Freitag, 1. Mai 2015

Über Feuerwehren & andere Ordnungen – eine Predigt


Herr Roloff hat heute die (nachfolgende) Predigt gehalten. Ich habe ein wenig in meinen hilflos unsortierten Archiven gewühlt und fand dabei diese beiden Bilder. Ansonsten wird es womöglich Nachträge geben (immerhin sind die Texte fertig, also ist es kein ganz haltloses Versprechen). Meinen Lesern wünsche ich aber erst einmal einen angenehmen beginnenden Mai.


Predigt zum Feuerwehrgottesdienst

Gnade sei mit Euch und Friede von dem der da war und der da ist und der da kommt!

Liebe Gemeinde,

dem Jungen, den wir vorhin getauft haben ist ein Pauluswort als Taufspruch aufgegeben: „Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht.“ Diesen Vers aus dem Römerbrief wollen wir heute bedenken.

Nun ist es nicht meine Art, und das fröhliche Ereignis einer Taufe und der festliche Rahmen unseres jährlichen Bittgottesdienstes für unsere Feuerwehr vielleicht auch nicht der passende Anlass, um von großen Sorgen zu reden.

Dennoch trete ich an diesem 1. Mai vor euch hin, um genau davon zu sprechen. Benedikt XVI. hat in seiner Rücktrittserklärung vor zwei Jahren den Zustand unserer Zeit wie folgt beschrieben: „Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen.“

Was vor zwei Jahren bereits zweifellos zutreffend war, muss uns heute nun geradezu als prophetische Voraussicht erscheinen. In großen Teilen dieser Welt scheinen alle Dämme, die bisher, wenn nicht Recht und Wohlstand, so doch wenigstens ein Mindestmaß an Ordnung gesichert haben, gebrochen zu sein. Der Nahe und Mittlere Osten und große Teile Afrikas versinken in Chaos und Elend. Das Zerstörungswerk an den orientalischen Kirchen, das bereits so viele leidvolle Stationen aufweist, findet grausamste Fortsetzung. Krieg, Not und Verzweiflung der Menschen haben eine wahre Völkerwanderung in Gang gesetzt, die uns zur Mitmenschlichkeit herausfordert, in vielem aber über alle Kräfte zu gehen droht.

Fürwahr wird die Welt durch Fragen und Ereignisse hin und her geworfen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind. Das hat es zwar auch in der Vergangenheit häufiger gegeben. Jetzt scheinen uns aber vor allem die geistigen Widerstandskräfte auszugehen.

Denn wie, so frage ich heute, will man diesen Problemen entgegentreten, wenn nicht zunächst durch einen tiefen und festen Glauben? Gerade der aber schwindet nicht nur, sondern er wird in einer für Europa beispiellosen Weise zersetzt. Die Minderheitssituation der Christen wird immer bedrückender, die Art, wie an manchen Schulen mit Christen und ihren Glaubensinhalten umgegangen wird, ist alarmierend. Was ereignet sich da mitten unter uns?

Es ist die Gleichheitsideologie, die hier Triumphe feiert. Es wird Gleichheit propagiert und dadurch Gerechtigkeit in Aussicht gestellt. Inzwischen wird schon fast jeder Unterschied mit geradezu krankem Eifer bekämpft. Dieses Denken will vergessen machen, dass die unterschiedslose Welt eine tote Welt ist. Es ist meine Überzeugung, dass genau darin ihr Ziel demaskiert wird! Hier wird in allem Fortschritt propagiert und tatsächlich Zerstörung betrieben. Das war aber immer der Charakter revolutionärer Bewegungen, wir sollten darum auch weniger überrascht sein, dass wieder eine große Umwälzung in der Geschichte nicht hält, was sie verspricht.

Wie aber hängt nun all das mit unserem Leben hier in Schönhausen zusammen? Und was können wir tun?

Zunächst müssen wir sicher sein, dass die Folgen der globalen Veränderungen auch in unserem Dorf hier an der Elbe ankommen werden. Der Boden ist auch hier bereitet. Nur noch ein Fünftel der Einwohnerschaft zählt sich zur christlichen Kirche. Längst sind wir nicht mehr allein in der Lage, die Grundlagen unseres Zusammenlebens und die Weise unserer angestammten Lebensführung zu garantieren. Nur unter größter Mühe erhalten wir mal gerade das, was die Generationen vor uns geschaffen haben, diese Kirche, das gemeindliche Leben, die Ordnungen des Glaubens und unsere Bekenntnisse.

