Samstag, 12. Februar 2011

Mittwoch, 9. Februar 2011

Für Nervenstarke



Mein kleiner Blog ist häufig doch recht monothematisch. Wie erfreulich daher, daß wir diese Monotonie einmal durchbrechen können: Ein junger Blogger und Künstler aus Cambridge, „Robjn“, über den ich demnächst unbedingt einmal etwas schreiben sollte, denn ich schätze ihn sehr (der etwas verwaist aussehende Blog täuscht, er ist ungeheuer produktiv, man sehe dort auf der linken Seite unter seinen Links nach, etwa hier), verschaffte mir den Zugang zu diesen beiden Videos. Ich habe früher einmal angedeutet, daß Höhenangst zu den Dingen gehört, die ich leider nur zu gut kenne. Daher brauchte ich ein wenig Selbstdisziplin, um beides bis zum Ende anzusehen. In dem oberen Video besteigen Arbeiter einen etwas höheren Funkturm, in dem unteren wandert oder besser klettert jemand auf einem halbzerstörten Weg an einem steilen Felsmassiv entlang. Wenn man das Grauen einmal überwunden hat, sind die Ausblicke überraschend schön.


Dienstag, 8. Februar 2011

Montag, 7. Februar 2011

Lese-Spuren



Ja, selbst ein solcher Blog hinterläßt Spuren. Ich war auf der Suche nach einem Kommentar, den die hochgeschätzte Bloggerin „Rosabella“ einmal hier geschrieben hatte und von dem ich wußte, daß ich ihn aus Verlegenheit nie beantwortet hatte. Und da das einige Zeit zurücklag, ging mir bei der Suche wieder einmal auf, wieviel Bemerkenswertes freundliche Menschen an diesem Ort hinterlassen. Ich sollte vielleicht einmal versuchen, einen Beitrag aus Kommentaren zu machen, denn oft ist man in dem entsprechenden Moment nicht entfernt in der Lage angemessen zu antworten.

Das brachte mich aber erst einmal auf eine andere Idee, nämlich eine kleine Reise durch einige meiner Lieblingsblogs zu unternehmen. Beginnen wir gleich bei der herzensfreundlichen „Rosabella“, die diesen wunderbar inspirierenden Ort von Schönheit und Poesie pflegt. Sie hat heute (dieser Beitrag wurde gestern begonnen, aber am heutigen Dienstag beendet) einfühlsam über Paula Modersohn-Becker geschrieben und dazu Rilke zitiert.

Johann Heinrich Füssli, Nachtmahr
1781, hier gefunden

Das erscheint nun in der Tat etwas unerfreulicher, aber Johann Heinrich Füssli, der Meister des Alptraums, wurde vor 270 Jahren, am 7. Februar 1741 geboren. Ich hatte kurz erwogen, etwas über ihn zu schreiben, doch Jay, der Autor des Qualitätsblogs „Silvae“ hatte das wieder einmal so unterhaltsam bewerkstelligt, daß ich diesen Gedanken sofort wieder fallenließ, nachdem ich seinen Beitrag gelesen hatte, nur ein Zitat: „Was er (Füssli) technisch nicht beherrscht, gleicht er durch Originalität aus.“



Das ist jetzt wieder etwas freundlicher und ein alter Sonnenuntergang von mir, ich meine natürlich ein älteres Photo davon, bestenfalls nett zu nennen, aber wenn ich einen Blog aufsuchen will, der mich seit Jahren mit guten Aufnahmen (überwiegend Garten- und Landschaftsbilder) überrascht, dann ist es etwa „Casa Coniglio“, geschrieben von Forest aus Albuquerque, wohin dieser nach einem Ausflug nach Kalifornien offensichtlich reuevoll zurückgekehrt ist. Er hat gerade eine kleine Serie von einem Sonnenuntergang dort gepostet.

Ein anderer wundervoll photographierter Blog stammt von dem Hawaiianer Arnold, der in San Diego lebt. Da ich ihn ein wenig näher kenne, erstaunt mich nicht nur, wie er in der Natur oder wo auch immer gefundene Dinge regelmäßig interessant und kenntnisreich beschreibt, sondern mehr noch, daß er die Energie besitzt, dies mit eiserner Disziplin täglich zu tun. Und so erfreulich wollen wir dies für heute auch enden lassen.

Sonntag, 6. Februar 2011

Sonntag &

roughly translated


Was für eine mühselige Gewohnheit ich mir da gebastelt habe, also gut. Einen kleinen Schweinekrustenbraten (auf Zwiebeln, Rosmarin, Thymian und Oregano, zur Sauce kam saure Sahne hinzu) hatten wir heute, mit Rosenkohl und einem Kartoffelgratin für mich. Da die Bilder nicht gar so aufregend daherkommen, habe ich noch ein Bild von der neuesten Erfindung meiner Frau Mutter dazugetan, ein Rhabarberkuchen.


What a wearisome habit I created here, anyway. A small roast pork with crust (on onions, rosemary, thyme and oregano, to the sauce was added some sour cream) we had today, with Brussels sprouts and potatoes au gratin for me. Since the images don’t appear that exciting, I added a picture of the latest invention of my mother, a rhubarb pie.

