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Mittwoch, 4. März 2020

Krudes vom Krankenlager


I

Man komme mir nicht mit den Verwicklungen christlicher Prädestinations-Lehrversuche.
Ein C-Christ mag viele dubiose Vorstellungen über Bilder und Orgeln haben, aber merkwürdigerweise spornt ihn seine zweifelhafte Vorstellung von der Vorherbestimmung dazu an, herausbekommen zu wollen, ob er zu den Verdammten gehöre oder nicht. Und so entstehen Handelshäuser, Kolonien, irgendwann sogar diese merkwürdigen Vereinigten Staaten in Nordamerika.

Ein süd-östlich Erleuchteter denkt, wenn er Flöhe hat, daß sein A-Gott das so will, also wäre es doch Gotteslästerung, daran etwas ändern zu wollen. Selbst schräge Ideen können das tiefer Angelegte in Menschen aufrufen, wie auch immer, andere töten es ab. Eine traurige Sache.

II

Wo ich ein von der Apothekerin empfohlenes Gesundheitsbad nahm – kein Vorwurf – das Wasser abgelassen war und ich erkennen durfte, daß eine zu kleine Kraft keinen weit zu schweren Körper zu bewegen vermag (ja, selbst Badewannen können zu Fast-Todesfallen werden, aber ist das das Leben nicht sowieso), hatte ich zwischen meinen Befreiungsversuchen in der leeren Wanne ausreichend Zeit zum Nachdenken. Nun immerhin würde die Entsorgung (im Falle von) einfacher werden, aber wäre der Anblick nicht trotzdem zu unhöflich. So vermag Oberflächlichkeit zu motivieren.

III

Ernesto Cardenal ist tot. Diese Dinge geschehen regelmäßig. Bei Che Guevara kann man das romantische Gefühl beobachten, das vor allem Frauen zu Mördern hinzieht. Nun, Herr Cardenal hat niemanden persönlich umgebracht, das spricht für ihn, Aber mit seinem großen Talent die Wahrheit verdunkelt. Eine weitere irregeleitete Seele, von der nichts bleiben würde, wenn nicht die Sprache größer wäre als der Mensch. Der Hl Vater hat versucht, ihm ins Gewissen zu reden (nicht der aus dem Heutigen).

Und wo wir eben dort angekommen sind


Johannes Paul II - Abbà Pater
10 Madre di tutte le genti – hier gefunden

Erhab'ne Mutter des Erlösers, 
Du allzeit offene Pforte des Himmels
Und Stern des Meeres.
Komm, hilf deinem Volke, das sich müht, vom Falle aufzusteh'n.
Du hast geboren, der Natur zum Staunen, deinen heiligen Schöpfer...

Samstag, 18. Mai 2013

Nicolás Gómez Dávila


Nicolás Gómez Dávila, 1930

Sobald Menschen auch nur an Religion denken, werden sie dümmer, wollten kürzlich einige Kanadier glauben machen. Ich will mich zu dieser „Studie“ nicht weiter auslassen, über methodisch Fragwürdiges oder Ähnliches etwa (ich hatte es hier versucht), aber sie paßt so perfekt in das gegenwärtige Dahinplätschern des Zeitgeistes.

Nicolás Gómez Dávila, geboren vor genau 100 Jahren in Bogotá, meinte, das exakte Gegenteil stünde der Wahrheit zur Seite. Der vergessende Mensch der Moderne (und was er vergißt, ist vor allem alles, was religiöse Suche über die Natur des Menschen in Jahrtausenden herausgefunden hat) sinke ab in einen Morast aus Leere, Triebabfuhr und gefesseltem Denken (vulgo Ideologien). Die Moderne verfehle die Natur des Menschen.

Es ein wenig so, wie wenn man als völlig indoktriniertes Kind (die Inhalte sind austauschbar, wie wir sehen werden) glaubhaft und befreiend aufgezeigt bekäme, es ist fast alles ganz anders, in Wirklichkeit. Zum Glück sind wir dieses Kind nicht. Aber wir leben in dieser konkreten Zeit und müssen ihre Begleitgeräusche jeden Tag zu ertragen üben, und dagegen ist „volkstümliche Volksmusik“ sozusagen noch Musik.

Da hilft dann ein Mozart oder eben ein Dávila. Ihn zu lesen ist ein großes Vergnügen. Dávilas geschliffene Aphorismen durchschneiden wie ein Dolch beiläufig das Gewebe der Phrasen und zweifelhaften Sicherheiten, die uns derzeit das Wesen der Dinge zu verhüllen suchen. Aber über ihn zu schreiben zu versuchen, das schüchtert ein.

