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Montag, 16. August 2021

Afghanistan


Darul-Aman-Palast 1982, hier gefunden


Darul-Aman-Palast 2015 (angeblich sei er inzwischen wieder zu 90 % aufgebaut gewesen), hier gefunden


Theodor Fontane

Das Trauerspiel von Afghanistan


Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt,

Ein Reiter vor Dschellalabad hält,

„Wer da!“ – „„Ein britischer Reitersmann,

Bringe Botschaft aus Afghanistan.““


Afghanistan! er sprach es so matt;

Es umdrängt den Reiter die halbe Stadt,

Sir Robert Sale, der Commandant,

Hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.


Sie führen in’s steinerne Wachthaus ihn,

Sie setzen ihn nieder an den Kamin,

Wie wärmt ihn das Feuer, wie labt ihn das Licht,

Er athmet hoch auf und dankt und spricht:


„Wir waren dreizehntausend Mann,

Von Cabul unser Zug begann,

Soldaten, Führer, Weib und Kind,

Erstarrt, erschlagen, verrathen sind.


„Zersprengt ist unser ganzes Heer,

Was lebt, irrt draußen in Nacht umher,

Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt,

Seht zu, ob den Rest ihr retten könnt.“


Sir Robert stieg auf den Festungswall,

Offiziere, Soldaten folgten ihm all’,

Sir Robert sprach: „Der Schnee fällt dicht,

Die uns suchen, sie können uns finden nicht.


„Sie irren wie Blinde und sind uns so nah,

So laßt sie’s hören, daß wir da,

Stimmt an ein Lied von Heimath und Haus,

Trompeter, blas’t in die Nacht hinaus!“


Da huben sie an und sie wurden’s nicht müd’,

Durch die Nacht hin klang es Lied um Lied,

Erst englische Lieder mit fröhlichem Klang,

Dann Hochlandslieder wie Klagegesang.


Sie bliesen die Nacht und über den Tag,

Laut, wie nur die Liebe rufen mag,

Sie bliesen – es kam die zweite Nacht,

Umsonst, daß ihr ruft, umsonst, daß ihr wacht.


Die hören sollen, sie hören nicht mehr,

Vernichtet ist das ganze Heer,

Mit dreizehntausend der Zug begann,

Einer kam heim aus Afghanistan.



"The Char-Chatta Bazaar of Kabul", by A. Gh. Brechna, 1932, hier gefunden

Donnerstag, 2. April 2015

Auf dem Weg zu Bismarck (oder auch von ihm weg)


Auf unserem Weg zum Geburtsort des Reichskanzlers blieben wir an 2 Orten länger, die emblematischer für Brandenburg kaum sein könnten (gut, Havelberg wurde auch durchquert, aber dies ist schließlich nur ein Blog) - Neuruppin und Tangermünde.

Neuruppin, da genügt es, die Namen Schinkel und Fontane zu nennen, die beide hier geboren wurden. Was die Stadt baukünstlerisch so merkwürdig macht, ist ihre weiträumige Anlage und ihr noch weitgehend erhaltener klassizistischer Stil, der vom Wiederaufbau nach einem verheerenden Stadtbrand 1787 herrührt. Aber lassen wir Fontane selbst zu Wort kommen:

„Die Stadt Ruppin hat eine schöne Lage ... Nach dem großen Feuer, von dem sie fast ganz verzehrt ward (wie wenn man von einem runden Brot die beiden Kanten übrig läßt), wurde sie in einer Art Residenzstil wieder aufgebaut. Lange, breite Straßen durchschneiden die Stadt, nur unterbrochen durch stattliche Plätze, auf deren Areal unsere Vorvordern selbst wieder kleine Städte errichtet hätten. Für eine reiche Residenz voller Paläste und hoher Häuser, voll Leben und Verkehr, mag solche Anlage die empfehlenswertheste sein; für eine kleine Provinzialstadt aber ist sie bedenklich. Sie gleicht einem auf Auswuchs gemachten Staatsrock, in den sich der Betreffende nie hineinwachsen kann. Dadurch entsteht eine Oede und Leere, die zuletzt zu dem Gefühl einer versteinerten Langeweile führt.“

Der hier zu sehende Bau einer eher seltenen klassizistischen Kirche steht auf einem dieser gerade harsch bemängelten großzügigen Plätze, obwohl er nur noch der Historie nach eine Kirche ist, „Veranstaltungszentrum Sankt Marien“ nennt er sich jetzt. Tatsächlich gibt es in dieser Stadt viel leeren Raum, aber solange an seinen Rändern zumeist wohlproportionierte, bescheiden liebenswürdige Häuser auftauchen, nehme ich ihn gern in Kauf. Überhaupt mag der Feinsinn, den Fontane mit seiner Kritik an den Tag bringt, zu seinen Tagen sein Recht gehabt haben, für uns, die wir reichlich gruseligere Plätze ertragen müssen, ist er kaum mehr leistbar.





