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Donnerstag, 19. März 2020

Das Urteil des Paris & anderes Antikes

Max Klinger, Das Urteil des Paris, zw. 1885 und 1887,

Bekanntlich haben den Trojanischen Krieg fünf Frauen (davon vier Göttinnen) und ein männlicher Tor ausgelöst, der seine Triebe nicht zu beherrschen vermochte (wobei man ihm zugute halten kann, daß die Aufgabe im Guten unlösbar war). Herr Moritz gibt davon stets die notwendigen und vor allem kurzen Erläuterungen (Götterlehre oder mythologische Dichtungen der Alten, 1791), so daß wir ihn umgehend zitieren:

„Als Eris [die Göttin der Zwietracht und des Streites, oft als hinkende, verkümmerte Frau dargestellt, die aber aufblüht, wenn es ihr gelingt, Neid und Haß bei Menschen und Göttern zu erwecken] bei der Vermaͤhlung des Peleus mit der Thetis, in das hochzeitliche Gemach, wo alle Goͤtter und Goͤttinnen verſamlet waren, den goldnen Apfel mit der Inſchrift warf, die ihn der Schoͤnſten zutheilte, ſo wurden Juno, Venus, und Minerva, unter allen Goͤttinnen, um den Preis der Schoͤnheit zu wetteifern, einſtimmig am wuͤrdigſten erkannt.

Ein unbefangner Hirt, der auf dem Ida weidete, ſollte den Ausſpruch thun. Dieſer Hirt war Paris, ein Sohn des Priamus, der uͤber Troja herrſchte. Als die Goͤttinnen vor ihm erſchienen, und den entſcheidenden Ausſpruch von ihm verlangten, mußten ſie ſich entkleiden; — eine jede von ihnen verſprach ihm heimlich eine Belohnung, wenn er den Apfel ihr zutheilte; Juno verſprach ihm Macht und Reichthuͤmer, Minerva Weisheit, Venus das ſchoͤnſte Weib auf Erden, — und Paris theilte den goldnen Apfel der Venus zu.

Von dieſer Zeit an hegten Juno und Minerva nicht nur gegen den Paris, ſondern gegen das ganze Haus des Priamus einen tiefen Groll im Buſen; waͤhrend daß Venus darauf dachte, ihr Verſprechen dem Paris zu erfuͤllen.

Das ſchoͤnſte Weib auf Erden war Helena, welche Jupiter in der Geſtalt des Schwans mit der Leda erzeugte; die vom Theſeus in ihrer Kindheit ſchon einmal entfuͤhrt, von ihren Bruͤdern Kaſtor und Pollux aber wieder nach Sparta zuruͤckgebracht ward, wo ſie mit dem Menelaus des Agamemnons Bruder ſich vermaͤhlte.

Paris ſchifte nach Griechenland, und ward vom Menelaus gaſtfreundlich aufgenommen; waͤhrend deſſen Abweſenheit es durch die Veranſtaltung der Venus ihm gelang, die Helena zu entfuͤhren. Als er nach Troja zuruͤckſegelte, und die Winde ſchwiegen, prophezeihte der wahrſagende Meergott Nereus ihm alles Ungluͤck, was fuͤr Troja aus dieſer Entfuͤhrung erwachſen wuͤrde; und nicht lange blieb die Erfuͤllung aus.“

Wo dieses also erinnert wäre, zurück zum Bild, das ein großartiges ist. Der ausladend theatralische Rahmen mit den bemalten Figuren mag verwirren und hat es auch. Klinger hatte eine Neigung zum Gesamtkunstwerk. Beschreiben wir den also zuerst:

Links unten lacht uns übermütig ein hellhäutiger Satyr an, darüber ist eine weibliche Herme gemalt, rechts kämpft ein mehr dunkler Gigant mit der Zwietrachtshydra, deren Schwanzende in das Gemälde hineinragt und ein Gorgonenhaupt umschlingt, und wo wir da schon sind, es ist Amor, der sich etwas wegbeugt und dem Geschehen zu. Unten inmitten - die Ursache des Übels - Eris, die Göttin der Zwietracht mit dem Zankapfel.

Doch halt, Herr Kühn (Max Klinger von Paul Kühn, Leipzig 1907, S. 295 ff.) hat das so wunderbar beschrieben, daß wir das jetzt in allen Details ausbreiten werden, wem die Geduld dafür fehlt, der springe zum übernächsten Bild.

„In dem schmalen linken Flügel erhebt sich vor dem abenddämmernden, feierlich-stillen Hain eine schlanke weibliche Herme. Das Haar ist brünett; die Augen glühen dunkel wie Bernstein, und das bunte Licht des Nachmittags leuchtet in tausend Reflexen. Die Stimmung eines geweihten antiken Haines liegt darüber, wie ja über dem Ganzen eine griechische Schönheit glänzt, wie sie Goethe, an der Iphigenie dichtend, in Sizilien empfand. Wie ein farbiges Postament zu dieser farbigen Herme wirkt der faunisch lachende Satyrkopf der Predella mit hellglänzendem Gesicht, vollem dunklen Bart und Haar, in dem weiße Seerosen leuchten, ein unglaublich neu belebtes, pompejanisches Dekorationselement.

