance-Wappen der Kaiserin Auguste Victoria, hier gefunden


Schleswig-Holstein-Lied


Schleswig-Holstein, meerumschlungen,

deutscher Sitte hohe Wacht,

wahre treu, was schwer errungen,

bis ein schönrer Morgen tagt!

Schleswig-Holstein, stammverwandt,

wanke nicht, mein Vaterland

Schleswig-Holstein, stammverwandt,

wanke nicht, mein Vaterland.


Teures Land, du Doppeleiche,

unter einer Krone Dach,

stehe fest und nimmer weiche,

wie der Feind auch dräuen mag!

Schleswig-Holstein, stammverwandt,

wanke nicht, mein Vaterland!

Schleswig-Holstein, stammverwandt,

wanke nicht, mein Vaterland!


Evangelium

Ehre sei Dir Herre!

Am Abend aber desselben ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den HERRN sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmet hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. 

Thomas aber, der Zwölf einer, der da heißt Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den HERRN gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, will ich's nicht glauben. Und über acht Tage waren abermals seine Jünger drinnen und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Türen verschlossen waren, und tritt mitten ein und spricht: Friede sei mit euch! Darnach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein HERR und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thomas, glaubest du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Joh 20, 19-29

Lob sei Dir Christus!


Credo

Potsdam, Sanssouci, Friedenskirche, hier gefunden 


Predigt 

1 Sam 8, 1-9 + Joh 20, 19-29


Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus!

Die Kirche ist die Gemeinschaft der Lebenden und der Toten. Wo wäre dies offensichtlicher als hier? Dort, wo Gottesdienst gefeiert wird, da steht die Gemeinde immer am Sarg.

Einhundert Jahre nach dem Sterben der Kaiserin ist es an der Zeit, sich grundsätzlich darüber zu verständigen, was ihr und diesem Volk widerfahren ist. Das Sterben einer Kaiserin, einer Königin von Preußen, betrifft niemals nur sie allein, sondern alle Menschen, deren Königin sie gewesen ist.

Lesung und Evangelium, die wir gehört haben, sollen uns bei diesem Nachdenken helfen.

Beiden Texten ist es gemeinsam, dass Menschen sich oft schwertun mit den unsichtbaren Dingen. Wir wollen sehen und im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Thomas will sich nicht begnügen mit dem, was andere ihm erzählen. Er kommt nicht zurecht mit dem nun unsichtbaren Herrn. Er will seinen Finger in die Nägelmale und seine Hand in die Seite Jesu legen. Er will sich durch Berührung vergewissern.

Wir begegnen hier einem ganz menschlichen Drang. Darüber hinaus aber erleben wir, wieviel Verständnis der Herr mit dieser menschlichen Schwäche hat. Er kommt erneut. Er zeigt sich. Er lässt den Zweifler nicht im Zweifel vergehen. 

Ganz ähnlich ist das, was uns bei Samuel erzählt wird. Die Menschen erleben Willkür und Korruption. Darum drängen sie ihre Ältesten, zu Samuel zu gehen und eine gründliche Reform für die Ordnung ihres Zusammenlebens zu verlangen. 

Sie wollen einen König, der sichtbar auf dem Thron sitzt, vernehmlich zu ihnen spricht und nach Recht und Gesetz über sie richtet. Sie sind des Unsichtbaren überdrüssig, weil nur Schlechtes hervorgebracht wird. Sie wollen sich im Sichtbaren vergewissern.

Zwei Dinge aber sind ihnen vermutlich gar nicht bewusst. Mit diesem Drängen verwerfen sie Gott, der doch ihr wahrer und einziger König ist. Aber vor allem legen sie einem Menschen ein Amt und eine Bürde auf, die er allein nicht tragen kann.

Samuel erkennt das sofort und es gefällt ihm übel, wie es in unserer Geschichte heißt. Als er sich dann aber im Gebet an den Herrn wendet, da muss er erfahren, dass Gott barmherzig ist. So wie sich der Auferstandene mit den Malen der Folter am Körper zeigt, so gewährt der Herr seinem Volk ein irdisches unvollkommenes Königtum, weil es danach verlangt.

Das ist die Situation von Menschen, denen in dieser Welt das Amt eines Königtums auferlegt ist.

