Montag, 7. Juli 2014

Sonntag & nachgetragen


Das Entscheidende beim Kochen ist die Zeit (neben den Zutaten natürlich, denn ohne dieselben nützt einem alle Zeit der Welt nichts). In dem einem Moment lächelt einen eine Pastete noch goldbraun an, 5 Minuten später hat sich deren Miene schon beträchtlich verfinstert. Mit anderen Worten: Wo die Sommerschwüle gerade leicht schwindet und der Verstand in kleinen Schritten ein wenig zurückkehrt, soll der Essens-Nachtrag doch noch folgen.

Die Terrasse hat den Vorteil, daß sie vom späten Vormittag bis weit in den Nachmittag hinein im Schatten zweier großer Ahornbäume, einer Zeder (glaube ich) und weiterer älterer Baumgenossen liegt. Es ist also dort auch dann auszuhalten, wenn es eigentlich draußen nicht auszuhalten ist, wie an besagtem Sonntag.


Ausgangspunkt war, daß jemand den Wunsch geäußert hatte, es möge doch wieder Lachs geben, was mir entgegenkam, denn so durfte ich annehmen, daß es schneller gehen würde als üblich, was aber nicht so geschah.

Den Anfang der Schuld daran kann ich auf den hiesigen Ortsgeistlichen abwälzen. Da hatte ich mich endlich einmal wieder aufgerafft, die Stadtkirche aufzusuchen und dann dauerte der Gottesdienst 1.40 Stunden! Das ist eindeutig zuviel und überfordert meine fragile Frömmigkeit. Auch wenn ich jetzt unverlangt ganz viel über den Fortgang der Sanierungsarbeiten weiß.


Wo ich bereits die Pasteten erwähnte: „Varietas delectat“ wußten schon die alten Römer, aber wo sollte die Abwechslung herkommen? Nun wird mein Standard-Lachsgericht schon mal akzeptiert, also daran etwas zu verändern, hätte nur neuen Verdruß gebracht (und das bei der Hitze!).

Doch wir hatten wirklich zuviel an Mohrrüben, folglich kam ich die Idee, einen Teil davon in eine Pastete zu stecken. Ich bin, was exotische Geschmacksrichtungen angeht, aus praktischen Gründen eher unerfahren. Also probierte ich wild vor mich hin und schmorte die Mohrrüben mit gemahlenen Nelken und gemahlenem Ingwer und noch irgendwas, weil ich den süßen Geschmackston über hatte, der sich beim Schmoren von Mohrrüben unweigerlich einstellt. 

Das Ganze kam in Blätterteig und wurde, da wir nur einen Backofen haben, später unweigerlich mit dem Lachs zusammen gebacken, getrennt natürlich. Der Lachs, wie bereits gesagt, nach alter Machart, also erst mit geschlossenem Deckel auf Butterschmalz, mit Weißwein und Thymian, Rosmarin sowie viel Dill, (wie man sieht). Nach 20 Minuten wurde der Deckel entfernt, aber irgendwie kam ich bei alledem mit dem Zeitregime durcheinander (siehe oben), abgesehen davon, daß das mit der Pastete natürlich elend lange dauerte (und was gibt es Schöneres als eine überhitzte Küche bei warmem Wetter).



Es waren vermutlich wirklich nur die 5 Minuten zuviel. Denn der Lachs hielt noch so eben zusammen. Allerdings, als ich ihn dann mittels zweier großer Pfannenwender aus dem Bräter heben wollte, rutsche er in einem halben Meter Höhe über der Auftragplatte von denselbigen und landete dann wenigstens auf demselbigen, in vielen netten Einzelstücken.


Nach halbherzigen kosmetischen Korrekturversuchen sah es dann halt so aus, wie sich den Bildern entnehmen läßt. Übrigens Bilder, da wir, wie erwähnt, im Schatten saßen, bekam zum Beispiel die Sauce darauf einen Grünstich, obwohl sie in Wirklichkeit nett Goldbraun daherkam (und reichlich verzehrt wurde). Ich hatte noch im Nachhinein versucht, das irgendwie auszugleichen, aber ein bläulich aussehender Fisch irritiert doch etwas, und eine Welt, die in Rosa getaucht ist, nein, das überfordert mich zu sehr.