Diesem plastischen Rahmensockel entspricht auf der rechten Seite ein dunkelfarbener Gigant, der im Kampfe mit der Zwietrachtshydra den einen ihrer Köpfe niederdrückt, so daß ihr nicht plastisch ausgeführter, sondern gemalter Delphinenleib im rechten Flügelbild emporschnellt. Am Schwanzende streckt sich ein schmerzverzerrtes Gorgonenhaupt, von Schlangen umzüngelt, in die Luft. Hinter diesem dunkel aufragenden Fabeltier lauscht der geflügelte Amor, auf seinen Bogen gestützt, träumerisch-nachdenklich in das Hauptbild hinein. Sein mächtiges, helles Flügelpaar verschwebt, ganz zart in den hellen Farben des Prismas gemalt, in der Abendluft. Das versonnene Lauschen in diesem nackten Jüngling, die leise Schwermut der Farben, die phantasievolle Schönheit der Erfindung verleihen schon allein diesem schmalen Flügelbild einen unvergleichlichen Zauber. Die Schwermut reifen Glückes ist darüber gebreitet.


In der Mitte des Predellensockels, direkt unter der Gestalt der Hera, erblicken wir in einer reichen barocken Umrahmung den Kopf der Eris. Diese drei Skulpturenteile sind aus bemaltem Gips. Die dunkle, volle Bemalung ist mit den reichen Farben des Hauptbildes und der Flügel so zusammengestimmt, daß die tiefen Farbenakkorde und vollen, dunklen Grundtöne der Basis die helleren des Gemäldes tragen und diesem Raumkunstwerk die wunderbare Abgeschlossenheit geben.“

Wer nun ob der Sprache das Bedürfnis verspürte, das Fenster zu öffnen, um etwas kalte Luft hineinzulassen, sei vor einem gewissen Fehlschluß gewarnt - die Hauptfiguren des Gemäldes werden von Kühn im gleichen Tonfall gewürdigt. Nur ein Satz diesmal:

„Wie die antike Plastik in ihrem unvergleichlichen Formensinn es verstanden hat, in drei Knabenstatuen die Unterschiede von Liebe, Liebreiz und Verlangen deutlich zu machen, versucht auch Klinger, alle äußeren Attribute verschmähend, rein durch den nackten Körper die drei besonderen Arten von Frauenschönheit dem Auge zu frohem Genüsse zu vergegenwärtigen.“


Doch da Rahmen und „Rahmenhandlung“ nunmehr hinreichend beschrieben sind, wenden wir uns dem Hauptgeschehen zu. Wir wollen nur die Akteure etwas sortieren.

Vor einer berückenden elysischen Landschaft vollzieht sich erhaben feierlich das Geschehen auf einer „Bühne“, die vom Kontrast des kühl grauen Grundes und der Goldtöne des Mosaiks bestimmt ist: Links die sonnengebräunten Gestalten von Paris und Hermes. Der Götterbote hatte seine Mission erfüllt und uns den Rücken zuwendend schaut er gelassen auf das Geschehen, genauer, Hera, die Königin der Götter, die selbstbewußt und siegesgewiß ihren Körper vorzeigt.

Als nächste nach rechts hin sehen wir die schon halb entblößte und ganz ungeduldige jungfräuliche und wehrhafte Weisheits-Göttin Athene, die den Triumph ihrer keuschen Schönheit kaum erwarten kann.

Überraschend zurückgenommen, doch genau beobachtend steht ganz am rechten Rand die Göttin Aphrodite, von allen drei am natürlichsten und sinnlich weiblichsten wirkend, und sich der Macht ihrer gefälligen Gestalt nur zu bewußt. Man könnte sagen, Klinger habe 3 Grundtypen psychologisch erfaßt, aber damit würden wir schon in die Deutung des Bildes einsteigen, was ich ersparen will. Jeder kann selbst sehen und deuten, nur der Rahmen war halt etwas unübersichtlich.

Doch halt, Herrn Kühns Beschreibung der Landschaft, die soll uns nicht fehlen:

„Die nackten sonnengebräunten Körper stehen in einer vom zarten stillen Licht der Spätnachmittagssonne buntfarben erglänzenden Landschaft. Zu beiden Seiten des Hintergrundes hebt sie sich empor. Links zu einer waldigen Anhöhe; in tiefen Farben glüht das Buschwerk, ein Hain mit buntem Laubwerk; das feine helle Grau der Baumstämme steht köstlich in den tiefen Farben; zwischendurch verglüht  in der Ferne das Abendrot. Rechts blicken wir auf felsiges Gebirge, das sich in feiner Abstufung von Wald, Halden, schroffen Hängen, nackten Felsen nach hinten aufsteigend aus Violett und Blau lichter und lichter in die Ferne und in die Tiefe verliert; vorn steigt dunkleres Buschwerk auf. Zwischen diesen Höhenzügen und Tiefen wird in heiterem Blau das Meer sichtbar; fern und leise rauscht es heran an das felsige Gestade. Ein idyllisch-heiterer Spätnachmittag, eine unendliche Weite, das sehnsüchtige Ferngefühle weckt, ein fernes Anrauschen des Meeres, das träumen macht. Ein Glück des Südens, ein griechisches Inselglück in reiner Luft zwischen Gebirge, Wald und Meer.“