Wir erhalten alles das, und wir leisten darin einen Dienst an der ganzen Gemeinschaft. Denn wenn auch nicht alle zuweilen und viele dieses Haus gar nicht besuchen, es würde ihnen auffallen, wenn es fehlte. So ist auch in ihrem Leben der Ruf noch immer präsent: Gehet hin zu allen Völkern und machet sie zu meinen Jüngern. Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.

Das nämlich ist der Auftrag, der sich hinter dieser Fassade verbirgt. Das ist der Ruf, der mit unserem Turm in die Landschaft hineingesetzt ist und den unsere Glocken mit ihrem Klang über das Land tragen. Wir glauben, dass die Menschen, wenn sie diesen Auftrag erfüllen, Einheit, Frieden und Ordnung finden. Wir sind davon überzeugt, dass man gerecht wird, wenn man von Herzen glaubt.

Darin wird die Gerechtigkeit gefunden, die wahr ist und Bestand hat. Der Mensch wird gerecht, wenn er sich auf Gott richten lässt. Gerechtigkeit hat damit zu tun, sich ausrichten zu lassen, Einfluss nehmen zu lassen auf sein inneres Wesen und nicht nur auf seinen äußeren Besitz, wie es heute so gern und hohl suggeriert wird.

Wir sind davon überzeugt, dass mit der Taufe ein Band um die Menschen gelegt wird, das sie auch mit Gott verbindet, und das sie zur Mitmenschlichkeit, zur Wahrheit, zur Treue und zur Liebe verpflichtet. Unter den Maßgaben der Mitmenschlichkeit, der Wahrheit, der Treue und der Liebe versuchen wir unser Leben und das Gemeinwesen immer wieder zu ordnen, und wir versuchen es selbst dann immer wieder, wenn uns Unmenschlichkeit begegnet, wenn die Lüge scheinbar triumphiert, wenn uns die Treue gebrochen wird, und wenn wir unter Lieblosigkeit leiden.

Immer wieder diesen Versuch auch in der Aussichtslosigkeit zu unternehmen, das ist es, was er geboten hat, und was wir halten sollen. Was er, der auferstandene Herr, geboten hat, das soll das Fundament unserer Ordnung und unseres Zusammenlebens sein.

Ist das nun ein so ferner und fremder Gedanke, dass er die Entchristlichung, die wir in unserem Volk und auch hier in unserem Dorf schleichend seit Jahren und Jahrzehnten beobachten, rechtfertigen würde?

Meine Antwort darauf wird in diesem Raum niemanden überraschen. Natürlich ist er es nicht. Dieser Gedanke ist weder fern noch fremd, und darum tragen wir ihn mit all unserer Kraft weiter. Die Taufe von Leonard ist dafür ein ganz wunderbarer Ausdruck. Und seht doch, wie sehr er sich auch in dem spiegelt, was ihr selbst tut.

Eine Feuerwehr ist uns ja nicht darum nötig, weil Kameradschaft so etwas Schönes ist, man gerne zusammensitzt, zuweilen auch Bier trinkt und mit eindrucksvollen roten Autos durch die Gegend fahren kann. Eine Feuerwehr gibt es, weil die Gefahren von Feuer, Katastrophen und Unfällen real sind, und wir uns gegen sie zur Wehr setzen müssen.

Die Abwehr ist doch nun aber nicht allein durch guten Willen oder die löbliche Absicht zu organisieren. Da braucht es Menschen, die sich dieser Aufgabe ganz verschreiben – nicht mal nur einen Nachmittag. Es braucht Menschen, die sich in den Dienst rufen lassen und ihn dann treu ausführen. Fred Götze tut das nun seit 50 Jahren, Günter Jacobs, Marie-Luise Haak, und Karl-Heinz Pick seit 45, Karin Grothe seit 35 und Sandro Tessmer immerhin schon seit 10 Jahren – er ist aber auch noch viel jünger.

Auch kann man kein Feuerwehrangehöriger sein, ohne irgendetwas zu wissen. Man muss schon bereit sein auch alles zu lernen, was zu dieser Aufgabe gehört und man muss ausführen, was der Wehrleiter anordnet. Ich weiß von Karl-Heinz Pick, wie vielfältig und aufwändig das Fortbildungsprogramm der Feuerwehr über das Jahr hinweg ist, wie oft in Übungen der Ausbildungsstand überprüft wird und wie ideenreich durch die Arbeit der Kinder- und Jugendfeuerwehr um den Nachwuchs gerungen wird.

Dazu kommt, dass man sich aufeinander verlassen können muss. Es braucht eine Ordnung und es verlangt nach Grundsätzen, wenn man den Kampf gegen die Gefahren der Welt führen will.