Daß er sich vor allem aphoristisch mitteilte, gehört seinem Denken wesensmäßig an (was es nicht einfacher macht, wie mir vor 2 Jahren bereits auffiel). Es ist erstaunlich, Plato schrieb Dialoge, der Aristokrat Heraklit hat vielleicht Aphorismus und Paradoxie nicht erfunden, aber wohl als erster in unserem Abendland zum Leuchten gebracht. Es ist eine andere Art des Denkens, die das abgeschlossene System nicht braucht, weil sich ein solches doch gerade gegen das abschließen muß, was es zu erforschen vorgibt.

„Das Universum ist nicht System, das heißt: logischer Zusammenhang. Sondern hierarchische Struktur von Paradoxen.“
„Der Mensch kann sich gegen die Inkohärenz des Universums nur mittels einer analogen Inkohärenz schützen.“

Dávila weiß um die Fragwürdigkeit eines jeden Denkens, das die Wirklichkeit voreilig in dem Korsett eigener Vorstellungen unterbringen will. Das gelingt nur mit einem Selbstbewußtsein, das nicht dominiert wird von Weltbewußtsein, Selbstsuggestion und radikaler Weltvereinfachung (womit z.B. Puritaner, Calvinisten, kirchliche und andere Ikonoklasten nicht nur die Kirchen entleeren konnten). Zu diesem Selbstbewußtsein zählt auch ein äußerst beschränkter Mitteilungsdrang.

Er wurde fast zufällig „bekannt“. Um ein sprachlich leicht geschmacksunsicheres Bild zu gebrauchen: Dávila ist wie ein Hochgebirge über einer versumpften Ebene. Also nichts, das meint, etwas beweisen zu müssen. Er ist einfach anwesend. Und das genügt.

Der Mensch

Offen gestanden, kann ich es nicht leiden, wenn mir jemand erklärt, dieser oder jener sei höchst bedeutsam, ohne zumindest zu versuchen, mir die Gründe dafür auszubreiten. An diesem Punkt sind wir gerade, also, nun gut. Versuchen wir, die Spur seines Denkens aufzunehmen.

Der Mensch: Dávila setzt ein, mit einem sehr wachen, inzwischen ungewohnten Blick auf dessen wirkliche Existenz: „Dem Sein wohnt keine Grenze inne, kein Verlangen erklärt sich selbst für befangen.“ Doch dieses Verlangen stößt auf Ablehnung, Begrenzung. Jedes Subjekt lebt in einem Winkel eindringender Begrenzungen, in der Spannung anstürmender Konflikte.

„Die Gewalt, der grausame Diener der durch die Grenze bestimmten Essenz der Dinge, bestimmt die Normen der aktualisierten Existenz.“ „Alles in der Welt ist Grenze, Zielpunkt, Ende.“ 

Das gilt für alles Lebendige, was aber die Existenz des Menschen absurd macht, ist, daß er nicht nur ein Bewußtsein dessen hat, sondern eines, das über diese Gegebenheit hinausreicht. Je bewußter er sich seiner wird, je mehr er Mensch wird, um so weniger kann er sich in der Welt erträglich einrichten. Er vermag in Wahrheit nicht, in sich zu ruhen, immer taumelt er an der Grenze seiner selbst.

„Der Mensch ist ein verlorenes Tier, ohne ein verlassenes Tier zu sein. Der Mensch weiß nicht, wohin er gehen soll, gleichwohl hat er die Pflicht, anzukommen.“ 

Die Absurdität seiner Existenz ist aber keine äußerliche Angelegenheit, nichts, das sich abstreifen ließe, oder innerweltlich erlösen. Die Situation des Menschen ist nichts Äußerliches, Zufälliges, sie ist die Natur des Menschen. Er ist keine reine Essenz, die einer unreinen und fremden Existenz unterworfen wäre.

„Der Mensch ist die Unreinheit seiner menschlichen Natur selbst“, er ist „seine gebrochene und zerstörte Bedingtheit“. Das Scheitern ist die Substanz seines Lebens. „Das Bewußtsein ist Strukturierung der Ohnmacht und des Scheiterns.“ Der bewußte Mensch wird sich seiner Bedingtheit bewußt, und seiner Ohnmacht. (Zitate aus Textos I, Karolinger – Verlag, 2003)

Weder Annahme noch Ablehnung dieser Einsicht sind eine Hilfe für den Menschen, Ablehnung würde Suizid bedeuten, Annahme ein „unmittelbares Vertieren“. Doch gibt es einen Ausweg für das Bewußtsein, das seine Bedingtheit akzeptiert, der Mensch kann „außerhalb jedes vorstellbaren Umstandes erlöst werden“.

Das ablehnende Bewußtsein aber meint, Essenz und Existenz des Menschen trennen zu können, indem letzteres zur zufälligen Situation erklärt wird, mit deren Veränderung auch die menschliche Natur verwandelbar wird. „Für das ablehnende Bewußtsein ist das begründende Prinzip reine Immanenz, und der Mensch kann nur im Rahmen seiner eigenen Natur erlöst werden.“ (ebenda)

Die Welt ist das, dem zu widerstehen ist, und im Widerstehen findet der Mensch sich oder ein Surrogat seiner selbst, entscheidend ist die Art des Widerstehens.