„Das ganze wunderbare Malerwerk“ atme den „Geist attischer Anmut, das schwermütige, heitere Glück der antiken Welt.“

Haben die Zeitgenossen dieses Wunderwerk zu schätzen gewußt? Überwiegend eher nicht, um es milde zu sagen. Im Juli 1887 wurde es dem Berliner Publikum vorgestellt und hier nun wiederum ist Cornelius Gurlitt hilfreich ("Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts" Berlin 1899 (S.611 ff.)).

Nicola Perscheid, Portrait des Künstlers Max Klinger, 1915

"Klinger galt damals bei den Berlinern für einen Mystiker und Genialitätshascher. Beides war unbequem und paßte nicht in den Rahmen der Weltstadt." Er gibt darauf die Erzählung seines Bruders Ludwig Gurlitt wieder: "... das Werk war nur sich selbst ähnlich; ein neuer, mir unbekannter Geist sprach hier zu mir und ich stand lange in stummem Staunen. Neben mir aber machte sich die erbarmungsloseste Kritik laut, und plumpe Witze wirkten auf mich wie Peitschenknall in der Kirche."

Fritz Gurlitt, der Kunsthändler: "Eben war Klinger bei mir im Bureau, ganz zerschlagen und vernichtet. Er hatte eine halbe Stunde vor seinem Bilde gestanden, seinem ersten großen Ölgemälde, an das er alle Kraft, auf das er alle Hoffnung gesetzt hatte, und mußte nun die Urteile des Berliner Publikums hören. Herrjeh! von wem ist denn das?! Der muß nach Dalldorf, den darf man nicht frei rumlaufen lassen? [In Dalldorf (heute Wittenau) befand sich die größte Berliner Nervenklinik.] In der Tonart war es fast unausgesetzt gegangen."

Gurlitt (der Autor) kann im Grunde auch nur mutmaßen, warum die Erregung so heftig war (die Nackheit nicht hinreichend idealisiert und daher unmoralisch erscheinend?). Bisher wäre sie "durch den Idealismus zu einer höheren, die Sinne bändigenden Schönheit erhoben" worden. "Die Schönheit heiligte dort das Nackte."

Der teils bildnerische und farbig gefaßte Rahmen wäre als Geschmacklosigkeit aufgefaßt worden? Stieß der "eigentümlich harte Ton" der Körperauffassung ab. Er liefert ein Resümee, das nur bedingt überzeugt:

"Die geistige Zumutung, sich umzubilden, der Vorwurf, der in diesem Bilde steckt, daß man allzu lang bequemem Idealismus angehangen habe, und daß es Zeit sei, der neuen Zeit angemessene neue Ziele auszustecken: Das war es, was den Haß erzeugte. Aufgeschreckte Denkfaulheit, die tobend nach Ruhe schrie."

Vielleicht wäre diese Machart besser angekommen? Ich weiß nicht.

Albert von Keller, Das Urteil des Paris, um 1891

Das zu Klinger und einem seiner Hauptwerke. Ursprünglich sollte dies mehr eine antike Bildergeschichte werden, aber wie es halt so kommt. Also kehren wir wenigstens zum Ende zur Ursprungsabsicht zurück und bringen nur das Bild von dem leider recht vergessenen Herrn Abel (am bekanntesten vielleicht noch sein „Klopstock im Elysium“ – wir werden es einfach an den Schluß hängen) und die dazugehörige Erzählung. Offen gestanden begann die ganze Idee mit diesem Bild, das mir zuvor unbekannt war.

Josef Abel, Andromache in Ohnmacht
etwa 1818, hier gefunden

Auf diesem Gemälde ist das Verhängnis schon weit fortgeschritten. Die Gattin Hektors fällt in Ohnmacht, nachvollziehbarerweise, so man genauer hinschaut.

Der Heerführer Agamemnon und der große Held Achill hatten sich verzankt, über eine weibliche Kriegsbeute, so daß Achill das Kämpfen verweigerte. Hektor, der Sohn des Priamus focht derart tapfer, es gelingt den Trojanern, die Achäer bis zu ihren Schiffen zurückzudrängen und Feuer an sie zu legen. Da gestattet es Achill seinem Vertrauten Patroklos, seine eigenen Rüstung anzulegen und gewissermaßen unter dem Schein, er sei es selbst, seine Gefolgsleute in die Schlacht zu führen. Die Trojaner unterliegen, aber Patroklos fällt von der Hand des Hektor, der glauben muß, Achill getötet zu haben.