Wenn dies nun aber schon für Feuer, Unfälle und Naturkatastrophen gilt, wieviel mehr gilt das im Hinblick auf die Gestalt der Welt und unseres Lebens?

Nun kann man gerne behaupten, an die Stelle des einen kann immer auch etwas anderes treten, und das kluge Reden kennt selten Grenzen. Mir ist dergleichen bei der Brandbekämpfung allerdings noch nicht begegnet, und allein darum schon bin ich entschieden der Ansicht, dass wir unsere Feuerwehr erhalten, jeder auf seine Weise unterstützen, und für sie beten sollen. Vor allem aber ist heute ein Tag, an dem wir einfach auch einmal wieder Danke sagen können, denn auch im letzten Jahr gab es wieder einige, nie ungefährliche Einsätze. Ihr habt Euren Auftrag gewissenhaft erfüllt, der Gemeinschaft gedient und uns allen ein Beispiel gegeben.

Ihr habt uns allen ein Beispiel gegeben, wie man sinnvoll und wirksam auf einige besondere Gefährdungen, denen wir ausgesetzt sind, reagiert.

Ich kann hier heute nur den Rat geben, dass wir genau auf diese Weise auch im Hinblick auf alle Gefahren, die ich anfangs nannte, handeln sollten und handeln müssen. Wir müssen das, was uns wirklich und dauerhaft bindet, stärken. Wo der christliche Charakter unseres Landes und unseres Volkes zerfällt, da werden wir nichts mehr haben, was wir entgegensetzen können, wenn die großen Gefährdungen unserer Gegenwart in Schönhausen ankommen. Wir werden dastehen, wie solche, die die Feuerwehr abgeschafft haben, weil ihnen etwas Besseres vorschwebte, und sie vielleicht ihre Hoffnung darauf setzten, dann hörten auch die Brände auf. Als aber der große Brand kam, da waren gerade die guten Absichten das Verhängnis. Nur, wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht.

Amen

Der Friede des auferstandenen Herrn, der höher ist denn unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne.

Amen
Thomas Roloff

Sonntag, 26. April 2015

Sonntag &


Von der Shortlist dessen, was Frau Mutter für eßbar hält, sind nun also auch die Königsberger Klopse vertrieben. Den Gründen dieses Liebesentzugs forschen wir nicht nach, aber leichter macht es die Abläufe nicht.

Eine Verschlechterung des Sonnabend-Wetters brachte mich dazu, lieber den kürzeren Weg zu wählen und an dem entsprechenden Ort besser etwas käuflich zu erwerben, das unverfänglich ist (oder wo man sich das zumindest einreden kann). Also Gehacktes vom Rind und Schwein.



Frau Mutter hat sich davon am Sonntag-Vormittag (nachdem ich die Devise der „Trennkost“ ausgegeben hatte) unter beiläufiger Hilfe also „Brat-Klopse“ gebraten, die sie später auch (bis auf die, welche die später noch Erwähnung finden werdenden Hühner bekamen) tapfer aufgezehrt hat.

Und ich wiederum wollte mich noch einmal an einem Hackbraten versuchen (in dem ich als Füllung dann auch „deftige“ Knacker-Würste umbringen konnte, die mir jemand mitgebracht hatte (es ist merkwürdig, wenn Leute auf den Gedanken kommen, sie täten einem einen Gefallen, lassen sie davon auch ungern ab). Denn bei einem Hackbraten ist es nun mal so, an und für sich schmeckt er nach nüscht, die Zutaten ergeben dann mitunter etwas Aroma. Das begann mit geschmorten Zwiebeln und ebenfalls (abgebrüht und enthäuteten) geschmorten Tomaten.



Zu dem Hackfleisch gesellten sich nochmal Zwiebeln, das Grüne von Frühlingszwiebeln, sehr viele (tiefgefrorene) mediterrane Kräuter, Eier, Semmelmehl, Pfeffer & Salz, bereits erwähnte Würste, ich habe mit Sicherheit jetzt etwas vergessen.

Das Ganze kam in den Ofen, erst abgedeckt, dann später mit dem Sud (der später erwartungsgemäß für eine Saue herhalten mußte) übergossen. Also ein Geschmackserlebnis war es schon (ich mußte danach viel trinken); aber nein, es ging. Dazu Blumenkohl (dem diesmal die braune Butter fehlte, wie gerügt wurde, aber wir wollen ja auch keine Abhängigkeiten erzeugen). Das dazu. Ach ja, das Federvieh.


Das Leben ist doch immer wieder voller Schönheiten, hier etwa kümmern sich Nachbars Hühner hingebungsvoll um die Frühlingsblumen.