Und nun haben wir auch schon den berühmtesten Sohn des Ortes, wenn er auch nur bis zu seiner frühesten Jugend dort verblieb; schuld war der erwähnte große Stadtbrand, an den er seinen Vater verlor. Gegenüber der Kirche hat er seit 1883 sein Denkmal. Fontane schreibt über ihn u.a. recht rührend:

„Diese zwei Zeichnungen... sind muthmaßlich alles, was die ganze Grafschaft Ruppin von dem bedeutendsten Manne besitzt, den sie je hervorgebracht hat; denn wie viel Tüchtiges auch, im Lauf der Jahrhunderte, an den Ufern des Ruppiner See’s emporgewachsen ist, keiner ragt an den Superintendenten-Sohn heran, der das alte Berlin in eine Stadt der Schönheit umgeschaffen und ihm hoffentlich für immer den Stempel seines Geistes aufgedrückt hat.“

Nun ja. Schinkels Geist ist sicher noch aufspürbar. Einer erneuten Epiphanie desselbigen harren wir aber noch.


Das nachfolgende war sicherlich keine derartige, obwohl das Gebäude nicht ohne Reiz ist. 1894/95 als Landratsamt erbaut, fungiert es heute wieder als solches; irgendwie haben gefühlte oder tatsächliche Kontinuitäten auch ihren Reiz. Aber man merkt schon, wie im Stilempfinden und -wollen um 1900 doch auch einiges recht durcheinander ging.



„... in Front des stattlichen Gymnasial-Gebäudes (mit seinem Laternenthurm und seiner Inschrift: »Civibus aevi futuri«) das Bronzebildnis König Friedrich Wilhelm’s II. ..., das die Stadt ihrem Wohlthäter und Wiedererbauer errichtete. Es heißt, es sei dies die einzige Statue des Königs im ganzen Preußenlande, König Friedrich Wilhelm II. besitze kein zweites Denkmal. Wenn dem so ist, dann um so besser, daß keine politische Erwägung, keine moralische Ueberhebung mit zu Rathe saß, als vor etwa 30 Jahren bürgerliche Dankbarkeit einfach aussprach: 'Wir schulden ihm ein Denkmal, weil er unser Wohlthäter war, und gedenken diese Schuld zu zahlen.' Die Statue, in etwas mehr denn Lebensgröße, ist eine Arbeit Friedrich Tiecks. Gedanklich ist sie ziemlich unbedeutend und alltäglich; zeigt aber doch in Form und Haltung jenes Maß und jene Einfachheit, die, wo andre Vorzüge fehlen, selbst schon als Vorzug gelten mögen.“


Das oben ist besagtes Gymnasium, 1790 eingeweiht und „den Bürgern des künftigen Zeitalters“ gewidmet; der Vorgängerbau war ebenfalls beim Stadtbrand 1787 vernichtet worden. Als Ortsunkundiger denkt man nicht sofort an ein Gymnasium, aber auch dies ist, recht betrachtet, ein Ausweis inzwischen selten anzutreffender Wertschätzung höherer Bildung.

Daß unser „dicker Lüderjahn“ doch noch sein Denkmal bekam und ausgerechnet in der Stadt, die man vielleicht zurecht die preußischste aller preußischen nennen könnte, ist denkwürdig. Aber es ist ja nun so, daß er in nicht selbstverständlicher Weise sich um ihre Wiederherstellung kümmerte. Und im Jahre 1829, als lange sein ihn wenig wertschätzender Sohn Friedrich Wilhelm III., der einstmalige Gatte unserer hochgeschätzten Königin Luise, regierte, war dies auch beim besten Willen kein Ausdruck von Opportunismus o.dgl., sondern, wie Fontane es beschreibt.

Übrigens, was dort so selbstverständlich dasteht, ist eine Kopie. Wie sollte uns das überraschen. 1947 wurde das Standbild entfernt und Karl Marx kam auf den verwaisten Sockel. Doch bald requirierten die sowjet-russischen Besatzer denselben für einen Lenin auf ihrem Neuruppiner Kasernengelände und Marx mußte einen Ersatzunterbau finden. Als der Spuk endlich vorbei war, fand sich der Sockel wieder, und seit 1998 gibt es also die Kopie auf dem Original-Sockel an alter Stelle. Tempora mutantur. Um manchmal in einer Art Kreisbewegung wieder am alten Ort anzukommen, äußerlich zumindest.



Denn allzu vieles von diesem Anknüpfen und Wiederherstellen hat offenkundig kaum tieferen Grund, da die Kenntnis nur noch oberflächlich und das Wohlwollen für den Gegenstand bestenfalls eingeübt und vorgestellt ist. Dazu paßt irgendwie, wenn auch etwas krumm, eine Äußerung, die Fontane in seinem Ruppin-Kapitel der „Wanderungen“ über die historische Unbildung weiter Bevölkerungsschichten macht:

„Die Unkenntnis und Indifferenz ist grenzenlos und sollte denen nachzudenken geben, die nicht müde werden, von dem Wissen und der Erleuchtetheit unserer Zeit zu sprechen. Erstaunlich ist es namentlich, wie absolut nichts unser Volk von jener Periode unsrer Geschichte weiß, die der vorlutherischen Zeit angehört. Man kennt weder die Dinge, noch die Bezeichnungen für die Dinge; die bloßen Worte sind unserer protestantischen Sprache wie verloren gegangen. Man mache die Probe und frage z. B. einen Märkischen Landbewohner, was der 'Krummstab' sei? Unter Zwanzigen wird es nicht Einer wissen. In der Ruppiner Klosterkirche fragte ich die Küstersfrau, welche Mönche hier früher gelebt hätten? worauf ich die Antwort erhielt: 'Mein Mann weeß et; ich jlobe, et sind kattolsche gewesen.'“

Berlin, Bismarck-Nationaldenkmal
hier gefunden

Und schon verlassen wir Neuruppin und sind bei einem anderen Denkmal (Tangermünde muß warten). Wir sahen gerade das Bismarck-Nationaldenkmal von 1901, das zunächst vor dem Reichstag stand, bis die  Herren des III. Reiches es 1938 in den Tiergarten gewissermaßen zwischen die Bäume abschoben. Dort ist das Werk von Reinhold Begas noch heute aufzufinden (neben manch anderem, das sich dort in die Nachbarschaft verirrt hat). So groß kann die behauptete Nähe also offensichtlich nicht gewesen sein, daß sie sich des Anblickes regelmäßig prominent aussetzen wollten.

Bismarck-Nationaldenkmal vor dem Reichstag, um 1900

Das öffentliche Gedenken an den 200. Geburtstag des Reichskanzlers war eine recht merkwürdige Melange aus bemühtem Vergessen, notorischem Ressentiment, stolz präsentiertem Nichtwissen, abgelieferten Pflichtakten (etwa in Form von Artikeln, die vor allem aus in Streifen geschnittenen und verschieden neu zusammengesetzten Agenturmeldungen bestanden, selbst in Zeitungen, die sich immer noch als seriös bezeichnen) und einigen erfreulichen Ausnahmen.

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung, Friedrichsruh, hatte zum 1. April nach Berlin zu einem Festakt ins Zeughaus geladen und der Bundesminister der Finanzen hielt dabei die Hauptrede. Man mag sie hier nachlesen, ich fand sie in ihrer offenen, fast frischen, durchaus nachdenklichen, in jedem Fall gut informierten Weise geradezu angenehm. Auch wenn ich einige gedankliche Prämissen nicht teile, aber man muß eine durchdachte Position auch für sich stehen lassen können, wenn sie eben das erkennbar ist. Z.B. mit Sätzen wie:

"Unsere Geschichte im 20. Jahrhundert hat uns emotional auch von unserer Geschichte im 19. Jahrhundert abgeschnitten. Es wäre ein anderes Verhältnis vorstellbar zu diesem Geburtsjahrhundert unserer heutigen Welt."

Oder: „Das ist die eine Konstante in seinem Leben und in seinem Jahrhundert: Das Ringen um beständige Ordnungen, um Stabilität, oft genug nach großen Umwälzungen und dramatischen Veränderungen...“

Und um wenigstens anzudeuten, wo meine Skepsis liegt, Herr Dr. Schäuble ist unverkennbar ein Protagonist transnationaler Ordnungen, zunächst und vor allem in Europa. Das gab es auch schon früher. Doch damit verbindet sich dann ein Zivilglaube (in meinen Augen) an eine Weltrechtsordnung, gewaltfreie Konfliktbewältigung, Kooperation statt Konfrontation...

Worauf er gezwungen ist, bedauernd zu konstatieren: "...da muss man ja leider erkennen, dass um uns herum die Welt noch einmal wieder der Welt Bismarcks ähnlicher geworden ist. Es ist einiges zurückgekommen, das wir fern gerückt glaubten: ein Denken in Einflusssphären, in Räumen und Reichen, eher altertümliche Vorstellungen von Macht, militärisch grundiert, Staaten, die sich gedemütigt fühlen und Genugtuung suchen.“ Da könne dann eine Beschäftigung mit Bismarcks Politik in seiner Zeit „zwar nicht klug für ein andermal, aber eben doch ein Stück weiser für den Umgang mit unseren heutigen Problemen“ machen.

Eine tatsächliche Dosis „Realpolitik“, also sich nicht die Wirklichkeit schönzureden, sondern auf die im Zweifel häßliche Realität zu schauen, wäre da schon ein Anfang. Aber das soll es dazu auch sein.


Bismarck-Nationaldenkmal im Tiergarten, von der Siegessäule

Um nur ein Beispiel eines der schauerlicheren Artikel zu bringen (an dem sich der Zeitgeist wie auf einem Barometer förmlich ablesen läßt), so schaue man hier.  Die Parole „Deutschland“ sei nur „Mittel zum großpreußischen Zweck“gewesen. Und dafür zerstörte Bismarck die schöne europäische Staatenordnung jener Zeit, die auf dem Gleichgewicht der Kräfte beruhte (und bekanntermaßen waren alle Akteure wohlgesittet und wären nie auf den Gedanken gekommen, die ausgedehnte Kleingartenanlage, wo man deutsch sprach, begehrlich ins Auge zu nehmen – Napoleon I wollte doch nur den Code civil über Europa bringen und die Menschenrechte - und warum wollten die Deutschen nur unbedingt in einem Staat leben, wo sie doch so viele davon haben konnten). Dann muß auch noch die Linie von Bismarck zu Hitler ein wenig aufgewärmt werden, und folglich wurde der deutsche Nationalstaat, der eben noch so überflüssig war, erst 1949 gegründet. Das lassen wir jetzt alles so stehen.

