Freitag, 2. April 2010

Karfreitag

translated


Die Kirche gedenkt heute der Kreuzigung ihres Herrn. Und wie könnte dieses Gedenken eine angemessenere Form finden als erneut mit einem Passus aus Bachs Matthäuspassion. Mir ist heute eher zufällig aufgegangen, daß Johannes Paul II. genau am heutigen Tage starb, am 2. April 2005, ich kann schwer erklären, warum ich nach wie vor eine enge Verbindung zu diesem Papst fühle und will aus seiner Botschaft anläßlich des Kreuzweges am Kolosseum, Karfreitag, 25. März 2005, also unmittelbar vor seinem Tod zitieren:

„‘Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi, quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum‘ [Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.]. Ja, wir verehren und preisen das Mysterium des Kreuzes des Gottessohnes, weil aus jenem Tod eine neue Hoffnung für die Menschheit entsprungen ist.

Die Verehrung des Kreuzes weist uns auf eine Aufgabe hin, der wir uns nicht entziehen dürfen: Es ist der Auftrag, den der hl. Paulus mit den Worten zum Ausdruck brachte: 'Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt' (Kol 1,24). Auch ich opfere meine Leiden auf, damit sich der Plan Gottes erfülle und sein Wort zu den Völkern gehe. Ich bin all jenen nahe, die in diesem Moment von Leiden geprüft sind. Ich bete für einen jeden von ihnen.

An diesem Tag des Gedenkens an den gekreuzigten Christus blicke ich mit Euch auf das Kreuz und verehre es mit den Worten der Liturgie: 'O crux, ave spes unica!' Sei gegrüßt, o Kreuz, einzige Hoffnung, schenke uns Geduld und Mut und erhalte der Welt den Frieden!“


Warschau, 7. IV. 2005
hier gefunden

Donnerstag, 1. April 2010

Gründonnerstag

translated

J. S. Bach Matthäuspassion
Nr. 8 - 10
hier gefunden

Dies ist nichts, was wirklich weiter zu beachten wäre, aber während ich gegenwärtig der Matthäuspassion Bachs folge und das eine oder andere Stück dabei hier anzubringen suche, springt mir dieses wieder ins Bewußtsein: Die Größe Bachs, die Schönheit der deutschen Sprache und die kaum noch erhoffte Nähe der eigenen Religion, die er gewährt. Bach ist ein getreuer Hirte, einer der über unserer Seele wacht.

Mittwoch, 31. März 2010

Kurze Erinnerung an Bach



Nein das ist von keinem Bach, nicht einmal von einem der Urenkel. Aber ich wurde heute zufällig darauf gestoßen und finde, es paßt wunderbar zur Stimmung des obigen Photos, auch wenn das Photo furchtbar ist, vielleicht wurde man doch von einer Mutmaßung angestoßen. Der junge Künstler heißt Christian Scott und spielt etwas von Thom Yorke, ich habe keine Ahnung von beiden.



Und dazu ein überwältigendes Bild, das sich mir eingebrannt hat, aus einem Film, über den ich längst schon etwas sagen wollte - ich weiß nicht, warum ich es jetzt erwähne, diese tapfere Verlorenheit in einem atemraubend schönen Gesicht - vielleicht später einmal.



Johann Sebastian Bach wurde nach dem Gregorianischen Kalender am 31. März 1685 geboren, und über Bach kein Wort zu verlieren, ist, wie den Atem anhalten zu wollen, auf Dauer physisch unmöglich. Ich habe mich kürzlich an dem Gedanken erfreuen dürfen, beim Anhören Bachs würde sich „beiläufig, schlagartig und nachhaltig“ die Klarheit des Gemüts herstellen. Das ist so, er läßt einen in eine Ordnung des Geistes eintreten, deren Schönheit überwältigt. So wie man ihn mitunter als den „5. Evangelisten“ bezeichnet hat, könnte man ihn auch den musikalischen Bruder Platons nennen.



Wie auch immer. Wir sind in der Karwoche, gedenken des Leidens und Sterbens unseres Herrn und Erlösers, und kürzlich habe ich diese wunderbare Playlist zur Matthäuspassion gefunden. Besser ist es, dieses anzuhören, als meinem dürren Wortpfad zu folgen. Es wäre noch einiges nachzutragen, morgen.

Kleiner Nachtrag, die Playlist wurde wohl, aus welchen Gründen immer, vom Urheber gelöscht, aber die Einzelvideos sind noch vorhanden, man müßte sich demnach Stück für Stück durchhören. Das sind halt die Unwägbarkeiten mit Videos dieser Art.

Montag, 29. März 2010

Über Narzissen



William Wordsworth:

I wandered Lonely
As A Cloud

I wandered lonely as a cloud
That floats on high o'er vales and hills,
When all at once I saw a crowd,
A host, of golden daffodils;
Beside the lake, beneath the trees,
Fluttering and dancing in the breeze.