Es war also ein eher entspannterer Sonntag (und die Garstigkeiten, so habe ich beschlossen, packe ich ab jetzt sowieso in eine gesonderte Rubrik).



nachgetragen am 28. April

Montag, 20. April 2015

Misanthropisches I

Molière, "Le Misanthrope"

Garstig Unterhaltendes oder was mir sonst noch die darauf folgende Woche so durch den Kopf schoß, vel "Misanthropisches": Ich dachte einfach, ich würfel einmal zusammen, was an Gedankenfetzen so in mir herumspukte, vielleicht wird eine Rubrik daraus, vermutlich aber eher nicht:

Was ich heute Nachmittag als Gottesdienst hörte, war von der musikalischen Seite her eine Melange aus Richard Clayderman, Taizé und Jesus Christ Superstar und noch etwas Viertem, dessen Herkunft ich gerade suche. Und das war die bessere Seite. Von der Predigt schweigen wir.

Jetzt weiß ich endlich, warum man diese Haarpracht „Donnerwelle“ nennt, denn gewissermaßen schlägt erst der Blitz ein, und danach erfreut sich frau des Volumens, das ihrem Kopf gerade zugewachsen ist.

Wenn (manche) "Weibspersonen" bei etwas „erwischt“ werden, machen sie Ausflüchte, sind verletzt, beleidigt, erheben Gegenvorwürfe, fangen an zu weinen oder lenken anders ab; die Sache selbst ist gleichgültig. Es ist einfach ihre Natur, daher bleibt alles Reden sinnlos.

Wo unser Herr und Heiland und Preußens Friedrich II. sich an der Wand gegenüber hängen, denke ich, sie sehen beide recht leidend aus, gut bei unserem Herrn gehört das sozusagen dazu, aber bei F. II überrascht es irgendwie, warum eigentlich?

Wer auf Wahrheit pocht, sollte zumindest wahrnehmen, wenn es hohl klingt.

Was den linken oder sonstigen Spießer gegen authentische Kunst einnimmt, ist das „Mehr“, ihr „Transzendenz-Plus“, das ihn auf sich selbst zurückwerfen würde, nähme er sie ernst.

Kultur entsteht durch die Einsicht, daß Unterschiede eine Bedeutung haben. Distinktionsfähigkeit ist das Lebensmerkmal einer Gesellschaft, die den Unterschied für wesentlich hält. Wie alles Menschliche ist auch er zwiespältig, diesen Zwiespalt aber nivellieren zu wollen, greift das Menschliche in seinem Wesenskern an. Denn das Humane ist immer von einer gewissen Qualität.

Der Behauptung einer verifizierbaren Tatsache, jemand sei etwa mathematisch unmusikalisch, wird heute gern reflexhaft entgegengehalten, damit habe der Behauptende gerade etwas besonders Böses und Menschenverachtendes gesagt. Da erscheint dann auch ein Obdachloser „anders gepflegt“. Beobachtungen werden mit einer eigens kreierten Moral abgewehrt. Derlei Leute mögen keine Fakten und finden sie im Zweifel  - vor allem unmoralisch.

Wer als Historiker Partei ergreift, hat seinen Gegenstand bereits verraten.

Wenn man nur Zahlen in die Waagschale werfen müßte: Die Menge der Priester, Nonnen, Bischöfe oder einfachen Gläubigen, die seit der sog. Französischen Revolution erschlagen, erschossen, verbrannt oder sonstwie zu Tode gebracht wurden, im Namen einer der nachfolgenden atheistischen Groß-Ideologien,  hat offenkundig bereits während des erstgenannten zivilisatorischen Groß-Ereignisses die tatsächliche Zahl der Opfer sagen wir der Spanischen Inquisition (weil da die Quellenlage am besten ist) sehr schnell übertroffen, dies wäre dann ein Argument, wenn man auf eines setzen könnte - nüchterne numerische Vernunft.

Bei Mißdeutungen auf Mißverständnisse zu setzen, setzt den guten Willen des anderen voraus, wie käme man dazu?

Aus „Lustige Verleser“: „Ertränken, leicht gemacht.“

nachgetragen am 27. April

Sonntag, 19. April 2015

Sonntag &


Herr Grass ist wirklich ein harter Hund (eine Erläuterung dafür erfolgt später). Ich sollte vielleicht zuvor einen (vorzeitigen) Essensbericht hervorzaubern; zumal ich gerade grundlos ausgesprochen milde gesonnen bin.

