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Montag, 23. Juli 2018

Brockes - „Die Hummel fliegt mit Brummen hin und her“


Brockes, Barthold Heinrich

Irdisches Vergnügen in Gott

Die Hummel fliegt mit brummen hin und her;
Ihr Cörper ſcheinet in ſich ſchwer,
Als wenn er in der Luft ein kleiner Bär
Mit Flügeln wär.

Noch mehr: Man ſiehet offt an einer Roſen hangen
Faſt aller Edelſteine prangen,
Im Mayen-Käferchen vereint.
Sprecht, ob die ſpielenden Opalen
Veränderlicher ſtrahlen.


Wer muß ſich nicht recht inniglich ergetzen,
Und in der Luſt ſich nicht zugleich entſetzen,
Wann er das Heer der bunten Schmetterlinge
Beſieht, und ihren Putz erweget?

Es ſind wahrhaftig Wunder-Dinge
Den bunten Flügeln eingeprägt.
Man wird mit groſſem Rechte können
Sie fliegende lebendge Bluhmen nennen.



Man theilet ſie, nicht unrecht, insgemein
In Nacht-und Tage-Eulchen ein,
Die alle wunderlich formiret,
Die alle wunderlich gezieret:

Damit ſo gar des Nachts die Luft nicht leer
Von Göttlichen Geſchöpfen wär.
Man kann der Farben Unterſcheid,
Man kann der Bildung Nettigkeit,
Aus welcher ſie beſtehn,
So wenig, als die Zäſer*, zehlen.


*„Zäser“, niederdeutsch für „Käfer“

Barthold Heinrich Brockes (1680–1747): "Irdisches Vergnügen in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten" in neun Bänden, 1721 ff.
nachgetragen am 25. Juli

Freitag, 7. September 2012

See - Stücke III & die Wellen bei Brockes

(c) W. A. Aue

Barthold Heinrich Brockes
Irdisches Vergnügen in Gott

Betrachtung wallender Wasser-Wogen

Auf einem sichern Schiff, worauf ich mich befinde,
Betracht' ich jetzt die, durch die wilden Winde
Starck aufgebrachte Fluth, die sich gewaltig bäumet,
Entsetzlich wallet, braus't, und schäumet.
Die Wellen drohen sich einander zu verschlingen;
Die suchet jene zu bezwingen;
Dort sieht man Berge schnell sich neigen,
Dort tiefe Thäler plötzlich steigen.
Es wüthet, wühlt und wallt die Fluth. So weit wir sehn,
Sucht alles sich zu sencken, zu erhöhn.
Hier siehet man von unten dicke Wellen
Sich auf einmahl erheben, bäumen, schwellen.
Wenn nun in ihrer Fahrt ein' ander' ihr begegnet,
Sieht man sie sich so heftig drengen,
Daß sie, beschäumt, als wenn es regnet,
Rings um sich grosse Tropfen sprengen.
Hier wölben sich die regen Wogen,
Formiren umgekehrte Bogen;
Dann steigen graue Berg' allmählig in die Höh,
Mit weissem Schaum bedeckt, als wie mit Schnee.
Oft sincken sie, zerborsten, plötzlich nieder,
Oft heben sie sich schnell, und steigen plötzlich wieder.
Indem ich meine Blicke nun
Auf diesem Platz der Unruh liesse ruhn;
Entstunden, bey der Wellen Wancken,
Bey mir die folgenden Gedancken;

Wann aus der tiefen Fluth sich eine Well' erhebt,
Sich abgesondert, hoch zu steigen,
Vor andern schwülstig sich zu zeigen,
Oft sanft, oft ungestüm bestrebt,
Doch plötzlich sinckt, vergehet und verschwindet,
Und mit derselben Fluth, aus welcher sie entsprungen,
So bald sie von ihr eingeschlungen,
Sich wieder, wie zuvor, vermischt befindet;
So kömmt solch eine Welle mir
Als wie ein Bild von unserm Leben für.
Indem wir mit dem Stoff der Erden,
Aus welchem wir entstehen und bestehn,
Nachdem man uns hier kurtze Zeit gesehn,
Im Grabe wiederum vermischet werden.

Noch dacht' ich bey der Fluth und dem erblickten Strand:
Bestehet nicht das feste Land
Aus lauter kleinen Körnchen Sand?
So wie das tief' und weite Meer,
Aus einem grossen Tropfen-Heer?
Mir fällt bey diesem Dencken bey:
Ob nicht vor Gott die gantze Erde
Zum Sand-Korn, und das Meer zu einem Tropfen werde;
Ob beydes, gegen Gott, wohl mehr zu rechnen sey?

Ich habe eine Begabung, Bücher, die ich gerade brauche, vor mir zu verstecken. So erging es mir mit Barthold Heinrich Brockes, schlimmer noch, ich war der festen Überzeugung, Brockes, obwohl Hamburger, hätte nicht wirklich über das Meer geschrieben, was nicht stimmt. Der Herr Morgenländer, obwohl irgendwie Bremer, half meinem schwindenden Gedächtnis auf, es sei ihm gedankt. Beide Städte liegen nicht wirklich am Meer, aber fühlen sich dennoch als ob.

