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Montag, 11. März 2019

Über die Großherzogin Anastasia

Großfürstin Anastasia Michailowna Romanowa

Es gab einmal einen mecklenburgischen Großherzog, der sehr leidend war, weshalb er die harschen Winter des Nordens meist im für ihn erträglicheren Süden Frankreichs verbrachte: Friedrich Franz III. Seine Gemahlin war eine Romanow, genauer: Großfürstin Anastasia Michailowna Romanowa. Diese starb am 11. März 1922 und ist in Ludwigslust beigesetzt.

Sie steht nahezu symbolhaft für das alte Europa, das vor 100 Jahren zugrunde gegangen ist. Ein Detail mag hindeuten auf das, was ich damit meine.

Zwar wird mir von Stammbaum-Darstellungen üblicherweise schwindlig. Aber hier versuche ich es einmal: Friedrich Franz und Anastasia hatten gemeinsame Vorfahren. Friedrich Franz III. war über seine Urgroßmutter, die Großfürstin Helena Pawlowna, der Ururenkel des Zaren Paul und der Zarin Maria Feodorowna. Anastasia war über ihren Vater deren Urenkelin.

Das Ganze noch einmal ein wenig ausführlicher:

Friedrich Franz III. war der älteste Sohn von Großherzog Friedrich Franz II.; dessen Vater, Großherzog Paul Friedrich, war der Sohn des früh verstorbenen Erbprinzen Friedrich Ludwig und der russischen Großfürstin Helena Pawlowna Romanowa (Helena war die zweite Tochter des Paul I. von Russland und seiner zweiten Ehefrau, Maria Feodorowna, geborene Prinzessin Sophie Dorothee von Württemberg).

Anastasia war die einzige Tochter von Großfürst Michael Nikolajewitsch, vierter Sohn von Zar Nikolaus I. und Charlotte von Preußen. Nikolaus war der dritte Sohn Paul I. und von dessen Ehefrau Maria Fjodorowna.

Warum ist dies von Bedeutung? Nun, es gibt einen ersten Hinweis, wie verflochten die regierenden Häuser Europas waren. Die Gründe dafür lassen wir einmal beiseite, aber die Wirkung war doch, daß eine verbindende kulturell-geistige und persönliche Sphäre entstand, die Europa wesentlich prägte und seine Aus- und Fortgestaltung förderte. Und dennoch half all dies nicht, die Katastrophe von vor 100 Jahren, und was dadurch folgte, zu verhindern.

Das macht es einem etwas schwer, über Biographien zu schreiben, die gerade auf diesem Bruch liegen. Und welche Maßstäbe soll man an ein Leben anlegen, dem selbst die gewohnten schicksalshaft abhanden gekommen waren.

Anastasia war noch sehr jung als ihr Vater 1862 zum Vizekönig des Kaukasus und Georgiens ernannt wurde. Es ist nur natürlich, daß sie sich daher wohl eher in Tiflis als in St. Petersburg zu Hause fühlte.

In letzterem allerdings lernte sie der mecklenburgische Erbprinz kennen als er nach einer Reise durch Kleinasien in der russischen  Hauptstadt Station machte.

Weniger als 3 Jahre später hielt dessen Vater für ihn um ihre Hand an. Alexander II. stimmte zu. Am 24. Januar 1879 wurde das Paar im Winterpalast getraut, am 8. Februar 1879 trafen Anastasia und Friedrich Franz in Schwerin ein.


Großfürstin Anastasia, etwa 1878, hier gefunden

Wenn die Berichte stimmen, hat sie sich dort nicht unbedingt wohlgefühlt. Doch der Gesundheitszustand Friedrich Franz‘ machte sowieso immer wieder längere Aufenthalte in südlicheren Gegenden notwendig. Das änderte sich auch nach dem Tod von Friedrich Franz II. am 15. April 1883 und der dadurch erforderlichen Thronbesteigung nicht. Nach 1887 war der bevorzugte Winteraufenthalt dann Cannes. Friedrich Franz III. ließ dort dafür 1889 die „Villa Wenden“  errichten.

Villa Wenden, Cannes
hier gefunden

Es war offensichtlich nicht nur ein wundervoller Bau mit herrlicher Aussicht. Er war auch im übrigen so eingerichtet, daß er als ein angenehmer Ort für gesellschaftliche Begegnungen dienen konnte. Noch nach dem Tod des Großherzogs feierte die Tochter Alexandrine hier ihre Hochzeit mit dem dänischen Thronfolger und späteren König Christian X.

Weder überrascht die Nachricht, daß der französische Staat die Villa Wenden nach späterem Kriegsausbruch eilig beschlagnahmte, noch ihr heutiger Zustand, der ebenfalls bezeichnend für dieses Zeitalter ist. Die Aussicht dürfte immerhin im wesentlichen die gleiche geblieben sein.