Bismarck, Nationaldenkmal, Berlin

Inzwischen sind wir in Schönhausen angekommen. Die Predigt des Herrn Roloff im Gedenkgottesdienst hatte ich immerhin noch dokumentiert. Ich wollte ihr eigentlich auch gar nichts hinzufügen, da sie mir ebenfalls sehr durchdacht erscheint (beiläufig bemerkt, habe ich persönlich meinen Respekt für Bismarck eher erarbeiten müssen, da ist mir Herr Roloff deutlich voraus, das nur nebenbei). Der Gottesdienst war würdevoll, außerordentlich gut besucht, nur hatte ich das Empfinden, es sei draußen deutlich wärmer als drinnen; insofern war jedes Ausharren ein deutlicher Akt der Tapferkeit, der allseits begangen wurde.

Am Geburtsort Bismarcks fand, abgesehen vom Gedenkgottesdienst, ansonsten an diesem Tage nichts statt. Am nächsten gab es immerhin noch eine launige Präsentation von Sonderbriefmarken und -münzen durch den vormaligen Ministerpräsidenten dieses Landes.

Und ja, ich vergaß, es würde auch noch ein buntes Fest der Demokratie gegen das Böse und für das Gute geben. Die Anzeichen war schon unübersehbar. Die diesen Ort Besetzenden sahen sich dabei offenkundig in einem nicht einmal Donquichotte-würdigen Abwehrkampf gegen das vor-vorige Jahrhundert. Und hatten daher die historischen Kanonen mit Plastikdeckchen eingehüllt, sozusagen als Abwehrzauber gegen das vergangene Mord-Lüsterne, also als Zeichen gegen Gewalt, der gerade in diesen ländlich schlichten vorgestrigen Landstrichen die unaufgeklärten Einheimischen schnell wieder anheimfallen könnten. Was ein Voodoo und gleichzeitig was für anthropologische Trouvaillen. Davon denn doch keine Bilder, nur eine Erinnerung.


nachgetragen am 8. April

Samstag, 19. April 2014

Der Sturm auf die Düppeler Schanzen

Der Flensburger Löwe

Dieser griesgrämige Löwe ist ein Denkmal für einen vergeblichen Sieg, sage ich mal so, aber der Reihe nach.

Herr Roloff hat an einem anderen Ort an ein Ereignis von vor 150 Jahren erinnert, das, wie man im Nachhinein weiß, ein wichtiger Schritt hin zur Reichseinigung sein sollte. Der deutsch-dänische Krieg wurde de facto am 18. April 1864 entschieden (wenn man die Schlacht von Alsen außer Acht lassen will, darum im Anschluß gleich noch dieser "schmissige" Marsch von Herrn Piefke). Ich wollte seinen Text gern hier auch bringen, aber an einem Karfreitag erschien mir das doch eher unpassend.


Der "Alsenströmer" von Gottfried Piefke

Ich will den Anlaß seiner Ausführungen nicht korreferieren, nur ein paar Randglossen hinzufügen:

Zunächst: Der obige Flensburger Löwe oder Idstedter Löwe erinnert an einen Vorgang, der diesem voranging, nämlich den Sieg der Dänen 1850. Daß die Schleswig-Holsteiner sich im 19. Jahrhundert zum überwiegenden Teil als fremdbeherrscht ansahen, ist ein aufschlußreiches Beispiel dafür, wie Dinge äußerlich gleich zu bleiben scheinen und sich doch völlig ändern. Im alten Reich war der dänische König als Landesherr Reichsfürst gewesen, das alte Reich gab es aber nun nicht mehr (staatsrechtlich ist es noch etwas verwickelter, aber belassen wir es dabei), und selbst im eigentlich dänisch-deutschen Königreich (etwa die Hälfte der Bevölkerung war deutsch und es gab starke geistig-kulturelle Verbindungen nach Süden) begann der Nationalismus sein zerstörerisches Wirken.

Das obige Siegesdenkmal steht (wieder) in Flensburg. Dieser recht ausgewogene Artikel scheint wirklich alle Seiten dazu zu Wort kommen zu lassen und hat zum Ende hin den interessanten Satz: „Da 2012 dänischerseits heftige Kritik an Plänen darüber laut wurde, ein eigens dafür entworfenes Versöhnungsdenkmal auf den Düppeler Schanzen zum gemeinsamen deutsch-dänischen Erinnern zu errichten, verstärkt sich nun durch die Aufstellung des 'Idstedt-Löwen' die Asymmetrie der Erinnerungskultur im Grenzland“. Dazu fällt einem manches ein, aber wir wollen nur anmerken. Das deutsche Pendant bei Düppel gibt es natürlich nicht mehr: „Acht Tage nach (sic!) Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Denkmal im Mai 1945 von dänischen Widerstandskämpfern gesprengt“, lese ich hier (ich liebe diesen nachgetragenen Heldenmut, aber den gibt es überall und immer wieder).