Auguste Viktoria hatte davon durchaus einen Begriff, als sie mit ihrer Hochzeit begann, auf den Thron zuzugehen. 

„Soll´s uns hart ergehen, lass uns feste stehn,

Und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen.“

Wir wissen, dass dies unser Weg ist, so hat sie es am Tage vor ihrer Vermählung bekundet, und so haben es die Menschen auf dem Magdeburger Hauptbahnhof gesungen, als ihr Sarg ins Reich zurückkehrte.

Eine Königin, die der Krone gerecht werden will, muss größeres Gottvertrauen besitzen als andere Menschen, denn sie spiegelt seine Gegenwart in der Welt. Dadurch wird sie zu dem, was Friedrich von Hardenberg, der uns als Novalis geläufig ist, in der Sentenz zusammengefasst hat: „Ein wahrhaftes Königspaar ist für den ganzen Menschen, was eine Constitution für den bloßen Verstand ist.“ 

In diese Vorstellung passt es, das Königspaar als einen Teil jener uns heute fernen Poesie und Romantik des Staates zu sehen, von der auch wieder Novalis gehofft hat, dass sie dazu in der Lage wäre, die Wunden zu heilen, die der Verstand schlägt.

Die Gemeinschaft eines großen Volkes braucht einen verbindenden Glauben, die Bereitschaft zum Dienst und zur Pflichterfüllung und sie braucht Treue. Glaube, Dienst und Treue eines Volkes werden in ihrem Verhältnis zum Königspaar verwandelt. Sie bleiben keine kalten abstrakten Größen, sondern werden Ausdrucksformen einer konkreten Beziehung. Sie werden Ausdrucksformen der Liebe, ohne die menschliches Leben nicht denkbar ist.

Wir alle kennen den Verlauf unserer Geschichte. Es ist hier nicht der Ort, um alle ihre schmerzlichen, verhängnisvollen und auch grausamen Seiten wieder hervorzukehren. Eine Tatsache bleibt allein, dass jemand, der auf die höchste Höhe emporgehoben war, nun in die tiefste Tiefe hinabgestoßen wurde. Und selbst darin war nur ein Vorzeichen von all dem gegeben, was noch kommen sollte. Aus einem so vollständigen Treuebruch, aus dem Verwerfen jeder Tradition und der Aufgabe einer Kontinuität, die beinahe ein Jahrtausend getragen hatte, konnte nichts Gutes erwachsen. Und der Fortgang der Ereignisse hat dies dann nur bestätigt.

Ich will darum ein drittes Mal Novalis zitieren: „Ein einstürzender Thron ist, wie ein fallender Berg, der die Ebene zerschmettert und da ein todtes Meer hinterläßt, wo sonst ein fruchtbares Land und lustige Wohnstätte war.“

Wohl war den Menschen, als sie Auguste Viktoria 1921 unter gewaltiger Anteilnahme zu Grabe trugen, dies bereits eine schmerzliche, noch dunkle Ahnung. Das Zusammengehörigkeitsgefühl unseres Volkes krönte sich gleichsam selbst durch die Verehrung der Königin! 

Das Sichtbare aber war nun vergangen und es mussten Trost und Hoffnung wieder allein in den unsichtbaren Gütern, nämlich in Gottes Verheißungen gesucht werden.

Jochen Klepper konnte noch dichten:

Noch leben Söhne fürstlicher Geschlechter,

Die du als Ordner unter uns gesandt.

Laß uns nicht ohne Mahner, ohne Wächter;

Gib Könige und Propheten allem Land.


Einhundert Jahre ist dies nun alles her. Geblieben sind scheinbar nur die Träger königlicher Namen. Es könnte nachdenklich machen, wie sehr diese unserer Gegenwart wieder zum Stein des Anstoßes geradezu zum Ärgernis werden.

Werdet daran nicht irre. Das mit dem königlichen Namen verbundene Amt liegt nämlich nicht in irgendeinem Vorrecht, sondern allein in der Pflicht gegenüber dem Volk. Hier besteht sie darin, zu bekunden, was eine Königin ist und mit Blick auf Auguste Viktoria zu bezeugen die Mutter, in ihrer Liebe, die Christin, in ihrem Glauben, die Kaiserin, in ihrer Treue und in allem ihren Glanz.

Amen


Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem auferstandenen Herrn. Amen


Christ ist erstanden

von der Marter alle.

