Freitag, 18. Mai 2018

Was Schönheit ausmacht – Sir Roger Scruton II

Marcel Duchamp, Urinal "readymade", Photograph by Alfred Stieglitz

„Das Muster wurde vor fast einem Jahrhundert von dem französischen Künstler Marcel Duchamp geschaffen. Er signierte ein Pissoir mit der fiktiven Unterschrift R. Mutt und reichte es für eine Ausstellung ein (1917). Seine Geste war satirisch, gedacht, um die Welt der Kunst zu verspotten und den Snobismus, der mit ihr einhergeht.

Aber es wurde auf eine andere Weise interpretiert, er würde uns nämlich zeigen, daß alles Kunst sein kann.

1) Wie ein Licht, das an- und ausgeht.
2) Eine Dose Kot.
3) Oder sogar ein Haufen von Ziegelsteinen.

Nicht länger mehr hat Kunst einen heiligen Status, der uns zu einer höheren moralischen oder geistigen Ebene erhebt, sie ist nur eine menschliche Geste unter anderen, nicht bedeutungsvoller als ein Lachen oder Schrei.

‚Ich denke, sie machen sich über uns lustig. Es ist ein Haufen Ziegel!‘ (sagt eine Dame).

Kunst hat einst einen Kult aus Schönheit gemacht. Jetzt haben wir stattdessen einen Kult der Häßlichkeit. Da die Welt beunruhigend ist, sollte Kunst auch verstören.

Diejenigen, die Schönheit in der Kunst suchen, haben mit den modernen Realitäten nichts mehr gemein. Manchmal besteht die Absicht darin, uns zu schockieren. Aber was beim ersten Mal schockierend ist, wird langweilig und leer, wenn es wiederholt wird.

Das macht Kunst nunmehr zu einem ausgeklügelten Witz, der jedoch nicht mehr lustig ist, aber die Kritiker bekräftigen ihn weiter, aus Angst, sonst sagen zu müssen, der Kaiser habe gar keine Kleider an. Kreative Kunst wird nicht erzielt einfach dadurch, daß man eine Idee hat. Natürlich, Ideen können interessant und unterhaltsam sein, aber dies rechtfertigt noch nicht die Beschlagnahme des Begriffes "Kunst".

Wenn ein Kunstwerk nichts anderes als ein Einfall ist, kann jeder ein Künstler sein. Und jedes Objekt kann ein Kunstwerk sein. Es gibt nicht länger irgendein Verlangen nach Geschick, Geschmack oder Kreativität.“

Ein Gespräch

Moderator: „Was Sie auch versucht haben, so wie ich es verstehe, war, die Kunst als Objekt zu entwerten, einfach, indem Sie sagen, wenn ich behaupte, daß es ein Kunstwerk ist, dann ist es ein Kunstwerk.“

Duchamp: „Ja, das Wort Kunstwerk ist mir nicht so wichtig. Ich interessiere mich nicht für das Wort ‚Kunst‘, weil es so diskreditiert wurde.“

Moderator: „Aber tatsächlich haben Sie zur Diskreditierung absichtsvoll beigetragen.“
Duchamp: „Mit Absicht, ja! Ich möchte sie genauso loswerden in der Weise, wie viele Menschen heute Religion aufgegeben haben.“

Scruton kommentiert: „Die Leute akzeptierten Duchamps eigene Wertungen. Aber ich glaube, er ist nicht die Kunst losgeworden, sondern nur die Kreativität. Wie auch immer, Duchamps Arbeiten beeinflussen noch immer die Richtung der heutigen Kunst.“

Pieta, Michelangelo Buonarroti, hier gefunden

Ein anderes Gespräch: Eine Eiche - Michael Craig-Martin

„Der Künstler Michael Craig-Martin, der einige der jungen britischen Künstler unterrichtete, deren Werke die Kunstwelt beherrschen, folgte Duchamps Beispiel mit seinem eigenen wegweisenden Werk, das er ‚Ein Eichbaum‘ benannte. Dieses besteht aus einem Glas Wasser auf einem Regal mit einem Text, der erklärt, warum es ein Eichbaum ist.“

Scruton: „Als ich St. Peter zum ersten Mal betrat und mich mit Michelangelos Pieta konfrontiert sah, wurde das für mich zu einer verändernden Erfahrung. Mein Leben wurde dadurch verändert. Denken Sie, daß jemand die gleiche Erfahrung mit Duchamps Urinal oder Ihrem Eichbaum erleben könnte, der im Grunde eine ähnliche Sache ist?“

Michael Craig-Martin: „Ich weiß, als ich ein Teenager war und zum ersten Mal auf Duchamp stieß und zum ersten Mal auf die Ready-Mades, war ich absolut erstaunt. Ich denke nicht, daß Leute von einem Gefühl der Schönheit überwältigt werden, wenn sie das Urinal sehen, es soll nicht schön sein, aber das bedeutet nicht, daß es daran nichts gibt, das nicht die Vorstellungskraft fesseln könnte.