Friedrich Franz III. starb früh. Wenn man nach Zeugnissen seines Regierungshandelns fragt, wird man wenig finden, und im übrigen nur Beschreibungen eines oberflächlich unerhaltsamen Lebensstils in Südfrankreich. Oder schlimmer noch, Mutmaßungen über den Anlaß von kriminellen Anschlagsversuchen auf seine Person, die wenigstens zu Verurteilungen führten.

Wer so schaut, sucht das Interessante und Aufregende dort, wo es naturgemäß nicht zu finden ist. Im Bewußtsein seiner eingeschränkten Möglichkeiten hat Friedrich Franz III. das Regierungshandeln in offenkundig verantwortungsvolle Hände gelegt. Wenn doch jeder seine Beschränkung so weise und uneitel zu nutzen wüßte und dennoch seiner Rolle (hier fehlt im Deutschen ein besseres Wort) gerecht bliebe.

Anastasia mag ihre exzentrischen Neigungen gehabt haben, aber beider Verhältnis blieb bis zuletzt von warmherzigem Charakter. Ergreifend ist das Zeugnis, daß die Kronprinzessin Cecilie ihrem Vater ausstellt: "Wenn ich mir das Bild meines Vaters zurück rufe, so sehe ich vor meinem Auge den liebenswürdigsten und gütigsten Menschen, den es je gegeben hat. Von hoher schlanker Gestalt, mit strahlenden schönen Augen, aus denen sein warmes Herz leuchtete - so steht mein Vater unvergeßlich vor mir. Nichts konnte mir später größere Freude bereiten, als wenn Menschen, die ihn gut gekannt hatten, mir sagten, daß ich ihm ähnliche sähe. Er hat unendlich viel zu leiden gehabt, aber nie ist ein Wort der Klage über seine Lippen gekommen..."

Kronprinzessin Cecilie von Preußen

An einem Aprilmorgen des Jahres 1897 wurde der Großherzog, noch lebend, auf der Straße gefunden. Dies geschah am Vorabend von Palmsonntag. Noch einmal die Kronprinzessin:

"Um 10. Uhr morgens... sah ich den geliebten Vater zum letzten Mal; er saß im Rollstuhl im großen Salon meiner Mutter, sah sehr elend aus, war aber gütig wie immer. Am Abend, während wir oben mit der Umgebung zu Tisch saßen, wurde einer nach dem anderen geholt, nur ich wurde oben gelassen. Ich merkte, daß etwas sehr Trauriges vor sich ging... Da stand plötzlich mit furchtbarer Deutlichkeit die Erkenntnis vor mir, daß ich keinen Vater mehr hatte."

Friedrich Franz III. starb am 10. April 1897. Was wäre noch von ihr zu sagen. Ihre Familie geriet in diesen mörderischen Bruder- und Schwesternzwist, der einer ganz Europas war. Sie wich darauf in die Schweiz aus.

Am Ende ermordeten die tödlich-roten Irrwische ihre Brüder Georgi, Sergei und selbst den hochgelehrten Nikolai. Man scheut sich, weiterzuschreiben, als ob es salvierende Gründe für unterlassene Morde geben könnte. Ihre Tochter Cecilie, eine beschämend charakterstarke Gestalt, war die letzte Kronprinzessin des Reiches, ihr Sohn Friedrich Franz der letzte Großherzog Mecklenburgs...

Da wir ihr Todesdatum bereits früher genannt haben, dürfen wie uns jetzt auch in andere Sphären zurückziehen...
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Novalis über das Königtum:

"Einem König sollte nichts mehr am Herzen liegen, als so vielseitig, so unterrichtet, orientirt und vorurtheilsfrey, kurz so vollständiger Mensch zu seyn, und zu bleiben, als möglich. Kein Mensch hat mehr Mittel in Händen sich auf eine leichte Art diesen höchsten Styl der Menschheit zu eigen zu machen, als ein König."

"Ein wahrhaftes Königspaar ist für den ganzen Menschen, was eine Constitution für den bloßen Verstand ist."

Aber:

"Ein einstürzender Thron ist, wie ein fallender Berg, der die Ebene zerschmettert und da ein todtes Meer hinterläßt, wo sonst ein fruchtbares Land und lustige Wohnstätte war."

nachgetragen am 21. März

Dienstag, 24. Juli 2018

Carl Gregor Herzog zu Mecklenburg


Alexander-Newski-Kapelle, hier gefunden
weiteres zum Bild folgt unten

„Seine Hoheit 

Dr. phil. Carl Gregor Herzog zu Mecklenburg, Prinz von Mecklenburg-Strelitz, M.A., Fürst zu Wenden, Schwerin und Ratzeburg, Graf zu Schwerin, Herr der Lande Rostock und Stargard ist 

heute morgen, am Montag, den 23. Juli an seinem Wohnsitz, der Villa Silberburg in Hechingen, im 86. Lebensjahr friedlich eingeschlafen.