Tatsächlich hat unser erster großer und dazu frommer Natur-Lyriker das Meer mehrfach betrachtet (er ist hier schon gelegentlich aufgetaucht), ein anderes bedeutendes Gedicht ist schlicht zu lang für diesen Ort, man findet es im Ganzen dort, nur zwei Strophen seien zitiert:

Gottes Größe in den Wassern

Wie wunderbarlich weit, wie unbegreiflich groß,
Wie unergründlich tief ist doch des Meeres Schooß!
Wie dunckel ist sein Schlund! Wie flüssig und wie dichte
Die rege Wasser-Welt! Wie schwer ist das Gewichte
Des Wasser-Cörpers doch! Was ist dem weiten Reich
Der ungemeßnen Tief' an Weit' und Grösse gleich?
Mir schwindelt recht, wenn ich es überdencke,
Und in den finstern Pfuhl, in dieses Abgrunds Gruft
Den gantz erstaunten Geist, die bange Seele, sencke.
Mich schreckt von dieser schwartzen Kluft
Die unbegreifliche Gestalt: Der Fluthen Brausen
Erreg't mir, ob ichs gleich nicht hör', ein furchtbar Grausen.

...

Ach laß, o Grosses ALL, doch denen, so dieß lesen,
Nebst mir, Dein wunderbar allgegenwärtig's Wesen
Das uns, so wie das Meer ein Fischlein rund umschliesst,
Und in die Ewigkeit unendlich sich ergiesst,
Stets vor der Seelen Augen stehn!
Ach laß uns, da allhier des Cörpers Augen
Dein undurchdringlichs Licht nicht selbst zu schauen taugen,
Doch Deiner Allmacht Gröss' in Deinen Wundern sehn!
Es sey, o Grosser GOTT, insonderheit das Meer
Ein Prob-Stück Deiner Macht, ein Spiegel Deiner Ehr'!
Ach laß uns Geist und Blick auf Deine Wercke lencken,
Und oftermahl, wie Jesaias, dencken:
Er schilt das Meer, so fliehts von dannen,
Daß seine graue Tiefe braust,
Er misst die Wasser mit der Faust,
Er fasst den Himmel mit der Spannen.

Brockes ist ein wenig wie das Abendrot des Barock, er bewahrt den Charme dieser Dichtung und ihre Tiefsinnigkeit und bringt doch zugleich eine menschliche Wärme und Unmittelbarkeit dazu, die seinen vielfach mehr steifen Vorgängern zu oft nicht möglich war.

„So kömmt solch eine Welle mir / Als wie ein Bild von unserm Leben für.“

Die äußere Freundlichkeit, nein, nicht Gefälligkeit, täuscht leicht darüber hinweg, wie tief seine Betrachtungen reichen, die die Natur in ihm ausgelöst hat. So erblickt er in den Wogen des Meeres ein Bild des Lebens, seine Unbeständigkeit, Ortlosigkeit, die nur in Gott aufgehoben werden kann.

Das Bild der zerbrechenden Woge versteht der moderne Mensch wohl, um das andere vermag er ihn allenfalls zu beneiden.

Samstag, 5. Mai 2012

Über Nachtigallen


(c) insecta62, hier gefunden

Bevor die deutsche Literatur in den seichten Gewässern der Aufklärung strandete, gab es noch einmal jemanden wie Barthold Hinrich Brockes. Sein „Irdisches Vergnügen in Gott“ ist in der Tat ein Vergnügen zu lesen, aber darum soll es diesmal gar nicht unbedingt gehen. Der Herr Morgenländer hatte die Idee, warum auch immer, einen Zitate-Wettstreit über Nachtigallen zu veranstalten. Da fiel mir der Hamburger Senator ein. Das einzige Problem dabei, die hatten damals soviel Zeit oder auch innere Ausdauer, unsereiner bekommt ja schon unkontrollierbare Zuckungen am ganzen Körper, wenn ein Gedicht über mehr als eine halbe Seite geht. Ich habe es also leicht eingekürzt, den ganzen Text findet man hier.

Die Nachtigall, und derselben Wett-Streit gegen einander


Im Frühling rührte mir das Innerste der Seelen
Der Büsche Königinn, die holde Nachtigall,
Die, aus so enger Brust, und mit so kleiner Kälen,
Die größten Wälder füllt, durch ihren Wunder-Schall.
Derselben Fertigkeit, die Kunst, der Fleiß, die Stärcke,
Veränderung und Ton sind lauter Wunder-Wercke
Der wirckenden Natur, die solchen starcken Klang
In ein Paar Federchen, die kaum zu sehen, sencket,
Und einen das Gehör bezaubernden Gesang
In solche dünne Haut und zarten Schnabel schrencket.
Ihr Hälschen ist am Ton so unerschöpflich reich,
Daß sie tief, hoch, gelind' und starck auf einmahl singet.
Die kleine Gurgel lockt, schnarrt, zischt und pfeift zugleich,
Daß sie, wie Quellen, rauscht, wie helle Glocken, klinget.
Sie zwitschert, stimmt und schläg't mit solcher Anmuht an,
Mit solchem nach der Kunst gekräuselten Geschwirre;
Daß man darob erstaunt, und nicht begreiffen kann,
Ob sie nicht seuftzend lach', ob sie nicht lachend girre.
Ihr Stimmchen ziehet sich in einer holen Länge
Von unten in die Höh, fällt, steigt aufs neu' empor,
Und schweb't nach Maaß' und Zeit; bald drenget eine Menge
Verschied'ner Tön' aus ihr, als wie ein Strom, hervor,
Zuweilen seuftzet sie, und winselt, daß man meynet,
Sie werde sterben; aber bald
Erhebet sie, mit feuriger Gewalt,
Den reinen Ton aufs neu. Dann eben scheinet,
Es woll' ihr lieblich-scharfes Singen,
Als wie ein Pfeil, uns in die Seele dringen.

