Mittwoch, 11. Juli 2012

Über Abseitiges


Benedikt XVI.

Wenn eine Dame, die sich dafür entschieden hat, ihren Körper regelmäßig leihweise zur Verfügung zu stellen, sehr lange und sehr laut über etwas lacht, was uns fremd erscheint, sie aber offenbar gut versteht, haben wir womöglich spontan so etwas wie einen Anflug von Verständnis, vermutlich völlig zu Unrecht, weil wir nichts davon wissen im Grunde. Aber sollten wir ihr darüber böse sein? Sie folgt dem, was sie kennt. Wenn jemand ausgiebig Witze über Menschen mit unförmig langen Nasen macht, sollte man tatsächlich empört tun, wir sehen, was wir wissen...

Es gibt dieses grundsätzliche Mißverständnis, daß alles, was als Humor auftritt, per se irgendwie nett und anheimelnd sei, mindestens interessant; nein, ist es nicht, es ist einfach nur menschlich. Das Menschliche hat viele Facetten.

Einige davon kann man von Gesichtern ablesen, ja Gesichter sprechen, leider (wären sie doch öfters stumm!). Aus manchen Gesichtern springt einen an, hier ist nichts, gar nichts, nur eine Leere, die verstört; und dann will man eigentlich sofort nur noch aufhören, etwas zu sagen. Dann gibt es Gesichter, wo einem das mißtrauisch Böse stechend in die Seele dringen will, und man hat den selben Reflex etc. etc.

Ich sah gestern ein Interview mit einem vermutlich jungen Mann von eher teigiger Physiognomie; wenn ich den Ton weggenommen hätte, würde ich vermutet haben, ein Opfer zu sehen von irgendetwas Schlimmen; nicht, daß Opfer zu sein, Menschen unbedingt sympathischer erscheinen läßt; der Ton war aber an, und so sah ich, da hatte jemand sein Inneres nach außen gestülpt und wieder zurück, und man wußte vom bloßen Anblick her mehr, als man jemals hätte wissen wollen.

Der Chefredakteur des „Satire“-Magazins „Titanic“, Leo Fischer, sieht es als seine Pflicht, vor niemandem Respekt zu zeigen, durfte ich hier lesen. Satiriker seien ein bißchen wie Parasiten, sie ernährten sich von menschlichem Leid und würden überall da wachsen, wo sich, kurz zusammengefaßt, das Böse austobe, und hätten ihren Spaß davon. Satire also als eine Unterart der „Schadenfreude“. Wenn man die Presse zu dem las, worauf ich gleich kommen werde, war er damit kaum allein.

Was heißt dies aber, wenn man es wörtlich nähme. Es gäbe demnach nichts, vor dem man Achtung zeigen müßte, wenn es denn dem „Spaß“ oder, besser gesagt, dem fröhlichen Austoben des Ressentiments im Wege stünde.

Wenn das Menschliche grundsätzlich verfehlt wird, entsteht etwas, wie einst am „Stürmer“ abzulesen war. Diesmal aber ging es nur um den Heiligen Vater und einen aberwitzigen Versuch, sein Bild in den Straßenkot zu ziehen. Hätte er wirklich dagegen klagen sollen? Gibt diese Klage nicht dem Akteur eine Würde, die ihm wesensmäßig abgeht?

Für diejenigen, die die Geschichte nicht kennen. Das „Satire“-Blatt „Titanic“ hatte unter dem Titel „Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!“ ein Bild des Hl. Vaters gezeigt - einmal mit einem gelben Fleck vorn auf dem Titelblatt, und einem braunem Fleck auf der letzten Seite. Man erfreute sich offenbar an einem schlichten Wortspiel mit „leak“ und tat anschließend überrascht, man könne das Titelbild gar nicht anders deuten als: „Wir feiern mit dem Papst das Ende der Vatileaks-Affäre.“ Dabei habe der Papst im Überschwang des Gefühls Limonade auf seiner Soutane verschüttet, es sei allgemein bekannt, daß der Papst ein großer Freund des Erfrischungsgetränks Fanta sei, so dieser Herr Fischer. Was werden sie sich anschließend auf die Schenkel geklopft haben.