Samstag, 5. Februar 2011

Über Wind


John William Waterhouse
“Miranda - The Tempest”, 1916
hier gefunden

Wir hatten eine recht stürmische Nacht und es hielt fast den ganzen übrigen Tag so an, ich weiß, daran ist nichts Bemerkenswertes, das hatten viele. Mir fiel wieder ein, wie ich schon als Kind von Stürmen begeistert war. Denn dann lebte ich auf. Das mag seltsam erscheinen, aber ich hatte von Kindes Beinen an den Verdacht, die Welt um mich herum sei irgendwie falsch wie Pappmaché, trügerisch auf jeden Fall. Und bei einem starken Sturm verschwand dies, auch bei anderen Gelegenheiten, etwa einer strengen Frostnacht. Diese Art von Realitätseinbruch gab so etwas wie Zutrauen zur Wirklichkeit und machte die Welt wieder merkwürdig vertraut.

Es gibt Realitätseinbrüche unterschiedlichster Art, etwa auch einen durchstandenen Alptraum, der einem beim Erwachen schlagartig die Illusion der Normalität bewußtmacht, da er verstörend wahr war. Dann lieber einen Sturm. Ein Sturm löst uns etwas vom Alltag und zeigt, wie fragil dieser ist, er befreit auch, läßt einem an der Stimmung teilhaben, etwas von Bedeutung würde gerade geschehen. Wenn wir die Elementargewalten spüren, dann erleben wir die Dinge wieder in ihrer Ordnung und werden daran erinnert, all dies ist kein idyllischer Ort, nur vorübergehend vielleicht.

Man findet übrigens erstaunlich viel eher schlechte Gedichte auch von bekannteren Dichtern über Stürme, seltsam. Die nachfolgenden gehören nicht dazu (und das letzte ist gar keines darüber), ich hätte kürzlich etwas über Trakl und Hermann von Pückler-Muskau schreiben sollen, aber für Trakl war ich nicht in der Stimmung und über den Fürsten Pückler habe ich schon mehrfach versucht etwas zu schreiben, das Problem ist dabei, Gärten erschließen sich beim Erwandern, lassen sich aber furchtbar schlecht abbilden.



Annette von Droste-Hülshoff

Am Turme


Ich steh auf hohem Balkone am Turm,
Umstrichen vom schreienden Stare,
Und laß gleich einer Mänade den Sturm
Mir wühlen im flatternden Haare;
O wilder Geselle, o toller Fant,
Ich möchte dich kräftig umschlingen,
Und, Sehne an Sehne, zwei Schritte vom Rand
Auf Tod und Leben dann ringen!

Und drunten seh ich am Strand, so frisch
Wie spielende Doggen, die Wellen
Sich tummeln rings mit Geklaff und Gezisch,
Und glänzende Flocken schnellen.
Oh, springen möcht’ ich hinein alsbald,
Recht in die tobende Meute,
Und jagen durch den korallenen Wald
Das Wallroß, die lustige Beute!

Und drüben seh ich ein Wimpel wehn
So keck wie eine Standarte,
Seh auf und nieder den Kiel sich drehn
Von meiner luftigen Warte;
Oh, sitzen möcht’ ich im kämpfenden Schiff,
Das Steuerruder ergreifen,
Und zischend über das brandende Riff
Wie eine Seemöwe streifen.

Wär’ ich ein Jäger auf freier Flur,
Ein Stück nur von einem Soldaten,
Wär’ ich ein Mann doch mindestens nur,
So würde der Himmel mir raten;
Nun muß ich sitzen so fein und klar,
Gleich einem artigen Kinde,
Und darf nur heimlich lösen mein Haar,
Und lassen es flattern im Winde!


(c) Walter A. Aue

Heinrich Heine

Der Sturm spielt auf zum Tanze

Der Sturm spielt auf zum Tanze,
Er pfeift und saust und brüllt;
Heisa! wie springt das Schifflein!
Die Nacht ist lustig und wild.

Ein lebendes Wassergebirge
Bildet die tosende See;
Hier gähne ein schwarzer Abgrund,
Dort türmt es sich weiß in die Höh'.

Ein Fluchen, Erbrechen und Beten
Schallt aus der Kajüte heraus;
Ich halte mich fest am Mastbaum
Und wünsche: Wär ich zu Haus.

Buch der Lieder

"Secret Sadness" by roosterjoe, The Weather Underground
Dungeness, United Kingdom
hier gefunden

Theodor Storm

Meeresstrand

Ans Haff nun fliegt die Möwe,
Und Dämmerung bricht herein;
Über die feuchten Watten
Spiegelt der Abendschein

Graues Geflügel huschet
Neben dem Wasser her;
Wie Träume liegen die Inseln
Im Nebel auf dem Meer.

Ich höre des gärenden Schlammes
Geheimnisvollen Ton,
Einsames Vogelrufen -
So war es immer schon.