Es war eigentlich ganz nett und wie immer, vielleicht zuviel Dill, aber frischer Zitronensaft konnte das recht gut reparieren. Der Teig meiner Pasteten war übrigens durchaus nett, wie mir von der Gegenseite bestätigt wurde (sie war neugierig), ich hatte den Teig auch mit dem Schmor-Sud eingepinselt, und der Inhalt? Nun, nicht jede Veränderung erfreut auf den ersten Schlag, aber wie will man es herausfinden, wenn man es nicht versucht?

nachgetragen am 8. Juli

Sonntag, 6. Juli 2014

Ein wenig Erbauung zum Sonntag

Prophet Jeremias in der Sixtinischen Kapelle, Rom

Herr Roloff hat heute über einen Text aus Hesekiel gepredigt, den man anschließend wird nachlesen können. Ich war zunächst versucht, meine eigenen Anmerkungen zu machen. Stattdessen will ich aber auf etwas verweisen, das mir kürzlich auffiel, dank Hilfe von anderer Seite.

Wie nicht verborgen geblieben sein wird, bin ich ein großer Verehrer der Bibel-Übersetzung Luthers. Die letzte Revision, die ich noch für hinnehmbar und somit benutzbar halte, ist die von 1912 (danach wurde es von Mal zu Mal schlimmer), lieber noch verwende ich seine Endfassung von 1545. Ganz zu schweigen von „modernen“ Übersetzungen wie der „Guten Nachricht“, bei denen mir beim bloßen Zuhören in der Regel physisch unwohl wird (es gibt daneben philologisch ambitionierte neuere Übersetzungen, die meine ich selbstredend nicht), dieses flapsig-tapsig-banale Zeitungsdeutsch... Aber ich breche besser ab.

In Jeremia 2.5 lesen wir nach Luther:

So spricht der HErr: Was haben doch eure Väter Fehls an mir gehabt, daß sie von mir wichen und hingen an den unnützen Götzen, da sie doch nichts erlangeten.

Nun wurde ich über den Umweg einer englischen Übersetzung stutzig und las, was die von mir eben so freundlich bedachte „Gute Nachricht“ zu bieten hätte.

So spricht der HERR: „Was hatten eure Vorfahren an mir auszusetzen, dass sie sich von mir abwandten, nichtigen Götzen nachliefen und so selbst zunichte wurden?“

Hier wird man immerhin stutzig und überlegt, ob man nicht genauer hinschauen sollte. Hinter den „nichtigen Götzen“ steckt das Wort „häbäl“ (הֶ֖בֶל), was zunächst „Windstoß“, „Hauch“, dann abstrakter auch „Nichts“, „Täuschung“, „Wahn“, „Vergänglichkeit“ aussagt und in letzterem Sinne von frommen Juden als Bezeichnung für die „Götzen“ verwendet wurde.

Luther übersetzt folglich nicht falsch, aber man steht doch in der Gefahr, darüber hinwegzulesen, da ist die „moderne“ Übersetzung tatsächlich hilfreicher. Das nachfolgende Verb aus gleicher Wurzel (Wortstamm) bedeutet „leer, nichtig sein, der Nichtigkeit verfallen“.

Gehen wir jetzt über zur „King James Bible“, dem Pendant zu Luther im Englischen:

Thus saith the LORD, What iniquity have your fathers found in me, that they are gone far from me, and have walked after vanity, and are become vain?

Das ist schon besser, es nimmt mit „vanity“ und „vain“ das Wortspiel auf und kommt mit „eitler Einbildung“ und „vergeblich werden“, wenn man das so auf Deutsch wiedergeben will, dem Sinn des Satzes auch sehr nahe.

Und nun schauen wir endlich in die „New American Standard Bible“, mir bisher völlig unbekannt:

Thus says the LORD, "What injustice did your fathers find in Me, That they went far from Me And walked after emptiness and became empty?“

Sie sind der Leere gefolgt und wurden (so) leer. Das ist beeindruckend und bringt in der Tat auf den Punkt, was fromme Menschen über die Folge des Abirrens hin zu „leeren“ Wunschbildern, sprich „Götzen“ annehmen.

Ich werde also mein Urteil über manches Zeitgenössische, nein, nicht abändern, aber abmildern müssen. Und jetzt folgt Herr Roloff mit einem Tag Verspätung, ich wollte meine Vorbemerkung doch gern bringen und gestern Abend hatte mich die schwüle Hitze recht gründlich außer Gefecht gesetzt.

