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Samstag, 5. Oktober 2013

Eine kleine Mozart - Notiz



Wo ich eben von unserem kleinen Theater zurückkehre, das wenige Fuß-Minuten entfernt liegt (übrigens keine Garantie dafür, daß man nicht trotzdem fast zu spät kommen kann), muß ich gestehen, ich bin recht froh. Erst einmal, enttäuscht worden zu sein. Man geht ja heutzutage mit der größten Mißtrauensbereitschaft in so etwas, vom Ausstellen von Körperflüssigkeiten u.ä. Stumpfsinn belästigt zu werden. Aber dem war nicht so, nicht im geringsten.

Es war wirklich gut gesungen, nett illustriert, ohne Krampfattitüde, und was mir am angenehmsten erschien, es betonte die humoristischen Elemente an diesem „Weihefestspiel“ (und zwar nicht etwa flapsig). Ach so, nein, nicht Wagner, sondern Mozarts Zauberflöte. Denn offen und gut banausisch gesagt: Diese aufgeklärte Freimaurersprache von Tugend, Weisheit, Natur und Vernunft ist doch zu oft rechter Quark. Die Musik aber ist frisch und herrlich wie am ersten Tag.

Das obige Stück erscheint dort, weil mir die Melodie gerade nicht aus dem Kopf gehen will, das nächste, weil sich das Theater damit selbst darstellt (nun ja, manchmal ist es wirklich besser, man genießt einfach das leicht anders erscheinende Ergebnis).



Und bei dem nachfolgenden bedeutungsschwangeren -

„Der, welcher wandert diese Straße voll Beschwerden,
Wird rein durch Feuer, Wasser, Luft und Erden..“

- war ich verblüfft, daß mir das vollkommen entfallen war, dabei, wie eindrucksvoll! Ansonsten ist man ja gerade bei der Rolle der Königin der Nacht bekanntlich immer ganz gespannt, wie wohl die nächste Klippe umschifft werden wird.

Ansonsten gab es ein hübsches Moment, als an der Stelle, wo Tamino fragt „Sternflammende Königin!“, ob dies wohl die mächtige Herrscherin der Nacht sei, ein vielleicht 6jähriges Mädchen aus dem Publikum bedrückt antwortete: „Ja!“. Große allgemeine Heiterkeit. Ein erfreulicher Abend.


hier gefunden

Ach, wo ich nach Musikbeispielen suchte, diese Bergman- Version auf Schwedisch ist ebenfalls sehr unterhaltsam.



nachgetragen in der darauf folgenden Nacht

Dienstag, 25. September 2012

Varia

 Extracts from "The art of Piano",Glenn Gould playing J.S.Bach's Partita no 2
hier gefunden 

Eigentlich wollte ich in diesem Moment einen Nachtrag zu einem Buch liefern, das mich beim Hindurch-Kämpfen erst geärgert, aber dann vor allem ermüdet hat (Christopher B. Krebs: Ein gefährliches Buch. Die „Germania“ des Tacitus und die Erfindung der Deutschen). Aber ich schwanke noch.

Darum jetzt etwas anderes. Zum ersten, der Autor stieß mich erneut auf die Tatsache, daß tatsächlich die deutsche Sprache spät zu literarischem Bewußtsein ihres Werts gelangt ist. Und das, obwohl von der Vogelweide und Konsorten so eindrucksvoll vorgearbeitet hatten. Selbst mein geliebtes Barock hat leider keinen Shakespeare hervorgebracht. Es ist wirklich ein mehr als zu viel an Brüchen in der deutschen Geschichte. Darum wollen wir daran erinnern, daß Georg Rodolf Weckherlin am 25. September 1584 nach gregorianischer Zählung geboren wurde, ein tapferer Neu-Beginner.


Klaviersonate KV 331, W. A. Mozart

Georg Rodolf Weckherlin

Schönheit nicht wehrhaft

Laßt uns in den garten gehen,
schönes lieb, damit wir sehen,
ob der blumen ehr, die ros,
so euch eure farb gezeiget,
da sie heut der thau aufschloß,
ihren pracht noch nicht abneiget.

Sih doch, von wie wenig stunden
ihre schönheit überwunden,
wie zu grund ligt all ihr ruhm!
wie solt man, natur, dich ehren,
da du doch ein solche blum
einen tag kaum lassest wehren?

Was ist es dan, daß ihr fliehet,
indem euer alter blühet,
von meiner lieb süßigkeit?
ach, genießet eurer jahren!
die zeit wird eure schönheit
nicht mehr, dan die rosen, sparen.