...

Es scheint so gar der Nam' allein
Ein Inbegriff der Frühlings-Lust zu seyn.
...
Daß in der meisten Hörer Augen
Sich ein geheim Vergnügen zeiget.

Sie dreht und dehnt den Schall, zerreisst und füg't ihn wieder;
Singt sanft, singt ungestüm, bald grob, bald klar und hell.
Kein Pfeil verfliegt so rasch, kein Blitz verstreicht so schnell,
Die Winde können nicht so streng' im Stürmen wehen,
Als ihre schmeichelnde verwunderliche Lieder,
Mit wirbelndem Geräusch, sich ändern, sich verdrehen.
Ein rollend Glucken quillt aus ihrer holen Brust;
Ein murmelnd Flöthen lab't der stillen Hörer Hertzen.
Doch dieß verdoppelt noch und mehrt die frohe Lust,
Wenn etwan ihrer zwo zugleich zusammen schertzen.
Die singt, wann jene ruft; wann diese lockt, singt jene,
Mit solch- anmuthigem bezaubernden Getöne;
Daß diese wiederum, aus Misgunst, als ergrimmt,
In einem andern Ton die schlancke Zunge stimmt.
...
Daß, so durchdringenden und heftigen Gesang,
Das menschliche Gehör kaum mächtig zu ertragen.

Wer nun so süssen Ton im frohen Frühling hör't,
Und nicht des Schöpfers Macht, voll Brunst und Andacht, ehrt,
Der Luft Beschaffenheit, das Wunder uns'rer Ohren,
Bewundernd nicht bedenckt; ist nur umsonst gebohren;
Und folglich nicht der Luft, nicht seiner Ohren, wehrt.

Samstag, 14. Mai 2011

Über Kunst & die Farbe Blau

„Blaues Bild“ © Reinhard Graefe

Fabel

Die Erde sahe jüngst der Lüfte schönes Blau,
Mit einem kleinen Neid, halb eifersüchtig an,
Und sprach: stoltzire nur, mit deinem blauen Licht,
So übermüthig nicht,
Weil ich so wohl, als du, dergleichen zeigen kann.
Schau mein Ultramarin; betrachte, wie der Pfau
Im blauen Schimmer prangt; schau den Sapphir. Vor allen
Kann ich dir der Gentianellen

Fast blendend Blau entgegen stellen.

Ihr voller Glantz muß dir,

Trotz deiner blauen Zier,

Noch mehr, als du dir selbst gefallen kannst, gefallen.

Die Luft nahm diesen Hohn für kein Verhöhnen an;
Vielmehr besahe sie, vergnügt und sonder Neid,

Von diesem schönen Frühlings-Kinde,
Das dem Sapphir fast gleiche Kleid,
Und lispelte darauf gelinde

Der Erde diese Worte zu:


Ich sehe deinen Schmuck nicht sonder Freuden.
Warum besiehest du
Den meinen nicht auf gleiche Weise?

Laß uns doch, ohn' uns zu beneiden,


Uns, da wir alle beyde schön,
Mit Freud' und Anmuth, Dem zum Preise,
Der unser aller Quell und Ursprung ist, besehn!
Laß uns vielmehr uns in die Wette schmücken;

Damit, wenn Geister uns erblicken,

Die mit Verstand begabt, durch ein erstaunt Entzücken,

Sie in uns beyden GOTT, die Quell des Lichts, erhöhn.

Denn, sonder Glantz und Strahl Desselben Sonnen-Lichts,
Sind wir, nicht nur nicht schön; wir sind ein wircklich Nichts.

Laß deine schöne blaue Bluhme

Denn künftig, zu des Schöpfers Ruhme,
In einem blauen Feuer blühen:

Ich will, wie vor, zu seiner Ehr',

Und zwar noch immer mehr und mehr,
In meinem blauen Schimmer glühen.

Barthold Heinrich Brockes
Irdisches Vergnügen in Gott

An Barthold Heinrich Brockes habe ich schon mehrfach erinnert, zuletzt hier, also hat es mich gefreut, daß er kürzlich (genauer gesagt am 12. Mai, ich muß dazu sagen, dies wird einer der viel versprochenen Nachträge, tatsächlich ist heute, da ich dies zu Ende schreibe, bereits der 23.) in einer Veranstaltung der hiesigen Kunstsammlung auftauchte („Die Farbe Blau in Lyrik und bildender Kunst“).