Der Herzog wurde als viertes Kind des Herzogs Georg zu Mecklenburg und seiner Frau Irina am 14. März 1933 auf Schloss Remplin bei Malchin geboren. Nach dem Brand des Schlosses 1940, dem Verlust des Wohnsitzes in Berlin durch einen Bombentreffer, der Inhaftierung des Vaters im KZ Sachsenhausen verbrachte er die Nachkriegszeit in Sigmaringen und Hechingen. Er studierte Kunstgeschichte, wurde an der Universität Tübingen promoviert und leitete das Diözesanmuseum in Rottenburg.

Er war das letzte in Mecklenburg geborene Mitglied des ehemals regierenden Fürstenhauses.
Seit 1965 war Herzog Carl Gregor mit der Prinzessin Maria Margarethe von Hohenzollern verheiratet, die 2006 verstarb. Die Ehe blieb kinderlos.“

Soweit die offizielle Mitteilung.

Herzog Carl Gregor war der Onkel des heutigen Chefs des Hauses Mecklenburg, Georg Borwin.  Über sein Leben findet man Näheres auf dieser Seite, eine ausführliche Biographie (in englischer Sprache) auf der inoffiziellen Website des Großherzoglichen Hauses.

Alexander-Newski-Kapelle, Inneres

Alexander-Newski-Kapelle
hier gefunden

Wie Architektur aus einem Feenmärchen

Die Alexander-Newski-Kapelle & einige Erläuterungen

Die Alexander-Newski-Kapelle im Alexandria-Park von Peterhof, der Sommerresidenz der Zaren, wurde ab 1831 im Auftrag von Nikolaus I. nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel erbaut und 1834 geweiht. Sie war die private Familienkirche der Romanows.

Maria Feodorowna, Gemahlin von Alexander III. und Mutter des letzten Zaren Nikolaus II., wurde allerdings vor ihrer Umbettung in die Familiengruft der Kaiserfamilie in der Peter-und-Paul-Kathedrale in Sankt Petersburg 2006 an diesem Ort aufgebahrt, verbunden mit einem Trauergottesdienst.

Selbst bloß von diesen Abbildungen her (die man hier aufsuchen kann) schlägt dieser Bau in seinen Bann. Als Schinkel-Bewunderer erscheint er einem seltsam vertraut, und man gewinnt nicht einmal den Eindruck, daß er sich auf russischem Boden fremd ausmacht.

Als Strelitzer ist man noch einmal verwundert, weil man sich an unseren Baumeister Buttel und seine Neustrelitzer Schloßkirche erinnert fühlt. Ohne ins Detail gehen zu wollen, ist die Verwandtschaft verblüffend. Nun war Buttel gewissermaßen ein Schüler Schinkels und wurde auf dessen Empfehlung hin 1821 in Mecklenburg-Strelitzsche Dienste aufgenommen.

Ob diese Nähe aus der Vertrautheit mit der Ideen- und Formensprache, die er bei Schinkel gelernt hat, rührt oder aus der tatsächlichen Kenntnis von Entwürfen, kann dahingestellt bleiben. Aber wir haben schon einmal eine Verbindung nach Strelitz, die das obige Bild nicht gar so willkürlich erscheinen läßt.

Die andere Verbindung: Herzog Carl Gregor war ein Angehöriger des „russischen“ Zweiges der Strelitzer Herzogsfamilie. Georg zu Mecklenburg, jüngster Sohn des Großherzogs Georg, hatte 1851 die Großfürstin Katharina Michailowna Romanowa geheiratet, Enkelin Zar Pauls I. und Tochter von Großfürst Michael Pawlowitsch Romanow, einem Bruder Nikolaus I.

Nachdem mit dem Freitod von Großherzog Adolf Friedrich VI. 1918 das Haus Mecklenburg-Strelitz in männlicher Linie ausgestorben war, hat der Baum des Herzogshauses gewissermaßen in diesem Zweig überlebt. Der heutige Chef des Hauses Mecklenburg, Georg Borwin, ist der Neffe des Herzog Carl Gregor. Die Erinnerung an die Romanows, die die beiden Bilder aufrufen, ist also nicht ganz willkürlich. Wir schauen gewissermaßen auf eine Linie im Mosaik dieser merkwürdigen europäischen Familiengeschichten.

Dienstag, 17. Juli 2018

Zum Gedenken an Nikolaus II. von Rußland

Nikolaus II. mit seiner Gattin Alexandra
und den fünf gemeinsamen Kindern (1913), hier gefunden

Manchmal wird ein ganzes Leben aus seinem Tod gerechtfertigt. Heute ist der Gedenktag des Heiligen der russisch-orthodoxen Kirche Nikolaus II. von Rußland und seiner Familie. In der Nacht auf den 17. Juli 1918 wurden sie mit ihren letzten Getreuen im Keller des Ipatjew-Hauses in Jekaterinburg durch die sog. „Bolschewiki“ hingemordet. Als Nikolaus dessen gewahr wurde, was die Absicht der Mörder war, stellte er sich in einer denkwürdigen Wendung vor seine Gattin Alexandra, die 4 Töchter und den Zarewitsch Alexei, als könne er mit seinem Leib die Kugeln aufhalten, die seiner Familie galten. Erfolglos natürlich. Die Töchter hatten in ihre Kleider Schmuckstücke eingenäht, und als die Kugeln deswegen von ihnen abprallten, wurden sie mit Bajonetten niedergestochen, bis ihr Wimmern erstarb.