So begann vor vielen Tagen dieser nun reichlich verspätet nachgeholte Essensbericht, den ich dann doch bringen will, soweit die Erinnerung das noch herbringt (zumal bereits gemutmaßt wurde, ich hätte seit fast 14 Tagen nichts gegessen, ach wenn).


Als mir die Lachsstücke beim Anbraten sozusagen entgegenfielen, wußte ich zwar schon, worauf es hinauslaufen würde (Bilder helfen dem Erinnern dann doch immer wieder auf), aber gar so schlimm war es am Ende denn doch nicht.


In dem Sud war sehr viel Dill und später Sahne, das weiß ich noch.



Und meine vorzüglichen Spinat-Teigtaschen haben die Hühner später sehr dankbar aufgefressen (ich hatte die übriggebliebenen schlicht im Ofen vergessen).




Es war alles recht nett (und das nicht so Nette, habe ich mich bei dieser Gelegenheit entschieden, packe ich in eine gewissermaßen „toxische“ neue Kategorie, wir werden sehen).


nachgetragen am 26. April

Montag, 13. April 2015

Über Günter Grass auch

Ems in Telgte

Zu den Wohlthaten, die ein konservatives Gemüth verschafft, gesellt sich nicht selten: Man erträgt es (ohne heimlichen Groll), von anderen Meinungen zu hören, die der eigenen heftig widersprechen (also naturgemäß falsch sein müssen). Ja, die Welt ist tatsächlich immer noch mit sich im Reinen, soweit sie das überhaupt vermag, auch wenn nicht jeder dasselbe für wahr hält oder zumindest sich darum bemüht.

Denn es besteht kein Zwang, jeden mit seiner Überzeugung zu überwältigen, man kann das merkwürdige andere sogar respektieren, sobald man spürt, daß mit Ernsthaftigkeit darum gerungen wurde, vermag, Unterschiede zu ertragen (ohne als Ausgleich in sich Gewaltphantasien zu erzeugen), aber glaubt deswegen bei weitem nicht, daß eh alles egal ist.

Die sehr betagte und ebenso schlichte Nachbarin überraschte jüngst mit der Neuigkeit: “Dieser Gass oder Gasser oder wie'er heißt, is ja nu auch doot, kam grad in Fernsehn’, soll ja in der SS gewesen sein oder sowas”. So rächt man sich also an jemandem, der einem schon lang auf die Nerven ging, obwohl man den sog. „Stallgeruch“ vermutlich eher geteilt hat (oder gerade deswegen, schließlich vermag der Kampf ums Rechthaben eine ganze Existenz abzustützen).

Günter Wilhelm Graß starb an diesem Tag, aus Danzig herstammend, genauer gesagt aus Langfuhr (das mütterliche Herkommen besteht auf dem Unterschied). Die Vorrede galt u.a. dem sog. Moralisten, den ich meist flach und angestrengt fand, als ebenfalls eine Art sendungsmäßiger Rechthaber (bzw. eher Links-Haber) war er schlicht unerträglich. Aber so, wie ich gelegentlich (scheinbar gehässiger-weise) über jemanden sage, er sei ein besserer Mensch, wenn er predige, gilt dies für G. G. mutatis mutandis mit Sicherheit, sobald er schrieb, also wirklich schrieb.

Es ist merkwürdig, ein sehr belesener Freund (und 'in der Wolle gefärbter' Sozialdemokrat), der verstorben ist, sprach immer wieder von dem „Treffen in Telgte“ (wo ich mich doch als Liebhaber der Barock-Literatur ausgebe), aber ich mochte nie weiterlesen. Jetzt, aus welchen Gründen immer (vielleicht ein schlechtes Gewissen), habe ich es versucht und bin diesmal durch.

"'Telge' ist eine alte Bezeichnung für Eiche"

So wie Arno Holz angesichts eines buntgrünen Quarthefts dem Einfall anheimfällt, ein paar Gedichte im Stil der Zeit zu versuchen (und schließlich den herrlichen „Dafnis“ schrieb), mag Herr Grass die Parallelität des Hintergrunds empfunden haben, als geistreiche Szenerie für sein Denkmal der Gruppe '47. Ich weiß das alles nicht. Aber Literatur macht leicht Absichten zunichte, sobald man sie nur ernst nimmt.

Und ich würde jetzt wirklich gern darlegen, wie Herr Grass in die Untiefen der Barockliteratur hinabstieg, um sie als ein hernach mit ihr Bekannter (von mir aus als unsichtbarer Gegenpart, als Folie oder was auch immer) für ein Gesprächsdenkmal seiner Gruppe '47 zu benutzen, die mich, offen gestanden, als solche herzlich wenig interessiert. Also blieben nur 2 Wege der Akzeptanz, man nimmt es als Literatur, oder sucht danach, wo einem eine Epoche lebendig wird, die man, vielleicht aus einer Laune heraus, gelernt hat zu mögen.

