Mittwoch, 21. Januar 2009

Barbarei & Erinnerung



Jekaterinburg, Kathedrale des Blutes
gefunden hier

Ich muß gestehen, als ich heute wahrnahm, daß vor 216 Jahren Ludwig XVI. „hingerichtet“ wurde, hatte ich wenig Neigung, etwas dazu zu bemerken, es beginnt schon mit der Wortwahl: „Hinrichtungen“ gehören wohl doch in den Deutungsbereich legitimer Tötung, einmal davon abgesehen, wie man zu der Todesstrafe als solcher steht, das setzt voraus, daß man die Tötenden für legitim hält: Wieso?

Aber ich will unseren französischen Nachbarn und dessen unaufgelöstes revolutionäres Erbe nicht weiter berühren. Denn wie ich, glaube ich, schon einmal bemerkt habe, sind Revolutionen in meinen Augen nur Vorwände, die ganz gewöhnliche Barbaren benutzen, um sich ungestört mit dem beschäftigen zu können, was Barbaren nun einmal am liebsten tun: Auslöschen, Töten und viel Befriedigung darin haben.

Zu den wenigen Vorzügen deutscher Geschichte zählt, daß hier nie ein Herrscher hingerichtet wurde, im Gegensatz etwa zur französischen, englischen oder russischen. Und jetzt kommt das tröstliche Moment ins Spiel, das mich zu diesen Zeilen veranlaßt:

Wie ich gerade zufällig mitbekam, hat man in Rußland in dem Wald, in dem die letzte Zarenfamilie verscharrt worden war, mehrere hölzerne Wallfahrtskirchen erbaut, für jedes Mitglied der Zarenfamilie eine. Über dieses „Kloster im Wald der vier Brüder“ fand ich bei meiner schnellen Suche einen Bericht in diesem Blog:

„In den Wäldern der Gräberfunde ist in den letzten Jahren das Sühnekloster „Ganina Jama“ entstanden. Etwa 20 Kilometer östlich von Jekaterinburg, tief in den Ural-Hügeln, liegen 7 Kirchen – eine für jedes Familienmitglied – über ein weites Areal verstreut. Alle sind aus hellem Holz in altrussischer Tradition, mit kunstvollen Schnitzereien und ohne einen einzigen Nagel, zusammengefügt. Ihre grüngoldenen Kuppeln und Türmchen glänzen zwischen den weißen Birken- und den schwarzen Föhrenstämmen hindurch…“

Ich fand das außerordentlich lesenswert, auch wenn natürlich Menschen dazu neigen, die Welt und die Geschichte auf sehr unterschiedliche Weise zu sehen, bin ich eigentlich schon begeistert, wenn mir Ernsthaftigkeit und Gründlichkeit bei einem ernsthaften Anlaß begegnen.

Und da ich aus irgendeinem Grund in diesem Kloster einen tröstlichen Aspekt entdecke, diese vorigen Bemerkungen.

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