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Mittwoch, 24. Juli 2024

Über Herrn Maaßen und Menschenfresser in Norwegen

Berliner Siegessäule, Photo von hier


Siegessäule Berlin, Mosaik, Photo von hier

Siegessäule Berlin, Mosaik, Photo von hier


Es gibt den Vorwurf an Herrn Maaßen, dem ich eine Plausibilität lange nicht absprechen konnte: Wer eine Intrige gegen sich , also, daß er längst in Ungnade gefallen war, nicht spüre, sei nicht geeignet als Chef eines Geheimdienstes.

Nun, dazu hätte er aber ein Bewußtsein davon haben müssen, daß er sich tatsächlich an einem, sagen wir es als Bild, byzantinischen Hof befindet, einem ziemlich unmoralischen zumal. 

Er hat alles geglaubt und fühlte sich darum von dieser Seite her sicher, wenn er etwa meinte, es habe keine Hetzjagden gegen Ausländer in Chemnitz gegeben, inzwischen längst gerichtlich bestätigt. Es sollte sie aber gegeben haben. Das war das politische Kalkül der Habituslinken AM. Also war er nicht mehr brauchbar.

Daß er nun, nachdem er aus diesem gewissermaßen Zustand des Unbewußten erwacht ist, sich nicht schmollend zurückzieht, sondern etwa mit seinem juristischen Scharfsinn das Agieren der gegenwärtig Regierenden seziert, ist verdienstvoll. Denn gedankliche Klarheit ist eines der Mittel, das gegen den Wortnebel, die Begriffsentleerungen und vermeintlich moralische Erpressungen helfen kann. 

Übrigens ist inzwischen sogar unsere, von mir gern so apostrophierte, "Dorfzeitung" überraschend mutig geworden, siehe dieses Interview mit ihm.  

Vor allem aber nachfolgend das Video eines Interviews von Roland Tichy. 

Stichworte: 

Meinungsfreiheit; offenes Agieren unterhalb der Strafbarkeitsschwelle; Umgehen des Zensurverbots; neue Kunstbegriffe wie „Delegitimierung des Staates“ und „menschenverachtende Hetze“; verbotene Wortbegriffe als Wortverbrechen, verfolgtes Sprechhandeln außerhalb des Strafrechts, der Begriff Globalisierung wird auch von Rechtsextremisten benutzt, darum ist er antisemitisch; der Begriff Islamisierung wird auch von Rechtsextremisten...; bestimmte Worte, die einen Zustand beschreiben, den die Regierungsparteien verursacht haben, werden als toxisch markiert, so werden den Menschen die Worte weggenommen und Alternativbegriffe zielsicher ebenso stigmatisiert.

Meinung ist links oder wenigstens Mainstream, alles andere ist Haß und Hetze; neuer Demokratiebegriff der progressiven Demokratie, alles andere ist antidemokratisch; Grundgesetz kennt deutsche Staatsangehörige und deutsche Volkszugehörige, verfassungsfeindlich wird es erst, wenn ersteren die gleichen Rechte abgesprochen werden; Die Opposition hat in einer Demokratie die Aufgabe, die Regierung zu delegitimieren; der Verfassungsschutz gefährdet die Demokratie; Menschen werden bewußt im Unklaren darüber gelassen, was strafbar ist und was nicht, Konkurrenzausspähung der Regierung...

Tichys Einblick: Wie der Verfassungsschutz uns Wörter verbietet

Interview mit Hans-Georg Maaßen, von hier

Aus der dem Untertext des Videos:

"Das Verbot des Magazins Compact... ist ein Symptom für die nicht demokratisch legitimierte Ausweitung der Kompetenzen des Inlandsgeheimdienstes. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), so sein früherer Präsident... Hans-Georg Maaßen, sollte sich wieder auf die ursprüngliche und im Gesetz festgelegte Aufgabe zurückziehen: Die Bundesregierung und den Bundestag über Spionage und Gefährdung der Freiheitlich demokratischen Grundordnung zu informieren."

Es sei aber nicht Aufgabe des BfV die Sprache zu kontrollieren und der Bevölkerung Begriffe und Wörter durch Stigmatisierung wegzunehmen und damit zu verhindern, dass Probleme wie Migration und zunehmende Kriminalität überhaupt angesprochen und thematisiert werden.

Es würden willkürlich Begriffe aus der Alltagssprache oder der politischen Debatte herausgegriffen und behauptet, ihre Verwendung sei verfassungsfeindlich. "'So werden uns die Wörter weggenommen'."




Berliner Dom, Photo von hier


Berlin, Mitte, Spreeinsel, Am Lustgarten: Berliner Dom, 


Zur Erholung habe ich eine kleine Bildstrecke eingestreut. Herr Roloff (dessen letzte Predigt hier nachzulesen wäre), besucht gerade die Reichshauptstadt und hatte diese Bilder geteilt bzw. meine Suche angeregt.



Berliner Dom, Altar, Photo von hier

Blick in die Kuppel des Berliner Doms, Photo von hier



Neoclassical Decorative Medallion. 19th.century. gilt wood, von hier

Und um mit einer freundlicheren Note zu enden, und zwar über etwas, das mir das Unbewußte in seinen ausufernden, diesmal nicht Albträumen, sondern erbauenden Imaginationen letzte Nacht gewährte.  

Es war tatsächlich ein Bau, ein weitläufiger, dem Publikum geöffneter Palast, der in meinem Traum in Potsdam angesiedelt war, obwohl derlei so dort nicht vorhanden ist und auch gar nicht zum Charakter des Ortes passen würde. Barock, jedenfalls den Formen nach, immer großformatig, aber unregelmäßig über und nebeneinander getürmte Gebäudeteile. 

Alles im Traum war plastisch und detailliert ausgeführt, bis in die unterschiedlichen Stimmungen hinein, die Raumaufteilungen, Ornamente und so fort. Einige Orte waren recht obskur, so etwa ein Kuriositätenkabinett über Menschenfresser in Norwegen (??), aber das meiste war einfach nur prachtvoll und schön.

Ich hatte eine Mappe mit Kunstdrucken erworben und bemerkte, daß einige Blätter offenkundig herausgerutscht waren. Also begann ich, zunehmend angestrengt und verwirrt, den mühselig verwinkelten Rückweg, um sie wiederzufinden. Vorbei etwa an einem Saal mit imposanten goldgerahmten Gemälden von herrschaftlichen Gestalten, auf die ich bei meiner nervösen Suche nur einen flüchtigen Blick warf.

Schließlich entwich ich nach draußen, um nach einem anderen Eingang zu suchen. Ich wandte mich nach links, da dort das machtvolle Gebäude eine runde Begrenzung aufwies, die von rot blühenden ausgedehnten Büschen umgeben war. Ich folgte der Biegung, sah im ferneren Hintergrund zwei Kirchtürme, der eine bereits wiederhergestellt, der andere eingerüstet. Als ich die Seite umschritten hatte, erblickte ich eine Frau, die rote Blütenblätter von einem Balkon warf.