So reizvoll es wäre, auf dieses und die anderen Gedichte einzugehen (sie waren übrigens von Rilke; Trakl und Keller, und den Text des „Irdischen Vergnügens“ kann man dort finden), so entspann sich an dem Abend eine Grundsatzdiskussion über Kunst in der Moderne, und darüber wollte ich dann doch noch ein wenig etwas konzentrierter etwas loswerden, zumal ich weiß, daß einige der dort anwesend Gewesenen dies hier lesen. Allen voran Reinhard Graefe, der Maler, von dem das obige Bild stammt und der meine Gedanken furchtbar finden wird.

Übrigens war Brockes, zu Lebzeiten durchaus populär, wenige Zeit nach seinem Tod, er starb 1747, bald vergessen, der Zeitgeschmack hatte sich mit dem Siegeszug der Aufklärung völlig geändert. Und darum paßt er auch so sinnbildhaft, denn am Endpunkt dieser Veränderung stehen wir heute:

Kunst darf alles. Alles ist Kunst. Und so weiter. Das sind diese mittlerweile etwas schal gewordenen „Provokationen“ der nun auch schon in die Jahre gekommenen „Moderne“, die nur noch solange wirken als etwas von dem ursprünglichen Begriff der Kunst spürbar übriggeblieben ist. Wenn alles irgendwie Kunst ist, warum dann den Begriff nicht einfach seinlassen, wo er doch jede Bestimmtheit verloren hat. Ebenso kann man dann sagen, ich mache „Rumps“.

Das war ein wenig polemisch, aber in der Tat, wenn wir auf die Sprache der Moderne blicken, stoßen wir ständig auf eine Haltung des Dagegen, immer muß etwas entgrenzt, überschritten, gebrochen, in Frage gestellt werden. Bis zur „kreativen Zerstörung“. Was aber, wenn alles verschwunden ist, gegen das man da anrennt, und sei es, daß es zwar physisch als Artefakt noch vorhanden, aber als Maßstab ausgelöscht ist?

Und bald haben wir dann dieses Wieselwort von der „Autonomie der Kunst“, und das wären welche Gesetze, die sich die Kunst da gerade schafft? Gut, ein Künstler muß nicht Rechenschaft über seine Grundsätze ablegen, es genügt, wenn seine Werke seine Haltung bezeugen. Aber wenn da nichts mehr ist? Wenn Freiheit der Kunst meint, daß sie von jeder Bestimmtheit frei geworden ist, versackt sie im Morast des unförmig Banalen.

Aber machen wir noch einmal einen Umweg mit der Frage: Was und wozu ist Kunst? Das mögliche Wozu mag uns zu dem Was führen:

Horaz schreibt in seiner "Ars Poetica":
"Aút prodésse volúnt aut delectáre poétae / aút simul ét iucúnda et idónea dícere vítae"
„Entweder nützen oder erfreuen wollen die Dichter oder zugleich sowohl Angenehmes als auch Passendes sagen."
„Erfreuen und Nützen“, eine berühmte Formel in der es um das Verhältnis zwischen dem Schönen auf der einen und dem Wahren und Guten auf der anderen Seite geht (oder Sinnlichkeit zu Sittlichkeit, von Schönheit zur Erkenntnis).

In der Aufklärung war man der Meinung, die Künste hätten in angenehmer Weise Vernunft und Moral, überhaupt das Nützliche zu befördern. Das klingt für uns etwas platt, aber etwa bei Johann Georg Sulzer (Allgemeine Theorie der Schönen Künste) liest es sich interessanter als gedacht, ich zitiere etwas länger, den ganzen Artikel kann man dort finden:

„Der, welcher diesen Künsten zuerst den Namen der schönen Künste gegeben hat, scheint eingesehen zu haben, daß ihr Wesen in der Einwebung des Angenehmen in das Nützliche, oder in Verschönerung der Dinge bestehe, die durch gemeine Kunst erfunden worden. In der That läßt sich ihr Ursprung am natürlichsten aus dem Hang, Dinge, die wir täglich brauchen, zu verschönern, begreifen. Man hat Gebäude gehabt, die blos nützlich waren, und eine Sprache zum nothdürftigen Gebrauche, ehe man daran dachte, jene durch Ordnung und Symmetrie, diese durch Wohlklang angenehmer zu machen.

Also hat ein, feineren Seelen angebohrner Trieb zu sanften Empfindungen, alle Künste veranlasset. Der Hirte, der zuerst seinem Stok, oder Becher eine schöne Form gegeben, oder Zierrathen daran geschnitzt hat, ist der Erfinder der Bildhauerey; und der Wilde, dem ein glüklicheres Genie eingegeben hat seine Hütte ordentlich einzurichten und ein schikliches Verhältniß der Theile daran zu beobachten, hat die Baukunst erfunden. Der sich zuerst bemühet hat, das, was er zu erzählen hatte, mit Ordnung und Annehmlichkeit zu sagen, ist unter seinem Volke der Urheber der Beredsamkeit.

