Sonntag, 7. April 2013

Quasimodogeniti

sort of translated




Beginnen wir mit der Dekoration und nähern uns dann langsam dem üblichen Anlaß dieses Beitrags. Da ich den heutigen Gottesdienst wieder einmal geschwänzt habe, muß ich erst einmal etwas Frömmigkeit nachholen. „Quasimodogeniti“ heißt dieser Sonntag, der erste nach Ostern, nach dem Eingangspsalm: „Quasi modo geniti infantes, halleluja, rationabile sine dolo lac concupiscite, halleluja.“

Auf Deutsch und etwas ausführlicher in den schönen Worten Luthers, damit der Zusammenhang deutlich wird: „So leget nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alles Afterreden, und seid begierig nach der vernünftigen, lautern Milch als die jetzt geborenen Kindlein, auf daß ihr durch dieselbe zunehmet, so ihr anders geschmeckt habt, daß der Herr freundlich ist,...“ (1. Petr 2,2a  bzw. 1 – 3). Nachdem Ostern der Tod in Jesus Christus überwunden wurde, dürfen wir uns als neugeboren ansehen und unser altes böses Wesen hinter uns lassen. Aber wie wir wissen, hängt es einem doch ständig noch irgendwie an, das alte Wesen. Es ist schwierig, so final eindeutig auf die richtige Seite zu geraten. Wie auch immer.


Die Osterdekoration sieht vermutlich vertraut aus, die Forsythienzweige am Strauß sind aufgeblüht, das ist neu. Zum Essen: Meine Frau Mutter wollte wieder einmal etwas Altvertrautes, also bekam sie ihre Schweinerouladen, die sie sich nach ihrem Gusto zubereitete. Ich habe das Rezept schon des öfteren beschrieben. Sie verstecken sich unter der zugehörigen Sauce in der großen Terrine; aber sie wurden gefunden, wie ich versichern kann.

Neu war mein Part: Beefsteaks, eingelegt in Öl, Balsamico-Essig, Rosmarin und einigen anderen Kräutern seit 2 Tagen, dann scharf angebraten und im Ofen bei mäßiger Temperatur unter Folie nach-gegart. Nette Idee, das Fleisch war recht mürbe und gar nicht trocken, aber zu viel an Essig hatte den Geschmack eher in Mitleidenschaft gezogen. Aber noch haben wir ja Zeit zu lernen, mutmaßlich. Dazu 2 Sorten Gurkensalat, die Variante, die nicht von mir stammte, bestand aus der Hinzufügung von Essig und Zucker, sehr traditionell. Außerdem in Butter geschmorte Mohrrüben, von mir sehr geschätzt.

Herr Händel war übrigens sehr hilfreich, u.a. mit einem Konzert für Orgel und Orchester. Er schafft es immer wieder, einen in einen angeregt angenehmen Zustand geistiger Nachlässigkeit zu versetzen, und das ist durchaus nicht zu verachten.



Let's start with the decorations slowly approaching the usual cause of this entry. Since I skipped today's service, again, I must first of all make up some piety. "Quasimodogeniti" is the name of this Sunday (if you’re  Lutheran), the first after Easter, after the entrance psalm. „Quasi modo geniti infantes, halleluja, rationabile sine dolo lac concupiscite, halleluja.“

With the verse before and after, so the context is more clear: “Wherefore laying aside all malice, and all guile, and hypocrisies, and envies, and all evil speakings, as newborn babes, desire the sincere milk of the word, that ye may grow thereby: If so be ye have tasted that the Lord is gracious.” (1 Peter 2.2a or 2.1 - 3). After Easter, in Jesus Christ death has been overcome; so we can consider ourselves newborn and let our old evil being behind us. But as we know, it’s still somehow clingy, the old nature. It is difficult for the capricious human soul to finally arrive on the right side and stay there. However.