Prophet Ezechiel in der Sixtinischen Kapelle, Rom

Predigt zum 3. Sonntag nach Trinitatis

Hes 18, 1-4.21-24.30-32


Gnade sei mit Euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.
Amen

Den Predigttext haben wir als alttestamentliche Lesung gehört:

Gott richtet jeden nach seinem Tun und fordert Umkehr

1 Und des HERRN Wort geschah zu mir und sprach: 2 Was treibt ihr unter euch im Lande Israel dies Sprichwort und sprecht: "Die Väter haben Herlinge gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden"? 3 So wahr als ich lebe, spricht der Herr, HERR, solches Sprichwort soll nicht mehr unter euch gehen in Israel. 4 Denn siehe, alle Seelen sind mein; des Vaters Seele ist sowohl mein als des Sohnes Seele. Welche Seele sündigt, die soll sterben. 21 Wo sich aber der Gottlose bekehrt von allen seine Sünden, die er getan hat, und hält alle meine Rechte und tut recht und wohl, so soll er leben und nicht sterben. 22 Es soll aller seiner Übertretung, so er begangen hat, nicht gedacht werden; sondern er soll leben um der Gerechtigkeit willen, die er tut. 23 Meinest du, daß ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht der HERR, und nicht vielmehr, daß er sich bekehre von seinem Wesen und lebe? 24 Und wo sich der Gerechte kehrt von seiner Gerechtigkeit und tut Böses und lebt nach all den Greueln, die ein Gottloser tut, sollte der leben? Ja, aller seiner Gerechtigkeit, die er getan hat, soll nicht gedacht werden; sondern in seiner Übertretung und Sünde, die er getan hat, soll er sterben. 30 Darum will ich euch richten, ihr vom Hause Israel einen jeglichen nach seinem Wesen, spricht der Herr, HERR. Darum so bekehrt euch von aller Übertretung, auf daß ihr nicht fallen müsset um der Missetat willen. 
   31 Werfet von euch alle eure Übertretung, damit ihr übertreten habt, und machet euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Denn warum willst du sterben, du Haus Israel? 32 Denn ich habe keinen Gefallen am Tode des Sterbenden, spricht der Herr, HERR. Darum bekehrt euch, so werdet ihr leben.

Liebe Gemeinde,

dieser Text wird gelegentlich herangezogen, wenn man nach Belegen dafür sucht, dass sich aus dem alttestamentlichen rächenden Gott langsam aber sicher der neutestamentliche liebende Gott entwickelt. Gott sühnt die Sünden des Menschen nicht mehr an den Kindern und Enkeln, sondern nur noch an dem, der sie begangen hat. Bisweilen wurden schon sogar Biographien Gottes geschrieben, in denen man nachlesen kann, wie Gott gleichsam erwachsen, jedenfalls reifer und gerechter wird.

Ich halte von all dem wenig. Glauben wir denn nicht an einen Gott, der heute, morgen und derselbe in Ewigkeit ist? Diese Vorstellungen, von der Entwicklung Gottes, sind bestenfalls Beleg dafür, dass viele Menschen schon den Wunsch haben, mit Gott in Beziehung zu treten, aber sie wollen dann immer als seine Ratgeber akzeptiert werden. Ein hochmütiger Gedanke!

Viel mehr kann ich der Überlegung abgewinnen, dass sich nicht Gott, sondern mit den Vorstellungen der Menschen etwas verändert hat. Der archaische Mensch hat sich ganz und gar als Horden-, Gruppen- oder Familienwesen verstanden. Die Menschen standen auch physisch ganz und gar miteinander in Verbindung. Es gab immer nur ein Oberhaupt, das dann für alle die Entscheidungen traf – aber eben auch für alle verantwortlich war. Die Vorstellung vom Individuum, das eigenverantwortlich für sich einsteht, gab es vermutlich noch gar nicht. Nur darum konnte dann auch der eine im anderen gestraft werden.

Was uns da zunächst ganz befremdlich vorkommt ist keineswegs so fern, wie wir zunächst denken mögen.