Ach und Fontane hat ein sehr patriotisches Gedicht aus diesem Anlaß geschrieben, das man in Gänze an diesem Ort nachlesen kann. Ein Spandauer, Carl Klinke, soll sich selbst mit den Worten geopfert haben: „Ick bin Klinke, ick öffne dit Tor!“ :

Palisaden starren die Stürmenden an,
Sie stutzen; wer ist der rechte Mann?
Da springt von achten einer vor:
»Ich heiße Klinke, ich öffne das Tor!« –
Und er reißt von der Schulter den Pulversack,
Schwamm drauf, als wär's eine Pfeif' Tabak.
Ein Blitz, ein Krach – der Weg ist frei –
Gott seiner Seele gnädig sei!
Solchen Klinken für und für
Öffnet Gott selber die Himmelstür.

deutsches Siegesdenkmal bei Sonderburg


Kalenderblatt
Sturm auf die Düppeler Schanzen vor 150 Jahren


Mit dem Sturm auf die Düppeler Schanzen am 18. April 1864 fand der deutsch-dänische Krieg seine Entscheidung. Er ist der erste der drei Deutschen Einigungskriege. Seine Ursache lag wohl vor allem in dem Umstand, dass sich das deutsche Nationalgefühl mit den überkommenen dänischen Souveränitätsrechten über die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg nicht abfinden wollte. Bereits 1848 hatte sich daran ein Krieg entzündet. In ihm konnte Dänemark noch bestehen, wurde aber durch das Londoner Protokoll von 1852 dazu verpflichtet, die Selbständigkeit und Einheit der Herzogtümer innerhalb des dänischen Gesamtstaats zu wahren und Schleswig nicht enger an Dänemark zu binden als Holstein und Lauenburg, die auch staatsrechtlich zum Deutschen Bund gehörten.

Nationale Stimmungen gab es aber auch in Dänemark. Die sogenannten Eiderdänen verlangten massiv nach einer Ausweitung der vollen dänischen Souveränität bis an die Eider, der südlichen Grenze Schleswigs. Eine entsprechende Verfassungsänderung durch König Christian IX. sollte diesen Anspruch durchsetzen, verletzte aber die Bestimmungen des Londoner Protokolls, worin für den Deutschen Bund ein legitimer Kriegsgrund gegeben war. Österreich, Preußen, Sachsen und Hannover wurden gemeinsam durch den Bundestag beauftragt, die entsprechenden militärischen Schritte zu unternehmen. Am 1. Februar 1864 begann dann der Krieg, den Preußen und Österreich gemeinsam führten. Mit dem Sieg der Verbündeten an den Düppeler Schanzen war die dänische Niederlage besiegelt.

In Folge des Krieges wurden die Herzogtümer dauerhaft an Deutschland gebunden und 1867 in eine preußische Provinz verwandelt. Der Erwerb Lauenburg für Preußen brachte dem späteren Reichsgründer die Erhebung in den erblichen Grafenstand ein. Vor allem aber war es Bismarck gelungen, Preußen an die Spitze der deutschen Nationalbewegung zu stellen und in Europa ein militärisches Achtungszeichen zu setzen. Im deutsch-dänischen Krieg zeichnete sich die Bedeutung von Eisenbahn und moderner Bewaffnung für den Schlachtverlauf ab. 10.000 Gefallene waren auf beiden Seiten zu beklagen. Im Vergleich zu den Opferzahlen der Kriege, die folgen sollten, erscheint das gering. Dennoch prägte der Waffengang die nationale Erinnerung auf beiden Seiten der Grenze. Bei uns Deutschen ist sie inzwischen allerdings weitestgehend verblasst, was sicherlich mit dem Verlauf des 20. Jahrhunderts zu tun hat. Dänemark gedenkt der folgenschweren Niederlage aber nach wie vor jedes Jahr und am 18. April in Düppeln auch wieder im Beisein seiner Königin Margarethe II.

Vor der Geschichte bleibt der deutsch-dänische Krieg sicher einer der Punkte, an denen sich sichtbar und unaufhaltsam die Umformung unseres Kontinents aus den dynastischen Bindungen der Vergangenheit hin zu den modernen Nationalstaaten vollzogen hat. Das hatte überall dort Konflikte zur Folge, wo es eine nationale Homogenität der Bevölkerung nicht gab. Nun war das alte Europa aber in weiten Teilen genau durch diesen Zustand von gemischten Bevölkerungen geprägt, und gerade diese Landschaften zählten oft zu den kulturell fruchtbarsten. Es ist vielleicht das größte Verhängnis, dass man diesen Zustand nicht mehr gelten lassen wollte und ihn jeweils einer nationalen Dominanz opferte.

