Freitag, 16. Januar 2026

Zum Neuen Jahr

Eine meine erfreulichsten Erwerbungen kürzlich war die einer Ausgabe des Gesangbuchs für die evangelisch–lutherische Kirche in Mecklenburg-Strelitz von 1897. Nur als Nebennote, sollte ich mich doch einmal wieder in einen Gottesdienst der gegenwärtigen evangelischen Kirche wagen, werde ich es sicherlich als Gedankentrost mitnehmen.

Das nachfolgende Lied daraus hat mich zutiefst beeindruckt. Es ist paßt nicht völlig zu meiner eigenen Erlebniswelt, aber ich sehe die tiefere Verwandtschaft. Ich habe übrigens meine Textfassung gelegentlich sparsam hinzugefügt.


Durch Trauern und durch Plagen


Durch Trauern und durch Plagen,

durch Noth, durch Angst und Pein,

durch Hoffnung und durch Klagen,

durch manchen Sorgenstein

bin ich, Gott Lob, gedrungen;

dies Jahr ist hingelegt.

Dir, Gott, sei Lob gesungen,

mein Herze wird erregt.


Der du mich hast erbauet,

in dir besteht mein Heil;

dir ist mein Glück vertrauet,

du bist und bleibst mein Theil.

Du hast mich wohl erhalten,

du bist mein fester Trost,

dich laß ich ferner walten,

wenn mir die Not zustürzt.


Mein Gott, o meine Liebe,

was du willst, will auch ich;

gieb, daß ich nichts verübe,

was irgend wider dich.

Dir ist mein Will ergeben,

ja, er ist nicht mehr mein,

dieweil mein ganzes Leben

dein eigen wünscht zu sein.


Nach dir soll ich mich schicken,

und, Herr, ich wills auch thun.

Soll mich die Armuth drücken,

ich will dabei beruhn.

Soll mich Verfolgung plagen,

ja, Herr, befiehl du mir.

Soll ich Verachtung tragen,

ach, ich gehorch auch hier.


Soll ich verlassen sitzen,

Herr  Gott, dein Wille gilt.

Soll ich in Ängsten schweben,

mein Heiland, wie du willst.

Soll ich denn Krankheit leiden,

ich will gehorsam sein.

Soll ich von dannen scheiden,

Herr, dein Will ist auch mein.


Soll ich zum Himmel dringen?

Gar gern, o Gott, mein Licht.

Soll mich die Höll verschlingen?

Ach, dieses willst du nicht.

Ich habe zwar verdienet

die rothe Höllenglut,

du aber bist versühnet

durch deines Sohnes Blut.


Heut ist das Jahr beschlossen,

Herr, deine Gnad sei heut

neu auf mich ergossen,

mein Herze werd auch neu.

Laß ich die alten Sünden,

so werd ich, Gott, bei dir

auch neuen Segen finden;

dein Wort verspricht es mir.

Gottfried Wilhelm Sacer (1635 – 1699)


Wenn auch spät:


Auf ein gutes und gesegnetes Jahr also. 


Alles Notwendige ist oben gesagt.





Nachbemerkung:

Die Neujahrsbilder wirken immer so schnell recht abgestanden. Außerdem ist es in dem Moment sowieso meist neblig düster und kalt. Aber irgendetwas löst sich dann; merkwürdig. Vielleicht ist es die Hoffnung, die tief innen wohnt und wider alle sinnvollen Erwartungen ausbrechen darf. Eine unvernünftige Hoffnung gewissermaßen.

Also wollen wir unvernünftig hoffnungsvoll sein.



Freitag, 26. Dezember 2025

Frohe Weihnachten


 Frohe und Gesegnete Weihnachten

Jan van Eyck, Kleiner Marienaltar, sog. 'Dresdner Triptychon', Mitteltafel,

von hier


Alma Redemptoris Mater, Gregorian Chant Academy, von hier


Alma Redemptóris Mater, quæ pérvia cæli

Porta manes, et stella maris, succúrre cadénti,

Súrgere qui curat pópulo: tu quæ genuísti,

Natúra miránte, tuum sanctum Genitórem

Virgo prius ac postérius, Gabriélis ab ore

Sumens illud Ave, peccatórum miserére.


Erhabne Mutter des Erlösers,

du allzeit offene Pforte des Himmels

und Stern des Meeres,

komm, hilf deinem Volke,

das sich müht, vom Falle aufzustehn.

Du hast geboren, der Natur zum Staunen,

deinen heiligen Schöpfer.

die du, Jungfrau davor und danach,

aus Gabriels Mund vernahmst das selige Ave,

o erbarme dich der Sünder.

Sonntag, 21. Dezember 2025

Über den Apostel Thomas


Michelangelo Merisi da Caravaggio, Der ungläubige Thomas, von hier

Predigt zum 4. Advent (Thomastag) 2025 in Rothensee

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Sehnsucht nach der himmlischen Heimat

1Wir wissen aber, so unser irdisch Haus, diese Hütte, zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben, von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist, im Himmel. 2Und darüber sehnen wir uns auch nach unsrer Behausung, die vom Himmel ist, und uns verlangt, daß wir damit überkleidet werden; 3so doch, wo wir bekleidet und nicht bloß erfunden werden. 4Denn dieweil wir in der Hütte sind, sehnen wir uns und sind beschwert; sintemal wir wollten lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden, auf daß das Sterbliche würde verschlungen von dem Leben. 5Der uns aber dazu bereitet, das ist Gott, der uns das Pfand, den Geist, gegeben hat. 6So sind wir denn getrost allezeit und wissen, daß, dieweil wir im Leibe wohnen, so wallen wir ferne vom HERRN; 7denn wir wandeln im Glauben, und nicht im Schauen. 8Wir sind aber getrost und haben vielmehr Lust, außer dem Leibe zu wallen und daheim zu sein bei dem HERRN. 9Darum fleißigen wir uns auch, wir sind daheim oder wallen, daß wir ihm wohl gefallen. 10Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, nach dem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse.

2. Kor. 5.1 ff.

Liebe Gemeinde,

diese Verse sind der Predigttext zum Gedenktag des Apostel Thomas und sie sind doch zugleich ganz und gar adventlich.

Das mag daran liegen, dass der Thomastag immer im Advent liegt. Noch mehr aber steht es damit im Zusammenhang, dass das Leben des Jüngers gleichsam eine Illustration zu diesem Text ist.

Der 21. Dezember markiert die längste Nacht und den kürzesten Tag des Jahres. Es ist die Nacht, die den Zweifel gebiert, und es ist der Apostel Thomas, der im Kreise der Jünger der Zweifler genannt wird, und dessen Gedenken die Kirche am 21. Dezember begeht. 

Thomas ist eine ganz auffällige und bedeutungsschwere Gestalt in der Gemeinschaft Jesu. Sein Name bedeutet Zwilling. Die Überlieferung sieht darin nur einen Beinahmen und setzt die Person gleich mit Judas, einem der Brüder Jesu. Manchmal wird er sogar als Zwillingsbruder Jesu angesehen. Die im Zwilling ausgedrückte Zweiheit kann aber auch auf die eigentlichen Urgründe des Zweifels hin gedeutet werden. Dort nämlich, wo eine ursprünglich vorhandene Einheit verloren geht, da beginnt der Mensch zu zweifeln. Der Zweifel gehört darum zum Menschen und zum Glauben.

Das Johannesevangelium bringt das in drei Szenen eindrucksvoll zum Ausdruck. Als Jesus aufbrechen will, um Lazarus, der gestorben war, wieder zu erwecken, sagt Thomas resigniert: „Lasst uns mitziehen, dass wir mit ihm sterben!“ Auch im Rahmen der Leidensankündigung Jesu erweist sich Thomas als der Zweifler, denn auf die Feststellung Jesu „Und wo ich hingehe, den Weg dorthin kennt ihr“, entgegnet Thomas: „Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst und wie sollen wir den Weg wissen?“ Damit gibt er Jesu Anlass zu der Offenbarung: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ 

Berühmtheit aber erlangte die Geschichte vom achten Tag nach der Auferstehung des Herrn. Thomas war nämlich nicht bei den anderen Jüngern gewesen, als Jesu diesen erstmals erschien und bezweifelte ihre Erzählungen. „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich´s nicht glauben.“

Die Finsternis des Zweifels umhüllte Thomas. Das nächste Mal war Thomas dann bei den Jüngern, als Jesus kam, und dieser sprach zu ihm: „Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite und sei nicht ungläubig sondern gläubig!“ Thomas antwortete: „Mein Herr und mein Gott!“

Mit diesen Worten ist er der erste Apostel, der die Gottheit Jesu bekennt, woher sicher seine besondere Stellung im Jüngerkreis herrührt. Gregor der Große hat wohl auch darum formuliert: „Dieser Apostel habe durch seinen Unglauben unserem Glauben mehr genützt, als die übrigen Apostel durch ihren Glauben.“ Dass diese Einschätzung zutreffend ist, lässt sich sicher auch durch das dieser Szene unmittelbar folgende Wort des Auferstandenen zeigen, das sogar sprichwörtlich wurde: „Weil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ 

Der Mensch soll gerade in der jeweiligen Finsternis seiner Zeit am Glauben der Väter festhalten und sich durch ihn führen und halten lassen, denn nur das Licht des Glaubens durchdringt am Ende alle Finsternis. Thomas hat gleichsam allen menschlichen Zweifel hineingetragen in den Kreis der Jünger, in die Nähe des Herrn und hat sie durch die Gemeinschaft mit ihm, dem Auferstandenen, im Glauben überwunden.

Nationalheiligtum der Basilika des Heiligen Thomas, von hier

Der Legende nach soll Thomas nach der Himmelfahrt des Herrn Richtung Osten gezogen sein und das Evangelium verkündet haben. Er gilt als Apostel Indiens. Auf dem Wege dahin sollen ihm übrigens die Heiligen Drei Könige begegnet sein. Er hat sie getauft und zu Bischöfen ernannt. In Indien war Thomas dann als Baumeister tätig, weshalb sein Attribut das Winkelmaß ist und er zum Patron der Architekten, Maurer, Bau- und Zimmerleute wurde.

Genau hier findet sich nun der Anknüpfungspunkt zu unserem Predigttext. Es wird erzählt, dass der Großkönig, Maharadscha, an dessen Hofe Thomas als Baumeister tätig war, ihn beauftragte, ihm einen neuen Palast zu errichten. Er gab ihm für den Bau wieder und wieder große Summen Geld, die Thomas allerdings an die Armen verteilte. Endlich aber wollte der König den Baufortschritt besichtigen und deckte den vermeintlichen Schwindel auf. Thomas musste ins Gefängnis und sollte hingerichtet werden. In der Nacht davor aber hatte der Maharadscha einen Traum. Der Allmächtige Gott wandelte mit ihm durch einen einzigartigen Palast voller Glanz und Herrlichkeit, wie er ihn niemals zuvor gesehen hatte. Der Großkönig fragte den Herrn, wer dieses Haus gebaut hat und Gott antwortete: Diesen Palast hat Thomas für dich errichtet durch seine Mildtätigkeit und durch die Werke seines guten Herzens.

Als der König wieder erwachte, da begnadigte er Thomas und belohnte ihn. Lasst uns in dieser Geschichte erkennen, dass wir wissen können, so unser irdisch Haus, diese Hütte, zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben, von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist, im Himmel. Und wir erkennen, dass wir alle offenbar werden müssen vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, nach dem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse.

Vielleicht ist in diesem Bild auch viel von dem zu erkennen, was wir im Advent erwarten. Advent ist nämlich nicht nur die Vorbereitungszeit auf das Christfest. Uns, die wir Jesus als unseren Herrn und unseren Gott verehrten, ist es ein ewiger Advent, denn wir erwarten seine Wiederkunft und sprechen: Komm, denn du bist mein Herr und mein Gott!

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unseren Herrn.

Amen

Thomas Roloff 

Mittwoch, 12. November 2025

Pilze &


Die Zeit des Jahres eben.

 (c) Klaus Lorenz

Sonntag, 9. November 2025

Über die Fallstricke der Nächstenliebe

Wer schubst hier wen zuerst vom Thron, fragt man sich unwillkürlich, aber das nur als freundliche Einleitung zum Nachfolgenden.
Der Titel trifft den Kern der Predigt des Herrn Roloff nur am Rand, das wird der geneigte Leser schnell selbst herausfinden.
Die Unterbrechung der letzten Monate war eine unfreiwillige. Jedoch scheint es jetzt wieder eine längere Fortsetzung zu geben. Wir hoffen einfach.

Predigt am drittletzten Sonntag des Kirchenjahres 2025
in Rothensee

Lk 6,27-38

Von der Feindesliebe
27Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebet eure Feinde; tut denen wohl, die euch hassen;
28segnet die, so euch verfluchen und bittet für die, so euch beleidigen. 29Und wer dich schlägt auf einen Backen, dem biete den anderen auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem wehre nicht auch den Rock. 30Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das deine nimmt, da fordere es nicht wieder. 31Und wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, also tut ihnen gleich auch ihr. 32Und so ihr liebet, die euch lieben, was für Dank habt ihr davon? Denn die Sünder lieben auch ihre Liebhaber.
33Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, was für Dank habt ihr davon? Denn die Sünder tun das auch. 34Und wenn ihr leihet, von denen ihr hoffet zu nehmen, was für Dank habt ihr davon? Denn die Sünder leihen den Sündern auch, auf daß sie Gleiches wiedernehmen. 35Vielmehr liebet eure Feinde; tut wohl und leihet, daß ihr nichts dafür hoffet, so wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig über die Undankbaren und Bösen.
Von der Stellung zum Nächsten
36Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
37Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebet, so wird euch vergeben. 38Gebt, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überfließend Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messet, wird man euch wieder messen.

Liebe Gemeinde,

„Selten so gelacht!“, so möchte man ausrufen, wenn man diesen Text liest, der so typisch für die Botschaft des lieben Jesus ist, der so naiv erscheint, der so voller Idealismus daherkommt.

Liebt eure Feinde, tut denen wohl, die euch hassen, segnet, die euch verfluchen und bittet für die, so euch beleidigen. Wann jemals hätte sich das durchgesetzt?

Noch utopischer ist die immer wieder gehörte Forderung, die andere Wange hinzuhalten, wenn man auf die eine bereits geschlagen wurde und den Rock nicht zu versagen, wo der Mantel schon genommen wurde.

Als Lebensprinzip für diese Welt eignet sich das nicht! Für diese Welt ist es aber auch nicht!

Mit dem drittletzten Sonntag des Kirchenjahres beginnt eine Zeit, in der das Weltgericht, das nahende Himmelreich und das Ende aller Dinge verstärkt ins Bewusstsein gerückt werden. Die Liturgie unserer Gottesdienste ist ganz auf diese Fragen ausgerichtet. Darum hilft es uns vielleicht, in den Evangeliumstext des heutigen Tages zu schauen, wenn wir verstehen wollen, was der Predigttext meint.

Wenn vom Reich Gottes die Rede ist, dann fragen die Pharisäer nämlich gleich „Wann“? Christus aber antwortet: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch!“

Das Reich Gottes verwandelt die Welt nicht durch sein Kommen. Das Reich Gottes verwandelt die Welt durch seine Gegenwart. Gott und sein Reich sind immer gegenwärtig. Wann war das auf Erden jemals sichtbarer als hier im Evangelium, wo Christus zu den Menschen von Angesicht zu Angesicht sprach. „Das Reich Gottes ist mitten unter euch!“ Jesus hätte auch sagen können, ich bin mitten unter euch.

Bei dem, was wir im Predigttext hören, geht es also nicht um eine Lebensordnung für Menschen und Völker. Eine Lebensordnung hat nur dann Sinn, wenn man sie durchsetzen kann. In unserem Predigttext geht es um die lebendige Gegenwart des Herrn.

Christus hat sich bis ans Kreuz hingegeben. In den Sakramenten empfangen wir ihn. Wir nehmen Anteil an ihm, sodass er mit uns in der Welt präsent ist. Gott ist gegenwärtig. Darum ist es von so zentraler Bedeutung, dass wir im Sakrament wirklich den Herrn empfangen und er an uns leiblich, das heißt, tatsächlich Anteil nimmt, ein Teil von uns wird. Hier ereignet sich dann nämlich die Verheißung: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch!“

Das bedeutet dann aber auch nicht mehr ich liebe meine Feinde, sondern ich überlasse mich der Tatsache, dass der Herr seine Feinde geliebt hat und selbst seinen Henkern vergeben konnte. Er wirkt in mir seine Güte, weil die meine nicht ausreicht.

Für mich gibt Jesus Sirach die Regel vor. Dort heißt es im 12. Kapitel: 1Willst du Gutes tun, so sieh zu, wem du es tust; dann verdienst du Dank damit. 2Tu dem Frommen Gutes, so wird dir’s reichlich vergolten, wenn nicht von ihm, so doch gewiss vom Höchsten. 3Es gibt nichts Gutes für den, der beharrlich Böses tut und nicht gern Almosen gibt. 4Gib dem Frommen, doch des Frevlers nimm dich nicht an. 5Tu Gutes dem Demütigen, aber dem Gottlosen gib nichts. Verweigere ihm dein Brot und gib ihm nichts, damit er dadurch nicht stärker wird als du: Denn du wirst doppelt so viel Schlechtes empfangen, wie du ihm Gutes getan hast. 6Denn auch der Höchste ist den Sündern feind und wird die Gottlosen bestrafen. [Doch er bewahrt sie bis zum Tag ihrer Strafe.] 7Gib dem Guten, doch des Frevlers nimm dich nicht an.

Erst durch das Wirken Jesu, unseres Erlösers, wird eine ganz neue Dimension aufgetan. Christus hat durch sein unschuldiges Leiden das Wunder vollbracht, dass alle, durch die er litt, Mitwirkende an seinem Heilswerk wurden. Die Menschen, die Jesus quälten, verspotteten, schlugen, kreuzigten und am Ende töteten, die drangen mit ihren Absichten nicht mehr hindurch, sie konnten ihr Ziel nicht mehr erreichen, sondern wurden Vollstrecker von Gottes Willen, das Böse zu überwinden. Sie sind dadurch nicht gerechtfertigt, sondern endgültig und vollständig besiegt. Aber gerade darum trifft sie nun auch Gottes Erbarmen.

Das nämlich ist wiederum der am meisten verstörende Satz aus unserem Predigttext: „35Vielmehr liebet eure Feinde; tut wohl und leihet, daß ihr nichts dafür hoffet, so wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig über die Undankbaren und Bösen.“

Gott ist gütig über die Undankbaren und Bösen! Wir erwerben uns durch unser Tun keinen Vorzug, wir sind nicht besser als die Sünder, denn auch wir sind und bleiben Sünder und seines Erbarmens bedürftig. Die Kirche ist eben keine Umerziehungsanstalt, die bessere Menschen hervorbringt, die dann hochmütig auf die Ungläubigen blicken, wie die Pharisäer auf die Zöllner, sondern sie ist der Ort von Jesu Gegenwart und von seinem Wirken.

Wir wissen den Herrn in uns und dürfen uns gerade in unserer Sündhaftigkeit seinem Wirken überlassen. Er wirkt alles in uns. Durch ihn lieben wir unsere Feinde, tun denen wohl, die uns hassen; segnen die, so uns verfluchen und bitten für die, so uns beleidigen.

Der getaufte und gläubige Christ kann Christus durch sich in der Welt wirken lassen und das schon gekommene Reich Gottes sichtbar machen. Das ist das größte Wunder, dass aus der Gegenwart der Kirche heraus wachsen kann, weil sie seine Gegenwart ist und außerhalb der Kirche ist darum auch kein Heil, weil es ohne Christus kein Heil gibt.

Ihn wollen wir darum loben und ehren und anbeten. Amen

Und der Frieden Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn.

Amen

Thomas Roloff 







Samstag, 31. Mai 2025

An einem 31. Mai zu singen

Um Monty Python's Flying Circus zu zitieren:

"and now for something completely different". 

hier gefunden

Dienstag, 6. Mai 2025

Über die Herrschaft der Lüge und die Schlüsse eines Rostocker Professors


Falsche Mäuler sind dem Herrn ein Greuel; die aber treulich handeln, gefallen ihm wohl.
Sprüche Salomonis 12.22

Der Rostocker Professor Benedict hat Ende März 2025 im Cicero einen Artikel veröffentlicht, der in mehrfacher Hinsicht interessant ist. Zunächst der Titel: „Epistemisches Unrecht - Warum Juristen bei der Aufarbeitung der Corona-Politik versagen“. Der Autor ist Inhaber des Lehrstuhls für Deutsches und Europäisches Privatrecht, Rechtsgeschichte und Rechtsphilosophie an der Universität Rostock. Eine gerupfte Juristische Fakultät zwar, aber wozu braucht man sowas überhaupt, wenn es nicht nützlich ist.

Auf den ersten Blick geht es darin um den Amtsrichter Christian Dettmar, der in einer einstweiligen Anordnung vom 8. April 2021 zwei Schulen in Weimar untersagte, die Schüler diversen Einschränkungen auszusetzen (Gesichtsmasken, Mindestabstände, Schnelltests).

„Es war vermutlich der am gründlichsten vorbereitete und am ausführlichsten begründete Beschluss, der von einem Familiengericht in einem Verfahren zum Schutz des Kindeswohls gem. § 1666 BGB jemals erlassen wurde. 192 Seiten, inklusive dreier Gutachten von Sachverständigen, die klarstellten, dass Kinder ‚durch die Pflicht, während der Schulzeit Gesichtsmasken zu tragen und Abstände untereinander und zu weiteren Personen einzuhalten, in ihrem geistigen, körperlichen und seelischen Wohl gefährdet‘ werden...

Die Entscheidung schlug ein wie eine Bombe. Ein Amtsrichter wagte es, den Widerstand gegen die Grundannahmen der Corona-Politik in einer klaren juristischen Form zu artikulieren. Nein, es ging nicht um ein bisschen juristische Kosmetik… Nein, in Weimar wurde Fundamentalkritik an der epistemischen Hysterie im Ganzen formuliert: Die Maßnahmen sind nicht nur ein bisschen unverhältnismäßig, sie sind nicht nur vielleicht ungeeignet, nein, sie sind im Gegenteil sogar schädlich; schädlich für das ‚geistige, körperliche und seelische Wohl‘ von Kindern...

Es waren die Kinder, die besonders unter den Maßnahmen litten. Aber in einer Zeit, die Kinder als ‚Ratten‘, ‚Halbmenschen‘ und ‚Superspreader‘ enthumanisierte, in so einer Zeit bleibt wenig Platz für eine detaillierte 192-seitige evidenzbasierte Betrachtung des Kindeswohls. Darüber hinaus konnte jeder... erkennen, dass es bei dieser Entscheidung aus Weimar um das geistige, körperliche und vor allem das seelische Wohl nicht nur der Kinder, sondern der Gesellschaft als Ganzes ging.“

 
Das ist der interessantere Punkt. Aber das Zitat wirkt so etwas kryptisch, also liefern wir den Kontext nach:

„Unendlich viel Unsinn wurde als Wahrheit vorgetragen. Aber kaum eine Lüge war so perfide wie die Gleichsetzung von Kindern mit Ratten und die stete Assoziation von Corona mit der Pest. In dieser Richtung konnte gar nicht genug übertrieben werden:

 ‚Was die Ratten in der Zeit der Pest waren, sind Kinder zurzeit für Covid-19: Wirtstiere. Ständig infizieren sie sich mit irgendwelchen Viren, und was machen die unverantwortlichen kleinen Halbmenschen dagegen? Nix!‘

So lautete die todernst gemeinte Impfpropaganda eines reichweitenstarken Agitprop-Satirikers; denn ‚geimpft, geboostert sind die wenigsten, die kleinen Querdenker‘. Kinder: ‚schlimmer als Aluhutträger‘ und natürlich ‚unverantwortlich‘.

Die Angst erzeugenden Erzählungen von der tödlichsten Pandemie seit der ‚Spanischen Grippe‘ und dem völligen Ausgeliefertsein aufgrund der kaum vermeidbaren ‚asymptomatischen Ansteckung‘ verdichteten sich zu dem perfiden Epistem, wonach neben den ‚Ungeimpften‘ die Kinder als besondere ‚Treiber der Pandemie‘ ausgemacht wurden.

Schulschließungen, durchgängiges Maskentragen und strenges Testregime setzten Eltern und Kinder ebenso unter Druck wie die Zumutungen von Schuldzuschreibungen, wenn die in den Heimen eingesperrten Omas und Opas nicht an Einsamkeit, sondern mit einem positiven PCR-Test starben.“


Wie ging es nun weiter mit dem Amtsrichter Dettmar?

„Die Staatsgewalt richtete sich gegen Richter Dettmar, weil er die Episteme, die den beanstandeten Maßnahmen zugrunde lagen, erschütterte. Für einen Moment hatte die Möglichkeit bestanden, innezuhalten und über die Grundannahmen der politischen Maßnahmen auf der Grundlage der fundierten Gutachten der Sachverständigen nachzudenken. Doch der Jurisprudenz fehlt nach Kant das Gehirn, Recht von Unrecht zu unterscheiden, und für die Politik läuft es speziell im Ausnahmezustand nur noch auf den einfachen Dualismus von Freund und Feind hinaus.“

Und so wurde der Richter als „Querdenker-Richter“ erkannt und in den Schmelztiegel der Hexenjagd gestoßen: Hausdurchsuchungen, Disziplinarverfahren, Suspendierung, ein zermürbender Strafprozess und an dessen Ende wurde Christian Dettmar zu zwei Jahren Gefängnis (auf Bewährung), Berufsverlust und Verlust der Pensionsansprüche verurteilt. „Die Zerstörung einer Existenz. Welcher Richter wollte jetzt noch wagen, staatlich verkündete Wahrheiten juristisch zu hinterfragen?“

Der Autor bezweifelt danach den Sinn des Rechtsbeugungsparagraphen in der jetzigen Form: „Denn bereits die Strafnorm, aufgrund derer der Familienrichter angeklagt und schließlich verurteilt wurde (§ 339 StGB), ist geradezu der Prototyp einer Tautologie: ‚Rechtsbeugung begeht … wer das Recht beugt.‘ Ein derart offener Straftatbestand gibt Anlass zu ernsten rechtsstaatlichen Bedenken. Entweder die Norm geht davon aus, dass Staatsanwaltschaften und Gerichte schon wissen werden, was Rechtsbeugung sei, oder man kann darunter jede juristische Unbotmäßigkeit subsumieren. Letzteres ist im Fall Dettmar geschehen.“

Die Klimax finden wir bei der vorsitzenden Richterin des 2. Strafsenats am Bundesgerichtshof. Die hat nämlich am 20. November 2024 die mündliche Urteilsbegründung in dem Revisionsverfahren offensichtlich sehr selbstgewiß und medienwirksam vorgetragen: „Sie hat das Urteil der Vorinstanz bestätigt und im Kern klargestellt, dass es nicht darauf ankomme, ob Richter Dettmar in der Sache Recht hatte, weil eine wissenschaftliche Basis für Schulschließungen, Test- und Maskenpflichten tatsächlich nicht bestehe. Die ‚materielle Rechtmäßigkeit der Entscheidung‘ – so die juristisch präzise Formulierung – spiele für die Frage der Strafbarkeit keine Rolle (sic!).

Wegen einer Beugung des Rechts kann demnach verurteilt werden, wer eigentlich das Recht wieder aufrichtet, während es gebeugt am Boden liegt. Und dass Bundesrichter, die selbst tief in den Epistemen der Zeit befangen sind, stattdessen ernsthaft den Vorwurf der Befangenheit zum maßgeblichen Tatbestand einer Rechtsbeugung erheben, verdeutlicht, auf welchem intellektuellen Stand die höchste deutsche Justiz ihre Urteile spricht.“

Richter Dettmar habe gegen die „richterliche Unabhängigkeit“ und „Unparteilichkeit“ verstoßen – so der in den § 339 StGB hineingelesene Vorwurf seines Verbrechens. „Doch welcher Richter hätte mehr ‚Unabhängigkeit‘ bewiesen als er?“ Der Autor zitiert danach Walter Ulbricht von 1958: „Unsere Richter müssen begreifen, dass der Staat und das von ihm geschaffene Recht dazu dienen, die Politik von Partei und Regierung durchzusetzen.“


Juristen sind nicht wahrheitsorientiert, lernen wir gerade. „Auch Juristen sind nur Menschen, und sie verinnerlichen die offiziell verkündeten Episteme der Zeit.“ Auch folgten sie der „reinen Rechtslehre“, wonach jeder beliebige Inhalt Recht sein kann und es gerade das Kennzeichen einer echten juristischen Qualifikation ist, sich nicht mit fachfremden Fragen, etwa der Mikrobiologie, Virologie oder Epidemiologie, befassen zu müssen.“

Das ist die positivistische Variante der Rechtstheorie. Und man fragt sich natürlich, was dann den Richtern im 3. Reich vorzuwerfen wäre. Aber Logik und Vernunft werden sowieso überschätzt.

„Das epistemische Unrecht schmilzt jedes Bewusstsein für Rationalität gemeinsam mit der bis eben noch bestehenden zivilen Normalität vollständig ein.“

„Wenn demnach Juristen gar nicht in Erwägung ziehen, dass die Episteme des Rechts falsch sein könnten, und es ihnen demnach egal ist, ob es vielleicht auch ernstzunehmende Wissenschaftler gab, die eine ganz andere Auffassung zur Gefährlichkeit des Virus oder zur epidemiologischen und medizinischen Nützlichkeit von Lockdowns, PCR-Tests, Isolationen, Masken, 2G-Regeln und mRNA-Impfungen vertreten, dann muss es nicht verwundern, dass die Episteme der Pandemie an den deutschen Gerichten tatsächlich ‚nie hinterfragt‘ wurden.“

Das epistemische Unrecht, die Verweigerung, die Tatsachengegründetheit oder schlicht die Wahrheit, auch nur ernstnehmen zu wollen, das kann man so nennen, auf jeden Fall ist es ein deutlicher Indikator für die seelische Verdorbenheit dieser Zeit.


Nun mag man mit Pilatus fragen: Quid est veritas? Aber dann könnte man auch genausogut jede medzinische Forschung aufgeben. Wer die Wahrheit für belanglos hält, erkennt nur die Macht als real an.

Neben den Kindern habe in der Zeit des Corona-Maßnahmenstaats nichts so sehr gelitten wie das Vertrauen in eine wahrhaftige und vertrauenswürdige Funktion der politischen Institutionen. Mißtrauen und Spaltung seinen die neue Normalität“ die mit der rigorosen Unterdrückung anderer Meinungen einherginge. Von der Erfindung einer „Delegitimierung des Staates“, dem Kampf gegen vermeintliche „Desinformation“ , „Querdenker“ oder „Verschwörungstheoretiker“. Man schließt aus, markiert, überwacht, verfolgt.


Zurück zum Aufsatz und in die Mitte der Corona-Debatte: „Täglich und stündlich wurde Gericht gehalten, in den offiziellen Foren der Medien-Öffentlichkeit. Die Angeklagten waren schnell ausgemacht: die ‚Schwurbler‘, ‚Querdenker‘, ‚Coronaleugner‘, „‘Covidioten’ oder welche Begriffe zur Etikettierung der Ungehorsamen sonst noch gefunden wurden. ‚Mehr Diktatur wagen!‘, forderten dementsprechend Protagonisten der ‚neuen Normalität‘, und die repressive Exekutive entdeckte die ‚Delegitimierung des Staates‘ als neue Kategorie zur Überwachung und Reinhaltung des Diskursraumes. Verfolgt wurden nun alle, die die offiziell verkündeten und rechtlich sanktionierten Episteme anzweifelten: die Maßnahmenkritiker, die Maskenverweigerer und natürlich die ‚Ungeimpften‘.“

„Das Vertrauen in den Rechtsstaat schmolz in der ‚neuen Normalität‘ zu einem blinden Vertrauen in die Expertise des Maßnahmenstaats.“ „Es gab keine Gewaltenteilung, keine gerichtliche Kontrolle der Exekutive. Der Gleichschritt der drei Gewalten gehörte zur neuen Normalität. Und das bedeutete vor allem eines: Es gab keine rechtliche Überprüfung der den Maßnahmen zugrundeliegenden Episteme.“


Ich denke, in der Corona-Zeit hat sich diese Gesellschaft zur Kenntlichkeit demaskiert. Man kann jetzt wissen, woran man ist.

Es gibt eine schon ältere SF-Serie, in der die Erde von Reptilien besetzt ist, die am allerliebsten Menschen fressen, sich aber eine menschliche Gesichtshaut zur Tarnung auflegen. Bei einem Anschlag wird diese Gesichtsmaske beschädigt und der Anführer reißt sie sich herunter, die kollaborierenden Erdbewohner, die dem beiwohnen, erschrecken sich. Heute erschrickt sich niemand, auch wenn die Masken gefallen sind.

Aus dem Aufsatz mag man einen Aufruf zur sachlichen und juristischen Aufarbeitung der Corona-Zeit herauslesen, der Autor hält diese Chancen für unklar, aber er hält fest:

„Es ging bei der Bestrafung von Christian Dettmar nicht um Recht, es ging um die Bestrafung von Ungehorsam. Und der Familienrichter von Weimar steht hier nur stellvertretend für die Vielen, die gegen die ohne solide Evidenz verhängten totalitären Maßnahmen der Politik aufgestanden sind.

Die zentralen Episteme der Corona-Politik sind mittlerweile als falsch oder gar als blanke Lüge entlarvt... – konstruierte Episteme! Wenn gleichwohl immer noch Prozesse gegen Ärzte, Krankenhaus- und Pflegepersonal, Soldaten, Polizisten oder andere Maßnahmen-Kritiker geführt werden, dann ist das für einen liberalen Rechtsstaat schlichtweg ein Skandal.


Die einschneidenden freiheitsbeschränkenden und gesundheitsgefährdenden Maßnahmen waren zu keiner Zeit hinreichend evidenzbasiert. Sie waren epistemisches Unrecht. Es ist dringend Zeit für eine ehrliche Aufarbeitung, die die Episteme der Pandemie anhand seriöser Daten dekonstruiert! Es ist Zeit für eine ernsthafte Rehabilitation des Rechts, die das Unrecht adressiert!“ Der Autor fordert schließlich eine Amnestie, die „die gesellschaftliche Spaltung überwinden hilft!“.

Ich glaube an diese Aufarbeitung nicht, wem würde sie nützen? Warum sollten die, die das alles betrieben haben, das wollen. Lüge und Angst sind bewährte Herrschaftmittel wie der Nebel der Normalität, der sich vergessensselig auf alles legt. Wir leben in einem zynischen Zeitalter. Zyniker halten sich für raffiniert kluge Menschen, aber sie sind es nicht.

Jede Rechtsbefolgung, überhaupt jede Macht hängt daran, ob ihr genug folgen. Keine Macht kann bestehen ohne hinreichende Gefolgschaft. Es mag psychologische Zwänge geben oder eben Ängste, aber irgendwann ist das alles vorbei. Macht erhält sich nie durch Gewalt, sondern nur durch den Glauben der Anhänger. Der Zyniker zerstört das Fundament des Hauses, das er bewohnt.

Aber zwei Dinge sind tatsächlich erinnerungswürdig, einmal die Selbstdemaskierung einer Gesellschaft, die der wache Zeitgenosse nunmehr wissen kann. Corona hat Illusionen über die menschliche Natur geraubt (von Abweichungshaß und Denunziationsfreude bis zur völligen Empathielosigkeit der Exekutoren) und die Verfassung dieses Landes, so man sie denn besaß.


Auch Illusionen über die innere Verrottetheit der Kirchen. Ein Erkenntnisgewinn, auf den ich gut hätte verzichten können.  Ich erinnere noch, wie ich Ostern 2020 mich auf dem Marktplatz vor der Stadtkirche wiederfand, wo zufällig, natürlich in gehörigem Abstand voneinander, Menschen laut aus der Bibel lasen, so auch ich, in dem Bewußtsein, daß jeden Moment die Polizei um die Ecke kommen könnte, um diese Zusammenrottung aufzulösen. 
 
Und nicht zu vergessen: Die Herrschaft der Lüge hat immer verheerende Folgen, und alle nachträglichen Rationalisierungsversuche sind vor allem eines, sie sind sinnlos, denn sie verkennen, daß alles vom Vater der Lüge herkommt, dem sich Menschen nur zu begierig unterwerfen. Das war ein Einbruch der Dimension des Dämonischen.

Ein zweites Verdienst hat der Aufsatz: Die Erinnerung an den Wert des Rechts, nicht als Herrschaftsinstrument, sondern als Mittel zum geordneten Zusammenleben, zum Schutz der Ohnmächtigen und zum Zurückweisen gewaltsamer Anmaßungen, gewissens- und wahrheitsorientiert und nicht machthörig. Das muß keine Fiktion sein. Etwa im 2. Kaiserreich gab es eine solche Rechtskultur.

Noch einmal der Autor: „Die Richter sind unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen.“ „Art. 97 Abs. 1 GG reklamiert die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Richter von politischen Opportunitäten und beinhaltet ganz sicher keine Verpflichtung zum Vollzug von Regierungsnarrativen... Und hier ist die Perspektive in § 1666 BGB sehr deutlich: Der Richter wird zum Anwalt des Kindeswohls. Das Familiengericht ist explizit auf der Seite der Kinder gegenüber übergriffigen oder nachlässigen Eltern oder ‚Dritter‘. Allein die Frage, ob unter ‚Dritter‘ auch ein übergriffiger Staat adressiert sein kann, war bisher juristisch umstritten. Eine Rechtsbeugung trägt das alles nicht. Das Urteil ist ebenso konstruiert wie die Episteme der Pandemie.“

Diese sechs Stücke haßt der Herr, und am siebenten hat er einen Greuel: hohe Augen, falsche Zunge, Hände, die unschuldig Blut vergießen, Herz, das mit böser Tücke umgeht, Füße, die behend sind, Schaden zu tun, falscher Zeuge, der frech Lügen redet und wer Hader zwischen Brüdern anrichtet.
Sprüche Salomonis 6.16-19

Die Bilder sind aus dem besagten Jahr 2020 und von einem Magnolienbaum an der Katholischen Kirche hier, der gerade blüht.