Und wir erinnern uns an den großen Friedrich und an den Geist, dem zwei seiner bemerkenswerteren Sätze entstammen:

„Niedriger hängen!“ (damit alle es sehen könnten, Friedrich, als er eine Karikatur von sich angeschlagen sah, die aber recht hoch hing). Und:

Als dem König der Fall eines Kavalleristen vorgelegt wurde, der Sodomie mit seinem Pferd getrieben habe, schrieb er an die Akte:

„Versetzt das Schwein zur Infanterie.“

Montag, 9. Juli 2012

In einer alten Anthologie gelesen

Da stolpere ich, verursacht durch den Hinweis eines Freundes, in diese Anthologie vom Frühjahr 1921 hinein, herausgegeben von Hans Bethge, wahrlich kein Unbekannter, und fange an zu lesen, manches kannte ich dem Namen nach, manches gar nicht, einiges wirkt fremder als ein Jahrhundert zurück, aber was bedeutet schon Zeit, diese große Illusion.



Max Liebermann, Weidenbäume


Detlev von Liliencron
Tod in Ähren

Im Weizenfeld, in Korn und Mohn,
Liegt ein Soldat, unaufgefunden,
Zwei Tage schon, zwei Nächte schon,
Mit schweren Wunden, unverbunden.

Durstüberquält und fieberwild,
Im Todeskampf den Kopf erhoben.
Ein letzter Traum, ein letztes Bild,
Sein brechend Auge schlägt nach oben.

Die Sense sirrt im Ährenfeld,
Er sieht sein Dorf im Arbeitsfrieden,
Ade, ade, du Heimatwelt --
Und beugt das Haupt, und ist verschieden.

Max Liebermann,  Reiter am Strand
Wilhelm Arent
Melancholie

Meiner Jugend Träume,
Wo seid ihr hin?
Ihr himmlischen Räume,
Wie fern ich euch bin!

Draußen grünen die Bäume,
Flur in Blüte steht --
Meine Lieder sind Schäume,
Die der Wind verweht ...


J. S. Bach, Suite N.1 G-Dur BWV 1007

Peter Baum
Nun schweig

Nun schweig und fühle, wie die Schatten wehn;
Aus tiefen Himmeln bunte Flammen sinken,
Und schwarze Wolken felsenzackig stehn
Um blanke Dächer, die wie Seen blinken.
Und suche meine Seele nicht; die liegt
In jenem Baum, weit hinterm Sonnenfeuer,
Der sich im Weltall zwischen Sternen wiegt.


Hans Bethge
Wir wehen ...

Wir wehen durch die Lüfte,
Grau wie Regen weht,
Zart wie Düfte der Blumen,
Bang wie der Flöte Lied.

Wehen mit Eile, sinken
Nieder in einem Feld,
Abend hüllt kühl uns ein,
Nacht ist so märchenschön.

Manche erheben wieder
Ihre Flügel, wehen
Weiter, düstere Wolken
Oder Gerüche der Flur.

Andere bleiben liegen
In den Hainen und Gärten,
Werden Erde und Halme,
Spielend im Frühlingshauch.

Hörst du ein Seufzen im Abend?
Und ein Lachen im Wind.
Wer da wehte vorüber
Ach -- und wohin? wohin?

Lovis Corinth; Männlicher Halbakt 

Otto Julius Bierbaum
Die Kranke

Ich fühle keinen Schmerz und bin doch krank;
Mir ist die Kraft genommen, ich bin leer.
Ich lebe ab, so wie ein Rad abläuft,
Das von der Feder, die es trieb und hielt,
Gelöst ward. -- Ach, sie pflegen mich so lieb,
Und dennoch weiß ich's, balde ist's vorbei.
Und bin nicht traurig. Ruhe wird mein Teil.
Ich werde ruhig blühn in leichtem Wind,
Wie meine Blumen, die im Garten sind.


Theodor Däubler
Weg


Mit dem Monde will ich wandeln:
Schlangenwege über Berge
Führen Träume, bringen Schritte
Durch den Wald dem Monde zu.

Durch Zypressen staunt er plötzlich,
Daß ich ihm entgegengeh,
Aus dem Ölbaum blaut er lächelnd,
Wenn mich's friedlich talwärts zieht.

Schlangenwege durch die Wälder
Bringen mich zum Silbersee:
Nur ein Nachen auf dem Wasser,
Heilig oben unser Mond.

Schlangenwege durch die Wälder
Führen mich zu einem Berg.
Oben steht der Mond und wartet,
Und ich steige leicht empor.

Lovis Corinth, Rosen

Max Dauthendey.
Laß mich in deinem stillen Auge ...