Und ich denke, daß die Phantasie gefangen zu nehmen, der Schlüssel zu dem ist, was ein Kunstwerk zu tun versucht. Duchamp fühlte, daß Kunst zu sehr an Techniken interessiert geworden war, zu interessiert an der äußeren Erscheinung. Er fühlte, daß sie intellektuell und moralisch korrupt geworden war.

Sein Beweggrund, ein Kunstwerk zu machen, das nicht zum System paßte, war nicht Zynismus, es war, um zu sagen, ich versuche, eine Kunst zu machen, die all die Dinge verleugnet, von denen die Leute sagen, Kunst müsse sie haben, weil ich versuche zu sagen Sie, daß die zentrale Frage der Kunst woanders liegt.“

Scruton: „Ich sehe den Punkt, daß die Dinge sich ändern mußten. Aber zu was wollte Duchamp sie ändern?“

Michael Craig-Martin: „Ich bin mir sicher, er hatte keine Ahnung, wie zentral das Ding war, über das er gestolpert ist - im Wesentlichen, daß ein Kunstwerk ein Kunstwerk ist, weil wir es als solches ansehen.“

"Ich denke auch, daß es wichtig ist zu sagen, daß der Begriff der Schönheit erweitert wurde. Ein Teil der Aufgabe des Künstlers besteht darin, jemanden dazu zu bewegen, etwas als schön anzusehen, von dem bisher noch niemand dachte es sei schön."

Scruton sarkastisch:  „Etwa wie eine Dose Scheiße?“

Michael Craig-Martin, lachend: "Nun, ich bin mir nicht sicher, ob es schön ist: Aber Sie sehen, wenn Sie ein Beispiel von etwas nehmen, das nicht versucht, schön zu erscheinen, wenn Sie Jeff Koons nehmen, Jeff Koons hat einige Dinge getan, die wirklich verblüffend schön sind."

Scruton: "Es sieht für mich so kitschig aus, Kitsch mit Zucker darauf."

Michael Craig-Martin: "Dies ist der Gegenstand seiner Arbeiten, nicht die Substanz seines Werks."

Scruton: "Was nutzt diese Kunst? Wozu verhilft sie Menschen?“

Michael Craig-Martin: "Ich denke, hoffentlich, diese Art von Kunst ermöglicht es Menschen, die Welt, in der sie leben, so zu sehen, daß sie ihnen mehr Bedeutung gibt. Es ist keine ideale Welt, irgendein anderer Ort, ein besserer Platz. Aber im Hier und Jetzt - in der Welt, in der sie sind, und in der sie versuchen zu leben - gelassener leben zu können, in der Welt, die ihnen gegeben ist."

Es ist mir gelungen, mich bisher mit Kommentaren zurückzuhalten. Aber mir fallen Begriffe auf, die ich vormerken will, „Substanz“, „schön“, ein gewisser Utilitarismus, Kunst mache die Existenz erträglicher indem sie sie gewissermaßen affirmiert. Immerhin eine Antwort. Übrigens muß ich um Nachsicht dafür bitten, daß ich nur den Kommentar des Films nachzeichne, nicht den Film als solchen, das erste ist schon mühsam genug. Eine Ausnahme: Mit den nächsten Bildern (und Worten natürlich) konterkariert Scruton ein wenig, nun ja, sagen wir sarkastisch, das eben Behauptete.

„Die Welt von heute zeigt uns also die Welt wie sie ist - das Hier und Jetzt mit all seinen Unvollkommenheiten. Aber ist das Ergebnis wirklich Kunst? Sicherlich wird etwas nicht zu einem Kunstwerk, nur weil es uns ein Stück Realität anbietet, Häßlichkeit eingeschlossen, und sich selbst Kunst nennt.“

„Kunst braucht Kreativität und Kreativität handelt vom Teil-Haben. Es ist ein Ruf an andere, die Welt so zu sehen, wie der Künstler sie sieht. Darum finden wir Schönheit in der naiven Kunst der Kinder. Kinder geben uns keine Ideen anstelle von kreativen Bildern, noch suhlen sie sich in Häßlichkeit.

Sie versuchen, die Welt so zu bestätigen, wie sie sie sehen, und zu teilen, was sie fühlen. Etwas von der reinen Freude des Kindes beim Erschaffen überlebt in jedem wahren Kunstwerk. Aber Kreativität ist nicht genug. Die Kunst des wahren Künstlers besteht darin, das Wirkliche im Lichte des Ideals zu zeigen und es so zu verwandeln.

David von Michelangelo, hier gefunden

Das ist es, was Michelangelo in seiner großartigen Darstellung des David gelang. Aber ein Betonabguß des David ist nicht im geringsten schön, denn es fehlt der wesentliche Bestandteil der Kreativität.

