Freitag, 16. Januar 2026

Zum Neuen Jahr

Eine meine erfreulichsten Erwerbungen kürzlich war die einer Ausgabe des Gesangbuchs für die evangelisch–lutherische Kirche in Mecklenburg-Strelitz von 1897. Nur als Nebennote, sollte ich mich doch einmal wieder in einen Gottesdienst der gegenwärtigen evangelischen Kirche wagen, werde ich es sicherlich als Gedankentrost mitnehmen.

Das nachfolgende Lied daraus hat mich zutiefst beeindruckt. Es ist paßt nicht völlig zu meiner eigenen Erlebniswelt, aber ich sehe die tiefere Verwandtschaft. Ich habe übrigens meine Textfassung gelegentlich sparsam hinzugefügt.


Durch Trauern und durch Plagen


Durch Trauern und durch Plagen,

durch Noth, durch Angst und Pein,

durch Hoffnung und durch Klagen,

durch manchen Sorgenstein

bin ich, Gott Lob, gedrungen;

dies Jahr ist hingelegt.

Dir, Gott, sei Lob gesungen,

mein Herze wird erregt.


Der du mich hast erbauet,

in dir besteht mein Heil;

dir ist mein Glück vertrauet,

du bist und bleibst mein Theil.

Du hast mich wohl erhalten,

du bist mein fester Trost,

dich laß ich ferner walten,

wenn mir die Not zustürzt.


Mein Gott, o meine Liebe,

was du willst, will auch ich;

gieb, daß ich nichts verübe,

was irgend wider dich.

Dir ist mein Will ergeben,

ja, er ist nicht mehr mein,

dieweil mein ganzes Leben

dein eigen wünscht zu sein.


Nach dir soll ich mich schicken,

und, Herr, ich wills auch thun.

Soll mich die Armuth drücken,

ich will dabei beruhn.

Soll mich Verfolgung plagen,

ja, Herr, befiehl du mir.

Soll ich Verachtung tragen,

ach, ich gehorch auch hier.


Soll ich verlassen sitzen,

Herr  Gott, dein Wille gilt.

Soll ich in Ängsten schweben,

mein Heiland, wie du willst.

Soll ich denn Krankheit leiden,

ich will gehorsam sein.

Soll ich von dannen scheiden,

Herr, dein Will ist auch mein.


Soll ich zum Himmel dringen?

Gar gern, o Gott, mein Licht.

Soll mich die Höll verschlingen?

Ach, dieses willst du nicht.

Ich habe zwar verdienet

die rothe Höllenglut,

du aber bist versühnet

durch deines Sohnes Blut.


Heut ist das Jahr beschlossen,

Herr, deine Gnad sei heut

neu auf mich ergossen,

mein Herze werd auch neu.

Laß ich die alten Sünden,

so werd ich, Gott, bei dir

auch neuen Segen finden;

dein Wort verspricht es mir.

Gottfried Wilhelm Sacer (1635 – 1699)


Wenn auch spät:


Auf ein gutes und gesegnetes Jahr also. 


Alles Notwendige ist oben gesagt.





Nachbemerkung:

Die Neujahrsbilder wirken immer so schnell recht abgestanden. Außerdem ist es in dem Moment sowieso meist neblig düster und kalt. Aber irgendetwas löst sich dann; merkwürdig. Vielleicht ist es die Hoffnung, die tief innen wohnt und wider alle sinnvollen Erwartungen ausbrechen darf. Eine unvernünftige Hoffnung gewissermaßen.

Also wollen wir unvernünftig hoffnungsvoll sein.