The Easter decoration probably looks familiar, well, the forsythia branches are blooming, this is something new.  About the dishes: My mother wanted not so surprisingly a well-known dish again, so she got her pork rolls. I described the recipe on many occasions (here e.g.). They hide under the accompanying sauce in the large terrine, but they were found, I can assure.

New was my part: steaks, marinated in oil, balsamic vinegar, rosemary and some other herbs for 2 days, then seared in a pan and stewed at moderate temperature under tin foil in the oven. Nice idea, the meat was very tender and not dry, but the flavor suffered from too much of vinegar. But we still have plenty of time to learn, presumably. Then 2 types of cucumber salad, the variant that doesn’t came from me, consisted of adding vinegar and sugar, very traditional. In addition, carrots braised in butter, I greatly appreciated this.

Mr. Handel was very helpful by the way, inter alia with a concerto for organ and orchestra. He always manages to put a mind into a pleasant animated state of neglectfulness, and that's certainly nothing to sneeze at, so to speak.


Samstag, 6. April 2013

Über Geibel und die Umwege des Ruhms


John William Waterhouse: „Gone, But Not Forgotten“, 1873

Macht und Freiheit, Recht und Sitte,
Klarer Geist und scharfer Hieb
Zügeln dann aus starker Mitte
Jeder Selbstsucht wilden Trieb,
Und es mag am deutschen Wesen
Einmal noch die Welt genesen.

aus Emanuel Geibel: „Deutschlands Beruf“, 1861

Emanuel Geibel (gestorben am 6. April 1884 in Lübeck) hat mit seiner länger zurückliegenden Popularität immer noch Spuren hinterlassen, die meist kaum bewußt sind. Aus dem obigen Gedicht geistert der Schluß als schauerliches Zitatengespenst allzu oft durch die zeitgenössische Phrasenlandschaft (es ist im Ganzen nicht uninteressant, wie man hier nachlesen kann), aber sein Patriotismus ist in der Tat heute ziemlich aus der Zeit gefallen. Seine romantische Seite lebt bisweilen untergründig bekannt weiter („Der Mai ist gekommen“).

Herr Prof. Aue hat ihn übersetzt, und darum wollen wir ihn dann doch erwähnen, das Gedicht folgt im Anschluß. Vorher muß ich aber noch kurz erklären, warum dort oben ein Bild von John William Waterhouse auftaucht. Nun, er wurde am 6. April 1849 geboren und mir fiel ein, daß ich einmal etwas zu ihm geschrieben hatte, da ich ihn tatsächlich schätze. Übrigens scheint die Beschäftigung mit ihm etwas ungesund zu sein, die ersten beiden dort in meinem Beitrag erwähnten Links sind bereits dahingeschieden, nun ja. So gerät sogar dieses symbolisch, irgendwie.


Emanuel Geibel

Gute Stunde

Wie ward es tief in mir so stille!
Der Tage Wandeln rührt mich kaum.
Der Lärm der Zeit, der Menschen Wille
Geht mir vorüber wie ein Traum.
Doch drinnen ist es warm und helle,
Es lauscht die Seele ungestört
In sich hinein, daß sie die Welle
Des eignen Wohllauts fluten hört.

Als wie aus Flammen neu geboren,
So spielt das Herz mir frisch und rein:
Vergessen ist, was ich verloren,
Und, was ich liebte, dennoch mein.
Es hat der Jugend süß Gedenken
Sich wie ein Himmel aufgetan;
Und schön mit seiner Huld Geschenken
Erscheint der Gott und rührt mich an.


Emanuel Geibel

Blessed Hour

How silent is it now inside me!
The passing days forgotten seem.
When timelines scream and people chide me,
they slip by silent like a dream.
But inside's warmth is bright inviting:
my soul is list'ning undisturbed
unto itself, where my enlighting
own harmonies of sound are heard.