Thomas Roloff
nachgetragen am 20. April

Donnerstag, 20. Juni 2013

Zwischendurch - Bilder &


Wo nun dieser Ort also sicher verdämmert, erneut ein paar Bilder davon. Daß sie sich verzögert haben, hängt wirklich nur daran, daß das Wetter in seiner Mischung aus Gewitterbedrückung und zuvor geisttötender Hitze einfach ein wenig zuviel war. Später gibt es noch etwas Fontane, ein gern benutztes Gedicht von ihm, aber dennoch. Und das Bild des Jasmins vor dem grenzenlos erscheinenden Weiß -Blau des Himmels, muß ich seinen Duft beschreiben? Eine schöne Illustration der Unendlichkeit, nicht  wahr?


Theodor Fontane

Trost

Tröste dich, die Stunden eilen,
Und was all dich drücken mag,
Auch das Schlimmste kann nicht weilen,
Und es kommt ein andrer Tag.

In dem ew’gen Kommen, Schwinden,
Wie der Schmerz liegt auch das Glück,
Und auch heitre Bilder finden
Ihren Weg zu dir zurück.

Harre, hoffe. Nicht vergebens
Zählest du der Stunden Schlag,
Wechsel ist das Los des Lebens,
Und - es kommt ein andrer Tag.





nachgetragen am 22. Juni

Montag, 20. September 2010

Webmuster

Alte Englische Rose (Heritage) von David Austin
Photo: Mogens Engelund
hier gefunden

Theodor Fontane

O trübe diese Tage nicht


O trübe diese Tage nicht,
Sie sind der letzte Sonnenschein,
Wie lange, und es lischt das Licht
Und unser Winter bricht herein.

Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
Viel Tage gilt in seinem Werth,
Weil man's nicht mehr erhoffen mag,
Daß so die Stunde wiederkehrt.

Die Fluth des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz;

Ein süßer Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz,
O sorge, daß uns keine fehlt
Und gönn' uns jede Stunde ganz.


Oh, do not darken days like these

Oh, do not darken days like these,
the final rays from our sun,
for soon enough the light will cease
when our winter has begun.

This is the time, where ev'ry day
is worth so many days in turn,
because no longer hope can pray
that thus the hour will return.

The tide of life has come and passed
and low now lie allure and pride,
and look at our mind: at last
creeps anxious avarice inside:

a honeyed greed, that counts the hours,
and tests each one for shine and fit;
oh, make that ev'ry hour flowers,
and kindly grant us all of it.”

„ Mutterseelenallein“, daß dieses urdeutsch erscheinende Wort eingewandert ist, läßt erstaunen. Mutter-Seelen-allein - von Mutter und Vater, Gott und aller Welt verlassen, Verlorenheit in gesteigerter Form. Und so kam es zustande:

Am Anfang stand das französische „moi tout seul“, „ich ganz allein“ (ausgesprochen etwa: moa tu seöl). Es heißt, man hätte es in Deutschland von den Hugenotten in Berlin zuerst gehört, mag sein. Wenn man es hier nun aber nicht verstand, konnte ein Deutscher daraus „mutterseel“ heraushören (ich erinnere mich, wie eine Frau, die mit dem Katholischen nicht so vertraut war, mir einmal von dem wunderbaren Lied „Arme Maria“ erzählte; Menschen tragen gern einen vertrauten Sinn in etwas, das sie nicht kennen, das Phänomen ist folglich bekannt).

Einmal angenommen, der aufmerksame Franzose schickte dem verständnislos blickenden Deutschen ein „allein“ hinterher, so erschloß sich dem Zuhörer sofort einleuchtend der Sachverhalt und es entstand das schöne deutsche Wort „mutterseel‘allein“ - für einen allerdings weniger erfreulichen Zustand, nämlich den gänzlicher Verlassenheit und Verzweiflung, des völligen Ausgesetzt-Seins.

Beispiel: „Da stand ich nun unter Gottes freiem Himmel wieder auf dem stillen Platze mutterseelenallein, wie ich gestern angekommen war.“ (Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts)

Wie dieses scheinbar zusammenhanglose Gestammel zustande kommt? Das ist eher einfach. Durch einen Beitrag etwa, der nicht beendet wurde, stieß ich auf dieses wunderbare Bild einer alten englischen Rose, von der Art, die mir im letzten Winter eingegangen ist.

Und dann, wenn man sich ein wenig zur Geisel des Kalenders macht, fiel mir nicht nur auf, daß Theodor Fontane wieder einmal gestorben ist und die spätere Kronprinzessin Cecilie geboren wurde, nein, ich entdeckte auch, daß ich nun seit fast exakt 2 Jahren Geisteshervorbringungen des verehrten Prof. Aue mit seiner stillschweigenden Erlaubnis hier mißbrauche. Und unsere gegenseitige Kenntnisnahme begann ein wenig mit diesem Gedicht von Fontane und der schon einmal angezeigten Übersetzung. Merkwürdig.