Nikolaus II. nach der Abdankung, März 1917

Vor 100 Jahren begann die vollendete Selbstzerstörung Europas ihre dämonischen Folgen auszuspeien und dem sinnlosen Grauen des Krieges folgte ein Jahrhundert des Irrsinns. Die Hinmordung der Zarenfamilie ist darin ein sinnfälliges Ereignis.

„Wir haben eine neue Moral. Unser Humanismus ist absolut, denn er gründet sich auf den Wunsch nach Abschaffung jeder Unterdrückung und Tyrannei. Uns ist alles erlaubt, denn wir sind die ersten in der Welt, die das Schwert nicht erheben, um zu unterdrücken und zu versklaven, sondern im Namen der Freiheit… Wir führen nicht gegen einzelne Krieg, wir wollen die Bourgeoisie als Klasse vernichten.“ („Das Rote Schwert“ 18.8.1919, Zitat hier gefunden)

Aus dem „Roten Schwert“ sprach die Tscheka, das spezielle Terrorinstrument der Bolschewiki. Und die Vernichtung als Klasse ist sehr wörtlich und vor allem physisch zu verstehen. Hinter dem Codewort „Bourgeoisie“ steht alles, was der Gesellschaft Struktur, Kompetenz und Bedeutung gegeben hatte -  Gelehrte, Geistliche, freie Bauern, Offiziere, Kaufleute, Beamte… Diese Menschengruppen wurden umgebracht, ausgehungert, mindestens dezimiert, bis die Gesellschaft soweit atomisiert worden war, daß das Unterste nach oben gekehrt frei lag und man sein großartiges Menschheitsexperiment einer völlig neuen „freien“Gesellschaft beginnen konnte.

Schätzungen gehen von mindestens 20 Millionen Toten der Revolution aus (Die Revolutionäre waren nicht sehr bekannt für eine akkurate Buchführung über ihre Opfer). Alexander Solschenizyn, der Chronist des „Archipel Gulag“, schrieb von vierzig bis fünfzig Millionen Häftlingen, die die späteren Lager bevölkerten oder dort starben. Ab wie viel Millionen ist eine eigentlich “gute Idee” ein wenig diskreditiert?

Allein die Zahlen sind so monströs, daß das Vorige, weswegen dies doch alles angeblich notwendig geworden war, in den schwärzesten Farben gemalt werden mußte Und man war damit erfolgreich. Noch heute wird die historisch desinteressierteste Putzfrau (und warum sollte sie sich interessieren) zumindest von jemandem gehört haben, daß die russischen Zaren etwas sehr Böses waren. Über das danach wird sie eher nichts wissen.

Nun wie böse?  Üblicherweise wurden Straftäter (ob politische Gefangene oder wirkliche Verbrecher) nicht getötet, sondern nach Sibirien verbannt (so Lenin 1897 - 1900 und Stalin 1913 - 1917 in das damalige Gouvernement Jenisseisk). In den zaristischen Straflagern sollen in den 1830er Jahren 8.000, zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zu 30.000 Menschen gefangengehalten worden sein (insgesamt, wie gesagt).

Von 1825 bis 1917 - 6360 politisch Verurteilte, davon 3932 hingerichtet. Das mag man alles finden, wie man will, aber es wurden jedenfalls nicht systematisch Menschen umgebracht, und die Größenordnungen unterscheiden sich im Verhältnis von vielleicht 1 : 10.000. Diese Zahlen werden aber niemanden beeindrucken, weil sie die „gefühlte“ Wahrheit nicht berühren, allenfalls wird man„moralische“ Empörung über diese Art von Buchhaltung hören (Man tue sich nur einmal den Tort, in die Kommentare zu den wenigen Artikeln zu schauen, die aus Anlaß dieses Datums geschrieben wurden).

Nun galt das Zarenreich in Westeuropa auch vor 1917 durchaus als rückschrittlich, repressiv etc. Beispielsweise hielt man in der Reichsregierung eine formelle Kriegserklärung an Rußland für geboten, weil man damit die öffentliche Meinung, einschließlich der Sozialdemokratie, auf seiner Seite wußte.