As if the flames had just released me,
my heart is pure and fresh its tone:
Forgotten is what once had seized me,
but what I loved is still my own.
The memory of youthful hours
has opened heavens wide and free;
and fair amidst His grace's flowers
the God appears and touches me.

nachgetragen am  8. April

Mittwoch, 3. April 2013

Von Eis, Jungen und Pferden





Nein, Strom und Bäche sind erkennbar noch nicht vom Eise befreit, aber da irgendwann zumeist doch das Hoffnungs-Glück grünt, wollen wir geduldig zuwarten oder es zumindest versuchen.

Bei den Bildern, gestern aufgenommen, gibt es eine lustige Geschichte zu den zwei Pferden, die dort eigentlich immer noch umherwandern bzw. eher stehen, nur eines der beiden ist im Bild zu sehen. Ein kleiner Junge mühte sich mit seinem Modellflugzeug ab, das ihm immer wieder zu schnell abstürzte. Das Reparieren ging nicht ohne Geräusch von statten und die Pferde liefen darauf  neugierig in seine Richtung. Sobald das Flugzeug aufstieg, liefen sie auch, nur schneller und in die andere Richtung. Das wiederholte sich, mehrfach. Kreaturen können doch unterhaltsam sein.







nachgetragen am 4. April

Dienstag, 2. April 2013

„Sei dennoch unverzagt!“


Raffael, Die Schule von Athen

Der 2. April ist ein merkwürdiger Tag im Kalender offenkundig, bei dem einen gewissermaßen gleich haufenweise die Gedanken anspringen, die sonst doch so gern eingebildet zurückbleiben. Aber man muß auch nicht unverzüglich aus allem ein lärmendes Geschwätz und Aufhebens machen. Es sei wie es sei.

Da ich letztens ein wenig über den Charakterunterschied der Zeiten nachzudenken Anlaß hatte, gibt es heute ein Gedicht ebendarüber, über die Zeit nämlich, am Ende, weil Paul Fleming am 2. April 1640 jung verstarb. Und ein anderes von ihm, das mit den schönen Worten beginnt „Sei dennoch unverzagt!“ und weiter „Was du noch hoffen kannst, das wird noch stets geboren“.

Aber zuvor etwas Gleim, denn Johann Wilhelm Ludwig Gleim wurde am 2. April 1719 geboren. Das 18. Jahrhundert ist auf eine gelegentlich leichtsinnige Art sehr charmant, aber oft auch ein eher flaches Gewässer. Vielleicht hatte man das Bedürfnis, sich von der erdschweren Ernsthaftigkeit vorangegangener Zeiten freizumachen, um dabei möglicherweise zu viel hinter sich zu lassen, aber ich wollte ja nur 3 Stücke Dichtung zitieren, also:

Johann Wilhelm Ludwig Gleim 

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Der Hirsch, der sich im Wasser sieht.

Ein Hirsch bewunderte sein prächtiges Geweih'
Im Spiegel einer klaren Quelle.
»Wie prächtig! auf derselben Stelle,
Wo Königskronen stehn, und wie so stolz, so frei!
Auch ist mein ganzer Leib vollkommen, nur allein
Die Beine nicht, die sollten stärker seyn!«

Und als er sie besieht, mit ernstlichem Gesicht,
Hört er im nahen Busch ein Jägerhorn erschallen,
Sieht eine Jagd von dem Gebirge fallen,
Erschrickt und flieht! Nun aber hilft ihm nicht
Das prächtige Geweih', dem nahen Tod entfliehn,
Nicht sein vollkommner Leib, die Beine retten ihn!
Die reißen, wie ein Pfeil, die prächtige Gestalt
Mit sich durch's weite Feld, und fliehen in den Wald!

Hier aber halten ihn, im vogelschnellen Lauf,
An starken Zweigen oft die vierzehn Enden auf.
Er reißt sich los, er flucht darauf;
Lobt seine Beine nun, und lernet noch im Fliehn,
Das Nützliche dem Schönen vorzuziehn.


gesprochen von Katharina Thalbach

Paul Fleming

An Sich!

Sei dennoch unverzagt! Gib dennoch unverloren!
Weich keinem Glücke nicht, steh höher als der Neid,
vergnüge dich an dir und acht es für kein Leid,
hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.

