Montag, 8. März 2010

Über musikalische Mörder, Wölfe und Hexen in Mecklenburg


Moro, lasso, al mio duolo
hier gefunden

Manchmal entsteht sogar aus einem Mord etwas Bewundernswertes. Carlo Gesualdo Fürst von Venosa hat vermutlich 3 Menschen getötet, darunter seine ungetreue Ehefrau, später aber dann (viele sagen deswegen) förmlich herzzerreißend schwermütige und zugleich erschreckend schöne Musik geschrieben. Eine sehr ungewöhnliche Musik, eindringlich, plastisch, bis zum äußersten gespannt, voll von überraschend wechselvoller Melodik, eine Musik, die auf kleinsten Flächen Abgründe aufreißt. Es gibt kaum jemanden, der nicht darauf zuerst verweist, wenn es um Gesualdo geht. Man mag das etwas ausführlicher hier nachlesen, da ich an seinem Todestag († 8. September 1613) eigentlich nur 2 Musikstücke anbringen wollte. Denn Gesualdo gehört schon seit meiner Jugend zu meinen Lieblingskomponisten. Seine Musik erinnert an El Greco, verfeinert bis zur Deformation, durchglüht von Schmerz und Sehnsucht, durchschienen von einem Licht, das aus dem Jenseitigen herüberreicht.


Io tacerò
hier gefunden

Der Rest wird hoffentlich am Mittwoch geschrieben

Sonntag, 7. März 2010

Großherzog Paul Friedrich und etwas Schumann


Denkmal des Großherzogs Paul Friedrich vor dem Schweriner Schloß
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Vor etwas weniger als einem Jahr habe ich an Großherzogin Alexandrine erinnert, eine Tochter der Königin Luise von Preußen und eine Institution im Schwerin des 19. Jahrhunderts. Ihren Gatten Paul Friedrich, seit 1837 Großherzog von Mecklenburg-Schwerin hatte sie sehr lange überlebt, er verstarb bereits 1842, genauer am 7. März 1842, und dies ist der Grund, warum heute an ihn erinnert werden soll.

In der „Geschichte Mecklenburgs“ von Ernst Boll findet sich zu ihm u.a. das folgende:
„Seine kurze Regierung gilt als eine gesegnete Zeit im Lande; sein derbes und dabei freundliches, auch dem kleinen Manne verständliches Wesen, die Gewandtheit im Gebrauch der plattdeutschen Rede, die er auch seinen Söhnen einzupflanzen nicht unterließ, haben ihm bei seinen Untertanen ein dankbar-populäres Andenken hinterlassen, daß durch die schlichtfürstliche, liebenswürdige Weise seiner Gemahlin noch gesteigert wurde. Die hohe Frau hat es verstanden, den Hohenzollern-Namen den Mecklenburgern lieb zu machen. Die Zurückverlegung der Residenz von Ludwigslust nach Schwerin hat diese Stadt zu ihrer jetzigen Blüte gebracht, nach dem Fürsten heißt der Stadtteil, dessen Aufbau er in’s Leben rief, die „Paulsstadt“, nach ihm eigentlich mehr als nach dem Apostel die neue Paulskirche. Die Prachtbauten der Residenz hat er, wenn auch nicht vollendet, doch begonnen und gefördert.“

Tatsächlich ist sein bedeutendstes Verdienst wohl die Rückverlegung der Residenz aus dem Städtchen Ludwigslust und daß er die Neugestaltung Schwerins in Angriff genommen hat, wenn ihm auch wenig Zeit zur Durchführung verblieb, da ihm seine zupackende Art eine Erkältung einbrachte - er hatte sich direkt an der Bekämpfung einer Feuersbrunst beteiligt - an der er verstarb.


Daniel Georg Morhof
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Und da wir gerade im Mecklenburgischen sind und wir die nicht ganz so zahlreichen berühmten mecklenburgischen Namen pflegen sollten. Bei Daniel Georg Morhof († 30. Juli 1691 in Lübeck, u.a. ein bedeutsamer Literaturhistoriker) fand ich gerade nachfolgendes:

Öffentliche Ämter

Der Ämter Last ist groß und schwer die hohen Würden:
Drum pfleget man sie gern den Eseln aufzubürden.

Auf eine mit bloßen Brüsten

Wozu die bloße Brust? Wo gehst du hin? zum Baden?
Nein, du hast etwas feil, drum öffnest du den Laden.

~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.

Übrigens, da ich jüngst eine kleine Zusammenstellung von Schumann-Liedern versprochen hatte, ich muß daran noch etwas arbeiten, aber das wäre schon einmal der Anfang.