Dieser greift nun selbst ein und tötet Hektor mit der Hilfe der Göttin Athene. Es ist überhaupt eine Art Stellvertreterkrieg, den die Götter hier führen. Achill schleift den Leichnam zwölf Tage um das Grab seines innig geliebten Patroklos. Apoll mildert das Grauen, so Homer im XXIV. Gesang seiner Ilias (in der Übersetzung von Johann Heinrich Voß):

Schnell, nachdem er ins Joch die hurtigen Rosse gespannet,
Hektor drauf zum Schleifen befestiget hinten am Sessel,
Zog er ihn dreimal ums Grab des Menötiaden Patroklos,
Ging dann zurück ins Gezelt, und ruhete; jenen verließ er
Dort im Staube gestreckt auf sein Antlitz. Aber Apollon
Schützte den schönen Leib vor Entstellungen, weil ihn des Mannes
Jammerte, selbst im Tod', und deckt' ihn ganz mit der Ägis
Goldenem Schirm, daß schleifend auch nicht er die Haut ihm verletzte.
Also frevelte jener im Zorn an dem göttlichen Hektor.

Endlich beauftragt Zeus die Göttin Thetis, die Mutter des Achill, ihren Sohn zur Vernunft zu bringen. König Priamos, der sich als Bittsteller nächtens ins Lager der Griechen schleicht, vermag ihn zu erweichen und erhält dessen Leichnam zur Bestattung.

Doch auch das Schicksal des Achill war längst beschlossen, noch einmal Herr Moritz:

„Auch war das Verhaͤngniß des Achilles nun nicht mehr weit entfernt; nachdem er noch einige ruhmvolle Thaten vollbracht, traf vom Apollo gelenkt, des Paris toͤdtlicher Pfeil ihm in die Ferſe, wo er allein verwundbar war. Um ſeine Waffen entſtand ein trauriger Streit; die Griechen ſprachen ſie dem Ulyſſes zu; woruͤber Ajax, welcher nach dem Achill der tapferſte unter den Griechen war, aus Mißmuth ſich ſelbſt entleibte.

Paris ward bald nachher vom Philoktet mit einem der Pfeile getoͤdtet, die in das Blut der Lernaͤiſchen Schlange getaucht, vom Herkules ihm hinterlaſſen waren. Auch war der Fall von Troja nun beſchloſſen, das nach ſo viel Blutver gießen, dennoch am Ende nicht mit Macht, ſondern mit Liſt erobert werden mußte.“

Keine schönen Geschichten sind dies, aber offenkundig inspirierende. Enden wollen wir mit diesen zwei Bildern. Noch vor dem versprochenen Klopstock ein Gemälde von Karl Friedrich Deckler - Hektor, sich von Andromache und Astyanax verabschiedend. Auch nach den übrigen Erzählungen über ihn war er wohl der nettere Kerl.

Carl Friedrich Deckler, 
vor 1918, hier gefunden


Josef Abel, Klopstock unter den Dichtern im Elysium,
zw. 1803 und 1807, hier gefunden

nachgetragen am 29. März

Montag, 22. Oktober 2018

Niobe oder über die Abgründe des Stolzes

Niobe, 1860/65, Zinkguss nach der römischen Kopie
einer Statue aus der Zeit um 330/20 v. Chr., Angaben hier gefunden 

Andere Städte der Umgebung haben dort, wo einmal das älteste Gedächtnis der Stadt war, eine Tiefgarage hineingegraben. Neustrelitz hat Götterbilder. Genauer, es haben sich - trotz aller Brüche der Zeiten - immer noch viele Erinnerungsbilder erhalten, die diesen Ort im Strom tiefer abendländischer Überlieferung halten. Eine Stärke, die man äußerlich nicht erwartet. Um das wohlüberlegte Pathos etwas zurückzunehmen.

Es ist mir bis jetzt rätselhaft geblieben, ob es einmal eine Art Bildprogramm für das alles gab, ich meine, im 19. Jahrhundert. Wenn ja, ist es eine Mischung aus erwartbaren und sehr abgründigen Dingen, wie bei der Gestalt der Niobe an der Auffahrt zum derzeit nicht vorhandenen Schloß. Karl Philipp Moritz beschreibt sie in seiner Götterlehre von 1791 in seiner liebenswürdig bündigen Art wie folgt:

„Mit dem Könige Amphion, der über Theben herrschte, war Niobe, die Tochter des Tantalus, vermählt; sie gebar dem Amphion sieben Söhne und sieben Töchter und spottete einst übermütig der Verehrung der Latona, welche nur einen Sohn und eine Tochter geboren.