Diskussionen wie diese werden oft als gefährlich angesehen. In unserer demokratischen Kultur denken Menschen oft, es sei bedrohlich, den Geschmack einer anderen Person zu beurteilen.

Einige sind sogar durch die Vorstellung beleidigt, daß es einen Unterschied zwischen gutem und schlechtem Geschmack gäbe. Oder daß es zählt, worauf jemand sieht, was er liest oder hört. Aber das hilft niemandem. Es gibt Maßstäbe von Schönheit, die eine feste Grundlage in der menschlichen Natur haben und wir müssen nach ihnen suchen und sie in unser Leben einbringen.

Vielleicht haben die Menschen ihren Glauben an die Schönheit verloren, weil sie ihren Glauben an Ideale verloren haben. Alles, was es noch gibt, sind sie versucht zu denken, ist die Welt des Appetits. Es gibt keine anderen Werte als die nützlichen. Etwas hat einen Wert, wenn man es benutzen kann. Was der Nutzen von Schönheit?“

Oscar Wilde, 1889, hier gefunden

„Oscar Wilde schrieb: ‚Alle Kunst ist ganz und gar nutzlos.‘ Dem, der diese Bemerkung für einen Lobpreis hält. Für Wilde war Schönheit ein Wert, der höher steht als Nützlichkeit. Menschen brauchen nutzlose Dinge, genau so sehr, ja sogar mehr als Dinge mit einem Nutzen. Was ist der Gebrauchswert von

Liebe

Freundschaft

Verehrung.

Überhaupt keiner. Und dasselbe gilt für Schönheit. Unsere Konsumgesellschaft stellt den Nutzen an die erste Stelle, und Schönheit ist allenfalls ein Nebeneffekt. Und da Kunst nutzlos ist, ist es gleichgültig, was du liest, worauf du schaust, wem du zuhörst.

Wir werden belagert von Botschaften auf jeder Seite, angenehm erregend, verlockt vom Appetit, nie an etwas gerichtet, und das ist ein Grund, warum Schönheit aus unserer Welt verschwindet.

‚Dinge gewinnend und zurückgebend verschwenden wir unsere Kräfte,‘ schrieb Wordsworth. In unserer heutigen Kultur ist Werbung wichtiger als ein Werk der Kunst. Und Kunstwerke versuchen oft, unsere Aufmerksamkeit zu erregen, so wie es Werbung sucht, indem sie frech oder unverschämt ist. Zum Beispiel Damien Hurst - Aus Liebe zu Gott. Wie Werbung zielen die heutigen Kunstwerke darauf ab, eine Marke zu schaffen. Selbst wenn sie außer sich nichts zu verkaufen haben.

Kopf des David von Michelangelo, hier gefunden

wird fortgesetzt, 
nachgetragen am 21. Mai als Fortführung des gestrigen Beitrages

Über das Göttliche der Schönheit & das Verbrechen der modernen Architektur

Donnerstag, 17. Mai 2018

Was Schönheit ausmacht – Sir Roger Scruton


„Why Beauty Matters“  – Sir Roger Scruton

„Why Beauty Matters“ ist ein Film der BBC von 2009, den Roger Scruton geschrieben hat und durch den er selbst führt. Um gleich zu Beginn mit einem Bekenntnis peinlich aufzufallen: Ich weiß nicht, wie oft ich ihn schon gesehen habe, aber jedes Mal versetzen mich diese 59 Minuten in eine  gleichzeitig aufwühlende als auch getröstete Stimmung. Mit anderen Worten, ich gerate in einen Zustand der Andacht.

Ich hatte schon länger vor, diesen Film vorzustellen, bin aber immer wieder vor der Aufgabe zurückgeschreckt. Überraschend fand ich jetzt Hilfe durch Richard Cocks vom Blog „The Orthosphere“, wofür ich nochmals danken will. Nachdem ich dort etwas näher umherlas, bin ich gleichzeitig auch reichlich eingeschüchtert (Nicht nur kennt er Plato, er ist ausgerechnet auch noch Mathematiker).

Dieses Dilemma gedenke ich, wie folgt zu lösen, ich werde einfach eine fan-artige Nacherzählung des Films abliefern (sub conditione Jacobaea) – zu mehr bin ich sowieso nicht fähig. Schon gar nicht werde ich Scruton selbst zu würdigen versuchen. Er hat eine wundervolle Seite, von der ausgehend darf sich jeder gern an ihm abarbeiten. Und sollte ich zu sehr versucht sein, doch zu kommentieren, werde ich das optisch kenntlich machen. Man überspringe diese Passagen dann einfach.