Und da ich nun einmal geborener Mecklenburger bin, wäre es geradezu Landesverrat, nicht erneut auf diese Ansprache von Herrn Roloff über die Kronprinzessin Cecilie zu verweisen.

Ach und die kleine etymologische Petitesse - ich wurde heute kurz um poetische Amtshilfe gebeten, über den Ursprung eines Wortes und fand das. Alles sehr merkwürdig wie gesagt. Auch daß durch das offene Fenster in der regendiesigen Luft gerade Schüsse wiederhallen von augenscheinlich jagdfreudigen Menschen, nach dem Geräusch zu urteilen, vielleicht 400 - 500 Meter entfernt, auch dies ist seltsam irgendwie.

Was für seltsame Muster das Leben webt - aus unseren Ambitionen und Schwächen und Sehnsüchten und Eitelkeiten und Vorlieben und Ängsten und ….

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Fontane


Theodor Fontane 1890
hier gefunden

Keine Sorge, ich werde hier nicht tagespolitisch, selbst ich habe moralische Standards, die ich ohne hinreichenden Anlaß nicht unterschreiten möchte. Aber bekanntlich wurden wir jüngst darüber aufgeklärt, daß ‚Deutschlands Sicherheit auch am Hindukusch verteidigt wird‘.

Ähnliches haben andere Nationen früher auch schon so gesehen, allerdings dachten sie dabei eher an Interessen, wie etwa die Briten, die spätestens im 18. Jahrhundert entdeckten, daß sie auf der ganzen Welt welche hätten. Afghanistan ist eines der wenigen Länder, wo ihre Inbesitznahme-Versuche ziemlich kläglich scheiterten.

Wie ich darauf komme, nun es gibt ein Gedicht von Fontane, das einem da unvermittelt wieder in Erinnerung gerät, es handelt vom katastrophalen Rückzug Elphinstone’s aus Kabul und endet so:

"Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan."

Das ganze Gedicht „Das Trauerspiel von Afghanistan“ (1859) mag man hier nachlesen.

Heinrich Theodor Fontane wurde am 30. Dezember 1819 geboren, daher diese kurzen Bemerkungen zu ihm. Wenn man sich irgendwie der Mark Brandenburg verbunden fühlt, kann man gar nicht umhin, davon Kenntnis zu nehmen. Es ist wohl nicht verstiegen zu sagen, erst er habe dieser Landschaft literarisch wirklich ein Gesicht gegeben. Ob ihm der märkische Adel dies hinreichend dankte, in seinem Gedicht „An meinem Fünfundsiebzigsten“ hegt er da Zweifel, er beschreibt sich dabei recht hübsch selbst. Deshalb sei es zitiert:

Theodor Fontane

An meinem Fünfundsiebzigsten

Hundert Briefe sind angekommen
ich war vor Freude wie benommen,
nur etwas verwundert über die Namen
und über die Plätze woher sie kamen.
Ich dachte, von Eitelkeit eingesungen:
Du bist der Mann der "Wanderungen",
du bist der Mann der märk’schen Geschichte,
du bist der Mann der märk’schen Gedichte,
du bist der Mann des Alten Fritzen
und derer die mit ihm bei Tafel sitzen,
einige plaudernd, andere stumm,
erst in Sanssouci, dann in Elysium;
du bist der Mann der Jagow und Lochow,
der Stechow und Bredow, der Quitzow und Rochow,
du kanntest keine größere Meriten
als die von Schwerin und vom alten Zieten,
du fandst in der Welt nichts so zu rühmen
als Oppen und Groeben und Kracht und Thümen,
an der Schlachten und meiner Begeisterung Spitze
marschieren die Pfuels und Itzenplitze,
marschierten aus Uckermark, Havelland, Barnim
die Ribbecks und Kattes, die Bülow und Arnim,
marschierten die Treskows und Schlieffen und Schlieben,
und über alle hab‘ ich geschrieben.

Aber die zum Jubeltag da kamen,
das waren doch sehr andre Namen.
Auch "sans peur et reproche", ohne Furcht und Tadel,
aber fast schon von prähistorischem Adel:
Die auf "berg" und auf "heim" sind gar nicht zu fassen,
sie stürmen ein in ganzen Massen,
Meyers kommen in Bataillonen,
auch Pollacks und die noch östlicher wohnen,
Abram, Isak, Israel,
alle Patriarchen sind zur Stell‘,
stellen mich freundlich an ihre Spitze,
was sollen mir da noch die Itzenplitze!
Jedem bin ich was gewesen,
alle haben sie mich gelesen,
alle kannten mich lange schon,
und das ist die Hauptsache --- "Kommen Sie, Cohn!"

Ich bin mit Fontane nicht derart vertraut, daß ich hier eine längere Würdigung versuchen dürfte, merkwürdigerweise sind mir seine Dichtungen auch am präsentesten, wenngleich seine Romane und natürlich vor allem seine „Wanderungen“ nicht nur bedeutend sind, sondern zum Glück auch sehr angenehm zu lesen. Sie lassen sich halt in so einem Blog schlecht wiedergeben und darüber zu räsonieren, nun ja. Dann doch lieber einfach nur lesen. Ich etwa habe gerade für mich beschlossen, die „Fünf Schlösser“ wieder einmal in die Hand zu nehmen.