Leben, nebel

Mensch, bist du klug,
und wilt recht wissen was dein leben,
so merk das wörtlein leben eben;
da hast du gnug.
lies es zuruck, so wirst du sehen,
was es, und wie es thut vergehen.


Goldberg Variationen, J. S. Bach

Glenn Herbert Gould wurde ebenfalls an einem 25. September geboren, nämlich 1932. Dem Blogger Jay verdanke ich, daß ich auf das oberste sehr merkwürdige Video stieß, aber an Gould ist bekanntlich vieles merkwürdig. Nicht allein, daß er Mozart für eher mittelmäßig hielt, er schickte ihm auch noch u.a. die obige Interpretation hinterher (Nr. 2), wahrlich kein Maulheld. Das letzte Stück ist zwar von grausiger Aufnahmequalität, aber man bekommt doch eine Ahnung. Eine verwegene Gestalt, und irgendwie unsterblich.
nachgetragen am 26. September

Montag, 5. Dezember 2011

Über Zeiten

Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale etwa 1903
hier gefunden

Als bei einer Aufnahme des kindlichen Peter Schreiers jemand fragte, ob er auch in der Hitlerjugend gewesen sei, ging mir auf, das ist genau derselbe Typos, der bei Christa Wolf hinterherrief, die war doch bei diesem Dienst da, das sage doch alles. Es ist die Spur des im Kern aus Beschränktheit Bösartigen, den wir hier finden, letztlich nicht wichtig, aber man mag sich den manchmal unspezifischen Geruch einprägen, um Zeit zu sparen.

Ich stolperte heute über die Geschichte der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, nun sie war mir nicht unbekannt, tatsächlich gibt es sogar ein paar Erinnerungsfetzen, etwa ein Photo der zerstörten Kirche in einer Propagandaschrift aus dem 3. Reich (hab ich leider verbrannt). Aber lassen wir das beiseite.

An der Christ-Erlöser-Kathedrale kann man vieles ablesen. Sie wurde errichtet als Zeichen der Dankbarkeit nach dem Sieg über Napoleon. Wenn man in diesem Artikel, der sehr lesenswert ist, findet, Zar Alexander I. habe damit zugleich Macht und überragende Größe des Russischen Kaiserreiches demonstrieren wollen, mag das zwar mitstimmen. Aber daß dies das vorherrschende Motiv gewesen sei, das bezweifle ich.

Nach einigen Anfangsschwierigkeiten wurde am 10. September 1839 der Grundstein gelegt und am 26. Mai 1883 wurde sie endlich eingeweiht, jetzt schon durch Zar Alexander III., gleichzeitig mit dessen Krönung. Die Kathedrale war die Hauptkirche der Russisch-Orthodoxen Kirche.

Denjenigen, die Rußland im neuen Jahrhundert in ihre Gewalt brachten, war die Kirche natürlich ein Dorn im Auge. Stalin ließ sie am 5. Dezember 1931 sprengen.

Sprengung der Christ-Erlöser-Kathedrale
hier gefunden

An ihre Stelle sollte ein Palast der Sowjets treten, 415 Meter hoch. Mehr als die Fundamente wurde allerdings nie fertig, dann kam der Krieg und nach Stalins Tod 1953 wurde auf den Fundamenten ein Freibad gebaut.

Was immer man über das heutige Rußland sagen mag, man erinnere sich gelegentlich daran, welche Hand der Zerstörung vorher auf dem Land gelegen hat. Nun, da diese abgeschüttelt worden war, wurde gewissermaßen des 2. Sieges über „Napoleon“ gedacht. Am 7. Januar 1995 wurde ein neuer Grundstein gelegt und am 19. August 2000 weihte Patriarch Alexius II. die wiedererstandenen Kathedrale ein.

Christ-Erlöser-Kathedrale heute
hier gefunden

Neben manchem, was einem bei all diesem in den Sinn kommen mag, wird bei den Bildern vom Neubau für mich besonders eines sinnfällig - der große Kontrast zur Häßlichkeit des Hintergrundes. Ach und Mozart starb heute, deswegen 2 Stücke von ihm. Auf das erste brachte mich Herr Morgenländer.


Wolfgang Amadeus Mozart
Larghetto aus dem Klavierkonzert in B-Dur, KV 595
hier gefunden



Wolfgang Amadeus Mozart
Große Messe in c-moll, KV 427
hier gefunden


beendet am 6. Dezember