Laß mich in deinem stillen Auge ruhen,
Dein Auge ist der stillste Fleck auf Erden.

Es liegt sich gut in deinem dunkeln Blick,
Dein Blick ist gütig wie der weiche Abend.

Vom dunkeln Horizont der Erde
Ist nur ein Schritt hinüber in den Himmel,
In deinem Auge endet meine Erde.


Die Luft so schwer ...

Die Luft so schwer,
Wolken stehen weiß und still,
Der Himmel hohl und aschenleer,
Ein Rabenschrei --,
Und kreischt vorbei.
Die Bäume stehen kalt umher,
Es ist, als ob das letzte Herz gestorben sei.


Les Pleurs de Monsieur de Sainte Colombe

Der Mond ist wie eine feurige Ros'

Der Mond geht groß aus dem Abend hervor,
Steht über dem Schloß und dem Gartentor
Und läßt sanft glühend die Erde los.
Der Mond ist wie eine feurige Ros',
Die meine Liebste im Garten verlor.

Mein Schatten an den steinernen Wänden
Geht hinter mir wie ein dienender Mohr.
Ich werde den Mohren hinsenden,
Er hebe die Rose vorsichtig auf
Und bringe sie ihr in den dunklen Händen.


Richard Dehmel
Stiller Gang

Der Abend graut; Herbstfeuer brennen.
Über den Stoppeln geht der Rauch entzwei.
Kaum ist mein Weg noch zu erkennen.
Bald kommt die Nacht; ich muß mich trennen.
Ein Käfer surrt an meinem Ohr vorbei.
Vorbei.

Max Klinger, Sommerlandschaft

Gustav Falke
Das Mohnfeld

Es war einmal, ich weiß nicht wann
Und weiß nicht wo. Vielleicht ein Traum.
Ich trat aus einem schwarzen Tann
An einen stillen Wiesensaum.

Und auf der stillen Wiese stand
Rings Mohn bei Mohn und unbewegt,
Und war bis an den fernsten Rand
Der rote Teppich hingelegt.

Und auf dem roten Teppich lag,
Von tausend Blumen angeblickt,
Ein schöner, müder Sommertag,
Im ersten Schlummer eingenickt.

Ein Hase kam im Sprung. Erschreckt
Hat er sich tief ins Kraut geduckt,
Bis an die Löffel zugedeckt,
Nur einer hat herausgeguckt.

Kein Hauch. Kein Laut. Ein Vogelflug
Bewegte kaum die Abendluft.
Ich sah kaum, wie der Flügel schlug,
Ein schwarzer Strich im Dämmerduft.

Es war einmal, ich weiß nicht wo.
Ein Traum vielleicht. Lang' ist es her.
Ich seh' nur noch, und immer so,
Das stille, rote Blumenmeer.


Cäsar Flaischlen.
Ganz still zuweilen ...

Ganz still zuweilen wie ein Traum
Klingt in dir auf ein fernes Lied ..
Du weißt nicht, wie es plötzlich kam,
Du weißt nicht, was es von dir will ...
Und wie ein Traum ganz leis und still
Verklingt es wieder, wie es kam ...

Wie plötzlich mitten im Gewühl
Der Straße, mitten oft im Winter
Ein Hauch von Rosen dich umweht,
Oder wie dann und wann ein Bild
Aus längstvergessenen Kindertagen
Mit fragenden Augen vor dir steht ...

Ganz still und leise, wie ein Traum ...
Du weißt nicht, wie es plötzlich kam,
Du weißt nicht, was es von dir will,
Und wie ein Traum ganz leis und still
Verblaßt es wieder, wie es kam.

Max Klinger, Bildnis Elsa Asenijeff im Freien

Georg Heym
Alle Landschaften haben ...

Alle Landschaften haben
Sich mit Blau erfüllt.
Alle Büsche und Bäume des Stromes,
Der weit in den Norden schwillt.

Leichte Geschwader, Wolken,
Weiße Segel dicht,
Die Gestade des Himmels dahinter
Zergehen in Wind und Licht.

Wenn die Abende sinken
Und wir schlafen ein,
Gehen die Träume, die schönen,
Mit leichten Füßen herein.

Zimbeln lassen sie klingen
In den Händen licht.
Manche flüstern und halten
Kerzen vor ihr Gesicht.



Hugo von Hofmannsthal
Terzinen

Wir sind aus solchem Zeug, wie das zu Träumen,
Und Träume schlagen so die Augen auf
Wie kleine Kinder unter Kirschenbäumen,

Aus deren Krone den blaßgoldnen Lauf
Der Vollmond anhebt durch die große Nacht.
.. Nicht anders tauchen unsre Träume auf,

Sind da und leben, wie ein Kind, das lacht,
Nicht minder groß im Auf- und Niederschweben
Als Vollmond, aus Baumkronen aufgewacht.

Das Innerste ist offen ihrem Weben,
Wie Geisterhände in versperrtem Raum
Sind sie in uns und haben immer Leben.

Und drei sind eins: ein Mensch, ein Ding, ein Traum.

Hans Makart, Großes Blumenstück

Detlev von Liliencron
In einer großen Stadt

Es treibt vorüber mir im Meer der Stadt
Bald der, bald jener, einer nach dem andern.
Ein Blick ins Auge, und vorüber schon.
Der Orgeldreher dreht sein Lied.

Es tropft vorüber mir ins Meer des Nichts
Bald der, bald jener, einer nach dem andern.
Ein Blick auf seinen Sarg, vorüber schon.
Der Orgeldreher dreht sein Lied.

Es schwimmt ein Leichenzug im Meer der Stadt.
Querweg die Menschen, einer nach dem andern.
Ein Blick auf meinen Sarg, vorüber schon.
Der Orgeldreher dreht sein Lied.


David Ianni - Obsculta

Weite Aussicht

Steht eine Mühle am Himmelsrand,
Scharfgezeichnet gegen mäusegraue Wetterwand,
Und mahlt immerzu, immerzu.

Hinter der Mühle am Himmelsrand,
Ohne Himmelsrand, mahlt eine Mühle, allbekannt,
Mahlt immerzu, immerzu.

Wird fortgesetzt

Sonntag, 8. Juli 2012

Sonntags

poorly translated




Viel Bilder heute und weniger an Worten (dieses dauerschwüle Wetter entschleunigt irgendwie meine Denkvorgänge). Die ersten 4 Bilder beschreiben Folgendes: Auf einem Bett aus Mohrrüben, Sellerie, Zwiebeln, frischem Thymian, Oregano und Rosmarin kommt ein Schweinebraten zu liegen, der mit einer Füllung aus Backpflaumen und Mandarinen versehen worden war. Das Ganze wurde noch mit Senf bestrichen und natürlich gepfeffert und gesalzen.


Dazu Pfifferlinge, die übrigens aus Weißrußland stammten, wie ich der Aufschrift entnehmen konnte. Sollten mir also demnächst die Haare noch stärker als bisher ausfallen, habe ich eine Ahnung, woran es liegen könnte. Die Pfifferlinge wurden mit Zwiebeln und Knoblauch geschmort, darauf kam ziemlich viel Sahne hinzu, getrockneter Oregano, Pfeffer und Salz, das köchelte dann etwas vor sich hin. Ach so, es war alles offenbar nicht mißlungen.


Dafür erscheint das Gemüse eher unansehnlich, das Bild erfüllt nur die Chronistenpflicht (kommt vom Rotwein, in dem es u.a. geschmort wurde). Zum Ausgleich ist die heutige Tischdekoration wieder netter anzusehen und der See sowieso.



Many pictures and few words today (this endless sultry weather is slowing my mind somehow). The first 4 pictures describe the following: On a bed of carrots, celery, onion, fresh thyme, oregano and rosemary lies a pork roast, which got a filling made of prunes and tangerines. The whole thing was smeared with mustard and of course, peppered and salted.

These chanterelles apparently came from Belarus, as I understood from the description. So in case I will lose more hair then already, I might get an idea where this will come from. The mushrooms were stewed with onions and garlic, it was added quite a lot of cream, dried oregano, and pepper and salt, then simmered a bit. Btw. obviously nothing failed.

Though the vegetable appears rather unsightly, the image only fulfills the report requirements (comes from the red wine, where it was braised with). As a compensation the current table decoration is nice to look at and the lake anyway.



abends




Samstag, 7. Juli 2012

Donnerstag, 5. Juli 2012

Über perfide Fischadler & Schweinebraten

Fischadler

Der Kampf gegen den sogenannten „Rechtsradikalismus“ ist offensichtlich nicht immer gut für die mentale Stabilität, auch als geistige Gesundheit bekannt. Üblicherweise verschone ich meine geneigten Leser eher von Nachrichten aus der Provinz. Aber diesmal müssen wir eine Ausnahme machen. 