Die Art, wie sich durch den bestialischen Mord an den drei israelischen Jugendlichen, nun ein ganzes Volk heimgesucht sieht und aufbegehrt, wie durch weitere Morde versucht wird Vergeltung zu üben und wie wieder und wieder Wellen von Gewalt und Fanatismus durch Völker hindurch und über Völker hinweg rollen, lässt uns ahnen, was alles noch im Menschen steckt, nicht überwunden ist, vielleicht auch der Natur des Menschen wegen gar nicht überwunden werden kann und unerwartet zum Ausbruch kommt.

Vielfältige Begründungen sind dann zu hören. Immer tut man etwas nur, weil zuvor etwas anderes geschehen ist. Das eine angebliche Unrecht soll immer das nächste Unrecht rechtfertigen. Mit Vehemenz wird vorgetragen, wie viel Unrecht bereits geschehen ist und warum das nächste Unrecht unausweichlich war. Da werden Mörder zu Freiheitshelden verklärt, da wird Unglück auf Unglück gehäuft. Auf diese Weise wird aber immer das Böse zum Wegweiser der Menschen.

Dem allen tritt der Prophet entgegen und verkündet Gottes Willen: „Meinest du, daß ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht der HERR, und nicht vielmehr, daß er sich bekehre von seinem Wesen und lebe?“

Gott stellt jeden Menschen vor seine eigene Schuld. Genau das demaskiert uns Menschen, die wir am liebsten immer die Sünden der Anderen beichten und ruft uns in unsere Pflicht. „Werfet von euch alle eure Übertretung, damit ihr übertreten habt, und machet euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Denn warum willst du sterben, du Haus Israel?“

Das ist unsere Pflicht, zu der wir berufen sind, dass wir ausbrechen aus dem Kreislauf, in dem eine Sünde wieder die Ursache der nächsten Sünde wird. Darum werden wir gerufen, auf das zu schauen, was wir selbst tun und darauf zu vertrauen, dass mit jedem Menschen an jedem Tag der Weg zu Gott, der allein gut ist, beginnen kann.

Keinesfalls bedeutet dies, dass der Mensch aus seiner Geschichte heraustreten soll, denn das ist ohnehin unmöglich. Dennoch wird gerade das auch in unserer Zeit häufig verlangt. Der Bruch mit der Geschichte als Garantie für das Gelingen des Neuanfangs. Darin wird deutlich, dass Geschichte hier ausschließlich als etwas begriffen wird, was von Menschen gemacht ist und dadurch auch von Menschen verworfen werden kann. Dem ist aber nicht so.

Als Christen glauben und bekennen wir, dass Gott Herr der Geschichte ist. Alles ist seiner Allmacht unterworfen. Wir sollen uns darum auch nicht dazu verführen lassen, aus der Geschichte heraustreten zu wollen, sondern uns durch sie zu ihm leiten lassen.

Wer den Herrn der Geschichte nicht sucht, der wird nur in Irrtum und Verirrung geraten.

Wer den Gott des Friedens nicht ehrt, der wird im Unfrieden bleiben und

wer sich durch das Böse in der Welt zum Bösen verführen lässt, der wird nichts ernten als den Tod.

Mit großer Sorge blicken wir auf das Heilige Land und auf den gesamten Nahen Osten. Begriffe, die scheinbar der fernsten Geschichte angehören, kehren auf die Bühne der Weltpolitik zurück. Ein Kalifat wurde ausgerufen, und die Wellen der Gewalt folgen in immer kürzerer Folge aufeinander.

Die Stimme des Friedens ist schwach geworden. Selbst diejenigen, die vorgaben, sie zu führen, rufen nur noch nach immer stärkerer militärischer Verantwortung in aller Welt. Dabei liegt doch inzwischen klar zu Tage, dass kein militärisches Eingreifen die Lage eines Landes wirklich jemals dauerhaft gebessert hätte – das hätte man wissen können auch ohne die neuesten Erfahrungen.

Die Stimme des Friedens kann sich immer nur an dem entzünden, der der Fürst des Friedens ist. Auf ihn vertrauen wir, zu ihm kommen wir, von ihm kündet die ganze Kirche. Und dieser Gott spricht heute: „Meinest du, daß ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen und nicht vielmehr, daß er sich bekehre von seinem Wesen und lebe?“

Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn.