Noch einmal schauert leise
Und schweigt dann der Wind;
Vernehmlich werden die Stimmen,
Die über der Tiefe sind.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Mariä Lichtmeß

Ich habe hier schon mehrfach spekuliert, wann wir denn die Weihnachtszeit als beendet ansehen müssen. Nun, eine Möglichkeit wäre Mariä Lichtmeß. Herr Roloff hat diesen schönen Text dazu geschrieben, den ich nicht vorenthalten will. Und da der Wechsel der Zeiten als Grundton darin mitschwingt, habe ich vier Jahreszeitenbilder hinzugefügt.




2. Februar ist Mariä Lichtmess

Meine Augen haben deinen Heiland gesehen.

Vierzig Tage sind am 2. Februar seit dem Weihnachtsfest und der Geburt Jesu vergangen. Vierzig Tage galt eine Frau nach der Geburt eines Jungen als kultisch unrein. Erst wenn diese Frist verstrichen war, konnte das neugeborene Kind zum Tempel gebracht und dem Priester gezeigt werden, wie es das mosaische Gesetz vorschrieb. Darum endet auch erst an diesem Tag die Weihnachtszeit.

Bei dieser Gelegenheit, so berichtet es der Evangelist Lukas, begegnete Eltern und Kind Simeon. Das war ein alter, frommer Mann, dem der Heilige Geist verheißen hatte, er solle den Tod nicht erfahren, er habe denn zuvor den Gesalbten des Herrn gesehen. Nun nahm er das Jesuskind auf den Arm und sprach: „Herr, nun lässest du deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volks Israel.“

Drei Dinge treten in dieser Situation zusammen. Simeon erkennt unter den Vielen den Einen. Er hat über Jahre, vielleicht sein ganzes Leben damit verbracht darauf zu warten, dass der Welt ihr Erlöser geschenkt wird. Seinem Erkennen folgt unmittelbar das Bekenntnis. Er spricht aus, was auf der ganzen Erde und bei allen Völkern bekannt werden soll. Dann aber weist er auf einen Zusammenhang hin, durch den auch wir wiederum den Heiland der Welt erkennen sollen, denn er ist ein Licht.



Licht bewirkt den ganz besonderen Zauber der nun zu Ende gehenden Weihnachtszeit. Der Welt ist das Licht wieder geschenkt, die Tage werden länger, und sie werden heller. Die Zeit der bedrückenden Dunkelheit geht unweigerlich zu Ende, und niemand kann das verhindern. Diese Symbolik des Lichts hat den Menschen zu allen Zeiten Trost und Hoffnung gegeben, und in dieser Ordnung von streng abgezählten Tagen fanden sie Orientierung und Halt. Es begegnet uns darin ein ganz archaischer Lebensrhythmus, der uns eine Ahnung davon aufscheinen lässt, wie sehr wir Teil einer größeren Ordnung sind. Der Festkreis der Kirche verbindet sich mit der Ordnung der irdischen Zeit, er bildet den Lauf der Sonne ab, und hilft uns auch darin Zeichen zu sehen. Der Festkalender der Kirche soll uns in Einklang bringen mit dem Lauf des Lebens, mit seinem Werden und Vergehen.

Der 2. Februar ist ein Tag der Blickänderung, des Richtungswechsels. Letztmalig blicken die Menschen zurück in den dunklen Winter, in die lichtlose Zeit, um sich nun umzuwenden und nach dem Frühling zu schauen. Für das ganz praktische Leben hatten solche Tage darum auch eine ganz besondere Bedeutung. Mit Mariä Lichtmess endet für den Bauern die Winterruhe. Die Handwerker wiederum, die zu Michaelis, dem 29. September, damit begonnen hatten, auch bei Kerzenlicht zu arbeiten, löschten dieses nun wieder.



So wie die Sonne unaufhaltsam höher steigt und anhebt, die Natur wieder zu beleben, so macht sich nun auch der Messias auf seinen Weg. Die Menschen aller Zeiten haben so im Lauf der Gestirne eine Verheißung und ein Gleichnis für Gottes Plan von der Schöpfung und der Erlösung aller Dinge gesehen. Mit den Jahreszeiten, mit den Sternen, mit dem Lauf der Sonne und des Mondes zu leben, auf die Saat- und Erntezeiten zu achten können darum alles Formen sein, auf die Stimme des Schöpfers zu hören und ihm seinen Platz in unserem kleinen Leben einzuräumen.

Außerdem eröffnet sich dadurch ein Weg, in der Begegnung mit dem Vergänglichen und in der Erfahrung eigenen Vergehens das Unvergängliche zu suchen. Die Rhythmik der christlichen Feste, ihre Bezogenheit aufeinander und ihre Verwobenheit mit dem Lauf der Sterne und der Natur lassen uns, wenn wir sie aufmerksam mitvollziehen, spüren, daß Sinn und Ewigkeit in allen Dingen liegt.



Für uns Deutsche ist der Lichtmesstag aber auch noch dadurch von besonderer Bedeutung, weil der im Magdeburger Dom beigesetzte Otto der Große ihn zu seinem Krönungstag bestimmt hatte. Am 2. Februar 962 setzte ihm Papst Johannes XII. in Rom die Kaiserkrone aufs Haupt und vollendete damit die Erneuerung des Reiches.

Thomas Roloff