Mir einen Reim auf Derartiges zu machen, habe ich lange aufgegeben. Vielleicht, daß wir an einem größeren, auch kulturellen Bewußtsein teilhaben können, wenn wir offen sind. Aber das allein kann es nicht sein. Aber warum nicht etwas Erbauliches und Erfreuendes mitzuteilen suchen.

John William Waterhouse, The Soul of the Rose (1908), von hier

Mittwoch, 8. Januar 2014

Die Rosen des Elagabal

Lawrence Alma-Tadema, "The Roses of Heliogabalus"

Aus gewissen Gründen stolperte ich über den Beitrag einer mir gänzlich unbekannten „Kunst-Bloggerin“, die sich anläßlich einer Buchbesprechung u.a. der Frage widmete, warum Salonmalerei 'nicht selten am Kitsch entlang schrappe', der Schlüssel sei wohl laut rezensiertem Autor „der Verzicht auf Ironie“ oder gar von visuellem Skeptizismus. Wo ein ironisches Korrektiv fehle, sei die Gefahr nicht gering, ins Triviale abzugleiten. Doch wer wisse schon, was Kunst im absoluten Sinne sei.

Und sie endet geradezu euphorisch: „Hüten wir uns vor arroganter Urteilsbildung, wie sie einst von den Wortführern der 'authentischen' Avantgarde formuliert wurde. 'Die Rosen von Heliogabal' von Lawrence Alma-Tadema unterziehe ich ignorant keiner Kitschanalyse, sondern freue mich einfach, wann immer ich das dionysisches Traumbild sehe, auf welchem dem Genuss gehuldigt wird.“

Nun, im Originalbeitrag ist nicht nur die Orthographie mitunter etwas wacklig. Aber ich fand den Beitrag amüsant als Beleg für die These, daß man Kunst eben nicht nur „einfach so“ genießen kann, wie viele inzwischen behaupten, bar jeder, wie bruchstückhaft auch immer, Bildung und näheren Kenntnis, zumindest, solange es etwas mit dem Eigentlichen des Kunstwerk zu tun haben soll, und schon gar nicht bei einem anspruchsvollen Stück britischer „Salonkunst“ des 19. Jahrhunderts.

Das dionysische Traum- und Genußbild erzählt unter der tatsächlich berückenden Oberfläche nämlich folgende ganz andere Geschichte, aus zugegebenermaßen recht zweifelhafter Quelle: Heliogabalus, oder besser Elagabal habe bei einem seiner orgiastischen Bankette derart viele Blütenblätter auf seine Gäste herabregnen lassen, daß Dutzende daran erstickten.

Um kurz zu erinnern, wer dieser Elagabal war, zitieren wir einfach die Propyläen – Weltgeschichte (hrsg. von Walter Goetz, 2. Bd., Berlin 1931, S. 421f.):

„Ein Großneffe der Gemahlin des Septimus Severus und angeblich natürlicher Sohn Caracallas, der vierzehnjährige Erbpriester des Sonnengottes Elagabal, wurde von den syrischen Truppen als Aurelius Antoninus zum Kaiser ausgerufen und fand rasch Anerkennung...

Der neue Kaiser hat den angestammten Kult des Schutzgottes seiner syrischen Heimat Emesa nach Rom verpflanzt und sich selbst auch auf dem römischen Kaiserthron als Hohepriester des Sonnengottes Elagabal gefühlt und bezeichnet; daraus erklärt sich der dem Kaiser beigelegte Name Elagabal oder, in volksetymologisch entstellter Form, Heliogabal.

Der junge Elagabal überließ die Regierung seiner ehrgeizigen Großmutter Julia Maesa... Seinen Götzen, den Baal von Emesa, zum Hauptgott des römischen Reiches zu machen, war das Bestreben des in tiefster orientalischer Verkommenheit versunkenen, aber auch von wildem Fanatismus verzehrten Syrers, der keinerlei Rücksicht auf die römische Würde nahm. Die widerwärtigsten Riten des orgiastischen syrischen Kultes suchte der kaiserliche Wüstling in ihrer durch keine Anpassung an westliches Empfinden gemilderten Scheußlichkeit am Tiber heimisch zu machen. Das anstößige Treiben des Elagabal ging selbst der von ihm verhätschelten Soldateska zu weit. Um die Dynastie zu retten, veranlaßte Julia Maesa den Enkel zur Adoption seines nur wenig jüngeren Vetters, des Sohnes der Mamaea, der als Aurelius Alexander zum Cäsar und Mitregenten erhoben wurde. Als Elagabal sich des ihm aufgedrängten Mitregenten zu entledigen trachtete, ergriffen die Soldaten die Partei des Bedrohten und erschlugen den geschminkten, nach Weiberart aufgeputzten kaiserlichen Sonnenpriester. Seine Leiche wurde durch die Straßen Roms geschleift und zuletzt in den Tiber geworfen (März 222).“

Elagabal, Kapitolinische Museen, Rom

Haben wir nun eine schöne Illusion zerstört? Interessanter wäre doch zu fragen, warum Alma-Tadema uns in diese abgründige Idylle führt. Ironiefreiheit dürfte hier jedenfalls kaum vorliegen, womit der Kitschverdacht nach obiger Argumentation ja hinfällig wäre. Aber derartige Definitionsversuche sind sowieso ganz vertrackt (ich hatte es auch einmal versucht, und aufgegeben).

Elagabal nannte man ihn erst später nach seinem syrischen Gott oder auch Sardanapulus oder Tiberinus (weil man seine Leiche in den Tiber warf, wie Cassius Dio sarkastisch erwähnt). Denn unter der wahrlich an seltsamen Exemplaren nicht armen Reihe von Kaisergestalten nimmt dieses halbe Kind schon einen beachtlichen Rang ein, allerdings in der Abteilung der Verirrten, Maßlosen und Abgründigen. Ja, er hat tatsächliche und vermutete Gegner umbringen lassen und womöglich dies mitunter selbst bewerkstelligt. Aber er war wohl nicht von exzessiver Grausamkeit dabei (für die damalige Gewohnheit).

Was die Römer aufbrachte, war sein Bestreben, seinen syrischen Gott, als dessen Werkzeug er sich sah, dem römischen Volk als obersten Gott aufzunötigen, mit allem, was dazugehörte. Und nun steigen wir doch ein wenig in die Gruselgeschichten hinab (oder, wie man gelegentlich versucht ist zu fragen: Wo bleiben die betroffen machenden Bilder?). Um also noch einmal Cassius Dio, einen Gegner und Zeitgenossen zu zitieren:

„Ich übergehe die barbarischen Gesänge, die Sardanapalus zusammen mit seiner Mutter und Großmutter dem Elagabal zu Ehren sang, erst recht die geheimen Opfer von Knaben, die er ihm unter Zauberformeln dahinschlachtete. Ja sogar einen Löwen und einen Affen und eine Schlange sperrte er lebendig in seinen Tempel, denen er männliche Glieder zuwarf; und noch anderen gottlosen Unfug beging er, umhängt mit unzähligen Amuletten.“