Jekaterinburg, Kathedrale auf dem Blut

Aber wir wollen uns gar nicht in die Frage vertiefen, wie rückschrittlich Rußland am Ende der Zarenherrschaft tatsächlich war und woran sich Fortschritt eigentlich bemißt. Und es geht mir beim besten Willen nicht um eine Apotheose des Zarentums. Was mit weiterem Grausen erfüllt, ist etwas sehr anderes, nämlich das Bild, das entsteht, nachdem man sich in die Zeit vor Ausbruch des 1. Weltkrieges vertieft hat.

Und jetzt müßten wir das ganze alte Europa in den Blick nehmen. Es ist eine wirkliche Quälerei. Man hatte einen Höchststand von Kultur und Zivilisation erreicht, Technik und Wissenschaft erblühten, sozialer Fortschritt wie Lebenserwartung, Bildungsstand, die materielle Grundlage des Lebens breitester Schichten verbesserten sich mit unglaublicher Geschwindigkeit. Europa wurde zu einem Leitbild für die Welt (auch wenn dieses heute als kolonialistisch herabgesetzt wird).

Doch die Großmächte beäugten sich mißtrauisch und sorgten sich um ihre Einflußzonen! Das Empire neidete dem Deutschen Reich den wirtschaftlichen Aufstieg und das damit einhergehende wachsende politische Gewicht, Frankreich suchte Revanche für 1871, Rußland und Österreich-Ungarn rangen um die Beherrschung des Balkan, Rußland wollte das Osmanische Reich beerben und mindestens die Dardanellen für sich.

Und all diese politischen Planungen, Intrigen und Aktionen gingen mit einer Sorglosigkeit und Ignoranz, Eitel- und Böswilligkeit, mit selbstgefälliger Ahnungslosigkeit gepaart einher, daß es einen eben graust (da man heute die Folgen kennt).

Daß die Briten der erfolgreiche germanische Konkurrent mißmutig machte, ist noch plausibel (man spürte, man hatte seine Kräfte überspannt, und sah sich gleichzeitig mit einem gottgegebenen Recht auf Weltherrschaft versehen), Frankreichs Groll, nun ja. Aber Rußland? Die Motive der politisch bestimmenden Kräfte Rußlands bleiben rätselhaft. Man kann zwar nicht bei der noch herrschenden (west-) deutschen Geschichtswissenschaft, aber doch inzwischen bspw. bei Christopher Clark nachlesen, wie mindestens die politische Führung Serbiens in das Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger verwickelt war. Wie Rußland dann Serbien ermunterte und nach der Kriegserklärung der Monarchie an Serbien gegen das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn mobil machte.

Es war eben leider Zar Nikolaus II. der 1914 mit der Generalmobilmachung der russischen Armee die Aktivierung der Bündnisverpflichtungen in Gang setzte, die in den Ersten Weltkrieg münden sollten. Es geht nicht um einseitige Schuldzuweisungen. Die europäischen Mächte hatten gewissermaßen kollektiv den Verstand verloren. Aber Rußland, das mit dem 1905 verlorenen Krieg gegen Japan und den folgenden Unruhen noch hinreichend strapaziert war, sich innerlich erkennbar instabil zeigte - das letzte, was Rußland gebrauchen konnte, war ein weiterer Krieg. Das schwache alte Rußland hat mit seiner Unterstützung Serbiens und dem, was daraus folgte, gewissermaßen eine Art von Selbstmord begangen. Und für was, die Dardanellen?

Was brachte Nikolaus II. zu diesem Schritt? Zunächst, war es wirklich sein ureigenstes Anliegen? Zar Nikolaus wird gemeinhin als geistig wenig interessiert, ja entscheidungsschwach beschrieben, dafür aber ausgeprägt konservativ.

Zu  letzterem. Sein Großvater Alexander II. wurde 1881 Opfer eines Attentats. Der damals zwölfjährige Nikolaus war Zeuge seines Todes. Das dürfte ihn nicht ganz unbeeindruckt gelassen haben. Er galt nicht als unsensibel, und wenn er stark gespürt haben sollte, wie die Dinge wegzubrechen drohen, sich dann an einer Art von Konservativismus festzuhalten, nun ja. Er wuchs nach dem Attentat ziemlich abgeschirmt auf, ebenfalls nachvollziehbar, galt als charakterlich gefestigt, pflichtbewußt, aber eher schüchtern. Sein Vater hielt es nicht für erforderlich, ihn frühzeitig wirklich auf das Zarenamt vorzubereiten, starb aber bereits am 1. November 1894. Das machte Nikolaus mit 26 Jahren (nach gregorianischem Kalender am 18. Mai 1868 geboren) zum Herrscher. Daß jemand unter diesen Umständen Neuerungen gegenüber nicht unbedingt aufgeschlossen ist und von Ratgebern abhängig, was Wunder.