Zum Film

Wäre der Film ein Buch, dürfte man ihn wohl eine anti-moderne Kampschrift nennen. Ein Kritiker des „Guardian“, ein britisches Blatt, das völlig unverdächtig ist, Symathien für eine konservative Weltsicht aufzubringen, schrieb auch prompt: Wenn er von Häßlichkeit spreche, meine er Dinge, die nicht seinem Geschmack entsprächen. Und er würde genau die Beispiele anbringen, die erwartbar wären - Tracey Emins Bett, eine Skulptur der Chapman Brüder und einige heruntergekommene Nachkriegsgebäude etwa.

Dann fällt der bezeichnende Satz: „There's a reason people don't think of the world as ‚intrinsically meaningful‘ any more: because it isn't.“ Es gäbe einen Grund, warum Menschen die Welt nicht mehr als in sich sinnvoll ansehen würden – sie sei es nicht.

Damit bestätigt er zwar indirekt Scrutons Diagnose, die Welt würde in die Häßlichkeit stolpern, weil sie das Gespür für Sinn verloren habe, aber belassen wir es dabei. 2 Bilder sollen allerdings illustrieren, für welche Schönheiten sich Sir Scruton nicht erwärmen konnte. Im Fall von Reading greifen wir etwas vor, aber es paßt gerade so gut:

„Ich wuchs in der Nähe von Reading auf, einer viktorianischen Stadt mit terrassierten Straßen und gotischen Kirchen, deren Charme von eleganten öffentlichen Gebäuden und freundlichen Hotels vervollständigt wurde. Aber in den 1960er Jahren begannen sich die Dinge zu ändern.

Hier in der Mitte wurden die angenehmen Straßen zerstört, um Platz für Büroblöcke, eine Bushaltestelle und Parkplätze zu schaffen, ohne dabei Schönheit auch nur in Erwägung zu ziehen.“

„View of Reading from Caversham by Joseph Farington, 1793“, 

„The site of the Reading Civic Offices within the Reading Civic Centre 
after completion of demolition“, hier gefunden

Und einen Blick auf Tracey Emins ungemachtes Bett, eine „Installation“, nominiert für den „Turner-Preis“ darf man gern hier werfen. 2002 kommentierte der zuständige Minister Kim Howells den Preis übrigens derart wohlwollend: "Wenn dies das Beste ist, was britische Künstler hervorbringen können, dann ist die britische Kunst verloren.“ Es sei kalter mechanischer, konzeptueller „Scheiß“, der besonders pathetisch sei und symptomatisch für einen Mangel an Überzeugung. Das klingt doch nicht so nett. Aber zum Glück verstehe ich von diesen Dingen nichts.

Zurück zu Sir Scruton und zum Anfang seines Films:

Hätte man bis 1930 gebildete Menschen befragt - so beginnt er - was das Ziel von Poesie, Kunst oder Musik sei, so hätten sie geantwortet „Schönheit“. Und hätten sie diese nach dem Sinn dessen gefragt, würden sie erfahren haben, daß Schönheit einen Wert an sich hat, so bedeutsam wie Wahrheit und Tugend. Dann, mit dem 20. Jahrhundert, hätte die Schönheit aufgehört, wichtig zu sein.

„Die Kunst zielte zunehmend darauf, zu verstören und moralische Tabus zu brechen. Es war nicht Schönheit, sondern Originalität, wie auch immer erreicht und gleichgültig zu welchem moralischen Preis, die die Preise gewann. Doch nicht nur die Kunst wurde zu einem Kult der Häßlichkeit, auch die Architektur wurde seelenlos und steril. Und nicht nur unsere physische Umgebung nahm eine häßliche Gestalt an. Unsere Sprache, unsere Musik und unser Benehmen wurden zunehmend lärmend, egozentrisch und beleidigend, als hätten Schönheit und guter Geschmack keinen Platz mehr in unserem Leben.“

Ein Wort sei groß geschrieben über all diese häßlichen Dinge, und dieses Wort sei "ich". Mein Gewinn, meine Begehrlichkeiten, meine Vergnügungen. Und die Kunst habe als Antwort darauf nichts anderes zu sagen außer: "Tu es!"

„Ich denke, wir verlieren die Schönheit und darin besteht gleichzeitig die Gefahr, daß wir den Sinn des Lebens verlieren.“

Soweit die Eingangsbemerkung, die in eine förmliche Vorstellung einmündet:

„Ich bin Roger Scruton, Philosoph und Schriftsteller. Mein Beruf ist es, Fragen zu stellen. Während der letzten Jahre habe ich Fragen über Schönheit gestellt. Schönheit liegt seit über zweitausend Jahren  im Zentrum unserer Zivilisation. Von ihren Anfängen im antiken Griechenland an hat die Philosophie über die Stellung der Schönheit in Kunst, Poesie, Musik, Architektur und Alltag reflektiert.

Philosophen haben argumentiert, daß durch das Streben nach Schönheit wir die Welt in eine Heimat umgestalten. Wir gelangten dazu, das geistige Wesen unserer eigenen Natur zu verstehen. Aber unsere Welt hat der Schönheit den Rücken zugekehrt. Und darum finden wir uns umgeben von Häßlichkeit und Entfremdung.