Diese Berichte wurden in Zweifel gezogen, der nachfolgende eher nicht, wieder Cassius Dio:
„Endlich wählte er sich ... einen Gemahl, ließ sich Frau, Gebieterin, Augusta heißen... Der Gemahl der neuen Augusta war Hierocles, ein karischer Sklave, früher ein Liebling des Gordius, von dem er auch das Wagenlenken erlernte.“

Cassius Dio berichtet weiter von dessen auffallendem Bedürfnis, als „Ehebrecherin“ ertappt zu werden, wobei er darauf bestanden hätte, von seinem blondgelockten „Gatten“ wüst beschimpft und gezüchtigt zu werden, weshalb er oft ein blaues Auge hatte. Unser Gewährsmann, dem heutzutage ausschließlich verfälschende Parteilichkeit vorgehalten wird, schreibt überraschenderweise weiter: „Jenen aber liebte er nicht nur mit oberflächlichem Ungestüm, sondern ernstlich“.  Und bringt später die rührende Notiz, daß bei der vorletzten, fast erfolgreichen Palastrevolte er unter Tränen vor der Soldateska kläglich gebettelt hätte:  „Nur den einen laßt mir am Leben, was ihr auch von ihm denken möget, oder tötet lieber mich!“

Doch bevor uns die Rührung darüber wegtragen sollte, wie auch in einem höchst wirren Kopf aufrichtige Gefühle wachsen können, noch ein wenig „Stoff“ für ersteres:

Nachts zog er, mit einer Perücke verkleidet, durch gewisse Etablissements „und versah, was die Wirtinnen in solchen Häusern zu tun pflegten, mehr noch: „er kam in berüchtigte Lusthäuser, jagte die Dirnen heraus und trieb dort mit seinen Lustknaben sein Unwesen“. Schließlich wollte er ganz das Geschlecht wechseln, Ärzte sollten ihn „durch anatomische Kunst zum weiblichen Genuß der Liebe empfänglich machen“ (mit einem Schnitt in den Unterleib wollte er sich eine Vagina verschaffen, ein Versuch, der offenkundig unterblieb).

Dabei heiratete er viele Frauen “und hielt noch viel mehr ohne gesetzlichen Titel in seinem Harem, nicht als ob er ihrer bedurft hätte, sondern um… ihre Kunstgriffe nachzuahmen“.

Was damals den gewöhnlichsten Römer zur Weißglut brachte, bringt ihm in heutigen Tagen eher Sympathien. Ein, dazu gut aussehender, junger Mann, der sich über sein Geschlecht im Unklaren ist, öffentlich nicht nur als Transvestit auftritt, sondern auch sonst keine Gelegenheit verstreichen läßt, seine sexuelle Selbstfindung voranzutreiben, dabei viel herumtanzt. Die Medien wären begeistert.

Und so gibt es bei „modernen“ Historikern auch erwartbare Versuche, das Bild dieses verstörten jungen Mannes (der das alles schließlich auch mit seinem Leben bezahlte) „objektiver“ zu zeichnen. Die Historiker, die ihn tendenziös beschrieben, gehörten alle einer feindlichen Senatspartei an etc. Oder etwas wie dies (gefunden im entsprechenden Wikipedia-Artikel):

„Die Promiskuität und Prostitution, die dem Kaiser Elagabal als persönliche Gewohnheit vorgeworfen wurde, ist als Bestandteil religiöser Riten zu deuten, die nicht zum Kult des Gottes Elagabal, sondern zu dem der Dea Caelestis gehörten. Religiöse Prostitution war in orientalischen religiösen Traditionen im Rahmen des Fruchtbarkeitskults verbreitet.“

Aha. Das klingt doch sehr nach, ich male mir die Welt, wie sie mir gefällt. Zu den Historikern, abgesehen vom Zeitgeist, ist schon zu sagen, daß es da natürlich auch Moden gibt und das Bedürfnis, die eigenen Bücher zu verkaufen. Dabei hilft es nicht unbedingt, das Überkommene wiederzukäuen. Da erklärt man gern einmal alle Quellen für zweifelhaft, um ja, was eigentlich zu tun? Die eigenen Spekulationen an deren Stelle zu setzen, genauer gesagt, das eigene Ego? Wie auch immer.

Ihr Götter! Eigentlich wollte ich nur etwas zu Lawrence Alma-Tadema anmerken, der am 8. Januar 1836 geboren wurde (und ich habe hier wirklich freundlich über ihn geschrieben).

Übrigens. Wie kann man Jeff Koons zum Künstler emporheben und Alma-Tadema als „Kitsch“ abtun. Das funktioniert schlicht nicht mehr. Aber es wäre ein neues Schlachtfeld, für das wir wirklich zu müde sind. Dieser interessante Artikel mäandert sehr an dieser Frage entlang und, durchsetzt von Logikbrüchen, zieht er sich zum Schluß am eigenen Schopf aus dem Sumpf, wie weiland der bekannte Freiherr. Übrigens ist nach meiner unbedeutenden Meinung Alma-Tadema kein Kitsch, aber er regt doch sogar einen derart alternden Kopf wie meinen sehr zum Nachdenken an, über die Zeit, das Verblassen von Maßstäben, die Verwirrung der Gemüter, solches Zeug halt.

Lawrence Alma-Tadema - "Geta and Caracalla"
endlich beendet am 16. Januar

Dienstag, 8. Januar 2013

Über Englisches auch

Lawrence Alma-Tadema, "A Reading from Homer"

Wo ich ausnahmsweise einmal hier und da einen Nebenblick auf den Fernseher werfe, stolpere ich über dieses Zitat, sinngemäß:  London sehe aus wie die Hauptstadt eines Imperiums, aber in Wirklichkeit sei sie das schon lange nicht mehr. Ach!? Es stammte von Peter Hitchens dem Bruder des krawallfreudigen Christopher Hitchens, der unlängst verschieden ist und sich sonstwo befinden mag.

Brüder mögen es, gegensätzlich zu sein. Peter Hitchens veredelt offenbar den Trennungsschmerz über das dahingeschiedene Empire, während sein Bruder, ich mag über den eigentlich nichts sagen, vielleicht nur soviel. Sein Atheismus hatte für mich etwas aggressiv, mir fehlt das Wort, ja -„Pornographisches“. Und man verstehe mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen Pornographie, soweit ich überwiegend von ihr in Ruhe gelassen werde. Aber wenn mir jemand geifernd einzureden sucht, dies sei die 100%ige Wahrheit über menschliche Beziehungen, dann soll er Spaß beim Umgang mit seinen Gedanken haben (vermutlich hat er den eher nicht, wenn ja, sei es ihm dennoch gegönnt).

Missionarischer Atheismus langweilt mich komplett. Aber diese merkwürdige Konstellation, in der einem im Kern seines Selbst immer noch verunsicherten und gestörten Deutschland zugemutet wird, es strebe erneut (auf raffinierten Umwegen) nach der europäischen Herrschaft, das hat einen gewissen Unterhaltungswert...