Continuous as the stars that shine
And twinkle on the milky way,
They stretched in never-ending line
Along the margin of a bay:
Ten thousand saw I at a glance,
Tossing their heads in sprightly dance.

The waves beside them danced; but they
Out-did the sparkling waves in glee:
A poet could not but be gay,
In such a jocund company:
I gazed--and gazed--but little thought
What wealth the show to me had brought:

For oft, when on my couch I lie
In vacant or in pensive mood,
They flash upon that inward eye
Which is the bliss of solitude;
And then my heart with pleasure fills,
And dances with the daffodils.


Ich wandert' einsam
wie die Wolk'

Ich wandert' einsam wie die Wolk',
Die über Tal und Hügel zieht.
Da sah ich, daß ein ganzes Volk -
Ein Heer! - von Goldnarzissen blüht;
Am See, wo Steine moosig sind,
da tanzen flatternd sie im Wind.

Wie lange Reih'n von Sternen, die
Hell schimmern auf im Überschwang,
So zieht der Blumen Galaxie
Dem Ufer einer Bucht entlang:
Zehntausend Blumen sieht mein Blick
Im Tanz, den Kopf gewandt zurück.

Gleich ihnen, Wellen tanzen heut,
Doch Blumen tanzen froher noch.
Der Dichter selbst fühlt Fröhlichkeit
In solcher heit'ren Menge doch.
So starrt' ich - starrt' - doch merkt' ich nicht
Welch' Schatz mir brachte diese Sicht:

Lieg' jetzt ich auf der Couch allein,
Oft still verträumt, oft denkbereit,
Erscheinen sie dem Auge mein
Als Wonne meiner Einsamkeit:
Dann füllt mein Herz mit Glück sich ganz
Als Tänzer im Narzissentanz.

Translation / Übersetzung
by / von Walter A. Aue


John William Waterhouse
Echo and Narcissus, 1903
hier gefunden

Vorhin erinnerte ich mich, daß zu den drückenden Kommentar- und Mailschulden, die auf mir lasten, dieses Gedicht von William Wordsworth gehört. Ich hatte versprochen, es jemandem zu schicken, und es zuvor als eines der bekanntesten der englischsprachigen Lyrik bezeichnet, was es wohl auch ist, darüber hinaus ist es schlicht berückend. Das Ganze hat einen bestimmten thematischen Hintergrund, der hier nicht weiter zu interessieren braucht, aber ich dachte, warum nicht einen kleinen Beitrag für meinen unwichtigen Blog daraus verfertigen, zumal ich so wieder einmal eine der Übersetzungen von Prof. Aue mißbrauchen kann.

Das Eingangsbild ist mehr der schwache Abglanz der Vorstellung, wie Narzissen aussehen können. Und wo ich kürzlich meine Vorliebe für die Präraffaeliten hinausposaunt habe, hier ein Bild, das mit all diesem in einem gewissen Zusammenhang steht. Und da meine Gedanken gerade ein wenig mäandern, ich wußte ich hatte mich an diesem Narziß-Thema einmal poetisch versucht, es war unsäglich, aber dabei fand ich dies und bin unschlüssig, ist es nun furchtbar kitschig oder noch annehmbar:

Wiesen weinen und lachen,
Wolken zerweht der Wind.
Träume fliehen in Wälder,
wo sie geborgen sind.

Sonntag, 28. März 2010

Palmsonntag


Julius Schnorr von Carolsfeld

Da sie nun nahe an Jerusalem kamen, gen Bethphage an den Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zwei und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und alsbald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ihr Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir!
Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprecht: Der HERR bedarf ihrer; sobald wird er sie euch lassen.
Das geschah aber alles, auf daß erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht:
"Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin."
Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf und setzten ihn darauf.
Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die andern hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.
Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des HERRN! Hosianna in der Höhe!
Und als er zu Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und sprach: Wer ist der?
Das Volk aber sprach: Das ist der Jesus, der Prophet von Nazareth aus Galiläa.
Und Jesus ging zum Tempel Gottes hinein und trieb heraus alle Verkäufer und Käufer im Tempel und stieß um der Wechsler Tische und die Stühle der Taubenkrämer und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: "Mein Haus soll ein Bethaus heißen"; ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht.
Und es gingen zu ihm Blinde und Lahme im Tempel, und er heilte sie.
Da aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten sahen die Wunder, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrieen und sagten: Hosianna dem Sohn Davids! wurden sie entrüstet und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus sprach zu ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen: "Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du Lob zugerichtet"?
Und er ließ sie da und ging zur Stadt hinaus gen Bethanien und blieb daselbst.
Als er aber des Morgens wieder in die Stadt ging, hungerte ihn; und er sah einen Feigenbaum am Wege und ging hinzu und fand nichts daran denn allein Blätter und sprach zu ihm: Nun wachse auf dir hinfort nimmermehr eine Frucht! Und der Feigenbaum verdorrte alsbald.
Und da das die Jünger sahen, verwunderten sie sich und sprachen: Wie ist der Feigenbaum so bald verdorrt?
Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: So ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein solches mit dem Feigenbaum tun, sondern, so ihr werdet sagen zu diesem Berge: Hebe dich auf und wirf dich ins Meer! so wird's geschehen.
Und alles, was ihr bittet im Gebet, so ihr glaubet, werdet ihr's empfangen.
Evangelium nach Matthäus, Kapitel 21, 1-22


