Samstag, 10. Dezember 2011

Ein Verlegenheitspost


Alle warnen zurecht vor den schädlichen Folgen des Glühweins, nämlich etwa, daß man davon schnell müde werden würde. Also wird das, was gestern Abend hier stehen sollte, heute Morgen schnell zu Ende geschrieben. Die Zutaten sind im Bild klar zu erkennen, es handelt sich um Zimt, Nelken, Ingwer, Muskat und Zitrone. Bei den ersten beiden kann man von der Menge her nicht soviel falsch machen, aber von dem getrockneten Ingwer bitte nur ein wenig nehmen, das wird sonst zu scharf (und das Stück etwas auseinanderbrechen), nicht die ganze Muskatnuß, allenfalls die Hälfte, auch etwas zerkleinert dazugeben. Die Gewürze werden also aufgekocht, der Muskat erst spät dazugeben, wird sonst bitter, am Ende Wein und Zitronensaft heiß werden lassen (nicht kochen), der unvermeidliche Zucker kann je nach dem Abschmeckergebnis hinzugegeben werden.


Herr Prof. Aue hat mir eben eine Übersetzung von „Jerusalem“ (von William Blake) als Kommentar zugesandt, aber als solchen wollen wir ihn besser nicht im Unbeachteten belassen. Und dann wurde ich etwas sentimental bei Bing Crosby "Swinging on a Star", aber das ist eine andere Geschichte, also folgt erst „Jerusalem“ und dann besagtes Lied.



Und tat sein Fuß...
(Jerusalem)

Und tat Sein Fuß in alter Zeit
durch's Grün von Englands Bergen gehn?
Und ward das heil'ge Gotteslamm
auf Englands Weiden einst gesehn?

Und sah das göttliche Gesicht
durch uns'rer Hügel Wolkenmeer?
Und ward Jerusalem gebaut
nebst Satans schwarzen Mühlen her?

Bringt meines Bogens Goldesglühn;
bringt Pfeile mir, die ich erdacht;
bringt meinen Speer: Teilt, Wolken, euch:
Bringt meines Feuerwagens Macht!

Nicht lass' ich ab vom Geisteskampf,
nicht schlaf' das Schwert in meiner Hand,
bis wir Jerusalem erbaut
in Englands grünem, schönen Land.


hier gefunden
nachgetragen am 11. Dezember

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Über die allerreinste Mutter Gottes

El Greco, Die Jungfrau der unbefleckten Empfängnis

„…erklären, verkünden und entscheiden Wir nun unter dem Beistand des Heiligen Geistes zur Ehre der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit, zum Ruhme und zur Verherrlichung der jungfräulichen Gottesmutter, zur Auszeichnung des katholischen Glaubens und zur Förderung der christlichen Religion, kraft der Autorität Unseres Herrn Jesus Christus, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und Unserer eigenen: Die Lehre, daß die allerseligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis auf Grund einer besonderen Gnade und Auszeichnung von seiten des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers der ganzen Menschheit, von jeder Makel der Erbsünde bewahrt blieb, ist von Gott geoffenbart und muß deshalb von allen Gläubigen fest und unabänderlich geglaubt werden.“

Papst Pius IX. verkündete dies am 8. Dezember „zu Rom bei St. Peter im Jahr der Menschwerdung des Herrn 1854, im 9. Jahre Unseres Pontifikates“ in der Dogmatischen Bullen „INEFFABILIS DEUS“. Das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens gilt nur in der Katholischen Kirche, muß man fairerweise sagen. Wobei dieses „nur“ zumindest für die Orthodoxe Kirche eher der Gestalt des Dogmas gilt. Im Protestantismus hingegen herrscht wohl die Sorge vor, all diese Mariendogmen würden sie zu sehr an die Trinität, insbesondere an Christus heranrücken lassen. Wie auch immer; Herr Morgenländer hatte mich veranlaßt, mir doch noch einmal die Bulle durchzulesen und das sie sehr schön ist, folge ich einfach seinem Beispiel und zitiere etwas daraus. Zunächst eine Stelle, in der der Papst betont, es ginge nicht darum, etwas Neues auszusagen, denn:

„Die Kirche Christi ist nämlich nur die treue Bewahrerin und Verteidigerin der in ihr niedergelegten Glaubenswahrheiten, an denen sie nichts ändert, an denen sie keine Abstriche macht und denen sie nichts hinzufügt. Mit aller Sorgfalt, getreu und weise behandelt sie das Überlieferungsgut der Vorzeit. Ihr Streben geht dahin, die Glaubenswahrheiten, die ehedem gelehrt wurden und im Glauben der Väter gleichsam noch im Keim niedergelegt waren, so auszusondern und zu beleuchten, daß jene Wahrheiten der himmlischen Lehre Klarheit, Licht und Bestimmtheit empfangen, zugleich aber auch ihre Fülle, Unversehrtheit und Eigentümlichkeit bewahren und nur in ihrem eigenen Bereich, d. h. in ein- und derselben Lehre, in ein- und demselben Sinn und in ein- und demselben Gehalt, ein Wachstum aufzuweisen haben.“

Und so bezieht er sich auch auf seinen Vorgänger, indem er schreibt:

„Darum sprach Unser Vorgänger Alexander VII. die geradezu entscheidenden Worte, und er brachte damit die richtige Auffassung der Kirche zum Ausdruck: ‚Von altersher ist es die fromme Meinung der Christgläubigen, daß die Seele der allerseligsten Jungfrau und Mutter Maria im ersten Augenblick ihrer Erschaffung und ihrer Vereinigung mit dem Leib auf Grund einer besonderen Gnade Gottes und eines besonderen Vorzuges im Hinblick auf die Verdienste ihres Sohnes Jesus Christus, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von aller Makel der Erbsünde rein bewahrt wurde; in diesem Sinne begeht man in feierlicher Weise das Fest ihrer Empfängnis.‘“

Pius IX. entwickelt nahezu eine vollständige Mariologie während er tiefer in die Tradition der Marienverehrung eintaucht:

„Deshalb werden die Väter der Kirche nicht müde, die Gottesgebärerin zu nennen: die Lilie unter den Dornen, die ganz Unberührte, Jungfräuliche, Unbefleckte, Makellose, die immer Gesegnete; sie nennen sie das von aller Ansteckung der Sünde freigebliebene Erdreich, aus dem der neue Adam gebildet wurde; sie nennen sie das untadelhafte, helleuchtende, liebliche Paradies der Unschuld, der Unsterblichkeit und Wonne, das Gott selbst gepflanzt und gegen alle Nachstellungen der giftigen Schlange verteidigt hat; sie heißen sie das unverwesliche Holz, das der Sünde Wurm nie benagte, den stets ungetrübten Born, besiegelt durch die Kraft des Heiligen Geistes, den Tempel Gottes, den Schatz der Unsterblichkeit, die einzige Tochter des Lebens und nicht des Todes und des göttlichen Zornes, sondern die Knospe der Gnade, die immer grünt und, behütet von der Vorsehung Gottes, aufsproßt gegen alle bisher geltenden Gesetze und Gewohnheiten aus einer verdorbenen und von der Sünde angesteckten Wurzel.“

„Weiterhin bezeugen die Väter, daß Maria, obwohl sie dem Leibe nach von Adam stammte, doch die Sünde Adams nicht mitangenommen habe … und so sei sie wirklich die, als die wir sie feiern, Gottes eigenstes und erstes Werk, das von den brennenden Pfeilen des Bösen nicht erreicht worden sei. Schön von Natur und von allem Makel frei, wie die Morgenröte in ihrem vollkommenen Glanze, so sei Maria in ihrer Unbefleckten Empfängnis in der Welt erschienen. Denn es geziemte sich nicht, daß jenes Gefäß der AuserwähIung an dem sonst allen Menschen gemeinsamen Übel Anteil hatte; von den übrigen weit verschieden, habe sie wohl an ihrer Natur, nicht aber an ihrer Schuld teilgenommen. Im Gegenteil; es geziemte sich in jeder Weise, daß der Eingeborene, wie er im Himmel einen Vater hat, den die Seraphim dreimal heilig preisen, so auch auf Erden eine Mutter habe, die nie des Glanzes der Herrlichkeit entbehrte.“