In dieser Verschönerung aller dem Menschen nothwendiger Dinge, und nicht in einer unbestimmten Nachahmung der Natur, wie so vielfältig gelehret wird, ist also auch das Wesen der schönen Künste zu suchen.“

wird in ein paar Stunden fertiggeschrieben
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Nun, das mit den paar Stunden war etwas untertrieben, aber das Weiterschreiben geschieht jetzt (oje worauf habe ich mich da eingelassen), aber nur Abschnitt für Abschnitt:

Dem ist widersprochen worden; Schiller etwa meinte, wer in einen „ästhetischen Zustand“ gerate, würde zu sich selbst befreit, bekäme einen Begriff seiner Möglichkeiten; er würde seine "Menschheit" zurückgewinnen, denn "...die Schönheit gibt schlechterdings kein einzelnes Resultat weder für den Verstand noch für den Willen, sie führt keinen einzelnen, weder intellektuellen noch moralischen Zweck aus, sie findet keine einzige Wahrheit, hilft uns keine einzige Pflicht erfüllen und ist, mit einem Worte, gleich ungeschickt, den Charakter zu gründen und den Kopf aufzuklären." (Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen)

Es ginge also um die Hebung des menschlichen Geistes im Allgemeinen, nicht um konkret Nützliches. Aber immerhin, der Mensch wird in seinem Mensch-Sein durch die Kunst bestärkt, das wäre doch auch nicht ganz wenig.



Wer Schinkel liebt, kennt dieses Bild und mag sich erinnern, an diesem Ort schon einmal Bilder eines nicht ausgeführten Entwurfs für ein Mausoleum für Königin Luise von ihm gesehen zu haben. Schinkel hatte dabei sehr genaue Vorstellungen von seinen Absichten:

"Man sollte sich in dieser Halle wohlbefinden, und jedem sollte sie zur Erbauung seines Gemüths offen stehen, – das wollte ich. Ein jeder sollte darin gestimmt werden, sich Bilder der Zukunft zu schaffen, durch welche sein Wesen erhöht, und er zum Streben nach Vollendung genöthigt würde."

Haben wir hier vielleicht unseren brauchbaren Begrifff von Kunst, der auf den ersten Blick dem Schiller‘schen so zu ähneln scheint?

Zumindest dürfen wir eines festhalten, wir finden bei Schinkel eine Kohärenz zwischen dem geäußerten Wollen und der Wirkung des von ihm Geschaffenen auf uns. Das ist nicht abzufordern, wie bereits erwähnt; nicht selten habe ich, nebenbei gesagt, den Eindruck, daß uns Künstler gern ein paar Brocken hinwerfen, um uns von ihren tatsächlichen Motiven abzulenken, bei dem einen könnte dies einfach Sprachlosigkeit sein, ein anderer mag sich genieren, vielleicht. Und dann mag es den Unterschied zwischen der Selbstreflexion und dem tatsächlichem Werk geben, das auch noch von uneingestandenen Voraussetzungen lebt. Wie auch immer.

Es gibt einen wunderbaren Satz bei Paulus, von dem her die Idee der natürlichen Theologie rührt:

„Denn was man von Gott weiß, ist ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart / damit daß Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen, so man des wahrnimmt, an den Werken, nämlich an der Schöpfung der Welt; also daß sie keine Entschuldigung haben / dieweil sie wußten, daß ein Gott ist, und haben ihn nicht gepriesen als einen Gott noch ihm gedankt, sondern sind in ihrem Dichten eitel geworden, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. / Da sie sich für Weise hielten, sind sie zu Narren geworden / und haben verwandelt die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in ein Bild gleich dem vergänglichen Menschen und der Vögel und der vierfüßigen und der kriechenden Tiere. / Darum hat sie auch Gott dahingegeben in ihrer Herzen Gelüste, in Unreinigkeit, zu schänden ihre eigenen Leiber an sich selbst.“
Römer 1,19ff

Wo ich dies zitiere, sehe ich einen anderen der vielen unfertigen Beiträge hier, der diesmal sogar überraschen könnte...

Paulus hatte mit Sicherheit seine Probleme, die zum Glück nur sehr teilweise die unseren sind. Aber da ich dies schreibe, stößt mir das „Uns“ sauer auf. Jeder Mensch neigt dazu, seine Umgebung, das Milieu, in dem er aufwächst, die Leute, über die er fast stolpert, deren Dichten, Treiben, Trachten erst einmal für „normal“ zu halten. Warum?

Wir dürfen nicht so tun, als ob unterschiedliche anthropologische Grund-Entscheidungen keine Auswirkungen hätten, denn dann wären diese und genauso wir selbst nicht ernst zu nehmen. Um es noch mal festzuhalten, ich sehe diesen „Konsens der Normalität“ nicht, auch, wenn das unhöflich erscheint.

Was dann? An der Gestalt Schinkels können wir zusehen, aus welcher Haltung Kunst entsteht. Selbstredend, nicht jeder muß wirken wollen wie er, und Haltung ist auch etwas, was sich der genauen Beschreibung eher entzieht, mehr spürbar wird, aber eben durchaus spürbar.

Und darum das Paulus-Zitat – die Welt ist lesbar! Der Mensch ist in eine auf Schönheit hin geordnete Welt hineingeschaffen. Von diesem Seins-Grund, der Quelle seiner Existenz kann er sich zu lösen suchen oder er kann aus ihr Leben wie Schönheit gewinnen. Wer Schönes schafft oder erkennt, gerät in Resonanz mit der Schönheit hinter den Dingen, dem Grund, aus dem diese Dinge sind.

Jede Kultur erhält sich durch Distinktionsfähigkeit, durch das Bemühen, sich über das Einfach-So-Sein erheben zu wollen, sie emanzipiert sich damit von ihren Bedingungen, sie transzendiert ihr geistiges Selbst, Verweigerung hier führt in den Sumpf des Asozialen!

Natürlich ist nicht die ganze Moderne Scharlatanerie, aber es gab vermutlich keine Zeit zuvor, wo es unter dem Etikett der Kunst soviel davon gab. Was ist ein Scharlatan? Nun jemand, der mutwillig ein Wissen über Dinge vortäuscht, über die er keines hat. Wenn es aber keine Maßstäbe mehr gibt, wie kann es dann noch Scharlatane geben?

Wann ist ein weißes Quadrat auf weißem Grund als Gemälde noch Kunst?

Die Aussage, Kunst entstehe im Betrachter, ist so originell wie vergleichbar: Naturgesetze entstünden durch Beobachtung. Wahr ist, sie werden beim Beobachten erkannt. Woher aber gewinnen wir den menschlichen Maßstab? Es gibt in der Kunst in diesem Sinne keine Gesetze, die für uns einfach einsehbar wären. Nun keine Gesetze, wohl aber Indizien. Diese muß man aber erst einmal als solche zu lesen verstehen.

Daß in der Art unterschiedlicher Sichtweisen etwas Subjektives liege, wird nur für den zum Problem, der glaubt, daß alles Subjektive wesentlich willkürlich sei. Der Einwand der Subjektivität wäre nur dann berechtigt, wenn das Subjektive von Natur her kontingent und darum nicht essentiell wäre. Es ist das Dilemma derjenigen, die nicht glauben können, daß der Grund allen Seins von verwandter Subjektivität ist.

Es gibt nicht nur Indizien, es gibt auch Regeln, bei deren Beachtung etwas Menschengemäßes entsteht. Das menschliche Auge gewinnt dem Zusammenwirken von Farben Bedeutungen ab, der Mensch erkennt in Dingen wie dem Goldenen Schnitt Harmonien. All dies korrespondiert mit dem Geistigen in uns, weil die Natur nicht geistlos ist. Daher das Paulus-Zitat.

Zurück zu Schinkel, wie ich bereits sagte, halte ich seine Haltung bei der uns beschäftigenden Frage für modellhaft. Um sie noch einmal näher zu beschreiben. Sie besteht in der Beachtung von Jahrhunderten von Kunstschaffen vor ihm, gründlicher Kenntnis, genauem Hinsehen, Respekt vor dem Überkommenen bei gleichzeitig größter innerer Freiheit in seiner Berücksichtigung, Ernsthaftigkeit, das Bemühen, einen Gedanken gültig Gestalt werden zu lassen. Nun mag man einwenden, wie kann dann jemand Kunst schaffen, der diese Traditionen nicht hat, sondern andere, weil er auf einer Südseeinsel lebt, oder gar keine, weil er unverschuldet wurzellos leben muß. Es geht um eine Haltung wie gesagt.

Ein Mensch, der behauptet, er würde sich völlig selbst erfinden, hat die Glaubwürdigkeit eines Münchhausens, der sich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf zieht.

Wie antwortet bei Brockes der Himmel:
„Denn, sonder Glantz und Strahl Desselben Sonnen-Lichts /
Sind wir, nicht nur nicht schön; wir sind ein wircklich Nichts.“

Es gibt einen innere Schönheit der Seins-Ordnung, wer Schönheit schafft, dringt in das Geheimnis der Schöpfung ein und wird mit ihr vertraut, die menschliche Anstrengung führt diese Schöpfung sogar fort.

Sulzer hatte mit seiner Idee, es ginge um die Verschönerung der Dinge also nicht ganz unrecht, nur die Motive waren etwas kurzgedacht. Kultur ist eine in langer Dauer Gestalt gewordene Anstrengung von Generationen, wir stehen auf diesen Sedimenten des Bemühen, und es ist ein Teil der notwendigen Ernsthaftigkeit, dies sehen zu wollen.

Es geht nicht darum, einer schlaffen Laune nachzugeben, zu der man sich womöglich erst noch mit etwa chemischen Hilfsmitteln aufkitzeln mußte. Am Ende steht ein gotischer Dom oder eine Trümmerwüste, auf der jemand dahintaumelt, womöglich im Wahn es sei eine Art Ausdruckstanz.

Einen Begriff von Kunst konnte ich also nicht liefern, nur Indizien für eine notwendige Haltung. Und dieser Beitrag mäandert nun schon so lang vor sich hin, daß wir ihn auch beenden wollen. Nur eines noch:

Wenn Ideen, über die Jahrhunderte nachdachten, wie Erhabenheit und Schönheit keinen Platz in der vertrockneten Semantik der Moderne haben - beraubt dieser spezifische Analphabetismus ein Buch darüber seines Wertes. Nun es macht es für manche unbrauchbar, aber ist das ein Problem für das Buch?

Wenn Schönheit und Erhabenheit oder gar die Seele keine empirische Bedeutung haben und darum philosophisch irrelevant sind, dann muß jemand, wenn er bestimmte geistige Entscheidungen getroffen hat (und er befindet sich damit dann zweifelsohne auch im Mainstream der Moderne), zwangsläufig so denken.

Aber es steht uns frei, dem zu widersprechen und ihm die Relevanz zu verweigern. Und damit breche ich dann ab.

Samstag, 17. April 2010

Über Blogs, Brockes & Kirschblüten


Samuel Barber - Adagio for Strings
hier gefunden

Barthold Hinrich Brockes

Kirschblüte bei der Nacht

Ich sahe mit betrachtendem Gemüte
jüngst einen Kirschbaum, welcher blühte,
in kühler Nacht beim Mondenschein;
ich glaubt, es könne nichts von größerer Weiße sein.
Es schien, als wär ein Schnee gefallen;
ein jeder, auch der kleinste Ast,
trug gleichsam eine rechte Last
von zierlich weißen runden Ballen.
Es ist kein Schwan so weiß, da nämlich jedes Blatt,
- indem daselbst des Mondes sanftes Licht
selbst durch die zarten Blätter bricht -
sogar den Schatten weiß und sonder Schwärze hat.
Unmöglich, dacht ich, kann auf Erden
was Weißres aufgefunden werden.
Indem ich nun bald hin, bald her
im Schatten dieses Baumes gehe,
sah ich von ungefähr
durch alle Blumen in die Höhe
und ward noch einen weißern Schein,
der tausendmal so weiß, der tausendmal so klar,
fast halb darob erstaunt, gewahr.
Der Blüte Schnee schien schwarz zu sein
bei diesem weißen Glanz. Es fiel mir ins Gesicht
von einem hellen Stern ein weißes Licht,
das mir recht in die Seele strahlte.
Wie sehr ich mich an Gott im Irdischen ergötze,
dacht ich, hat er dennoch weit größre Schätze.
Die größte Schönheit dieser Erden
kann mit der himmlischen doch nicht verglichen werden.

Ich glaube Herr Brockes ist ziemlich ursächlich mit daran schuld, daß Deutsche oft so ein sentimentales Verhältnis zur Natur haben. An ihn wurde ich erinnert, als ich heute die Seite einer lieben Bloggerin besuchte, die zum Glück wieder mit dem Schreiben begonnen hat. Sie schrieb von ihrem blühenden Kirschbaum, was mich überraschte, ich kann allenfalls das Bild eines kleinen blühenden Holzapfelbaums anbringen (will das morgen nachholen). Auf das obige Video hat mich kürzlich Prof. Aue aufmerksam gemacht. Und um dies einmal zu sagen, ich bin wirklich dankbar, wie sehr ich über dieses Medium in vielem profitiert habe.

Samstag, 16. Januar 2010

Brockes, Heym und noch einmal Böcklin



Barthold Hinrich Brockes

Gedanken bey dem Fall der Blätter im Herbst

In einem angenehmen Herbst, bey ganz entwölktem heiterm Wetter,
Indem ich im verdünnten Schatten, bald Blätter-loser Bäume, geh',
Und des so schön gefärbten Laubes annoch vorhandnen Rest beseh';
Befällt mich schnell ein sanfter Regen, von selbst herabgesunkner Blätter.

Ein reges Schweben füllt die Luft. Es zirkelt, schwärmt' und drehte sich
Ihr bunt, sanft abwärts sinkend Heer; doch selten im geraden Strich.
Es schien die Luft, sich zu bemühn, den Schmuck, der sie bisher gezieret,
So lang es möglich, zu behalten, und hindert' ihren schnellen Fall.
Hiedurch ward ihre leichte Last, im weiten Luft-Kreis überall,
In kleinen Zirkelchen bewegt, in sanften Wirbeln umgeführet,
Bevor ein jedes seinen Zweck, und seiner Mutter Schooß, berühret;
Um sie, bevor sie aufgelöst, und sich dem Sichtlichen entrücken,
Mit Decken, die weit schöner noch, als persianische, zu schmücken.

Ich hatte diesem sanften Sinken, der Blätter lieblichem Gewühl,
Und dem dadurch, in heitrer Luft, erregten angenehmen Spiel,
Der bunten Tropfen schwebendem, im lindem Fall formiertem, Drehn,
Mit offnem Aug', und ernstem Denken, nun eine Zeitlang zugesehn;
Als ihr von dem geliebten Baum freywilligs Scheiden (da durch Wind,
Durch Regen, durch den scharfen Nord, sie nicht herabgestreifet sind;
Nein, willig ihren Sitz verlassen, in ihren ungezwungnen Fällen)
Nach ernstem Denken, mich bewog, sie mir zum Bilde vorzustellen,
Von einem wohlgeführten Alter, und sanftem Sterben; Die hingegen,
Die, durch der Stürme strengen Hauch, durch scharfen Frost, durch schwehren Regen
Von ihren Zweigen abgestreift und abgerissen, kommen mir,
Wie Menschen, die durch Krieg und Brand und Stahl gewaltsam fallen, für.