Ansichten der Wahrheit 

Ein Einschub. Eben erinnere ich mich, wie meine wissenschaftlicher gestimmten Freunde üblicherweise die Brauen hochziehen, wenn sie das Wort „Wahrheit“ im religiösen oder philosophischen Kontext hören. Zu meiner Freude bin ich gerade über zwei Zitate gestolpert, die ich früher schon einmal anbrachte und erneut nicht vorenthalten will, ich denke, sie führen weiter:

„Der Positivismus war weder bloße Philosophie noch reine Methodologie; er war eine jener Schulen des Argwohns, die in der 'modernen' Zeit ihre Blüten getrieben haben. Ist der Mensch denn tatsächlich in der Lage, mehr zu kennen als das, was seine Augen sehen oder seine Ohren hören können? Existiert eine andere Wissenschaft als die rein empirischen Wissens? Sind die Fähigkeiten der menschlichen Vernunft ausschließlich den Sinnen unterworfen, und werden sie innerlich von den mathematischen Gesetzen bestimmt, die sich als besonders nützlich erwiesen haben, wenn es darum geht, die Phänomene auf rationale Weise zu ordnen oder aber die Prozesse des technischen Fortschritts zu lenken?

Aus positivistischem Blickwinkel machen Begriffe wie zum Beispiel Gott oder Seele selbstverständlich keinerlei Sinn. Im Bereich der sinnlichen Erfahrung haben sie eben keine Entsprechung.“ (Johannes Paul II. „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“)

„Es ist müßig, ständig von dem Gegensatz zwischen Vernunft und Glauben zu reden. Die Vernunft selbst ist eine Sache des Glaubens. Davon auszugehen, daß unsere Gedanken überhaupt in einer Beziehung zur Wirklichkeit stehen, ist ein Glaubensakt.“ (Gilbert Keith Chesterton, „Orthodoxie – Eine Handreichung für die Ungläubigen“)

„Definieren läßt sich der Mensch hingegen als Dogmen verfertigendes Tier. In dem Maß wie er Lehrsatz auf Lehrsatz und Schlußfolgerung auf Schlußfolgerung setzt, um die gewaltige Ordnung einer Philosophie oder Religion zu schaffen, wird er – in dem einzig legitimen Sinn, den das Wort haben kann – immer mehr zum Menschen. Läßt er als ausgefuchster Skeptiker eine Lehre nach der anderen fallen; lehnt er es ab, sich an ein System zu binden... erklärt er, er glaube nicht an Zweckbestimmung; sieht er sich in Gedanken als Gott, der selbst keinerlei Glauben hat, aber auf alle Religionen hinabblickt, - dann sinkt er nach und nach zurück in die Unentschiedenheit der streunenden Tiere und die Bewußtlosigkeit der Gräser. Bäume haben keine Dogmen. Rüben sind extrem weitherzig.“ (Gilbert Keith Chesterton, „Ketzer – Eine Verteidigung der Orthodoxie gegen ihre Verächter“)

Bevor wir uns aber den Wegen des rebellierenden Bewußtseins nähern, wäre doch endlich die Frage zu stellen (sie ist natürlich schon halb beantwortet), was denn den Menschen, dessen Existenz naturgemäß absurd ist, in diese Bredouille gebracht hat. Es war natürlich Gott.

Gott

Von Augustinus gibt es das schöne Wort „homo desiderium dei.“ – „Der Mensch ist die Sehnsucht nach Gott" oder „Der Mensch ist die Sehnsucht Gottes", es läßt sich in beide Richtungen übersetzen und beides ist wahr. Hinzu paßt ein anderes: „Kehre zu dir selbst zurück; im Inneren des Menschen wohnt die Wahrheit; und wenn du entdeckst, daß deine Natur wandelbar ist, gehe über dich selbst hinaus.“

Dávila sagt es leicht abgewandelt. Nach ihm ist Gott die Essenz der Mensch-Werdung, ein Vorgang, der aus biologischer Determiniertheit heraus nicht erklärt werden kann; im Gegenteil, ein Bruch, eine Spannung entsteht: Ein Organismus verweigert sich der Logik seiner tierhaften Existenz, er bricht die biologische Kontinuität. Mit dem Aufstieg aus der „dichten Tierhaftigkeit“ kommt es zur Geburt Gottes, sein Wesen ist in diesem Aufstieg des Menschen. Gott bedarf des Menschen zu seiner Existenz, aber er geht nicht aus ihm hervor, ja er mutet ihm die Freiheit zu, das rein Biologische zu übersteigen.

