Freitag, 9. April 2010

Über den letzten mecklenburgischen Großherzog &


Dante Gabriel Rossetti
A Vision of Fiammetta, 1878
hier gefunden

Früher, als ich Geschichtliches noch mit mehr emotionaler Anteilnahme betrachtet habe, war ich bei der mecklenburgischen Geschichte zumindest davon beeindruckt, daß wir eine der ältesten Fürstenfamilie hatten, deren Anfänge sich irgendwo vor tausend Jahren verlieren.

Ich will aus alter Anhänglichkeit daher wenigstens erwähnen, daß am 9. April 1882 der letzte Großherzog Mecklenburgs Friedrich Franz IV. geboren wurde (ein wenig findet sich über ihn unter dem Link). Aber um etwas anderes erzählen: Es ist sicher nachvollziehbar, daß es sich seltsam anfühlt, wenn man in den eigenen Erinnerungen darauf stößt, wie man einmal dem letzten rechtmäßigen Erben eines gut tausendjährigen Fürstenhauses begegnete.

Es war in dieser Stadt, vor etwa 30 Jahren. Dieser Teil des Landes wurde noch von einem Regime beherrscht, das wenig Sinn für mecklenburgische Fürsten hatte. Ein Pfarrer, den ich näher kannte, erzählte mir eines Tages, daß Christian-Ludwig, der Chef des Hauses Mecklenburg die hiesige Johanniskirche besuchen würde. Am Ende führten der Sohn dieses Pastors und ich „Seine Königliche Hoheit“ durch die Stadt und dabei u.a. auf ein Hochhaus, wie unten zu sehen ist. Er ist schon seit längerem verstorben und mit ihm ist nun ist auch dieses Fürstengeschlecht jedenfalls im „thronfolgeberechtigten Mannesstamm“ erloschen. Manchmal kommen Dinge einfach unwiederbringlich an ein Ende.



Ohne daß ich heute viel über ihn sagen werde, aber da ich mehrfach behauptet habe, mit den Präraffaeliten zu sympathisieren, will ich immerhin anmerken, am 9. April 1882 starb Dante Gabriel Rossetti, ein so charismatischer wie exzentrischer Hauptvertreter dieser Richtung, mitunter wirklich sehr beeindruckend, wie etwa oben.


Großherzogin Alexandra,
Erbgroßherzog Friedrich Franz und Herzog Christian Ludwig
1918, hier gefunden

Nachtrag

Ich wurde zu recht darauf hingewiesen, ich hätte unbedingt noch erwähnen sollen, daß Friedrich Franz IV. ein Bruder der Kronprinzessin Cecilie war, anläßlich deren 50. Todestages Herr Roloff diese Gedächtnisansprache gehalten hat. Friedrich Franz IV. war mit dem Kaiserhaus desweiteren dadurch verbunden, daß der Bruder der Großherzogin Ernst August 1913 die einzige Tochter Kaiser Wilhelms II., Viktoria Louise heiratete. Er hielt es noch für mitteilenswert, daß Friedrich Franz IV. durch seine Gemahlin Alexandra von Hannover und Cumberland auch mit Prinz Max von Baden, dem letzten Reichskanzler vor dem Umsturz 1918 verschwägert gewesen sei. Letzteres soll insofern eine Auswirkung gehabt haben, als über diese Verbindung mehrfach Versöhnungsersuchen an Wilhelm II. herangetragen wurden, bekanntlich war das Verhältnis zwischen dem Kaiser und Max von Baden wegen der Umstände der Abdankung komplett zerrüttet. Aber diese Bemühungen blieben vergeblich, so daß Max von Baden zutiefst verbittert starb. Das nur als Randglosse.

Donnerstag, 8. April 2010

Mittwoch, 7. April 2010

El Greco


El Greco
Ansicht von Toledo, zw. 1596 - 1600
hier gefunden

Es ist grandios, wenn der menschliche Geist so überragend individuell wird, daß eine Welt, die sich nichts grundlegend noch nicht Dagewesenes vorstellen kann, erkennen muß, das ist die einzigartige Physiognomie Rilkes, Klees, Hölderlins, Friedrichs … und diese die von Domenikos Theotokopoulos, genannt „El Greco“.