Kaum waren die frevelnden Worte über ihre Lippen, so flogen schon die unsichtbaren Pfeile des Apollo und der Diana in der Luft. Mit dem nie verfehlenden Bogen tötete Apollo ihre sieben Söhne, und Diana mit furchtbarem Geschoß tötete ihre sieben Töchter. Auf einmal aller ihrer Kinder beraubt, ward Niobe, in Tränen aufgelöst, in einen Stein verwandelt, der auf dem Berge Sipylon, noch immer von Tränen träufelnd, ein Zeuge ihres ewigen Kummers ward.“

Es gibt bei den Alten die verbreitete Gewißheit, daß man sich vor den Göttern vor allem in Acht nehmen müsse. Aber wie kann ein Gott, der doch von Natur aus alles besitzt, auf Sterbliche eifersüchtig sein? Es ist wie bei den Märchen: Daß Dinge abgründig sind, macht nicht, daß wir sie weniger interessant finden, gar mögen. Wieso also Leto (lat. Latona) auf Niobes Anmaßung so maßlos reagiert, erschließt sich nicht sogleich. Allerdings, die Sache ist verwickelt. Leto ist eher eine Halbgöttin, die Tochter von Titanen, Zeus zeugt jedoch mit ihr zwei mächtige Götter, eben Diana (Artemis) und Apollon. Die wenig erbaute Zeusgattin Hera versucht noch mit allen Mitteln, sich dem entgegenzustellen, letztlich vergeblich, es wird buchstäblich eine schwere Geburt und ist eine Geschichte für sich. Leto war also schon mal sehr empfindlich, was ihren Status angeht. Und bei Niobe lag der Stolz gegen die Götter gewissermaßen in der Familie.

Uffizien, Florenz, Saal der Niobe

Jetzt müssen wir einfach ein wenig, nun ja, Ovid zumuten (in der Übersetzung von Voß).

Doch nicht warnte die Strafe der Volksgenossin Arachne,
Himmlischen nachzustehn, und in kleinerem Laute zu reden.
Vieles erhöhte den Mut. Doch weder die Kunst des Gemahles,
Noch ihr beider Geschlecht, und der Glanz des mächtigen Reiches,
Gab ihr solches Behagen, wie sehr auch alles behagte,
Als der Kinder Gedeihn. Glückseligste unter den Müttern,
Niobe, wärst du genannt, wenn du nicht es geschienen dir selber.
Denn des Tiresias' Tochter, die zukunftahnende Manto,
Ging durch die Gassen der Stadt, von göttlichem Geiste gereget,
Einst weissagend umher: Kommt, kommt, ismenische Weiber!
Bringt der Latona, und bringt den Zwillingen unsrer Latona,
Weihrauch dar mit Gebet; und fügt um die Haare den Lorbeer!
Solches gebeut Latona durch mich! – Man gehorcht; und es wandeln
Alle thebischen Frau'n, geschmückt mit befohlenem Laube,
Weihrauch heiligen Flammen, und bittende Worte, zu bringen.

Aber Niobe kommt im Gewühl des begleitenden Schwarmes,

Prangend in phrygischen Prunk der golddurchwirkten Gewande,
Und, wie der Zorn es gestattet, auch schön; und bewegend ihr stattlich
Angesicht mit den Locken, die jegliche Schulter umwallten,
Stand sie, und hoch die Augen umhergewendet voll Stolzes:

Welch ein Wahnsinn, rief sie, gehörete Götter gesehnen

Vorzuziehn! Was, wenn ihr Latona verehrt an Altären,
Fehlt noch meiner Gewalt der Weihrauch? Mich ja erzeugte
Tantalus, welcher allein zum Mahl der Unsterblichen einging;
Und mich gebar die Plejade Taygete, Tochter des Atlas,
Der den ätherischen Pol hoch trägt mit erhabenem Nacken!
Jupiters Sohn ist der Vater, und Jupiters Sohn der Gemahl auch!
Mir sind die Völker gebeugt in Phrygia; mir auch gehorchet
Kadmus' Burg; und die Mauern, gefügt von den Saiten Amphions,
Werden, und was sie bewohnt, von mir und dem Gatten verwaltet!
Welchem Teil des Palastes ich auch zuwende die Augen,
Unermeßliche Hab' erscheinet mir! Aber ich selber
Rag' als Göttin an Wuchs; und sieben Töchter umblühn mich,
Jünglinge ebensoviel, und bald auch Eidam' und Schnüre!
Fragt noch, aus was für Grunde der Niobe Stolz sich erhebet;
Und dann wagt, die von Coeus, ich weiß nicht welchem, entsproßne
Titanide Latona mit vorzuziehn, der die Erde,
Groß wie sie ist, den winzigen Raum zum Gebären versagt hat!
Himmel und Land und Gewässer verbanneten euere Göttin!
Flüchtlingin war sie der Welt! bis Delos endlich voll Mitleid:
Du durchirrest das Land, ihr zurief, ich das Gewässer:
Und unbefestigten Grund einräumte. Zweier Gebornen
Freute sie sich; das ist von unserem Segen ein Siebteil!
Selig bin ich; wer leugnet mir das? und selig beharr' ich:
Wer auch bezweifelt mir dies? Zur Sicherheit hebt mich der Reichtum!
Höher schau' ich herab, als wo Fortuna mir schade!
Ob sie auch vieles entreißt, weit mehreres wird sie mir lassen!
Schon stieg über die Furcht mir die Seligkeit! Denkt euch, gekürzet
Könne mir etwas sein von der Heerschar meiner Gebornen;
Doch nicht sänk' ich hinab zu der Doppelzahl der Latona,
Die mit dem sämtlichen Schwarm nur weniges mehr ist, denn fruchtlos!
Weit, o weit von dem Opfer entfernt; und dem Lorbeer des Hauptes
Niedergesenkt! – Sie senken; es bleibt unvollendet das Opfer;
Und sie flehn, wie man darf, mit leiserer Stimme zur Gottheit.