Was dich betrübt und labt, halt alles für erkohren;
nimm dein Verhängnüs an. Laß' alles unbereut.
Tu, was getan muß seyn, und eh man dir's gebeut.
Was du noch hoffen kannst, das wird noch stets geboren.

Was klagt, was lobt man doch? Sein Unglück und sein Glücke
ist ihm ein jeder selbst. Schau alle Sachen an:
dies alles ist in dir. Lass deinen eitlen Wahn,

und eh du fürder gehst, so geh in dich zurücke.
Wer sein selbst Meister ist und sich beherrschen kann,
dem ist die weite Welt und alles untertan.


Gedanken über der Zeit

Ihr lebet in der Zeit und kennt doch keine Zeit;
so wißt, ihr Menschen, nicht von und in was ihr seid.
Diß wißt ihr, daß ihr seid in einer Zeit geboren
und daß ihr werdet auch in einer Zeit verloren.
Was aber war die Zeit, die euch in sich gebracht?
Und was wird diese sein, die euch zu nichts mehr macht?
Die Zeit ist was und nichts, der Mensch in gleichem Falle,
doch was dasselbe was und nichts sei, zweifeln alle.
Die Zeit, die stirbt in sich und zeugt sich auch aus sich.
Diß kömmt aus mir und dir, von dem du bist und ich.
Der Mensch ist in der Zeit; sie ist in ihm ingleichen,
doch aber muß der Mensch, wenn sie noch bleibet, weichen.
Die Zeit ist, was ihr seid, und ihr seid, was die Zeit,
nur daß ihr wenger noch, als was die Zeit ist, seid.
Ach daß doch jene Zeit, die ohne Zeit ist, käme
und uns aus dieser Zeit in ihre Zeiten nähme,
und aus uns selbsten uns, daß wir gleich könten sein,
wie der itzt jener Zeit, die keine Zeit geht ein!

Montag, 1. April 2013

Oster - Montag



Ich denke, mein kleiner Nachtrag zum Ostersonntagsessen wird warten müssen, ich kann froh sein, wenn mir bei diesem hier nicht die Augen vor dem Beenden zufallen; es wird gerade nächtens geschrieben übrigens.

Der an diesem Platz bekannte Herr Roloff hat Ostermontag in St. Nikolai zu Potsdam gepredigt, darum hatte ich mich einmal erneut aufgerafft, dort hinzufahren. Und ich muß sagen, ich habe wieder gelernt, warum mir diese Kirche so nah geworden ist. Das ist natürlich auch der dortigen Gemeinde zu danken. Ein Ort, an dem man neben anderem eine Idee bekommen kann, wie sich eine wieder geeinte Kirche anfühlen könnte.

Herr Roloff als Gastprediger gab erneut seinen Beitrag dazu. Man muß dazu erklären, daß die nachfolgende Predigt, die er nahezu so auch gehalten hat, den ganzen Kirchenraum würdig und sehr ernst, vermahnend und nicht eben leise ausfüllte. Den für einen Ostermontag durchaus ansehnlich versammelten Andächtigen kroch die Zerknirschung sichtbar ins Gewissen. Aber da er die Möglichkeiten einer würdig lutherischen, genauer gesagt, kräftig gesungenen Liturgie (einschließlich von Evangelium und Vaterunser z.B.) ebenfalls vorstellte, gab es ein abmilderndes, nein nicht Gegengewicht, sondern das sich scheinbar Ausschließende fügte sich zusammen, und am Ende geriet alles in die rechte Ordnung. Das dazu.



Die Bilder sind erkennbar mäßig, oben St. Nikolai von außen, dann innen, tatsächlich erzeugen die Wandbilder der Apsis einen ungewohnt warmen wie zeitlosen Farbstrom, den ich so noch nirgendwo wiedergefunden habe.