El Greco Ludwig IX.,
um 1590-1600

hier gefunden

Er stammte von Kreta, das bis 1645 die Venezianer beherrschten, ehe auch dieses an die Türken fiel, gewissermaßen ein letztes Vermächtnis des sterbenden byzantinischen Genius, so daß der Name „El Greco“ auf einmal eine tiefere Bedeutung gewinnt. So stand er zwischen seinem heimatlichen Erbe und dem aufregenden Kunstzentrum seiner Zeit – Venedig. Berufenere mögen sich den Kopf darüber zerbrechen, welche Einflüsse wie auf ihn gewirkt haben mögen.


El Greco
Hl. Martin mit Bettler, ca. 1597-1599
hier gefunden

Ich weiche von meiner ursprünglichen Intention ab, einen beiläufigen Beitrag über diesen Maler zu verfertigen, nicht weil das Pflichtgefühl das Interesse endlich erstickt hätte, nein, ganz im Gegenteil, sondern weil man stundenlang vor seinen Bildern meditieren könnte und dies nicht auch noch in stumpfsinnige Worte fassen möchte.


El Greco
La Santísima Trinidad, 1577–1579
hier gefunden

Das Pathos des Körpers, die fast fiebrige Farbigkeit, die Entmaterialisierung des Irdischen hinein in eine Art Zwischenreich, wo die Körper erglühen, bevor sie in das Unendliche hinüberwechseln. Er starb am 7. April 1614.


El Greco
Laokoon, 1604-1614
hier gefunden

Dienstag, 6. April 2010

Über Maler


John William Waterhouse
Ophelia, 1894

hier gefunden

Die Welt um uns herum ist wahrlich von unterschiedlicher Dignität, und auch wenn einige der Meinung sind, noch in einem Abfallhaufen Bemerkenswertes oder gar Schönes feststellen zu müssen, ich verweigere dazu entschieden meine Zustimmung. Aber ein Maler ist ihr gegenüber zu Großem in der Lage, er kann eine Seite aufschlagen, ob aus dem Buch der Natur, der Geschichte, der Religion, der Imagination oder dem der Seele und sagen: Sieh hier, diese Verbindung, dieser verborgene Charakterzug, diese Schönheit. Und so vermag er für uns Kontinente zu entdecken, von denen wir nicht einmal eine Ahnung hatten.

Über John William Waterhouse, der am 6. April 1849 geboren wurde, habe ich kürzlich schon etwas geschrieben, so daß wir es heute bei dem obigen Bild belassen können.


Albrecht Dürer
Selbstbildnis, 1500
hier gefunden

Von Albrecht Dürer (gestorben am 6. April 1528) werde ich besser nur ein paar seiner Werke folgen lassen. Obwohl mich Bilder wie das der Melancholie schon seit Jugendzeiten begleiten, fühle ich mich nicht recht berufen, hier zu erklären, was ihn so bedeutend macht. Ich habe sogar noch einmal etwas in seinen Schriften gelesen, von denen ich einen Band besitze, aber sein Deutsch ist vom heutigen doch zu weit entfernt als daß ich es an diesem Ort anbringen sollte, also müssen seine Bilder für ihn sprechen.


Albrecht Dürer Melencolia, 1514
hier gefunden


Albrecht Dürer
Herkules und die Stymphalischen Vögel, 1500
hier gefunden


Albrecht Dürer
Feldhase, Aquarell, 1502
hier gefunden


Albrecht Dürer
Adam und Eva, 1507

Montag, 5. April 2010

Oster-Nachträge


Nein, ich stricke nicht, das gestrige Bild war einer der spärlichen Versuche, den kreativen Unternehmungen meiner Frau Mutter etwas Aufmerksamkeit zu schenken. Und so verhält es sich mit den heutigen Scherenschnitten. Ich habe kürzlich schon einmal einen angebracht und dann meine Beobachtungen vorenthalten (der nicht genannte Grund meiner Irritation - die fröhliche Hasenfamilie hatte mir doch zu gespenstisch maskenhaft ausgesehen und mich eher an Donnie Darko erinnert, das nur kurz zu den Abgründen des Gefälligen).