Des solln wir alle froh sein;

Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis.


Wär er nicht erstanden,

so wär die Welt vergangen.

Seit dass er erstanden ist,

so lobn wir den Vater Jesu Christ´. 

Kyrieleis.


Halleluja,

Halleluja,

Halleluja.

Des solln wir alle froh sein;

Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis.


Fürbitte & Vater unser


Wir wollen Fürbitte halten und zu Gott beten mit dem gemeinsamen Ruf: Herr, erbarme Dich!

Allmächtiger Gott, wir danken Dir für die Auferstehung Deines Sohnes, unseres Erlösers und bitten Dich, mache uns zu treuen Zeugen seines Sieges im Glauben an Dich.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.

Ewiger Gott, wir danken Dir für die Gemeinschaft der Heiligen. Durch sie bleiben wir verbunden mit allen Menschen und mit Deinen Wundern. Wir bitten Dich, stärke Deine Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit und schenke ihr nach Deinem Willen Einheit und Frieden.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.

Barmherziger Gott, wir danken Dir für das Leben von Auguste Viktoria. Du hast der Welt durch sie ein bleibendes Zeichen gegeben. Wir bitten Dich mit ihr für die königliche Familie. Segne den Prinzen und die Prinzessin von Preußen und schenke ihnen Glaube, Liebe und Hoffnung.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.

Gütiger Gott, wir danken Dir für Deine Gegenwart und bitten Dich um Segen und Frieden für unser Volk und für alle Völker, für unser Land und für alle Länder, denn Du hältst die ganze Welt in Händen und rufst Dein Volk aus allen Völkern.

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme Dich.

In der Gemeinschaft mit der Gottesmutter Maria, mit der ganzen Kirche, und mit der verewigten Kaiserin beten wir, wie Christus uns zu beten gelehrt hat:


Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme, dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. 

Amen.


Nun danket alle Gott

mit Herzen, Mund und Händen,

der große Dinge tut

an uns und allen Enden,

der uns von Mutterleib

und Kindesbeinen an

unzählig viel zu gut

bis hierher hat getan.


Der ewigreiche Gott

woll uns bei unserm Leben

ein immer fröhlich Herz

und edlen Frieden geben

und uns in seiner Gnad

erhalten fort und fort

und uns aus aller Not

erlösen hier und dort.


Lob, Ehr und Preis sei Gott

dem Vater und dem Sohne

und Gott dem Heilgen Geist

im höchsten Himmelsthrone,

ihm, dem dreiein’gen Gott,

wie es im Anfang war

und ist und bleiben wird

so jetzt und immerdar.


Sendung & Segen


Gehet hin im Frieden des Herrn! 


Der HERR segne dich und behüte dich,

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,

Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.


Amen


Wenn ich einmal soll scheiden,

so scheide nicht von mir!

Wenn ich den Tod soll leiden,

so tritt du dann herfür!

Wenn mir am allerbängsten

wird um das Herze sein,

so reiß mich aus den Ängsten

kraft deiner Angst und Pein.


Erscheine mir zum Schilde,

zum Trost in meinem Tod

und lass mich sehn dein Bilde

in deiner Kreuzesnot!

Da will ich nach dir blicken,

da will ich glaubensvoll

fest an mein Herz dich drücken.

Wer so stirbt, der stirbt wohl.


Kaiserinstandarte, hier gefunden

Auf dem Fahnennagel der Kaiserinstandarte im Antikentempel war zu lesen:

Ich habe Tage des Glücks geseh’n

Sah Deutschlands Ruhm, Deutschlands Vergeh’n.

In Tagen des Elends und Tagen der Schmach

Folg der seligen Kaiserin zur Ruhe ich nach.

Bleiben will ich an dieser Statt

Bis das Reich wieder Kaiser und Krone hat.

Herr Gott hilf.


Eben diese Standarte wurde beim Gedenken an die Kaiserin Auguste Viktoria an ihrem Grabmal wieder aufgerichtet.

Liturgie und Predigt sind gehalten worden von Herrn Th. Roloff, weitere Bilder werden voraussichtlich am Dienstag folgen.

Nachtrag:

Leider nein, da sie nichts geworden sind. Aber vielleicht erbarmt sich noch ein anderer Photographiert-Habender.