Aber wir geraten ins Räsonieren. Mit dem Neubau des Schlosses habe ich heute wohl meinen Frieden gemacht, manchmal genügt eben schon eine Fassade, wir werden bescheiden. Es schloß sich übrigens ein sehr langer Spaziergang an, der erst im Krongut Bornstedt endete, über Friedenskirche, Schloß Sanssouci etc. etc.



Und mir ging wieder auf, wie schönheits- und geistesgesättigt Potsdam doch immer noch ist. Da kämpft der nicht nur ästhetisch sich frei gebende Geist eines Friedrich II. etwa mir den „spätrömischen“ Gegenantworten Friedrich Wilhelm IV.






Ein Stein gewordnener Kampf der Geister. Und bei diesem Mausoleum winkt sogar von sehr fern ein wenig Osgiliath. Doch es folgt endlich Herr Roloff:



Predigt zum Ostermontag 2013

Die Gnade und der Frieden unseres auferstandenen Herrn seien alle Zeit mit euch!

Liebe Gemeinde,

der Predigttext findet sich beim Propheten Jesaja im 25. Kapitel:
Jes 25, 8-9

Er wird den Tod verschlingen ewiglich; und der Herr, HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben alle Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat's gesagt. 
Zu der Zeit wird man sagen: Siehe, das ist unser Gott, auf den wir harren, und er wird uns helfen; das ist der HERR auf den wir harren, daß wir uns freuen und fröhlich seien in seinem Heil.

Liebe Gemeinde,

diese beiden Verse sind Bestandteil der großen Jesaja-Apokalypse. Bereits dadurch werden wir daran erinnert, dass die Osterereignisse, die wir feiern, eine apokalyptische Dimension haben.

Was aber ist eine Apokalypse? Wir haben es uns angewöhnt, darin die Verkündigung des Weltuntergangs, mindestens einer Zeitenwende zu sehen, wir erwarten ein Gericht und den Anbruch der Gottesherrschaft. Eine ganze Fülle von Schriften befasst sich mit dem Ende der Geschichte. Zweifellos hat die Apokalypse auch mit all dem zu tun. Erfasst das alles aber, was uns das Wort Apokalypse eigentlich sagen will?

Apokalypse meint ganz wörtlich die Entschleierung. Hier ist von einem Vorgang der Neubegegnung die Rede, weil etwas, das zuvor verschleiert und dadurch verborgen war, nun offenbar geworden ist.

In unserem Abschnitt des Jesajabuches ist zuvor von den Hüllen und Decken die Rede, durch die Nationen und Völker verhüllt und bedeckt sind. Gott selbst tritt nun aber heran, nimmt diese Trauerschleier, Hüllen und Decken fort und wischt die Tränen von allen Angesichtern ab.

Was für ein Gottesbild wird uns hier vorgestellt? Nicht Gott enthüllt sich, sondern er kommt als Tröster zu uns, enthüllt unsere Gesichter und wischt unsere Tränen von unseren Augen. Gerade darin aber offenbart auch er sich als der machtvolle Herr, der alle Schmach seines Volkes aufhebt. Der Beginn der Gottesherrschaft ist es, dass uns der Trauerschleier abgenommen wird und wir getröstet werden. Gott offenbart sich also gerade darin, dass er an uns handelt wie ein liebender Vater.

Wenn wir noch einen Moment der Bedeutung der Apokalypse nachgehen, dann werden wir vielleicht auch gewahr, dass der Tod insgesamt so etwas ist, wie eine scheinbar undurchdringliche Hülle, eine Mauer, die uns von Gott trennt. Wir können versuchen, den Tod als einen Schleier zu verstehen, der uns hindert, Gott zu sehen.

In der Apokalypse, wie Jesaja sie erwartet hat, soll dieser Schleier weggenommen werden, und Gott verschlingt den Tod ewiglich. Das allein schon ist eine gewaltige Hoffnung, weil sie aller Erfahrung widerspricht, und dennoch hat das Volk Israel diese Hoffnung bewahrt, wenn auch nicht ganz unbestritten. Immer gab es auch die Schule jüdischer Gelehrter, die die Auferstehung ganz ablehnte.