Aber mit einem anderen Gedicht muß ich einfach enden. Er schrieb es einen Tag nach Bismarcks Tod am 30. Juli 1898.

Theodor Fontane

Wo Bismarck liegen soll.
(Geschrieben am 31. Juli 1898)

Nicht in Dom oder Fürstengruft,
er ruh' in Gottes freier Luft
draußen auf Berg und Halde,
noch besser tief, tief im Walde;
Widukind lädt ihn zu sich ein:
»Ein Sachse war er, drum ist er mein,
im Sachsenwald soll er begraben sein.«

Der Leib zerfällt, der Stein zerfällt,
aber der Sachsenwald, der hält,
und kommen nach dreitausend Jahren
Fremde hier des Weges gefahren
und sehen, geborgen vorm Licht der Sonnen,
den Waldrand in Efeu tief eingesponnen
und staunen der Schönheit und jauchzen froh,
so gebietet einer: »Lärmt nicht so! -
Hier unten liegt Bismarck irgendwo.«

Sonntag, 20. September 2009

Preußische Momente


Wappen am Alten Rathaus, Potsdam
(c) nbwolf, hier zu finden

Theodor Fontane

Spätherbst

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern sind im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht, -
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh' Stille, Schnee und Winter kommt.


Late Autumn

Already the reds dot the leafy green,
the last mignonettes and asters are seen,
the grapes have been cut and the oats have been sold:
the fall has come, the year grows old.

And yet (though it's fall) the sun will still glow -
so throw out your sadness before it can grow!
Banish all sorrow and savour your life,
ere calm and winter snows arrive.

Übersetzung / Translation
von / by Walter A. Aue

Ich gestehe, ich war heute etwas versucht, meinem Hang zur Nachlässigkeit nachzugeben, aber dann erhielt ich einige wunderbare Bilder aus Potsdam, und da es zwei Namen gibt, an die ich schon erinnern sollte, und beide zudem zufällig mit Preußen zu tun haben, will ich es tun.

Das obige Bild zeigt, und jetzt hätte ich fast gesagt, das Potsdamer Stadtwappen, da gibt es nur einen Schönheitsfehler, das zeigt eigentlich den roten märkischen Adler auf goldenem Grund, während das preußische Wappen einen schwarzen Adler auf silbernem Grund darstellt. Nun, dieses Rätsel wird heute wohl ungelöst bleiben.

Theodor Fontane, auch heute noch der brandenburgische Leib- und Magendichter, starb am 20. September 1898, und der geborene Österreicher Aue wird mir hoffentlich nachsehen, solch preußischem Erinnern dienen zu müssen.

Der andere preußische Name hat eine starke mecklenburgische Beimischung, Cecilie Auguste Marie Herzogin zu Mecklenburg-Schwerin, die spätere Kronprinzessin Cecilie von Preußen, wurde am 20. September 1886 geboren. Über die letzte Kronprinzessin des Deutschen Reichs hat Herr Roloff eine beachtenswürdige Gedächtnisansprache gehalten, die wir an diesem Ort früher schon präsentiert haben, es sei also noch einmal an diese erinnert, zumal wir wenig hinzufügen hätten. Vielleicht, aber das wäre ein gesondertes Thema, das Nachdenken darüber, wie man es erträgt, wenn die Bestimmung der eigenen Existenz vollständig unerfüllt bleiben muß. Herr Roloff hat wie gesagt, dazu einiges beizutragen.

Freitag, 12. September 2008

Gedichte

Herr Walter A. Aue war so gütig, mir eben zu erlauben, seine Übersetzungen vornehmlich deutscher Gedichte ins Englische hier zugänglich zu machen, ich empfehle besonders seine Übersetzung von Herrmann Hesses „Lebensstufen“ , aber spontan wähle ich ein anderes Gedicht:

Theodor Fontane
O trübe diese Tage nicht

O trübe diese Tage nicht,
Sie sind der letzte Sonnenschein,
Wie lange, und es lischt das Licht
Und unser Winter bricht herein.

Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
Viel Tage gilt in seinem Werth,
Weil man's nicht mehr erhoffen mag,
Daß so die Stunde wiederkehrt.

Die Fluth des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz;

Ein süßer Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz,
O sorge, daß uns keine fehlt
Und gönn' uns jede Stunde ganz.


Theodor Fontane
Oh, do not darken days like these

Oh, do not darken days like these,
the final rays from our sun,
for soon enough the light will cease
when our winter has begun.

This is the time, where ev'ry day
is worth so many days in turn,
because no longer hope can pray
that thus the hour will return.

The tide of life has come and passed
and low now lie allure and pride,
and look at our mind: at last
creeps anxious avarice inside:

a honeyed greed, that counts the hours,
and tests each one for shine and fit;
oh, make that ev'ry hour flowers,
and kindly grant us all of it.”