„Somit ist es also nicht verwunderlich, daß diese Lehre so sehr Verstand und Herz unserer Vorfahren ergriff, daß sie in einzigartiger Weise zu Worten und Ausdrücken greifen, die häufig die Gottesmutter gerade als die Unbefleckte feiern, als die Unschuldige und Unschuldigste, die Makellose und gänzlich Makellose, die Heilige und die von aller Unreinheit der Sünde vollkommen Freie, die ganz Reine und ganz Unversehrte, als die Wesensgestalt sozusagen der Schönheit und Unschuld selbst. Sie nennen Maria schöner als die Heiligkeit, die allein Heilige, die ganz Reine an Seele und Leib, die, welche alle Unschuld und Jungfräulichkeit übertroffen hat, die allein ganz die Wohnung aller Gnaden des Heiligen Geistes geworden ist, die Gott allein aufgenommen hat, die über allen steht, die von Natur aus schöner, vollendeter und heiliger ist als selbst die Cherubim und Seraphim und das ganze Heer der Engel, die zu preisen die Zungen des Himmels und der Erde keineswegs genügen… Die Gottesmutter wird … angerufen und gepriesen als die einzige, unversehrte Taube der Schönheit, als die immer blühende, gänzlich reine, stets unbefleckte und immer selige Rose; sie wird gepriesen als die Unschuld selber, die niemals verletzt wurde, als die zweite Eva, die den Emmanuel gebar.“

Und warum hat Maria diese Stellung eingenommen, nun:

„Der über alle Worte erhabene Gott, dessen Wege Erbarmen und Wahrheit, dessen Wille die Allmacht ist, dessen Weisheit machtvoll wirkt von einem Ende bis zum anderen und in Milde alles lenkt, sah von Ewigkeit her das unheilvolle Verderben des ganzen Menschengeschlechtes infolge der Sünde Adams voraus. In seinem geheimnisvollen, der Welt verborgenen Ratschluß beschloß er aber, das erste Werk seiner Güte durch die Menschwerdung des Wortes auf eine noch unbegreiflichere Weise zu ergänzen. Denn der Mensch, der entgegen seinen liebevollen Absichten durch die List des Teufels in Schuld geraten war, sollte nicht zugrundegehen, und das, was durch den ersten Adam gefallen war, sollte durch den zweiten weit glücklicher wieder aufgerichtet werden.

Darum wählte er von Anfang an und vor aller Zeit schon für seinen eingeborenen Sohn eine Mutter aus, und bestimmte, daß er von ihr in der seligen Fülle der Zeiten als Mensch geboren werden sollte; ihr wandte er mehr als allen anderen Geschöpfen seine besondere Liebe zu und fand an ihr allein sein höchstes Wohlgefallen. So überhäufte er sie weit mehr als alle Engel und Heiligen mit einer Fülle himmlischer Gnadengaben, die er aus der Schatzkammer seiner Gottheit nahm, begnadete sie so wunderbar, daß sie allzeit frei blieb von jeder Makel der Sünde, daß sie ganz schön und vollkommen wurde und eine solche Fülle von Reinheit und Heiligkeit besaß, daß man, außer in Gott, eine größere sich nicht denken kann und daß niemand außer Gott sie begreifen kann.

Und es war auch ganz entsprechend, daß sie stets im Glanze vollkommenster Heiligkeit strahlte, daß sie sogar frei blieb von der Makel der Erbsünde und so über die alte Schlange einen vollen Sieg errang, sie, die verehrungswürdige Mutter, der Gott Vater seinen einzigen Sohn, der aus seinem Schoße ihm wesensgleich hervorgeht und den er liebt wie sich selbst, voll und ganz anvertrauen wollte. So sollte auf Grund natürlicher Bande ein und dieselbe Person das gemeinsame Kind Gott Vaters und der Jungfrau werden. Der Sohn selber aber erwählte sich diese Mutter, und der Heilige Geist wollte und bewirkte, daß der von ihr empfangen und geboren wurde, aus dem er selbst hervorgeht.“