Hinzu kommt, daß seine tief religiöse Gattin, welche er zutiefst verehrte, ihn kaum zu unterstützen vermochte. Als 1904 endlich Thronfolger Alexej zur Welt kam (man befand sich gerade im Krieg mit Japan), erwies es sich, daß er die „Bluter“-Krankheit hatte. Das befeuerte den Aberglauben im Volk (welches bereits voreingenommen war, 1896 etwa hatte sich beim Volksfest auf dem Chodynkafeld anläßlich der Krönungsfeierlichkeiten eine Massenpanik mit 1389 Opfern ereignet). Die Niederlage machte ein übriges. Man mißtraute der „Deutschen“,  noch gesteigert, als diese verzweifelt Hilfe für den Thronfolger Alexej vom „Wunderheiler“ Rasputin erhoffte (der schließlich im Dezember 1916 von nahen Verwandten des Zaren ermordet wurde). Irritierenderweise gibt es Berichte, daß sich der Gesundheitszustand Alexejs tatsächlich gebessert hatte.

Man kann aber vermuten, daß auch Nikolaus selbst Ziel des Mißtrauens patriotischer und panslawistischerer Kreise wurde, die erheblich Auftrieb hatte, wie ganz Europa vom Furor des Nationalismus geschüttelt wurde (etwas, das besonders die Donaumonarchie bedrohte und woran sie schließlich auch u.a. zerbrechen sollte). Nikolaus‘ Widerwillen gegen den Krieg machte ihn vor diesem Hintergrund förmlich mit dem Vorwurf der Schwäche erpreßbar.

Clark bringt eine interessante Charakterisierung, die wir ausnahmsweise zitieren wollen: „So gut wie alle, die den Zaren kannten..., sind sich einig, dass er zwei Wesenszüge in sich vereinte, die sich schlecht miteinander vertrugen. Das eine war ein überaus verständliches Grauen vor der Aussicht eines Krieges und der damit verbundenen Zerstörung für sein Land; das andere war seine Empfänglichkeit für das hochtrabende Pathos nationalistischer Politiker und Reden, eine Vorliebe für Männer und Maßnahmen, welche die patriotischen Gefühle aufputschten.“ (Die Schlafwandler, S. 654)

Ein dringliches Telegramm Wilhelm II. hielt die Mobilmachung dann auch noch einmal an, für einen Tag. Was immer Nikolaus II. letztlich bewogen haben mag, welche Irrtümer, Illusionen, Schwächen immer. Systematische Bösartigkeit war es nicht. Die blieb anderen Akteuren vorbehalten. Der weitere Fortgang der Dinge läßt sich schnell zusammenfassen. Kurzzeitig gelang es den Russen zwar, in Ostpreußen einzufallen, sie wurden dort aber geschlagen und erlitten danach gegen die deutschen Truppen eine Niederlage nach der anderen. Gegen die Österreicher war man zwar etwas erfolgreicher, aber im ganzen war die Kriegsführung desaströs und mit großen eigenen Opfer verbunden. Die Armee begann zusammenzubrechen, Hungerunruhen Anfang 1917 besiegelten das Ende. Der Zar dankte ab und wurde von der bürgerlichen Regierung, die auf die „Februarrevolution“ gefolgt war, unter Hausarrest gestellt. Nach dem Putsch der Bolschewiki im Herbst 1917 fiel die Familie in deren Hände. Das Ende ist eingangs beschrieben.

Nicht nur auf russischer Seite wurde der Krieg mit selbstzerstörerischer Verbissenheit geführt. Für die „Westfront“ gilt dies mindestens in ebensolcher Weise. Was dabei besonders verstört, ist, daß dieses massenhafte gegenseitige Töten, das beispiellos zur vorigen Geschichte Europas dasteht, um förmlich nichts geführt wurde. Nichts, das irgendeine Art von Sinn ergeben würde.

Wahrscheinlich deshalb mußte man nach Kriegsende alle Schuld auf die Verlierer abwälzen und seitens der Alliierten die monströse Lüge von der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands in die Welt setzen und mit dem Versailler „Frieden“ den Krieg gewissermaßen auf andere Art fortführen.

Das Grauen, das uns angesichts dieser Ereignisse entgegentritt, geschieht sozusagen in drei Akten, die Hybris und Verblendung, mit der der Krieg begonnen wurde, das furchtbare Ausmaß der auch moralischen Selbstvernichtung in diesem Krieg und wie diese auch geistige Verwüstung  den Dämonen ein Tor geöffnet hat, durch das sie eifrig einfielen, um das Werk der Zerstörung zu vollenden. Es ist mehr als zynisch, daß die Briten diesen Krieg noch immer „Great War“ nennen. Nichts daran war groß.

Das Ausmaß der inneren Selbstzerstörung Europas, das sich in den folgenden Jahrzehnten zeigt, beschreiben zu wollen, würde jeden überfordern. Darum ist es auch so schwierig, über Gedenktage wie diesen zu schrieben. Denn wer deren Tiefe erahnt, gerade als Konservativer, ist vor allem eines, entsetzt. Und mit nichts macht man sich so lächerlich, als wenn man selbstgefällig über die Geschichte zu Gericht sitzen wollte. Was also bleibt übrig?