Wem hier etwas schwindlig wird, dem sei versichert, er steht nicht allein. Allein schon hier wird deutlich, daß ein Etikett wie „katholischer Denker“ ein wenig zu klein für Dávila ist. Allerdings ist es ist auch eine Herausforderung, die Gedanken Dávilas so nachzuzeichnen, daß man sie selbst versteht. Ich bezweifle, daß mir dies bisher hinreichend gelungen ist, oder in seinen Worten:

„Meine einzige Angst ist die, daß meine Mittelmäßigkeit entwürdigen könnte, was ich bewundere.“

1. Teil, beendet am 23. Mai, wird fortgesetzt
2. Teil, beendet am  7. Juni, hier

Sonntag, 1. Mai 2011

Quasimodogeniti

poorly translated

Da der nunmehr selige Johannes Paul II. heute am Sonntag Quasimodogeniti zur Ehre der Altäre erhoben wurde und ich nicht wußte, wo ich danach mit meiner Rührung hin sollte, habe ich einfach etwas aufwendiger gekocht: Einen Schweinerückenbraten mit einer Kräuterkruste aus Salbei, Thymian, Rosmarin und Petersilie. Dazu Herzogin-Kartoffeln, Spargel (den ersten des Jahres) und zwei Salate, einen einfachen Gurkensalat und einen etwas aufwendigeren gemischten Salat (aus eingelegten Gurken, Oliven und Paprika, Tomaten und Fetakäse mit Olivenöl und viel frisch gemahlenem Pfeffer). Für den Fall, daß dies für jemanden von Interesse ist.

Übrigens ging mir während der Meßfeier so durch den Kopf: Sollte es einen Römer, sagen wir des 4. Jahrhunderts nach Christus, durch irgendein merkwürdiges Ereignis heute dorthin verschlagen haben, ihn dürfte der merkwürdige Akzent verwundert haben, aber im Großen und Ganzen hätte er sich wohl zurechtgefunden, was für ein seltsam schöner Gedanke.


Since I didn’t know what to do with my overwhelming feelings after the Beatification of John Paul II on this Quasimodo Sunday, I just cooked a bit more ambitious: a saddle of pork roast with an herb crust of sage, thyme, rosemary and parsley. Duchesse potatoes, asparagus (the first of the year) and two salads, a simple cucumber salad and a somewhat more complex mixed salad (of pickled cucumbers, olives and peppers, tomatoes and feta cheese with olive oil and freshly ground pepper). In case this is of interest for someone.
By the way, during the Mass I thought: If a Roman, let’s say from the 4th Century A.D., caused by a strange incident would have been attend there today, he would have been certainly surprised by the strange accent, but by and large he wouldn’t probably felt out of place, what a strange and beautiful idea.

Samstag, 2. April 2011

Über den Hl. Vater &

Johannes Paul II. vor der Heiligen Pforte
zur Eröffnung des Heiligen Jahres am 24. Dezember 1999

Irgendwie bin ich dann doch davor zurückgeschreckt, den Heiligen Vater und Eugen Sandow gemeinsam in einem Beitrag zu erwähnen, ich werde das vielleicht später erläutern. Jedenfalls starb Johannes Paul II. am 2. April 2005, vor 6 Jahren also, eine Erinnerung, die sich irgendwie dazwischen befindet, noch lebendig, die Bilder und Gefühle immer noch aufrufbar, aber nicht mehr als nahezu gegenwärtig wahrgenommen. Als ich kürzlich das neueste Buch Benedikt XVI. erwarb und ein wenig übermütig gegenüber dem jungen Mann in der Buchhandlung dabei vom „Heiligen Vater“ sprach, ihm entgleisten auch erwartungsgemäß für eine halbe Sekunde die Gesichtszüge, empfand ich das innerlich jenseits aller Ironie als angemessen. Kardinal Ratzinger ist inzwischen also als Papst in meinem Gefühlszentrum angekommen.

Ich habe sehr klare Erinnerungen an das Sterben von Johannes Paul II., und merkwürdig genug, im Zusammenhang mit ihm habe sich eher Bilder eingebrannt, wie das obige, weniger Worte. Ich habe leider keine brauchbare Abbildung gefunden, aber wer weiß, was ich meine, erkennt es wieder. Er war in der Lage, allein durch seine Person die Präsenz des Heiligen spürbar werden zu lassen, fast wortlos. Aber ein wortloser Blogbeitrag, nun ja.

Ich habe längst den Überblick über meine Beiträge hier verloren, und ich hätte schwören können, schon einmal darüber geschrieben zu haben, wie ich den Besuch von Papst Johannes Paul II. 1996 in Berlin erlebte. Herr Roloff erinnerte mich an dessen Ansprache zum Abschied am Brandenburger Tor am 23. Juni. Und bevor ich also die Geschichte dazu erzähle einige Zitate aus seiner erinnerungswürdigen Ansprache:

„Freiheit bedeutet nicht das Recht zur Beliebigkeit. Freiheit ist kein Freibrief! Wer aus der Freiheit einen Freibrief macht, hat der Freiheit bereits den Todesstoß versetzt. Der freie Mensch ist vielmehr der Wahrheit verpflichtet. Sonst hat seine Freiheit keinen festeren Bestand als ein schöner Traum, der beim Erwachen zerbricht. Der Mensch verdankt sich nicht sich selbst, sondern ist Geschöpf Gottes; er ist nicht Herr über sein Leben und über das der anderen; er ist — will er in Wahrheit Mensch sein — ein Hörender und Horchender: Seine freie Schaffenskraft wird sich nur dann wirksam und dauerhaft entfalten, wenn sie auf der Wahrheit, die dem Menschen vorgegeben ist, als unzerbrechlichem Fundament gründet. Dann wird der Mensch sich verwirklichen, ja über sich hinauswachsen können. — Es gibt keine Freiheit ohne Wahrheit.

Die Idee der Freiheit kann nur da in Lebenswirklichkeit umgesetzt werden, wo Menschen gemeinsam von ihr überzeugt und durchdrungen sind — in dem Wissen um die Einmaligkeit und Würde des Menschen und um seine Verantwortung vor Gott und den Menschen. Da — und nur da -, wo sie zusammen für die Freiheit einstehen und in Solidarität für sie kämpfen, wird sie errungen und bleibt sie erhalten. Die Freiheit des einzelnen ist nicht zu trennen von der Freiheit der anderen, aller anderen Menschen. … Es gibt keine Freiheit ohne Solidarität… Es gibt keine Freiheit ohne Opfer.

…Mir liegt sehr viel an der Aussagekraft dieser Formen menschlicher Kultur, ist es doch die Gabe, mit unseren Kräften die göttliche Schöpfung weiterzuführen und zu konkretisieren… „Die ,Seele' der Zivilisation der Liebe ist die Kultur der Freiheit, die Freiheit des einzelnen und die Freiheit der Nationen, die in einer selbstgegebenen Solidarität und Verantwortung gelebt werden kann". Wenn einer die Erfahrung der Liebe hat, hat er auch die Erfahrung der Freiheit. In der Liebe überschreitet der Mensch sich selbst, er läßt sich los, weil ihm am anderen liegt, weil er will, daß das Leben des anderen gelingt. … Öffnet die Tore für Gott! Das neue Haus Europa, von dem wir sprechen, braucht ein freies Berlin und ein freies Deutschland. Es braucht vor allem die Luft zum Atmen, geöffnete Fenster, durch die der Geist des Friedens und der Freiheit eindringen kann. Den Berlinern und allen Deutschen … rufe ich zu: Löscht den Geist nicht aus! Haltet dieses Tor geöffnet für Euch und alle Menschen! Haltet es geöffnet durch den Geist der Liebe, durch den Geist der Gerechtigkeit und den Geist des Friedens! Haltet das Tor offen durch die Öffnung Eurer Herzen! Es gibt keine Freiheit ohne Liebe. Der Mensch ist zur Freiheit berufen. — Ihnen allen, die Sie mich jetzt hören, verkündige ich: Die Fülle und die Vollkommenheit dieser Freiheit hat einen Namen: Jesus Christus. Er ist der, der über sich bezeugt hat: Ich bin die Tür. In ihm ist den Menschen der Zugang geöffnet zur Fülle der Freiheit und des Lebens. Er ist der, der den Menschen wirklich frei macht, indem er die Finsternis aus dem menschlichen Herzen vertreibt und die Wahrheit aufdeckt. Er vollendet seinen Weg als unser Bruder und seine Solidarität mit uns in der Hingabe seines Lebens für uns. So befreit er uns von Sünde und Tod. Er läßt uns in unserem Nächsten sein eigenes Angesicht, das Gesicht des wahren Bruders, erkennen. Er zeigt uns das Antlitz des Vaters und wird für alle das Band der Liebe. Christus ist unser Erlöser, ist unsere Freiheit.

Der Tag neigt sich dem Abend zu. Aber wir bewahren in unseren Herzen das Licht, dessen wir uns heute haben erfreuen dürfen. Und wir bleiben eins in der Hoffnung, die uns beseelt… Gott segne Berlin, Gott beschütze Deutschland!“

Soweit der Heilige Vater. Die Geschichte also: Nun, Herr Roloff, ich und ein Dritter hatten den Nachmittag des Tages, an dem der Papst die besagte Ansprache hielt, in einem Cafe an der Straße „Unter den Linden“ verbracht. Das sich versammelnde Publikum ließ häufig nichts Erfreuliches erwarten. Man bekam einen hinreichenden Überblick über die Abseitigkeiten dieser Stadt, und so kam es, daß, als der Papst in seinem „Papamobil“ heranrollte, der Geräuschpegel hatte erheblich zugenommen und wir waren dementsprechend hinzugestürzt, die Kulisse, milde gesagt, durchwachsen war. Jedenfalls, als einige denaturierte Gestalten begannen, nackte Babypuppen auf das Auto zu werfen, der Papst segnete weiterhin lächelnd die Menge, muß es über mich gekommen sein (ich war übrigens kurz zuvor in Rom gewesen).