Beginnen wir mit dem 2.: Während bei der Lektüre des Herrn Holz sich schnell ein (vermutlich debil erscheinendes) Dauergrinsen des Einverständnisses einstellt (er hatte sich schließlich auch bis zu den Ellbogen in die Epoche eingearbeitet), schwankt man bei Herrn G. meist zwischen – 'wie schön nachempfunden' und einem verärgerten - 'das ist doch komplett ausgedacht'.

Das Treffen in Telgte scheint also eine Chimäre aus historischem Roman, mit allen ihm zugestandenen Freiheiten (was wissen wir schon von Amenophis IV. über das hinaus, was nicht in irgendwelchen Romanen stünde), und einer Art chiffrierter Familienzeitung zu sein, nur daß ich für derlei fremde Familiensachen nie besonders viel Aufmerksamkeit aufzubringen vermochte.

Der Grundeinfall ist zweifelsohne beachtenswert, einen Bogen von 300 Jahren zurück zu schlagen, um in einer Zeit anzukommen, die in ihrem Grad innerer und äußerer Zerstörung vielleicht von ferne mit der des letzten Weltkrieges vergleichbar ist, der für Deutschland im Grunde der 3. war.

„Wo alles wüst lag, glänzten einzig die Wörter.“ Dies wird immer noch gern zitiert und gehört zu einer längeren Passage, in der beschrieben wird, wie zu dem erfundenen Treffen in Telgte im Münsterland von dem Königsberger Simon Dach (der das Ännchen von Tharau (für menschliche Verhältnisse) unsterblich machte, zu der ich hier mehrere Übersetzungen gefunden habe) der Olymp deutscher Dichtkunst (und einige Nebengestalten) geladen wurde.

Als da etwa wären Andreas Gryphius aus Glogau, Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau aus Breslau, Johannes Scheffler, der spätere Angelus Silesius, Sigmund von Birken aus Nürnberg, der Schlesier Friedrich von Logau, der Holländer Philipp von Zesen, Georg Rodolf Weckherlin aus London. Aber auch der „Literaturprofessor“ August Buchner aus Wittenberg. Und Paul Gerhardt. Und als „Zufallsgast“ Heinrich Schütz!

Über zwanzig Herren versammeln sich also im Gasthof einer zweifelhaften Person (der Courage, der „Landstörzerin“, ja eben der, die bei Grimmelshausen und später einem Aufschreiber aus Augsburg „Ruhm“ finden sollte. Denn keiner wollte fernbleiben, niemand für sich bleiben Man traf sich, „um dem zuletzt verbliebenen Band, der deutschen Hauptsprache, neuen Wert zu geben“, und um „vom Rande her“ politisch hineinzureden. „Schließlich war man wer... Und wo sich die Fürsten erniedrigt hatten, fiel den Dichtern Ansehen zu. Ihnen, nicht den Mächtigen, war Unsterblichkeit sicher.“ Sie seien das andere, das wahrhaftige Deutschland. Nun ja, soweit der „Plot“.

Historische Telgter Wallfahrt von Münster nach Telgte - Schmerz

Von dem schlußendlich verfertigten Manifest (das dann sowieso verbrennt), erfährt man nicht wirklich Befriedigendes, immerhin beginnt eine frühe Fassung mit dem zeitlosen: „Teutschland, das herrlichste Kaiserthumb der Welt, ist nun mehr auff den Grund außgemergelt, verheeret und verderbet...“. Und später, die Deutschen hätten „fremdländischen Horden das Vaterland preisgegeben“, diese hätten sich Deutschland als Tummelplatz auserkoren, so daß es zerstückelt und nach dem „Verlust seiner Schönheit“ nicht mehr kenntlich - „ohne alte Ordnung“ sei „alle Treu verloren“.

Und abermals (viel) später - es solle mit der erwünschten Erneuerung der alten Ordnung „das altgewohnte Unrecht nicht miterneuert werden“. Und schließlich die Sorge der Patrioten: Das Reich drohe so sehr zu zerstückeln, „dass niemand mehr in ihm sein Vaterland, das einstmals deutsch geheißen, erkennen werde“. Hm. So wechseln also die Anlässe für die nämlichen Sorgen (nur daß sie womöglich vom Territorialen zusätzlich ins mehr Geistig-Physiognomische wechselten).