Ikone der Zaren-Familie

Sicher kein Versuch einer Gegengeschichtsschreibung. Menschen, die davon überzeugt sind, daß es aus höheren Gesichtspunkten gerechtfertigt ist, Kinder zu töten, sind in ihrem verbohrten Ressentiment nicht mehr erreichbar. Aber einfache Beobachtungen sind hilfreich, so wie etwa gegen den Geschichtsrelativismus spricht, daß man zusehen kann, wie die Lügen vergiften und auflösen, also scheint es doch so etwas wie Wahrheit zu geben.

Mögen die Briten weiter an ihren Großen Krieg erinnern, selbst die Überreste ihres Empire zerbröseln ihnen gerade. Mögen die Apologeten einer deutschen Kollektivschuld sich immer tiefer in die deutsche Seele vorgraben, um dort weitere Schichten der Schuld zu finden, wo sie doch eigentlich weder an Deutsches, noch an die Seele, noch an den Wert überindividueller Gemeinschaften glauben.

Wer mit Absichten an die Geschichte herantritt, hat schon verloren. Aber ein Versuch, sie mit interesselosem Bemühen zu sehen, ist vielleicht möglich und entfaltet seine Folgen von selbst. Jetzt mag man mit versteckten Motiven, Perspektiven etc. dagegen anklügeln. Darüber zu räsonieren, lohnt nicht, die Haltung selbst zählt – Kritik, Neugier und Neigung zum Eigenen. Was ist an Neigung interesselos? Nun, wer das Eigene für wertvoll hält, wird es der Wahrheit aussetzen wollen, weil es sich nur in dieser zu erhalten vermag. Und er kann so die Gefährdungen erkennen, die üblicherweise in der Verstellung des Guten, Wohlmeinenden und Vernünftigen daherkommen.

Ganina Jama, Romanov memorial

Mit Pilatus zu reden: Was ist Wahrheit? Wahrheit ist Aufrichtigkeit im Erinnern und das Suchen nach Symbolen der Heilung. Ein Symbol der Heilung ist, daß am 20. August 2000 Nikolaus II. mit seiner Familie unter die Heiligen der Russisch-Orthodoxen Kirche aufgenommen wurde. Die Kirche auf dem Blut in Jekaterinburg, von wo aus hunderttausend Pilger in der Nacht auf den 17. Juli dem Patriarchen von Moskau und ganz Russland, Kirill, auf einem 21 Kilometer langen Kreuzweg folgten, in den Wald von Ganina Jama, dem hölzernen Kloster, wo jedem ermordeten Familienmitglied von Hand eine Kirche erbaut worden ist. Das ist Wahrheit.

Aber das ist Religion, höre ich den Einwand. Was sonst.

Nikolaus II. im Kloster der "Heiligen Zarenmärtyrer"
Ganina Jama gewidmete Kirche, hier gefunden

nachgetragen am 20. Juli

Mittwoch, 18. Juli 2012

Über Untergänge


Nikolaus II.

Quomodo sedet sola civitas plena populo facta est quasi vidua domina gentium facta est sub tributo.
Plorans ploravit in nocte et lacrime eius in maxillis eius non est qui consoletur eam ex omnibus caris eius: omnes amici eius spreverunt eam et facti sunt ei inimici.
Migravit Judas propter afflictionem, et multitudinem servitutis habitavit inter gentes nec invenit requiem. Omnes persecutores eius apprehenderunt eam inter angustias.

Wie liegt die Stadt so wüst, die voll Volks war! Sie ist wie eine Witwe, die Fürstin unter den Völkern war, und muß nun dienen.  
Sie weint des Nachts, daß ihr die Tränen über die Wangen laufen; es ist niemand unter allen ihren Freunden, der sie tröstet; alle ihre Nächsten sind ihr untreu und ihre Feinde geworden.
Juda ist gefangen in Elend und schwerem Dienst, wohnt unter den Heiden und findet keine Ruhe. Alleseine Verfolger kommen heran und bedrängen es. 
Lamentationes Jeremiae / Die Klagelieder Jeremias

Ich war kürzlich etwas verblüfft, als Wikipedia scheinbar den Fall Jerusalems genau auf den 18. Juli 586 v. Chr. datieren zu können meinte, dabei ist man sich meines Wissens einzig einig, daß es wohl im Sommer geschah, einige meinen, schon im Sommer 587. Einfach ein gegriffenes Datum also. Ein wichtiges, ein traumatisches Ereignis aber für das sich als erwählt sehende jüdische Volk - Tempel, Königspalast und Mauern zerstört, die Oberschicht, soweit nicht getötet, in die „Babylonische Gefangenschaft“ hinweg geführt, zurück blieben die „Geringen des Landes“, Weingärtner, Ackerbauern etc.

Zerstört wurde das Königreich Davids, seine Nachkommen versinken im Dunkel der Zeit. Aber schon 515 v. Chr. gab es, gefördert von den nachfolgenden persischen Herrschern, einen neuen, wenn auch wohl bescheidenen Tempel in Jerusalem. Die Hohepriester des Tempels übernahmen gewissermaßen königliche Funktionen, und nicht wenige meinen, daß das Judentum mit seinem exklusiven Glauben erst hier wirklich entstand, nicht zuletzt durch zurückkehrende Exilanten vorangetrieben. Es wurde also ein Glaube wiederaufgerichtet, der so streng vorher wohl nie bestanden hatte.

Die Geschehnisse sind zu wenig rekonstruierbar, als daß man erklären könnte, wenn man es denn je können wird, warum sich dieses kleine Volk spätestens hier entschied, sich nicht zu assimilieren, sondern ein Sonderbewußtsein auszubilden, das uns noch heute beschäftigt, ein Mysterium, in der Tat. Es gibt also diese Art von Untergängen.

Und dann bestehen andere. Ich habe gelegentlich daran erinnert, wie Zar Nikolaus II. an einem 17. Juli mit seiner Familie und denen, die bei ihm waren, von den Bolschewiki, diesen aus der Hölle aufgestiegenen Gestalten, ermordet wurde. Am Tag danach wurden weitere Romanows in einen Minenschacht gestoßen, derer man habhaft werden konnte, in Alapajewsk - die Großfürstin Jelisaweta Fjodorowna, die Großfürsten Wladimir Pawlowitsch Paley und Sergei Michailowitsch Romanow sowie die Brüder Iwan, Konstantin und Igor Konstantinowitsch Romanow.

Auch wenn Zar Nikolaus und die erwähnte Großfürstin inzwischen von der Orthodoxen Kirche als Heilige verehrt werden, die Kraft zu einer wirklichen Auferstehung im Geist scheint dem russischen Volk bisher nicht gegeben worden zu sein.

Großfürstin Jelisaweta Fjodorowna

nachgetragen  am 19. Juli

Mittwoch, 21. Januar 2009

Barbarei & Erinnerung



Jekaterinburg, Kathedrale des Blutes
gefunden hier

Ich muß gestehen, als ich heute wahrnahm, daß vor 216 Jahren Ludwig XVI. „hingerichtet“ wurde, hatte ich wenig Neigung, etwas dazu zu bemerken, es beginnt schon mit der Wortwahl: „Hinrichtungen“ gehören wohl doch in den Deutungsbereich legitimer Tötung, einmal davon abgesehen, wie man zu der Todesstrafe als solcher steht, das setzt voraus, daß man die Tötenden für legitim hält: Wieso?

Aber ich will unseren französischen Nachbarn und dessen unaufgelöstes revolutionäres Erbe nicht weiter berühren. Denn wie ich, glaube ich, schon einmal bemerkt habe, sind Revolutionen in meinen Augen nur Vorwände, die ganz gewöhnliche Barbaren benutzen, um sich ungestört mit dem beschäftigen zu können, was Barbaren nun einmal am liebsten tun: Auslöschen, Töten und viel Befriedigung darin haben.

Zu den wenigen Vorzügen deutscher Geschichte zählt, daß hier nie ein Herrscher hingerichtet wurde, im Gegensatz etwa zur französischen, englischen oder russischen. Und jetzt kommt das tröstliche Moment ins Spiel, das mich zu diesen Zeilen veranlaßt:

Wie ich gerade zufällig mitbekam, hat man in Rußland in dem Wald, in dem die letzte Zarenfamilie verscharrt worden war, mehrere hölzerne Wallfahrtskirchen erbaut, für jedes Mitglied der Zarenfamilie eine. Über dieses „Kloster im Wald der vier Brüder“ fand ich bei meiner schnellen Suche einen Bericht in diesem Blog:
„In den Wäldern der Gräberfunde ist in den letzten Jahren das Sühnekloster „Ganina Jama“ entstanden. Etwa 20 Kilometer östlich von Jekaterinburg, tief in den Ural-Hügeln, liegen 7 Kirchen – eine für jedes Familienmitglied – über ein weites Areal verstreut. Alle sind aus hellem Holz in altrussischer Tradition, mit kunstvollen Schnitzereien und ohne einen einzigen Nagel, zusammengefügt. Ihre grüngoldenen Kuppeln und Türmchen glänzen zwischen den weißen Birken- und den schwarzen Föhrenstämmen hindurch…“

Ich fand das außerordentlich lesenswert, auch wenn natürlich Menschen dazu neigen, die Welt und die Geschichte auf sehr unterschiedliche Weise zu sehen, bin ich eigentlich schon begeistert, wenn mir Ernsthaftigkeit und Gründlichkeit bei einem ernsthaften Anlaß begegnen.

Und da ich aus irgendeinem Grund in diesem Kloster einen tröstlichen Aspekt entdecke, diese vorigen Bemerkungen.