Und er endet mit einem Appell an die „teuern Söhne der katholischen Kirche“ fortzufahren „mit stets glühenderem Eifer der Frömmigkeit, der Liebe und Hingabe die seligste Gottesgebärerin und Jungfrau Maria, die ohne Makel der Erbsünde empfangen wurde, zu verehren, anzurufen und anzuflehen; sie sollen zur süßen Mutter der Barmherzigkeit und Gnade in jeglicher Gefahr, Angst und Not ihre Zuflucht nehmen und in Zweifeln und Furcht mit allem Vertrauen sich ihr nahen. Keine Furcht und kein Zweifel braucht den zu schrecken, den sie leitet, über dem sie schwebt, dem sie gnädig ist und den sie beschützt. Zweifellos ist sie von Mutterliebe gegen uns erfüllt, sie sorgt für unser Heil und ist für das ganze Menschengeschlecht besorgt. Sie ist gesetzt vom Herrn als Königin des Himmels und der Erde, über alle Chöre der Engel erhaben und über alle Heiligen und steht zur Rechten ihres eingeborenen Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus. Wenn sie ihn mit ihren mütterlichen Bitten bestürmt, so hat sie Erfolg; sie findet, was sie von ihm zu erlangen sucht, und ihre Wünsche bleiben nicht unerfüllt.“


El Greco, Die Jungfrau der unbefleckten Empfängnis
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nachgetragen am 9. Dezember

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Eigentlich nicht über Brecht


David Bowie - Remembering Marie A.
hier gefunden

Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen, Herrn Bowie aus gegebenem Anlaß anzubringen. Da ich gestern einem Abend beiwohnte, der Brecht gewidmet war, aber gleichzeitig weiß, daß der eine oder andere der Teilnehmer dies hier manchmal liest, sage ich am besten gar nichts über jenen sehr zeitgenössischen Dichter. Aber einen Moment möchte ich aufnehmen. Es ging um Brechts Gedicht „Erinnerung an die Marie A.“, dem ich meinen Respekt bestimmt nicht verweigern werde. Und da kam ein Hermann Allmers als Kontrastbild ins Spiel (man sehe auch hier).

Offen gestanden, habe ich erst nur ein wenig gestutzt als ich die Zeilen hörte, und siehe da, tatsächlich, es war das Brahmslied. Der Brecht ist schon dort oben, wenn auch auf Englisch, das deutschsprachige Original fand ich etwa hier. Und jetzt bringen wir ganz schnell Herrn Brahms, zwar in einer reichlich verkratzen Aufnahme, aber sehr schön erfaßt.


Heinrich Schlusnus - Brahms "Feldeinsamkeit"
hier gefunden

Hermann Allmers

Feldeinsamkeit


Ich ruhe still im hohen, grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn’ Unterlaß,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.

Die schönen weißen Wolken ziehn dahin
Durch's tiefe Blau, wie schöne stille Träume; –
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin,
Und ziehe selig mit durch ew’ge Räume.

Und am Ende hören wir (da ich darauf angesprochen wurde) noch einmal Kathleen Ferrier, diesmal aus Monteverdis Arianna "Lasciatemi morire". Ist es nicht erstaunlich, wie gleich zu Beginn die ganze Idee der Oper geradezu vollständig präsent ist. Ach und dann stolperte ich bei der Suche nach einem bestimmten Bild über diesen vorjährigen Beitrag, der sich der Schönheit aus den Dingen widmet, leicht pretentiös, aber nett.


Kathleen Ferrier - Monteverdi "Lasciatemi morire"
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Dienstag, 6. Dezember 2011

Zum Tag des Heiligen Nikolaus


Herr Roloff hat etwas über den Heiligen Nikolaus verfertigt, das ich gern mit der geschätzten Leserschaft teilen will (er ist mir jetzt zwar etwas weniger sympathisch, der Heilige, weil er doch Tempel zerstört hat, aber das wird ein wenig davon ausgeglichen, daß er den Arius geohrfeigt hat, für die Beleidigung unseres Herrn mit seiner Irrlehre, sei es, wie es sei). Nachfolgend also der Text, begleitet von 2 Bildern des hiesigen Weihnachtsmarktes, der sich hier glaube ich Weberglockenmarkt nennt, nun ja.


Bald ist Niklausabend da!
Gedanken zum Tag des Heiligen Nikolaus.