Um kurz noch ernsthafter zu werden, was mich bei meiner geschätzten Epoche häufig bekümmert: Warum reichte es nie zu einem Calderón, zu schweigen von einem Shakespeare. Also, warum das Mediokre, bei allen Schönheiten, unserer Literatur von dort; ich denke, es war schlicht Erschöpfung: Man hatte damit zu tun, ein Mensch von Geist zu bleiben, denn man kann das Geistige durch Barbarei tatsächlich fast zu Tode erschöpfen, auch wenn es sich nicht so zeigen wird wollen. Darum ist bei dieser Art Dichtung ihre gefällige Oberflächlichkeit ertrotzt, und ihr Spielwerk zeugt von nicht ermordetem Wissen.

Aber ich wollte noch etwas Wohlwollendes zu Herrn Grass loswerden. Nicht darüber, wie er die Kontroverse von damals darüber andeutet, daß der Dichtung überhaupt zu mißtrauen sei, da sie sich zum einen entfreche, sich Gott als Nachschöpferin an die Seite zu drängen, und zum anderen mit ihren Erfindungen die wahre Natur der Dinge verrate. Nein, dazu nichts.

Und auch ein anderes Detail soll unbeachtet bleiben, wie nämlich die Dichter sich zwangsläufig und unwissend wohl mitschuldig machen an der Hinmordung einer Bauersfamilie (von wegen der Verstrickungen, die das Leben so schicksalshaft bereithält).

Nein, ein Ärgernis soll dann doch angesprochen werden, die erfundene Kontroverse zwischen Paul Gerhardt und Heinrich Schütz. Wenn nicht neue Quellen auftauchen, haben sich beide nie gesehen oder über einander gesprochen. Aber ihr Kunstwollen war in der Tat verschieden. Die Gründe dafür hat Herr Grass wohl mehr als Vehikel für Zeitgenössisches erdacht bzw. dessen völlig berechtigte Zurückweisung ('Die Kunst ist tot' und ähnlicher Magerquark).

Aber dennoch vermag er eine berückende Beschreibung der Wirkung Schütz'scher Musik zu geben, wie er „der Menschen Jammer und Freude habe tönen lassen können: ihr banges Stillewerden und ihren Zorn, ihr müdes Wachen… und ihre Furcht vor Gott." Und dagegen für Paul Gerhardt in einem Loblied von dessen Vertoner Johann Krüger: „Dem rage nicht die Kunst vor allem...“ Nicht der „Fürsten glänzende Hofkapellen“ seien ihm teuer „sondern des gewöhnlichen Mannes Nöte“ und „daß ihm Trost zuteil werde in schimmer Zeit“.

Da hat Herr Grass seine eigene Kunstauffassung womöglich schön illustriert, aber irgendetwas fehlt uns dann doch in all diesem, aber darüber wollen wir schweigen. Und Herr deBuhr, diese Schuld jedenfalls ist nun abgetan.

Historische Telgter Wallfahrt von Münster nach Telgte - Freude

Doch halt, unterhaltsam war es schon mitunter. Daß es hier vor allem um „protestantische Besserwisserei“ ging, bezweifle ich zwar; doch der Hut paßt auf viele Köpfe: „Denn fromm waren sie alle... Jedermann glaubte sich näher an Gott. Keiner erlaubte dem Zweifel, sein Glaubensdach abzuklopfen“. Wie schön, daß wir alle, die geschätzten Leser insonderheit eingeschlossen, in derlei Dingen anders sind.

abgebrochen am 26. April

Sonntag, 12. April 2015

Sonntag &

 

Hinter den (fast schon) welken Rosen verbirgt sich heute ein Schweinekrustenbraten (dessen Übriggebliebenes nun schon 2 Abende als Nachtessen herhalten mußte; es handelt sich, wie auch anders, erneut um einen Nachtrag).


Ich habe einmal geschaut, wie die 6 Vorgänger (die ich auf diesem Blog auf die Schnelle finden konnte) sich dagegen ausnahmen; das muß sich da nicht verstecken. Nur die Kruste war wieder dachziegelartig. Ich habe keine Ahnung, woran es liegt - und man nimmt mir vielleicht an dieser Stelle eine gewisse Routine ab - aber manchmal wird die Kruste wunderbar kroß, und dann wieder – siehe oben. Dabei dachte ich eigentlich, dieses jedenfalls inzwischen bis ins Halbkoma hinein zu können, bis auf die Kruste eben.

Aber so ist das halt mit Gewißheiten, sie erinnern immer ein wenig an die vielfach gesehene Trickfilm-Figur, die unbekümmert noch ein paar Schritte über den Abgrund hinweg weiter geht, und dann, sich unverhofft umschauend, heftig zu zappeln beginnt... Fiel mir nur gerade ein.