J. S. Bach, H-Moll-Messe BWV 232, Osanna In Excelsis
hier gefunden

Samstag, 27. März 2010

Freitag, 26. März 2010

Julius Schnorr von Carolsfeld

translated

Verkündigung Mariä, 1820
hier gefunden


Das Romantische entläßt uns nicht aus seinen Klauen. Ich muß zur Erklärung sagen, daß ich eigentlich noch an einem Novalis Post schreibe (oder schreiben sollte), der hier seit gestern stehen müßte (zu schweigen von Goethe und Königin Luise). Und offen gestanden, war ich der festen Überzeugung, ich hätte über diesen „Nazarener“ längst etwas angemerkt, bis mir die Ursache dieses Irrtums klar wurde. Die von mir benutzte Bibel von 1913 enthält seine Illustrationen, daher war mir der Name so alltäglich.


Abraham will seinen Sohn Isaak opfern
aus "Die Bibel in Bildern", 1860
hier gefunden

Julius Schnorr von Carolsfeld wurde am 26. März 1794 geboren und ist einer der bekanntesten der sogenannten „Nazarener“, wie man später eine Gruppe von Künstlern nannte, die vor allem das Bestreben verband, der Kunst aus religiösem Antrieb heraus ihre Tiefe zurückzugeben. Eine sehr folgenreiche Gruppe, so wurden etwa die Präraffaeliten in England von ihr beeinflußt - als ich über einen anderen Nazarener, nämlich Overbeck jüngst etwas schrieb, habe ich bereits angemerkt, daß diese mir eigentlich deutlich näher stehen, aber dazu später.


Der hl. Rochus, Almosen verteilend, 1817
hier gefunden

Die Nazarener malten gegen die von ihnen empfundene Seelenleere des akademischen Klassizismus an, suchten nach Verinnerlichung und Vergeistigung, nach Rückbindung an Tradition und Glauben, ohne daß sie zumindest anfangs ausschließlich im Religiösen verblieben. Gerade Schnorr von Carolsfeld war auch ein exzellenter Landschaftsmaler, wie man an diesem Bild über den Hl. Rochus erkennen kann. Fast glaubt man, zwei Gemälde vor sich zu haben, mit der Gebirgslandschaft des Hintergrundes. Aber tatsächlich bleibt beides auf sich bezogen, das Bedeutsame der Handlung wird durch die Naturszenerie noch gesteigert.


Kriemhild erkennt an der Leiche Siegfrieds Hagen als Mörder
1846, hier gefunden

Es ist immer schwierig zu urteilen, wenn man die Intentionen von jemandem schätzt, aber seine Taten einen häufig unbefriedigt zurücklassen. Denn um nun doch schon den Punkt anzusprechen, der meinen Enthusiasmus gegenüber den Nazarenern etwas bremst, deren Ernsthaftigkeit ist mitunter recht arg angestrengt und monoton, die Darstellung leidet an zuviel gewollter Bedeutsamkeit und geradezu statuarischer Bewegungsarmut, die Bilder sind wie in Bedeutung eingefroren und wirken mehr verkrampft als lebendig. Das ist zur Richtung gemeint, weniger zu diesem Maler, der überrascht durchaus mit Variationsfreude. Dieses Motiv aus dem Nibelungenlied etwa atmet überzeugende Theatralik, geradezu die eines expressionistischen Stummfilms.


Grablegung Christi, 1862
hier gefunden

Und die Grablegung Christi wirkt in Figurenzeichnung, Ausdruck, Bewegung so vollendet, daß nicht einmal ein Hauch von Epigonalität erscheint. Und wenn auch beim letzten Bild das Statuarische und Anknüpfende stärker durchdringt, so leuchtet es dennoch in einem eigentümlichen Zauber, dem man sich kaum entziehen kann.

Und eine kleine Nachbemerkung, falls sich jemand wundern sollte, dieser Beitrag war halbfertig liegengeblieben und wurde von mir erst 2 Tage später am Sonntag zu Ende gebracht.


Porträt der Frau Klara Bianka von Quandt mit Laute, 1820
hier gefunden