Jeder kennt das Kinderlied in dem es heißt: „Lasst uns froh und munter sein und uns recht vom Herzen freun!“ Nikolaus scheint uns auch noch als Bischof von Myra vertraut zu sein. Was aber wissen wir tatsächlich über diesen Mann, dessen Todestag die Kirche heute am 6. Dezember als seinen Geburtstag zur Heiligkeit feiert.

Nikolaus lebte im ausgehenden 3. Jahrhundert nach Christi. Noch sehr jung wurde er zum Priester geweiht und verteilte sein ererbtes Vermögen an die Armen, womit die Grundlage gelegt war für die vielen Legenden von seiner Großzügigkeit und Freigebigkeit. Nachdem er das Heilige Land bereist hatte, wählte ihn die Gemeinde von Myra zu ihrem Bischof. Er war ein eifernder Diener seines Gottes. Zunächst machte er dadurch von sich reden, dass er die Tempel der Göttin Artemis, deren Verehrung vor allem als Patronin der Seefahrer in Kleinasien weit verbreitet war, zerstörte. Auch der besonders große und prunkvolle Tempel in Myra fiel seinem Zorn zum Opfer. Es ist deshalb wohl auch kein Zufall, dass der Festtag des Hl. Nikolaus auf den 6. Dezember, dem Geburtstag der Artemis, gelegt wurde, und ebenso wenig überrascht es, dass er der neue Patron der Seefahrer werden sollte, wovon bis heute die vielen Nikolaikirchen in den Küstenstädten zeugen.

Besonders schön ist eine Legende, die Nikolaus auch zum Patron der Pfandleiher und Bankiers werden ließ, was für unsere von Bankenkrisen geschüttelte Gegenwart nicht ganz uninteressant sein dürfte. In der Geschichte, die auch ein wenig an innovative Finanzprodukte erinnert, geht es um einen Christen, der sich von einem Juden Geld geliehen und beim Hl. Nikolaus geschworen hatte, es pünktlich zurück zu geben. Als der Betrag fällig wurde, behauptete er nun aber, die Schuld längst beglichen zu haben. Die Sache kam vor Gericht, und der Christ sollte seine Aussage beschwören. Da bediente er sich eines hinterhältigen Tricks. Er verbarg das Geld in einem Stab und bat, als es zu Eidesleistung kommen sollte, den Juden, den Stab zu halten, damit er die Hände frei hätte. Dann schwor er, dass der Jude das Geld habe, nahm seinen Stab zurück und verließ das Gericht.

Hier nun nimmt die Geschichte eine jähe Wendung. Der Schuldner kommt im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder, wird von einem Wagen überfahren und stirbt. Der Jude aber will das über die Straße rollende Geld nur dann zurücknehmen, wenn der Hl. Nikolaus den Mann wieder zum Leben erwecken würde. Als genau das nun auch geschieht, bekehrt sich der Jude zum Christentum. Niemand geht unverändert aus der Geschichte hervor, und am unwichtigsten ist am Ende das Geld.

Wer weiß aber noch, dass Nikolaus auch maßgeblich an der wohl wichtigsten theologischen Auseinandersetzung der frühen Kirche beteiligt gewesen ist? Bedeutung gewann sein Leben nämlich vor allem durch den Kampf gegen den Arianismus und seine Teilnahme am 1. Konzil von Nicäa. Dort wurde die Auseinandersetzung mit jener Irrlehre und ihren Anhängern entschieden. Im Kern ging es um das Wesen Jesu und um sein Verhältnis zum Vater. Arius, nach dem diese Lehre benannt ist, behauptete, Christus wäre nur ein Geschöpf Gottes, vollkommenen menschlichen Wesens und darum aber selbst nicht Gott.

Der Streit war so heftig, dass Arius durch Nikolaus während der Kirchenversammlung sogar geohrfeigt wurde. Allerdings gelang es dem kämpferischen Bischof auch immer wieder, zur Schlichtung beizutragen. Er wird mit den Worten zitiert: „Lassen wir über unseren Zorn die Sonne nicht untergehen.“ So bewahrte die Kirche schließlich die Wahrheit von der Gottheit Christi und drückte sie auf dem Konzil von Nicäa in den Worten aus: „Wir glauben an Christus, geboren nicht geschaffen und eines Wesens mit dem Vater.“ Vater und Sohn sind zwei Personen desselben Gottes, und sie sind wesensgleich. Nur darum kann Christus angebetet und als Herr verehrt werden.