Amen.
Thomas Roloff

nachgetragen am 7. Juli

Sonntag, 29. Juni 2014

Sonntag & nachgetragen



Ich wollte diesen Nachtrag schon mit der Plattitüde beginnen, daß auch ich auf einer Glatze keine Locken drehen könne, so vermag man den Grad meines Unmuts einzuschätzen. Wie ich weiß, sind meine Beiträge hier in der Regel mäßig unterhaltsam - bis auf die Sonntage, wo es ums Essen geht, wird mir aus so verschiedenen Richtungen versichert, daß es wohl stimmen muß. Also stehe ich jetzt in der moralischen Pflicht, etwas Originelles anzumerken, aber mir fällt partout nichts ein. Ich erinnere mich nur noch, daß ich am vergangenen Sonntag ständig müde war, aber das Kochen brachte ich so leidlich hinter mich.



Also soll quasi auch nur eine summarische Beschreibung der Bilder erfolgen. Drei Sachen bedürften wohl einer näheren Beschreibung. Einmal der Kotelettbraten. Der wurde im Ofen erst mit geschlossenem Deckel geschmort, auf Zwiebeln (die hatte ich vorher angeröstet), Thymian, Oregano und Rosmarin, dann mit offenem Deckel, damit die Flüssigkeit etwas reduziert wurde etc. In die Sauce kamen dann noch Rinderbrühe und Sahne.

Dann gab es Apfelrotkohl (wie ich zugebe, bereits fertig gekauft; ich habe allerdings noch Nelken, Piment- und Pfefferkörner zugefügt, beim Aufkochen).

Und auch den Salat hatte ich diesmal nicht in stundenlanger Fleißarbeit zubereitet, sondern aus 4 verschiedenen Sorten einen großen Mischmasch gemacht (die Hauptbestandteile waren nach meiner dunklen Erinnerung, Tomaten, Zwiebeln, grüne und rote Bohnen, Zucchini, Weißkohl und Oliven, aber wer mag, findet im Bild vielleicht noch mehr).



Der leidenschaftlichere Esser innerhalb dieser Wände war sichtlich zufrieden, und ich hatte mich, wie ich noch weiß, dann auch bald wieder zurückgezogen. Manchmal sind die Dinge einfach nur banal unaufgeregt, aber vielleicht sind das sogar die besseren Tage.

nachgetragen am 3. Juli

Samstag, 28. Juni 2014

Von Refugien

Ravenna. San Vitale
© Jean Louis Mazieres, hier gefunden 

Ravenna. San Vitale
© Jean Louis Mazieres, hier gefunden 

Ravenna. San Vitale
© Jean Louis Mazieres, hier gefunden 

Wo ich mich eigentlich mit dem unseligen heutigen Datum beschäftige, dachte ich mir so: Wo bleibt das Positive? Und dann fiel mir wieder ein, daß ich schon länger unbedingt auf einen Link aufmerksam machen wollte, auf den mich der geschätzte Prof. Aue hinwies. Da gäbe es einen inzwischen pensionierten hohen Justizbeamten aus Paris, der die Museen in Europa bereise und wenn er schöne Gemälde sähe, würde er diese photographieren und ins Netz stellen.

Nun in diesem Fall sind es Mosaiken aus Ravenna.

Ravenna, Mausoleum der Galla Placidia, Hl. Laurentius
© Jean Louis Mazieres, hier gefunden 

Begonnen hatten wir mit der Kirche von San Vitale, die, abgesehen von ihrem künstlerischen Rang, ganz eigentümlich in der Zeit steht. Bekanntlich war Ravenna letzte weströmische Hauptstadt (sie war schwer einzunehmen); die Ostgoten hatten zwar Italien in Besitz genommen, vieles aber doch intakt belassen bzw. schlicht übernommen, so auch die Residenz; tatsächlich blühte das Land noch einmal auf.

Dann trat Kaiser Justinian auf den Plan, der (als letzter oströmischer Kaiser) zwar dem lateinischsprachigen Kulturkreis angehörte, aber letztlich mit seiner Idee der Wiederherstellung des Imperiums (der Untergang Westroms,wenn man das abgekürzt so sagen will – denn die Ostgoten herrschten ja in einer Art Vasallenverhältnis – lag noch nicht so lange zurück; bei seiner Geburt war es wenige Jahre her, daß das weströmische Kaisertum erloschen war) dem spätantiken Italien, einschließlich Roms, den Todesstoß gab.