Als ich am Abend im Fernsehen einen Bericht sah, hörte ich über all dem Lärm eine durchdringende, fast hysterisch kippende Stimme und erkannte einzelne Worte: „Bravo, Bravo“ und „Viva il Papa!“, es war meine eigene. Und ich bin Lutheraner.

Mittwoch, 8. September 2010

Über die Geburt der Hl. Jungfrau

Domenico Beccafumi; Maria Geburt, Detail
hier gefunden

Von alters her wird heute das Fest Mariä Geburt begangen. Wahrscheinlich entstand es aus dem Kirchweihfest der St.-Anna-Kirche in Jerusalem, einer der Orte, der sich mit der Überlieferung von der Geburt Mariens verbunden hat. Bereits Papst Sergius (687-701) nennt es als eines der vier Marienfeste, die in Rom gefeiert werden.

Von diesem Datum her erklärt sich auch das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ am 8. Dezember, das von der katholischen Kirche begangen wird. Es ist das bekanntere der Marienfeste, spätestens seit dem von Papst Pius IX. am 8. Dezember 1854 verkündeten Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens:

„Zur Ehre der Heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit, zur Zierde und Verherrlichung der jungfräulichen Gottesgebärerin, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zum Wachstum der christlichen Religion, in der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und der Unseren erklären, verkünden und bestimmen Wir in Vollmacht unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und in Unserer eigenen: Die Lehre, daß die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechts, von jedem Fehl der Erbsünde rein bewahrt blieb, ist von Gott geoffenbart und deshalb von allen Gläubigen fest und standhaft zu glauben. Wenn sich deshalb jemand, was Gott verhüte, anmaßt, anders zu denken, als es von Uns bestimmt wurde, so soll er klar wissen, daß er durch eigenen Urteilsspruch verurteilt ist, daß er an seinem Glauben Schiffbruch litt und von der Einheit der Kirche abfiel …“

Man muß nicht eigens erläutern, daß die Marienverehrung zu den Dingen gehört, die Protestanten eher von der katholischen Kirche trennen, und dieses Dogma mag das befördert haben. Daß Maria heilig, also frei von der Erbsünde geboren wurde, wird von diesen eben nicht geglaubt. Aber, um diese kleine Abschweifung zuzulassen, da ich mich nun einmal noch als Lutheraner fühle, so eindeutig ist das Verhältnis zu ihr gar nicht. Soweit die evangelische Kirche ihre Bekenntnisschriften ernst nimmt (es ist heutzutage unklar, wie weit das der Fall ist), müßte sie schon erläutern, was es denn bedeutet, wenn es etwa in der Confessio Augustana von 1530 heißt: “Item, es wird gelehrt, daß Gott der Sohn sei Mensch worden, geboren aus der reinen Jungfrau Maria …“

Oder in der Konkordienformel (Epitome VIII.7): „Daher glauben, lehren und bekennen wir, daß Maria … den wahrhaftigen Sohn Gottes empfangen und geboren habe, darum sie auch recht die Mutter Gottes genennet wird und auch wahrhaftig ist.“ Kein Wunder steht (oder stand) doch der Protestantismus auch in der Tradition der Ökumenischen Konzilien und der dort gefundenen Glaubenssätze.

Martin Luther schreibt in seiner wunderbaren Auslegung des Magnificat über Maria: „Es will auch im Herzen bedacht sein, was das sei, Gottes Mutter sein.“ Und zuvor: „Die großen Dinge sind nichts anderes, als daß sie Gottes Mutter geworden ist, in welchem Werk ihr so viele und große Güter gegeben sind, daß niemand sie begreifen kann. Denn da folget alle Ehre, alle Seligkeit, und daß sie im ganzen menschlichen Geschlecht eine einzigartige Person ist über alle, der niemand (darin) gleich ist, daß sie mit dem himmlischen Vater ein Kind, und ein solches Kind hat. Und sie selbst kann ihm keinen Namen geben vor überschwänglicher Größe und muß es dabei bleiben lassen, daß sie heraus brünstet und schäumt, es seien große Dinge, die nicht auszureden seien noch zu messen. Darum hat man in einem Wort alle ihre Ehre begriffen, so man sie Gottes Mutter nennet. Es kann niemand Größeres von ihr noch zu ihr sagen, wenn er gleich so viel Zeugen hätte wie Laub und Gras, Sterne am Himmel und Sand im Meer ist."