Wie glücklich, dacht' ich, sind die Menschen, die den freywillgen Blättern gleichen,
Und, wenn sie ihres Lebens Ziel, in sanfter Ruh' und Fried', erreichen;
Der Ordnung der Natur zufolge, gelassen scheiden, und erbleichen!



Georg Heym

Träumerei in Hellblau

Alle Landschaften haben
Sich mit Blau gefüllt.
Alle Büsche und Bäume des Stromes,
Der weit in den Norden schwillt.

Blaue Länder der Wolken,
Weiße Segel dicht,
Die Gestade des Himmels in Fernen
Zergehen in Wind und Licht.

Wenn die Abende sinken
Und wir schlafen ein,
Gehen die Träume, die schönen,
Mit leichten Füßen herein.

Zymbeln lassen sie klingen
In den Händen licht.
Manche flüstern, und halten
Kerzen vor ihr Gesicht.



Das Gedicht eingangs stammt von Barthold Heinrich Brockes, gestorben am 16. Januar 1747 in Hamburg. Wenn man ihn kennt, dann als Verfasser des „Irdischen Vergnügens in Gott“, überwiegend eine lyrische Meditation über Gottes Schöpfung. Vor einem Jahr um diese Zeit habe ich etwas davon zitiert, und diese beiden Arien von Georg Friedrich Händel stehen deshalb hier, weil er neun Stücke daraus als „Deutsche Arien“ (HWV 202–210) vertont hat.



Georg Heym starb ebenfalls an einem 16. Januar, am 16. Januar 1912 in Berlin. Obwohl er zweifelsohne ein bedeutsamer expressionistischer Lyriker war, muß ich gestehen, ihn meist zu respektieren, aber nur mitunter zu mögen, dieses Gedicht von ihm ist sehr schön.


Arnold Böcklin, "Villa am Meer", 1878
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Und dann verschied auch noch Arnold Böcklin am 16. Januar 1901 in San Domenico bei Fiesole. Hier müßte ich eigentlich weiter ausholen. Aber ehe dieser Post aus allen Nähten gerät, kann ich mich gewissermaßen am eigenen Schopfe aus dem Sumpf ziehen und auf meine Bemerkungen verweisen, die ich vor etwas mehr als einem halben Jahr machte. Nur soviel, geht es nur mir so oder scheint sich das Gartenlauben-Bild tatsächlich mit der Schöpfung des Herrn Brockes gleichsam zu unterhalten.


Arnold Böcklin, "In der Gartenlaube",um 1891
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Freitag, 16. Januar 2009

Varia



Zu meinen merkwürdigeren jugendlichen Lektüreerinnerungen zählen die „Weltgeschichtlichen Betrachtungen“ Jawaharlal Nehrus, die er aus der Haft seiner Tochter, der späteren Premierministerin Indira Gandhi in Briefform sandte. Davon ist zwar keine besondere Anhänglichkeit an den Autor zurückgeblieben, aber ich wurde u.a. zum ersten Mal mit einem anderen Autor bekannt gemacht, nämlich Edward Gibbon und seiner „History of the Decline and Fall of the Roman Empire“, eines der folgenreicheren Geschichtswerke, ein Auszug befindet sich in meiner kleinen Hausbibliothek.

Daß ich nicht weiter verweile, hat seinen Grund darin, daß der Kalender uns heute nötigt, mindestens an 3 Namen zu erinnern. Gibbon starb übrigens am 16. Januar 1794.


"Betrachtung einer sonderbar schönen Winterlandschaft

Die ganze Landschaft sah daher verwunderlich,
Hell, prächtig, herrlich aus, zumal
Wie bei dem Untergang der niedre Sonnenstrahl
In, durch und an die klare Glätte fiel.

Es ist fast auf der Welt kein schöner Augenziel.
Der Glanz, den König’ oder Kaiser
An Kostbarkeiten zeigen können,
Sind nichts bei diesem Glanz zu rechnen, nicht zu nennen.
Ein Wald von Bergkristall voll diamantner Reiser
Sind überall zur Schau gestellt.
Ein dresdnisch grün Gewölb war jetzt die ganze Welt,
Weil nichts als spielende Brillanten,
Als schütternde, geschliffne Diamanten,
Soweit man sah, zu sehn.

Ich mußte hier jedoch der Menschen Meinung lachen,
Die so viel Prahlerei von Edelsteinen machen.
Wie leicht kann, dacht ich, die Natur
Juwelen überall bereiten!
Die Härte fehlet ja dem Eise nur,
So hat es alle Kostbarkeiten,
Pracht, Schimmer, Wasser, Feur und Schein
Und alle rare Seltenheiten,
Die im so hochgeschätzten Demant sein.
..."

Barthold Heinrich Brockes, gestorben am 16. Januar 1747 in Hamburg, Verfasser des „Irdischen Vergnügens in Gott“, aus dem das obige ein Stück darstellt, wäre ein anderer würdiger Erinnerungsgrund.


Aber wir eilen weiter und enden aus purer Sympathie bei Arnold Böcklin († 16. Januar 1901), eine der Fassungen seines wohl berühmtesten Gemäldes eröffnet den Eingang dieses Beitrags, den wir für heute dabei belassen wollen, da ich habe lernen müssen, daß ich übermüdet in der Regel anstrengenden Unsinn produziere.