Von einem unfertigen Post (ich weiß, dies häuft sich neuerdings) zu einem nur angekündigten. Ich hatte jüngst etwas zu Goethe schreiben wollen und es nicht getan, u.a. weil mir ein Aufsatz fehlte, den ich mittlerweile gelesen habe und der mir dafür wichtig erschien, zu recht, wie ich inzwischen weiß. Ob es zu diesem Goethe-Post noch kommen wird, ich weiß es nicht, aber eine Abfolge von Zitaten aus diesem Aufsatz, die will ich doch nicht vorenthalten.



„Der Mensch, der noch an die Vergangenheit glaubt, fürchtet die Zukunft nicht, …“

„Und plötzlich fühlen wir uns enterbt, ohne Tradition, mittellos, Neulinge im Leben und ohne Vorgänger.“

„Aber einen Schatz entwerteter Münzen zu betrachten, ist traurig und beklemmend …“

„Das Leben ist seinem inneren Wesen nach ein ständiger Schiffbruch. Aber schiffbrüchig sein heißt nicht ertrinken. Der arme Sterbliche, über dem die Wellen zusammenschlagen, rudert mit den Armen, um sich oben zu halten. Diese Reaktion auf die Gefahr seines eigenen Untergangs, diese Bewegung der Arme ist die Kultur – eine Schwimmbewegung. Solange die Kultur nichts ist als dies, erfüllt sie ihren Sinn, und der Mensch steigt auf über seinem eigenen Abgrund.“

„Dieses Ich, das Sie sind, mein Freund, ist nicht ihr Körper, aber auch nicht ihre Seele, Ihr Bewußtsein oder Ihr Charakter… Sie sind es, der mit diesen Dingen, vermittels ihrer leben soll…“

„Ich bin ein gewisser äußerst individueller Druck auf die Welt: die Welt ist der nicht weniger bestimmte und individuelle Widerstand gegen diesen Druck.“

„Wir alle wissen, daß unser wirkliches Leben seinem Wesen nach eine bald größere, bald geringere Deformation unseres möglichen Lebens ist.“

„Das Fesselndste ist nicht der Kampf des Menschen mit der Welt, mit seinem äußeren Schicksal, sondern sein Kampf mit seiner Berufung. Wie verhält er sich gegenüber seiner unerbittlichen Berufung? Folgt er ihr ganz und gar, oder ist er im Gegenteil fahnenflüchtig und erfüllt sein Dasein mit den Surrogaten dessen, was sein echtes Leben gewesen wäre.“



Goethe in den Gesprächen mit Eckermann:

„Der Mensch ist mit allem seinem Sinnen und Trachten aufs äußerste angewiesen auf die Welt um ihn her, … Von sich selber weiß er bloß, wenn er genießt oder leidet, und so wird er auch bloß durch Leiden und Freuden über sich belehrt, was er zu suchen oder zu meiden hat. Übrigends aber ist der Mensch ein dunkles Wesen, er weiß nicht, woher er kommt, noch wohin er geht, er weiß wenig von der Welt und am wenigsten von sich selber.“

„Offenbar ist es unser entworfenes Leben, das im Falle des Leidens nicht mit unserem tatsächlichen Leben zusammenstimmt, so daß der Mensch zerrissen wird – in das, was er sein mußte, und das, was er geworden ist. Die Gespaltenheit äußer sich als Schmerz, Angst, Ärger, Verdruß, Leere; die Übereinstimmung dagegen erzeugt das wunderbare Phänomen des Glücks.“

„Das Bewußtsein des Geborgenseins tötet das Leben. Daher der sich immer wiederholende Verfall der Aristokratien.“

(Und am Ende, sich gewissermaßen für all dies entschuldigend:)

„Jeder Begriff ist schon Übertreibung.“

José Ortega y Gasset "Um einen Goethe von innen bittend", erschienen 1934

Sonntag, 4. April 2010

Ostern



Frohe und gesegnete Ostern

~

Blessed and joyful Easter

Samstag, 3. April 2010

Vor Ostern



Predigt von Herrn Roloff in der Osternacht 2010

Der Friede des Auferstandenen sei alle Zeit mit Euch!