Vor den Gotenkriegen war Rom noch eine halbwegs intakte Großstadt, danach nicht mehr, der Senatsadel verschwand fast völlig etc. etc. Es ist eine bittere Ironie, daß mit der vorübergehend erfolgreichen Rückeroberung des alten Kernlandes des Imperiums und der Auslöschung der Ostgoten dessen eigentliche Zerstörung stattfand. Es war eine Wegscheide wie 1914, nur noch tiefer gehender verheerend.

Das zu den nicht selten überraschenden Folgen ambitionierter Absichten. Man darf Justinian folglich zurecht als sehr ambivalent empfinden, einen Bewahrer und Zerstörer zugleich, und das eben nicht nur, weil er die platonische Akademie in Athen 529 schließen ließ.

Und ausgerechnet in San Vitale findet sich die bekannteste Abbildung des Kaisers und seiner Frau, da die Kirche genau in dieser Umbruchszeit erbaut wurde. Ravenna steht überhaupt an der Grenze, wie ein beeindruckendes Kloster an einem Steilufer, hinter dem der Abgrund lauert, gibt es eine Ahnung spätantiker Geistigkeit und des Lebensgefühls der Zeit.

Ravenna, Mausoleum der Galla Placidia
© Jean Louis Mazieres, hier gefunden 

Aber ich schweife ab, milde gesagt, wo ich doch eigentlich nur einladen wollte, die beeindruckenden Bildergalerien des Herrn aus Paris zu besuchen (es fällt einem nur halt wieder einiges ein dabei).

Banalere Gemüter sehen in der Kunst etwas Dekoratives, daß das Leben vor allem ein wenig aufhübschen soll. Es ist der gleiche Persönlichkeitstypus, der die sog. „volkstümliche Voklsmusik“ mag mit ihren überschaubaren Akkorden und den immer gleichen Rhythmen, weil alles andere sie zu sehr anstrengen würde.

Wahre Malerei kann ein Refugium sein. Keines, in dem das Wahre, Gute und Schöne anspannungslos wohnt, so daß man nur beseligt darin einzutauchen brauchte. Die Sphäre, der sie angehört, ist die der gesteigerten Lebensart, ein intensiveres und tieferes Dasein, eine Ausweitung der Seele.

Und immerhin wird im Mausoleum der Galla Placidia recht deutlich auf das Martyrium des Hl. Laurentius verwiesen, das ein womöglich erbauliches, aber kaum angenehmes Ereignis gewesen sein dürfte.

Jan van Goyen. 1596-1656. Ansicht von Dordrecht. KHM Wien
© Jean Louis Mazieres, hier gefunden 

Diese beiden gegensätzlichen Schiffe sollen uns wieder zum eigentlichen Zweck dieses kleinen Beitrages bringen. Das obige von Jan van Goyen hatte ich ebenfalls bei Herrn Mazieres gefunden, beim anderen von Charles Gleyre bin ich mir nicht mehr recht sicher, wer mich überhaupt auf ihn brachte.

Charles Gleyre, "Le Soir ou Les Illusions Perdues"
"Abend oder die verlorenen Illusionen", 1843

Auf jeden Fall muß ich aber auf diesen Bildblog hinweisen: „Nec Spe, Nec Metu – without hope, without fear“ ist sein Titel. Die Themenlage ist vorwiegend religiös, aber mitunter gibt es eben auch wunderbare Stillleben. Die gewählte Zeit ist vor allem die der Renaissance, mit oft vielen (jedenfalls für Viertelgebildete wie mich) eher unbekannten Namen, und ein wenig in der Zeit davor und danach. Die Auswahl überwältigt sofort, wenn man allein einen kurzen ersten Blick auf das Archiv wirft.

Gabriel de la Corte, Still Life of Flowers in a Gilt Urn, 17th century

Giuseppe Cesari (Il Cavaliere d’Arpino),
Portrait of a Young Architect, 1591

Die Suche nach Schönheit in diesem Kunstblog hat gelegentlich einen Unterton, der mutmaßlich eher nicht aus religiösen Motiven herrührt; aber wie auch immer, ich fand zu vieles darin bisher zu faszinierend, als daß ich es würde vorenthalten wollen. Der Hang zum (Neo)-Klassischen dürfte nicht nur bei mir Wohlwollen herbeirufen, und wo es darüber hinausgeht, wollen wir nicht in die Attitüde eines „Braghettone“ verfallen. Aber man sehe selbst.