Wir halten uns an das, wo unsere angelsächsischen Vettern tatsächlich einmal tüchtig waren: Sir Lawrence Alma-Tadema wurde von mir (vor 2 Jahren!) zum Glück schon einmal „gewürdigt“, zumindest war es so gemeint, er wurde am 8. Januar 1836 geboren. Ich habe mich vor kurzem an unserem Herrn Rauch abgemüht, und es ist immer wieder erstaunlich, wie die Reflexion des gleichen Gegenstandes, hier wohl eine Art Verwandtschaftsgefühl mit der Antike so gänzlich Unterschiedliches hervorzubringen vermag, dennoch untergründig verbunden durch das, auf das man sich bezog.

Ach und Arcangelo Corelli starb am 8. Januar 1713, er hat oft so etwas Befriedendes. Und darum wollen wir auch mit ihm enden.


Samstag, 15. September 2012

Dies & Das & etwas Mecklenburgica



„I have nothing to say.“ „You should blog about it!“ Nun, ganz so schlimm ist es gerade nicht, es ist anders (ich mag es übrigens nicht, Bilder zu okkupieren, man findet die dazugehörige Karikatur im Original hier). Aber ich wollte schon lange an Sonnabenden das zusammentragen, was mir aus verschiedensten Gründen auffiel. Es ist sowieso ein Nachtrag also beginnen wir einfach.

Es fällt mir schwer zu erklären, warum ich das obige Video derart unterhaltsam finde, aber vielleicht muß ich das auch gar nicht. Der Blogger Jay gab in diesem etwas schillernden Beitrag einen Hinweis, wie das viktorianische Zeitalter so äußerlich rein über Abgründe hinwegschritt, da ist einiges dran, aber ich mag trotzdem meinen Lawrence Alma-Tadema (wenn man auf das Stichwort Präraffaeliten geht, wird dies vielleicht verständlich). Aber in der Tat, es ist ein deutenswertes Phänomen (später vielleicht).

Großherzog Paul Friedrich von Mecklenburg wurde am 15. September 1800 in Ludwigslust geboren, ich habe ein schlechtes Gewissen, weil hier viel zu wenig an mecklenburgischer Geschichte vorkommt. An dieser Stelle habe ich versucht, ein paar freundliche Bemerkungen über ihn zu äußern.

Dinge können verwirren, und wenig ist derart trügerisch wie der Augenschein. Menschen auch, mitunter.


Neu Holland Insel, Sankt Petersburg

Ich weiß nicht mehr ganz genau, wann und wie ich über ein gewisses Bild stolperte (es war nicht das obige), aber dieser junge Mann & Künstler aus England klärte mich über die Herkunft auf (er gab sich Mühe dafür). In der Tat eine merkwürdige Geschichte, an welchen Orten man unerwartet einen Hauch von Schönheit und Geheimnis aufzufinden vermag.
nachgetragen am 18. September

Dienstag, 14. August 2012

Millais &

Christus im Haus seiner Eltern, 1850

John Everett Millais starb am 13. August 1896, ich hatte schon früher einmal einen Anlauf gemacht, über ihn zu schreiben, der aber im Entwurf steckenblieb, genauer gesagt, war ich mir nicht schlüssig, inwieweit der harsche Kritiker, den ich dort zitiere, recht haben könnte. Kurz zusammengefaßt: Millais habe in den späteren Jahrzehnten seines Wirkens sein unbestreitbares Talent an den Erfolg verschwendet. Tatsächlich löste sein Gemälde „Christus im Haus seiner Eltern“ 1850 wegen seiner ärmlich herben, lebensgetreuen Art noch einen großen Skandal aus.

Ophelia, 1852

Heute bekannter ist seine „Ophelia“ von 1852, die auch nicht eben Gnade vor den Kritikern fand (hier und hier lassen sich dazu ein paar interessante Details nachlesen, etwa, daß die Künstlerin Elizabeth Eleanor Siddal sich beim „Modelliegen“ eine schwere Erkältung zuzog, da Millais so in sein Werk vertieft war, daß er vergaß, die Kerzen auszutauschen, die unter der  Badewanne das Wasser warm hielten; ich selbst hatte mich auch einmal am Thema versucht, an der Gestalt, nicht am Bild, wie auch immer).


John Ruskin, 1854

Die Times schrieb "there must be something strangely perverse in an imagination which so uses Ophelia in a weedy ditch, and robs the drowning struggle of that lovelorn maiden of all pathos and beauty" und "Mr. Millais's Ophelia in her pool ... makes us think of a dairymaid in a frolic" (in etwa zu übersetzen mit: „es muß etwas seltsam Perverses in einer Phantasie wohnen, die Ophelia in einen verunkrauteten Graben versetzt und so dem Kampf des Ertrinkens dieses liebeskranken Mädchens alles Pathos und alle Schönheit raubt“ und am anderem Ort: „Mr. Millais Ophelia in ihrem Becken ... läßt uns an ein Milchmädchen in einem Scherz denken“).

Sogar der angesehene Kunstkritiker und Förderer von Millais, John Ruskin, fand zwar die Technik des Bildes "exquisite", äußerte aber Zweifel an der Entscheidung, dieselbe in eine Surrey-Landschaft zu versetzen und fragte, "Why the mischief should you not paint pure nature, and not that rascally wirefenced garden-rolled-nursery-maid's paradise?"

Während Millais hier also noch recht umstritten war, allgemeinere Akzeptanz verschaffte ihm eigentlich vor allem das Eintreten von Ruskin zu seinen Gunsten, waren seine späteren Historienbilder, Landschaftsdarstellungen, Kinderporträts und generell Porträts dagegen recht populär. Ruskin nannte das spätere Werk eine „Katastrophe“, nun es war sicher sehr breit angelegt, Millais selbst sah darin einen zunehmenden Wagemut, den seine gewachsene Erfahrung hervorbrächte, und erwählte Velázquez und Rembrandt zu seinen Leitfiguren.

Cymon and Iphigenia, 1848

Da hat er möglicherweise recht hoch gegriffen; andererseits mochte sich Millais vielleicht auch einfach nicht in das gelegentlich herbe Ideal fügen, das Ruskin vorschwebte. Interessant ist dieses leicht fiebrige (um es freundlich zu sagen) Gemälde „Cymon and Iphigenia“, das er als 18jähriger unmittelbar vor seiner prä-raffaelitischen Phase schuf, da findet sich viel überbordende Jugendlichkeit, die ihm selbst bald nicht mehr gefiel, daher wohl die Wendung zum ernsthaft Tieferen, aber mitunter auch trocken Pedantischen.

Zur Geschichte - die hat Boccaccio erfunden, im Decameron, Dryden hat sie aufgegriffen. Sie handelt von der Macht der Liebe. Iphigenie schläft in einem Wäldchen am Meer, ein adliger, aber grober und ungebildeter junger Mann aus Zypern, der von seiner Familie auf's Land verbannt worden war, sieht Iphigenies Schönheit und verliebt sich. Sie, zurückhaltend und kultiviert, vermag, ihn in einen Höfling zu verwandeln.

Das nächste Bild aus der späteren Phase handelt vom exakten Gegenteil, ein herumstreifender Ritter befreit eine hilflose nackte Frau, sehr malerisch, nun ja, man findet Näheres hier.