Agostino Steffani: „Niobe, regina di Tebe“
Philippe Jaroussky, hier gefunden

Niobe vergleicht sich also nicht nur mit Leto, zu deren Nachteil. Sie verhindert deren Verehrung und nimmt diese für sich in Anspruch. Ein wahrliches Meisterstück menschlicher Anmaßung, so daß der Absturz um so dramatischer ausfällt. Denn der Rest ist schnell erinnert. Leto ruft ihre beiden mächtigen Kinder auf, ihr Genugtuung zu verschaffen, am Ende erstarrt Niobe zu einem weinenden Stein. Den entsprechenden Schilderungen Ovids mag man dort folgen.

Die Figur von 1860, die bei uns steht, zeigt sie in dem Moment, wo sie in einer hilflosen Gebärde die letzte verbliebene Tochter vor dem Göttinnenzorn umsonst zu schützen sucht. Die Nachbildung eines „Originals“, das Teil einer Figurengruppe ist, die sich heute in den Uffizien von Florenz befindet, eine 1583 ausgegrabene römische Kopie eines hellenistischen Originals aus dem Tempel des Apollo Sosianus in Rom (Näheres hier).

Mehr Tradition geht eigentlich kaum noch (und eine sehr schöne dazu). Daß der Stoff die Phantasie vielfach angeregt hat, muß kaum erwähnt werden. Der Diplomat und Kleriker Agostino Steffani hat 1688 „Niobe, regina di Tebe“ komponiert,eine Oper mit einem offenkundig kruden Libretto, aber sehr ergreifender Musik, wovon das obige Stück zeugt. Das abschließende Bild ist vom heutigen Abend. Ich wollte eigentlich über etwas ganz anderes schreiben und nur schauen, ob die Arbeiten am Schloßgarten schon anzeigen, ob die damit verbundenen Hoffnungen berechtigt sind (wir werden sehen), aber nachdem ich mehr beiläufig ein paar Photos gemacht hatte, kam es am Ende hierzu. Vor 5 Jahren hatte ich schon einmal einen Versuch unternommen, den Kunstführer zu geben. Vielleicht kommt es zu einer Fortsetzung. An Statuen hat Neustrelitz glücklicherweise ja noch einiges. Aber was der Großherzog uns mit dieser Figur sagen wollte? Nun, fragen können wir ihn nicht mehr. Aber wir dürfen ja selbst ein wenig nachzudenken versuchen.


Donnerstag, 29. März 2012

Herr Voß nochmals


Homers Odüßee [Odyssee] übersetzt von Johann Heinrich Voß.
© Foto H.-P. Haack, hier gefunden

Hin und wieder erinnere ich an Johann Heinrich Voß (er starb am 29. März 1826), weil er ein verdienstvoller Mann war, vor allem als Übersetzer der Werke Homers und anderer antiker Autoren, und weil er dazu ein bedeutender Mecklenburger war. Das ist nun einmal die Landschaft, in der ich lebe, und wie bereits gelegentlich erwähnt, gibt es davon nicht so maßlos viele.

Es ist ein wenig schwierig, wenn man etwas von ihm bringen will. Die Stücke sind in der Regel sehr lang (selbst Auszüge, die in sich halbwegs abgeschlossen wären), und bei seinen eigenen Sachen, nun sagen wir es so: Bei einigen Autoren, die vor etwas mehr als 200 Jahren geschrieben haben, spürt man die trennende Zeit kaum, bei anderen schon. Leider gehört unser Mann meist zu den anderen.

Das nachfolgende Gedicht fand ich fast durchgehend ganz charmant, der Schluß ist ihm nach meinem Empfinden nicht recht gelungen, aber man sehe selbst.


Die Morgenheitre

Du kühle Morgenstunde,
Wie lächelst du so hold!
Du trägst im Rosenmunde
Der Weisheit lautres Gold.
Dein Wolkenkranz erblühet,
Von Purpurlicht durchglühet;
Der Nebel sinkt, wie Rauch gerollt.

Empor, o Wunder! tauchet
Die Sonn in rotem Strahl!
Schon glühn die Höhn; noch rauchet
Von Duft das krumme Tal.
Es taumeln froh und schweben
Die neuerwachten Leben
Durch Erd und Himmel allzumal.

Mein Geist auch strebt, gebadet
In dieser Strahlenflut,
Und schauert hochbegnadet
Mit Kraft und frischem Mut.
O reines Licht, durchläutre
Mich ganz mit deiner Heitre,
Zu schaun, was wahr ist, schön und gut!

Ich soll, wo Irrsal schattet,
Das Licht der Wahrheit streun;
Ich soll, was träg ermattet,
Zu Lebenskraft erneun;
Ich soll durch Red und Lieder
Zur Menschlichkeit die Brüder,
Zur freien Menschlichkeit sie weihn!