Ich möchte Sie davon überzeugen, daß Schönheit wichtig ist. Das ist nicht einfach nur eine subjektive Sache. Es ist ein universelles Bedürfnis menschlicher Wesen. Wenn wir dieses Bedürfnis ignorieren, befinden wir uns in einer geistigen Wüste. Ich möchte Ihnen einen Weg zeigen, der aus dieser Wüste herausführt. Es ist ein Weg nach Hause.“

Die großen Künstler der Vergangenheit wären sich dessen bewußt gewesen, daß das menschliche Leben voll von Chaos und Leiden sei. „Aber sie hatten ein Heilmittel dafür, und sein Name war Schönheit. Das schön erschaffene Werk der Kunst bringt Trost in Trauer und Bekräftigung im Glück.“

Die Verzückung der heiligen Theresa, Santa Maria della Vittoria, Rom
von Giovanni Lorenzo Bernini, hier gefunden

Es zeige, daß das menschliche Leben wertvoll ist. Vielen modernen Künstlern sei dieser heilige Auftrag lästig geworden. Die Zufälligkeit des modernen Lebens könne nicht erlöst werden durch Kunst. Stattdessen solle sie herausgestellt werden.

Darauf folgt als Exempel Marcel Duchamp mit seinem berühmt-berüchtigten Urinal.

Zu meinem Bedauern muß ich hier abbrechen. Offenbar läßt meine Wachheit gerade doch zu sehr nach, ich will es also morgen fortsetzen (tatsächlich haben wir schon die Nacht auf Pfingstmontag), aber wie eingangs erwähnt, alles unter dem Vorbehalt „sub conditione Jacobaea“ (Brief des Jakobus 4, 13 - 15 „Und nun ihr, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen, und wißt nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet. Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.“).

nachgetragen am 20. Mai

Mittwoch, 16. Mai 2018

Schloßkirche im Nebel


Als der Regen in die Welt sah, wurde sie still,
eine Spinnwebbrücke suchen die Gedanken zu bauen
entlang den überalten Sparren und Kanten,
an denen man sich reißen muß.

Wir arbeiten uns in die Erinnerung zurück...

Dienstag, 15. Mai 2018

Nikolai N. Dubowskoj

Nikolai N. Dubowskoj, „Beängstigende Ruhe“ / „Drohende Stille“
1890, hier gefunden

Ich mag Gewitter. Aber in der Zeit davor falle ich regelmäßig in eine Art von vegetativen Zustand. Vor einigen Tagen war es so, und bevor es möglicherweise heute wieder geschieht, noch schnell dieses Bild, das ich schon länger anbringen wollte, weil es eine Faszination hat, die selbst durch die sehr unterschiedlichen verfügbaren Wiedergaben hindurch spürbar wird.

Nikolai N. Dubowskoj war ein russischer Landschaftsmaler, geboren am 17. Dezember 1859 in Novocherkassk, gestorben am 28. Februar 1918 in Sankt Petersburg, an Herzversagen, was angesichts des Datums eher weniger überrascht. Sein bekanntestes Gemälde „Drohende Stille“ wäre 1890 von Zar Alexander III. für das Winterpalais angekauft worden, lese ich, was für dessen Geschmack spricht. Ich gestehe, es hat für mich etwas Erschreckendes, wie die Gestalt gewordene Verheißung eines Verhängnisses, das dann ja bekanntlich auch eingetreten ist. Also ein eher unidyllisches Bild über den Zustand vor einem Gewitter, das ja eher etwas Spannung Lösendes und Reinigendes hat. Das war bei dem Unwetter, welches mehr als 20 Jahre später folgte, auf grausame Weise im Gegenteil der Fall. Künstler verfügen oft über diese prophetischen Fähigkeiten, wohl weil die Macht des Unbewußten aus ihnen spricht. Wie auch immer.

Man schrecke nicht davor zurück, sich näher mit dem Maler zu beschäftigen, meist haben seine Bilder offenkundig eine bestechend lebendige Heiterkeit und meditative Ruhe, ein Beispiel dafür anschließend, aber man sehe selbst. Aufmerksam wurde ich auf ihn übrigens durch die verdienstvolle Twitterseite dieser jungen Dame – twitter.com/romepix – er war mir vorher völlig unbekannt.

Nikolai N. Dubowskoj, „Brechende Welle“, 1900

Montag, 14. Mai 2018

Montags - Bach


Johann Sebastian Bach, Choralkantate "Schmücke dich, O liebe Seele" 
BWV 654, hier gefunden

Mendelssohn-Bartholdy soll laut Robert Schumann über dieses Vorspiel von Bach zu dem oben genannten Choral mit dem "innigsten Ausdruck" gesagt haben: „wenn mir das Leben alles genommen hätte, dies Stück würde mich wieder trösten“. Andere sagen, es sei nicht Schönberg, sondern Ralph Vaughan Williams, der diese Orchestrierung geschaffen habe, das erscheint mir zwar plausibler, aber zum meinem Glück weiß ich von all diesen Dingen nichts.

Sonntag, 13. Mai 2018

Zum Sonntag Exaudi

Frauen am Grabe Christi und Himmelfahrt des Herrn,
sog. „Reidersche Tafel“, Elfenbein, Mailand oder Rom um 400 n. Chr.,
hier gefunden

Der Sonntag Exaudi steht zwischen der Himmelfahrt des Herrn und dem Ereignis von Pfingsten. Wie auch bei anderen Sonntagen im Kirchenjahr stammt der Name vom Einzugspsalm der lateinischen Liturgie, hier: „Exaudi, Domine, vocem meam, qua clamavi ad te; miserere mei, et exaudi me! ("Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe! Sei mir gnädig und erhöre mich!" Ps. 27,7).

Eine sehr schöne kurze Beschreibung von Exaudi fand ich unter www.daskirchenjahr.de:

"Der Sonntag ist schon deutlich auf Pfingsten bezogen dadurch, dass er die wartende Haltung der Gemeinde und damit ihre Abhängigkeit vom Heilswirken Gottes herausstreicht, und von daher eigentlich nicht mehr Bestandteil des Osterfestkreises, der mit Christi Himmelfahrt abschloss...

Der Sonntag Exaudi spiegelt die Spannung wider, in der die Jünger sich befanden, nachdem ihr Herr gen Himmel aufgefahren war. Sie wissen um die Verheißung des Geistes, haben ihn aber noch nicht erfahren. Sie leben in einer kaum erträglichen Spannung, denn das Vergangene hat nun keine Bedeutung mehr, und das Zukünftige hat keine Kraft. Die Gegenwart, in der sie machtlos sind, wird übermächtig und scheint sie zu fesseln. In diese Spannung hinein erklingt als Erinnerungsruf die Rede Jesu, in der er den Tröster, seinen Geist, verheißt."

Nachfolgend die Predigt, welche Herr Roloff heute in Magdeburg gehalten hat.

Chiesa di San Frediano (primo vescovo di Lucca): Mosaico (Sec. XIII)

Predigt zum Sonntag Exaudi in St. Nicolai Magdeburg

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

Hört den Predigttext zum heutigen Sonntag:

Die Verheißung eines neuen Bundes

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern machte, da ich sie bei der Hand nahm, daß ich sie aus Ägyptenland führte, welchen Bund sie nicht gehalten haben, und ich sie zwingen mußte, spricht der HERR; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel machen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben; und sie sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sein; 34 und wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: "Erkenne den HERRN", sondern sie sollen mich alle kennen, beide, klein und groß, spricht der HERR. Denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünden nimmermehr gedenken. 
Jer 31, 31-34

Amen

Liebe Gemeinde,

Siehe, es kommt die Zeit, spricht unser Gott. Jeremia verkündet, was unweigerlich und unaufhaltsam geschehen wird. Gott handelt!

Gott kündigt an, einen neuen Bund schließen zu wollen. Der Bund ist der zentrale Begriff des Alten Testaments. Gott besiegelte den Bund mit Noah durch das Leuchten des Regenbogens. Er machte seinen Bund mit Abraham und ließ ihn durch Isaak und Jakob zum Vater der Völker werden, und er schloss seinen Bund mit den Israeliten, die in Ägypten in der Sklaverei lebten. Er führte sie durch das Meer in die Freiheit. Gott bekräftigte seinen Bund dadurch, dass er seinem Volk am Sinai eine Rechtsordnung gab, indem er ihnen Kriegsglück schenkte und sie das Land besitzen ließ, das er ihnen verheißen hatte. Zuletzt weitete er seinen Bund auf die Dynastie Davids aus, die er zur Herrschaft über sein Volk erwählt hat, und verspricht ihr ein Königtum für alle Zeit.

Und dennoch will Gott nun einen neuen Bund, denn das Volk war seinem Bund nicht treu. Es wandte sich von ihm ab, ließ seine Gebote unbeachtet, sehnte sich in der Freiheit immer wieder in die Sklaverei zurück und auch die Könige sündigten schwer. Alles Zwingen führte nicht dazu, dass sich der Bund erfüllte, sein Ziel erreichte und Gottes Absicht durchgesetzt werden konnte.

Worin liegt aber die tiefste Absicht eines Bundes?

Wo Gott sich mit Menschen verbindet, da soll Verschiedenes zur ursprünglichen Einheit verbunden werden, da soll etwas Ganzes entstehen, da soll etwas heil werden – da begegnet dem Menschen das Heil.