The Knight Errant, 1870

Nun pedantisch waren seine beliebten Porträts später sicher nie, tiefgründigeren Glanz verbreiten sie nicht immer, aber genau waren sie schon, und meist angenehm anzuschauen. Dieses zu recht bekannte Portrait Kardinal Newmans geht darüber hinaus. Schlechte Menschen meinen, die Linien seines Kardinalgewands würden an die ertrinkende Ophelia erinnern. Ein sehr genaues Portrait, mir fällt zufällig ein, er soll einmal gesagt haben, wenn er einen Toast auszubringen hätte: „I shall drink … to conscience first and to the Pope afterwards.” Denn eine Person, die die Vernunft verfehle, würde zugleich ihre Seele verlieren. Aber wir brechen besser ab.

Portia (Kate Dolan), 1886

John Henry Newman

Diese Kinderbilder haben ihn auch sehr beliebt gemacht. Wir wollen nur dieses erste aufgreifen, seine Enkelin Phyllis, eines seiner „fancy pictures“, wo das Gefühl die Beschreibung überwindet. Wie lese ich so schön, sie geben eine neue „Tiefe und Schärfe, verbunden mit einem Hauch von Vergänglichkeit, ganz im Einklang mit dem viktorianischen Gefühl der Ungewißheit des Lebens...“

Little Speedwell's Darling Blue, 1892

Cherry Ripe, 1879

"Bubbles", 1886

Diese Ungewißheit und Ungesichertheit des Lebens springt einen hier sehr unmittelbar an, und dabei scheinbar noch idyllisch verpackt, auf den ersten flüchtigen Blick. Nein, so oberflächlich erscheint uns das alles nicht, ebensowenig, wie die Winterlandschaft im letzten Bild. Dieser Maler verdient wohl doch noch einen weiteren Anlauf, um ihn besser kennenzulernen. Wir werden sehen.

A Flood, 1870

Blow, Blow Thou Winter Wind, 1892
hier gefunden

nachgetragen am 17. August

Freitag, 8. Juni 2012

Über das Trügerische des Ruhm



Beginnen wir mit einer kleinen Spiegelfechterei. Tomaso Giovanni Albinoni wurde an einem 8. Juni im Jahre 1671 in Venedig geboren. Ich finde ihn durchaus sympathisch, aber nun ja, er ist übrigens der Fall eines zu Lebzeiten beliebten Künstler, von dem sich durch rapide abnehmenden Ruhm nur eine Handvoll seiner Werke erhalten hat. Dies fand der italienische Komponist Remo Giazotto offenkundig so bedauerlich, daß er das bekannte „Adagio g-Moll“ für Streicher und Orgel fand / erfand. Es ist sozusagen die Doppelsahne-Karamell-Torte der „klassischen“ Musik.


Ach übrigens, die ersten Rosen blühen auf. Doch zurück zum Thema. Ein anderer Künstler von wahrhaft wechselhaftem Rum - John Everett Millais, geboren am 8. Juni 1829. Ich habe ihn nur einmal näher erwähnt, weil er John Ruskin (einem großen Förderer der Präraffaeliten und auch besagten Millais, der galt zuerst als ein solcher) die Frau ausspannte, nachdem er ein Porträt von ihm vollendet hatte. Danach verließ diesen seine Frau Effie, sie ließ ihre Ehe gerichtlich annullieren und heiratete Millais im folgenden Jahr, sie bekamen 8 Kinder. Böse Stimmen meinen, seine Produktion hätte sich am Ende deshalb so ausgeweitet, weil er eben eine große Familie durchzubringen hatte.

John Everett Millais, „Chill October“, 1870

Dies ist eines der späteren Werke und ich kann es so flach nicht finden, eben sowenig wie sein (noch späteres) bekanntes Porträt von John Henry Kardinal Newman. Um eines der harschen Urteile anzubringen - Arthur Symons 1896 im Artikel "The Lesson of Millais":

"He painted them all with the same facility and the same lack of conviction; he painted whatever would bring him ready money and immediate fame; and he deliberately abandoned a career which, with labor, might have made him the greatest painter of his age, in order to become with ease, the richest and the most popular"

Grob übersetzt: "Er malte sie alle mit derselben Gewandtheit und dem gleichen Mangel an Überzeugung, er malte, was immer ihm bequemes Geld und unverzüglichen Ruhm einbrachte, und er verwarf vorsätzlich eine Karriere, die, mit Anstrengung, ihn zum größten Maler seiner Zeit gemacht haben könnte, um anstatt dessen mit Leichtigkeit der reichste und beliebteste zu werden.“


Nun die Beliebtheit hielt nicht lange an, bis heute. Im Jahre 2000 war es etwa einem Nicholas Serota, Direktor der Tate Gallery, endlich gelungen, obiges Denkmal in die Nähe der Fahrradständer abzuschieben. Zu recht? Nun ich bin mir sicher, daß man in absehbarer Zeit vieles von dem, was er protegierte, entschieden weiter aus dem Blickfeld schieben wird. Doch zurück zu Millais.
wird fortgesetzt

Samstag, 12. Mai 2012

Dante Gabriel Rossetti

A Vision of Fiammetta

Vor einem Jahr schrieb ich: „Ich vertrottele gerade. Da hätte ich schwören können, schon einmal etwas über Alma-Tadema geschrieben zu haben, dabei war es John William Waterhouse!“ Das hat sich nicht gebessert. Der Alma-Tadema-Beitrag findet sich übrigens hier, der über Waterhouse, falls man diesem Link folgt (und noch einer zu John Ruskin). Der Anlaß? Dante Gabriel Rossetti wurde am 12. Mai 1828 geboren. Ich bezweifle, daß er noch sehr bekannt ist, selbst wenn seine Frauenportraits (vermutlich aus eher kunstgewerblichen Gründen) vielen irgendwie vertraut vorkommen könnten. Wenn man sich für die Präraffaeliten zu erwärmen vermag, kommt man ihm nicht vorbei. Doch wir in diesem Fall, denn mehr als diese Notiz wird es zu ihm heute nicht geben.

Donnerstag, 20. Januar 2011

John Ruskin

John Ruskin, Portrait von John Everett Millais entstanden 1853-1854,

Als ich kürzlich etwas über einen der Präraffaeliten schrieb, hätte ich, so dachte ich, auch John Ruskin erwähnt. Habe ich aber gar nicht.Und dann muß ich gestehen, daß ich mir über seine Bedeutung für das geistige Leben im England des 19. Jahrhunderts nur höchst oberflächlich im Klaren war. Ich mag nicht nach der Art gewisser Hochstapler sofort von dem zu schreiben beginnen, was ich eben anfange zu lesen, also habe ich begonnen, in seinen Schriften zu stöbern. Man kann das online übrigens sehr gut an diesem Ort.