Samstag, 6. März 2010

Peter von Cornelius


Joseph deutet die Träume des Pharao
hier gefunden

Ich habe kürzlich einmal daran erinnert, daß Thomas Mann der Überzeugung war, daß Goethe auf gewisse Bilder am liebsten mit der Pistole geschossen hätte, dies ist glaubhaft, er hatte einen heftigen anti-romantischen Affekt, was ihn mir in meinen Augen, aber das ist eine andere Geschichte… Nur kurz ein Auszug aus dem Zitat, das man länger hier nachlesen kann: „Wir kennen und lieben Maler wie die frommen Cornelius und Overbeck, nach deren Bildern er, wie ich ihn selbst habe sagen hören, am liebsten mit der Pistole schösse, und den himmlischen David Caspar Friedrich, von dem er erklärt, man könne seine Bilder ebensogut verkehrt herum ansehen.“

Peter von Cornelius ist am 6. März 1867 gestorben, ein Nazarener oder von mir aus ein romantischer Klassizist, und als ich merkte, daß das frei zugängliche Bildmaterial eher überschaubar ist, wollte ich schon ganz darauf verzichten, etwas über ihn zu schreiben, dann aber las ich, daß er in meiner inneren Heimatkirche St. Nikolai zu Potsdam in der Kuppel 1850 einige Propheten des Alten Testaments (zu dem Bild findet sich Näheres hier) gemalt hat. Ich kannte natürlich die Bilder, sie sind gewissermaßen eingebrannt, wußte aber nicht, daß sie von ihm stammen. Aber das Kuriose ist, so hatte ich, ohne es zu wissen schon lange einen Eindruck von seinem wirklichen Wollen.

Denn St. Nikolai wirkt in seinen Bildern nicht entfernt epigonal, obwohl man dies vom 19. Jahrhundert doch wohl erwarten sollte. Über alle Zerstörungen / Rekonstruktionen / Fehlstellen hinweg erschafft dieser Ort einen intakten sakralen und tiefgründigen Raum. Und unser Cornelius hat seinen Anteil daran.

Und wo ich gerade etwas in meinem Hofmannswaldau lese, mitunter irrt selbst er, wenn er schreibt:

„Verrauschte Flüsse
Erquicken nicht. Was unsern Geist erfreut,
Entspringt aus Gegenwärtigkeit.“

Freitag, 5. März 2010

Beiläufiges


Jake Walden, "For Someone"
hier gefunden, und hier findet sich seine Website

Heute sagte mir jemand, mein Blog sei langweilig geworden, und ich habe das Gefühl, er hat nur zu recht, vermutlich zu viele Hemmungen u.a. Wie auch immer, ich weiß im Moment nicht einmal mehr, wer mich auf Jake Walden aufmerksam machte, aber da ich ihn in den letzten Tagen oft genug gehört habe, sollte ich ihn hier wohl auch anbringen.

Und dann hatte ich heute etwas über Barock-Lyrik zu verfertigen, es hat etwas, einen Gegenstand von Bedeutung wirklich zu mögen, den man fast für sich allein hat. Und darum finden sich anschließend ein paar der „Poetischen Grabschriften“ von einem meiner Lieblingsdichter, nämlich Christian Hofmann von Hofmannswaldau:

Opitzens

Mich hat ein kleiner Ort der deutschen Welt gegeben /
Der wegen meiner wird mit Rom die Wette leben.
Ich suche nicht zu viel / ich bin genug gepriesen /
Daß ich die Venus selbst im Deutschen unterwiesen.

Grabschrift Henrici IV, Königs in Frankreich

Ich bin durch Schimpf und ernst zu meinem reiche kommen /
Ein unerhörter Mord hat mir es weggenommen.
Was half mich / was ich lieb? was half / was ich getan?
Nachdem ein Messer mehr als eine messe kann.

General Wallensteins

Hier liegt das große Haupt / so itzt wird ausgelacht;
Viel wissen mehr von mir / als ich jemals gedacht.
Doch wußt ich / daß ein Stein nicht leicht ein Stern kann werden /
Ein Stein / wie hoch er steigt / fällt endlich zu der erden.

Mariae Magdalenae

Hie ruht das schöne Haupt / hie ruht die schöne Schoß /
Aus der die Liebligkeit mit reichen Strömen floß.
Nach dem dies zarte Weib verließ den Huren-Orden /
So sind die Engel selbst derselben Buhler worden.

Leanders

Die Liebe war mein Licht bei schwartz-gewölckter Nacht /
Das Feuer so ich trug bestritt der Wellen Macht.
Ich fiel in Nereus Reich / es ist mir nicht gelungen /
Es hat die große Flut die große Glut bezwungen.

Eines Alchimisten

Ich war ein Alchimist / ich dachte Tag und Stunden /
Auf eine neue Kunst des Todes frei zu sein /
Dies was ich stets gesucht / das hab ich nicht gefunden /
Und was ich nicht gesucht / das stellt sich selbsten ein.

Grabschrift eines Lasterhaften

Die Leber ist zu Wien! Das Glied zu Rom geblieben!
Das Herz in einer Schlacht! und das Gehirn an Lieben!
Doch daß der Leib nicht ganz verloren möchte sein
so legte man den Rest hier unter diesen Stein.