Die Verehrung des Hl. Nikolaus verbreitete sich zunächst in der Ostkirche. In unserer Region wurde sie dann auch folgerichtig durch Theophanu, der aus Byzanz stammende Ehefrau Kaiser Ottos II., stark gefördert. Leben und Nachwirkung dieses Mannes sind schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass er bereits im Jahre 351 gestorben ist. Wie immer folgt noch die Bauernregel zum Tag: „Regnet es an Nikolaus wird der Winter streng, ein Graus.“
Thomas Roloff

Montag, 5. Dezember 2011

Über Zeiten

Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale etwa 1903
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Als bei einer Aufnahme des kindlichen Peter Schreiers jemand fragte, ob er auch in der Hitlerjugend gewesen sei, ging mir auf, das ist genau derselbe Typos, der bei Christa Wolf hinterherrief, die war doch bei diesem Dienst da, das sage doch alles. Es ist die Spur des im Kern aus Beschränktheit Bösartigen, den wir hier finden, letztlich nicht wichtig, aber man mag sich den manchmal unspezifischen Geruch einprägen, um Zeit zu sparen.

Ich stolperte heute über die Geschichte der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, nun sie war mir nicht unbekannt, tatsächlich gibt es sogar ein paar Erinnerungsfetzen, etwa ein Photo der zerstörten Kirche in einer Propagandaschrift aus dem 3. Reich (hab ich leider verbrannt). Aber lassen wir das beiseite.

An der Christ-Erlöser-Kathedrale kann man vieles ablesen. Sie wurde errichtet als Zeichen der Dankbarkeit nach dem Sieg über Napoleon. Wenn man in diesem Artikel, der sehr lesenswert ist, findet, Zar Alexander I. habe damit zugleich Macht und überragende Größe des Russischen Kaiserreiches demonstrieren wollen, mag das zwar mitstimmen. Aber daß dies das vorherrschende Motiv gewesen sei, das bezweifle ich.

Nach einigen Anfangsschwierigkeiten wurde am 10. September 1839 der Grundstein gelegt und am 26. Mai 1883 wurde sie endlich eingeweiht, jetzt schon durch Zar Alexander III., gleichzeitig mit dessen Krönung. Die Kathedrale war die Hauptkirche der Russisch-Orthodoxen Kirche.

Denjenigen, die Rußland im neuen Jahrhundert in ihre Gewalt brachten, war die Kirche natürlich ein Dorn im Auge. Stalin ließ sie am 5. Dezember 1931 sprengen.

Sprengung der Christ-Erlöser-Kathedrale
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An ihre Stelle sollte ein Palast der Sowjets treten, 415 Meter hoch. Mehr als die Fundamente wurde allerdings nie fertig, dann kam der Krieg und nach Stalins Tod 1953 wurde auf den Fundamenten ein Freibad gebaut.

Was immer man über das heutige Rußland sagen mag, man erinnere sich gelegentlich daran, welche Hand der Zerstörung vorher auf dem Land gelegen hat. Nun, da diese abgeschüttelt worden war, wurde gewissermaßen des 2. Sieges über „Napoleon“ gedacht. Am 7. Januar 1995 wurde ein neuer Grundstein gelegt und am 19. August 2000 weihte Patriarch Alexius II. die wiedererstandenen Kathedrale ein.

Christ-Erlöser-Kathedrale heute
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Neben manchem, was einem bei all diesem in den Sinn kommen mag, wird bei den Bildern vom Neubau für mich besonders eines sinnfällig - der große Kontrast zur Häßlichkeit des Hintergrundes. Ach und Mozart starb heute, deswegen 2 Stücke von ihm. Auf das erste brachte mich Herr Morgenländer.


Wolfgang Amadeus Mozart
Larghetto aus dem Klavierkonzert in B-Dur, KV 595
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Wolfgang Amadeus Mozart
Große Messe in c-moll, KV 427
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beendet am 6. Dezember

Sonntag, 4. Dezember 2011

Sonntag & Advent

poorly translated

Wenn man jede höhere Gehirntätigkeit ganz schnell zum Erliegen bringen will, dann verfertige man ein Enten-Gericht, jedenfalls nach den hier vorherrschenden Rezepten. Nach einem langen Erholungsschlaf also der gewohnte Bericht. Eine Ente gefüllt mit Boskoop-Äpfeln, einmal wieder. Die Sauce aus dem Fond (nach sehr viel abgeschöpftem Fett) bekam frisch gepreßten Zitronensaft, etwas Zucker & Pfeffer und vor allem Rotwein hinzu.


Dazu Blumenkohl mit heißer Butter, hier sieht man, wie er weniger wird. Ach so, noch ein Adventsbild am Ende, nicht von heute, heute changierte das Wetter zwischen ein wenig Sonne und viel dunkel.



If you want to stop your higher brain activity quickly try a duck dish, at least according to the prevailing recipes here. After a long recovery sleep so the usual report. A duck filled with Boskoop apples, once again. The sauce from the gravy (after much fat skimmed off) was made with adding freshly squeezed lemon juice, some sugar and pepper and red wine in particular. And cauliflower with “heated” butter, here we see how it got less. Oh, one more picture at the end of Advent, not taken today, today the weather fluctuated between a little sun and rather more dark

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Christa Wolf nachgerufen


Bach, "Erbarme dich", Kathleen Ferrier
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„O Täler weit, o Höhen“ singen die Mitglieder des Hallenser Madrigalchores in der Abflughalle des Flughafens Tscheremedjewo im Herbst ’89, als sie erfahren, daß es in Leipzig nicht zum Blutbad gekommen war. Christa Wollf erzählt davon, während sie über die „Wende“ nachdenkt. Sie ist heute gestorben.

Wenn man bei den Nachrichten von ihrem Tod sofort von den „Verstrickungen“ liest oder der „Staatsschriftstellerin“ hört , erkennt man dieselbe Sekunde wieder, wie geistig ausgelaugt und verkommen dieses Land längst ist, besetzt von Leuten, die immer ihr kleines Geschäft suchen, gern ein vorgegeben moralisches (zu schweigen von den dazugehörigen Kommentaren). Selbst in ihrem Tod hält sie den Verhältnissen noch einen Spiegel vor, unglaublich.

Und doch noch ein Wort, die „Kritiker“, die sich über ihr mit angetäuschtem Interesse erleichtern, vergessen eben dies, sie sind nur der Spiegel all dessen. Dummheit kennt keine Scham. Aber lassen wir die parasitären Heuchler und Flachschädel da, wo sie hingehören und tun all dies beiseite. So und an dieser Stelle brach ich gestern ab. Inzwischen gibt es auch Stimmen, die man ertragen kann, diese zum Beispiel (ich hätte nie gedacht, daß ich mal zur Frankfurter Rundschau verlinken würde).

Es ist nicht so lange her, da konnte ich sie zum ersten und einzigen Mal leibhaftig erleben. Die Veranstaltung selbst war, nun ja, aber sie als Person, es hatte mich überraschend erschüttert. Aber ich habe sie natürlich nicht mit der Zudringlichkeit eines Gesprächssversuchs behelligt. Doch nun habe ich wenigstens dieses innere Bild.

Ihre Hoffnung war nie meine Hoffnung, aber sie hat große Literatur aus ihrer Illusion gemacht. „Einmal im Leben, zur rechten Zeit, sollte man an Unmögliches geglaubt haben“ („Christa T.“), diesen Satz zitiert eine der wenigen angemessenen Wortmeldungen (NZZ) mit der Anmerkung, letztlich sei das ganze sozialistische Projekt „ nicht viel mehr gewesen als ein Rausch, der in die permanente Ernüchterung mündete“.

Und jetzt bin ich so unfreundlich, diesen Beitrag nicht zu beenden, sondern einfach weiter zu lesen; wenn man durch gutes Deutsch wandert, wächst das Gefühl, man komme nach Hause.

„Wohin mit mir. Ist eine Welt zu denken, eine Zeit, in die ich passen würde. Niemand da, den ich fragen könnte.“ (Medea)
abgebrochen am 2. Dezember