Dies ist eine heilige Nacht, und drei Dinge des Gedenkens stehen in ihrem Mittelpunkt,

die Schöpfung der Welt und mit ihr der Anfang aller Dinge,

der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten und mit ihm das Urbild von der Erlösung in der Geschichte,

und die Auferstehung unseres Herrn von den Toten, mit der die ganze Schöpfung erneuert und die Erlösung der Welt und aller Menschen endgültig gewirkt wird.

Alle drei Dinge haben wir in der Liturgie vollzogen. Das Entzünden des Feuers steht für die Schöpfung und für das Werden des Lichtes,

unser gemeinsamer Gang durch die Nacht und durch die Kirche, aus dem Westen in den Osten, bedeutet den Zug des Volkes Israel, das wie wir der Osterkerze, der Feuersäule gefolgt ist, in der sie Gott durch die Finsternis geleitet hat.

Und wir haben im Wort des Evangeliums die Nachricht von der Auferstehung Jesu gehört und bekennen: Er ist wahrhaftig auferstanden.

So wie die ganze Welt auf das Wort Gottes hin ins Dasein trat, so ist Christus auf dieses Wort hin aus dem Grabe getreten und hat den Sieg über den Tod davongetragen, auf den seine Jünger, nun auch wir und mit uns die ganze Kirche hoffen.

So wie die Schöpfung auf das Wort Gottes hin ins Dasein trat, so auch trat Christus aus dem Grabe und vollendete damit erst die Schöpfung, indem er ewiges Leben wirkte.

Die Ruhe Gottes am siebenten Tag hatte sich nun erfüllt in der Grabesruhe Christi. In seiner Auferstehung scheint uns das hellste Licht. Es scheint das Licht, das auch noch die Sonne überstrahlt, denn es ist sein ewiges Licht.

Dies ist die heilige Nacht, in der sich alles vollendet, in der alles ans Ziel kommt, in der alles neu beginnt.

Solange es Menschen gibt, haben sie in der Gewalt des Frühlings, in seiner alles belebenden Kraft, etwas von dem gespürt, was durch das Schöpfungswort im Dasein der Welt angelegt war, aber erst im Ostergeschehen Wirklichkeit geworden ist. Die Menschen haben den Frühling verehrt, weil sie die Macht der Natur zwar schon bestaunten, aber das Wesen der Welt noch nicht erkannten, noch nicht bekannten – es war ihnen der noch nicht bekannt, der selbst das Wesen der Welt ist – Christus.

Durch diese heilige Nacht nun aber können wir wissen und dürfen bekennen, dass wir mit Christus aus dem Grabe ins Leben treten. Ohne Christus aber wird dem Menschen die Welt nur zum Grab, so wie auch das frische Grün des Frühlings wieder dahingehen wird, welkt und verdorrt.

Dies ist die Nacht in der alles das geschehen ist, in der das Wesen der Welt offenbar geworden ist, in der Christus von den Toten auferstanden ist.

Von nun an bis in Ewigkeit sind wir nur als Bekenner Christi Hüter des Lebens, Bewahrer des Guten und Zeugen für das Wort Gottes, das im Anfang war.

Nur als Bekenner Christi sind wir Hüter des Lebens. Wer aber das Leben sucht, indem er in sich selbst dringt und in der Welt forscht und die Dinge seziert, der wird nur finden, dass sich die Dinge sämtlich verlieren und unbestimmt werden und flüchtig sind.

Wer sich aber zu Christus bekennt, dem wird das Leben in jeder Regung der Schöpfung entgegentreten und heilig sein und in den Lobgesang einstimmen, den er selbst jedes Jahr in dieser Nacht singt.

Wir sind Geschwister in seinem Namen, wir sind die Hüter des Lebens und die Bewahrer des Guten.

Darum schreibt der Apostel:
Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.
Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.
Wenn aber Christus, unser Leben, sich offenbaren wird, dann werdet auch ihr offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.
(Kol 3, 2-4)

Darin entscheidet sich alles, dass Christus nicht sein Leben, sondern unser Leben offenbar werden lässt. Christus, unser Leben, schreibt der Apostel. Das Leben erlangen wir Menschen nur, indem wir uns zu ihm bekennen, denn dann werden auch wir offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.
Amen
Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest. Der Friede des Auferstandenen sei in dieser Nacht und alle Zeit mit Euch.

Amen

Thomas Roloff