Samstag, 31. Januar 2009

Über das Verblassen der Statuen



„Editha“ und „Otto“ im Magdeburger Dom oder „Ecclesia“ und „König der Könige“
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Ein nach Selbstbeschreibung „eigensinniger“ Hawaiianer (der zu den wenigen Autoren zählt, die ich vor geraumer Zeit einmal in meine Linkliste aufgenommen habe), hat mich und seine übrigen Leser mit einem Wortspiel erfreut: „...for rust thou art, and unto rust shalt thou return...“. Es ging um Statuen, und da wir beim Wechseln von Mails kurz aneinander vorbei geredet hatten, gab er mir eine Erklärung für eine nicht gestellte Frage, er hätte darauf anspielen wollen, “how everything is ephemeral, even the statues”.

Das klingt banaler als es in Wahrheit ist. Denn, daß wir selbst sehr vergänglich sind, nehmen wir wohl noch geradeso hin, mit Statuen aber stemmen wir uns gegen die Zeit. Mit Statuen, Denkmälern, Überlieferungen und noch viel anderem mehr versuchen wir, etwas gegen ihr zerstörendes Wirken aufrecht zu erhalten. Was aber bleibt, wenn nicht nur wir so spurlos vergehen, sondern selbst das, dem wir angehört hatten.

Es gibt retardierende Momente. In einer Stadt, deren bedeutendste Zeit wohl so um die 1000 Jahre zurückliegt, wurden die sterblichen Überreste einer Königin zu wissenschaftlichen Zwecken „entführt“ und es herrscht dort hellste Aufregung. Es läßt sich nicht ganz vollständig nachvollziehen, worin der Grund dieser Aufregung nun genau besteht, die selbst hier ihr Echo fand.

Wenn ich es recht sehe, hat dieser Herr ein wenig zur Aufklärung beizutragen. Aber daß eine Königin, die vor 1063 Jahren starb, diesen Aufruhr zu erzeugen vermag, stimmt doch irgendwie tröstlich.

Freitag, 30. Januar 2009

Donnerstag, 29. Januar 2009

Mittwoch, 28. Januar 2009

Seit 1195 Jahren


Kaiserthron, Aachener Dom
Bildautor:Holger Weinandt,

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In diesen Tagen, scheint es, entgehen wie der Geschichte nicht.
Karl der Große ist am 28. Januar 814 in Aachen gestorben. Dieser wahren Herrschergestalt ist schon vieles nachgerühmt worden, 1195 Jahre konnten daran nichts mindern.

Vor kurzem habe ich zu ihm ohne äußeren Anlaß ein paar Bemerkungen gemacht, die man gern hier nachlesen kann, ansonsten empfehle ich dieses und dieses.



Karl der Große, Karlsbüste, Domschatz, Aachener Dom
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Dienstag, 27. Januar 2009

Über das Steinigen von Statuen



Bildautor: Raimond Spekking
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Zu den unerfreulichen Zügen christlicher Geschichte gehört, daß in deren Frühzeit „Abgötter“, also Statuen heidnischer Gottheiten, gelegentlich ritualisiert gesteinigt wurden. Die dieses taten, haben sie nicht als Kunstwerke wahrgenommen, es ist auch zweifelhaft, ob ihnen an Kunst überhaupt etwas gelegen hat - in der Neuzeit haben sich u.a. die Taliban und die „kulturrevolutionären“ Chinesen ähnlich betätigt, ohne daß sich die Welt im Übermaß daran gestört hätte.

Wie komme ich darauf: Von einem „Biographen“ und einer „Publizistin“ waren heute in größeren Zeitungen Bemerkungen zu einem bestimmten Ereignis zu lesen - am 27. Januar 1859 wurde Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm II. geboren. Und da drängte sich mir dieses Bild förmlich auf.

Es liegt noch nicht so gar lange zurück, daß wir an den Kaiser erinnert hätten, und wer will, mag auch noch dieses zur Kenntnis nehmen, das gerade beiläufig aufgefunden wurde, vor allem aber dieses, das wir soeben erst beeindruckt entdeckt haben.