Mag Trug und Wahn auch häufen
Verfinsterung der Luft;
Bald fließt in Silberstreifen
Das Nachtgewölk wie Duft!
Nicht gab dir Gott vergebens
Den Geist des edlern Lebens!
Geh hin und leuchte, wo er ruft!

Wenn selbst der Freund verkennend
Sich weg vom Freunde neigt;
Bald straft, in Zorn entbrennend,
Bald dumpfen Groll verschweigt:
Doch gehe froh und trage
Die Fackel, bis es tage!
Der Nebel sinkt, die Sonne steigt!

Montag, 20. Februar 2012

Johann Heinrich Voß

John William Waterhouse
Echo and Narcissus

Nicht weit von hier, in Sommerstorf, wurde Johann Heinrich Voß am 20. Februar 1751 geboren, ein verdienstvoller Landsmann, an den ich gelegentlich erinnert habe, etwa hier. Vor allem hat er uns Deutschen die antike Dichtung nahegebracht (auch wenn uns seine Sprache heute mitunter etwas zu bieder und angestaubt erscheinen mag, wer weiß wie unsere den Nachfahren einmal erscheinen wird). Und wie ich schon gestern andeutete, gibt es Zeiten, zu denen man zwischen sich und der Gegenwart einen großen geistigen und also auch zeitlichen Abstand setzen möchte, soweit das vorübergehend geht. Also vernehmen wir ein Stück aus der berühmten traurigen Geschichte von Narziß und der Nymphe Echo, so wie sie uns Publius Ovidius Naso berichtet. Das ganze Kapitel findet sich an diesem Ort.

Narcissus und Echo

Und die Verachtete schlüpft in den Wald; ihr errötendes Antlitz
Deckt sie mit Laub, und lebt seitdem in einsamen Grotten.
Dennoch haftet die Lieb', und wächst von dem Schmerze der Weigrung.
Wachsame Sorge verzehrt den schwindenden Leib zum Erbarmen;
Ganz verschrumpft ihr die Haut vor Magerkeit; und es entfliegt ihr
Jeglicher Saft in die Luft; nur Laut und Gebeine sind übrig.
Tönend bleibet der Laut; das Gebein wird in Felsen verwandelt.
Immer noch lauscht sie im Wald', und nie auf dem Berge gesehen,
Wird sie von allen gehört; ein Nachhall lebet in jener.

So nun hatt' er die Echo, und so in Gebirge und Fluten
Andere Nymphen gehöhnt, und so der Jünglinge Sehnsucht.
Jetzo streckte die Händ' ein Verachteter flehend zum Äther,
Und: So lieb' er denn selbst! so werd' er nicht froh des Geliebten!
Betet' er. Beifall gab dem Gebet die rhamnusische Göttin.

Dort war ein lauterer Quell, mit silberhellem Gewässer,
Welchen nimmer ein Hirt, noch weidende Ziegen der Berghöh'n,
Angerührt, noch anderes Vieh; den nimmer ein Vogel
Oder ein Wild getrübt, noch ein abgefallener Baumzweig.
Ringsher grünete Gras, von der feuchtenden Welle genähret;
Rings verbot ein Gebüsch der wärmenden Sonne den Zugang.
Hier einst ruhte der Knabe, von Jagdlust müd' und Erhitzung,
Hingestreckt; ihn lockte der Quell und die Schöne der Gegend.
Während den Durst zu löschen er strebt, wächst anderer Durst nach.
Während er trinkt, von dem Bilde gesehener Reize bezaubert,
Lieber er nichtigen Trug; und Leib erscheint ihm der Schemen.
Selber staunt er sich an; unbewegt in einerlei Stellung
Haftet er, wie ein Gebild aus parischem Marmor gemeißelt.
Gierig schaut er, im Grase gelehnt, zwei Sterne, die Augen;
Schaut, wie wert des Lyäus, wie wert des Apollo das Haar sei,
Wie unmännlich die Wang', und wie schimmernd der Hals und die Anmut
Seines Gesichts, wie gesellt zur schneeigen Weiße die Röte;
Alles bewundert er selbst, was er selbst der Bewunderung darbeut.
Sich verlanget der Tor; und der Lobende ist der Gelobte.
Suchend wird er gesucht; und zugleich entflammt er und brennt er.
Oftmals naht' er umsonst dem täuschenden Borne mit Küssen;
Oftmals mitten hinein, den gesehenen Hals zu umfangen,
Taucht' er die Arm in die Quell' und haschte sich nicht in dem Quelle.
Was ihm erschein' unkundig, entlodert er von der Erscheinung;
Und derselbige Wahn, der sie anlockt, täuschet die Augen.
Was, Leichtgläubiger, fängst du umsonst ein entfliehendes Gleichnis?
Nirgend ist, was du begehrst; das Geliebte, wende dich! schwindet.
Was du erblickst, ist Schatten des widerstrahlenden Bildes.
Nichts hat jenes von sich; mit dir nur kommt es, und weilt es;
Auch entweicht es mit dir, wenn du zu entweichen vermöchtest.
Nicht der nährenden Kost, nicht kann die Sorge der Ruhe
Jenen von dort abziehen. Im dunkelen Grase gelagert,
Schaut er den trügenden Reiz mit unersättlichem Anblick,
Selbst von den eigenen Augen verzehrt...