Das zuerst auffallende ist, man möchte bei nahezu jedem Satz entweder heftig widersprechen oder zustimmen, ein aufregender Denker also, erster Professor für Kunst an der Universität Oxford, Schriftsteller, Sozialreformer, Denkmalpfleger, Kunsthistoriker, Landschafts- und Architekturmaler und noch einiges mehr. Seine verschiedenen Interessen scheinen ihn geradezu übermannt zu haben. Großherzig im persönlichen Umgang, dafür oft scharf im Urteil. Für Ersteres gibt das obige Bild ein schönes Beispiel:

Ruskin war u.a. als Kunstkritiker ein großer Förderer der Präraffaeliten, einer von ihnen, Millais, schuf dieses Porträt Ruskins, und als es vollendet war, verließ diesen seine Frau Effie, sie ließ ihre Ehe gerichtlich annullieren und heiratete Millais im folgenden Jahr, und während dieser den Kontakt zu Ruskin abbrach, äußerte sich jener nichtsdestotrotz weiterhin freundlich über Millais.

Noch eine persönliche Kuriosität. Ich mag noch nichts Zusammenfassendes über Ruskin schreiben, es gibt hier im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon einen Artikel über ihn, der das wunderbar bewerkstelligt (auch wenn die Seite leider vom Optischen her stets nur schwer lesbar ist), aber ich will nachfolgend ausführlicher aus seinen Schriften zitieren und zwar aus einem Sammelband, der sich seit Monaten in meinem Besitz befindet. Mir war das zuerst gar nicht bei dem Stichwort Ruskin aufgefallen. Hintergrund: er gehört zu einem Stapel Bücher, die einem verstorbenen Pastor gehörten, seine Frau hatte sie mir freundlicherweise überlassen. Der Mann war Kettenraucher, folglich stanken die Bücher wie die Pest. Der Stapel wanderte langsam von der Terrasse in den Flur, und einzelne Titel landeten dann auch schon im Arbeitszimmer, wie dieser Ruskin, auf „den ersten Geruch“ hin schien er nun lesbar, aber als ich es aufschlug, schlug ich es sofort wieder zu. Die nachfolgenden Zitate sind also „erkämpft“.

John Ruskin, "The Chateau of Neuchatel at dusk, with Jura mountains beyond"
1866, hier gefunden

„Genau in dem Grade, in dem du Wesen finden kannst, die größer sind als du, zu denen du aufsehen kannst, in dem Grade wirst du edler, in dem Grade wirst du glücklicher werden. Wenn du immer in der Gegenwart von Erzengeln leben könntest, würdest du glücklicher sein, als in der Gesellschaft von Menschen; aber sogar in der Gesellschaft bewunderungswürdiger Ritter und schöner Damen würdest du desto glücklicher sein, je edler und glänzender sie wären, und je mehr du ihre Tugend verehren könntest. Wenn du dagegen dazu verurteilt wärest, unter einer blöden, dummen, verdrehten und boshaften Menge zu leben, so würdest du im beständigen Gefühl deiner Überlegenheit nicht glücklich sein. Ebenso hängt alle Freude und Kraft der Menschheit zum Fortschritt davon ab, daß etwas zu verehren gefunden wird, und alles Elend der Menschheit fängt mit der Gewohnheit des Verachtens an.“

„Kein physischer Irrtum kann tiefer, kein sittlicher kann gefährlicher sein, als die mönchische Lehre des Gegensatzes von Körper und Seele. In einem unvollkommenen Körper kann keine Seele vollkommen sein; kein Körper ist vollkommen ohne vollkommene Seele. Jede rechte Tat, jeder wahre Gedanke prägen das Siegel ihrer Schönheit auf Person und Antlitz; alles verkehrte Tun und unreine Denken das Siegel der Verzerrung. Ausdruck und Erscheinung des Menschen könnte so einfach gelesen werden, wie eine gedruckte Geschichte, wenn nicht die Eindrücke so mannigfaltig zusammengesetzt wären, daß es in einigen Fällen immer (und bei dem gegenwärtigen Stande unseres Wissens in allen Fällen) unmöglich bleiben muß, sie vollständig zu entziffern. Nichtsdestoweniger kann das Gesicht eines beständig Gerechten von dem Gesicht eines in der Ungerechtigkeit beständigen Menschen auf den ersten Blick unterschieden werden; und wenn durch ein oder zwei Geschlechter hindurch in diesen Eigenschaften beharrt wird, so entsteht ein vollständiger Unterschied natürlicher Veranlagung… Noch sind die Grenzen des Adels nicht festgelegt, die der Mensch durch beharrliches Beobachten der göttlichen Gesetze über Geburt und Erziehung erreichen kann.“

John Ruskin, "Amboise" 1841
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„Die Bildung rechter Art und Neigung wird durch ein geduldiges Herz bedingt. Es verweilt bei dem, was ihm vorliegt. Es tritt es nicht mit Füßen – es möchten Perlen sein, obwohl es wie Schoten aussieht. Es ist guter Boden, der willig aufnimmt und treu bewahrt, der nicht die Dornen liebloser Gedanken treibt, den schwachen Samen zu ersticken, der auch hungrig und durstig ist und allen Tau trinkt, der auf ihn fällt. Ein aufrichtiges und gutes Herz, das kein zu schnelles Wachstum zeigt, ehe die Sonne aufgeht, aber das es hernach nicht mangeln läßt. Es mißtraut sich selbst und ist bereit, alle Dinge zu glauben und zu versuchen und ist doch so voller Selbstvertrauen, daß es nicht losläßt, was es geprüft hat und nichts unerprobt annehmen will. Die Freude, die es an den als treu und gut erfundenen Dingen hat, ist so groß, daß es unmöglich durch List und Betrug der Mode und des Scheins irregeführt werden kann, es kann in seinen Entschlüssen nicht durch Parteilichkeit und Heuchelei beschränkt werden. Seine Gesichte und seine Freuden sind zu dringend und zu lebendig, als daß irgendein übertünchtes Ding oder schaler Quell ihnen lange genügen könnte. Was es liebt, umfaßt es so innig, daß es zermalmt, was hohl ist.“

„Der Geschmack ist nicht nur ein Teil und Exponent der Sittlichkeit; - er ist die einzige Sittlichkeit. Die erste und letzte und schärfste Prüfungsfrage für jedes lebende Wesen ist: ‚Was magst du gern?‘ Sage mir, was du gern magst, und ich will dir sagen, wer du bist…. ‚Nein,‘ wirst du vielleicht antworten, ‚wir sollten lieber danach fragen, was diese Leute und Kinder tun, als was sie gern mögen… Das Tun ist das Große…‘ Das ist in der Tat für eine kurze Zeit und in einem vorläufigen Sinne wahr. Denn wenn die Leute mit Entschlossenheit tun, was recht ist, werden sie allmählich dahin kommen, es gern zu tun. Sie sind aber erst dann in der rechten sittlichen Verfassung, wenn sie es gern tun; solange sie es nicht gern tun, sind sie in einem verderbten Zustand… Es ist das ganze Ziel wahrer Erziehung, die Leute dahin zu bringen, daß sie die rechten Dinge nicht nur tun, sondern genießen, - daß sie nicht nur fleißig sind, sondern den Fleiß lieben, - daß sie nicht nur gelehrt sind, sondern das Wissen lieben, - daß sie nicht nur rein sind, sondern Reinheit lieben, - daß sie nicht nur gerecht sind, sondern hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit.“

Samstag, 8. Januar 2011

Lawrence Alma-Tadema oder die Faszination der Oberfläche

"The Finding of Moses", 1904

"Alma-Tademas Bilder können uns kein tieferes Interesse einflößen", sie gehörten nur dem modernen "Zimmer-Ausschmückungs-Apparat" an. Und ein Künstler, der "alles ägyptisiert", dürfe sich nicht wundern, "wenn man, sooft er nur sein Sacktuch zieht, jedesmal fürchtet, ein kleines Taschenkrokodil hervorspringen zu sehen".