Wir wollen wieder profaner werden. Der Krustenbraten (von mehr als 2 Kilo) hatte unter sich nur in Butterschmalz angeschmorte Zwiebeln, Thymian und Rosmarin und Weißwein um sich, als er noch unter dem Deckel war (im Ofen); gepfeffert und gesalzen war er natürlich auch. Der Deckel kam nach einer Stunde ab und das mühselige (mit Betononung auf der ersten Silbe; nein besser noch unter Absehung von jeglicher Betonung, das macht es authentischer) Übergießen begann.


In einem Anfall von vermutlich Gesundheitswahn gab es diesmal nur rohe Salate dazu. Der Mohrrübensalat sowie der Mix aus Bohnen – Weißkohl - Zwiebel -Salat waren zwar teilweise vorgefertigt, aber gar nicht mal so übel.


Und endlich wieder Kartoffeln, hörte ich von gegenüber, nun ja.


Also dafür, daß Essen an diesem Tag vermutlich mein vorletztes Bedürfnis war, habe ich mich „wacker geschlagen“, wie es der omipräsente Spruch- und Phrasenbeutel für solche Fälle bereithält; und das "will schon was heißen".

Ach so, die Sauce war schwierig (zuviel Weißwein), aber nach einigen Rettungsübungen, konsistierend aus Honig, Salz, Sahne, Gewürzpfeffer... fiel das nicht weiter auf.



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Das dazu. Bevor man aber allseits zu glauben beginnt, ich sei unter die Heiden und Gottlosen gefallen (oder gar Schlimmeres), noch ein kleiner Exkurs:

Quasi modo geniti infantes, halleluja, rationabile sine dolo lac concupiscite, halleluja.

Wie neugeborene Kinder, Halleluja, verlangt nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, Halleluja.
1. Petr 2,2

Nach diesem Antiphon ist der Sonntag „Quasimodogeniti“ einmal benannt worden, erinnernd an die neue Geburt in Christus, die mit Ostern für uns begonnen hat.

Ich habe einige sehr schöne Beispiele dafür aufgetrieben (die ich diesmal nicht einbetten will das wäre optisch etwas schräg). Einmal allein gesungen von einem Mailänder Kantor, dann von Benediktinermönchen aus São Paulo vorgetragen, hier hat offensichtlich ein Vietnamese etwas eingestellt, der Gesang ist trotzdem lateinisch, auch hier fehlt die Quelle, aber beides ist sehr schön anzuhören, so wie auch das letzte Stück, das wieder solistisch daherkommt.

Alles ist annehmbar (ich hab's vollständig durchgehört und nirgends wurde etwa aus heiseren Kehlen zwischendrin Allahu Akbar geschrien oder derartiges). Aber wer nur 2 Sachen davon anhören mag, nehme vielleicht die letzten beiden.
nachgetragen am 14. April

Montag, 6. April 2015

Ostermontag (kleiner Nachtrag)


Wo ich eigentlich nur den letzten Sonntag nachholen wollte, fiel mir auf, daß auch der Ostermontag unbedacht geblieben ist. Zu hochfliegenden Gedanken-Zügen war ich in jener Woche wahrlich nicht in der Lage, aber das läßt sich doch noch machen. Was so düster gemeinnisvoll beginnt -


war eine simple Hühnersuppe. Da ich im Gefrierschrank nutzlos wartendes Suppengemüse und tiefgefrorene Kräuter wußte, und Fond ebenfalls vorhanden war, bestand die meiste Arbeit eigentlich darin, das übriggebliebene Fleisch vom Knochen abzulösen und zum Ende hin die geschmorten Mohrüben vom Vortag dazuzugeben.


Jetzt wiederholen wir den Spaß mit dem Düsterlicht noch einmal ein wenig.


So sah es schließlich auf dem Teller aus. Als die betagte Nachbarin später ihren täglichen Besuch machte und nach Kräften davon geschwärmt wurde, was „wir“ denn so gekocht hätten, wurde die zuletzt sehr hungrig. Frau Mutter bot ihr darauf sehr generös etwas davon an, worauf ich beide darauf hinweisen mußte, daß das eher schwierig sei, denn es sei von dem „Dünnen“ der Suppe beim besten Willen nichts übriggelassen worden. Ich könne allenfalls die immer noch reichlichen festeren Überreste mit heißem Wasser aufgießen. Aber darauf hat sie dann lieber verzichtet. 

nachgetragen am 14. April