Nur als ein Hinweis, eine gut lesbare und ans heutige Deutsch angeglichene Zusammenfassung von Luthers Auslegung findet sich hier. Um einmal mit einem Zitat dieser Fassung zu folgen: Luther sagt, Maria wolle, “daß Gott in ihr gelobt sei, und will durch sich jedermann zu unerschütterlichem Vertrauen in Gottes Gnade bringen“. Und weiter:

„Und dabei sollte sie – und wollte sie auch gerne selbst –das herausragende Beispiel der Gnade Gottes sein, um alle Welt zur Zuversicht in Gottes Gnade und zu Liebe und Lob gegen ihn zu reizen, so daß alle Herzen durch sie die Erwartung gegen Gott finden, die mit aller Zuversicht sagt: O, du selige Jungfrau und Mutter Gottes! Wie hat uns Gott in dir einen so großen Trost erwiesen, weil er deine Unwürdigkeit und Nichtigkeit so voller Gnade angesehen hat. Dadurch werden wir ermahnt, er werde hinfort uns arme, nichtige Menschen, deinem Beispiel gleich, auch nicht verachten, sondern in Gnaden ansehen.“

Ich muß gestehen, mir sind die Glaubenssätze, mit denen die katholische Kirche Maria heraushebt, nicht völlig fremd, machen sie doch das Besondere ihres Wesens deutlich. Sie, die selbst voller Demut und voll von bedingungslosem Glauben war und sicher von ihrer Umwelt nicht sonderlich geachtet wurde (wenn wir einmal die Umstände von Jesu Geburt mit anderen Augen sehen), die von sich so gering dachte, wurde zur Brücke zwischen der Menschheit und Gott, allein aus der Festigkeit ihres Glaubens. Zur Brücke, über die hinweg Gottes Sohn zur Menschheit kam und Mensch wurde. Maria ist die Brücke, über die ihr Sohn zu schreiten vermag, um die Welt zu erlösen. Und über die Menschen zu Gott finden können, sie selbst wollte nichts anderes sein, nur diese Mittlerin.

Papst Johannes Paul II. hat übrigens selbst einmal Luthers Auslegung des Magnificats zitiert (während einer Audienz am 21. März 2001):

"The visit to Elizabeth is sealed by the canticle of the Magnificat, a hymn that has come down through all Christian centuries as a perennial melody: a hymn that unites the hearts of Christ's disciples beyond the historical divisions, which we are committed to overcoming in view of full communion. In this ecumenical atmosphere, it is good to remember that in 1521 Martin Luther devoted a famous commentary to this ‘holy canticle of the Blessed Mother of God’, as he expressed it.

In it he says that the hymn 'must be learned well and remembered by all', because 'in the Magnificat Mary teaches us how we should love and praise God.... She wants to be the greatest example of God's grace in order to spur everyone to have trust and to praise divine grace.'”

Und so wollen wir mit einem Stück enden, in dem dieser die Heilige Jungfrau preist.


Marienantiphon aus der Liturgie zum Abendgebet, Rom, 8. Dezember 1982 /
Vers aus dem Halleluja der dritten Weihnachtsmesse
aus „Abbà Pater“, einer Produktion über Johannes Paul II. von 1999
hier gefunden

Mutter aller Völker

Erhab’ne Mutter des Erlösers, du allzeit offene
Pforte des Himmels
und Stern des Meeres.
Komm, hilf deinem Volke,
das sich müht, vom Falle aufzusteh’n.
Du hast geboren, der Natur zum Staunen,
deinen heiligen Schöpfer.

Ein Licht strahlt heute über uns auf…

Unberührte Jungfrau, die du aus Gabriels Mund
nahmst das selige Ave, o erbarme dich der Sünder.

Ein Licht strahlt heute über uns auf…

Laß die Welt aufersteh’n!
Hilf dem Menschen aus der Sünde aufzuersteh‘n!
Du bist jene, die Gott geboren hat!
Du bist jene, die der Welt
den menschgewordenen Gott geschenkt hat.

Dienstag, 18. Mai 2010

Ein Gruß in die Ewigkeit



Der HERR ist mein Licht und mein Heil;
Vor wem sollte ich mich fürchten!
Der HERR ist meines Lebens Kraft;
Vor wem sollte mir grauen!
HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
Sei mir gnädig und erhöre mich!
Mein Herz denkt an dein Wort: "Sucht mein Angesicht."
Darum suche ich auch, HERR, dein Angesicht.
Verbirg dein Angesicht nicht vor mir,
Verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!
Ich aber bin gewiß zu schauen
Die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen.
Hoffe auf den HERRN, und sei stark!
Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

aus dem Psalm 27, Johannes Paul II.,
Pfarrei San Roberto Bellarmino ai Parioli, Rom, 2.März 1980

Ich wurde heute daran erinnert, daß der vorige Papst Johannes Paul II. als Karol Józef Wojtyła vor 90 Jahren geboren wurde. Also sei Ihm damit ein Geburtstagsglückwunsch in die Ewigkeit geschickt. Aus diesem Anlaß diese 2 Videos, beide verwenden Stücke von „Abbà Pater“, einer Produktion über Johannes Paul II. von 1999. Es ist erstaunlich, welche Kraft selbst von diesen Dingen ausgeht.