Mit Christus aber ist die Erfüllung aller Hoffnung in die Wirklichkeit getreten. Der Gott des Lebens wollte nicht mehr verborgen sein, und er hat sich unser ganz angenommen.

Die entscheidende und die ausdruckstärkste Apokalypse ist darum auch die des leeren Grabes. Das Grab steht offen, es ist nichts mehr da, was unseren Blick hindert. Die Apokalypse, die Enthüllung des Grabes, sagt unmissverständlich: Er hat den Tod verschlungen! Was Jesaja nur hoffen konnte und ahnend beschrieben hat, das sehen wir erfüllt, das Grab ist leer.

Das Mittelalter kannte noch den schönen Brauch, Passion und Ostern ähnlich sinnlich vorzuspielen, wie es uns noch mit der Weihnachtsgeschichte ganz vertraut ist. In vielen Kirchen gab es darum auch heilige Gräber, in die Christus am Karfreitag symbolisch bestattet wurde und die man am Ostermorgen den Gläubigen leer zeigte. In Gernrode im Harz ist am Karfreitag das älteste Heilige Grab nördlich der Alpen wieder eingeweiht worden. Wir können uns an dieser mittelalterlichen Frömmigkeit wieder deutlich werden lassen: Der Glaube fand seine Bekräftigung im Schauen des leeren Grabes.

Jesaja konnte nur hoffen und beschreibt die gewaltigen Umwälzungen, die er erahnt, freudig und dankbar. Es zeichnet die Jesaja-Apokalypse aus, dass sie nicht durch das Grauen geprägt ist, sondern durch das Glück, das die Endzeit bringt.

Nun ist mit Christus die Endzeit gleichsam in unsere Mitte und in die Zeit hineingetreten. Der Tod ist nicht mehr derselbe, seit Christus ihn erlitten hat. Die aus der Hoffnung erwachsene Freude, von der Jesaja spricht, sollte unvergleichlich sein zu der unseren, die wir auf das leere Grab schauen können.

Nun frage ich uns: Ist sie das? Geht wahrhaft überschwängliche Freude von der christlichen Kirche aus und entzündet die Menschen?

Wenn das nicht so ist, könnte es nicht an unserer Unentschiedenheit liegen? Der Glaube nämlich stellt uns immer vor ein Entweder-Oder von Selbstsicherheit oder Vertrauen auf Gott. Wir stehen im Glauben vor dem Entweder-Oder von auferstandenem Herrn und den Todes-Erfahrungen dieser Welt. Wir stehen immer vor dem Entweder-Oder von Wahrheit und Irrtum.

Darum gibt es auch keinen Mittelweg zwischen Auferstehungsglaube und dem Atheismus. Der Atheismus aller Zeiten war immer in seinem Kern eine Todessehnsucht, und der moderne Atheismus unserer Zeit ist dies in einer besonders aggressiven Form.

So wünschenswert es also ist, dass alle Menschen zum Glauben finden, darf uns diese Hoffnung nicht dazu verleiten, nur die Teile des Glaubens zu verkünden, die in der Gegenwart gerade gut ankommen. Der Auferstehungsglaube, unsere Sakramente, überhaupt die Stimme der Kirche in der Welt, sind nie nur eine Chance für die Menschen, sondern stets auch eine große Herausforderung. Darum muss der Glaube zwar immer auch in der Sprache und unter den Bedingungen der Gegenwart verkündet werden. Er muss aber vor allem in jeder Zeit überhaupt erst einmal behauptet werden. Das leere Grab ist das Zentrum dieses Glaubens. Es war für die Welt in allen Zeiten ein Ärgernis, uns aber ist es die Ursache unseres österlichen Jubels. Das Bekenntnis zum leeren Grab eint die Familie Christi.

Die Apokalypse des Jesaja mündet in ein großes Festmahl, zu dem der Herr alle Völker ruft und in dem er sie speist, versöhnt, tröstet und stärkt.