Samstag, 20. Februar 2010

Ein wenig Bismarck & Johann Heinrich Voß



„Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes,
Welcher so weit geirrt, nach der heiligen Troja Zerstörung,
Vieler Menschen Städte gesehn, und Sitte gelernt hat,
Und auf dem Meere so viel' unnennbare Leiden erduldet,…“

So beginnt die Odyssee von Homer, genauer, so beginnt sie in der Übersetzung von Johann Heinrich Voß, der am 20. Februar 1751 geboren wurde und zu den nicht ganz so zahlreichen Mecklenburgern zählt, an die unbedingt zu erinnern ist.

Er war ein großer Übersetzer von Geist, Bildung und Witz. Die lebendige Art, in der er Homer und andere Autoren der Antike den Deutschen nahe gebracht hat, vermittelt soviel Bleibendes, daß er auch heute noch überaus lesbar ist. Das Biographische mag man hier nachschlagen, aber von seinen eigenen Werken wollen wir noch ein paar Stücke anbringen.



Zunächst etwas im deutlich entgegengesetzten Tonfall (entstanden 1794. Erstdruck in: Hamburger Musenalmanach für 1795):


Grabschrift unseres Haushahns

An diesem Baume ruht
Der Haushahn, treu und gut.
Er führt' ins achte Jahr
Der lieben Hennen Schar.
Als wackrer Ehemann,
Rührt' er kein Krümchen an,
Was wir ihm vorgebrockt,
Bis er die Fraun gelockt.
Nun strotzet er nicht mehr
Im Hofe stolz umher,
Und jagt aus seinem Ort
Des Nachbars Hühner fort.
Nun schützt er nicht vor Graun
In Sturm und Nacht die Fraun.
Nun wecket uns nicht früh
Sein helles Kikeri.
Vor Alter blind und taub,
Sank er zuletzt in Staub.
Sein Kamm, so schön und rot,
Hing nieder, bleich vom Tod.
Hier gruben wir ihn ein,
Wir Kinder, groß und klein,
Und sagten wehmutsvoll:
Du guter Hahn, schlaf wohl!



Er konnte aber auch sehr bissig sein, wie diese Epigramme zeigen:


Sprachanmerkung


Des Pöbels Einfalt hält Gemahl
Und Mann für einerlei;
Doch manche Dam hat ihren Herrn Gemahl
Und einen Mann dabei.


Würde und Wert

Mein Guter, zwischen Würd und Wert
Ist eine große Kluft.
Dein Ehrenamt nur wird geehrt;
Dich selber nennt man – Schuft.



Und berührend poetisch dieses Epigramm von 1787:


Grabschrift eines Knaben

Rötlich hing die Blüte; da hauchte sie leise der Tod an:
Und an des Himmels Strahl zeitiget schwellende Frucht.



Nur ein Wort zu den Bildern. Ja ich hatte am Sonnabend meinen kleinen Spaziergang mit Bismarck, diesmal durch die nähere Umgebung, fortgesetzt. Ich glaube, es tat seiner Würde keinen Abbruch.

Freitag, 20. Februar 2009

Leo XIII. & Variationen von Blau



Leo XIII., Joseph II., Johann Heinrich Voß, eigentlich mögen wir zu all diesen heute keine Gedanken haben. Obwohl ich gerade lernen konnte, daß dem ersten Stefan George ein bedeutsames Gedicht gewidmet hat, aber ich fürchte, meine Sympathie für George entschwindet gerade, und Joseph II.: Ich habe eine Ahnung, warum mir jemand (nicht irgend jemand) gestern schrieb, der sei der einzige, den er respektieren könne, nun heute ist der Respektierte schon tot, jedenfalls seit exakt 219 Jahren…

Verweilen wir doch wenigstens kurz in Sommerstorf bei Waren oder in einer meinem derzeitigen Ort benachbarten Kleinstadt namens Penzlin, deren andere Attraktion ein Hexenkeller darstellt, verweilen wir bei Johann Heinrich Voß, der am 20. Februar 1751 geboren wurde. Sein Geburtshaus, lese ich, ist heute das Wirtshaus „Zum Hufschmied“ mit „Tabak- und Pfeifendepot“, und er wird wohl nicht gar so bekannt sein, obwohl er zur überschaubaren Versammlung Mecklenburger Berühmtheiten zählt.

Er hat vor allem William Shakespeare, und mehr noch, Homer den Deutschen näher gebracht, was könnte man rühmenswerteres sagen (übrigens erfahren wir gerade, daß Voltaire Shakespeare nicht mochte, wir ahnten etwas dieser Art und fühlen uns befriedigt bestätigt), aber im Ernst, ein souveräner Mittler von etwas Wertvollem zu sein, das gibt ein Beispiel, vor dem jedes Widerstreben in die Knie geht.

Übrigens, falls jemand die Bilder hier gerade mag, es existieren bessere von verwandter Art, bei "unserem" Mitternachts-Gärtner nämlich, also passenderweise auch in Blau.