Über das Zur-Hilfe-Nehmen von Fassaden oder: Warum wir nicht wissen, ob uns dieser Nachbau glücklicher macht


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Gestern war im Feuilleton einer „führenden“ Zeitung dieses Landes der Potsdamer „Alte Markt“ zweimal abgebildet. Einmal, wie er sich heute darstellt, und einmal, wie er vor den Zerstörungen von Kriegs- und Nachkriegszeit aussah. Anlaß war eine Entscheidung, es gab schon mehrere in dieser causa und es wird wohl noch einige geben, zugunsten eines, nun ja sagen wir, Nachbaus des Stadtschlosses (dessen beträchtliche Überreste demonstrativ nach dem Kriege abgeräumt worden sind), und das nicht nur in seiner Außen- , sondern jetzt sogar, teilweise, mit seiner Innenhoffassade.

Nun will ich Fassaden nicht herabsetzen, um mit Oscar Wilde zu sprechen: „Nur die oberflächlichsten Eigenschaften dauern; des Menschen tieferes Wesen ist bald entlarvt.“ Oder anders gesagt, unter der Haut des Körpers wohnt bald das Grauen. Aber im Gegensatz zu Organismen ist es mit Bauten doch ein wenig anders.

Mutmaßlich gehört ein Landtag zu den Institutionen, die so wichtig sind, daß ihr Verschwinden niemandem auffallen würde, nicht einmal dessen Mitgliedern, der erforderliche Neubau eines Landtagsgebäudes führte aber zur o.g. Entscheidung, Näheres mag man hier nachlesen. Das bedeutet, solch ein Bau muß natürlich zweckmäßig sein, funktional etc. (die Argumentationsmaschinerie ist bekannt), und das in der Fassade eines Schlosses?

Ich muß, um noch einmal die Eingangsbemerkung zu berühren, einen Einschub machen und gestehen, daß es mir schwerfällt zu verstehen, wie jemand neuzeitliche Architektur ganz überwiegend nicht hohl und gesichtslos, verstörend geradezu finden kann. Ich sehe diese monotonen, einförmigen, gestaltlosen Klötze und bin verstört, man gewöhnt sich ein wenig mit der Zeit, so wie man sich vielleicht an das Lieblingsvergnügen eines Nachbarn gewöhnen mag, nicht singen zu können und davon reichlich Gebrauch zu machen, aber man fängt deshalb doch nicht eines Tages an, die nicht getroffenen Töne für himmlische Harmonien zu halten.

Ich bin als Kind in keiner mittelalterlichen Bilderbuch-Stadt aufgewachsen oder gar einer barocken Residenz, aber daß das meiste, was man neu zu sehen bekam, häßlicher Schrott war, davon war mein kindliches Gemüt doch früh überzeugt, dabei war dies weniger eine Überzeugung als vielmehr unmittelbares Empfinden – daß all dies gemütsverarmend niederdrückend scheußlich ist, auch wenn mir die Worte wohl nicht ganz so geläufig waren. Mittlerweile habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, daß dies mir selbstverständliche Empfinden nicht ganz so verbreitet ist, aber belassen wir es dabei und kommen zum Zweckmäßigen.

Der Landtagsneubau soll also zweckmäßig gebaut werden, das soll es heutzutage immer, und da zu diesen Zwecken nie so etwas anachronistisches wie „Schönheit“ gehört, sieht es danach in der Regel auch aus. Jetzt soll aber um dieses zweckmäßige moderne Grauen eine alte Fassade gelegt werden. Und hier wird es in der Tat kurios, sollte es sein, daß man langsam seiner üblen Taten, nein, nicht überdrüssig wird, eher etwas unsicher, so daß man sich genötigt sieht, sie besser zu verstecken.

So sehr ich mich freuen würde, wenn ich die Potsdamer Mitte, die einmal wunderschön gewesen sein muß und heute überwiegend ausgelöscht ist, wiederhergestellt sehen könnte: Kann aus diesen Motiven etwas Bewahrenswürdiges entstehen, mehr als eine nett verpackte Leere.

Diese mäandernden Gedanken drängten sich mir bei obiger Nachricht auf und noch andere, die ich dem geneigten Leser ersparen will. Zumal noch ein anderes Thema wartet.


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Nachträge










Von MartininBroda