Ich vertrottele gerade. Da hätte ich schwören können, schon einmal etwas über Alma-Tadema geschrieben zu haben, dabei war es John William Waterhouse! Die obige Lektürefrucht entstammt nicht meinen Bildungsbemühungen, ich habe sie in einer Besprechung von Rosemary Barrows Buch "Lawrence Alma-Tadema" durch die FAS gefunden, amüsant zu lesen. Falls jemand dem Link folgt, sei nachzutragen, die Besprechung stammt von 2002. Warum das erwähnenswert ist? Nun, der Bemerkung - „1995 fand das 1960 erfolglose Gemälde "The finding of Moses" für 1,56 Millionen Pfund bei Christie's einen Käufer“ - ist hinzuzufügen, am 4. November 2010 wechselte dasselbe Werk für 35.922.500 $ den Besitzer. Wer weiß, in welchem vermutlich eher südöstlich von uns gelegenen Anwesen es jetzt sein Dasein fortsetzt.

Nicht nur Bücher haben ihre Schicksale. Und daß ein Werk von der Höhe der Bewunderung in den Abgrund der Mißachtung fiel, um heute in ungeahnte Höhen der Wertschätzung aufzusteigen, sagt viel über unsere, sagen wir letzten 100 Jahre aus.

"A coign of vantage", 1895
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Ich habe der freundlichen Bloggerin Rosabella zu danken, daß sie mich an seinen Geburtstag erinnerte, den 8. Januar 1836. Denn er ist einer der Maler, die ich durchaus mag, allerdings auf eine offenkundig eher unreflektierte Art. Ich mag diesen Farbenrausch, die Verläßlichkeit des Dargestellten, die Echtheit der Imagination, wie sich alles zu einer so selbstverständlichen Schönheit zusammenfügt, daß man mit den Händen nach einem Stück der Antike greifen möchte, die da vor einem liegt (meist ist es ein antikes Sujet). Bei uns hat man das Historienmalerei genannt, aber es gibt da niemanden, der diesen unverwechselbaren Zauber vorweisen kann. Das ist das Merkwürdige, man ist sofort in den Bann geschlagen von diesen berückenden Szenerien oder sollte man sagen, von dieser berückenden Oberflächlichkeit?

"Silver Favourites"
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Ich habe übrigens nicht von ungefähr auf die englische Variante des entsprechenden Lexikonartikels verwiesen, denn was der deutsche dürr protokolliert, beschreibt der englische unterhaltsam, einfühlend und vor allem detailreich, nicht untypisch leider. Und damit sind wir schon sehr nahe an Alma-Tadema, das Bild mag abseitig wirken, aber seine Gemälde haben oft etwas von einem Schmetterling, man kann sich an dessen lebendigem Flug erfreuen, man kann ihn aber auch aufspießen und anschließend klassifizieren, er verliert dabei aber wesentlich an Zauber.

Mit anderen Worten, ich bin etwas hilflos darin zu sagen, was mich an ihm fasziniert. Natürlich ist er technisch brillant. Er hat sehr sorgfältig historische Genauigkeit erreicht, Komposition und Lichtführung sind souverän und immer interessant, dabei ist er nicht pedantisch, es gibt oft eine nahezu schwebende Leichtigkeit und dann wiederum spürt man förmlich die Wärme der Körper und ahnt, wie der vereisten viktorianischen Haltung etwas Sinnlichkeit zugeführt wurde, in gesellschaftlich akzeptabler Weise, wohl einer der Gründe seines Erfolges.

Er zeigt eine Nähe zur späten Antike, man fühlt ihr Raffinement, die Freude an der Fülle der Sinne, ihre Überreife, von mir aus auch ihre Dekadenz, aber bei aller Genauigkeit hat man doch überwiegend das Gefühl, daß die bezaubernden Schönheiten eher Engländerinnen sind, oder sagen wir, die Art von Engländerinnen, die sie in ihren geheimeren Träumen gerne wären. "Victorians in toga" hat man das genannt, dabei war er kurioserweise ursprünglich Holländer. Aber es stimmt schon nicht selten, die Bilder haben etwas von einem englischen Landhaus, das als römischer Palast erscheinen will, aber das ist nicht alles.

Er ist ein Perfektionist der Oberfläche, sei es die der warmen Haut einer erstrahlenden Schönheit oder die des weißesten Marmors, man hat ihm entsprechende Spottnamen gegeben - "marbellous painter". Es stimmt, die Regungen der Seele bleiben hinter diesen Fassaden eher verborgen, die Gesichter zeigen häufig den Ausdruck einer gepflegten Langeweile, nicht immer, gerade für das letzte hier würde ich das überhaupt nicht gelten lassen.

Zu Lebzeiten war er hochgeehrt, amüsant, sich seine Zeitgenossen in Erinnerung zu rufen, als lebten sie in geschiedenen Welten. 1876 Mitglied der Royal Academy, 1899 Erhebung in den Adelsstand, beigesetzt wurde er 1912 in der St. Pauls Kathedrale. Die Perfektion der Oberfläche wurde später zum Vorwurf der Oberflächlichkeit, aber auch dieser Vorwurf ist oberflächlich, wie sagt doch Keats: „A thing of beauty is a joy for ever: / Its loveliness increases; it will never / Pass into nothingness…“


"Sappho and Alcaeus", 1881
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Mittwoch, 10. Februar 2010

John William Waterhouse


John William Waterhouse
"Hylas und die Nymphen", 1896
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Da er am 10. Februar 1917 starb und zu meinen Lieblingsmalern zählt, wollte ich heute gern an John William Waterhouse erinnern, ohne mich allzuviel über ihn auszubreiten (hier findet sich eine längere Biographie [Nachtrag: Dieser Link ist offensichtlich dahingeschieden, aber hier war jemand sehr fleißig]), das häufigste Etikett, das man ihm anheftet, ist wohl das des Präraffaeliten. Seine zeitgenössische Beliebtheit ist zunächst mit dem viktorianischen Zeitalter geschwunden, obwohl er auch zu Lebzeiten nicht immer die freundlichsten Bewertungen erfuhr. Nahezu satirisch fand ich seinen Nachruf in der Times vom 16. Februar 1917, aus dem ich zwei Absätze übersetzen möchte.

"Mr. Waterhouse was an eclectic painter. He painted pre-Raphaelite pictures in a more modern manner. He was, in fact, a kind of academic Burne-Jones, like him in his types and his moods, but with less insistence on design and more on atmosphere. His art was always agreeable, for he had taste and learning as well as considerable accomplishments; he was one of those painters whose pictures always seemed to suggest that he must have done better in some other work. This means that he never quite "came off," that he raised expectations in his art which it did not completely satisfy; and a reason of this, no doubt, is to be found in his eclecticism. He never quite found himself or the method which would completely express him."