Eines Bastard-Kindes

Wo meine Mutter liegt / da bin ich auch begraben /
Ich wollte nächst bei ihr mein Leichbegräbnis haben /
Nicht unlieb hätt' ich mich zum Vater hinverfügt /
Ich wußte wo er lag / und weiß nicht wo er liegt.

Eines Sklavens

Im Leben war ich Knecht / im Tode bin ich frei /
Es brach des Todes Band die Fessel leicht entzwei;
Die Ketten flecken nicht / ich kannte mein Geblüthe /
Ich starb ein Knecht durch Zwang mit nichten von Gemüte.

Eines Hornträgers

Zwei Hörner liegen hier in dieser Gruft begraben /
Nicht dencket / daß ein Bock hier wird die Ruh‘statt haben.
Hier ruht ein guter Mann / der Hörner hat bekommen /
Nach dem ihm die Natur das Stoßen hat benommen.

Grabschrift auf den Leichen-stein einer Freundin

Ein Stern der Tugenden / die Sonne dieser Stadt /
Ein Engel / wenn man will den nahmen recht erwägen /
Ein Licht / so in der Welt mit Lust geschienen hat /
Muß sich dem Tode nun zu seinen Füßen legen.
Mein Leser / lies doch recht / was ich dir kund getan;
Ich habe viel gesagt / noch aber mehr verschwiegen;
Wo hier Stern / sonne / licht und Engel wohnen kann /
So muß der Himmel ja in diesem grabe liegen.

Grabschrift eines Schlafsüchtigen

Hier liegt ein fauler Leib, der aus dem Tage Nacht
und aus dem Leben Tod durch Schlafen hat gemacht.
Aus allzu großer Furcht, daß man ihn noch erwecket
so hat er sich hierher in dieser Gruft verstecket.

Grabschrift eines Mohren

Kein Europäer soll die schlechte Grabschrift lesen
und lachen, daß ich schwarz und nackend bin gewesen.
Ich trug das Mutterkleid, du trägst die Haut der Kuh,
du bist mehr Vieh als ich, ich war mehr Mensch als du.

Ach so, ich werde wohl in den nächsten Tagen einiges von meinigen halbfertigen Posts nachtragen.

Donnerstag, 4. März 2010

Über Naivität



Ich habe zu gestehen, als meine Frau Mutter mir heute ihre neueste Unternehmung in Sachen Kreativität zeigte, habe ich innerlich ein Kreuz geschlagen, aber ich muß das wohl später genauer erklären ...

Mittwoch, 3. März 2010

Johann Pachelbel


Johann Pachelbel, Kanon in D-Dur
hier gefunden


andere Version
hier gefunden

Ich wollte heute nur kurz daran erinnern, daß Johann Pachelbel, ein Vorläufer Bachs, am 3. März 1706 gestorben ist.


Grabmal auf dem Rochusfriedhof in Nürnberg
hier gefunden

Montag, 1. März 2010

Montags-Schubert


Franz Schubert - "An den Mond", D. 296
interpretiert von D. Fischer-Dieskau
hier gefunden
Johann Wolfgang von Goethe

An den Mond

Füllest wieder Busch und Tal
Still mit Nebelglanz,
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz;

Breitest über mein Gefild
Lindernd deinen Blick,
Wie des Freundes Auge mild
Über mein Geschick.

Jeden Nachklang fühlt mein Herz
Froh- und trüber Zeit,
Wandle zwischen Freud' und Schmerz
In der Einsamkeit.

Fließe, fließe, lieber Fluß!
Nimmer werd' ich froh;
So verrauschte Scherz und Kuß
Und die Treue so.

Ich besaß es doch einmal,
was so köstlich ist!
Daß man doch zu seiner Qual
Nimmer es vergißt!

Rausche, Fluß, das Tal entlang,
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu!

Wenn du in der Winternacht
Wütend überschwillst
Oder um die Frühlingspracht
Junger Knospen quillst.

Selig, wer sich vor der Welt
Ohne Haß verschließt,
Einen Freund am Busen hält
Und mit dem genießt,

Was, von Menschen nicht gewußt
Oder nicht bedacht,
Durch das Labyrinth der Brust
Wandelt in der Nacht.

Wie gestern angekündigt, heute etwas Schubert, ich habe die nachfolgende Playlist u.a. um das obige Video erweitert, auf das mich dankenswerterweise Prof. Aue verwies. Er verwies auch auf eine von ihm geschätzte Übersetzung von Goethes Gedicht ins Englische, die sich hier findet. Goethe will uns also ins Labyrinth der inneren Nacht schicken mit seinem so freundlich klingenden Gedicht, ich fürchte, ich muß diesmal noch ablehnen.

Hier geht es zur Playlist.