Architectural Capriccio with the ruins of a Corinthian Temple 
with Figures. 18th.century. Circle of Giovanni Paolo Panini. 
Italian 1691-1765, hier gefunden

Landscape with Shepherds among Ancient Ruins 
with the statue of Castor and Pollux. Hubert Robert. French 1733-1808

beendet am 30. Juni

Vidovdan

Martyrium des Hl. Vitus

Herr Roloff hat für einen anderen Ort einen Text geschrieben, den ich nicht nur hier bringen wollte, sondern auch noch mit ein paar einleitenden Bemerkungen versehen. Ich wähnte mich gut eingestimmt durch eine Veranstaltung vom Freitag zuvor im Gelben Saal der Orangerie namens „Am Vorabend des 1. Weltkrieges“ (eine Mischung aus Gedenk- und Nachdenkveranstaltung anläßlich des Attentats von Sarajewo, u.a. mit einem Vortrag von Dr. Lippert, einer Lesung aus Feldpostbriefen Ernst Jüngers durch einen Herrn Stelzhammer und musikalischer Begleitung). Abgesehen davon, daß der Abend überraschend eindrücklich war (die Lesung etwa machte die Stimmung der Zeit verstörend lebendig), kommt einem so natürlich auch wieder einiges in den Sinn, man liest und beobachtet, ist verärgert oder erstaunt..., nur um am Ende festzustellen, daß sich das, was man vielleicht zu sagen hätte, selbstredend nicht in eine Einleitung packen läßt. Also folgt nun, mit großer Verspätung, Herr Roloff.

Trauerzug des Erzherzogs Franz Ferdinand d´Este

Worte aus der Kirche

„Er wird der Friede sein!“

In der ganzen slawischen Welt und besonders in Serbien wird heute der Heilige Veit verehrt. Der wegen seines Glaubens schwer verfolgte Mann der frühen Kirche ist einer der vierzehn Nothelfer. Bei den slawischen Völkern verschmolz mit seinem Bild auch die Erinnerung an Svantovit, den Kriegsgott der vorchristlichen Zeit, woraus sich vielleicht der besondere Rang des Heiligen erklärt.
1389 ereignete sich an diesem Tag auf dem Amselfeld eine der Abwehrschlachten gegen die Türken. Die in ihrer Folge einsetzende Legendenbildung formte aus ihr einen serbischen Nationalmythos, der sich bis in die Gegenwart hinein erhalten hat. Der Veits-Tag oder Vidovdan wurde geradezu zum patriotischen Gedenktag und zum Ausdruck auch des Panslawismus, wie er sich im 19. Jahrhundert ausprägte.
Es war darum 1914 auch nicht zufällig der 28. Juni, an dem die tödlichen Schüsse in Sarajewo fielen. Serbische Attentäter ermordeten den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand d´Este und seine Gemahlin die Herzogin Sophie von Hohenberg, deren Besuch in der Stadt sie am Vidovdan als Provokation ansahen. Aus diesem Anschlag entspann sich eine verhängnisvolle diplomatische Krise, an deren Ende der Ausbruch des Weltkrieges stand.  10 Millionen Tote waren zu beklagen, als die Waffen 1918 wieder schwiegen. Fast noch verhängnisvoller als der Krieg selbst war aber dann die Unfähigkeit der Sieger, wirklichen Frieden zu schließen. Durch den Versailler Vertrag, den die Vertreter des Deutschen Reiches 1919 wieder an einem Vidovdan unterzeichnen mussten, wurde bereits das Feuer an die Lunte gelegt, die zur endgültigen Katastrophe führen sollte.
Aber gerade darum ist dieser Tag vielleicht besonders gut geeignet, um einen der wesentlichen Aufträge der Kirche in Erinnerung zu rufen, der im steten Gebet für den Frieden liegt. Der Prophet Micha hat verkündet: „Er wird der Friede sein!“ Dadurch wurde uns ein Hinweis gegeben auf den Charakter des Friedensfürsten, den der in Christus gekommene Erlöser der Welt haben würde. Es bleibt eine der schwersten Anfechtungen der Kirche, dass sich Völker feindlich gegeneinander stellen ließen, die doch im christlichen Glauben miteinander verbunden sind. Wünschenswert wäre es, dass sich Zeit fände, um der beiden ersten Opfer des Weltkriegs zu gedenken und um für den Frieden unter den Völkern zu beten.
Thomas Roloff

nachgetragen am 30. Juni

Montag, 23. Juni 2014

Sonntag, 22. Juni 2014

Wochenende & (der andere Teil)


Wir springen jetzt in die Zeit zwischen zwischen halb 1 und 1 Uhr am Sonntagmittag. Und es wäre spätestens jetzt Gelegenheit, auf das Sonntagsessen einzugehen; nun, das fiel gerade auseinander, genauer gesagt das Huhn.