„Mr. Waterhouse war ein eklektischer Maler. Er malte präraffaelitische Bilder auf eine moderne Weise. Er war in der Tat eine Art akademischer Burne-Jones, ihm gleich in seiner Art und seinen Stimmungen, aber mit weniger Nachdruck auf der Ausführung, dafür mehr auf der Atmosphäre. Seine Kunst war immer angenehm, denn er hatte Geschmack und Bildung sowie bemerkenswerte Fähigkeiten; er war einer jener Maler, deren Bilder immer zu versprechen scheinen, daß er etwas Besseres in einem anderen Werk geleistet haben müsse. Dies bedeutet, daß er nie ganz "fertig“ wurde, daß er in seiner Kunst Erwartungen erweckte, deren sie nie ganz gerecht wurde, und ein Grund dafür, daran besteht kein Zweifel, ist in seinem Eklektizismus zu suchen. Er fand nie ganz sich selbst oder die Methode, mit der er sich vollständig zum Ausdruck bringen konnte.“


John William Waterhouse
"The Lady of Shallot", 1888
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"One feels that his figures are there to make a picture rather than that they are occupied with any business of their own. They do make it very skillfully and prettily, but neither they nor the pictures seem to be quite alive. He was at his best, perhaps, in the "Martyrdom of St. Eulalia", in the Tate Gallery, where he escapes more than usual from the Burne-Jones lethargy, which, though very natural and expressive in Burne-Jones himself, seems to be a mere artistic device in Waterhouse. But he was, at any rate, quite free from that theatricality which is the common vice of academic subject pictures. He painted always like a scholar and a gentleman, though not like a great artist."

"Man spürt, daß seine Figuren eher dazu da sind, ein Bild vorzustellen, anstatt daß sie mit etwas beschäftigt wären, daß aus ihnen selbst käme. Sie machen es sehr geschickt und hübsch, aber weder sie noch die Bilder scheinen recht lebendig zu sein. Er war am besten, vielleicht, in dem "Martyrium der Hl. Eulalia" in der Tate Gallery, wo er mehr als sonst der Burne-Jones Lethargie entkam, welche, obgleich sehr natürlich und ausdrucksvoll bei Burne-Jones selbst, bei Waterhouse eher als ein artistischer Kunstgriff erscheint. Aber auf jeden Fall war er ganz frei von der Theatralik, die als gemeinsames Laster den Bildern aus dem akademischen Fach innewohnt. Er malte immer als ein Gelehrter und Gentleman, obgleich nie wie ein großer Künstler."

Nun, nach einer solchen Kritik kann man sich nur noch erschießen, wenn sie denn stimmt, glücklicherweise war er bereits dahingeschieden; in anderen Worten, der „Rezensent“ schoß dem Leichnam gleichsam ins Grab hinterher. Aber ich habe irgendwo gelesen, das sei sowieso eine britische Tradition gewesen. Bevor ich kurz doch noch meinen Senf hinzufüge, der Times-Nachruf stammt von der eindrucksvollen, John William Waterhouse gewidmeten Seite www.johnwilliamwaterhouse.com, und bei dem unvermeidlichen Wikipedia-Eintrag gibt es einen Verweis zu diesem FAZ-Artikel, der zwar interessant zu lesen ist, aber insgesamt doch einen eher ratlosen Eindruck hinterläßt.


John William Waterhouse,
"Odysseus und die Sirenen", 1891
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Was ich an Waterhouse mag, nun etwa, wenn das Phantastische so unspektakulär auftritt, daß es sich wörtlich anfassen ließe, ein jeder begründete Zweifel an dem Erfunden-Sein seiner Natur erscheint längst überflüssig, es gibt keine spürbare Grenze zwischen dem, was mich, den Betrachter, in diesem belanglosen Augenblick umgibt und dem gefesselten Odysseus, der den Sirenen lauscht. Man vermeint, vor dem Körpergeruch des Meermanns zurückweichen zu müssen. Märtyrerinnen, Imperatoren, Najaden und Ritter bewegen sich durch den einen Raum der angehaltenen Zeit, versammelt zu dem einem Gespräch, das keine Schranken kennt. Als würde jemand am Ende seines Lebens gelassen, doch nicht unbewegt, ein letztes Mal auf alles zurückschauen, und aller Kampf und Schmerz, jede Vergeblichkeit, jede Trauer löst sich auf in das eine Bild der Schönheit.


John William Waterhouse
"Ophelia", 1889
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I promised to someone to translate this post about John William Waterhouse with my poor English, well:

Since he died on February 10th 1917 and is one of my favorite painters I like to remind you of John William Waterhouse, without talking too much about him (the original link seems to be dead now, but here someone was diligent), the most common label that attaches to him is apparently that of the Pre-Raphaelites. His contemporary popularity initially disappeared with the Victorian era, although he also got not always the friendliest comments at that time. Almost satirically I found his obituary in the Times of February 16th 1917 (from which I would like to translate two paragraphs).

"Mr. Waterhouse was an eclectic painter. He painted pre-Raphaelite pictures in a more modern manner. He was, in fact, a kind of academic Burne-Jones, like him in his types and his moods, but with less insistence on design and more on atmosphere. His art was always agreeable, for he had taste and learning as well as considerable accomplishments; he was one of those painters whose pictures always seemed to suggest that he must have done better in some other work. This means that he never quite "came off," that he raised expectations in his art which it did not completely satisfy; and a reason of this, no doubt, is to be found in his eclecticism. He never quite found himself or the method which would completely express him."

"One feels that his figures are there to make a picture rather than that they are occupied with any business of their own. They do make it very skillfully and prettily, but neither they nor the pictures seem to be quite alive. He was at his best, perhaps, in the "Martyrdom of St. Eulalia", in the Tate Gallery, where he escapes more than usual from the Burne-Jones lethargy, which, though very natural and expressive in Burne-Jones himself, seems to be a mere artistic device in Waterhouse. But he was, at any rate, quite free from that theatricality which is the common vice of academic subject pictures. He painted always like a scholar and a gentleman, though not like a great artist."

Well, after such a verdict one better shoots himself, if it is true, fortunately, he had already passed away, in other words, the "reviewer" more or less shot at the corpse in the grave. But I read somewhere that this is a British tradition anyway. Before I briefly put my two cents in, the Times obituary is from this impressive site www.johnwilliamwaterhouse.com, dedicated to Waterhouse, and the inevitable Wikipedia entry refers to this FAZ article, interesting to read, but gives overall a rather helpless impression.

What I like about Waterhouse: well the fantastic occurs so unspectacular it could be nearly touched, every reasonable doubt about the invented-ness of his nature appears superfluous; there is no tangible boundary between what surrounds me, the viewer, in this trivial moment and the bound Odysseus, listening to the sirens. One feels of having to shrink back from the body odor of the merman. Martyrs, emperors, naiads and knights move through a space of suspended time, gathered for a conversation, which knows no boundaries. As if someone would look back, calm but not unmoved, at the end of his life one last time at everything, and all the struggle and pain, every futility, every sorrow dissolves into this one image of beauty.