Bekanntlich bastelt man, wenn man sich sonst nicht zu helfen weiß, an irgendwelchen Strukturen herum und gebiert folglich die passenden Monstrositäten. Und so haben wir einen neuen, größeren Landkreis “Mecklenburgische Seenplatte”. Der braucht ein Wappen. Eine Graphikerin hatte zwei, wie ich finde, recht ansprechende Entwürfe für ein solches vorgelegt, in beiden gab es als markantes Motiv einen Fischadler (die leben hier wirklich), der seine namensgebende Beute in den Fängen hielt. 

Jetzt tritt eine besorgte Antifaschistin auf den Plan, die moniert, das Emblem würde auch von “Nazis” verwendet. Wir zitieren jetzt einmal die lokale Tageszeitung: „Denn das Motiv steht nicht nur für ein Naturschauspiel. Der Adler mit dem Fisch in der Kralle ist auch ein neopaganistisches Zeichen, das die Ablehnung gegenüber dem Christentum symbolisieren soll. Im Januar 2003 ließ sich die neonazistische Vereinigung 'Die Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e.V.' durch ihren damaligen Vorsitzenden Jürgen Rieger beim Deutschen Patent – und Markenamt das Symbol als Bildmarke unter der Nummer 30238105 bis zum 31. Juli 2012 sichern.“

Uff, mir ist zwar neu, daß man ein allgemein bekanntes heraldisches Element sich so mir nichts dir nichts schützen lassen kann, aber heutzutage ist ja vieles möglich. Der zuständige Landrat (CDU) hat entsetzt sofort den Befürchtungen und Besorgnissen entsprochen, der Adler kommt weg. Ich zitiere die lokale Presse: „Wir machen nichts, was uns in Verbindung zu Nazis bringen könnte“ Er habe die Warener Grafikerin Barbara Müller-Wolf beauftragt, komplett neue Entwürfe anzufertigen. Dort solle nichts enthalten sein, was in den früheren Landkreisen verwendet wurde. Wäre ja auch noch schöner, an irgendwelchen verstaubten regionalen Identitäten anzuknüpfen. „Alles neu macht der Mai“ oder wie der Volksmund sonst noch schwadroniert: „Wem Gott gibt ein Amt, dem gibt er auch Verstand“. Ja! Ich glaube in Bosnien-Herzegowina gibt es da gute Erfahrungen, ich empfehle daher etwas mit vielen Sternen.



Wappen des vormaligen Landkreises Müritz

Der Fischadler ist nämlich aus dem Wappen eines der Vorgängerkreise entnommen, daher das 2. Bild, dieses Wappen gab es seit 1995, übrigens. Aber wo wir gerade beim lieben Gott waren, auch Pastor Jörg Albrecht hat die Sorge: „Es wäre unangemessen, wenn man das Wappen bei der nächsten Nazidemo auf einer Fahne sehen würde“. Wir brechen besser ab, man kann dieses Satyrspiel übrigens hier und hier genauer nachlesen, so man das will, ansonsten fasse ich zusammen:


Wie man hört (ich hab in meinem ganzen Leben noch keinen gesprochen), sollen diese Extremisten sich durch u.a. extreme (daher der Name) Deutschtümelei hervortun. Ich vermute, die essen daher auch nur ur-deutsche Gerichte. Ein Vorschlag zur Güte, man hungert die einfach langsam aus und verbietet als erstes schon mal Schweinebraten mit Sauerkraut (davon bekomme ich sowieso immer bloß Blähungen).

Mittwoch, 4. Juli 2012

Abendrosen &


Justinus Kerner
Im Garten im Mondlicht

Im Garten im Mondlicht
Vernehm ich ein leises
Flüstern und Streiten.
Lilien und Rosen
Streiten, wer schöner
Von ihnen blühe;
Wenden die Häupter
Nach mir hin – ich gehe,
Der Mond sieht euch blühen,
Der soll's entscheiden!



Nikolaus Lenau
Welke Rose

In einem Buche blätternd, fand
Ich eine Rose welk, zerdrückt,
Und weiß auch nicht mehr, wessen Hand
Sie einst für mich gepflückt.
Ach, mehr und mehr im Abendhauch
Verweht Erinn'rung; bald zerstiebt
Mein Erdenlos, dann weiß ich auch
Nicht mehr, wer mich geliebt.