Das ist nun keineswegs eine bloße Hypothese, diese Sehnsucht durchzieht und prägt die ganze Schöpfung. Goethe hat das in seinem Gedicht „Wiederfinden“ wunderbar zum Ausdruck gebracht:

Ist es möglich! Stern der Sterne, 
Drück ich wieder dich ans Herz! 
Ach, was ist die Nacht der Ferne 
Für ein Abgrund, für ein Schmerz.
Ja, du bist es! meiner Freuden 
Süßer, lieber Widerpart; 
Eingedenk vergangner Leiden, 
Schaudr ich vor der Gegenwart. 

Als die Welt im tiefsten Grunde 
Lag an Gottes ewger Brust, 
Ordnet' er die erste Stunde 
Mit erhabner Schöpfungslust, 
Und er sprach das Wort: Es werde! 
Da erklang ein schmerzlich Ach! 
Als das All mit Machtgebärde 
In die Wirklichkeiten brach. 

Auf tat sich das Licht: so trennte 
Scheu sich Finsternis von ihm, 
Und sogleich die Elemente 
Scheidend auseinanderfliehn. 
Rasch, in wilden, wüsten Träumen 
Jedes nach der Weite rang, 
Starr, in ungemeßnen Räumen, 
Ohne Sehnsucht, ohne Klang. 

Stumm war alles, still und öde, 
Einsam Gott zum ersten Mal! 
Da erschuf er Morgenröte, 
Die erbarmte sich der Qual; 
Sie entwickelte dem Trüben 
Ein erklingend Farbenspiel, 
Und nun konnte wieder lieben, 
Was erst auseinanderfiel. 

Und mit eiligem Bestreben 
Sucht sich, was sich angehört,
Und zu ungemeßnem Leben 
Ist Gefühl und Blick gekehrt. 
Sei's Ergreifen, sei es Raffen, 
Wenn es nur sich faßt und hält! 
Allah braucht nicht mehr zu schaffen, 
Wir erschaffen seine Welt. 

So, mit morgenroten Flügeln, 
Riß es mich an deinen Mund, 
Und die Nacht mit tausend Siegeln 
Kräftigt sternenhell den Bund. 
Beide sind wir auf der Erde 
Musterhaft in Freud und Qual, 
Und ein zweites Wort: Es werde! 
Trennt uns nicht zum zweitenmal.

In deutscher Sprache ist wohl nirgends schöner ausgedrückt, worin die weltbewegende Sehnsucht liegt, die die Schöpfung erfüllt. Das auseinanderstrebende Universum ächzt und seufzt und sucht die verloren gegangene ursprüngliche Einheit. Und Gott scheint es kaum anders gegangen zu sein.

Auch unter uns Menschen findet sich völlig naturgemäß diese dauernde drängende Sehnsucht, das Ganze wiederzufinden. So hoch wir den Menschen auch schätzen, wer wach und ehrlich mit sich umgeht, der wird überall gewahr, dass kein Mensch sich selbst genug ist. Er braucht immer und sucht lebenslang die Ergänzung. Er sucht den anderen Menschen, die Aufgabe oder Gott. Manchmal sucht er alles zugleich und manchmal, und das ist vielleicht das Charakteristikum der Moderne, spürt er nur noch das Drängen und das Ungenügen, weiß aber gar nicht mehr, wonach er suchen soll.

Wer es aber noch weiß, dem ist auch bewusst, dass wir Menschen immer die Lebensordnungen am höchsten achten, die wir unauflöslich und für das ganze Leben eingehen. Die Ehe und der Taufbund sind dafür die entsprechenden Formen. Das Leben kann nur in der Gemeinschaft bewahrt und weitergeschenkt werden, in der Gemeinschaft von Mann und Frau und in der Gemeinschaft mit Gott.

Und auch das sind keine Theorien. Jeder Mensch erlebt es, denn er hat immer Mutter und Vater, und er ist immer Geschöpf Gottes. Jeder Mensch begegnet diesen Tatsachen seiner Lebensgeschichte genauso real, wie das Volk Israel den Auszug aus der Knechtschaft in die Freiheit erlebt und immer wieder bekannt hat. Gott ist der Gott, der Israel aus Ägyptenland herausgeführt hat.

Darin hat Gott seinen Bund mit seinem Volk aufzurichten versucht. Er hat es aus der Knechtschaft in die Freiheit geführt, er hat ihm das Gesetz gegeben, er ist ihm selbst zum Richter und Führer geworden. Gott ist der Herr der Geschichte.

Der Mensch aber widersetzte sich mit seinem Willen den Absichten Gottes. Das Wiederfinden ursprünglicher Einheit misslang, solange Gott Gott und der Mensch Mensch blieb.

Darum kündigt Gott den neuen Bund an. Nicht mehr eine äußere Ordnung will er mit seinem Bund aufrichten, sondern eine innere Beziehung soll begründet werden. Jeremia offenbart hier etwas, was sich mit der Geburt Christi 500 Jahre später erfüllen wird. Gott schreibt sich dem Menschen ins Herz, indem er selbst Mensch wird. Christus ist das Gesetz, das dem Menschen ins Herz geschrieben wird. In Christus steht Gott der Schöpfung nicht mehr gegenüber, sondern er wird Teil seiner eigenen Schöpfung und versöhnt die Welt mit sich selbst.