Mutter aller Völker

Erhab’ne Mutter des Erlösers, du allzeit offene
Pforte des Himmels
und Stern des Meeres.
Komm, hilf deinem Volke,
das sich müht, vom Falle aufzusteh’n.
Du hast geboren, der Natur zum Staunen,
deinen heiligen Schöpfer.

Ein Licht strahlt heute über uns auf…

Unberührte Jungfrau, die du aus Gabriels Mund
nahmst das selige Ave, o erbarme dich der Sünder.

Ein Licht strahlt heute über uns auf…

Laß die Welt aufersteh’n!
Hilf dem Menschen aus der Sünde aufzuersteh‘n!
Du bist jene, die Gott geboren hat!
Du bist jene, die der Welt
den menschgewordenen Gott geschenkt hat.

Marienantiphon aus der Liturgie zum Abendgebet, Rom, 8. Dezember 1982 / Vers aus dem Halleluja der dritten Weihnachtsmesse

Freitag, 2. April 2010

Karfreitag

translated


Die Kirche gedenkt heute der Kreuzigung ihres Herrn. Und wie könnte dieses Gedenken eine angemessenere Form finden als erneut mit einem Passus aus Bachs Matthäuspassion. Mir ist heute eher zufällig aufgegangen, daß Johannes Paul II. genau am heutigen Tage starb, am 2. April 2005, ich kann schwer erklären, warum ich nach wie vor eine enge Verbindung zu diesem Papst fühle und will aus seiner Botschaft anläßlich des Kreuzweges am Kolosseum, Karfreitag, 25. März 2005, also unmittelbar vor seinem Tod zitieren:

„‘Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi, quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum‘ [Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.]. Ja, wir verehren und preisen das Mysterium des Kreuzes des Gottessohnes, weil aus jenem Tod eine neue Hoffnung für die Menschheit entsprungen ist.

Die Verehrung des Kreuzes weist uns auf eine Aufgabe hin, der wir uns nicht entziehen dürfen: Es ist der Auftrag, den der hl. Paulus mit den Worten zum Ausdruck brachte: 'Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt' (Kol 1,24). Auch ich opfere meine Leiden auf, damit sich der Plan Gottes erfülle und sein Wort zu den Völkern gehe. Ich bin all jenen nahe, die in diesem Moment von Leiden geprüft sind. Ich bete für einen jeden von ihnen.

An diesem Tag des Gedenkens an den gekreuzigten Christus blicke ich mit Euch auf das Kreuz und verehre es mit den Worten der Liturgie: 'O crux, ave spes unica!' Sei gegrüßt, o Kreuz, einzige Hoffnung, schenke uns Geduld und Mut und erhalte der Welt den Frieden!“


Warschau, 7. IV. 2005
hier gefunden

Donnerstag, 2. April 2009

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Über Verehrung



Auch wenn uns die Sinnlosigkeiten des Tages beträchtlich ermüdet haben, gelingt es uns doch gerade noch festzuhalten, daß heute vor 30 Jahren, also am 16. Oktober 1978, Karol Józef Wojtyła zum Papst der Römischen Kirche gewählt wurde, als welcher er den Namen Johannes Paul II. annahm.

Es ist erstaunlich, wie wir für jemanden, der uns in so vielen Dingen zutiefst fremd geblieben ist, unverändert eine noch tiefere Zuneigung und Verehrung empfinden können.

Montag, 29. September 2008

Michaelis

Es gibt nichts, das einen in einen angenehmeren Zustand somnambulen Wohlbehagens zu bringen vermag, als die lateinisch gesungene Allerheiligenlitanei: Die Zeit versinkt, die Ewigkeit erscheint, das Häßliche schwindet, die Schöpfung erkennt das Gesicht ihrer Schönheit. Ein schönes, wenn auch unvollständiges Beispiel, findet sich hier von dem Begräbnis Papst Johannes Pauls II.



Warum dies, nun unter den aufgerufenen Heiligen folgt unmittelbar nach der Heiligen Jungfrau der Erzengel Michael. Und heute ist der Tag des Erzengel Michael, Michaelis.

Ich muß im Zusammenhang meines Christentums gestehen, daß tief in mir immer noch ein hartnäckiger Heide schlummert, dem die Kirche in ihrer Weisheit von daher entgegengekommen ist, daß sie ihm einiges an einer neuen Mythologie angeboten hat. Und ich will nicht undankbar sein.

Michaels Hauptheiligtum ist der Monte Sant'Angelo in Apuliens Gargano, bekannt ist der Mont-Saint-Michel in der Normandie, weniger bekannt ist der St. Michael's Mount, von dem wir nachfolgend eine alte Postkarte anbringen möchten.



Der Erzengel Michael ist der, der Satan bezwungen hat und der die Seelen am Tag des Jüngsten Gerichts wägen wird. Und seit der Schlacht auf dem Lechfeld von 955 verehren dessen Bürger ihn als Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation.