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Donnerstag, 18. Juni 2015

Über die Befreiungskriege - ein erster Nachtrag

Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub

Die Befreiungskriege, die auch als Jahrestag längst geschlagen sind, wirken ganz eigentümlich. Sie vereinen so viel in sich, nicht zuletzt an Vorahnungen und Visionen, die dann still am Wege verschieden. Eine konfuse Zeit. Mindestens so verworren wie die heutige, nur waren die meisten Akteure bedeutender, vielleicht. Aber nicht unbedingt charakterstärker, das wäre eine weitere Illusion.

Da ich bei diesen Temperaturen sowieso nicht schlafen kann, beginne ich also mit einem meiner berüchtigten Nachträge und zitiere im nachfolgenden zuerst einfach wieder den „Bildersaal deutscher Geschichte“ (und das nicht aus Gedankenträgheit), den ich hier u.a. vorgestellt habe. Der Fürst Blücher, von dem bald sie Rede sein wird, kommt übrigens früher an dieser Stelle (viel zu kurz) vor.

Wir sind im Jahre 1813, die Völkerschlacht von Leipzig ist gerade ruhmreich geschlagen, aber die deutschen Fürsten wollen sich trotzdem lieber irgendwie durchmerkeln. Sie machen Napoleon ein Friedensangebot:

"Am 2. Dezember empfingen die Verbündeten Napoleons Antwort, eine solche, auf die sie unmöglich eingehen konnten; so sollten eine Reihe wichtiger rechtsrheinischer Plätze und ein Teil Hollands französisch bleiben, Holland müßte Republik werden, die einzelnen Staaten Deutschlands dürften sich nicht in einem Bunde vereinigen, Westfalen sollte unter Jérôme ein von Frankreich unabhängiges Königreich werden, Preußen sollte nur Magdeburg zurückerhalten, dagegen Erfurt für den Verlust Warschaus an Sachsen fallen. Napoleons Verblendung rettete Deutschland vor der Gefahr, das linke Rheinland zu verlieren, und nötigte selbst die Friedfertigen zur Fortsetzung des Krieges.

An demselben 2. Dezember verkündete eine Proklamation der verbündeten Fürsten, daß der Krieg fortgesetzt werden müsse, daß er sich nicht richte gegen Frankreich, sondern gegen Napoleons zügellose Machtstellung, und daß er zum Ziele habe die Unabhängigkeit Frankreichs und aller Staaten Europas. Dieser Entschluß der Fürsten zum Kriege machte den alten Blücher wieder froh und wohlgemut, ja ausgelassen heiter, so daß er es sich gefallen ließ, daß man seinen Geburtstag zweimal festlich beging und daß er selbst bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Balle eine Quadrille mittanzte.

All diese Freudigkeit war nur der äußere Widerschein der frohen Siegeshoffnung, die ihn erfüllte. Zwar gelang es ihm im Dezember wegen des stark treibenden Grundeises nicht, Brücken über den Rhein zu schlagen und die Festung Mainz völlig einzuschließen; aber er bereitete doch den Rheinübergang sorgfältig vor und verlegte, den Feind zu täuschen, am 29. Dezember sein Hauptquartier zurück nach Frankfurt. Sacken sollte den Rhein bei Mannheim, St. Priest bei Koblenz, York bei Kaub überschreiten.

York war davon bereits von Höchst aus am 26. Dezember durch folgenden Brief Blüchers benachrichtigt worden: "Eü Excellenze benachrichtige vorleüffig ganz Ergebst, wie ich den 1. January mit tages anbruch den Reihn mit der Armeh Paßiren werde, die Disposition soll morgen erfollgen um mein vorhaben zu verheimligen werde ich den 29t dieses mein quartir nach Frankfuhrt verlegen, und solche einrichtung treffen lassen als wen ich uf eine Dauer da verbleiben werde."

Burg Pfalzgrafenstein von Süden

Am Abend des 31. Dezember schlugen die Russen bei Kaub eine Schiffbrücke zu der kleinen Insel hinüber, auf welcher die alte Pfalz liegt... Dort bestiegen die Brandenburgischen Füsiliere in tiefer Stille die Kähne und begrüßten um Mitternacht bei ihrer Landung das jenseitige Ufer mit einem lauten Hurra. "Der widerstandt des Feindes war nicht bedeüttendt, und als ich (Blücher) am frühen neujahrsmorgen den Stoltzen Rein Passierte, ertöhnten die uffer vor Freudengeschrey, und meine braven Truppen Empfingen mich mit Jubel, und die jenseittigen Deutschen bewohner Empfingen mich mit Freudenthränen."

Wilhelm Camphausen: Blüchers Rheinübergang bei Kaub

Und nun hinein nach Frankreich, nach Paris! Zwar siegte Napoleon Ende Januar 1814 über Blücher und die Russen bei Saint Dizier und Brienne, aber am 1. Februar unterlag er Blücher bei La Rothière, es war die erste Niederlage auf heimischem Boden, unglückverkündend wies sie ihn in die Zukunft. Daher gab er seinem Gesandten für den am 8. Februar in Châtillon eröffneten Friedenskongreß weitgehende Vollmachten. Doch das Glück schien sich ihm wieder zuzuwenden. Blücher marschierte die Marne, Schwarzenberg die Saone abwärts; Napoleon schob sich zwischen beide Armeen und schlug sie.

Jetzt sprach er voll Siegesgewißheit: "Was denken meine Feinde von mir? Ich bin jetzt näher zu Wien als sie zu Paris!" und zog die Friedensvollmachten zurück. Sein Glück hatte ihn geblendet; er kannte seinen Willen und sein Genie, aber er sah nicht, daß die Kräfte seiner Truppen versagten. Nach einem blutigen Gefecht bei Craonne wurde er von dem Heere des erkrankten Blücher am 9./10. März vor Laon mit großen Verlusten zurückgeschlagen (Blücher hatte sich bei Laon mit Bülow, der unterdessen Holland erobert hatte, vereint - Blücher war in den Tagen der Schlacht von Laon krank; ...) und am 20. März von Schwarzenberg bei Arcis sur Aube überwunden. War Napoleon verloren?

In schweren Gedanken sehen wir ihn vor einem Kamine stehen, Vergangenheit und Zukunft überdenkend... Wäre es nicht besser gewesen, die Anerbietungen der Gegner von Frankfurt und dann von Châtillon anzunehmen und sich mit den natürlichen Grenzen Frankreichs zu begnügen? War seine Herrschaft in Paris noch sicher? Sollte er dem Feinde vor den Toren seiner Hauptstadt entgegentreten? Durch einen kühnen siegreichen Zug nach den Vogesen und durch einen Einfall in Süddeutschland, in die Gebiete der auch jetzt noch ihm geneigten ehemaligen Rheinbundfürsten, hoffte er die Heere der Verbündeten zum Rückzug zu zwingen. Es war das Wagnis eines Spielers, der mit dem letzten Wurfe alles wagt und alles verliert. Am 29. März standen die Verbündeten vor Paris. Die Kaiserin Marie Luise floh, König Joseph, des Kaisers Bruder folgte;  die Marschälle Marmont und Mortier versuchten die Stadt zu halten, umsonst; am Abend des 30. März. boten sie die Übergabe derselben an.

Von der Höhe des Montmartre aus schaute Gneisenau mit leuchtenden Augen voll Siegesstolz auf die besiegte Stadt, von der aus so viel Unglück über sein Vaterland gekommen war; Blücher aber war ein solch herzergreifender Anblick nicht vergönnt, ihn quälten heftige Augenschmerzen, er und die Freunde fürchteten, daß er erblinde. Und doch durchzog sein Herz ein großes Gefühl des Stolzes und der Befriedigung, voll Wehmut und Freude sprach er: "Luise ist gerächt.""

Caub und die Pfalz im Rhein um 1900

nachgetragen am 2. Juli
die dazu nachfolgenden Beiträge sind als "älter"angehängt

Samstag, 9. März 2013

Kaiser Wilhelm I.


Denkmal Wilhelm I. in Lübeck

„Am 2. Januar 1861 ward Wilhelm I. König von Preußen. Er war als zweitgeborener Sohn nicht für den Thron vorgebildet worden, sondern hatte eine auschließlich militärische Bildung empfangen. Daher war es nur natürlich, daß sein Denken vorerst nur militärisch gerichtet, daß sein ganzes Sinnen damit beschäftigt war, das preußische Heer so zu organisieren und auszubilden, daß es den Kampf um Dasein und Weltstellung des preußischen Staates, den er als Knabe hatte zusammenbrechen und als Jüngling wieder erstehen sehen, siegreich führen könne.

Preußisches Heer und preußische Macht, das waren Gegenstand und Ziele seines Denkens und Handelns. Seit dem 11. Juni 1829 war er vermählt mit der Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar, der Enkelin Karl Augusts, und dadurch mit den klassischen und romantischen Überlieferungen und der politisch liberalen Richtung dieses Fürstenhofes bekannt gemacht, wenn auch ihnen nicht nahe gebracht. In Berlin sah man in ihm bis 1848 den typischen Vertreter der absoluten Monarchie und des Militärstaates, und darum richtete sich auch beim Ausbruch der Revolution aller Groll und Haß der Radikalen gegen ihn.

Er mußte fliehen, am Morgen des 27. März kam er in London an. Mit offenem Blick sah er von da in das englische und deutsche Staatsleben hinein; und was er da schaute, und was er in Gesprächen mit dem alten Herzog Wellington, der ein stolzer Tory und doch ein unbedingter Anhänger des Parlamentarismus war, und mit dem Prinzen Albert, dem Gemahl der Königin Viktoria, hörte, das alles führte ihn dazu, die Berechtigung und Notwendigkeit des konstitutionellen Staatslebens auch für Preußen anzuerkennen.

Er war dafür gewesen, daß sein Bruder die ihm angebotene Kaiserkrone annehme; und doch billigte er später dessen Ablehnung, weil die Frankfurter Verfassung ein Scheinkaisertum, einen Übergang zur Republik begründe. In den Jahren der Reaktion stand er seinem königlichen Bruder fern. Er mißbilligte die Politik des Nachgebens, 'die in der Stube so viel und so lange rät und sich ordentlich scheut, wenn man an das Handeln im Freien denkt'. 'Er war den Befehlen des Königs als erster Untertan gehorsam, aber fühlte sich nicht imstande, diesem bei einer politischen Schwenkung zu helfen, die gegen seine Überzeugungen lief.'

Adolph Menzel, „Die Krönung Wilhelms I. zu Königsberg 1861“, 1865

Der Oktober 1857 gab ihm die politische Macht, er ward Regent an des erkrankten Bruders Statt. Das Volk begrüßte die neue Regierung mit heller Freude, die Neuwahlen zum Landtage zeigten volles Vertrauen zur Regierung. Aber der Himmel trübte sich bald; als Wilhelm am 18. Oktober 1861 in Königsberg 'vom Tische des Herrn' die Krone nahm und mit seiner Gemahlin die Huldigung des kronprinzlichen Paares empfing ...,  bestand schon seit Jahr und Tag zwischen ihm und der Volksvertretung wegen der Heeresreform ein scharfer Konflikt, so daß er sich dann im Herbst 1862 mit dem Gedanken trug, zu Gunsten seines Sohnes, des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, abzudanken. Daß er blieb, war das erste Verdienst des am 23. September 1862 neu ernannten Ministerpräsidenten Otto von Bismarck."


Einweihung der Siegessäule in Berlin
aus „Bildersaal deutscher Geschichte“

Soweit der Beginn des Kapitels „Wilhelm I. und Bismarck.“ aus dem „Bildersaal deutscher Geschichte“ von 1890, ein erbauliches Monumentalwerk, das in Bildern und Erzählungen mehr als tausend Jahre deutscher Geschichte lebendig werden läßt, patriotisch gesinnt natürlich, aber bei weitem nicht so platt, wie man das von nachfolgenden Jahrhunderten her erwarten könnte.

Es gäbe natürlich einiges anzumerken zum ersten Herrscher des Zweiten deutschen Kaiserreichs. Ich habe gelegentlich Anläufe dazu unternommen, dieses hier ist wohl noch am ehesten lesbar. Und Herr Roloff hat auf den Seiten des Hauses Hohenzollern mit diesem Beitrag eine kurze Biographie Wilhelms I. verfaßt, die das Wesentlichste notiert.


Einer der Gründe, der diesen Beitrag verzögert hat, war übrigens Christopher Clarke („Preußen“ - deutsch, München, 2007), ich dachte einfach, nichts sei erbärmlicher als sich selbst immer und immer wieder wiederzukäuen. Also las ich o.g. Buch erneut, gründlicher; nicht daß ich immer seiner Meinung gewesen wäre, aber es gibt Schlimmeres, als nicht meiner Meinung zu sein. Er ist ausgezeichnet seriös, eine Seriosität, die man heutzutage eher bei diszipliniert - souveränen britischen Historikern findet oder gewissen (längst verstorbenen) Altkommunisten wie Ernst Engelberg, bei hiesigen Zeitgenossen kaum. Der Grusel beginnt im Fernsehen und endet in der sogenannten Qualitätszeitung, ich nenne keine Namen (wer kennt die Völker, zählt die Namen ist man versucht zu kalauern), doch zurück zu Wilhelm I.

Was der obige Text so höflich beschreibt, läßt sich plastischer schildern, die Situation: März 1848, König Friedrich Wilhelm IV. hatte gerade nach revolutionären Tumulten verfügt, das Militär solle sich aus Berlin zurückziehen. Er begab sich also „in die Hände des Volkes“, eine nicht ungefährliche Entscheidung, die auch persönlichen Mut abverlangte. Er hatte sich gewissermaßen entschlossen, mit viel rednerischem Einsatz jedenfalls auf dem nationalen Teil des Aufruhrs zu segeln und sich (noch) nicht gewaltsam dagegenzustellen. Übrigens als einziger deutscher Fürst, alle anderen kämpften dagegen an oder (die meisten) verkrochen sich. Es darf auch nicht vergessen werden, daß Friedrich Wilhelm IV. selbst mindestens so „reichsdeutsch“ fühlte wie preußisch, es war also nicht bloße Taktik, aber natürlich riskant.

Prinz Wilhelm allerdings war empört: „Bisher hab' ich wohl gewußt, dass Du ein Schwätzer bist, aber nicht, dass Du eine Memme bist! Dir kann man mit Ehren nicht mehr dienen“. Dann warf er dem Bruder und König sein Schwert vor die Füße, worauf dieser mit Tränen der Wut in den Augen entgegnet haben soll: „Das ist zu arg! Du kannst nicht hier bleiben. Du mußt fort“(Clark, S. 544). Prinz Wilhelm ging nach London und kehrte erst im Sommer zurück, übrigens tatsächlich deutlich milder gestimmt.

Natürlich waren seine Grundansichten nach wie vor traditionell preußisch, aber er war doch auch im Denken durchaus flexibler als man ihm dies gemeinhin zugesteht. Was im obigen Konflikt sich vor allem ausspricht, ist die Unterschiedlichkeit des Charakters. Wilhelm war es zuwider, vor einer andrängenden ernsten Gefahr zurückzuweichen, mochte er auch in seinen Ansichten manchmal schwanken, er war ein tapferer Mann, der die soldatischen Tugenden verinnerlicht hatte. Er war kein Politiker, und in gewissem Maße mußte ein preußischer König auch politisch denken.

Das Wissen um dieses Defizit, also Ehrlichkeit auch zu sich selbst, und ein gewisses Grundvertrauen zu Bismarck dürften die Hauptgründe gewesen sein, warum er diesen überlegenen Geist als Ministerpräsident bzw. später Reichskanzler nicht nur erduldet, sondern auch gestützt hat. Insofern sind die gern getätigten Bemerkungen über seinen beschränkten Horizont, nicht nur was Menschenkenntnis angeht, sehr zu relativieren. Abgesehen davon, daß sie natürlich auch in ihren Grundauffassungen gleichgestimmt waren, etwa, daß es Preußens Mission sei, Deutschland zu einen.

Standarte des Deutschen Kaisers

Nach der Erkrankung seines Bruders wurde Wilhelm im Oktober 1858 Regent und nach dessen Tod am 2. Januar 1861 König von Preußen. 3 unvermeidbare Kriege später, dem Krieg gegen Dänemark, gegen Österreich und schließlich Frankreich wurde er am 18. Januar 1871, dem 170. Jahrestag der Königskrönung Friedrichs III. von Brandenburg, im Spiegelsaal von Versailles zum „Deutschen Kaiser“ proklamiert.

Wilhelm I. 1880 an seinem Schreibtisch Unter den Linden, Photographie

Dem Kaiser wuchs über die Zeit gewissermaßen die Würde eines biblischen Patriarchen zu, charakterfest, mit durchaus auch skurrilen Zügen. Die Einrichtung eines Bades im Berliner Schloß erschien ihm unnützer Luxus (das Baden erfolgte in einem über ein Gestell gezogenen wasserdichten Ledersack), ebenso die Bereifung der Kutschen mit Gummireifen (Clark S. 671).

Kaiser Wilhelm starb als gewissenhafte Verkörperung des „Preußischen“ hochangesehen am 9. März 1888. Der Staat, dem er als erster vorstand, gab zu den glänzendsten Erwartungen Anlaß, wie sich auch an den nachfolgenden Versen ablesen läßt, mit denen der obenerwähnte „Deutsche Bildersaal“ schließt. Es ist dann anders gekommen.


"Doch stets verhüllt sind uns der Zukunft Lose;
Uns schreckt das Dunkel nicht, das sie umschwebt,
Da sonnenhell das Schöne, Wahre, Grosse
Der Zeiten Wechsel siegreich überlebt.
Vergangnen Ruhm mag unser Dank verklären,
Die neue Zeit soll neuen Ruhm gebären."

"Den Geistern Licht, den Herzen Trost und Frieden,
Du neu Jahrhundert, sei von Dir Beschieden!"


beendet am 17. März

Freitag, 15. August 2008

Orlando Furioso

Die vermaledeite Geschichte. Aber an dieser Stelle ist es unumgänglich:

Heute vor 1230 Jahren, am 15. August 778, starb Hruotland, Graf der bretonischen Mark. Ich verstehe jeden, der bei dieser Nachricht noch nicht einmal mit den Schultern zucken mag.

Ich will ein wenig ausholen. Meine Kindheit wurde erleuchtet von einem Buch, das mir damals riesig vorkam, und meine Imaginationskraft bis heute mit fortdauernden Bildern angefüllt hat, Geschichten aus der ruhmreichen und überwältigenden mehr als tausendjährigen Geschichte meines Vaterlandes. Das brennende Rom, Burgen, Hexenverbrennungen , Kaiserkrönungen… Es hieß „Deutscher Bildersaal“ und war im Jahre 1890 erstmals erschienen.

Roland, wie er heute im Deutschen genannt wird, gebot über die Nachhut des fränkischen Heeres, mit dem Karl der Große einen Feldzug gegen die Mauren geführt hatte, und er wurde beim Rückzug bei Roncesvalles vermutlich von Basken getötet. Sein Tod hat zu großer Literatur den Anstoß gegeben, vom „Rolandslied“ bis zum „Orlando Furioso“ des Ariost. Er wurde zu einer Ikone der Selbstbehauptung des Abendlandes.

Und durch besagtes Buch gibt es eben auch in meinem Innern das Bild des Roland, wie er sterbend in sein Horn Olifant bläst, um seinen Herrn und Kaiser um Hilfe zu rufen.

Es ist in der Tat erstaunlich, wie Namen zum Anlaß für eine Bedeutung werden, die ihren Träger unfaßlich weit überschreitet.