Tritt nun aber tatsächlich ein neuer Bund an die Seite des alten? Es schleicht sich ein gefährliches Missverstehen ein, wenn augenblicklich nicht selten so getan wird, als gäbe es eine Treue Gottes zum Alten Bund, durch die ein zweiter Weg zum Heil eröffnet würde.

Wir glauben und bekennen aber unaufgebbar: Jesus Christus ist das eine Wort Gottes, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Wort Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.

Christus ist die Erfüllung des Gesetzes. Er führt uns aus der Knechtschaft des Todes in das Land der Lebendigen. Er bekräftigt den Regenbogen als Zeichen für den ewigen Bestand der Schöpfung, denn durch sein Menschsein hat Gott das Menschsein in sein Gottsein hineingenommen und erhoben. Christus ist uns auch zum ewigen König aus dem Hause Davids geworden. Im Neuen Bund hat Gott den Alten Bund erfüllt. Allein in Christus, dem Sohne Mariens, hat der Alte Bund durch seine Erfüllung Bestand.

So sollen wir ihn alle erkennen, den Herrn aller Herren, den König aller Könige, unseren Gott und Erlöser. In ihm ist uns das Heil geworden und in seinem Lichte sehen wir das Licht. Er wird ausgießen seinen Geist. Er regiert seine Kirche, die uns das sichtbare und mächtige Zeichen des neuen und ewigen Bundes ist. In der Gemeinschaft dieser Kirche dürfen wir ihn allezeit bitten: Dein hoher Segen auf uns komm.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unsern Herrn.

Amen

Thomas Roloff


J. S. Bach:  Wo Gott der Herr nicht bei uns hält (BWV 178)

Sonntag, 11. März 2018

Sonntags


Jonathan Pageau - Sacred Art in Secular Terms

Ich hatte gestern mit einem einsichtsvollen Besucher eine Differenz. Nun dazu sind Unterhaltungen da, es sei denn, man ist auf Gleichförmigkeit aus. Aber darüber reden wir nicht an einem Sonntag. Kitsch war das Thema. Daß religiöse Kunst oft so unerträglich sein könne, seit etwa 200 Jahren, davor gab es das nicht, meinte ich. Und um es hier zu wiederholen, das Phänomen ist schwer einzugrenzen, aber man fühlt es, es ist ein falsches Gefühl. Nun sind gefühlte Wahrheiten gegenwärtig aus konkreten Gründen als Quelle der Einsicht fast verbrannt... Genug davon.

Jonathan Pageau hatte eine existentielle Krise als Künstler, ein Aufenthalt in Afrika, eher aber die Begegnung mit der Theologie der östlichen Kirchenväter heilten ihn davon, auch bewahrte ihn letzteres vor der Versuchung, anschließend Ethno-Kitsch zu produzieren. Und so wurde er ein orthodoxer Christ in Quebec, Kanada (der Protestantismus wurde ihm zu flach), und später ein Freund der neuesten prophetischen Gestalt, der er daher einiges über den “Logos” zu erzählen vermochte, von der wir diesmal aber schweigen wollen (ja, Peterson, obwohl ich den je mehr je länger zu respektieren gelernt habe, etwas widerwillig zugegebenermaßen).

Nun, in obigem Video ist der Icon-Carver eher ungnädig gegenüber eingeschnürten metallischen Luftballons oder zerfließenden Blutskulpturen, aber immerhin zeigt er nicht einmal vorrangig sein Eigenes, sondern erwähnt Künstler einer modernen christlichen Kunst wie einen Silouan Justiniano, die erstaunlicherweise völlig authentisch erscheinen.

Es gibt eine hübsche Geschichte am Ende, wo er, von seinem Bischof aufgefordert, die Hl. Jungfrau schnitzt, und ein Serbe sagte, ihm, jetzt sieht sie wie eine Drogensüchtige aus... Am Ende aber, als er das Werk vorzeigte, schlug der Bischof das Kreuz und neigte sich zuvor. Es war einfach richtig. Und er räsoniert darüber, wie Kunst weniger als Kunst und zugleich mehr sein könne. Sie öffne dienstbar einen Raum, der wirklich sei und heilig.

Keine Wolkenstufen ins Ungefähre also.

Er sollte etwas mit seinen Haaren machen. Er sieht meist aus wie ein Waldstreicher. *Seufz. Und ich gehe jetzt zurück in die wundervolle Frühlingssonne. Ach so, ich wollte mit einem Bild aus Ravenna enden, aber die Sonne wartet bekanntlich nicht, also vorläufig nur ein Link zu Dr. Jung.