Als Christen dürfen wir im Heiligen Abendmahl schon ganz von dieser Gnade kosten, ihn erkennen, wie die Jünger von Emmaus ihn im Mahl erkannten und wirklich an unserem auferstandenen Herrn Anteil nehmen.

Johannes berichtet uns in seinem Evangelium, dass aus der durch den Landsknecht geöffneten Seite Jesu Wasser und Blut strömten. Immer hat die Kirche darin den Ursprung der beiden Grundsakramente erkannt. Bereits am Kreuz, in seinem Sterben erweist sich Jesus als der Lebendige, der sich an die Welt – an uns – verschenkt. Taufe und Abendmahl verschaffen uns eine unverschleierte und damit geradezu apokalyptische Gemeinschaft mit unserem Gott, den wir als Schöpfer der Welt verehren und der durch das Heilswerk seines Sohnes alles vollendet hat.

Kraft der unserer Kirche anvertrauten Autorität und in der Gemeinschaft mit den Zeugen aller Zeiten verkünde ich euch: Der Herr ist auferstanden.

Amen

Der Friede des Auferstandenen bleibe alle Zeit bei euch! Amen

Sonntag, 31. März 2013

Gesegnete Ostern!



Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Christus resurrexit! Resurrexit vere!

Christ is Risen! Truly He is Risen!









Ostersonntag - Nachtrag



Ostern ist kaum vorüber, was nicht ganz richtig ist, denn wir erfreuen uns jetzt laut Kirchenjahr der „Österlichen Freudenzeit“. Sie dauert fünfzig Tage (etwa, wenn man kreativ zählt) und endet mit Pfingsten (von griechisch „Pentekoste“, lateinisch „Quinquagesima“) als dem „fünfzigsten Tag“ nach Ostern. Im Grunde dauert Ostern also 50 Tage, man kann sich folglich getrost noch länger „Frohe Ostern“ wünschen. Es handelt sich ja auch um das Kernereignis des christlichen Glaubens. Aber Herr Roloff hat das am folgenden Montag hinreichend ausgeführt. Wir können uns also diesmal auf das Essen konzentrieren.



Damit wollte ich eigentlich beginnen, doch während ich den längst fälligen Essensbericht nachtragen will, stellen sich bereits Erinnerungslücken ein, das hat wohl mit der unausweichlich anwachsenden persönlichen Morbidität zu tun, wie auch immer. Es war eine Art Schulterbraten vom Schwein mit einer (nur verbrannt erscheinenden) Kräuterkruste, geschmort auf Butterschmalz und Zwiebeln und ebenfalls Kräutern (ich denke Thymian, Salbei und Rosmarin). Dazu Bohnen, gekocht mit Bohnenkraut (weil das semantisch so schön zusammenpaßt) und übergossen mit, womit wohl, Butter, brauner Butter diesmal. In den Bratenfond kam zur Verfertigung der Sauce noch ein wenig Balsamico-Essig und reichlich saure Sahne. Und weil Ostern war, gab es, große Überraschung, ein Dessert - Wildpreiselbeeren im Kartoffelnest. Ich glaube, ich habe nichts Unwesentliches ausgelassen.



Und da ich die Osterdekoration ebenfalls schon vorgestellt hatte, mag es mit diesen kargen Nachträgen sein Bewenden haben. Ich habe es mit dem Osterkitsch extra ein wenig übertrieben, da er so interessant mit dem Schneefall kontrastierte, der durch das geschlossene Fenster zu beobachten war. Ach, und passend zum sanften Fallen der Flocken lullte Lully mit seiner Musik ein. Was natürlich ein wenig gekalauert ist, denn sein Stil hat doch häufig eher etwas Auftrumpfendes, korrespondierend zu seinem Dienstherren Ludwig XIV. Die nachfolgende Interpretation mildert dies aber erfreulich ab.



Jean Baptiste Lully, "Atys", Overtüre

nachgetragen am 2. April