Um es kurz zu machen, und wie man sieht, besteht auch wenig Anlaß für längere Elogen: Ein Suppenhuhn war die Wahl der besonderen Umstände gewesen. Ich hatte meine Frau Mutter, die immerhin diesmal fleißig Gemüse geputzt hatte, gebeten, es für 2 Stunden am Vormittag zu kochen und dann ruhen zu lassen, ich würde dann den unerheblichen „Rest“ besorgen. Gut, es war länger geworden, deutlich; immerhin hatte sie das „Grünzeug“ noch nicht mit hineingeworfen, an Salz zwar nicht gespart, aber das ließ sich halbwegs reparieren.

Die Details des Hergangs vernachlässigen wir ab jetzt; also: Eine zerkleinerte Sellerieknolle, Mohrrüben, Zwiebeln und Petersilienwurzeln wurden mit einem Suppenhuhn aufgekocht. Kurz vor Toresschluß kamen noch Geflügelbrühe (aus dem Supermarkt + Zucker (die etwas heftige Salznote mußte gedämpft werden)), Weißwein und kleingehacktes Grün von Sellerie und Petersilienwurzel hinzu, und Pfeffer, der fehlte auch.


Also nach den Essensfortschritten meines Gegenüber zu urteilen, war es am Ende doch nicht so furchtbar herausgekommen; sie gestand mir nur, sie habe ein schlechtes Gewissen, ob sie nicht am Salz gespart hätte, nun ja. Wie geplant, konnte ich so aber bald wieder enteilen, um etwas von dem mitzuerleben, was sich draußen so tat.


Da gab es zum Beispiel eine Art Militärkapelle (übrigens wieder vor dem Marstall), die nichts ausließ, was das Herz eines aufrechten Reaktionärs höherschlagen lassen würde. Und bei einem der preußischen Klassiker meinte dann der Kapellenanführer in schönsten Märkisch: „Also wen dit nich rührt...!“


Offensichtlich tat es das in erklecklicher Anzahl, jedenfalls gab es erheblichen Zulauf, und auch der Herr von der „Feldküche“ aus Neubrandenburg (der seine Dienste sonst u.a. vor einem Baumarkt in der Ihlenfelder Vorstadt dortselbst anbietet, wie er mir verriet) wurde seinen Erbseneintopf reißend los. Ich kann dazu nichts sagen,  ich mag's schon seit meiner Kindheit nicht, aber das ist halt eine meiner Mäkligkeiten. Er hatte mir am Abend zuvor nur halt schon recht leid getan.


Gestern gab's Regen, heute viel Sonne und schon regt sich das Leben, um andeutungsweise zu kalauern. Das Konzert des Jugendorchesters Kon.centus, schon wieder in der Nähe meiner gegenwärtigen Heimstatt (nämlich an dem Ort, von wo aus derzeit meine Ohren täglich durch die Proben zum „Grafen von Luxemburg“ gequält werden), unter einem unglaublich enthusiastischen Herrn Groh, war dann gewissermaßen ein äußerst angenehmer vorläufiger Abschluß des Tages.


Der Rest war quasi nur noch ein Spaziergang mit Unterhaltungen, wo ich u.a. bei einem Herrn Töpfer aus Boek (nahe der Müritz) einen Seeadler und eine Eule erwarb, als künstlerisch sehr ansprechende Zinnfiguren. Damit soll diese zugegebenermaßen leicht banale Aufzählung endlich enden. Wie man sieht, schlug meine latente Skepsis bezüglich des Ereignisses nicht in Euphorie um, nein, dazu bin ich mentalitätsmäßig sowieso zu träge, aber durchaus in überraschtes Wohlwollen, vor allem, was den musikalischen Teil der Geschichte angeht. Und damit ist meine Chronistenpflicht, denke ich, auch erfüllt.

nachgetragen am 26. Juni